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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Matt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

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»ycheua täglich «ltzer «n Werktagen nach Sonn- xnb Feiertagen. Ouattal-AbonnementS-PreiS bei der Expe­dition L Mk., bei allen Postämtern L ML LS Psg. (exkl. Bestellgeld). IniertionSgebühr für die gefpalttme Zeile in 8Mo. Svflemw w M» peile ®r vfe.

Marburg,

Mittwoch, 26. Oktober 1892.

Sazetgen nimmt entgegen die Erpeditton dieses Blattes, sowie die Annoncen-Bnreaux von Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudoli Mosie in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, PariS^

XXVII. Jahrgang.

Neubestellungen auf dieOber­hessische Zeitung" für die Monate November und Dezember werden von allen Postanstalten, dm Landbriefträqern, in der Expedition (Markt 21), sowie von unseren Filial-Expe­ditionen in Kirchhain, Neustadt, Wetter und Gladenbach entgegengenommen

Die Exped. derOberhesf. Ztg."

Die neue Militärvorlage.

lieber die Militärvorlage werden derKöln. Ztg." folgende Mitteilungen gemacht:Der Gesetz­entwurf setzt die Friedenspräsenzstärke des deutschen Heeres an Gemeinen, Gefreiten und Obergefteiten für die Zett vom 1. Oktober 1893 bis 31. März 1899 auf 492 068 Mann als Jahresdurchschnitts­stärke fest. Die Infanterie wird in 711 Bataillonen, die Kavallerie in 477 Eskadrons, die Feldartillerie in 37 Bataillonen, die Pioniere in 24 Bataillonen, die Eisenbahntruppen in 7 Bataillonen, der Train in 21 Bataillonen formiert. Der Durchschnittsstärke liegt die Voraussetzung zu Grunde, daß die Mann­schaften der Fußtruppen im Allgemeinen zu einem zweijährigen aftißen Dienst bei der Fahne herange­zogen werden. Die Unteroffizierstellen und die hierzu erforderlich werdenden Aenderungen unterliegen in gleicher Weise wie die der Offiziere, Aerzte und Beamten der Feststellung durch den Reichshaushalts- Etat. In offenen Unteroffizierstellen können über die obige Friedenspräsenzstärke hinaus Gemeine ver­pflegt werden. Die Gnjährig - Freiwilligen kommen nicht in Anrechnung. Die Begründung hebt hervor, daß durch Gesetz vom 11. März 1887 die Friedens­präsenzstärke bis 31. März 1894 auf 468409 Mann festgestellt ist. Diese wurde demnächst durch Gesetz vom 15. Juli 1880 vom 1. Oktober 1890 ab auf 486 983 Mann erhöht, mit dem 1. April 1894 ist sonach die gesetzliche Neuregelung nötig. Inzwischen hat die militärpolitische Lage sich zu unseren An­gunsten verschoben und fordert durchgreifende Maß­regeln. Das Uebergewicht, das wir in der Ver­gangenheit der von uns zuerst eingeführten allge­meinen Wehrpflicht verdankten, ist geschwunden, denn wir sind mittlerweile in der Durchführung dieser Pflicht von unseren Nachbarn überholt worden. In Frankreich ist durch Gesetz vom 15. Juli 1889 die allgemeine Wehrpflicht in durchgreifendster Weise zur Vollendung gebracht. Die französische Friedens-

Auf Wronkermühle.

Original-Roman von E. $. H. Brandrup.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Fritz blickte Lieschen nach.Und doch will ich fort !" kam es zwischen seinen Zähnen hervor, als sich die Thür hinter der graziösen Gestalt geschloffen hatte. Muß ich fort," setzte er dann hinzudenn die Kraft gebricht mir thatsächlich, dieses Leden noch länger zu ertragen.

Noch in derselben Stunde hatte der junge Landwirt den Befehl zum Anspannen gegeben. Ohne noch ein Wort mit seiner Gattin zu wechseln, war er dann nach B hinübergefahren, um sich vorerst nur mit dem Vater auszusprechen. . . Von den widerstrebensten Empfindungen gequält, hatte Fritz den Wagen bestiegen, um die geringe Meilen- zahl zurückzulegen, die Wronkermühle von der statt- Lchen Provinzialstadt B trennten. Aber um vieles ruhiger, als er ausgefahren war, erreichte er den Ort, so daß er mit der Mene vollkommener Gleich- mütigkett das elterliche Haus betreten konnte

Als er dort an der Enrieethür klingelte, öffnete ihm die Mutter. Aber mit welcher verstörten Miene trat Frau Louise dem Lieblinge entgegen ? Wußte sie bereits von den Vergehungen des Sohnes und hatten die Thränen, welche die Augen der guten Frau mit roten Rändern umgaben, dem Erkennen seines wahrm Charakters gegolten ?

Fritz wußte es nicht. Schluchzend war chm die Mutter jetzt um den Hals gefallen und den Kopf an der Schütter des Sohnes, stieß fie nun jam- mernb hervor:

O, dieses Unglück dieses Unglück!"

Und sich plötzlich wieder von der hohen kräftigen Gestatt ihres Einzigen lösend, eilte fie nach dem

Präsenzstärke der letzten drei Jahre beträgt durch­schnittlich 519 000 Mann, die Rekrutenquote für 1890 rund 230 000 Mann, die Zahl der in 25 Jahr­gängen nach Abzug von 25 Proz. Ausfall vor­handenen ausgebildeten Mannschaften rund 4 053 000 Mann. Gleich rastlos arbeitet Rußland, deffeu Friedenspräsenzstärke 1889 rund 281000 Mann. Die Zahl der ausgebildeten Mannschaften beträgt in 23 Jahrgängen mit 25 Proz. Ausfall rund 4 556 000 Mann. Solchen Verhältnissen gegenüber haben wir nur ein Mttel, unsere Sicherheit und Unabhängigkeit zu bewahren: die volle Ausnutzung unserer nationalen Wehrkraft. Es muß eine Organi­sation geschaffen werden, welche alle wirklich Dienst­tauglichen aufnimmt, dann erst kann in der Er­wartung, daß es gelingt, die Armee in ihrer Tüchtig­keit zu erhalten, Deutschland einem Angriff mit Ruhe entgegensetzen. Voraussetzung hierfür ist, daß wir die bisherige schrittweise Weiterentwicklung unserer Organisation aufgeben und den großen, gerechten, patriotischen Grundgedanken unserer Wehrverfassung soweit durchführen, als es die personellen, wirtschaft­lichen und finanziellen Kräfte Deutschlands gestatteu. Das einfachste Mittel dazu bestände darin, neue Verbände in entsprechendem Umfange zu schaffen, aber die Kosten, die dafür beansprucht werden müßten, würden zu der finanziellen Leistungsfähigkeit des Reiches in keinem Verhältnis stehen. Es bleibt daher nur die Lösung übrig, den bisherigen Rahmen möglichst zu erhalten, aber innerhalb desselben ent­sprechend mehr Wehrfähige auszubilden. Zn erreichen ist dies nur durch Verkürzung der aktiven Dienstzett. Es ist das kein Bruch mit der Vergangenheit; im Grundsatz soll dir verfassungsmäßige dreijährige Dienstzeit auftecht erhalten werden, aber für durchführbar wird eine kürzere Dienstzeit bei den Fußtruppen gehalten, insofern durch die Organisation die Sicherheit geboten wird, die Ausbildung intensiver zu gestalten als bisher. Wenn unter gewöhnlichen Verhältnissen die Mann­schaften der Fußttnppen nach zweijähriger Dienstzeit zur Disposition beurlaubt werden sollen, so muß doch die Möglichkeit gewahrt bleiben, Leute in den Fällen des § 18 des Militärstrafgesetzbuches ein­tretendenfalls bis zum Ablauf des dritten Jahres im Dienst zurückbehalten zu können. Siebenjährige Perioden können unter den zeitigen Verhältnissen nicht festgehalten werden, fünfjährige entsprechen den Volks­zählungen und den parlamentarischen Wahlperioden, sie gewähren den Heereseinrichtungen ausreichende Stetigkeit. Mit der Verstärkung des Heeres und der

Zimmer des Gatten. Von Fritz gefolgt, öffnete die alte Dame dort den Schreibtisch Herrn Gottliebs und entnahm einem Fach desselben ein zusammen­gefaltetes blaues Papier. Ohne ein Wort zu sagen, aber mit zitternder Hand reichte die Matrone dem Sohne diesen Zettel hin. Betroffen ge­ängstigt durch das ganze Wesen Frau Louisens, er­griff der junge Mann denselben auch. Aufmerksam die Blicke senkend, las er dann die Worte:

Um Gotteswillen, was bedeutet dieses Tele­gramm?" fragte Fritz, die Depesche krampfhaft in der Rechten ballend, während fein Auge den Blick starren Entsetzens annahm.

Daß der Vater einem Betrüger in die Hände gefallen ist," erwiderte die Matrone und schluchzte laut auf.Er ahnte das Schreckliche wohl schon seit einiger Zeit," setzte sie dann hinzu,wenigstens ging er in ben letzten acht Tagen wie verstört im Hause umher Als ihm dieses unselige Telegramm in die Hände gelegt worden, wankte er und stürzte gleich einer gefällten Eiche zu Boden. Der Schlag hatte chn berührt, glücklicherweise nur so leicht, daß er sich bald darauf wieder ohne jede Hilfe erheben konnte.Alles, alles ist verloren," murmette er dabei vor sich hinich bin vielleicht nichts weiter mehr, als ein Bettler!"

Du kannst Dir denken, mein Sohn, wie mich diese Worte faßten," fuhr Frau Louise nach einer kurzen Pause fort, während Fritz zusammen­gepreßten Lippen vor fich hinstarrte.Dennoch ver­mied ich es, in Klagen auszubrechen, sondern suchte durch freundliches Zureden ben wie Gebrochenen auf­zurichten. Aber Dein Vater hieß mich ungebulbig schweigen unb bat mich bann, ihn allein zu lassen. Ich gehorchte natürlich, trotzdem mir im Wohn­zimmer fast das Herz brach, als ich den Aermsten

Verkürzung der Dienstzeit müssen natürlich neue organisatorische Ergänzungen eintreter, und zwar Er­weiterung des Kadettenkorps, sowie der Uuteroffizier- schnlen und der Unteroffizier-Vorschulen, ferner Er­höhung der Kapitulantenlöhne und Einführung eines Kapitulantenhandgeldes. Außerdem find Maßregeln zur Förderung der Ausbildung bei den Truppen mit verkürzter Dienstzeit nötig, z. B. Erhöhung der Ge­fechts- und Schießübungsgelder und der Uebungs- munition für Handwaffen. Auch sind Mittel zur sachgemäßen Ausbildung der Offiziere des Beurlaubten­standes je nach dessen Anwachsen erforderlich. Die Ausbildung der Ersatzreservisten im heutigen Sinne fällt weg, doch bleibt die Einrichtung bestehen, um z. B. körperlich minderwettige Leute im Verwaltungs­und Krankendienst auszubilden. Bei einem zukünftigen Rekrutenbedarf von rund 235 000 Mann wird Deutsch­land, unter Zurechnung von 9000 Einjährig - Frei­willigen, in 24 Jahrgängen in Bezug auf die Zahl der ausgebildeten Mannschaften, von dem in der Be­völkerungszunahme begründeten Anwachsen der Dienst­fähigen abgesehen und nach Abzug von 25 Prozent Ausfall, mit runb 4400000 Mann Frankreich, das an der äußersten Grenze der Heranziehung seiner Wehrpflichtigen angelangt ist, bereits um etwas über­flügeln und hinter Rußland nicht mehr erheblich zurück­bleiben. Diese vergleichenden Zahlen geben allerdings keinen absolut sichtigen Anhalt für die Stärke der Armeen im Felde. Soweit irgend angängig, werden ältere Jahrgänge von der Verwendung auf dem Ksiegs- schauplatz selbst ausgeschlossen werden. Entscheidend ist bei einem solchen Vergleich die Stärke der einzelnen Jahrgänge. Derjenige Staat, der in den einzelnen Jahrgängen die Ueberlegenheit der Zahl besitzt, kann mit einem verhältnismäßig jungen Heere in dem ent­scheidenden Kampf eintreten. Der Gegner muß auf erheblich ältere Jahrgänge zurückgreifen. In dieser Lage befinden wir uns gegenwärtig. Die geplante Heeresverstärkung kommt in erster Linie der Jnfantesie, Feld- und Fußartillerie zu Gute. Die übrigen Waffen find nur soweit beteiligt, als es ihre kriegerische Ver­wendung und Ausbildung fordert. Von der Neu­schaffung höherer Stellen soll thunlichst abgesehen werden. Die Verstärkung der Infanterie soll durch Errichtung vierter Bataillone bewirkt werden, denen wesentlich die Ausbildung sämtlicher Diensttauglichen znfällt. Damit soll zugleich die Durchführung der verkürzten Dienstzeit ermöglicht werden. Bei der Kavallerie ist das Bedürfnis nach Stämmen für Reserveformationen unabweisbar hervorgetreten; dem soll in beschränktem Maße Rechnung geringen werden.

hier stundenlang auf und nieder gehen hörte. Endlich trat er aus der Stube heraus. In Mütze und Paletot schritt er an mir vorüber und verließ, ohne ein Wort zu sprechen, Wohnung und Haus.

Ich wollte Deinem Vater nach, Fritz, sagte Frau Louise, aber meine Glieder versagten mir den Dienst. Eine Stunde namenloser Qual verbrachte ich jetzt. Ich fürchtete das Schlimmste. Da endlich kam mein armer Mann wieder nach Hause. Pack' mir das Notwendigste in die Touristentasche, Frau," sagte er nunich muß noch heute nach Berlin reisen, vielleicht ist es mir möglich, noch etwas zu retten."

In abgerissenen Worten teilte mir Dein Vater auch mit, daß er bei dem Justizrat Horn gewesen sei und dieser chm den Rat erteilt habe, sich persönlich an Ort und Stelle zu begeben, da sich von hier aus vorläufig nichts gegen Klette unternehmen ließe. So verließ mein armer Mann B mit dem nächsten Zuge. Heute morgen aber telegraphierte er mir, daß er nachmittags zwischen 3 und 4 Uhr wieder zu Hause eintreffen würde. Bleibe also so lange in der Stadt, Fritz. Vielleicht braucht Dich der Vater bei seiner Heimkehr."

Fritz neigte zustimmend den Kopf. Dann führte er die Mutter liebevoll nach dem Wohnzimmer zurück. Und gewaltsam den eigenen Kummer nieder­kämpfend, versuchte er es, die alte Dame mit den Worten zu trösten, daß sich gewiß alles besser ge­stattet haben werde, als die unselige Depesche es vermuten ließe. Hernach aber schützte der junge Landwirt allerlei zu besorgende Geschäfte vor, um das Haus für einige Zeit verlassen zu können . . . Schon in der Thür zum Entree rief ihn die Mutter aber wieder zurück,lieber all dem Leid," sagte sie,hab' ich ja ganz und gar vergessen, Dich zu

Die ziffermäßige Ueberlegenheit der französischen Feld­artillerie muß auch hier berücksichtigt werden. Die Verstärkung der Fußartillerie ist gemäß den ver­änderten Aufgaben, welche dieser Waffe zufallen werden, in Aussicht genommen". Die Kosten der neuen Militärvorlage sind nach der Begründung: einmalige Ausgaben 66 800 000 Mk., laufende Ausgaben 64 Millionen pro Jahr, im ersten 56 V2 Millionen. Die Armeeverstärkung umfaßt: 2138 Offiziere, 239 Militärärzte, 209 Büchsenmacher, 23 Roßärzte, 1 Sattler, 11857 Unteroffiziere, 72 037 Gemeine, 6130 Dienstpferde. Also runb 86 000 Soldaten mehr! Die Bewilligung im Bundesrat ist sicher, was wird aber der Reichstag sagen?

Deutsches Reich.

W. Aerki«, 25. Oktbr. Unser Kaiser ar­beitete am Montag mit den höheren Marineoffizieren und trat dann die Reise nach Blankenburg a. Harz an, um einer Einladung des Prinzregenten Albrecht zu den braunschweigischen Hofjagden zu entsprechen. Unterwegs wurde ein anderthalbstündiger Aufenthalt in Wittenberg genommen und alsdann die Reise über Cöthen und Halberstadt fortgesetzt. In Blankenburg wurde der Monarch festlich empfangen. Am heutigen Dienstag sind Hofjagden, abends soll die Rückreise über Halberstadt und Magdeburg nach Potsdam er­folgen. Zum Kommandanten des kaiserlichen Hauptquartiers an Stelle des Generals von Wittich soll der General Graf Keller, früher Kommandeur des Gardefüsilier-Regiments auserseheu sein. Zur Festfeier in Wittenberg am 31. Oktober sollen von allen umliegenden Städten Sonderzüge abgelassen werden. Der Rücktritt des deutschen Botschafters in Petersburg, des Generals von Schweinitz, wird bestätigt. Die Gesundheit des Botschafters hat unter dem nordischen Klima sehr gelitten und lediglich deshalb erfolgt der Wechsel. Dem scheidenden öster­reichisch-ungarischen Botschafter in Berlin, dem Grafen Szechenyi, widmet dieN. A. Z." einen sehr herz­lichen Artikel, in welchem der Botschafter als Staats­mann und Diplomat gefeiert wird. DieKreuzztg." behauptet, Herr von Schlözer sei von seinem Posten als preußischer Gesandter beim Vatikan ab» berufen, weil er nicht die geringste Ahnung von dem Schritt des Papstes zu Gunsten der ftanzösischen Republik, durch welche sich der Papst dieser völlig in die Arme geworfen, gehabt und noch viel weniger vorzubauen gewußt habe. Die Berliner Regierung sei hierdurch peinlich überrascht gewesen. Neue

fragen, ob Du bereits weißt, daß Ernst an den Justizrat geschrieben und ihm mitgeteilt hat, wie

Ja, Mutter, ja Horn erzählte mir die große Neuigkeit," unterbrach Fritz die Worte der Matrone und ging dann, ohne weiter auf ihre Rede einzugehen, aus dem Gemach. Seine Züge hatten dabei aber einen fo merkwürdigen Ausdruck herber Seelenpein angenommen, daß die Matrone ihm kopf­schüttelnd nachblickte. Lange zerbrach sie sich jedoch nicht den Kopf über das jäh veränderte Aussehen des Sohnes. Ihre Gedanken hatten ja auch anderes zu thun: Ihnen lag es heute doch vor allem ob, die Nachrichten zu erfahren, welche der Gatte mit nach Haufe bringen werde.

Fritz hatte indessen die Straße erreicht. Vor der Thür feines nunmehrigen Elternhauses blieb er aber geraume Zeit wie gebannt stehen. Eine wahre Sturmflut von Gedanken und Empfindungen durch­brausten in diesen Momenten die junge Mannesseele. Es ist aber schwer zu sagen, was quälender in ihr arbeitete, die Mutmaßung, daß die Ettern von den verloren gegangenen Briesen ihres Neffen und der Unwahrheit seiner Verbindung mit der Tochter Master Fly's wußten, oder die furchtbare Prospettion, der Sohn eines Bettlers zu werdenArm zu allem anderen Elend auch noch ohne jeden äußeren Besitz," flüsterte er jetzt willenlos vor fich hin und sein Fuß stieß zornig den Boden. Dann glitt die Rechte des unseligen Mannes über das erhitzte Ge­sicht. In der Seele den Entschluß, fich gewaltsam zu beherrschen, that er nun ein paar Schritte vor­wärts, ohne sich darüber klar zu sein, wohin er eigentlich wollte. Da hörte er plötzlich hinter sich seinen Namen rufen. Unruhig wandte er den Kopf und sah sich alsbald einem Freunde aus der Schul- zett gegenüber. (Forts, folgt.)