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WcheMiche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Druck > 9- (^pebition Markt 21. Illustriertes Sonntagsblatt. Redaktion und ^Expedition: Markt 21.
M 251.
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und F-iertagnu — Quartal-AdonnementS-Preir bei der Expedition 2 Mk., bei aLo Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JnsertionSgebuhr für die gespelltem Zeile 10 Pfg., Reklamen fnr die Zeile 25 Pkg.
Marburg,
Dienstag, 25. Oktober 1892.
Anzeigen nimmt entgegen die Crpedttion dieses Blattes, sowie dieAmwncen-Bureaux vonHaasenstein u.Vogler in vvm. - ___.
Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf , XXV11. 5^(11)100110, Moste in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L.
Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
Neubestellungen auf die „Oberhessische Zeitung" für die Monate November nnd Dezember werden von allen Postanstalten, den Landbriesträaern, in der Expedition (Markt 21), sowie von unseren Filial-Expeditionen in Kirchhain, Neustadt, Wetter und Gladenbach entgegengenommen
Die Exped. der „Oberhess. Ztq."
Deutsches Reich.
W. 38erlitt, 23. Oktbr. Am deutschen Kaiser- hofe in Potsdam wurde am Sonnabend unter Beteiligung zahlreicher fürstlicher Gäste der 34. Geburtstag der Kaiserin Augusta Viktoria und die Taufe der jüngstgeborenen Prinzessin begangen, welche die Namen Viktoria, Luise, Adelheid, Mathilde, Charlotte erhielt. Rufname der Prinzessin ist Viktoria. Der Taufe folgte Defiliercour vor der Kaiserin und Galatafel. Am Sonntag wohnten die kaiserlichen Majestäten mit allen fürstlichen Gästen dem Gottesdienste in der Friedenskirche bei. Mittags empfing der Kaiser den seines Alters wegen ans dem diplomatischen Dienst scheidenden österreichisch-ungarischen Botschafter Grafen Szecheny, worauf die fürstlichen Herrschaften einer Einladung des Kaisers und der Kaiserin zur Tafel folgten. Die meisten fürstlichen Taufgäste haben Sonntag Abend Potsdam wieder verlassen. — Der Schwarze Adlerorden ist vom Kaiser seinem Schwager, dem Herzog E r n st G ü n t h e r von Schleswig-Holstein verliehen worden. — Der deutsche Botschafter in Petersburg, General von Schweinitz, wird zu Neujahr definitiv seinen Posten verlassen und sich nach Cassel in den Ruhestand zurückziehen. — Eine Sonderausgabe des „ Reichsanzeigers' veröffentlichte gestern folgenden Kaiserlichen Gnadenerlaß: .Seine Majestät der Kaiser und König haben aus Anlaß der Geburt der Prinzessin-Tochter Allergnädigst geruht, einer Anzahl weiblicher Personen, welche sich gegen die Strafgesetze vergangen hatten, die verwirkten, noch unvollstreckten Freiheits- und Geldstrafen zu erlassen. In Ausführung dieses Allerhöchsten Guaden- aktes, welcher mehr als 400 wegen Verbrechen und Vergehen verurteilte Personen aus allen Teilen der Monarchie umfaßt, sind die in Strafhast befindlichen Verurteilten heute Morgen in Freiheit gesetzt worden. — In Eisenbahnkreisen wird der Ausfall, den der Personenverkehr auf den p r e u ß i s ch e n S t a ätsch a h n e n während des Monats September infolge der
Cholera erlitten hat, auf annähernd sechs Millionen Mark geschätzt. Auch während der ersten Hälfte des Monats Oktober ist der Personenverkehr noch vielfach ehr gering gewesen, erst neuerdings beginnt er sich wieder zu beben. — Die srüher viel erörterte Frage, ob der Kaiser den Bankier Baron Cohn in Dessau, den Hofbankier Kaiser Wilhelms I., ebenfalls zu seinem Bankier erwählt habe, ist jetzt in verneinendem Sinne klargestellt. Am letzten Sonnabend ist der Generalkonsul Schmidt, Chef der Firma Anhalt und Wagner, zum Hofbankier ernannt. — Der vatikanische „Osservatore Romano" veröffentlicht unter der Ueberschrift „Harnack" einen scharfen Artikel gegen den „atheistischen" deutschen Protestantismus, sowie gegen die geplanten Luther-Feste in Wittenberg.
Wittettverg, 23. Oktbr. Für die großen Feierlichkeiten zur Einweihung der Lutherkirche in Wittenberg ist folgendes Programm aufgestellt: Um 10i/2 Uhr Versammlung des Komitees und der Festgäste auf dem als Festplatz abgegrenzten Teile des Marktplatzes. Die übrigen Eingeladenen haben bis 11 Uhr ihre Plätze in der Schloßkirche einzunehmen. Die vor dem Kaiser eintreffenden Fürstlichkeiten werden zunächst in das Rathaus geleitet. Der Kaiser wird nach dem Empfange durch die Spitzen der Behörden vor dem Rathanse die Huldigung der Versammelten entgegennehmen. Um lU/g Uhr beginnt der feierliche Kirchgang. Der Zug, der sich unter Glockengeläute durch ein Militärspalier bewegt, wird durch ein militärisches Detachement geschlossen. Der Kaiser und die Fürstlichkeiten betreten die Kirche durch die Thesenthür. Die Einweihung wird von dem ersten Generalsuperintenden der Provinz Sachsen D. Schultze vollzogen. An den Weiheakt schließt sich der Fest- gottesdienft. Für diejenigen Teilnehmer der Feier, die nicht Zutritt zur Schloßkirche erhalten, findet um 12 Uhr ein anderer Festgottesdienst in der Stadtkirche statt. Nach Beendigung des Festgottesdienstes in der Schloßkirche begeben sich der Kaiser und die Fürstlichkeiten zu Wagen nach dem Lutherhause, wo eine urkundliche Aufzeichnung über den stattgehabten Weiheakt vollzogen wird. Um V/2 Uhr historischer Festzug. Auf dem Arsenalplatz hält Hofprediger Faber eine Ansprache. Nach dem Gesänge des Lutherliedes wird der Zug sich auflösen. Nach Vorbeimarsch des Festzuges ist Frühstückstafel im Refektorium und in den oberen Sälen des Lutherhauses. Um 4 Uhr findet im Exerzierhause der Kavalleriekaserne eine von der Stadt Wittenberg veranstaltete Aufführung des Herrigschen Luther-Festspiels statt.
Hessen-Nassau.
Marburg, 24. Oktober. Die hiesigen Männergesangvereine „Liederverein", „Liedertafel" und der „Marburger Männergesangverein" begingen am Sonnabend Abend die Feier ihrer Stiftungstage mit solennen Bierkommersen. Die Mitglieder des „Liedervereins" hatten sich zur festlichen Begehung ihres 50jährigen Stiftungstages (24. Oktober) in Lederers Glashalle, diejenigen der „Liedertafel" zur Feier ihres 29. im Cafe Quentin und die Mitglieder des „Marburger Männergesangvereins", des jüngsten der Marburger Gesangverein», zur Feier ihres 1. Stiftungsfestes im Markeesschen Saale vereinigt. Sämtliche Festlichkeiten nahmen bei Konzert, Gesangsund Solovorträgen einen recht schönen Verlauf, wobei das deutsche Volkslied, sowie die Kraft des Gesanges und seine mächtige Wirkung in allen großen deutsch-nationalen Zeitbegebenheiten in begeisterten Reden gefeiert wurde.
Warbttrg, 24. Oktbr. Die Mitglieder und Freunde des hiesigen „Fortbildungsvereins" hatten sich gestern Abend zu der im großen Saalbau veranstalteten Abendunterhaltung so zahlreich eingefunden, daß die beiden zur Anführung kommenden Einakter thatsächlich vor vollständig ausverkauften Hause in Szene gehen konnten. Beide Stücke wurden mit großem Beifall ausgenommen und dürften die Darsteller wie auch der Verein mit dem erzielten Erfolge sehr zufrieden fein. An den theatralischen Teil dieses ersten Wintervergnügens des genannten Vereins reihte sich ein bis zum Morgen dauerndes Tanzkränzchen.
Msrvurg, 24. Oktbr. Gelegentlich eines ehelichen Zwistes, welcher sich gestern zwischen einem Mann und einer Frau im Hause Ritterstraße Nr. 10 abspielte, griff ersterer nach dem Messer und brachte seiner Frau derartige Verletzungen bei, daß dieselbe ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte.
Marburg, 24. Oktober. (Zur Warnung.) Der 17jährige Steinmetzlehrling Böhm aus Mülsen St. Jakob hatte sich in der Fortbildungsschule in Zwickau grober Flegeleien gegen den Direktor schuldig gemacht, und alsdann im Karzer Thüren und Fenster arg demoliert, furchtbar gebrüllt und den ausführenden Beamten Widerstand entgegengesetzt. Das Zwickauer Landgericht verhängte deshalb über den wegen Widersetzlichkeit, Sachbeschädigung und ruhestörenden Lärms angeklagten Böhm eine Gefängnisstrafe von 6 Monaten und zwei Wochen und eine Haftstrafe von einer Woche.
Marburg, 24. Oktbr. (Reservisten-Unter- stützung.) Nach dem Runderlaß vom 20. Juni
). I. erfolgt die Auszahlung der Unterstützungen ur die Familien der zu Friedensübungen einberu- encn Mannschaften durch die Kreiskassen. Hierunter ind nach einer neueren Verfügung nicht die Königlichen Kreiskassen, sondern die Kreis-Kommunalkassen zu verstehen, da nach § 4 des hierbei zur Anwendung kommenden Gesetzes vom 28. Februar 1888 die Kasse des Lieferungsverbandes d. h. des Kreises zur Gewährung der erforderlichen Vorschüsse verpflichtet ist.
Marburg, 24. Oktbr. (Witterung.) Winterwetter mit Schnee und Eis brachten die beiden letzten Tage. Der Wind war schneidig und rauh, so daß es eher wie Ende November als Oktoberschluß aussah. Hoffentlich ist dies Regiment nicht von langer Dauer. Das Thermometer stieg in den beiden Tagen nicht über 6 Grad R. In vergangener Nacht war 1 Grad R. Kälte und heute Morgen sind 2 Grad R. Wärme bei klarem Himmel und Südwestwind. Barometerstand 739 nun. — Starker Schneefall mit heffigen Stürmen wird ans dem Osten, besonders aus Rußland gemeldet, wo schwere Verwüstungen ein getreten sind. Der Schnee ging bis nach Westpreußen. Auch aus München wird von starken Schneefällen berichtet.
-b- HLershauseu, 24. Oktbr. Dem hiesigen Tabakspinner Franz Kuhl wurde vor mehreren Tagen aus einem verschlossenen Kleiderschrank ein Portemonnaie mit 60 Mk. Baargeld entwendet. Der Diebstahl ist entweder durch Einsteigen in das betreffende Zimmer ausgeführt oder der Dieb muß eine günstige Gelegenheit abgewartet haben, wo das Haus des Genannten für kurze Zeit ohne Aufsicht war.
-e- Wehrda, 24. Oktbr. Unser Dorf bildete gestern am 1. Kirmestage für die Bewohnerschaft der Umgegend einen Hauptsammelpunkt; während es in der Greiffschen Gastwirtschaft von Kirmesbesuchern wimmelte, waren die Räume des „Lahngartens", woselbst ein Konzert der Jägerkapelle stattfand, ebenfalls dicht besetzt. Leider sollte der erste Kirmeßtag nicht ohne einen störenden Zwischenfall verlaufen, indem bei einem Streit, welcher in später Abendstunde unter mehreren Burschen entstand, einer derselben durch Messerstiche am Kopf verletzt wurde.
-b. Kermershausen, 23. Oktober. In der gestrigen Nacht erhielt der hiesige Dienstknecht Dietrich Dörr bei Gelegenheit eines Streites auf der Dorfstraße einen Messerstich in die linke Schulter, welcher feine Ueberführung in die Marburger Klinik nötig machte.
o Wiederwakgeru, 23. Oktbr. Bei der am Sonnabend von den Pächtern der hiesigen Gemeindejagd veranstalteten Treibjagd wurden insgesamt 2 Rehböcke, 1 Fuchs und 12 Hasen erlegt.
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Auf Wronkermühle.
Original-Roman von E. D. H. Brandrup.
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(Nachdruck verboten ) (Fortsetzung.)
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Mit einer Kraft, welche Fritz nie und nimmer in der zarten Gestalt der jungen Fran gesucht haben würde, stieß sie den Gatten jetzt von sich und die Briefe mit den Händen fest an sich drückend eilte sie dann an ihm vorbei — den Fußsteig hinauf — nach dem Hause zurück.
Langsam erhob sich Fritz jetzt von seinen Knieen. . „Gott!" stöhnte er dabei — „und noch habe ich ihr nicht gesagt, daß Ernst zur Stunde keine Ahnung von unserer Heirat hat und wie er herüberkommen will, um" —
Fritz sprach den Satz nicht zu Ende: „Erbarmen, Allmächtiger — Erbarmen," flüsterte er nur — „nur dieses Eine verhüte in Deiner Allmacht — nur dieses Eine! — denn wenn er wirklich in die Heimat zurückkehrt — bleibt mir nichts anderes übrig — als." Wieder ließ er den begonnenen Satz unbeendet, dann wandte auch er sich und schritt den Weg hinauf.
Von diesem Tage an fühlten sich die beiden Gatten innerlich vollständig von einander getrennt, äußerlich jedoch gaben sie sich die größte Mühe, den Schein zu bewahren, als fei alles beim Alten.
Die unglückliche junge Frau erfüllte auch nach wie vor auf das getreueste ihre häuslichen Pflichten Rur vermied sie, so viel es ihr nur möglich war, das Alleinsein mit dem Gatten. Kam Fritz ober ZU den Mahlzeiten, so saßen sich Mann und Frau schweigend gegenüber. Für den Schuldigen hatte die Art und Weise Lieschens, ihren Schmerz zu tragen, nachdem die erste Stunde jäh aufwallender Empörung vorüber, etwas geradezu Fürchterliches.
Fritz floh denn auch dem Anblick des stillen bleichen Gesichtes der armen betrogenen auf das Konsequenteste und kam hierin den Wünschen seines Weibes noch zuvor. Die namenlose Qual aber, vor ihr, die er nie aufhören konnte zu lieben, als entlarvter Betrüger dazustehen, suchte er bei Spiel und Trank zu betäuben Er fuhr jetzt jeden Nachmittag nach dem nahen C— und kehrte von diesen Ausflügen immer erst nach Mitternacht zurück, von Lieschen ungesehen, da er sich zur Nacht ebenfalls in sein Arbeitszimmer einquartiert hatte. Aber auch in den wenigen Stunden, die ihm noch für den Schlaf blieben, wälzte er sich ruhelos auf dem Bette umher und zermarterte sich das Hirn, wie er es anzufangen habe, um sich die Zukunft wenigstens erträglich zu gestalten. Aber er fand keinen Ausweg aus dem Labyrinth von Verrat und Schlechtigkeit, in das er sich verwirrt, bis allmählich der einzige Entschluß in ihm zu reifen begann, welcher zu fasien ihm noch übrig blieb.
So waren vierzehn Tage vergangen, in denen die jungen Gatten seelisch aber mehr gelitten, als manch' anderer Mensch während seines ganzen Lebens getragen hat. Da trat Fritz eines Morgens — in den Augen die Entschloffenheit der Verzweiflung — vor sein Weib hin und ersuchte es, ihm für wenige Minuten Gehör zu geben.
Lieschen saß vor dem Nähtisch und arbeitete an einem Geburtstagsgeschenk für ihren Vater. Müde hob sie jetzt den Blick und fast feindselig zu dem Gatten hinaufsehend erwiderte sie kurz: „Sage mir, was Du mir zu sagen hast, ich höre jedes Deiner Worte."
Es zuckte in den Zügen des jungen Mannes. Ein wilder — namenloser Schmerz durchbebte ihn bis in da« geheimste Kämmerchen seines Herzens Am liebsten hätte er freilich die zarte schlanke Ge
stalt da vor ihm in die Arme geriffen und ihr in das Ohr geraunt: „Erbarmen, Weib — Erbarmen!" Aber er wußte ja, sie konnte ihm nicht verzeihen — und sie wollte es auch nicht einmal, wie engelgut sie auch sonst mit dem Unglücklichen umging, zu denen doch nun auch er zählte.
Und so faßte er sich denn gewaltsam und mit verschränkten Armen vor ihr stehen bleibend, sagte er in affektiert festem Ton:
„Lieschen, wie das Leben sich jetzt für mich gestaltet hat — ertrage ich e- nicht länger."
Sie zuckte mit der Achsel: „Und was willst Du thun, um es Dir angenehmer zu machen?" fragte sie, während die Nadel in der kleinen weißen Frauenhand eifrig durch den bläulich weißen Cane- vasstoff zog, auf welchen sie Blumen und Blätter zauberte.
Der apathische Ton, mit dem das junge Weib diese Worte gesprochen, empörten Fritz so sehr, daß er leidenschaftlich mit dem Fuße stampfte. „Angenehmer zu machen!" wiederholte er dann in absorbierendem Schmerze. Und mit beiden Händen gegen die fieberisch klopfenden Schläfen drückend, sagte er hernach: „Jeder Deiner Blicke verrät mir, wie widerwärtig ich Dir bin, seit Du hinter mein Geheimnis gekommen. Und so — so —" Er hielt doch wieder inne, als koste es ihm eine unaussprechliche Ueber Windung, das Wort auszusprechen, zu welchem er sich entschlossen hatte. Erst als Lieschen ihn mit leisem „nun?" daran mahnte, daß er seine Mitteilung machen möge, atmete er tief auf und fuhr fort: „Wie gesagt: Da mir jeder Deiner Blicke verrät, wie tief Du mich verachtest, feit Du mein Geheimnis kennst, so — habe ich mich dazu entfchloffen — Dir — die Freiheit wieder zu geben,
das heißt, den Vorschlag zu machen, uns von einander zu trennen."
„Uns — von einander zu trennen?" wiederholte das junge Weib und wie lichter Sonnenschein zuckte es dabei über ihr schönes blasses Gesicht. Nur einen Moment jedoch, dann legte sich der alte Schatten wieder über die holden Züge und die junge Frau blickte seufzend auf ihre Arbeit nieder.
Fritz hatte sie während dieser kurzen Spanne Zeit auf das Aufmerksamste beobachtet. Bei der Freude, mit welcher sie seinen Vorschlag begrüßt, krampfte sich sein Herz schmerzend zusammen. Aber er bezwang sich und nur seine Stimme klang ungewohnt düster, als er jetzt hinzusetzte:
„Ich habe dabei vorerst freilich noch an keine gerichtliche Scheidung gedacht und nur geplant — von hier fort — nach Amerika auszuwandern Ich will mich dem Vater entdecken und von diesem zugleich ein größeres Kapital erbitten, mit dem ich dort drüben in der „neuen Welt" auch ein neues Leben begründen kann."
„Hierzu werden Deine Ettern aber nie und nimmer ihre Einwilligung geben," erwiderte ihm hier jedoch die junge Frau wider aller Erwartung. „Also erspare ihnen auch nur den Schmerz, das einzige Kind in seiner ganzen Schlechtigkeit vor sich zu sehen. . . Wir find nun einmal Mann und Weib," setzte fie dann noch hinzu — „so mögen wir es denn auch — vor der Welt wenigstens — bleiben, bis der Tod uns barmherzig trennt.....
Zu allem, was Du mir bereits aufgebürdet, mag ich nicht noch die Rolle der eheverlaffenen Gattin spielen I"
Bei diesen Worten hatte sich Lieschen von ihrem Stuhl erhoben. Langsam schritt sie jetzt an dem Unseligen vorüber aus dem Gemach. (Forts, folgt)