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Wöchenüiche Vellage«: Kreis-Blatt für die Kreise Mardurg «nd Kirchhain.

I"1 "* ee'w 8unb ^yebttion^ Markt 81. 9 Illustriertes Sonntagsblatt.

Beranlwormcher Redakteur: Christ. pH Rauteuhau» in Marburg Redaktion und Expedition: Markt 21.

M 248.

Wqo#euu täglich aus« «verklagen ®ouu und Feiertagen. — Ouanal-AbonunuentS-Preir bei der Expe­dition 2 ML, bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. (exkl. B-stellqeld). JnsertionSgebühr für dir gespaltene Zeile 'n Pka. Reklamen ffrr die Zeile Sb 1«,.

Marburg,

Freitag, 21. Ottober 1892.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses BlatteS, sowie die Annoncen-Buream von Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Caffel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moise in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.

XXVII. Jahrgang.

Deutsches Reich.

W. Aerkiu, 20. Oktober. Unfer Soifer begab sich am Mittwoch vom Marmorpalais bei Potsdam aus zu Wagen nach Spandau und wohnte daselbst einer größeren Gefechtsübung bei. Am Nach­mittag traf der Monarch wieder in Potsdam ein. — Heute, Donnerstag, erfolgt voraussichtlich die Ueber- fiedelung der kaiserlichen Familie «nd des gesamten Hofstaates vom Marmorpalais nach dem Neuen Palais bei Potsdam. — Der König von Schweden wird sich bei der bevorstehenden Einweihung der Luther- kirche in Wittenberg durch den Kronprinzen vertreten laffen. Selbstverständlich ist auch eine Ein­ladung an den König von Dänemark ergangen, der, wie es heißt, einen hohen geistlichen Würdenträger als Vertreter senden wird. Auch die Königin von England und die Königin-Regentin von Holland werden sich bei der Einweihung vertreten lassen. — Die neue Militärvorlage ist am Mittwoch nebst Begründung tat Auftrage des Kaisers durch den Reichs­kanzler dem Bundesrat des deutschen Reiches zuge­gangen. — Eine Zeitungsmeldung, Graf Caprivi habe sich eine kaiserliche Vollmacht geben lassen, den Reichstag sofort aufzulöseu, wenn er die Militär­vorlage verwerfen sollte, gehört in das Gebiet des so häufig auftretenden albernen Klatsches. — Eine Erhöhung der Gehälter der preußischen Volksschullehrer soll, wie die „Nordd. Allg. Ztg." mitteilt, nunmehr wirklich ein treten. In dem bett. Blatte heißt es nämlich: Nachdem der Volks­schulgesetzentwurf gefallen war, in welchem eine durch­greifende Aufbesserung ber Lehrergehälter vorgesehen war, hat es sich die Unterrichtsverwattung angelegen sein lassen, auf dem Verwaltungswege dringenden Notständen abzuhelfen. Es ist in dieser Beziehung, Wie wir zu versichern in der Lage sind, recht viel geschehen, und es wird auch fortgefahren werden, die bett. Fonds soweit in Anspruch zu nehmen, als nur irgend angängig ist. Deshalb aber erscheint der Unterrichtsverwaltung die Notwendigkeit einer durch­greifenden Erhöhung der Lehrergehälter nicht etwa minder dringlich. Alle Preßandeutungen, welche das Gegenteil glauben machen wollen, entbehren der Be­gründung. Es darf als sicher gelten, daß schon bei der Einbringung der Steuervorlagen im Landtage in dieser Beziehung erfteuliche Aufschlüsse werden gegeben werden können. — Zu den Fragen, von welchen be­kannt geworden ist, daß ihnen der Kultusminister Dr. Bosse ein besonderes Interesse widme, gehört auch die Reform des höheren Mädchenschul-

Auf Wronkermühle.

Original-Roman von E. D. H. Br andrnp.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Es war ein kleiner, etwas korpulenter Herr, der gar klug aus den bebrillten Augen schaute. Eine Viertel­stunde und darüber saßen sich die Beiden schweigend gegenüber. Dann machte sich der zuletzt Einge­stiegene mit dem Stellen seines Chronometers zu schaffen. Bei dieser Gelegenheit wandte er sich nun an Herrn Gottlieb und fragte, auf welche Zeit seine Uhr deute.

Die Frage wurde bereitwilligst beantwortet, was zur Folge hatte, daß sich ein Gespräch zwischen den beiden Reisenden entspann. Zuerst beschäftigte sich dasselbe nur mit den verschiedenen schlechten Eigen­schaften der Taschenuhren, — dann ging es jedoch zu anderen Thematen über. Schließlich erfuhr Herr Gottlieb auch, daß fein Gegenüber ein Kaufmann aus Elbing fei, welcher im Interesse seines eigenen Geschäftes auf Reisen war.

„Ich bin vor acht Tagen auch in Berlin ge­wesen," sagte der gesprächige Herr — .aber ich muß gestehen, daß mich dort der „wilde Tanz um das goldene Kalb," welcher sich aller Orten bemerkbar macht, nicht lange rasten ließ. — Ja, wahrhaftig werter Herr, das ganze Treiben der neu erweckten Geschäftswelt in Berlin, insbesondere aber die Machinationen der .Herren Gründer" hatte für mich geradezu etwas unheimliches, weil all' ihrem Thun das sichere Fundament fehlt. Ich für mein Teil würde auch nicht einen Thaler an ihre Aktien wagen — ja nicht einen Thaler, das versichere ich Ihnen."

Und nun einmal im Gange, hielt der west- preußische Kaufmann dem posen'schen Landwirt eine

wesens. Die vielbesprochenen Vorschläge werden z. Z. im Kultusministerium eingehend geprüft und es darf als nicht unwahrscheinlich gelten, daß bereits in der nächsten Landtagssession mit besttmmten Anträgen an die Landcsvertretung wird herangegangen werden. Einen der wichtigsten Punkte der bezüglichen Reform- frage bildet die Entscheidung darüber, inwieweit zukünfttg der Unterricht an höheren Mädchenschulen vorzugsweise in die Hände von Lehrerinnen, statt in die von Lehrern zu legen sei. Es hat den Anschein, als sei man an zuständiger Stelle der Erweiterung des Rechtes ber Lehrerinnen, an höheren Mädchen­schulen zu unterrichten, durchaus nicht abgeneigt. — Eine Aufbesserung der Gehälter der Kr eismedizinal­beamten in Preußen, also in erster Reihe der Kreisphysici, soll dem Vernehmen nach vom Finanz­minister Miguel im neuen Staatshaushalt zugestanden sein. Der Minister ist übrigens schon so weit her- gestellt, daß er int Bett hat Vorträge entgegennehmen können. — Ob der Evangelische Oberfirchenrat in Berlin Veranlassung nehmen wird, in der Angelegen­heit des Professors Harnack wegen dessen Angriffe auf das Apostolikum einen Schritt zu thuu, ist bis­her nicht bekannt geworden. Dagegen verlautet zu­verlässig, daß man sich im Kultusministerium ein­gehend mit der Frage beschäftige, wieweit das Vor­gehen des Professors Harnack mit den gebotenen Grenzen der Lehrfreiheit in Einklang zu bringen sei. — Die Chancen der Justizcarriere bleiben schlecht! Nach den neusten amtlichen Personallisten giebt es allein in Preußen 1827 Assessoren und 2973 Referen­dare. — Herr v. Eltz, der Begleiter Wißmanns auf seinem neusten Zuge, erhebt in einem offenen Briefe sehr schwere Anklagen gegen Dr. Karl Peters, dem er Bru­talität gegen die Afrikaner und Strebertum vorwirft. — Von ftanzösischer Seite wird bekanntlich seit langer Zeit behauptet, deutscherseits seien dem Könige von Dahomey in Westafrika Waffen geliefert worden, welche jetzt in dem Kriege des Königs mit den Franzosen gegen die letzteren zur Anwendung kämen. Da ist nun eine Zuschrift recht zeitgemäß, welche der deutsche Afrikareisende Dr. Ztatgraff an die „Köln. Ztg." richtet. Es heißt in derselben: „Daß der König von Dahomey von einer in Weidah, einem Hafenplatz von Dahomey, ansässigen deutschen Firma Hinterlader (Mausergewehre) sowie Munition gekauft hat, ist an der ganzen westafrikanischen Küste bekannt, ebenso, daß er von derselben Firma Schnell­feuergeschütze bezogen hat, und daß von einem Agenten derselben Firma die Soldaten des Königs von Da­homey mit diesen Geschützen einexerziert worben stab.

lange Abhandlung über die grenzenlose Verblendung der Menschen, die ihre — sauerersparten Groschen vielleicht in die Gründungm würfen, welche jetzt in und um Berlin herum wie die Pilze aus der Erde wüchsen.

„Es ist wie ein Wahnsinn, ber selbst die ver­nünftigsten Köpfe erfaßt hat," sagte er nun, „und die Leute denken nichts anderes mehr, als über Nacht reich zu werden, ohne doch arbeitend die Hände zu rühren. Noch ahnen sie ja nicht, daß dem Rausche, in welchem sie momentan leben, die Ernüchterung folgen muß. Herr, ich sage Ihnen, der größte Teil dieser Gründungs- und Aktiengesellschaften basiert aus Schwindel — unerhörtem Schwindel sogar. Uebrigens erinnert mich das ganze Treiben in der Residenz auf das lebhafteste an ein Vorkommnis, dem ich vor Jahren sozusagen zugeschaut habe und zwar in „Newyork," wo ich zur Zeit als Klerk thättg war.

„lieber Nacht förmlich etablierte sich dort näm­lich ein großartiges Bankgeschäft. Es bot 25 Prozent und zahlte diese jedem, welcher ihm seine Kapitalien anvertraute, pränumerando. Natürlich rannte alle Welt nach dieser Bank. Ja, jede Köchin und jebit Hausknecht brachten dem Banquier ihre Ersparnisse. Täglich wurde die Thür des Hauses fast gestürmt hon Einlaßbegehrenden. So ging das ein halbes Jahr fort. Da zeigte sich eines Morgens das Ge- fchäftslokal geschlossen und als die Menge gewalt­sam in die Räume drang, welche ihr bisher wie der Tempel der Fortuna gedünkt, traten ihnen zitternd und totenblaß die Klerks entgegen und gestandm, daß — ihr Chef sich aus dem Staube gemacht und das Haus die Zahlungen einstellte.

Wie sich fpäter ergab, hatte der saubere Banquier alle Dividenden von den eigenen Geldern der Ein-

Das war aber ein Privatgeschäft ber Firma, welches ihr in keiner Weise zum Vorwurf gemacht Werben kann. In Weidah waren bis zum Beginn des Krieges Weber französische, noch sonstige Behörben, welche irgeub welche Anorbnungen hätten treffen können, unb im Uebrigen haben französische und englische Firmen ebenso gut Waffen an eingeborene afrikanische Könige geliefert, Wie hier bie deutsche Firma."

Kiel, 19. Oktober. Der Kapitän z. S. Graf Haugwitz ist zum Oberwerftbirektor in Danzig er­nannt unb bem Kontteabmiral von Hollen ber Cha­rakter als Vizeadmiral verliehen worben. — Das Panzerschiff „König Wilhelm" ist am Mittwoch von Wilhelmshaven zu einer Uebungssahrt in See ge­gangen.

Mittenverg, 19. Oktbr. Für bie Einweihungs­feierlichkeiten in Wittenberg werben, Berliner Zei­tungen zufolge, 80 Wagen aus bem kaiserlichen Marstall dorthin entsandt werden. Einladungen sind an hervorragende Persönlichkeiten ergangen. Einen großen Teil ber Kosten des Festes trägt ber Kaiser. Die Huldigungsfeier auf bem Markt, ber Zug zur Arche, an bem bie anwefenben deutschen Fürsten teilnehmen werben, unb ber historische Festzug werben mit außerorbentlichem Pomp unb Glanz ausgestattet sein. Der Frembenzufluß nach Wittenberg bürste ein ganz gewaltiger werben; schon jetzt sollen bort bie meisten ber für bie Festtage disponiblen Räume vergeben sein.

N-iße, 18. Oktbr. Die höheren Schulen machen jetzt vielen Stadtgemeiuben große Sorgen: In Neiße Würbe bie stäbtischerseits beschlossene Auflösung bes Realgymnasiums seitens ber Behörbe für unzulässig erklärt.

Darmstadt, 1". Oktober. Frhr. Schenck zu Schweinsberg, Sek.-Lt. vom Felb-Art.-Regt. Nr. 34, ist vom 1. November b. I. ab auf ein Jahr zur Gesanbtschast in Brüssel kommandiert.

Hessen-Nassau.

Marvurg, 20. Oktbr. Graf Herbert Bis­marck, welcher nebst Gemahlin einige Tage bei Herrn Freiherrn von Stumm auf Schloß Holz- Hausen zu Besuch weilte, ist gestern Mittag von Bahn­hof Marburg aus wieder abgereift. Ausflüge in die Umgegend hat Graf Bismarck nicht gemacht.

Marvurg, 20. Oktbr. Herr Forstmeister von Tenspolde hierselbst ist als Gutsborsteher für den forstfiskalischen Gutsbezirk der Oberförsterei Marburg bestellt und bestätigt worben.

zahler entrichtet unb verduftete bann mit ben zu­sammengerafften Kapitalien. Tausende von Leuten, welche ihm ihr ganzes Hab' und Gut anvertraut, hatten nun das Nachsehen und konnten nichts weiter thun, als dem Schurken zu fluchen, der sie so schänd­lich betrogen hatte."

Gottlieb Wronker hatte fast mit angehaltenem Atem der Erzählung feines Mitreisenden gelauscht. Die furchtbare Lehre, welche er aus derselben zog, ließ ihn schon jetzt verwünschen, sich in das neueste Unternehmen Banquier Klettes eingelassen zu haben Dennoch sagte er kein Wort. Und da fein Nachbar dieses Schweigen für Gleichgiltigkeit gegen das an- gefchlagene Thema überhaupt hielt, meinte auch er: „Dock zu was sich bei derartigen Dingen länger auf ha? en, — Sie und ich haben ja nichts mit ihnen zu thun "

Es war gut für Herrn Gottlieb, daß sich der Kaufmann bei den letzten Worten mit dem Gesicht nach dem Fenster gewandt — denn fönst hätte ihm die verlegene Miene feines Nachbars nicht entgehen können. Jetzt kehrte sich das korpulente Herrchen aber wieder nach dem Innern des Coupes zurück und sagte: „Wir sind gleich in Kreuz, Verehrtester! Dort haben wir fünfzehn Minuten Aufenthalt und da denke ich, könnten wir rasch ein Gläschen Rot­wein mit einander trinken."

Herr Wronker stimmte dem bei und als man die Station erricht hatte und der Zug hielt, thaten die Herren, wie der Elbinger es vorgeschlagen. Vorher hatten sie sich noch gegenseitig ihre Namen genannt.

Dann wurde die Reife fortgesetzt. Nachmittags zwischen 3 und 4 Uhr aber befanden sich die Passa­giere bereits in B— und hatte Herr Gottlieb somit sein vorläufiges Ziel erreicht. Wie alte Bekannte

Marvurg, 20. Oft. Die nächste Prüfung fürHufschmiedesoll Donnerstag den 29. Dezbr. d. I., vormittags 8 Uhr in der Werkstätte des Schmiede­meisters Schädla am Grün abgehalten werden. Die Meldungen zu der Prüfung sind mindestens 4 Wochen vorher unter Einreichung eines Geburtsscheines und etwaiger Zeugnisse über die erlangte technische Aus­bildung sowie unter Einsendung der Prüfungsgebühr von 10 Mk. an den Herrn Kreistierarzt Kümmell in Marburg zu richten. Das erforderliche kleinere Hand­werkszeug hat der Prüfling selbst mitzubringen. Denjenigen, welche sich der Prüfung unterziehen wollen, wirb bas Buch „Anleitung zum Bestehen ber Huf­schmiedeprüfung" von Professor Dr. Möller (Preis 1 Mk.) zum fleißigen Durchlesen hiermit ausdrücklich empfohlen.

Marvurg, 20. Oktober. Am 1. Dezbr. 1892 soll int Deutschen Reich eine allgemeine Vieh­zählung stattfiuden. Der preußische Minister des Innern hat den mit der unmittelbaren Leitung des Zählwerks betrauten Behörden die nötigen Zähl­papiere zugehen lassen. Die Staats- und Gemeinde­beamten, insbesondere die Lehrer, werben zur Be­teiligung an bem Zählwerk angeregt Werben. Die örtliche Ausführung ber Zählung ist Sache ber einzelnen Gemeinden und Gutsbezirke, und diese sind verpflichtet, die durch die Annahme von Zählern etwa entstehenden Kosten zu übernehmen. Veranstaltungen, welche die ordnungsmäßige Ausführung ber Vieh­zählung in einzelnen Orten gefährden könnten, sollen am Zählungstage unterbleiben, und insbesondere werden die auf die Zeit vom 30. Novbr. bis zum 2. Dezbr. d. I. fallenden Jahr-, Kram- und Vieh­märkte auf andere Tage verlegt werden. Durch die Anordnung, daß von den Zählern und den Orts­behörden doppelte Stücke der Zählerkonttoll- und der Ortslisten ansznferttgen sind, von denen je eines bei der Orts- und der Kreisbehörde verbleibt, ist wiederum wie bereits im Jahre 1883 diesen Behörden die Mög­lichkeit gegeben, den Viehstand für ihr Gebiet noch vor Vollendung der Aufbereitung und Veröffentlichung der Zählungsergebniffe durch das König!, statistische Bureau festzustellen, und ihnen der Besitz eines für die verschiedensten wirtschaftlichen Fragen wertvollen Materials gesichert.

Marvurg, 20. Ottober. (Wieder einge­legte Schnellzüge.) Vom 20. Oktober an werden die beiden infolge des durch die Cholera verminderten Reiseverkehrs ausgefallenen Schnellzüge Nr. 73 und 74 zwischen Frankfurt a. M. unb Hamburg wieber ben fahrplanmäßigen Verkehr auf­

schüttelten sich die Beiden beim Abschied nun die Hände und der Kaufmann lud Wronker sen ein, wenn ihn fein Weg einmal nach Elbing führe, doch unbedingt bei ihm vorzusprechen.

Als sich der neue Gründer nun endlich allein sah, atmete er erleichtert auf: „Hat mir der Mensch einen Schrecken eingejagt I" flüsterte er. „Wahr­haftig, es liegt mir noch in allen Gliedern. Aber so schlimm, wie der es macht, wird und kann es doch in Berlin nicht werden. Also, Kopf hoch! alter Junge!"

Hiermit endete aber auch fein Selbstgespräch wieder. Mehrere Bekannte traten ja an den Heim- gekehrten heran und begrüßten ihn. Dann aber schritten alle zusammen den Restaurationsräumen zu und bald hatte Herr Gottlieb in der luftigen Gesellschaft bei schäumendem Bier seinen Reisege­fährten mit samt den düsteren Bildern, die er ihm vor die Seele geführt, vergessen.

Eine Stunde fpäter aber faß er in einer Droschke und rollte vergnügt Wronkermühle zu, um dort im Kreise der Seinen einige gemütliche Tage zu ver­leben, ehe er mit Frau Louise wieder in die Stadt- wohnung zurückkehrte.

* * ♦

Wieder waren drei Wochen in das Land ge­zogen. In dem Verhältnis be< jungen Ehepaares auf Wronkermühle zu einander hatte sich wenig ge­ändert. Fritz war noch immer bemüht, das Herz feines Weibes zu erobern und Lieschen zeigte sich ebenfalls noch immer in jener fausten Freund­lichkeit, die jede Leidenschaft ausschloß. Ein heißer, brennender Schmerz bemädjtigte sich hierüber des Gatten. Und da ihn auch immer noch ein Ge­fühl der Scham über die Mittel quälte, welche er angewandt, um sich den Besitz Lieschens zu sichern