Wöchentliche Beilagen: Kreis-Matt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Verantwortlicher Redakteur: Christoph Rauteuhau» in Marburg Redaktion und Expedition: Markt 21.
$nld * Reaktion ^äud Expedition^Mai»^. r8* Illustriertes Sonntagsblatt.
M 247.
* cheua täglich außer en Werktagen nach Sorm- und Feiertagen. — Quana!-AbominnentS-Prei« bei der Expe- ditwu 8 3RL. bei allen Postämtern 8 Mk. 86 Pfg. (ex kl. Bestellgeld). JniertionSgebShr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 85 Pfg.
Marburg,
Donnerstag, 20. Ottober 1892.
Anzeigen nimmt entgegen die Erpcdition dieses Blatte»,
sowie die Aunoncen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in ———„ _ ,
Frankfurt a. M., Casiel, Magdeburg und Wien; Rudolf XXVIL ScÜDrQÜttfl. Moste in Frankfutt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L. “ u 3
Daube u. Co. in Frankfutt a. M., Berlin, Hannover, Patt».
Deutsches Reich.
W. iKerßn, 19. Oktober. Unser Kaiser begab sich am Dienstag Morgen vom Marmorpalais uns nach dem Mausoleum in der Friedenskirchc bei Potsdam und legre aus Anlaß des Geburtstages seines Vaters, des Kaisers Friedrich, am Sarge desselben «am Kranz nieder. Später kam der Kaiser von Potsdam nach Berlin und begab sich sofort in das königliche Schloß, woselbst derselbe militärische Meldungen entgegennahm und den Oberbürgermeister Zelle empfing. Hieraus fand im Rittersaale des Schlosses die feierliche Nagelung und Weihe der dem 2. Bataillon des Infanterieregiments von Göben Nr. 88 verliehenen Fahne statt. Nach beendeter Feierlichkeit wohnte Se. Majestät der feierlichen Grundsteinlegung der Kaiser Fttedrich-Gedüchtniskirche auf der.Tiergattenwiese be und begab sich sodann zu Wagen nach Spandau, wo in Gegenwart des Monarchen die festliche Ent- hüllung des Kaiser Fttedrich - Denkmals stattfand. Während die Hülle unter Kanonendonner fiel, salutierte der Kaiser. Der Bürgermeister von Spandau übernahm das Denkmal im Namen der.Stadt und brachte <in Hoch auf den Kaiser aus. Hieran schloß sich der allgemeine Gesang: „Heil Dir im Siegerkranz!" Dem Bürgermeister -verlieh der Kaiser den Roten Adlerorden 4. Klasse. Nach der Feier entsprach der Kaiser einer Einladung des Offizierkorps des 4. Garde- «gimeuts z. F. zum Diner nach dem Offizierkasino. — Die Taufe der jüvgstgeborenen kaiserlichen Prinzessin wird am Sonnabend, bcn:22. d. M., um 5 Uhr im Neuen Palais bei Potsdam stattfindeu. Unter den Pathen werden auch der Großherzog und die Großherzogin von Mecklenburg - Strelitz genannt. — In die neue Landtagssession werden die.preußisch en Parteien in folgender Stärke eintreten: Konservative 124, Freikonservative 64, Nationalliberale 82, Zentrum 96, Freisinnige 26, Polen 14, Wilde 12, erledigt find 13 Mandate. — In der Landtagsersatzwahl im ersten Berliner Wahlkreise wurde Rechtsanwalt Träger gewählt. — Eine Un- g,lücksbotschaft trifft aus Deutsch-Ostafrika ein. Nach einem Telegramm des Gouverneurs Frhru. v. Soden vom 17, d. M. sind am 6. Oktober bei eiuem Zusammenstoß mit den Wahehc in der Nähe von Kilossa Leutnant Brüning und vier Soldaten gefallen. Die Wahehe sind wieder abgezogen, ohne die Station auzugreife«. Kilossa liegt auf einer Anhöhe am linken Ufer des Mukondokwa und beherrscht die Straße von Koudra nach Mpwapwa:; die Station daselbst ist im Herbst 1891 angelegt und
Auf Wronkermühle.
Original-Roman Bon ®. D. H. Brandrup.
(Nachdruck Berieten.]
(Fortsetzung.)
Banquier Klette saß in seinem Allerheiligsten und hielt die Blicke über ein großes Kontobuch gesenkt, als ihm von seinem Comptoirdiener um die zehnte Vormittagsstunde des nächsten Tages Mühlen- gutsbefitzer Gottlieb Wronker aus B— gemeldet wurde.
„Ahl* Wie lichter Sonnenschein war es über das Gesicht des Geldmanne« gepflogen, dann sprang er von seinem bequemen Seffel in die Höhe und schritt dem Ankommenden mit ausgesttecken Händen entgegen.
„Willkommen, willkommen, Verehrtester!" rief er nun und schüttelte die Hände des riesigen Manne», als begrüße er einen Bruder.
Herr Gottlieb aber nickte lächelnd mit dem Kopfe: «Hab' mich gleich auf die Socken gemacht,* erwiderte et — „denn ich meinte, Sie hätten vollkommen recht, als Sie mir schrieben: „Man muffe das Eisen schmieden, so lange es heiß ist."
Herr Klette schüttelte von neuem die Hand seines Gastes. Der schöne, elegant gekleidete Herr wat eben ganz Leben — ganz Freude und Liebenswürdigkeit. „Doch, nun lassen Sie uns vor allem nach meinen Privatgemächern hinübergehen, mein liebster Wronker,* sagte er alsbald, „dort können wir ungestött über unsere Angelegenheiten sprechen."
Die Herren thaten, wie Klette vorgeschlagen und bald darauf sehen wir sie in einem mit raffiniertem Luxus ausgestatteten Gemach. Sie sitzen vertraulich nebeneinander auf den weichen Polstern eines mit dunklem Brokat überzogenen Divans. Aus dem Tisch vor ihnen aber steht ein exquisites Früh-
nach dem Lertetlungsplan vom Frühjahr d. I. mit 150 Farbigen und 7 Europäern belegt; außerdem befinden sich auf der Statton zwei Schnellfeuergeschütze. Die Wahehe find derselbe Stamm, welcher s. Z. die Expdition Zelewski niedermetzelte. Seit dieser Zeit verhielten sie sich ruhig und es wurden vielfache Bemühungen seitens des Sultans von Wahehe unternommen, mit dem deutschen Gouverneur zu einem Frieden zu gelangen. Diese Unterhandlungen haben aber zu keinem Resultat geführt, weil von den Deutschen als Vorbedingung die Auslieferung der der Zelewski- schen Expedition abgenommenen Waffen und Geschütze gestellt wurde, und die Wahehe diese Auslieferung vecweigetten.
Hessen-Nassau.
Marburg, 19. Oktober. (Habilitation.) Morgen, Donnerstag Mittag, um 12 Uhr, wird Herr Repetent Deißmann seine Habilitationsschrift: „Die Formel in Christo Jesu" mit beigefügten Thesen in der Aula der Universität zur Erlangung des Grades eines Licentiaten der Theologie und der venia docendi öffentlich verteidigen.
Marburg, 19. Oktbr. Der Vortrag des Afrikareifenden Westmark: „Fünfzehn Monate unter den Menschenfressern am oberen Kongo" findet am Donnerstag, den 20. Ottober, abends 8 Uhr, im Museumssaale staat. Der Inhalt des Vortrages wird im folgenden angedeutet: Reise von Ba- nama nach M'Sunta. — Ein Krokodill unter meinem Bett. — Stanley Skandale. — Leopoldville. — Ein Boot von einem Flußpferd umgektppt. — Der Congo- strom. — Romantische Gemälde. — Sitten und Gebräuche der Kauibalen in Bangala. — Kasten der Eingeborenen. — Ihre Arbeiten. — Familienverhält- nifse. — Stellung der freien Frauen und Sklaven. — Haarschmuck und Kleidung der Schwarzen. — Falsche Kopfzierde. — Schmuck. — Religion. — Krieg. — Menschenopfer. — Mahlzeiten der Gastereien der Kannibalen. — Ein Häuptling, der sieben seiner Frauen verspeist. — Begräbnisfeierlichkeiten. — Leicheutanz. — Rückkehr. — Wißmann. — Die Sklaverei in Aftika. — Wo auch Herr Westmark, welcher 35 Jahre alt und aus Schweden gebürtig ist, Vorträge gehalten hat, überall hat er ein überaus zahlreiches Publikum auf das Fesselndste zu unterhalten verstanden.
Marburg, 19. Oktbr. Der vor einigen Tagen an dieser Stelle schon erwähnten Nachweisung über den Geschäftsbetrieb der Sparkassen im Re-
stück. Daneben in einem Champagnerkühler mehrere Maschen des perlenden Schaumweines.
„Und nun zum Geschäft," sagte Herr Klette/ als sie beide dm letzten Bissen genossen und der wohldressierte Diener den Tisch wieder abgeräumt und sich mit den Resten der Mahlzeit entfernt hatte. „Es handelt sich diesmal um die Erwerbung größerer Landstrecken in der Umgebung unserer Residenz," setzte er dann hinzu „und zu diesem Behufe ist bereits ein Konsortium zusammengetreten *
Aber liebster, bester Herr Klette," unterbrach Gottlieb Wronker hier jedoch die Rede seines Wirtes, „was in aller Wett wollen Sie denn nut )en Ländereien anfangen ? Doch nicht gar Schweine darauf züchten ober"---
„Unsinn, mein Freund! Wir beabsichtigen sie ö schnell als möglich zu Straßen und Plätzen ab- iecken zu lassen und dann auf eigene Rechnung Villen zu bauen. Heutzutage will jeder reiche Mann ein Landhaus haben. Und so müßte es sonderbar ugehen, wenn wir unsere Prachtbauten nicht chnellstens an den Mann brächten und auch Käufer ür die noch unbenutzten Bauplätze finden, so daß wir nach Jahresftist das in das neue Unternehmen gesteckte Kapital verdoppelt wieder in der Tasche -alten"
„Und wenn Sie sich hierin irren?"
„Irren? Davon kann gar nicht die Rede ein," — erwiderte Klette, über den Zweifel seines Gastes lächenlnd.
Dann aber begann er auch schon mit wahrhaft lewunderungswürdiger Beredsamkeit auf das klarste rarzulegen, daß das in Frage stehende Projekt nur )te glänzendsten Resultate erzielen müßte. Fast eine -albe Stunde sprach der geriebene Geschäftsmann
gieruugsbezirk Cassel pro 1891 entnehmen wir noch folgende Angaben: Das Guthaben der Einleger stieg von 77 898 291 Mk. auf 81104 762 Mark, also um 3 206 471 Mk. Von letzterer Summe entfallen aber 2071090 Mk. auf zugeschriebene Zinsen, so daß also die Vermehrung des Einlegerguthabens durch Spareinlagen nur 1135 381 Mk. beträgt. Der Reservefonds der Sparkassen stieg au: 5 252 796 Mk. Aus den Reservefonds wurden zu öffentlichen Zwecken verwendet im Jahre 1891: 152 050 Mk. und hn Ganzen seit Bestehen der verschiedenen Sparkassen 2 043164 Mk. Die Gesamt- Lerwaltungskosten beliefen sich auf 178 592 Mark. Der Regierungsbezirk Cassel zählt 34 städtische, 15 Kreis-, 3 Kirchspiels- und 2 Privat-Sparkassen.
Marburg, 19. Ott. (Verein für freiwillige Armenpflege in der Stadt Marburg.) Die Rechnung des freiwilligen Armmvereins für das Jahr vom 1. Juli 1891/92 liegt vom nächsten Donnerstag ab auf dem Sekretariat des Rathauses zur Einsicht der Mitglieder auf 8 Tage offen. Die Einnahmen haben 1861 Mk. 2 Pfg. (im Vorjahre 1985 Mk. 7 Pfg.), die Ausgaben haben 1779 Mk. 2 Pfg. (im Vorjahre 1966 Mk. 69 Pfg. betragen, so daß ein Kassenbestand von 81 Mk. 58 Pfg. verblieben ist. Der wichtigste Einnahmeposten, Beittäge der Vereinsmitglieder, hat sich nur wenig geändert, im letzten Jahre 1453 Mk. 50 Pfg., hn Vorjahre 1452 Mk. 59 Pfg. Der wichtigste Ausgabeposten, ordentliche wiederkehrende Unterstützungen an Arme in hiesiger Stadt, ist von 1710 Mk. 75 Pfg. int Vorjahre auf 1534 Mk. 80 Pfg. gesunken, weil die Einnahmen größere Beihilfen nicht zuließen. Dem Verein ist es vergönnt gewesen, durch außerordentliche Einnahmen, welche neben der Rechnung hergelaufen sind, namentlich 64 Mk. zur Ablösung von Neujahrswünschen und ein Teil des Ettrages des Konzertes des hiesigen Männergesangvereins (70 Mark) verschämten Armen unserer Stadt wirksame Hilfe zu bringen. Mit besonderem Dank ist hervorzuheben, daß der Erttag eines Kouzettes des hiesigen Männergesangvereins mit 200 Mk. für milde Zwecke gegeben ist und davon 170 Mk. durch den freiwilligen Armenverein verwendet find, und daß dem Verein auch sonstige Exttagaben (von Herrn Schiedsmann Friedrich aus Sühneverhandlungen 34 Mk., Geschenk des Herrn Dr. Tröger 20 Mk. Ueberschuß von einer Faßpartie der Ledererschen Gäste im Dammelsberg durch Henn Schreinermeister Schocke 20 Mk. 50 Pfg.) zugegangen sind. — Der ftei- willige Armenverein hat die wichtige Aufgabe, die
so in den posen'schen Landmann hinein, als dieser ihn unterbrechend erwiderte:
„Ja, Herr Klette — Sie haben meine Zweifel glänzend widerlegt und ich trete mit allen mir zu Gebote stehenden Mitteln in die neu begründete Aktien-Gesellschaft."
„So ist'» recht — so ist's recht!" rief der Banquier und ließ schmunzelnd den Pfropfen einer rischen Silberbehelmten springen. Und die hohen Spitzgläser erneuert mit dem köstlichen Raß der Champagne füllend, ergriff er das feinige und setzte sinzu: „Lassen Sie uns auch auf ein gutes Ge- ingen anstoßen, mein Freund." Herr Gottlieb that, wie sein liebenswürdiger Wirt es gewünscht und -ell klang es durch das Gemach, als sich die Gläser der beiden Männer trafen.
„Ein gutes Vorzeichen," meinte der neugeworbene Gründer- Herr Klette nickte zustimmend Dann sah er nach feiner Uhr und rief: „Aber es ist die höchste Zeit, daß wir nach der Börse ähren. Dorthin wünschen Sie sich doch auch jetzt u begeben?" —
„Gewiß — gewiß," kopfnickte Herr Gottlieb.
Der Hausherr drückte nun auf den Knopf einer lerettstehenden silbernen Tischglocke. Alsbald trat >er int Vorzimmer der Befehle feines Herrn harrende Diener in das Gemach. Der Banquier bestellte nun ras sofortige Anspannen feiner Pferde vor den neuen Landauer.
„Das hat der Kutscher bereits besorgt, gnädiger Hett," erwiderte der Wiener.
Fünf Minuten später rollte der einfache pofen- che Gutsbesitzer wieder einmal auf Gummirädern >em Börsenpalaste, der jetzt im Volksmunde „Gift- xtum* heißt — entgegen. — Ob zu seinem Unglück
öffentliche Armenpflege zu unterstützen und zu fördern und namentlich den verschämten Armen nach Maßgabe der ihm anvttttauten Mittel Hilfe zu bringen. Während die Thätigkeit der Armendeputatton durch das Gesetz bestimmt und begrenzt ist, so daß ste Alles geben muß, was das Gesetz vorschreibt, aberdarübtt hinaus nicht geben darf, hat der freiwillige Armm- verein eine freiere Stellung und hilft in vielen Fällen, wo Hilfe nötig ist, aber das Gesetz sie nicht vor- schreibt; nur durch eine Verbindung obrigkeitlicher Organe mit Männern und Frauen, die aus christ- lichtt Nächstenliebe und Barmherzigkeit den Notleidenden helfen und dienen, kann eine einigermaßen wirksame und ausgiebige Unterstützung geschaffen »erben. Die städtische Armendeputatton, der frei» willige Armenverein und die in der hiesigen Gemeindepflege thättgen Schwestern arbeiten Hand in Hand; ein ganz wesentlicher Fortschritt in der hiesigen Armenpflege ist dadurch herbeigeführr, daß die Diakonissen an den Sitzungen der Armendeputation und des freiwilligen Armenvereins teil nehmen. — Wir bitten unsere Mitbürger, namentlich auch diejenigen, welche von auswärts nach hier gezogen sind, das gute Werk des fteiwilligen Armenvereins durch reichliche Beittäge unterstützen zu wollen; wtt bitten weiter unsere Mitbürger, bei Zuwendungen an Arme sich des Beirates entweder der hiesigen Diakonissen oder der Armenpfleger (Stadttatsmitglied Matthäi, Opttkus Unkel, Rentier Brauer, Geheimrat Dr. Münscher, Schreinermeister Schocke, Bäckermeister W. Keßler, Buchhändler Brann, Kaufmann F. Eberhard, Vorsteher Schaaf, Bäckermeister Mardorf, Stadttatsmitglied W. Schneider, Bäckermeister L. Fladung) bedienen zu wollen, welche gerne über die Armen ihres Bezirkes Auskunft erteilen. — Die Generalversammlung der Mitglieder des freiwilligen Armenvereins wird am ersten Montag im November, abends 6 Uhr, im hiesigen Rathause stattfinden.
Marönrg, 19. Oktober. (Bürgerverein.) Nach längerer Pause hielt gestern Abend der hiesige „Bürgttvttein" im Restaurant Freidhof wieder eine Mitgliedttversammlung ab. Dieselbe wurde von dem 1. Vorsitzenden Herrn Georg Schott geleitet und mit dem Hinweise darauf eröffnet, daß der Vnein, trotz der eingetretenen Sommerpause, mit Befriedigung auf seine in Sachen der Errichtung einer Südpost, und der Belassung ber königl. Eisenbahn-Bauinspektion in Marburg erreichten Erfolgen zurückblicken könne unb nun bereits Schritte gethan habe, um bas Süd- viertel auch telegraphisch ober telephonisch mit ber Norb- poft zu verbinbeu. Hiernach gebachte ber Vorsitzende
ober Glück, werben wir im weiteren Verlaufe unferer wahrhaften Erzählung erfahren
Vierzehn Tage waren feit biefer Stunbe vergangen Unb gegen feine eigenen Erwartungen weilte Gottlieb Wronker noch immer in ber Residenz. Er hatte die volle Gastfreundschaft Klette» angenommen unb sein liebenswürdiger Wirt wußte ihn so in bas Leben unb Treiben ber Berliner Grünber- welt zu verwickeln, baß bis jetzt an ein Fortkommen ;ar nicht zu benken gewesen. Nun aber fühlte sich >er sonst so ruhig bahinlebenbe Lanbwirt so betäubt von all' den glänzenden Prospettionen, welche „Klette unb Genossen" ihm eröffneten, baß er be» chloß, enblich wieder bas Stillleben in ber Heimat aufzusuchen Trotz vielen Gegenreben seines Wirtes packte ©ottlieb beim jetzt auch unverzüglich seinen Koffer unb fuhr nach dem Cüstriner Bahnhof hinaus, wo er aber erst in einem Coupe zweiter Klasse U einer gewissen Ruhe kam. Allein in bem behag- ichen Raum ließ er bann jedoch noch einmal alles an feinem Geiste vorüberziehen, was er in den etzten zwei Wochen erlebt hatte. Stolz aber hob ich fein Kopf, als er sich nun sagte, baß er in einem Zettraume von wenigen Monaten vielleicht chon zu ben „reichsten Leuten" ber Provinz Posen zählen werbe.
Trotzbem biese Hoffnung gewiß nicht ein» chlummernder Natur war, legte sich Gottlieb boch n seine Ecke zurück unb war erstaunlicher Weise bald eingeschlafen.
Aus den Träumen von Ueppigkett unb Glanz weckte ihn erst in CMrin bas Einsteigen eines neuen Reisenden, welcher sich ihm schräg gegenüber setzte.
Fortsetzung folgt.)