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Anzeigen nimmt entgegen die Erpedition dieses Blattes, sowie die Amwncen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in ,

Frankfurt a. M Casiel, Magdeburg und Wien; Rudolf XXVII. ^abraana. Moss- in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L.

Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.

Wöchentliche BeUagm: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

"" -* Illustriertes Sonntagsblatt. *

»Ncheurt täglich -utzer an Werktagen na» Som», und .

M 243. »feÄ'ÄSÄSÄ Marburg, L ®dfc Sonnabend, 15. Oktober 1892

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Zur Abnahme, vezw. Einweihung der

neuen Weidenhäuser Brücke.

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Gelobt sei Gott mit frohem Sang,

Die Brücke ist ein Meisterstück,

Schaft- inem k.S sineit sch habe stets 100-

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Daß uns das große Werk gelang; Was unsre Väter oft erfleht, Bor unsren Augen fertig steht, Durch schön gewölbte Brückenbogen Gehorsam ziehn die Wafserwogen.

Der alten Brücke gut Gestein tin den Neubau mit hinein, birgt die Brück im neuen Kleid Sin gutes Stück der alten Zeit, Das sollen wiffen und verstehen, Ke über diese Brücke gehen.

Erbaut mit Eifer und Geschick;

--Nennt man, waS Gutes jüngst erstand, So wird die Brücke auch genannt, Auch ist von großem Glück zu Tagen, Daß sich kein Unfall zugetragen.

Dem Rat der Stadt sei Dank gesagt. Daß er zum NeubauJa" gesagt. Dem Bauherrn auch, der's Werk ersann, Dem Meister der es frisch begann, Und Allen, die die Hände rührtm, Daß sie den Bau zu Ende führten.

Nun schütz dich Gott mit starker Hand Der Stadt und Vorstadt Freundschaftsband; Nun stehe fest und stehe lang Im Sturmgebraus und Wogendrang; Uns aber wolle Gott behüten Und schenken Eintracht uns und Frieden!

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Marburg, 14. Oktober 1892.

Auf Wronkermühle.

Original-Roman von 6. D. H. Brandrup.

sRachdruck verboten.] (Fortsetzung.)

Kaum aber hatten unsere Wronkermüller Hunger «d Durst gestillt, so verlangte es den alten Herrn ich schon wieder nach frischer Luft. Er bezahlte «Zeche und beide verließen das große Lokal wieder - überschritten die Königstraße und bestiegen in der ftimdauerstraße eine Droschke dem Kutscher mde die Weisung zu Teil nach dem Krollschen tabliffement zu fahren. Zwanzig Minuten später to das Ziel erreicht und Herr Wronker sen. batte elegenheit, die herrliche Beleuchtung des prächtigen kittens anzustaunen.

»Na, so 'was hab' ich aber doch noch nicht ze­chen, Fritz!" rief der alle Herr ein über das Here Mal.Das ist ja geradezu feenhaft und llein die Reisekosten wert!" Fritz stimmte dem uch vollkommen bei, meinte aber, den Garten zu vneßen hätten sie nachher auch noch Zeit. Jetzt öge der Vater sich erst die Theatervorstellung an- chm resp. anhören.Das erste Stück haben wir rellich verpaßt," sagte der junge Mannaber h glaube, jetzt fängt man gerade mit dem zweiten N- Sieh nur, wie die Menschen sich dort nach dem Eingang drängen."

Auch von der Vorstellung war Herr Wronker sen. ~ entzückt. Schließlich fand aber auch diese ihr nde und unsere Bekannten suchten wieder in das reie zu gelangen. Dabei mißfiel dem alten Herrn Üwch in hohem Grade das Gedränge des Publikums. Na, das geht ja hier gerade zu, wie bei uns in Lronkermühle," sagte er,wenn die Schafe entweder »s oder in den Stall hinein wollen. Da stoßen üd schieben sie sich genau, wie es hier die geputzten

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Herren und Damen thun. Das dumme Viehzeug kann man nun nicht deshalb schelten. Aber daß Menschen und gebildete dazu sich nicht zu sagen ver­mögen, wie sie doch um so vieles leichter hinaus­kämen, wenn sie sich nur etwas Zeit dazu ließen, geht über die Hutschnur und ich meine, solche Dämlichkeit."

Erbarm Dich, Vater so sprich doch nicht so laut!" raunte Fritz dem Alten zu.Du könntest Unannehmlichkeiten haben und "

Ach was, Unannehmlichkeiten," entgegnete Herr Gottlieb. Dann aber besann er sich doch und folgte dem Rat seines Sohnes, welcher ihn unter den Arm genommen hatte. Einigemale durchschritten die beiden nun den in der herrlichen Frühlingsluft prangenden Garten. Als sie sich alles Sehenswerte aber zur Genüge angeschaut, nahmen sie an einem Tische Platz. Bei einer Flasche Wein vergnügten sich nun unsere Bekannten in ruhiger Beschaulichkeit an dem um sie herumwogenden Leben und Treiben. Jetzt aber tönte plötzlich eine fremde Stimme in ihr Ohr, welche in höflichem Ton sagte:

Erlauben die Herren, daß ich mich dieses Stuhles bediene?"

Erstaunt maß Herr Wronker sen. de» Fragenden von Oben bis Unten. Es mochte ihm wohl wunder­lich genug vorkommen, daß ein wildfremder Mensch so dreist sein könne, sich in seine Gesellschaft zu drängen. Er antwortete dabei auch nicht. Fritz jedoch, mit dem großstädtischen Leben vettrauter erwiderte artig:Genieren Sie sich durchaus nicht, der Platz ist frei"

lieber den Jungen!" dachte Gottlieb Wronker.

Als sich dann jedoch die erste Verwunderung gelegt hatte, begann er sich den Fremden genauer anzusehen, ob man es nicht mit einem Bauernfänger

Sozialpolitische Gelehrtheit sozialpolitische Verkehrtheit.

Seitdem die soziale Frage in Mode gekommen ift, kann man in wachsendem Maße die Beobachtung machen, daß neben der ernsten wissenschaftlichen Be­handlung, welche ihr von berufener Seite zu Tei' wird, eine popularisierende Tendenz einhergeht, deren Berechtigung sowohl als Ersprießlichkeit dem nüchternen Beobachter äußerst ftagwürdig erscheinen muß. Wir denken natürlich nicht an das asterwissenschaftliche Ge­bühren der sozialdemokrattschen Berüfshetzer, welches statt auf die Klärung, auf die systematische Ver­wirrung des Urteils der Masse hinarbeitet, sondern an jene Kategorie von studierten jugendlichen Himmel- ftürmern, welche in dem Bannkreise des sozialen Problems umberirren wie die Mücke im Dunstkreise irgend einer Lichtquelle, und die sich in ihren eigenen Augen umso wichtiger dünken, je weniger ihr Treiben vor dem Richterstuhle einer besonnenen Kritik Stand zu halten vermag.

Da ist auf ber tagespublizistischen Bildfläche ein Unternehmen aufgetaucht, welches sichSozial­politisches Zentralblatt" nennt, und dessen Heraus­geber, Dr. Braun, sich offenbar viel daraus zu Gute thut, den bahnbrechenden Aposteln einer neuen sozialen Aera anzugehören. Dieser Herr und sein Unter« nehmen dürfen als typisch für eine unter unseren jüngeren Gelehrten hervortretende Richtung gelten, welche auf dem geradesten Wege ist, Fühlung mit der sozialdemokratischen Bewegung zu nehmen, um dann später ganz und gar in ihr unterzugeheu. Sie übersehen dabei ganz und gar, daß den eigentlichen Kern- und Angelpunkt aller sozialen Entwickelung nicht die wissenschaftliche Theorie, sondern die prakttsche Lebenskenntnis und Lebenserfahrung bildet, also ein Moment, über welches sie selber noch nicht, ober doch nur in sehr bescheidenem Maße verfügen. Unsere jungen Gelehrten, welche sich auf bas soziale Problem werfen, thun bas meistens mit all bent Feuereifer, aber auch mit all bei Unreife des Charakters und all dem Mangel an Lebenserfahrung, welcher ihrer Altersstufe eigen zu sein pflegt. Was sie geftem selber erst gelernt, wollen sie heute schon wieder andere lehren; nicht sie beherrschen ihren Stoff, sondern lassen sich von ihm beherrschen bis zur sklavischen Unterwürfigkeit. Daß ste mit einem solchen Thun ihren Mitmenschen und ihrem Vaterlande dienlich und nützlich wären, wird kein Unbefangener behaupten wollen. DerVorwärts" allerdings, das offizielle Parteiorgan der sozialdemokrattschen Partei,

vor denen man sie dringend gewarnt hatte zu thun habe. Der fremde Herr jedoch den seltsamen Blick des unfteundlichen Alten verstehend zog eilfertig ein elegantes Visitenkartenetui aus )er Tasche und überreichte lächelnd seinem miß­trauischen Gegenüber ein Kärtchen, wobei er zum lleberfluß auch noch mit einer leichten Verneigung ägte;

Mein Name ist Klette Banquier Konrad Klette"

Ich bin der Mühlengutsbesitzer Wronker aus Wronkermühle bei B im Posen'schen und der junge Mann neben mir ist mein Sohn Fritz," er­widerte Herr Gottlieb, während er mit komischer Verlegenheit das Visitenkärtchen seines Gegenübers von allen Seiten betrachtete.Mit solch einem Ding," setzte er bann hinzu,kann ich leider nicht aufwarten in unserer Gegend kennen sich eben die Leute alle und"

Herr Wronker sen. unterbrach sich. Verblüfft chaute er dem Sohne zu, welcher da, gleich dem Banquier ein gesticktes Täschchen aus dem Rocke zog, dem er nun ebenfalls eine Visitenkarte entnahm, welche er Herrn Konrad Klette überreichte.

Ist doch ein Schlag-Junge, der Fritz, und auf jede Eventualität vorbereitet," dachte Herr Gottlieb, «schloß aber, sich des anderen Tages auch Visiten­karten machen zu lassen.

In Benehmen, Manieren und Redeweise war Herr Konrad Klette ein schlichter und einnehmender Mensch, der es auch verstand, das Mißtrauen Herrn Wronkers sen. gegen ihn vollständig zu unterdrücken. Bald waren die Herren, welche noch vor einer Stunde keine Ahnung von ihrer gegenseitigen Existenz gehabt, denn auch in lebhafte Unterhaltung.

ist svoll Freude ob des Beginnens der Braun und Gefiunungsgeuossen, wohl wissend, daß die von dem Sozialpolittschen Zentralblatt geleistete bezw. noch zu leistende Arbeit nur Wasser auf die Mühle seiner volksverhetzenden, staats- und gesellschaftuntergrabenden Agitatton leitet. Wir möchten allen denen, die es angeht, zu bedenken geben, ob es die Aufgabe eines Jüngers der Wissenschaft fein kann, die Hand zu leihen zu Bestrebungen, welchen der ingrimmigste Haß gegen Alles, was die Menschheit in vieltausend­jährigem Ringen nach Gesittung und Kultur gewirkt und geschaffen hat, auf der Stirn geschrieben steht; ob es unsere jüngere Gelehrtenwelt vor ihrem wiffeu- schaftlichen und patriottsch-staatsbürgerlichen Gewissen verantworten kann, akttv mitzuwirken an der Unter­grabung des Bestehenden, an der Herbeiführung einer Katastrophe, in deren Wirbeln Besitz und Bildung gleicherweise elend zu Grunde gehen muß.

Wer hierauf nicht mit ja antworten kann und mag, der kehre je eher desto besser um auf der ab­schüssigen Bahn, welche ihn mit unfehlbarer Sicher­heit an einen Punkt führen muß, wo ihm Erkenntnis und Reue nichts mehr nützen werden, weil ste zu spät kommen.

Deutsches Reich.

W. Aerlitt, 14. Oktbr. Kaiser Wilhelm hat Donnerstag Abend nach herzlichem Abschiede vom Kaiser Franz Joseph Wien wieder verlassen und ist nach Potsdam zurückgereist. Am letzten Tage seiner Anwesenheit in der österreichischen Hauptstadt unter­nahm ber Kaiser mit dem Erzherzog Franz Ferdinand noch einen Jagdausflug nach den Donauinseln, von wo die Rückkehr im Laufe des Nachmittags erfolgte. Das Publikum beretiete dem Monarchen bei jeder Gelegenheit enthusiastische Ovattonen. Der Besuch Kaiser Wilhelms in Wien wird naturgemäß auch von der ausländischen Presse lebhaft er­örtert; bemerkenswert erscheinen uns insbesondere die verständigen Bemerkungen, mit welchen derDaily Telegr." das Ereignis begleitet. Das Blatt betont die friedlichen Ziele des Dreibundes und sagt, es sei lediglich Frankreich mtt seinen schweigsamen, ein­gewurzelten Rachegedaukeu, welches notgedrungen den Dreibund schuf, als Gewähr gegen die Launen seines Volkes und Veränderungen feiner Regierung. So lange dieser unzivilisierte Durst nach des Siegers Blut von dem Besiegten empfunden werde, könne Europa sich nicht sicher fühlen, seine riesigen Heere könnten nicht vermindert werden. Das Interesse der Welt im

Eine Flasche Wein nach der anderen wurde dabei getrunken und es währte auch nicht lange, so kannte der Banquier die ganzen Verhältnisse der neuen Bekannten. . .

Aber auch er hielt mit den seinen nicht hinter dem Berge.Ja, meine Herren," sagte er, nach­dem er sich in ziemlicher Breite über seine frühere Thätigkeit als Kassierer an einem Berliner Bank­geschäft ausgesprochenja, ja, meine Herren, trotzdem ich mir schon ein hübsches Kapitälchen zu­rückgelegt hatte, zögerte ich doch noch immer, mich mit den Spekulationen an der Börse zu befassen, obgleich ich täglich sah, wie der oder jener meiner Kollegen mit einem Schlage zu Reichtum gekommen war. Endlich konnte aber auch ich der Versuchung nicht länger widerstehen. Ich folgte dem Drängen der Freunde -und kaufte die mir von einem Makler angebotenen Papiere. Schon nach vieruniywanzig Stunden hatte ich das Vierfache der in bar ver­ausgabten Summe in den Händen."

Damit gewann ich Courage und erteilte dem Makler größere Aufträge. Er kaufte und verkaufte nun für mich, daß es' eine Art hatte. Dabei wuchs mein Besitz und es währte auch nicht lange, so konnte ich chn stolz einVermögen" nennen.

»Heute aber liegt jede Abhängigkett hinter mir. Meinen Posten als Kassierer habe ich aufgegeben und stehe nun auf, eigenen Füßen. Ich besitze ein lottgehendes Geschäft ein eigenes Haus, Diener- chast und Equipage. Meine Hauptbeschäftigung aber besteht darin, das mir täglich zufließende Geld auf anständige Manier wieder unter die Leute zu bringen."

Und und könnte man nicht Ihrem Beispiel folgen?" sagte jetzt Herr Wronker sen., als Konrad