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Wöchmüiche Bellagm: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
^teMtton 9unb Expedition^Markt V. WNstriettes Sonntagsblatt. Redaktion und Expedition^ Markt" 21° 3Rot6“r9
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Erscheint täglich anher <n Werktagen nach Senn« und Feiertagen. — Ouartal-Lbonnenrentd-Preir bei der Expedition L Mk., bei allen Postäuttern L Mk. L8 Pfg. (exkl. Betzeügeld). JnserttonSgebühr für die gefpaltem Zeile 10 $fg„ Reklamen h'ir die Zeile Lki Pfg.
Marburg,
Freitag, 30. September 1892.
Anzeigen nimmt entgegen die Erpedition dieses Blatte», iowie die Annoncen-Bureaur von Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Caffel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moste in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L. Daube u. Eo. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
XXVII. Jahrgang.
Deutsches Reich.
W. Berlin, 29. Septbr. Der Kaiser hat dem Khedive von Aegypten das Kroßkreuz des Roten Adlerordens verliehen. Wie aus Rominren berichtet wird, ist das Befinden des Monarchen foridaucrnd das Beste und erledigte derselbe täglich die lautenden Regierungsgeschäfte. Zwischen Rominten und Berlin besteht eine Expreß-Verbindung durch Kabinettskourier. Die Jagdbeute des kaiserlichen Jägers ist eine recht befriedigende. Das Befinden der Kaiserin und der neugeborenen Prinzessin lasien nichts zu wünschen übrig. Die drei ältesten kaiserlichen Prinzen sind am Dienstag von Wilhelmshöhe wieder in Potsdam angekommen. — Tie Ueberschüsse der preußischen Einkommensteuer von rund 40 Mill. Mark jährlich sind bekanntlich dazu bestimmt, nach dem Inkrafttreten der gesammten Steuerreform für die Zwecke dieser verwendet zu werden. Deshalb werden sie, soweit sie in der Zwischenzeit eingehen, also längstens für drei Jahre, angesammelt, was am 1. April 1895 einen Fonds von 120 Millionen ergeben wird. Es besteht die Absicht, die Zinsen dieses Fonds — er selbst würde dann die Aufnahme eines entsprechenden Anleihebetrages überflüssig machen — zu Beihilfen für das Schulwesen zu verwenden. — Der Kultusminister Dr. Bosse soll beim Finanzminister die Bereitstellung von Mitteln zu einer Besserstellung der Volksschullehrer angeregt haben, ebenso zu einer Gehaltserhöhung für die Kreisphysiker, um es diesen zu ermöglichen, weniger auf Privatpraxis zu sehen und sich eingehender den Aufgaben der Medizinalpolizei widmen zu können. Beide Schritte dürfen, falls sie sich bewahrheiten, auf allgemeine Zustimmung rechnen. Fraglich ist indessen, ob die Finanzlage einen Erfolg derselben verspricht. — Die für die einzelnen preußischen Regierungsbezirke gebildeten, durch teils von der Regierung ernannte, teils von den Provinzialausschüssen gewählte Mitglieder besetzten Berufungskommissionen für die Einkommensteuer find mit Erledigung der an sie ergangenen Berufungen stark beschäftigt. Wie umfangreich die Arbeit dieser Kommissionen ist, mag daraus erhellen, daß einer derselben etwa 40 000 Berufungen zugegangen sind. — Man fo 118 kaum glauben, wie gewisse Leute sich die Köpfe zerbrechen um Dinge, die sich heute auch noch nicht im Mindesten übersehen lassen. Der Wortlaut der neuen Militärvorlage ist noch nicht bekannt, von ihrer Begründung weiß Niemand ein Wort, Niemand kennt die letzte Entscheidung der
Auf Wronkermühle.
Original-Roman von E D. H. Brondrup.
sNachdruck verboten.]
(Fortsetzung.)
Der Justizrat schüttelte den Kopf: „Es ist fast unbegreiflich, daß Sie sich unter diesen Ver- hältnisien nicht den Besitz dis Gutes sicherten, das hrißt — sich denselben durch einen notariellen Akt von ihrem Vater übergeben ließen. — Jetzt ist nicht einmal ein Testament gemacht und somit —" Er unterbrach sich und die Augenbrauen in die Höh; zwhend sagte Horn dann: „Wiffen Sie auch, lieber Wald, daß Sie sich unter diesen Umständen nur als Verwalter des Nachlasses ihres verstorbenen Vaters «trachten dürfen?"
„Ich weiß — leider, ich weiß!" erwiderte Herr Wilhelm und schaute betrübt vor sich nieder. „Eben deshalb wollte ich mir Ihre Hilfe erbitten, Herr Justizrat. Also —"
.Hier ist aber guter Rat teuer, mein Lieber! Doch werde ich natürlich thun, was vorerst das Notwendigste —"
»Und dies wäre?'* fragte Wilhelm zögernd.
„Nun einfach nachholen, was bisher versäumt worden ist. Das heißt, einen Ausruf in fast allen größeren Zeitungen erlassen, des Inhalts, daß ein gewisser Karl Wald — geboren dann und dann zu so und so — der im Jahre 18 . . die Heimat Erlassen — ersucht wird, sich binnen zwei Jahren behufs Erbregulierung bei der unterzeichneten Beerbe zu melden — respektive sich durch einen Bevollmächtigten vertr.ten ru lassen. Sollte aber der p. Wald bereit» verstorben sein, jedoch Familie hinterlassen haben, so wäre diese Aussorderung von Beicher Bedeutung — un —"
»Familie — Familie?" stotterie jetzt aber
Reichstagsmehrheit, die doch Dinge bringen kann, woran heute Niemand denkt, und schon entsteht ein Streit, ob im Falle einer Ablehnung der Militärvorlage durch den Reichstag der Reichskanzler @ra: Caprivi zurücktreten oder ob der Reichstag werde aufgelöst werden. Man meint, ein Drittes gäbe es nicht. Wer will das sagen? Es können Entschlüsse gefaßt werden, die sich in ganz anderer Richtung bewegen, als man meint, denn, so viel ist klar, wenn es auch mancher nicht glauben will, in der Mehrhest des Reichstages ist eine starke Konfliktsneigung in keiner Weise vorhanden. Augenscheinlich wird versucht, die Bevölkerung zu verwirren und ihr allerle i Schreckgespenster vorzuzaubern. Warten wir doch erst einmal ab, was da kommt, dann werden die Wähler auch ohne Bevormundung Mannes genug sein, ihre Rechte und Interessen zu vertreten. Bange machen soll heute nicht mehr gelten. Daß die Reichsregierung mit der Militärvorlage des Guten zu viel thun wird, ist schon angesichts des Standes der preußischen Finanzen nicht anzunehmen. Bietet doch der neue Etat ein Defizit von 86 Millionen Mark, ein trauriges Resultat, das zumeist durch den Rückgang der Eisenbahneinnahmen seine Erklärung findet. — Vor Kurzem hat sich auf einer Gymnasialbadeanstalt der erschütternde Vorfall ereignet, daß ein Schüler beim Spielen mit einer Salonpistole von einem Kameraden seiner Klasse erschossen und so einem jungen, hoffnungsreichen Leben vor der Zeit ein jähes Ende bereitet wurde. Nach einer Verfügung des Unterrichtsministers vom 21. September ist den Anstaltsleitern aufzugeben, daß sie bei Mitteilung dieses schmerzlichen Ereignisses der ihrer Leitung anvertrauten Schuljugend in ernster und nachdrücklicher Warnung vorstellen, wie unheilvolle Folgen ein frühzeitiges, unbesonnenes Führen von Schußwaffen nach sich ziehen kann und wie auch über das Leben des zurückgebliebenen unglücklichen Mitschülers für alle Zeit ein düsterer Schatten gebreitet sein muß. Gleichzeitig ist aber auch festzustellen, daß Schüler, die, ser es in der Schule oder beim Turnen und Spielen, auf der Badeanstalt oder auf gemeinsamen Ausflügen, kurz wo die Schule für eine angemessene Beaufsichtigung verantwortlich ist, im Besitze von gefährlichen Waffen, insbesondere von Pistolen und Revolvern, betroffen werden, mindestens mit der Androhung der Verweisung von der Anstalt, im Wiederholungsfälle aber unnachsichtlich mit Verweisung zu bestrafen sind.
Kiek, 28. Sept, lieber den Zusammenstoß der beiden zur Manöverflotte gehörigen Panzerschiffe „Württemberg" und „Friedrich Karl" werden noch
Herr Wilhelm und riß die Augen fast gespenstisch weit auf.
„Na, ist denn die Existenz einer solchen unmöglich, bester Herr? — Kann sich Ihr Bmder nicht im Laufe von fast drei Jahrzehnten eine Frau genommen und mit derselben Kinder gezeugt haben?"
,La, ja! Aber — zum Schockmillionendonnerwetter, da» — das wäre mir, wie die Sachen liegen — durchaus nicht angenehm."
..Glaub's wohl! Aber beruhigen Sie sich nur, Herr Wald — ich meine auch, daß Ihr verschollener Bruder weder am Leben ist — noch vor seinem Hinscheiden geheiratet hat. Immerhin dürfen wir )ie Möglichkeit nicht ausschließen. Jedenfalls aber mrf der Aufruf nicht unterlassen werden, wenn Sie ich jemals als den wirklichen und alleinigen Besitzer von Mloneck betrachten wollen."
Wilhelm Wald fuhr sich mit beiden Händen nach dem kahlen Schädel.
„Nun, dann thun Sie, bitte, die hierzu notwendigen Schritte." Aber, setzte er dann hinzu, „aber, Herr Justizrat — ich darf doch darauf rechnen, daß die ganze Angelegenheft unter uns »leibt — fo weit dies eben möglich ist, nicht wahr?"
„Natürlich — bester Herr — so weit es eben möglich ist!"
„Und wie viel würde mir die Geschichte unge- ähr kosten?" ftagte Herr Wilhelm dann mit leichtem Farbenwechsel.
„Nun, ein paar hundert Thaler, denke ich."
„Ein paar — hundert — Thaler?"
„Ja, sicher, mein lieber Herr Wald. Doch, mit »er Entrichtung derselben dürfen Sie sich nicht beeilen. Ich kann mir ja denken, daß Sie augen
folgende Einzelheiten bekannt: Der Unfall ereignete sich am Dienstag Abend gegen 10 Uhr bei völliger Dunkelheit auf der Höhe von Stolpemünde. Die acht Panzer fuhren mit der erheblichen Geschwindigkeit von 11 Knoten. Da gefechtsmäßig gefahren wurde, so waren sämtliche Lichter ausgelöscht, die Luft war wenig über 100 Mir. sichtig. Als man vom Bord des „Friedrich Karl" die in die Energielinie cinschwenkende „Württemberg" vor dem Bug bemerkte, war der Zusammenstoß unvermeidlich. 2hr dem „Friedrich Karl" wurden sofort die Kommandos „Maschine halt!" „Rückwärts!" und „Ruder hart Steuerbord!" gegeben, so daß der „Friedrich Karl" die „Württemberg" nicht rechtwinklig, sondern im spitzen Winkel auf der Steuerbordbackseite traf. Abgesehen von diesen rechtzeitg gegebenen Kommandos war es ein Glück, daß der Sporn des „Friedrich Karl" zufällig auf eine Querwand der Schotten und somit auf einen kräftigen Widerstand stieß, der zwar dem rammenden Schiff den Sporn kostete, aber von dem gerammten Schiff ein größeres Unheil abwandte. Sobald der Zusammenstoß erfolgt war, wurden von den beiden Schiffen die erforderlichen Signale gegeben und sofort waren auf der ganzen Flotte die Lichter sichtbar und die Scheinwerfer in Thätig- keit. Das auf der Steuerbordseite in der Nähe des Schornsteins getroffene Schiff neigte sich in Folge des eingedrungenen Wassers so weit, daß das Deck ungefähr in einem Winkel von zehn Grad zur Meeresfläche lag. Wie heftig ttotz der günsttgen Umstände der Stoß noch immer gewesen ist, ergiebt sich aus dem Umstande, daß noch die innere Wand des getroffenen Kohlenbunkers stark nach innen verbogen ist und abgestützt werden mußte. Durch Umladen der Munition gelang es, dem Schiff das Gleichgewicht einigermaßen wiederzugeben, so daß es notdürftig mit den eigenen Maschinen arbeiten und der „Deutschland" ihre Schlepplast erleichtern konnte. Da letzteres Schiff außerdem Wind und Sttom mit sich hatte, so ging die Fahrt nach Kiel ohne erhebliche Beschwerde von statten. „Württemberg" wurde gleich nach Ankunft ins Dock gebracht. — Eine Kieler Mitteilung der „Köln. Ztg." sagt, die Besatzung der von der „Friedrich Karl" gerammten „Württemberg" habe ein eigenes Mißgeschick: sie war auf die „Württemberg" übergeführt von der „Oldenburg", welche gleichfalls durch ein Unglück dienstunfähig geworden war, und wechselt nun in kurzer Zeit zum zweiten Mal ihr Schiff.
Hkeiwitz, 28. Septbr. Die Reduktton der neuen Anleihen von preußischen Städten dauert fort. Der
blicklich — und auch wohl noch bis zu dem Zeit- vunft, an dem Sie die Gelder von der Fener- versicherungsgesellschast ausgezahlt erhalten, nicht gerade viel überflüssiges Geld in Händen haben. . . So und nun haben wir wohl alles Notwendige mit einander besprochen," setzte Herr Horn hinzu „und ich kann mich Ihnen empfehlen. Sie sind wohl so gütig und veranlassen jetzt, daß mein Wagen vor fährt."
Kaum zehn Mnuten später hatte der Justizrat denn auch bereits Wronkermühle verlassen. Mit über die Brust verschränkten Armen stand der Mlonecker und blickte dem eleganten Gefährt nach: „Es wäre furchtbar — furchtbar!" rang es sich dabei über seine Lippen. Dann aber stampfte er zornig mit dem Fuße auf: „Donnerwetter, ist der Wilhelm Wald denn plötzlich zur Memme geworden," ühr er fort, „daß er nicht wagt, dem Schicksal in das Auge zu sehen und —"
Hier wurde dieser Monolog jedoch jäh unter» »rochen. Der Mlonecker Großknecht war auf das Gehöft getreten und sich in der demütigen Haltung polnischer Dienstleute seinem Herrn nähernd, sagte er in seinem gebrochenen Deutsch:
„Pan, die Erren von das Feuerversicherung tnb auf dem Mühle und lassen ihm bitten, hinzukommen."
Wie ein Schauer war es bei den Worten des Knechts über den Rücken Herrn Wilhelm Walds geglitten. Im Moment aber hatte er sich doch wieder gefaßt. „Ich werde sogleich zur Stelle sein," erwiderte er nun, „melde das den Herren."
Mit Bangen und Herzklopfen hatte der Mlonecker »ann zu Fuß den Weg zurückgelegt, der ihn von 'einer Mühle trennte. Ihm war zu Mute, als wenn die ganze Welt in ein Grabtuch gehüllt sei.
Stadt Gleiwitz ist eine Anleihe von 2 Millionen auf 183000 Mark zusammengestrichen.
Kannover, 28. Septbr. Ueber die weiteren Verhandlungen zwischen der preußischen Regierung und dem Herzog von Cumberland wegen definittver Erledigung der Vermögensftagen waren letzthin verschiedene Mitteilungen verbreitet, die von einem günsttgen Fortgang der Besprechungen zu erzählen wußten. Nun heißt es indessen, daß diese Angaben nicht zutteffend sind, sich im Gegenteil noch mancherlei Schwierigkeiten zeigen. Der Herzog soll sich recht halsstarrig zeigen.
Z>reSde«, 28. Septbr. Der präsumttve sächsische Thronfolger Prinz Friedrich August von Sachsen ist zum Oberst und Kommandeur des 108. Infanterieregiments ernannt. Sein jüngerer Bruder Prinz Johann Georg ist zum Rittmeister, sein zweitjüngster Bmder Prinz Max ist zum Premierleutnant befördert.
Darmstadt, 28. Septbr. Banaltafelrat Herr Simon Hrzics, der Vater der nunmehrigen Gemahlin des Prinzen Heinrich von Hessen, bestätigte einem Mitarbeiter der „Agr. Ztg." gegenüber die Meldung von der Vermählung seiner Tochter Milena. Die Vermählung war schon im Juni so gut wie beschlossene Thatsache, doch scheint die vorzeittge Veröffentlichung derselben die Folge einer gegen dieses Heiratsprojekt gesponnenen Jntrigue gewesen zu sein. Im vorigen Monat weilte Banaltafelrat Hrzics 15 Tage in Darmstadt und machte daselbst die Bekanntschaft des Prinzen, der auf ihn den Eindruck eines überaus liebenswürdigen und gemütvollen, mehr bürgerlichen als aristokratischen Neigungen huldigenden Herrn gemacht. Auch damals war, wenn auch nicht offiziell, viel die Rede von der bevorstehenden Vermählung, deren hauptsächlichstes Hindemis darin bestand, daß der Großherzog nicht zu bewegen war, seine Mnwillignng zu dem Herzensbunde zu erteilen. Mit Ablauf seines Urlaubes reifte Herr Hrzics von Darmstadt ab, ohne daß die Sache ihrer endgültigen Lösung zugeführt worden wäre. Am 12. d. Mts. erhielt er die Nachricht, daß der Großherzog — nachdem der Prinz sich dahin geäußert, daß er Frl. Hrzics notwendigenfalls auch ohne Einwilligung heiraten werde — der Eheschließung seine Genehmigung erteilt habe. Zugleich wurde Herr Hrzics um Einsendung aller zur Eheschließung seiner Tochter notwendigen Dokumente angegangen. Am Dienstag Abend erhielt Herr Hrzics von seiner Tochter folgende Depesche: „Ich bitte um Vaters Segen. Trauung heute 8 Uhr." Die Depesche gelangte infolge eines Zufalles verspätet in die Hände des Adressaten, der sich selbstverständlich beeilte, die erbetene Einwilligung
Und trotzdem er sich immer wieder zurief: Donnerwetter, es kann doch nicht den Kopf kosten und ich will Mut fassen!" fühlte er sich doch so elend, wie nie zuvor. —
Die Herren von der Abschätzungs - Kommission warteten bereits in höchster Ungeduld auf den vermeintlichen Besitzer des Gutes. Sie empfingen denselben auch mit Mienen, die nichts Gutes prophe- zeihten. Hatte sich doch aus dem Verhör, welches sie mit den Gutszugehörigen und dem Mühlknappen vorgenommen, als zur Evidenz erwiesen, daß das Gerücht, das auch ihnen schon von einer fahrlässigen Brandstiftung gesprochen, nicht gelogen. Sie wussten nun, wie das Feuer thatsächlich durch die Pfeife Michel Walds veranlaßt worden war. So machte die Kommission auch ohne Umstände dm armen Wilhelm daraus aufmerksam, daß er wohl kaum einen Pfennig als Schadenersatz von ihrer Gesellschaft erhalten würbe. —
„Es wäre etwas anberes gewesen, wenn sie bereits vor bem Brande ber Besitzer bes Gutes geworben, Verehrtester," meinte ber eine der Herren teilnehmend, als er die niedergedrückte Miene Herrn Wilhelm Walds bemerkte. Aber so — so werden Sie sich darin ergeben müssen, allein die bedeutenden Verluste zu tragen. — Immerhin aber wollen wir unsere Schuldigkeit thun und den entstandenen Schaden feststellen." So geschah es denn auch. Nachdem Herr Wald bann bas ihm vorgelegte Protokoll unterschrieben, empfahlen sich bie Taxatoren wieder, bestiegen ihren Wagen und fuhren nach B. zurück, um ber Direktion Bericht zu erstatten.
Der Gutsherr aber wanbte sich bann, vor Kummer, Sorge unb Zorn bie unmöglichsten Verwünschungen ausstoßenb, seinem Zufluchtsorte bei bem Freunde zu. (Fortsetzung folgt)