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Vertteter vor dem Parlament verfolgen und hieraus bei den großen Neuwahlen das Facit ziehen.
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verändern wird. Bei den letzten Reichstagsersatzwahlen haben die Wähler der Zentrumspartei geschlossen für die konservativen Kandidaten gestimmt, während die leitenden Berliner nationalliberalen Organe ihre Gesinnungsgenossen zur Unterstützung der freisinnigen Kandidaten aufgefordert haben. Zu glauben, daß sich daraus nun bestimmte Kartelle für spätere Wahlen und gar für ein unbedingtes Zusammengehen im Reichstage ergeben könnten, ist wohl nicht angebracht; was sich lange fern stand, wird sich nicht auf einmal fest aneinanderschließen. Immerhin kann Jeder, der sehen will, sehen, daß viel im Reichstage verändert ist, daß die Haltung der Zentrumspartei auch in Sachen der Militärfragen keine streng oppositionelle mehr ist und im Parlament Dinge leicht möglich werden können, die heute noch als recht schwierig betrachtet werden. Wir haben in unseren Parteien viele Optimisten, die immer meinen, die Zukunft werde sich gerade so entwickeln, wie sie es meinen. Darauf soll man heute keine Hand inS Feuer legen. Wir leben einmal in einer Periode politischer Ueber- raschungen, und die werden wohl auch für die neue Parlamentssession nicht fehlen. Mögen die Ueber- raschungen nur ersteuliche sein. Jedenfalls werden die Wähler sehr genau das Raten und Thaten ihrer
Berantwortlicher Redakteur: Christoph Rautenhau» in Marburg Redaktion und Expedition: Markt 21.
Ähren. Bis zu anderweiter Bestätigung dieser be- remdenden Nachricht dürfte es angemessen sein, 'einerlei Schlußfolgerungen daraus zu ziehen. — Zur Vorbereitung eines Volksseuchenge- etzes für das deutsche Reich, dessen Einführung sich >urch das Auftreten der Cholera als dringend notwendig erwiesen hat, ist, wie bereits kurz telegraphisch gemeldet, heute im kaiserlichen Gesundheitsamte eine Sachverständigen-Kommission zusammengetreten. Die Beratungen werden von dem Direktor deS Gesundheitsamtes Dr. Köhler geleitet; ferner gehören der Kommission noch folgende Berliner Herren an: Geh. Ober-Medizinalräte Dr. Skrzecska und Dr. Schönfeld, Geh. Medizinalräte Dr. Koch, Dr. Pistor, Dr. Gerhardt und Dr. Lewin, Geh. Ober-Regierungsrat Höpker, Generalarzt Dr. Grosheim, Professor Dr. Schweningrr; sodann sind noch von außerhalb berufen: Geh. Medizinalrat Professor Dr. Bockendahl- Kiel, Profeffor Dr. Wolffhügel-Göttingne, Professor Dr. Ren-Halle, Geh. Sanitätsrat Dr. Graf-Elberfeld, Geh. Sanitätsrat Dr. Lent-Köln, die Ober-Medizinalräte Dr. v. Kerschensteiner und Prof. Dr. v. Petten- kofer - München, Präsident Dr. Günther - Dresden, Medizinaldireftor Dr. v. Koch-Stuttgart, Geheimrat Dr. Battlehner-Karlsruhe, Geh. Ober-Medizinalrat Dr. Pfeiffer-Darmstadt, Prof. Dr. Gaffky-Gießen, Geh. Medizinalrat Dr. Krieger-Straßburg; endlich von den Mitgliedern des Reichsgesundheitsamtes die Herren Dr. Rahts, Dr. Petri und Dr. Ohlmüller. Als Protokollführer fungieren Stabsarzt Dr. Kübler und Bibliothekar des Reichsgesundheitsamtes Dr. Würzburg.
Kiek, 25. Sept. (Flottenmanöver.) Die diesjährigen Herbstübungen unsrer Marine haben mit der gestern erfolgten Rückkehr und Auflösung der Manöverflotte ihr Ende erreicht. Die letzte, leider nicht ohne Unfälle verlaufene Woche war die anstrengendste während der ganzen Aebungsperiode; drei verschiedene Ideen gelangten zur Ausführung. Zunächst war angenommen, daß eine größere Seemacht Wilhelmshaven und Kiel blockiere, aber Danzig ist noch frei und wird durch eine kleinere deutsche Flotte gedeckt; letztere wurde dargestellt durch die bereits am Sonntag, 18. d. M., Nachmittags 2 Uhr, von hier abgegangenen Schiffe der 3. und 4. Flottendivision, denen die 2. Torpedobootsflottille unter dem Flaggschiff „Grille" beigegeben war. Am Montag Morgen 8 Uhr verließ sodann das angreifende Geschwader den Hafen und dampfte gefechtsmäßig ostwärts; dasselbe bestand aus den Panzerschiffen der 1. und 2. Division mit den Avisos „Zielen"
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und „Wacht" und der 1. Torpedobootsflottille unter dem Flaggschiff „Blitz". Die Avisos und Torpedo- )vote versahen mit 16,5 Knoten Fahrt den Auf- ! lärungsdienst auf offener See, sowie an der deutschen, dänischen und schwedischen Küste; das Gros folgte mit 10 Knoten Geschwindigkeit. Um 6 Uhr Abends wurde bei der Insel Moen Rendezvous gehalten und dann in langsamem! Tempo weiter gefahren. Am Dienstag Morgen kam die deutsche Flotte in Sicht, am Abend desselben Tages wurde sie durch die Avisos zum Stehen gebracht und von den Torpedobooten der 1. Flottille angegriffen, während die 2. Torpedobootsflottille gleichzeitig einen Angriff auf die in Energielinie herandampfenden Panzerschiffe machte. Bei dieser Gelegenheit ereignete sich die bereits in ihren Einzelheiten mitgeteilte Kollision zwischen den Panzerschiffen „Württemberg" und „Friedrich Karl", deren ersteres ein Leck von drei Metern Länge und zwei Metern Höhe davontmg, während „Friedrich Karl", ohne leck zu werden, den Spom brach und einen Riß über der Wasserlinie auf Backbordseite des Bugs erhielt. Beide Schiffe waren manövrierunfähig; zu ihrer Assistenz wurde „Deutschland" an der Unfallstätte zurückgelassen; im Uebrigen wurde das Gefecht fortgesetzt. Seitens der Panzerschiffe wurden an der Küste Landungen markiert, während ein Geschwader, bestehend aus dem Panzerschiff „Baden", dem Panzerfahrzeug „Bremse", den Avisos und Torpedobooten, detachiert wurde, um die ostwärts zurückweichende deutsche Flotte zu verfolgen. Am Mittwoch, 21. September, Mittags, langte das genannte Geschwader vor Neufahrwasser an, um bereits Nachmittags */24 Uhr wieder die Anker zu lichten und nach Saßnitz znrückzukehren, wohin sich inzwischen auch das Gros der Panzerflotte zurückzog. Auf dieser Fahrt von Danzig nach Saßnitz ereignete sich in der Nacht zum 22. September bei unruhiger See der traurige Unfall, daß der Kommandant des Torpedoboots 8 2, Leutnant z. S. Kölle, ein tüchtiger und hoffnungsvoller Offizier, durch eine Sturzwelle von Bord gespült wurde und seinen Tod in den Wellen fand. Während nunmehr das zweite, am Mittwoch und Donnerstag ausgeführte Manöver in Uebungen auf offener See bestand, galt die dritte und letzte Idee einem Angriff in der Richtung auf die Kieler Föhrde. Aus derselben machte am Freftag Morgen 7 Uhr ein Geschwader, markiert durch das Torpedoschulschiff „Sachsen", die Jacht „Kaiseradler", das Torpedoschulschiff „Greiff" unb zwei Torpedoboote, einen Ausfall in der Richtung auf Rügen, von wo die Manöverflotte aufgebrochen
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Der Reichstag und die Parteien.
Die letzten Reichstagsersatzwahlen, welche stattgefunden haben, haben schon darauf hingewiesen, daß sich eine neue Gruppierung der Parlamentsfraktionen vorbereitet, deren prinzipielle Bedeutung zwar erst in den Verhandlungen und Abstimmungen im Reichstage sich klar zeigen wird, die aber doch sicher das Aus- schen des Reichstages gegen ftüher nicht unerheblich
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aufschluchzend an die Brust des heimlich Verlobten. Eine Minute standen beide so in innigster Umarmung. Dann aber löste das Mädchen sich aus den Armen des Teueren. „Ich muß dem Vater folgen," hauchte es. Noch ein liebevoller Blick — ein Händedruck — und beide trennten sich Emst, um nun rasch auf den seiner harrenden Wagen zu steigen — Lieschen aber, — um zu dem Patienten zurückzukehren.
Drei Stunden waren seit der zuletzt geschilderten Scene verflossen. Im Krankenzimmer herrschte tiefe Sülle. Unterbrochen wurde dieselbe nur durch die immer leiser und leiser und in immer längeren Zwischenpausen gesprochene Frage de» Kranken: „ob der Justizrat Horn denn noch nicht käme?"
Jetzt aber richtete sich Michel Wald plötzlich hoch auf und wild um sich blickend, rief er:
„Er lebt — Wilhelm — Dein — Bruder — lebt — und — und!"
Wieder unterbrach ein qualvolles Röcheln die Worte des Kranken. Diesmal aber nahm das Gesicht desselben eine merkwürdige bläuliche Färbung an seine Gestalt sank dabei aus da» Bett zurück — streckte sich und lag dann unbeweglich, als wäre sie erstarrt.
„Herr Doktor — um Gotteswillen!" ries Herr Wilhelm — ist das schon der Tod?"
Der Arzt beugte sich über dm Patienten. Eine lange, bange Minute verging, dann erst richtete er feinen Oberkörper wieder in die Höhe: „Es ist vorbei," sagte er nun feierlich. — „Gott hat Jhrm guten Vater und Großvater zu sich gerufen, meine Herrschaften"
„Tot — der Großvater ist tot" — klang er jetzt aber in herzzerreißenden Tönen von den Lippen Lieschens und dann an dem Lager des Toten
storben — verdorben wäre — der Himmel allein wußte wo
Als Herr Wald jun. den Hausflur erreichte, traf er mit Emst Brenner zusammen, der eben im Begriff war, nach B ... zu fahren, um noch einige Maßnahmen über seine Abreise nach London mit Master Weston zu treffen. Da der leichte Jagdwagen, welchen der junge Mann zu der kurzen Fahrt benutzen wollte, bereits angespannt vor der Thüre hielt, so pries Wilhelm die Gelegenheit und ersuchte den Maschinentechniker um die Gefälligkeit, zu dem Justizrat zu gehen, um denselben um seinen sofortigen Besuch nach Wronkermühle zu bitten. „Unser armer Patient wünscht fein Testament zu machen und Gott sei es geklagt, hat hierzu nur noch wenig Zeit."
„So hofft auch der Kranke selbst nicht mehr aus seine Genesung?" fragte Emst in teilnehmendem Ton.
Herr Wald schüttelte traurig das kahle Haupt. In diesem Augenblick aber steckte Lieschen den Kop: auf den Flur hinaus: „Papa — lieber Papa!" flüsterte sie — „komm doch schnell wieder in das Krankenzimmer zurück. Großvater verlangt nach Dir! Er spricht dabei so wirres Zeug und schilt sich, — daß er durch seine Pfeife zum Brandstifter geworden.---
Emst war bereits während der letzten Worte, die das junge Mädchen mit schmerzerstickter Stimme hervorgebracht, an die Geliebte herangetreten. Und währmd Herr Wilhelm dem Rufe seine« sterbenden Vaters folgte, blieben die beidm Liebendm allein im Flur zurück.
Sprachlos schauten sie sich einen Moment in die Augen — dann aber — wie einer unwiderstehlichen Macht folgend, sank Lieschen, krampfhaft
„Gut Wilhelm!" hauchte er dann auch — „Ich wollte Dich nur bitten, den Advokaten holen zu [affen. — Ich — ich habe es bisher immer versäumt — Dir Mloneck — auch vor — Gericht — zu — übergeben. — Wenn — wenn daher — Dein Bruder — Karl — eines Tages — doch — doch noch zurückkehren — sollte, — so — so wäre — er vollkommen — in seinem Rechte, — wollte er verlangen, daß — das Gut — verkauft roürte — und Dir doch in den Erlös — mit ihm teiltest. Ich — ich möchte Mloneck aber nur in — Deinen Händen wissen — und den mißratenen Sohn mit einer Rente abfinden."
„Aber lieber, guter Vater," unterbrach Wilhelm den Patienten hier, „quäle Dich nicht mit solchen Gedanken, die Annahme, daß Karl noch am Leben sein könne, bleibt ja gänzlich ausgeschlossen, denn, wie ich Dir schon wiederholt gesa.t, würde er sich fraglos darüber informiert haben, daß er hier nichts zu fürchten hätte und dann —*
Der Kranke machte eine abwehrende Hand- bewegung: „Ganz gleich — ganz gleich," sagte er dann — „ich will Dich für alle Fälle sichern. Schicke also nach dem Advokaten — aber schnell Der Justizrat Horn in B. wird gern Deinem Rufe folgen."
Mit diesm Worten schien auch die letzte Kraft des allen Herrn gebrochen. Röchelnd ging nun sein Stern und die Augen schlossm sich wieder. — —
Eine Minute blickte Wilhelm auf die entstellte Leidensgestall vor sich, dann seufzte er schmerzlich auf und verließ leisen Schrittes das Gemach, um den Wunsch des Greises zu erfüllen, obgleich er es tatsächlich für unnötig hielt, den Vater feinen letzten Willen aussetzm zu sehen. Er war eben zu fest davon überzeugt, daß fein älterer Bruder ge-
MP** Unsere geehrten Leser ersuchen mir freundlichst, ihre Bestellung für das vierte Vierteljahr 1892 bei den betreffenden Poft- onftalten, den 8anbbricftrn icrn oder unserer Expedition baldmöglichft bewirken zu wollen, da unsererseits nur in diesem Falle eine pünktliche Zusendung der „Ober- hessischen Zeitung" mit ihren Beilagen vom 1. Oktober 1892 ab gewährleistet werden kann.
Reu eintretende Bezieher erhalten das Blatt bis zum Schluffe des lausenden Monats unentgeltlich
Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain •“ 8ato': Illustriertes Sonntagsblati.
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Auf Wronkermühle.
Original-Roman von E- D- H. Brandrup.
(Nachdruck verboten-!
(Fvrtfetzung.)
Während man so auf Mloneck rüstig daran ging, die Spuren de» Brandes zu tilgen, umstand die Familie Wald auf Wronkermühle, jeder Hoffnung bar, das Schmerzenslager des geliebten Vaters, Großvaters und Verwandten.
Unruhig warf sich der Verunglückte auf feinem Bette hin und her. Dabei murmelte er unverstäud- liche Worte Mitunter aber stieß er auch wie im Entsetzen gellende Angstrufe aus.
So verging der ganze Tag und die darauf folgende Nacht In der Frühe des nächsten Vor- urittags traf Doktor Stern wieder ein und war eben dabei, die Verbände des noch immer Bewußtlosen zu erneuern, als der Pattent plötzlich die Augen auf- schlug Zuerst blickten diese jedoch auch jetzt wie geistesabwesend um sich. Dann aber gewahrte der aufmerksam beobachtende Arzt, daß ihr Ausdruck ver- Nndnisvoller wurde. Nun versuchte der Kranke ja auch, sich aufzurichten und mit schwerer Zunge stotterte er die Worte:
„Mein Sohn! Wo ist mein Sohn — ich — ich will —"
Weiter kam Herr Michel jedoch nicht und qualvoll aufstöhnend sank der Aermste wieder in seine vorige Lage zurück Die Augen des Patienten ober blieben geöffnet. Aber als sich jetzt der so sehnlich herbeigewünschte Wilhelm über ihn beugte und mit schmerzersttckter Stimme flüsterte: „Hier bin ich, lieber Vater — auch Lieschen und Schwägerin Bertha find bei Dir!" glitt es wie eine leichte Ge> nugthuung über das schmerzzuckende Antlitz des Schwerkranken.
»riwrml täalick ander en Werttaarn nech Sonn- imb Anzeigen nimmt entgegen die Erpedition dieses Blatte»,
JriSu M £ Erve- MarVUVgp '°wie di° «nn°n-en-Bur°aur vonHaasensteinu. Vogler in ,
dttwn L Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 28 Pf», (-rkl. _ nn 4.4 c tonn ÄÄV1L ^«1)1 (Jung.
Pchrllgeld). Jnsertionsgebübr für die gespalten. Zeil. DoNNerstag. 29. September 1892. Mosi.inFr°nkfutt^M B°ttm ^nch^u K°n;GL.
10 Psg., Reklamen für die Zeile 28 Pfg. Daube u. To. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
Deutsches Reich.
W. AerNu, 28. Septbr. Unser Kais er hat während seines gegenwärtigen Aufenthaltes in Romintcn bei günstiger Witterung täglich, sowohl des Morgens, wie auch wiederholt des Abends, in der Romintener Heide Pürschjagden abgehalten, welche vom besten Erfolge begleitet waren. Der Monarch erledigt auch täglich die laufenden Regierungsangelegenheiten und nimmt die regelmäßigen Vorträge entgegen. — Das Befinden der Kaiserin und der jüngstgeborenen Prinzessin ist andauernd das allerbeste. Am Montag Mittag hatte die Kaiserin zum erstenmale einige Stunden außerhalb des Bettes zugebracht, was derselben vorzüglich bekommen ist. — Die drei ältesten kaiserlichen Prinzen sind mit ihren Gouverneuren am Dienstag Nachmittag von Schloß Wil- helmshöhe bei Cassel wieder im Marmorpalais bei Potsdam eingetroffen. — Aus Anlaß der glücklichen Geburt einer kaiserlichen Prinzessin wttd die Begnadigung einzelner weiblicher Personen beab- fichttgt, welche rechtskräftig zu Strafen verurteilt sind. Die kaiserliche Gnadenerweisung soll namentlich Denjenigen zu teil werden, welche aus Not oder Uebereilung u. s. w. sich vergangen haben, oder das erstemal mit den Strafgesetzen in Konflikt geraten sind. Die Ersten Staatsanwälte der Landgerichte haben die Aufforderung zur Berichterstattung erhalten. Auch ist Fürsorge getroffen, daß Strafaussetzung und Strafunterbrechung ausgesprochen werden darf, wenn ohne diese Maßregeln der Gnadenakt in den sonst dazu geeigneten Fällen sich als unwirksam erweisen würde. — An sämtliche Lehrerkollegien der Gymnasien in der Provinz Pommern soll der gegenwärtige Leiter des preußischen Unterrichtswesens, Staatsminister Dr. Bosse, wie die „Ostsee- Ztg." berichtet, aufgrund des letzten Verwaltungsberichtes des pommerschen Provinzialschulkollegiums über die Gymnasim der Provinz ein Rundschreiben haben ergehen lassen, das sich eingehend mit den Leistungen und Zuständen der pommerschen Gymnasien beschäftigt. Der Minister gebe darin feiner Befriedigung darüber Ausdruck, daß der Besuch der pommerschen Gymnasien in einem wesentlichen Rückgang begriffen ist; über die Leistungen wisse er nichts besonders Gutes zu sagen, wohl aber sehe er sich veranlaßt, über die Roheit der pommerschen Jugend in den höheren Schulen scharfe Klage zu