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WöchmMche Beilage«: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

^itbaftion 8«nb s^pedition'^Markt A.*- Illustriertes Sonntagsblatt. Redaktion unb Exp^bition^ Markt^LL* SRtttbur8

M 214.

»rtchctm täglich außer en Werktagen nach Sonn- und s^eiertagm. Ouartal-AbonnementS-PreiS bei der Expe­dition 2 ML, bei allen Postämtern 2 ML 28 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zelle 25 Pfg.

Marburg,

Sonntag, 11. September 1892.

Anzeigen nimmt entgegen die Erpedition dieses Blattes, sowie die Annoncen-Bureaur von Haasenstein u. Vogler in ,

Frankfurt a. M., Casiel, Magdeburg und Wien; Rudolf XXVII.

Moste in Frankfurt a. M., Berkin, München n. Köln; G.L. S 8

Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.

Neubestellungen auf das 4. Quartal ** derOb er hessisch en Zeitung" nebst ihren BeiblätternKreisblatt für die Kreise Marburg und Kirch­hain" sowieIllustriertes Sonn­tag sblatt" werden schon vom heutigen Tage ab entgegengenommen. Neuzugehende Abonnenten in hiesiger Stadt erhalten die Zeitung vom Tage der Bestellung ab zuge­sandt, ebenso die Abonnenten außerhalb, so­bald sie die Postquittung nebst genauer Adresse cn uns einsenden.

Tie Exped. d. Oberh. Ztg.

Wochenschau.

Ungebetene Gäste wird man bekanntlich nur schwer losl Und so geht es jetzt auch mit der Cholera, die sich in Hamburg dermaßen und so fest einge- «istet hat, daß alle Hoffnung auf ein Verschwinden der Seuche in kurzer Zeit aufgegeben werden muß. Die tägliche Abnahme der Neu-Erkrankungen, worau: es doch gerade ankommt, ist nach den definitiven Aufstellungen recht geringfügig, und die offiziellen Angaben über die seitherigen Todesfälle haben fid leider noch als zu niedrig bemessen ergeben. In der kurzen Zeit vom 22. August, an welchem Tage der erste Cholerafall amtlich konstatiert wurde, bis jetzt sind nahezu 6000 Personen der tückischen Seuche erlegen. Eine epidemiearfige Verbreitung der Krank- hest im deutschen Reiche hat zum Glück nicht statt- zefunden und wird infolge der getroffenen strengen Maßnahmen hoffentlich auch nicht erfolgen; es sind Mr einzelne Erkrankungen und Todesfälle hier und da infolge Einschleppung durch aus Hamburg kom­mende Personen verursacht. Wenn gegen die Ham­burger Flüchtlinge deshalb von den einzelnen Stadt­verwaltungen strenge sanitätspolizeiliche Kontrolvor- schriften erlassen sind, so kann das nicht überraschen; fteilich wird in einzelnen Städten des Guten auch etwas zu viel gethan, und die Cholerafurcht möchte «n liebsten chinesische Blauem errichten. So ängstlich ist die Sache nicht, das zeigt sich am besten in Berlin, bezüglich dessen große Befürchtungen gehegt wurden, die sich zum Glück als total unbegründet mviesen haben. Bemerkenswert ist, daß Oesterreich- llngarn, die nordamerikanische Union und andere Staaken ein überaus strenges Absperrungssystem eingeführt haben; Autoritäten sagen, es nütze nichts.

Jedenfalls schadet es aber auch nichts, und dem schwergeprüften Hamburg wäre die große Gefahr, dem deutschen Reiche manches unliebsame Vorkommnis erspart geblieben, wenn wir es ebenso gemacht hätten.

Die Cholera hat auch den Bewohnern der deutschen Landesteile, welche sich auf die Abhaltung der großen Manöver und den Besuch des Kaisers gefreut und schon vorbereitet hatten, einen bösen Strich durch die Rechnung gemacht. Im Hinblick auf die Möglich­keit, durch das Zusammenströmen großer Volksmengen die Cholera erst recht zum Ausbruch zu bringen, sie in die Armee einzuführen und mit der Entlassung der Reservisten durch das ganze deutsche Vaterland zu verbreiten, hat der Kaiser den Fortfall der großen Manöver für diesen Herbst verfügt. Der Monarch, der im Laufe der letzten Tage den Landmanövern bei Pyritz und den Schiffsübungen bei Swinemünde beiwohnte, wird vorläufig in Potsdam verbleiben. Wahrscheinlich wird Mitte dieses Monats in der Ostsee noch eine zweite Flottenschau stattfinden. Der bisherige kommandierende Admiral der deutschen Kriegsmarine, der Vizeadmiral Frhr. v. d. Goltz, ist zum Admiral ernannt worden, der erste Admiral welchen die Reichsflotte besitzt.

In der Politik, die in voriger Woche so unge­mein durch die Cholera beeinflußt war, ging es in dieser letzten Woche wieder etwas lebhafter zu. Den Anlaß hierzu bot in erster Linie das erneute Auf­tauchen der Militärvorlage, deren Jahreskosten auf achtzig Millionen jetzt angegeben werden, wegen deren Aufbringung noch zwischen den verbündeten Regie­rungen verhandelt wird. Als Gegenleistung der Reichsregierung wird bestimmt die thatsächliche zwei­jährige Dienstzeit für die Infanterie genannt, der dann aber auch alle junge Leute ohne Ausnahme unterworfen werden sollen, so weit sie zum Militär­dienst brauchbar sind. Ob der Reichstag schon in der bevorstehenden Session das Gesetz zur Beratung erhalten wird, steht noch dahin, doch sollen seine Grundzüge schon allgemein in etwa vier Wochen be­kannt gegeben werden. Weiteren Anlaß zu recht lebhaften Erörterungen bot ein Artikel derNordd. Allg. Ztg.", der sich sympathisch über die musterhafte Einigkeit desZentrums aussprach und an welchen deshalb allerlei weitgehende Folgerungen sich knüpften, die aber ganz gewaltig übers Ziel hinaus schossen, denn nachträglich wird bestimmt behauptet, Graf Caprivi habe von dieser Leistung der Norddeutschen Allge­meinen keine Ahnung gehabt. Da übrigens selbst­verständlich der Reichskanzler jeder Anfrage im Reichs­tage Rede und Antwort stehen wird, so wird man

ja sofort nach dem nicht fernen Zusammentritt des Reichstages hören können, wie sich die Reichsregie­rung gegenüber den deutschen Parlamentsparteien zu stellen gedenkt. Der diesjährige Sedantag ist an vielen Orten der herrschenden Cholera wegen zwar etwas stiller als sonst, überall aber in warmem Gedenken jener großen Zeit gefeiert worden. Hier am Orte fehlte dieser Feier selbst eine heitere Szene nicht, indem es ein gesinnungstüchtiger Parteigänger der Freisinnigen, einer Partei, die noch bis auf den heutigen Tag den Fürsten Bismarck mit den schmäh­lichsten Mitteln in den Koth zu ziehen versucht, ge­legentlich eines Sedankommerses über sich brachte, diesem Manne ein Hoch auszubringen!

Die Besprechungen wegen Abschlusses eines neuen Handelsvertrages zwischen dem deutschen Reiche und Rußland haben noch nicht begonnen. Momentan ist in Petersburg erst eine Kommission beschäftigt, die­jenigen Forderungen, welche au Deutschland von rus­sischer Seite erhoben werden sollen, aufzustellen. Sie werden nicht niedrig sein, und hoffentlich wird be der Beantwortung die Reichsregierung nicht vergessen, daß Rußland uns haben muß, wir aber auf den recht unsicheren östlichen Nachbar auch nicht im Ge­ringsten angewiesen sind.

Die große Columbusfeier in der Vaterstadt des Entdeckers von Amerika, in Genua, hat ihren Anfang genommen. Geschwader aller europäischen Seemächte haben sich im Hafen der altberühmten Handelsstadt zum Empfange des Königs und der Königin von Italien versammelt, die den Festlichkeiten beiwohnen wollen und am Donnerstag in Genua eingetroffen sind. Die Feierlichkeiten werden mehrere Tage in Anspruch nehmen. Dem Umstande, daß sich unter den zur Begrüßung eingelaufenen Schiffen auch ein französisches Geschwader befindet, ist hier und da eine politische Bedeutung beigemessen; indessen handelt es sich nur um eine nachbarliche Höflichkeit. Das Verhältnis Italiens zum großen Frtedensbunde er­leidet durch diesen französischen Flottenbesuch keinerlei Aenderung.

Die Franzosen schwelgten wieder einmal in Russen- Enthusiasmus, und selbst der Präsident der Republik, Herr Carnot, hat sich davon fortreißen lassen. Er hat Savoyen und den südftanzösischen Badeort Aix besucht, auf einem Bankett in Chamböry von dem ruhigen und friedliebenden Frankreich gesprochen, in Aix aber einen kleinen, russisch gekleideten Jungen, der ihm Blumen überreichte, umarmt und geküßt, indem er sagte:In Dir umarme ich Rußland". Da nun auch Kaiser Alexander den mit der russischen

Kaiserfamilie verwandten Herzog von Leuchtenberg zur Begrüßung Carnots nach Aix geschickt hatte, so waren selbstredend die Franzosen selig und über­glücklich. Ihre Freude ist nur etwas durch die Cholera gestört. Da die Epidemie sich nicht tot­schweigen ließ, mußte sie naturgemäß öffentlich an­erkannt werden. Und nunmehr ergiebt sich eine recht erhebliche Zunahme der Erkrankungen und Todesfälle, besonders für Paris. Recht wohl ist den lebens­lustigen Bewohnern der Seinestadt dabei nicht zu Mute. An der Dahomeyküste in Westafrika dauert der Krieg der Franzosen mit den Schwarzen fort. Die Franzosen rücken immer vor, wie es scheint, in unabsehbare Wildnis, was die Schwarzen wenig kümmert.

In England besteht politische Stille. Ein Ge­rücht, die englischen Truppen sollten die bisher von ihnen besetzt gehaltene ägyptische Hauplstadt räumen, hat sich als unbegründet erwiesen. An der indischen Grenze in Zentralasien dauern die Wirren fort, doch ist aus den einander häufig widersprechenden Mel­dungen schlecht zu ersehen, wie die Dinge in Wahr­heit eigentlich liegen. Jedenfalls haben die Ruffm das von ihnen besetzte Pamirgebiet nicht geräumt, machen es sich dort vielmehr nach Kräften bequem.

In den Vereinigten Staaten von Nordamerika hat die Wahlbewegung für die neue Präsidentenwahl nunmehr ihren Anfang genommen. Der gegen­wärtige Präsident Harrison, der sich um die Präsi­dentschaft wieder bewirbt, hat bereits sein Wahl- manifest erlassen, worin er sich selbst als Muster eines Staatsmannes hinstellt nach dem berühmten Spruch:Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr". In den Streikdistrikten sind einige neue Tumulte vorgekommen, auch werden weitere Ausstände im Berggebiet befürchtet. That- sache ist jedenfalls, daß die nordamerikanische Bürger­wehr noch niemals so viel Dienst gehabt hat, wie in diesem Jahre. In denjenigen Republiken in Zentral- und Südamerika, in welchem der Bürgerkrieg noch weiter tobt, geht es kunterbunt zu. In Venezuela herrschtvollständige Anarchie, wiederholt sindPlündereien und Brandstiftungen vorgekommen.

Deutsches Reich.

W. Berlin, 10. Septbr. Die kaiserlichen M a j e st ä t e n leben jetzt angesichts der bevorstehenden Entbindung der Kaiserin sehr zurückgezogen im Marmor- Palais bei Potsdam. In der Morgenftühe unter­nimmt der Monarch weitere Spazierritte und ver-

Auf Wronkermühle.

Original-Roman von E. D. H. Brandrup.

sNachdruck verboten.j

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Wahrhaftig, dieser polnische Edelmann hat sich vn die Provinz verdient gemacht," brummte Fritz W im Vorwärtsschreiten.Ich wünschte, man könnte chm einen Prozeß anhängen, ob der Wüstenei, die Er hier veranlaßt hat."

Ernst lachte:Bin ganz Deiner Meinung," Erwiderte er dann, während er von neuem vor dem wrmutigen Vetter einen Sandhügel hinaufklomm. «Doch das Schwerste haben wir ja nun über­wunden," setzte er gleich darauf hinzu.Dort liegt lu bereits die Grenze von Wronkermühle und" . .Er unterbrach sich und die Augen beschattend, er lebhaft, indem er mit der Linken nach einer Staubwolke deutete, die ihm soeben erst aufgefallen Jst's ein Fuhrwerk, das dort kommt, oder irgend ein Hirte mit seinen vierbeinigen Schutz- Eefohlenen?"

Vor wenigen Jahren hatte man sich auch hier )ourgets ^s prächtigsten Waldes erfreuen können Der Herr desselben jedoch, Graf Solinsky verkaufte den Bestand der Forst an Holzspekulanten. Darauf dauerte es auch nicht lange, so begannen Axt und Säge das Vernichtungswerk. An die Anlegung Auer Kulturen aber dachte Graf Solinsky nicht. Wozu auch? Er war ja bereits ein hoher Sechziger und da er keine Leibesei bm besaß, nie vermählt gewesen war, so fielen seine Güter, wenn er das Zeitliche gesegnet, weitläufigen Verwandten zu, um «ren Wünsche und Hoffnungen er fich blutwenig «mmerte. . .

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Wie zur Beantwortung solcher Frage trieb in u«sem Augenblick ein Windstoß dir fich immer mehr

nähernde Staubwolke zur Seite. Ein leichter Korb­wagen wurde jetzt sichtbar, der von zwei prächtigen Schimmeln gezogen ward Nachdem die jungen Männer eine Weile dem Wagen entgegen geschaut, meinte Ernst in auffallender Erregung:

Ich möchte darauf wetten, daß das Fuhrwerk dem Mlonecker gehört! Herr Wald liebt die weißen Pferde und er besaß seiner Zeit auch nur allein in der ganzen Gegend ein paar Schimmel wie diese!"

Ach" Fritz Wronker warf einen seltsam forschenden Blick in das Gesicht seines Vetters. Dann aber nickte er mit dem Kopf und erwiderte:Du hast recht, es ist des Mlonecker's Gefährt. Herr Wald fitzt ja auch selbst auf dem Bock und sein kahler Schädel leuchtet wie ein kupferner Kessel. Scheint eben den alten Gewohnheiten treu geblieben zu sein, Hut oder Mütze nur als notwendiges Uebel in der Hand statt auf dem Kopfe zu tragen. Der Alte ist aber nicht allein," setzte Fritz dann noch hinzu. Ich sehe eine Dame an seiner Seite. Wer mag re sein? Frau Volkmann oder Lieschen?! Erkennst Du die Begleiterin des wunderlichen Kauzes nicht, Ernst?"

Wieder streifte der junge Landwirt mit sonder- iarem Blick das Gesicht seines Gefährten. Es konnte ihm dabei natürlich nicht entgehen, daß sich die Wangen desselben mit glühender Röte überzogen.

Lieschen!" Unwillkürlich war der Name über sie Lippen Ernst Brenners gekommen, während es in den Augen des jungen Mannes freudig aufge- euchtet hatte.Komm' Vetter," sagte er jetzt »ittend die Rechte auf die Schütter Fritz Wronkers legend,nur bis zur Ecke dort, wo sich der Weg nach Mloneck abzwingt. Ich möchte die Herrschaften gar zu gern schon heute begrüßen. Sieh nur, sie

haben uns auch bereits bemerkt und erkannt. Der alte Herr erhebt sich und winkt mit dem Hut"

Bei den letzten Worten schritt Ernst auch schon leichten Fußes dem Kreuzpunkt zu. Sein Vetter folgte langsamer nach Dabei murmelte er vor sich hin:Jetzt verstehe ich Dich, mein Junge, daher die Eile, wieder nach Wronkermühle zu kommen."

Ein finsterer Ausdruck lagerte sich auf das hübsche Gesicht Fritz Wronkers. Hätte fich der junge Maschinenbauer in diesem Augenblick umgedreht, so wäre er über den gehässigen Blick erschrocken ge­wesen, mit welchem der Vetter ihm nachschaute.... Mittlerweile war aber auch der vorhin erwähnte Wagen näher gekommen. Fast zu gleicher Zeit mit den Fußgängern traf er jetzt an der Wegeecke ein. Ein freudiges Begrüßen fand nun zwischen den Be­gegnenden statt. Aber während sich dann Herr Wald fast ausschließlich mit Fritz Wroncker beschäftigte wandte Lieschen ihre Aufmerksamkeit zum größten Teil dem Vetter desselben zu, an den sie schon seit »er Kinderzeit ein inniges Freundschaftsverhältnis stüpfte. Bei allen nachbarlichen Zusammenkünften »er Familien Wald und Wronker hatte man den iereitö hochaufgeschossenen Ernst auch an der Seite des kleinen Mädchens finl en können. Er erzählte ihm Märchen, belehrte es und wußte sich auch seiner anzunehmen, wenn Fritz das zarte Ding mit allerlei Neckereien ängstigte. Was Wunder, daß Lieschen von Klein auf mit ganzer Seele an dem älteren Spielgefährten hing und sich nach ihm sehnte, als )ie Pflegeettern ihn nach B. auf das Gymnasium brachten. Die Ferienzeiten schienen ihr dann stets eine Reihe von Festtagen, bis Herr Wald sein Töch­terchen ebenfalls nach B in eine Pension führte, >amit es die höhere Mädchenschule besuchen könne Nun wollte es der Zufall, daß ein Sohn der

Pensionshälterin Lieschens der intimste Freund Ernst Brenners war er besuchte das Gymnasium mit demselben und sie saßen in einer Klasse. So kam es, daß die Kleine den lieben Gefährten aus der Heimat auch häufig im Hause der Pensions­hälterin traf. Ihr Verhältnis zu einander wurde immer inniger, ohne daß Eins von ihnen auch nur geahnt, was es war, das in ihren jungen Herzen träumte.

Mehrere Jahre warm vergangen. Lieschen wurde eingesegnet, während Ernst bereits die ersten Schritte auf seiner künftigen Laufbahn als Ingenieur gemacht hatte. Jetzt sahen sich die beiden jungen Leute natürlich wieder seltener. Nur die Festtage führten Emst ja in die Wronkermühle zurück, die er so gerne seine liebe Heimat nannte. . . .

Fritz hatte sich indessen während seiner Gym­nasiastenzeit fast gar nicht um die Nachbarstochter bekümmert. Ihm behagte es so viel besser, mit den Kameraden übermütige Knabenstreiche auszuführen, als sich an den SchürzenzipfelKlein-Lieschens" zu hängen wie er sagte. Auch als WirtschastSeleve achtete er blutwenig auf die einzige Tochter des Nachbars seiner Eltern. Wie er dann aber in dem Rock des Königs einmal die Wronkermühle besuchte und Lieschen dort fand, stand er fast starr vor Staunen der Veränderung gegenüber, die mit dem kleinen Mädchen vorgegangen, das er als Knabe so gern geneckt. Seit dieser Stunde zeigte sich auch Fritz Wronker als der stets aufmerksame Freund der jungen Dame. Es entging ihm dabei nicht, daß Herr Wald es gern sah, wenn er sich mit seiner Tochter beschäftigte.

Dann kam aber der Krieg und die lange Tren­nung, welche erst mit dem hmttgen Tage endete, in diesem Wiederfehm auf der gräßlichen Wüstenei.