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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Mrchhain.
«nb «erlog: Jvh. Sua. Koch. Universitäts-Buchdruckern m Marburg. Verantwortlicher Redakteur: Christoph RauteuhauS in Marburg
Redaktion und Expedition: Markt 21. Redaktion und Expedition: Markt 21.
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-richerm täglich außer au Werktagen nach Sonn- und Feiertagau — Quartal-AbonnementS-Prci» bei der Expe- ditiou L Mk., bei allen Postämtern L Mk. 25 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JnserttonSgebnhr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
Marburg,
Donnerstag, 8. September 1892.
Anzeigen nimmt entgegen die Erpedition dieses BlatteS, sowie die Amwncen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in ,
Frankfurt a. M., Casiel, Magdeburg und Wien; Rudolf ÄXV1L Mosse in Frankfurt a. M>, Berlin, München u. Köln; G. L.
Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
Die neuen Militärvorlagen und die Parteien im Reichstage.
i.
Dies Thema steht heute im Vordergrund unserer politischen Tageserörterung. Den Anlaß dazu haben sthr freundliche Aeußerungen über den Reichskanzler Hiafen Caprivi gegeben, die auf dem soeben abge- hastenen diesjährigen deutschen Katholikentage in Kainz gefallen sind, auf dem auch die meisten politischen Größen der Zentrumspartei anwesend waren. Die „Nordd. Allg. Ztg." hat der Zentrumspartei zm Entgegnung wiederum freundliche Worte gewidmet, und daraus ist der Schluß gezogen, die Reichsregierung wolle sich mit der Zentrumspartei verständigen, um mit Hilfe dieser, sowie der konser- «üiven Partei, die über die Mehrheit im Reichstage gebieten, die neue Militärvorlage unter Dach und Fach zu bringen. Dies giebt der fteisinnigen und uationalliberalen Presse nun Veranlassung kräftig ins Horn zu stoßen und als wirksamstes Gegengewicht gegen ein klerikal-konservatives Einvernehmen den festen Zusammenschluß aller liberalen Parteien zu verlangen. Es ist allgemein bekannt, daß seit dem preußischen Volksschulgesetz zwischen Konservativen md Zentrum eine Annäherung stattgefunden hat, die neuerdings auch praktisch bei Ersatzwahlen zum Reichstage zum Ausdruck gekommen ist, bei welcher Gelegenheit die katholischen Wähler geschlossen für dm konservativen Kandidaten gegen den Kandidaten der Freisinnigen stimmten. Es wird nun weiter msgeführt, die Zentrumspartei werde in keinem Falle die ganz unbedingt erheblichen Neuforderungen der Mitärvorlage bewilligen, wenn ihr nicht auf kirchenpolitischem Gebiete Gegenleistungen gemacht würden. Es ist bekannt, wie der Reichskanzler Graf Caprivi einmal im Reichstage gesagt hat: „So lange ich die Ehre habe, auf diesem Posten zu stehen, werden politische Handelsgeschäfte nicht betrieben werden." Ran wird abwarten müssen, ob Graf Caprivi gegen dies sein eigenes Wort handelt. So sehr viel Gelegenheit hierzu hat er nicht, denn im Reiche kann an kirchenpolitischen Vorlagen nur die Aufhebung des Lsnitengesetzes in Frage kommen, und dabei hat der Reichstag das erste Wort zu sprechen. Graf Caprivi hat früher gesagt, er werde der Aufhebung des Zesnitengesetzes nicht zustimmen. Wenn nun gesagt wird, ein kaiserlicher Befehl könnte diese Ansicht ändern, wie es s. Zt. beim Volksschulgesetz geschehen, st wstd vergessen, daß damals Graf Caprivi infolge der kaiserlichen Entscheidung gegen das Volksschul-
Der Arbeit Segen.
Novelle von M- Widdern.
(Nachdruck verboten-) (Fortsetzung.)
„Wohlsituierte Fabrikanten!" konnte sich Fritz $er nicht versagen zu wiederholen.
Stauder lächelte. „Uebrigens," setzte er in seiner Rede dann noch hinzu — „soll das Parterre für Sie und die Ihren bleiben, Golden." (Seit er Fritz zu seinem Kompagnon erhoben, hielt er es für angemessen, die Anrede „Euch" in ein höfliches ,Sie" zu verwandeln.) Aus Rücksicht für Ihre alte Mutter, der das Treppensteigen schwer fallen «öchte. — Was aber die obere Etage anbetrifft, st will ich mir in ihr endlich den eigenen Herd begründen."
Ohne daß er es wollte, blickte Stauder dabei zu Lieschen hinüber. Tieferglühend senkte das junge Mädchen seinen Blick. Dabei schlug der Kleinen aber das Herz nicht etwa bänglich, sondern ein stohes freudiges Gefühl schwellte ihre Brust.
„Wenn sie die Auserwählte dieses edlen Menschen sein sollte?" klang es plötzlich durch die junge Seele. Dann sagte sie sich doch wieder: „Nein, nein, das ist nicht möglich — ich bin ja so arm — so ein» stch! Und was das Schlimmste ist, noch dazu die Tochter eines Mannes, der im Gefängnis eine Schuld büßt — die er freilich in Wahrheit gar nicht begangen."
_ Ein Schatten war plötzlich über die lieblichen Äge des Mädchens geglitten. Da ihm im nächsten Moment auch die Thränen in die Augen traten, erhob es sich rasch und eilte in das Nebenzimmer.
Dort setzte Lieschen sich in die Fensternische und brückte die Hände vor das Gesicht ....
„Nach so viel Frohsinn mit einem Mal diese
gesetz, für welches er selbst in seiner Eigenschaft als preußischer Ministerpräsident mit großer Entschiedenheit eingetreten war, eben die preußische Premierministerschaft niederlegte. Wenn ein kaiserlicher Befehl, der aber doch mehr als fraglich ist, nach einem eventuellen Reichstagsbeschlusse auf Aufhebung des Jesuiteugesetzes diesem Beschlüsse des Parlamentes zustimmte, so würde also Graf Caprivi gemäß seiner ftüheren Erklärung von dem Posten als Reichskanzler abtreten müssen. Und nach seinem Verhalten in der Volksschulgesetzangelegenheit kann man ruhig annehmen, daß dies gegebenenfalls sofort geschehen würde. Dem preußischen Staatsministerium gehört der Reichskanzler nur als Minister des Auswärtigen an. Er hat also bei einem eventuellen neuen preußischen Kirchengesetz an und für sich keinen direkten Einfluß. Ein solches Gesetz auszuarbeiten ist lediglich Sache des Kultusministers Dr. Bosse, für sein Einbringen im Parlament ist der Ministerpräsident mit verantwortlich, der aber Graf Eulenburg heißt, und nicht Graf Caprivi, und für welches in letzter Instanz keiner der beiden Staatsmänner der entscheidende Faktor ist, sondern vielmehr Volksvertretung und Monarch. Fürst Bismarck hat so manches Gesetz im Parlament durchgedrückt, welchem die Stimmung nicht eben günstig war; aber was seiner Autorität gelang, gelingt nicht eben jedem Minister, und darum sind die Zeitungsgerüchte von politischen Handelsgeschäften nicht so ernst zu nehmen. Es spricht aus diesen Meldungen viel unbegründete Furcht und noch mehr unbegründeter Ehrgeiz.
Deutsches Reich.
W. A erlitt, 7. Septbr. Unser Kaiser unternahm am Dienstag Morgen einen Spazierritt in die Umgegend von Potsdam. Nach Der Rückkehr zum Marmorpalais arbeitete Se. Majestät mit dem Chef des Militärkabinetts. — Der Kaiser wird seine beabsichtigte Reise nach Koblenz nicht antreten, sondern vorläufig in Potsdam verbleiben. — Die Verteidigung der neuen Militärvorlage im Reichstage, deren amtliche Publikation in drei bis vier Wochen durch den „Reichsanzeiger" erfolgen wird, wird der Reichskanzler Graf Caprivi selbst übernehmen, sowohl nach der militärischen, wie nach der politischen Seite hin. Man wird also von vomherein Klarheit darüber erhalten, wie sich die Reichsregierung zu den Parteien hn Parlament zu stellen gedenkt, und braucht sich nicht die Köpfe darüber zu zerbrechen, ob der leitende Staatsmann allerlei heimliche Pläne hat, die er mit
schmerzvolle Stimmung?" fragte sie sich dabei selbst Aber wie sehr sie sich auch mühte, die Qual zu bekämpfen, die der Gedanke an den unglücklichen Vater in ihr geweckt, sie vermochte es doch nicht und nur noch schneller rollten die Thränen über die feinen Wangen.
Da fühlte sie plötzlich ihre Schulter berührt: „Fräulein Lieschen," klang es an ihrem Ohr. Heftig in die Höhe fahrend, fchaute sie in das Gesicht Herrn Standers.
„Warum meinen Sie?" fragte derselbe nun in so weichem, freundlichen Ton, daß er sie tröstend bis hinein in das bedrückte Herz traf. Sie konnte denn auch gar nicht anders, als dem braven Menschen offen zu gestehen, daß sie soeben des Vater gedacht — und der Schande, welcher er und seine Kinder verfallen.
„Der Schande," sagte Stander aber da und schüttelte den Kopf. „Der Schande soll Ihr Vater verfallen sein, weil er die Absicht hatte, einen Schurken zu strafen, der sich an das Heiligste, was er besaß, der eigenen Ehre, der Reinheit feine-- Kindes vergehen wollte? Wissen Sie auch, Mädchen," setzte der Sprechende dann hinzu, „daß man drüben, von woher ich gekommen, gar nicht daran gedacht haben würde, Ihren Vater zu verurteilen? Was er ge- than, hätte jeder Andere, der nicht Fischblut in ben Adern trägt, ebenfalls unternommen. Hier freilich gilt ein strengeres Recht. Aber ich gebe Ihnen mein Wort, in ihrem Innern wirft auch nicht einer der Männer, welche über Ihren Vater zu Gericht gesessen, den Stein auf den Verurteilten — trotzdem sie doch Alle glauben, Ihr Vater habe that- sächlich den Tod des Inspektors herbeigeführt, indem er denselben gegen die Ofenecke geschleudert!
„Wie Ihre Worte mich trösten," flüsterte
Hilfe der Zeutrurnspartei auszuführen gedenkt. — Die Kommission, welche zur Beratung der zwischen Deutschland und Rußland schwebenden wirtschaftlichen Fragen eingesetzt ist, wird, wie verlautet, noch im Laufe dieser Woche zusammentreten. Der Kommission gehören der Finanzminister, die Minister des Innern und der Domänen, sowie der Minister des Auswärtigen an. — Das Sinken der Getreidepreise hat, dem Vernehmen nach, den Minister des Innern veranlaßt, den Polizeipräsidenten von Berlin aufzufordern, sich baldmöglichst darüber zu äußern, ob und in welchem Maße die dortigen Bäcker mit ihren Preisen für Backware dem bedeutenden Sinken der Getreidepreise feit vorigem Jahre Rechnung getragen haben, und ob event. eine bezügliche Einwirkung auf dem in den §§73 und 74 der Reichsgewerbeordnung vorgesehenen Wege stch empfiehlt. Auch in anderen Städten ist die gleiche Anweisung den Polizeibehörden zugegangen. — Die neue Handwerkervorlage, welche sich hauptsächlich mit der Neuregelung der Lehrlings-Erziehung befaßt, soll soweit fertiggestellt sein, daß sie dem Reichstage sofort bei seinem Zusammentritt zugehen kann. — In den östlichen Provinzen der preußischen Monarchie hat sich eine ziemlich lebhafte Gegenströmung gegen die beabfichftgte Bildung von L a n d w i r t s ch a f t s - kammern zu erkennen gegeben; diese Ablehnungen haben nun auch aus anderen Provinzen Zustimmung erhalten. Die landwirtschaftlichen Zentralvereine sind zumeist gegen die geplante Einrichtung, weil sie darin eine Stärkung deS Bureaukratismus erblicken wollen. Im landwirtschaftlichen Ministerium in Berlin soll man, wie mitgeteilt wird, von dem unerwarteten Widerstande ziemlich überrascht sein, denselben aber nicht als ausreichend erachten, den gehegten Plan ohne Weiteres aufzugeben und die Angelegenheit unterliegt gegenwärtig noch weiteren Erwägungen.
— Die Kaisermanöver beim 8. und 10. Armeekorps werden in diesem Jahre ausfallen. Zur Begründung dieser Maßnahme schreibt die Nordd. Allg. Ztg.: „In der Armee ist bis auf die vereinzelten Erkrankungen in Abteilungen des 85. Regiments, für deren Isolierung im Lockstedter Lager sofort Sorge getragen wurde, das Auftreten der Cholera bisher nirgends konstafiert worden. Nichtsdestoweniger erschien es unmöglich, die Verantwortung dafür zu übernehmen, daß durch das unvermeidliche Zusammenströmen großer Menschenmaffen zu den Manövern und Revuen ungünstige Gesundheitsver- hältnisse in der Bevölkerung erzeugt würden. Hierzu trat die Erwägung, daß auch bei den Truppen selbst
Lieschen, als Herr Stander hier eine Pauff machte.
„Wirklich? — dann trocknen Sie auch Ihre Thränen, Liebe. — Ueberdies wird ja auch die Zeit vorübergehen, die Ihr Vater in der Unfreiheit verbringen muß. Und dann — dann werden gerade seine Kinder im Stande sein, den alten Mann für die traurigen Tage der jüngsten Vergangenheit zu entschädigen"
„Das glaube ich nicht," erwiderte Lieschen leise, „denn der Vater wird es nie überwinden tonnen, daß er seine Schule nicht fortführen darf und von dem Moment an, in dem er das Gefängnis verläßt — in Unthätigkeit leben muß."
„In Unthätigkeit? Aber weshalb in Unthätigkeit ? — Glauben Sie denn, Fräulein Elise, daß sich nicht in unserer Fabrik auch eine paffende Stellung für Ihren Vater finden wird? — Sie muß sich finden," fetzte er dann hinzu, „denn Arbeitslosigkeit ist wirklich das höchste Elend. Ein Mensch, der zum Nichtsthun verurteilt ist, der fteilich wäre auch in meinen Augen namenlos unglücklich. Doch, wie gesagt, einem solchen Lose kann Ihr Vater nicht verfallen, wenn nur erst unsere Fabrik im Gange ist. Da werden nicht blos Buchhalter, sondern auch Aufsichtsbeamten gebraucht — ein Hausmeister und dergleichen. Alle aber sollen reichlich zu schaffen bekommen — dafür aber auch angemessen belohnt werden."
So, Mädchen und nun den Kopf wieder hoch. Wenn Sie den Vater nächstens wieder besuchen gehen — (und das werden Sie ja zweifellos in Begleitung ihrer Schwester, die dem Aermsten doch von der veränderten Lebensaussicht erzählen will) können Sie ihm ja gleich mitteilen, daß er von
die strenge Ueberwachuug der als notwendig erkannten Gesnndheitsregeln auf Märschen und in den Quartieren keinesfalls in vollem Umfange durchgeführt werden könnte. Und wenn durch das Zusammenwirken von Umständen, die bei großen Truppenbewegungen für die Truppen selbst wie für die Bevölkerung nicht zu vermeiden sind, unglücklicherweise epidemische Fälle aufgetreten wären, so war damit die sehr ernste Gefahr geschaffen, die Keime dieser Krankheit durch die zur Entlassung gelangenden Reservisten über das ganze Land zu verbreiten. Für die Maßnahmen m Elsaß-Lothringen mußte auch Bedacht auf die Tatsache genommen werden, daß an verschiedenen Punkten Frankreichs in relativ geringer Entfernung von der Reichsgrenze, wie in Nanzy, Luneville, ChalonS, Cholerafälle vorgekommen sind, welche auch nach dieser Seite hin die größte Vorsicht und strenge Wachsamkeit empfehlen mußten. In der Rheinpro- vinz, und soviel bisher zuverlässig bekannt, auch in all' den anderen Landesteilen, für welche Kaisermanöver in Aussicht genommen waren, sind Cholerafälle epidemischer Art bisher nur in vereinzelten Fällen konstatiert worden. Die betreffs der Manöver erlassenen Anordnungen können also auch in keiner Weise von der bortigen Bevölkerung als ein beunruhigendes Symptom empfunden werden; man wird darin nur einen Beweis weiser Fürsorge zu erblicken haben, welche auch der Möglichkeit einer jeden Gefährdung bei Zeiten Vorbeugen will. Für die beim 13. und 14. Armeekorps in Aussicht genommenen Kaisermanöver sind in Veranlassung der besonderen Stellung dieser Kontingente definitive Anordnungen bisher noch nicht erlassen worden.
Kovlenz, 6. Septbr. In Koblenz ist die Bestürzung über die Absage des Kaisers groß. Der Festschmuck der Stadt war nahezu vollendet und die Freude über den bevorstehenden Kaiserbesuch sehr lebhaft. Die Cholera hat nun die großen Manöver vereitelt und damit den Kaiserbesuch.
Hessen-Nassau.
War-nrg, 7. September. (Pf erdemarkt- Sotterie.) In der gestrigen Sitzung des hiesigen Viehmarktkomitees konnte die erfreuliche Mitteilung gemacht werden, daß der Verkauf der Loose zur ersten Marburger Pserdemarftlotterie bis jetzt einen recht befriedigenden Verlauf nimmt, und man auch den Rest der Loose ohne Schwierigkeiten noch abzusetzen hofft. Namentlich rechnet man hierbei auf die kräftige Hilfe der Bewohner von Stadt und Kreis
der Stunde an, in der er die Freiheit wieder erlangt, auch in Amt und Würde tritt."
„Wie edel Sie sind, Herr Stander —" flüsterte Lieschen. Hernach aber zog es plötzlich wie leichte Verlegenheit über bas süße Gesicht. Sie sah zu Boben. Nur einen Moment jedoch, bann flüsterte sie: „Aber wirb mein Vater es auch ertragen — gleichsam — ber Untergebene seines eigenen Schwiegersohnes zu werben — Fritz Goldens, auf ben er mit so vieler Verachtung herabgesehen. Aber bavon wissen Sie jebenfalls nichts unb ich muß Ihnen erst erzählen, mit welchen Kämpfen sich unser Lottchen ihren guten Mann errungen."
„Thun Sie bas, Fräulein Lieschen," erroiberte Stäuber — weniger aus Neugierde, bie Liebesgeschichte ber jungen Leute kennen zu lernen, als baß es ihm baran lag, noch ein Viertelstündchen mit dem schönen Mädchen allein zu verleben. Zum erstenmal in seinem Leben hatte ja ein Weib wirklich Eindruck auf Martin Stander gemacht.
* * ♦
Vier Jahre waren feit diesem Tage vergangen, als ein müder Hausierer langsam die Landstraße hinabschritt, die von Mollenheim nach Dobbern führte. Als er das Häuschen an der Dorfgrenze erreicht, hemmte er seine Schritte. „Muß mich doch erkundigen, wie es dem Manne ergeht," flüsterte er vor sich hin, „den ich dazumal — an jenem wonnigen Apriltage vor so und so langer Zeit auf den Gedanken gebracht, es mir nachzu- thun. Wollte es ihm von Herzm wünschen, daß ihm der Handel geglückt, wie mir — er sich auch bereits wie ich, so ein hübsches Kapitälchen von fünf bis sechshundert Thalern zurückgelegt hätte."
Damit blickte der Hausierer auch schon auf den Drücker der Gartenpforte und eilte nach dem Ein-