3. Der Minister für Landwirtschaft rc. hat dem Direktorium des Zentralvereius eine Geldsumme zur Veranstaltung von belehrenden Vorttägen überwiesen. Letzteres hat nun den Leiter des pomologischen Vereins-Instituts in Cassel, Herrn Huber mit diesen Vorträgen beauftragt und bittet die einzelnen Vereine des Regierungsbezirks sich zu melden, falls sie einen derartigen Vottrag in einer ihrer Versammlungen zu hören wünschen. Ein entsprechender Wunsch des hiesigen Kreisvereins ist nach Cassel bereits abgegangen. 4. Unter Bezugnahme auf eine aus Erfurt eingegangene Viehsalzofferte nimmt Herr Ruth-Belln- hausen Veranlassung, die Mtglieder daran zu erinnern, daß sich die hiesige Firma Kaiser & Roth s. Zt. auf Veranlassung des Vereins bereit erklärt habe, gutes Viehsalz auf Lager zu halten und auch in kleineren Quantttäten preiswert abzugeben; es liege daher zur Berücksichtigung auswärttger Firmen kein Grund vor. 5. Eine Zuschrift des Vorstandes der Deutschen landwirtschaftlichen Gesellschaft fordert zum Beittttt auf und gibt bekannt, daß die Zahl ihrer Mitglieder bereits auf 10 950 gestiegen sei. 6. Seitens der Aachen- Münchener Feuerversicherung ist der hiesigen Vereinskasse die Summe von 103,80 Mk. überwiesen worden. Die weiteren Gegenstände der vorliegenden Tagesordnung wurden in folgender Weise erledigt: Anstelle des nach Berlin versetzten Herrn Landrat Lodemann wurde Herr Landrat von Trott zu Solz als 2. Vorsitzender des Vereins gewählt. Von der bei Gelegenheit der Hanauer Generalversammlung veranstalteten Ausstellungslotterie sollen 24 Lose ä 1 Mk. und von der hiesigen Pferdemarklotterie 30 Lose ä 2 Mk. auf Kosten des Vereins erworben werden. Ein längerer Meinungsaustausch entspann sich sodann über den diesjährigen Futtermangel und dessen zweckmäßigste Abhilfe. Im allgemeinen wurde hervorgehoben, daß die diesjährige Ernte bezüglich des Roggens als durchweg befriedigend, inbezug auf Weizen fast ebenso günstig ausgefallen sei und hier und da auch vom Hafer dasselbe gesagt werden könne. Dagegen habe die Futterernte unter der herrschenden Trockenheit sehr gelitten und werde auch bei jetzt noch einttetendem Regenwetter gleich Null bleiben. Der Landwirt sei deshalb genötigt sich nach Ersatz umzusehen und sein Augenmerk besonders auf die Beschaffung von guten Krastfuttermitteln (Reismehl, Maisschrot, getrocknete Biertteber u. s. w.) zu richten haben. Herr Dr. Hesse machte darauf aufmerksam, daß die neuerdings vielfach empfohlenen Futterersatz- mittel eine Fütterung nach dem Stoffwert dieser Mittel bedinge. Letztere aber setze eine Kenntnis der Wertverhältnisse der Futtermittel voraus, welche nur in wenigen Wirtschaften anzutreffen sei und stelle er deshalb für nächsten Winter eine Reihe von Vorttägen über dieses Thema in Aussicht. Die Herren Justizrat Grimm-Marburg und Gutsbesitzer Roth- Cyriaxweimar empfehlen den Anbau von Mais als Grünfutter. Herr Ruth - Bellnhausen ist für die sorgfältige Behandlung guter Kleefelder und empfiehlt als sicheres Frühjahrfutter die Aussaat von Winterroggen mtt Klee (schwedischem oder Jncarnat) als Zwischenfrucht. Herr Holly hat gute Erfahrungen mit dem Anban von Mengfutter gemacht. Allgemein herrschte auch die Ansicht vor, daß trotz der in Aussicht stehenden guten Kartoffelernte ein erheblicher Preisrückgang dieser Frucht nicht zu erwatten stehe, da die Landwirte infolge des herrschenden Futtermangels auch auf diese Frucht als Futterersatzmittel angewiesen seien und mtt deren Verkauf zurückhalten müßte».
Marvnrg, 3. Septbr. (Witterung.) DaS bis zum letzten Freitag angehaltene schöne Wetter hat durch starke Abkühlung und Regen am Sonnabmd und Sonntag wohl seinen Abschluß erhalten.
stammelte sie. „SD, wie wird mein Fritz sich freuen, wenn ich ihm wiederholen werde, was Sie mir über seine Arbeit gesagt"
Einige Di muten stand sie dann mit verhülltem Gesicht. Nun jedoch zog Frau Berttam die Erregte nach dem Sopha und bald saßen alle Drei um den Tisch vor dem Schnitzwerk herum. Der Amerikaner konnte sich jetzt nicht genug thun mit Fragen nach der Art, wie Fritz schaffte, in welcher Weise er seine Arbeiten verwerte und wie er sie bezahlt erhielt. Lotte gab eingehend jede gewünschte Auskunft. Als Martin Stander nun zum Schluß noch bat, ihren Gatten in seiner Werkstatt besuchen zu dürfen, legte sich von neuem Heller Freudenschein über ihr Gesicht und sie erwiderte herzlich:
„Ja, ja, kommen Sie! Mein Mann wird sich glücklich schätzen, einen solchen Gast empfangen zu können."
So war es denn auch. Fritz fühlte sich im höchsten Grade durch den Besuch erfreut, welchen ihm Herr Stander schon im Laufe des nächsten Tages machte. Das hohe Interesse, welches der frühere Bildhauer an den Arbeiten des Holzschnitzers nahm, machte biefen zum erstenmal im Leben ftols auf sein Können. Er widersprach auch nicht, als Stander erregt anrrief: „Ihnen fehlen nur die gehörigen Mittel, um das Bedeutendste auf diesem Felde zu leisten!"
Fast Tag für Tag erschien der Bruder Madame Bertrarns nun in der Werkstattt Fritz Goldens. Mtt scharfem Ange beobachtete er das Schaffen des jungen Holzschnitzers Dabei suchte der Menschenkenner aber auch das Wesen, den Charafter Fritzens zu ergründen. Schien sich jedoch in Betreff des Letzteren ebenfalls befriedigt zu fühlen. Nach Ablauf von zwei Wochen blieb Martin Stander aber
Gestern Morgen waren 10 Grad R., tagsüber erhöhte sich die Temperatur bis zu 15 Grad R. und vergangene Nacht blieben 6 Grad R. Heute Morgen tnb 9 Grad Wärme bei hellem Himmel und Nordwestwind. Barometerstand 749 mm.
Kirchhai«, 1. Sept. Wie vorsichtig man hier m Kirchhain wegen der Choleragefahr sein muß, zeigte sich heute, indem 2 Reisende, die direkt von Hamburg kamen, auf der hiesigen Station den Zug verließen. Dieselben, Kugelmann aus Wohra und eine Frl. Hucke aus Josbach, wollten dann einen Wagen haben, um in ihre Heimatsorte zu gelangen. Vorsichtigerweise wollte Niemand diese beiden gefährlichen Passagiere fahren, und bequemten sich die Letzteren dann dazu, den Weg zu Fuß zu machen. Herr Gensdarm Heß dahier verfolgte diese Beiden und stellte dann die Namen fest, worauf das Kgl. Landratsamt dahier an die Polizeibehörden der beiden Orte die Weisung erließ, die Choleraverdächtigen ungesäumt nach Marburg zur Untersuchung und Des- mfizierung zu schaffen.
Komverg, 3. Sept. Die städtischen Körper- chaften beschloffen geftern für den Bau eines städti- chen Schlachthauses denAnkauf eines größeren Terrains zwischen Homberg und Holzhausen. Zum eigentlichen Schlachthausbau wurdm 40000 Mark bewilligt.
ßassek, 3. Sept. Die drei ältesten kaiserlichen Prinzen sind heute Abend auf Wilhelmshöhe eingetroffen. — Heute früh kamen zwei auswärtige Händler auf dem hiesigen Bahnhof mit einer großen Anzahl von Rebhühnern an. Da die Einbringer nicht im Stande waren, den gesetzlichen Jagdttansportschein dem städtischen Steuerbeamten vorzuzeigen, so wurden amtliche Hühner konfisziett.
ßaffek, 5. Septbr. Gestern Abend um 10 Uhr wurde plötzlich Feuer gemeldet, der Turmwächter hatte ans dem Dachstuhl eines Hauses in der Krug- gaffe die helle Flamme hoch auflodern sehen und »folge dessen veranlaßt, daß der zweite Bezirk alarmiert wurde. Die Wachtspritze war sehr rasch zur Stelle und erstickte das Feuer, welches oben unter dem Dachstuhl des dem Hefenhändler Busche gehörigen Hauses ausgebrochen war, im Entstehen, so daß die anderweit an der Brandstätte erschienene Feuerwehr alsbald wieder abrücken konnte. (C. T. u. A.)
Keckerhagen, 3. Septbr. Ein 5 Jahre alter Knabe war bei einer Mühle in das Mühlrad geklettert, um zu spielen, als die Mühle, welche wegen »es Wassermangels längere Zeit stillgestanden, ange- tellt wurde. Der arme Knabe wurde mehreremale jerumgeschleudett, ehe man fein Geschrei hören und das Rad zum Stillstand bringen konnte. Der schwerverletzte Knabe ist nach 12 Stunden gestorben.
Ankda, 4. Septbr. Ein schweres Brandunglück hat am Freitag Vormittag das 11/2 Stunde von hier entfernte Dorf Dipperg heimgesucht. Binnen 2 Stunden waren 15 Hofraithen abgebrannt, dazu noch die Kirche, von welcher nur die Grundmauern noch stehen. Der Pfarrer, Herr Ney, konnte nur mit eigener Lebensgefahr noch die Monfttanz und die heiligen Hostien retten. Die Turmglocken stürzten, da das ganze Gebälk ausbrannte, mit furchtbarem Getöse auf die Erde. Infolge des fast gänzlichen Mangels an Wasser und starken Windes konnte kaum noch etwas Habe gerettet werden; glücklicher Weise ist aber kein Verlust an Menschenleben zu beklagen. Bis ein Teil der hiesigen Feuerwehr zur Stelle sein konnte, lagen bereits sämtliche Häuser in Asche. Die Ursache des Brandes ist bis jetzt noch unbekannt. Leider sind einige schwer betroffene arme Leute nicht versichert.
K«ma«, 4. September. Heute Nacht um 3 Uhr wurde auf der Straße von der Va Stunde entfernten Königlichen Pulverfabrik nach hiesiger Stadt der Pulverarbeiter Hartmann von hier von
unvermutet mehrere Tage hindurch dem Golden- schen Häuschen fern. Dann jedoch trat er an einem Sonntag Vormittag zu nicht gewohnter Stunde wieder über seine Schwelle. Schon die Mienen des lieben Gastes sagten Fritz, daß Stander ihm wichtiges rnttzuteilen habe, dennoch war unser junger Freund auch nicht im entferntesten auf „das" vorbereitet, was er alsbald von den Lippen Martin Stäubers hören sollte.
Wie immer setzte sich der reiche Mann neben den schlichten Arbeiter auf einen Schemel in der Werkstatt. Heute aber faßte er sofort beide Hände Fritzens und ihm freundlich in die guten treuherzigen Augen sehend, sagte er:
„Ich habe mich fünf Tage hindurch von Euch fern gehalten, Freund. Diese Zett benutzte ich, um einmal ernsthaft über einen Plan nachzudenken, der in mir wach geworden. Wie sehr ich nun aber auch über das Berechtigte ober Unberechtigte meiner Idee grübelte, kam ich doch nur zu dem Resultat, daß ich nichts Besieres thun könnte, als meinen Wünschen, meinen Plänen zu folgen.
„Herr, ich verstehe Sie nicht!" warf Fritz hier schüchtern ein.
„Aber Ihr werbet es sogleich," entgegnete Stäuber unb setzte bann ernst hinzu: „Ich bin nach Europa gekommen, um mir auf heimischem Boden einen Wirkungskreis zu sichern Die Verhältnisse da drüben wollten mir nicht länger zusagen, nachdem ich erreicht, was ich gewünscht — das heißt, mir ein hübsches Vermögen erworben hatte. Noch wußte ich aber nicht, was ich beginnen sollte — wollte. Da — lernte ich im Hause meiner Schwester Euer braves Weib kennen unb sah bas Kunstwerk, bas Eure Hänbe geschaffen.
(Fortsetzung folgt.)
dem gleichfalls auf der Pulverfabrik beschäftigten Maschinisten Bingemer erstochen. Das Arbeiter- Personal der Pulverfabrik hatte daselbst einen Kommers veranstaltet, auf welchem Bingemer infolge von Trunkenheit schon verschiedentlich Stteit suchte. Gegen 3 Uhr begab sich Hattmann mit seiner Frau und noch einem Arbeiter auf den Nachhauseweg. Etwa in der Mitte desselben hörten sie in schnellem Laufe Jemand ihnen nacheilen. Hartmann blieb tehen und erwartete denselben, während seine Fran und der andere Arbeiter ihren Weg langsam fori- etzten. Kaum waren diese jedoch 15 Schritte gelangen, als sie das Hilfegeschrei des Hattmann sötten, den sie in seinem Blute liegend anttafen und nach einem nahen Bahnwärterhaus der Hauau- Fttedberger Bahn verbrachten; während der Ueber- bttngung dotthin starb Hattmann, denn er war »irekt unter der Lunge in's Herz gestochen worden. Der Mörder hatte die Flucht ergriffen. Beim Thatott sand man ein Messer, einen zerbrochenen Schirm, einen Hut und einen Shlips vor und diese Gegenstände, sowie die Beschreibung der Person eiteus der Frau und eines Nachtwächters, dem er ;egen 4 Uhr ohne Hut mit Blut befleckt begegnet war, führten zur Entdeckung des noch unbekannten Thäters. Einige Polizisten begaben sich heute ftüh in die Wohnung des Bingemer und trafen ihn int Bett liegend an, während seine Frau damit be- chäftigt war, die blutigen Kleider zu waschen. Bei einem Verhör auf der Polizei erklärte er obige Gegenstände für die feinigen, von dem Morde wollte er jedoch wegen starker Betrunkenheit nichts wissen. Er wurde jedoch von der Frau Hartmann als auch von dem Nachtwächter wiedererkannt und hinter Schloß unb Riegel verbracht.
Mkduuge«, 2. Septbr. Wegen > dringenden Verdachts des Kindesmordes ist gegen die Tochter eines hiesigen Beamten ein Verhaftsbefehl erlassen. Der Verhaftung hat sich das Mädchen heute ftüh einstweilen durch die Flucht entzogen.
Mainz, 2. Septbr. (Katholiken-Ver- a m m l u n g.) Das „Mainzer Tagebl." erzählt: Das gestrige Festmahl int „Frankfurter Hof" war von etwa zweihundert Teilnehmern besucht. Es stiegen eine Reihe von Toasten. U. a. sprach auch der ftühere Abgeordnete für Mainz, Herr Mkola Rack«. Erst nach 4 Uhr war das Essen beendet, bei welchem eine ehr gehobene Stimmung vorherrschte. Inzwischen waren große Scharen feftfreubiger Festteilnehmer unb Teilnehmerinnen zu bent mit Fahnen und Pflanzen geschmückten Rheindampser „Frauenlob" gewandert, o daß bei dessen Abfahrt um 43/4 Uhr alle Plätze des geräumigen Schiffes dicht besetzt waren. Die Abfahtt von Mainz erfolgte unter Böllerschüssen und unter den Klängen der Musikkapelle des 3. brandenburgischen Fuß-Artillerie-Regirnents, welche die Fahri auf dem Dampfer mitmachte. Wie viele Personen an der Fahrt teilnahmen, ist schwer zu sagen, es mögen wohl über 500 gewesen sein. Von hervorragenden Zentrumsführern bemerkten wir Graf Balle- ttem, !Dr. Porsch, Di. Steinle, Dr. Siben und Dr. Schädler. Die Otte am Rhein waren meist festlich beflaggt und empfingen den Dampfer in gewohnter Liebenswürdigkeit mtt Böllerschüssen. Bei Bingen wurde ohne anzuhalten gedreht. Auf der Bergfahrt herrschte absolute Windstille. Gleich oberhalb Mdesheim begann die Beleuchtung der Ufer in so hervorragend prächtiger Ausführung, wie wir sie noch nie gesehen haben. Die gotischen durchbrochenen Turmhelme der Kirche zu Geisenheim er- sttahlten in glühendstem Rot, während jedes einzelne Kirchenfenster in einer anderen Farbe erleuchtet war. Eine große Anzahl Häuser waren illuminiett unb auf beu Höhen loderten mächtige Feuer. Das geradezu feenhaft beleuchtete Schloß Johannisberg erschien wie eine Fata Morgana in der es umgebenden finsteren Nacht. Oestrich-Winkel und Freiweinheim waren ebenfalls großartig beleuchtet und an letzterem Otte hatte die Schuljugend mit bunten Lampions am Ufer Aufstellung genommen. Der Enthusiasmus auf dem Schiffe fteigerte sich von Station zu Station und machte sich in fortgesetztem Hochrufen unb bem Absingen kirchlicher Lieder Lust. Auffällig muß es erscheinen, daß gegen Schluß der Fahrt vereinzett auch ftanzöfische Freiheitslieder zur Absingung gelangten, an welcher Demonstration deutsche farbentragende Studenten teilnahmen und dies angesichts der ihnen durch die Bewohner des deutschen Rheins in mehr als gewöhnlicher Form entgegengebrachten Sympathiebezeugungen. Jeden Deutschfühlenden mußte das beleidigen, umsomehr als der Präsident der Katholiken- versammlnng Dr. Porsch selbst den Ton hierzu anstimmte. Freilich waren schon über 300 Flaschen Wein und ebensoviel Bier konsnmiett worden, aber auch dieser Umstand kann das provozierende Französieren auf unserem deutschen Rheine am Vorabende des Sedantages in keiner Weffe entschuldigen. (Der Fall dürste noch aufgeklätt werden. Die Red.)
Die Cholera.
Berlin, 3. September. Amtlicher Cholerabericht: In Hamburg sind am 2. September 581 Personen erkrankt und 245 gestorben, in der Stadt Stade und 5 Ort- schaften des Regierungsbezirks sind 6 erkrank und 2 gestorben, in der Stadt Harburg und 6 Orten deSKreises sind 5 erkrankt und 5 gestorben, in der Stadt Clausthal kam 1 Todesfall, in der Stadt A k e n und in einem Orte des Kreises Calbe kamen zwei Erkankungen, in Groß- Str e l i tz zwei Erkankungen an Cholera vor, einer der Erkantten ist gestorben. In der Stadt Bielefeld ist eine Person erkauft; aus dem Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin werden vom 25. August bis 1. Sept.
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— Der Professor der Phllologie Schmidt in Gießen hat einen Ruf nach Königsberg erhalten und wird bem- selben folgen. — Der Wirkt. Geh. Rat Profeffor Rich in Jena begeht am 8. September das 60 jährige Doktorjubiläum. — Der Privatdozent an der Universität Wien Dr. Dittrich wurde zum außerordentlichen Profeffor der gerichtlichen Medizin an der Universität Innsbruck ernannt — Der Rechtspraktikant Dr. jur. Hecker wurde als Privatdozent in die juristische, der praktische Arzt Dr. Rieda aus Rosenheim als Privatdozent in die medizinische Fakultät der Universität München aufgenontmen. — Gestorben sind der Geh. Medizinalrat Professor Leisering in Dresden, da Profeffor der Medizin von Cetzner und der Profeffor von Rebhann in Wien.
Theater-Anzeigen.
Vom 6. bis 12. September. Frankfurt.
Opernhaus. Dienstag den 6.: „Undine". Mittwoch den 7.: „Excelsior". Donnerstag den8.: „Carmen- Carmen: Fräulein Finkenstein als Gast. Frestag den 9.: Der Ring des Nibelungen: „Siegfried". 3»eiter Tat aus der Trilogie. Sonnabend den 10.: „Excelsior". Sonntag den 11.: „Der Troubadour". Montag den 12.: Da »des Nibelungen: „Götterdämmerung". Dritter T-U rr Trilogie. Brünhilde: Frau Ende-Andrießen als Gast Schauspielhaus. Dienstag den 6.: Zum erftd Male wiederholt: „Das JubULum". Hierauf: Zum erfttf Male wiederholt: „Man soll nichts verschwören". Mitt'
in 7 Städten und 5 Landorten 30 Erkrankungen, wodm- 16 eingeschleppt worden waren, ferner 9 nur verdächtig Fälle, endlich 11 Todesfälle gemeldet; in Bremen Lr» am 29. August 1 Todesfall vor.
Berlin, 3. September. Der 20 Jahre zählend» Kaufmann Kappel, welcher die Wäschestücke eines zugereist« Hamburgers nach der Desinfektionsanstalt brachte, ist der asiatischen Cholera erkrankt. Die enge Steingasse, welch. Kappel passierte, wurde sofort gründlich desinsiziert, ebenst das dortige Sophien-Gymnasium. — Der Zugführer in der letzten Nacht hier angekommenen Hamburger Schuch, zugs wurde als choleraverdächtig in das Moabiter Krankenhaus eingeliefert.
Berlin, 3. September. Der bereits einmal tot «t= sagte Arbeiter Klepper ist nunmehr gestern Nachmitln» wirklich gestorben. ~
Hamburg, 3. September. Vom 2. September mittags bis 3. September Mittags sind insgesamt gemeldet gemeldet 581 Cholera -Erkrankungen und 245 Todesfälle, »aoon entfallen auf den 1. September 348 Erkrankungen und 72 Todesfälle, auf den 2. September 133 Erkrankungen und 35 Todesfälle; der Rest ist Nachmeldung. Transpornen wurden gestern 370 Erkrankte und 209 Gestorbene, gegen vorgestern 56 Kranke weniger nnb 25 Leichen mehr.
Breslau, 3. September. Die „Schief. Ztg." meldet unterm 2. d. Ms. die ersten Fälle asiatischer Cholera iz Schlesien. Dieselben haben sich im Kreise Groß-Sttehltz ereignet unb ftnb auf Einschleppung aus Hamburg zurück- zuführen. Der Arbeiter Thomas Pierdolla, welcher als Hafenarbeiter in Hamburg beschäftigt war unb am 25. Ang. b. Js. biefen Ort verlassen hatte, erkrankte in ber Nach vom 27. zum 28. August in Suchau, Kreis Groß-Strehlitz, in ber Familie seiner bort verheirateten Schwester, wohin er sich zum Besuche begeben hatte. Der Erkrankte ist auf bem Wege ber Besserung, doch hat berfelbe in ber von ihn, aufgesuchten Familie gestern bereits einen neuen Erkrankungs- 'all bei bem Auszügler Spranzel verursacht, ber in kürzester Zett tätlich verlausen ist.
Aus bem Lockstedter Lager, 2. September, meldet das „Kieler Tageblatt" folgendes: „Im Lockstedter Sager, in welchem sich zur Zeit nur noch das Jnfanterie- regrment Herzog von Holstein Nr. 85, wenigstens mit feinem größeren Teile, befindet, haben 11 Cholera-Erkrankungen stattgefunden, welche bisher 3 Todesfälle zur Folge hatten. Außerdem besteht eine Reihe von mehr ober weniger erheblichen Durchfallerkrankungen. Sämtliche berarttge Kranke 'mb in bem bärtigen Barackenlazarett untergebracht. Alle erforberlichen sanitären Maßnahmen ftnb getroffen. Erst neuerbingä finb zu bleiern Zwecke noch einige bauliche Aenberungen vorgenommen worben. Da bas eigentlich für leben Bataillone bestimmte Lager viel Raum bietet, ist eine zweckmäßige unb weitläufige Unterkunft, sowie eine hinlängliche Abtrennung ber verbächiigen Elemente durchführbar. Pflegepersonal ist insofern reichlich vorhanden, als die bei dem 3. Bataillon in größerer Zahl ihr halbes Jahr mst ber Waffe abbienenben Mediziner ber Universität mit ihrem Einverstänbnis in bem Lazarett Verwendung finden. Es darf ber Hoffnung Raum gegeben werben, daß es gelingen wirb, ber weiteren Zunahme ber Seuche halb em Ziel zu setzen."
Bremen, 3. Sept. Der „Nordd. Lloyd", welcher der Cholera wegen Auswanderer nach Newyork und Baltimore bis auf weiteres nur auf Extradampfer befördert, erhöhte den Preis für Zwischendeck-Fahrgäste auf 150 Mark.
Auf Ansuchen des Senats zu H a m b u r g hat das Königliche Kriegs-Ministerium in Berlin Verfügung aetroyen, daß zur Unterstützung der Hamburger Krankenanstalten beim Neuen Allgemeinen Krankenhaus in Eppendorf ein besonderes Cholera-Lazarett, bestehend aus sechs transportablen Baracken und 35 Krankenzelten, errichtet wird, welches für etwa 500 Kranke Raum bieten wird. Die Baracken werden vom Garde-Korps, die Zelte vom X. Armee-Korps überwiesen, während die für die Ausstattung der Lagerstellen erforderlichen Gegenstände, wie Strohsäcke, wollene Decken und Wäsche aus Beständen des IX. Armeekorps hergegeben werden; außerdem sind vom IX. Armee-Korps ca. 500 Feldbettstellen zur Verfügung gestellt worden. Als leitender Arzt des Cholera-Lazaretts ist vom Königlichen General- Kommando IX. Armee-Korps der Ober-Stabsarzt 2. Klaffe Dr. Krosta vom 1. Thüringischen Infanterie - Regiment Nr. 31 bestimmt. Zur Ausübung des ärztlichen Dienstes sind acht Milttärärzte, teilweise vom Friebiich-Wilhelms- Jnstitnt in Berlin, teilweise von anderen Armeekorps, woselbst sie nicht so in Anspruch genommen sind, kommandiert; aus dem Bereiche des IX. Armee-Korps sind außerdem noch sechs weitere Militärärzte hierzu bestimmt. Die ferner noch notwendigen Lazarettgehilfen unb Militär - Krankenwärter werben vom II., III., IV. unb X. Armeekorps gestellt.
Dortmund, 2. Sept, lieber ein Heilmittel gegen die Cholera wird von hier geschrieben: Den schwer heim- gesuchten Hamburgern soll von hier ans Hilfe kommem Der Vater des hier stationierten Eichungsinspektors der Provinz Westfalen, Hauptmann a. D. Will, ein Arzt in Ostpreußen, hat nach hinterlassenen Schriften bei der Choleraepidemie, die in den 30er Jahren Ostpreußen heimsuchte, mit einem einfachen Mittel großartige Erfolge erzielt. Nach den Versicherungen des nunmehr verstorbenen Arztes — bet Sohn bestätigt es — ist kein Kranker, welches bas Mittel rechtzeitig bekommen, an bet Cholera gestorben. Das Mittel besteht aus Aether unb Phosphor. Nach bem Gutachten bes Kreisphysikus, Geheimrat Dr. Hagemann, ist c8 geeignet, bie Nerventhätigkett anzuregen, worauf es bei beu Cholerakranken hauptsächlich ankommt. Herr Will hat sich nunmehr mtt Herrn Gerichtschemiker Dr. Kayffer hier in Verbindung gesetzt, der das Mittel in größeren Menge» angefertigt hat. Heute geht die elfte Sendung nach Hamburg ab. Möge es den versprochenen Erfolg haben.