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Wöchenüiche Beilagen: Kreis-Blatt für -ie Kreise Marburg und Kirchhain.

»nu, -u»aufega"te Illustriertes Sonntagsblatt.

M 206

Anzeigen nimmt entgegen die Erpedition dieses Blattes,

sowie die Annoncen-Bnreaux von Haasenstein u. Vogler in VVTTlt . / .

Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf XXV11. . CttDTQQItü. Moste in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L.

Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Parisi

«rfcheint täglich außer an Werktagen nach Sonn-und

Feiertagen. Ouartal-SlbonnementS-PreiS bei der Cxpe-

ditiou 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 26 Pfg. (ejfl. ., n < QQQ

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Ä Mir wollen es nicht lassen, zu feiern diesen Tag, Ob man uns darum hassen, Ob man uns lieben mag.

Es hat zuviel gekostet An Thronen und an Blut, Wenn auch der Säbel rostet, Wir wissens noch zu gut.

Auch macht's uns keinen Scrupel, Was Russ' und Franzmann sagt, Hat man beim Kronstadt -Jubel Doch nicht nach uns gefragt.

So laßt uns rückwärts schauen Mit Dank auf jenen Tag, Und ferner Gott vertrauen, Es komme, was da mag.--

Wie wurde heiß gerungen Drei Tage lang bei Metz, Bis daß der Feind bezwungen, Gefangen lag im Netz.

Wohl in der eignen Schlinge Fing sich Napoleon, Verlor hier seine Klinge Und mit ihr Land und Thron.

Durch alle deutschen Gaue Erscholl die frohe Mär': Gefangen ist der Schlaue Mit seinem ganzen Heer!^

Bei Sedan ist's geschehen, Wie hell der Name klingt, Daß es wie Lenzeswehen In unsre Herzen dringt.

Und war's auch nicht das Ende

Vom unheilvollen Krieg, Des Glückes Sonnenwende War doch der schöne Sieg.

Was Leipzig war den Vätern, Das soll uns Sedan sein Und leuchten noch den Spätem Im Ruhmessonnenschein.

Und ist auch unterdessen Verflossen manches Jahr, Wir dürfen's nie vergessen, Daß Gott einst mit uns war.

Drum wollen wir's nicht lassen,

Zu feiern diesen Tag, Ob man uns darum hassen, Ob man uns lieben mag! H. H.

Sedan.

Ein alter Freund ist der beste und eine alte Erinnerung, die nimmer weichen und nimmer erlöschen will, das ist die schönste. Und eine solche schöne, weil patriotische und nationale, und darum auch doppelt schöne Erinnerung ist für uns der Sedantag, an welchem die genannten deutschen Stämme allein und ohne jede fremde Mithilfe unter deutscher Führung den größten deutschen Sieg seit Jahrhunderten er­rangen, aber gerade die Jahre, die seit dem glanz­vollen Tage des Sieges und der Ehren verstrichen find, lassen uns den Sedantag in doppelt Hellem Lichte erscheinen. Diese Jahre haben uns ja erst gezeigt, was wir vom Sedantage erhalten haben, wir, die wir ein buntes Häuflein waren ohne Kopf und ohne Führung, an dem ein Jeder seine Schelmen­lust ausließ. Wir haben gerade von dem Nachbar im Westen bis zum großen Nationalkriege Manches erfahren und Manches erdulden müssen, was auf dem Herzen brannte und doch nicht abgemätzt werden konnte. Denn warum? Er, der im Tuillerienpalaste an der Saine wohnte, war der Mächtige, und wir, wir waren ein buntes, krauses Völklein. Reden wir aber nicht weiter davon, am Tage von Sedan ist die langjährige große Schuld der Ehre mit deutschem Blut beglichen und einige Monate später, am 18. Januar 1871, gab es im Prunksaal des Schlosses von Versailles, die herrlichen Schuldentzinsen, die deutsche Kaiserkrone. Das alles verdanken wir dem Sedantage und darum soll kein Mensch und kein Teufel die Erinnerung an ihn, die Feier zu seiner Ehre und zu unserem Ruhme, und wenn es auch nur eine stille Gedächtnisfeier ist, aus unserer Brust reißen. Hätten wir den Anderen damals nicht Respett beigebracht, nun, so würden die Anderen uns die Melodie aufgespielt haben, und wir wären heute in jammervoller Lage. Daran wollen wir denken, wenn unreife Elemente des Tages Ehre mindern wollen; jene könnten heute nicht den Mund austhun, wenn vor zwanzig Jahren nicht wackere Männer mit dem Säbel dreingeschlagen hätten. Jene haben die Blut­arbeit gethan, und es ist leicht, zu sprechen, wenn dabei kein Schuh uaß wttd. Und das mußte ge­schehen, wenn der deutsche Name und unsere Würde nicht schonungslos für immer oder doch auf lange Jahre unterdrückt werden sollten. Das bedeutet Sedan

Das Schloß, in welchem der Kaiser gewohnt, der am Ende einer langjährigen Mißregierung, als letztes Mittel zur Erhaltung seines wankenden Thrones die Brandfackel eines furchtbaren Krieges unter zwei Nachbarvölker schleuderte, ist hmte vom Erdboden verschwunden; als Wahrzeichen deutscher Macht glänzt heute die deutsche Kaiserkrone hoch oben auf der ge- walttgen Kuppel des neuen Reichstagspalastes in Berlin. Rein und unbefleckt ist dieser Krone Glanz, rein und unbefleckt soll sie bleiben bis in ferne Tage. Dafür wttd der Enkel des greisen Heldenkaisers, dafür wttd, das ganze deussche Volk sorgen. Zur Ver­teidigung unserer Ehre, im Vollbewußtsein unseres guten Rechtes zogen wtt 1870 ins Feld, deshalb blühte uns der herrliche Siegeslorbeer, deshalb hat

ich auch erhalten, was wir damals errungen! Ein mächtiger Staat, ein kräftiges Bürgertum, wie wir es haben, hat immer seine Feinde, da und dort, offene und heimtückische. Je nun, blank vom Leder, wenn es sein muß, und drauf und dran zum deutschen Ruhm, zur deutschen Ehre. Mit Vielen sind Deutsch­lands Bürger in schweren Tagen fertig geworden, und sie werden, eingedenk des Vollbrachten und Er­reichten, auch mit mehr noch fertig werden, wenn es ein muß.

Wenn es sein muß! Aber wir alle wünschen, daß es nicht wird sein müssen. Wir haben keinen Eroberungskrieg geführt, wir haben auch nicht be­absichtigt, einen geschlagenen Feind zu demütigen und dadurch unheilbar zu verwunden. Als di Festung Paris gefallen war, da ist die französische Hauptstadt mit einer Schonung behandelt, wie sie die siegreichen Franzosen den besiegten Deutschen niemals würden haben zuteil werden lassen. Wir haben im Frieden von Frankfurt a. M. Ersatz für den schweren Schaden gefordert, den der nicht von uns begonnene Krieg uns gebracht, wir sind bemüht gewesen, unsere Grenzen gegen neue Angriffe der Franzosen zu sichern, und wir mußten das um so eher, als damit dem deutschen Vaterlande geraubte deutsche Landesteile wieder zu uns kamen. Aus der Abzweigung des heutigen deutschen Reichslandes von Frantteich machen die Franzosen uns ein Verbrechen. Nun gut, lassen wir den gallischen Chauvinismus seine Blüten tteiben, jener Schritt war eine heilige Pflicht gegen das Vaterland, dessen Sicherheit mit ins Spiel kam, und es war ein Gebot der nationalen Ehre. Schwer lastet auf allen europäischen Staaten der Waffen Last, aber nicht wir sind die Schuldigen. Ein neues Sedan ersehnen wtt nicht, das deutsche Kaisertum ist in Wahrhett, nicht blos in Motten, sondern in Thaten der Fttede. Aber unmöglich wird für uns ein neues Sedan sein, wenn wir des alten vergaßen. Nie und nimmer soll das sein, und von den Alpen zum Meere erfihtge der Ruf:

Hie gut Deutschland allewege!"

Deutsches Reich.

W. Iierlitt, 1. September. Unser Kaiser unternahm am Mittwoch Morgen einen Spazierritt in die Umgegend von Potsdam. Von demselben nach dem Marmorpalais zurückgekehtt, arbeitete der Kaiser mit dem Chef des Zivilkabinetts und nahm Vor- ttäge entgegen. Heute, Donnerstag Abend, wird sich Se. Majestät über Stettin und Stargardt in das Manövetterrain des Gardekorps bei Pytttz begeben, wo die Ankunst am Freitag früh um 4 Uhr erfolgt. Von Pytttz aus begiebt sich der Monarch nach dem Manövetterrain und wohnt den Manövern bei. Nach dem Schluß derselben erfolgt die Weiterreise über Pasewalk nach Swinemünde, woselbst sich der Kaiser nach erfolgter Ankunst an Bord der JachtKaiser- Adler" begiebt, um am nächsten Tage zur Be­sichtigung des Geschwaders in See zu gehen. Der Kaiser hat seinen geplanten JagdauSflug nach Schweden aufgegeben und den König Oskar von Schweden bereits

davon in Kenntnis gesetzt. Für diesen Entschluß ist die Rücksicht auf das Vorhandensein der Cholera an einigen Punkten Deutschlands maßgebend gewesen, da Seine Majestät unter diesen Umständen die Heimat nicht verlassen wollte. Die drei ältesten kaiser­lichen Prinzen, welche in den drei letzten Wochen tm Seebade Norderney verweilten, werden am 3. September von dort wieder in Wilhelmshöhe ein­treffen, um daselbst noch für die nächste Zeit Aufent­halt zu nehmen. Die drei jüngsten kaiserlichen Pttnzen werden zu Anfang der nächsten Woche in Potsdam wieder eintreffen. Der deutschen Reichsregierung ist am Dienstag eine amtliche Mitteilung der russischen Regierung zugegangen, in welcher die in dem bulgarischen BlatteSwoboda" ver­öffentlichten, angeblich von der russischen Regierung, resp. von deren Vettretern im Auslande herrührenden Schriftstücke für Fälschungen erklärt werden. Dem preußischen Landtage werden, wie verlautet, beim Beginn seiner Beratungen zunächst nur die Steuer­gesetze vorgelegt, der Staatshaushalt wahrscheinlich aber erst nach der Weihnachtspause, dem sonstigen Brauch entsprechend, eingebracht werden. Wegen der aus den Kreisen der Universi­täten und Technischen Hochschulen vorgettagenen Wünsche war, wiederReichsauz." meldet, ber Unter« ttchtsminister mit dem Kriegsminister in Verbindung zetteten, um dahin zu wirken, daß die Heranziehung von Dozenten der genannten Anstalten zu militärischen Dienstleistungen zur Verminderung der den unterricht­lichen Interessen daraus erwachsenden Nachteile thun- lichst in den überwiegend in die Ferien fallenden Monaten März, Apttl, August und September statt­finden möge. Der Kriegsminister hat darauf den obersten Waffenbehörden hiervon mit dem Ersuchen Kenntnis gegeben, die zum Ausdruck gebrachten Wünsche in derselben Weffe zu berücksichtigen, wie dieses bereits für die Uebnngen der Studierenden Offizier-Aspi­ranten angeordnet sei. Die Normal-Aichungs- Kommission hat durch Bekanntmachung vom 14. Mai 1891 einen neuen Getr eidepr ob er, eine Vorrichtung zur Aichuug, zugelaffen. Näheres über den Apparat findet man in einer amtlichen Schrift, welche bei I. Springer in Berlin unter dem Titel Ueber den durch Erlaß vom 14. Mai 1891 zur Aichnng zugelassenen Apparat zur Qnalitätsbestimmung des Getteides (Getteideprober)", zum Preise von 0,40 Mk. erschienen ist.Die Einführung dieses neuen Getreideprobers an allen größeren Getreidehandels- Plätzen des Reiches darf so schreibt derReichsanz." nach Sage der betreffenden Verhandlungen demnächst erwartet werden, nachdem die Militärverwaltung damit bereits seit einiger Zett vorangegangen ist. Darüber, daß durch endliche Einführung der Einheü in diesem Zweige des densschen Maß- und Gewichtsverkehrs ein wettvoller Fortschritt erzielt und empfindlichen Miß­ständen ein Ende bereitet werden wird, herrscht all- seitige UeBeretnftimntung. Es wäre dringend zu wünschen, daß auch das größere Publikum diese Be- sttebungen dadurch unterstützt, daß es, unter Aufgabe aller anderen Apparate und Prüfungsmethoden, sich in Zukunft nur dieses neuen Getreideprobers be­

dient und allen vergleichenden Qualttätsangaben über Getreide nur dessen Angaben zu Grunde legt." Die im Frühjahr beschlossene Umänderung in der Verwaltung des Neuguinea-Schutzgebietes dürfte jetzt vollzogen fein. Der neuernannte Landes- jauptmann für die Kolonie, Schmiele, ist bereits im Juni von Deutschland abgereift; feine Ankunft auf Kaiser-Wilhelrnsland wird unter regelmäßigen Verhältnissen in diesen Tagen erfolgt sein. Danach wird der bishettge kaiserliche Kommissar, Reg.-Rat Rose, nach dreijähttgem Aufenthalt daselbst, seine Rückreise antaten. Dem Reichstage wird in dem Etat für die Kolonien wieder eine Ueberraschung vorbereitet. Die Sage in Ostafrika soll eine Erhöhung der Ausgaben notwendig machen, doch hänge es, wie von verschiedenen Seiten betont wird, noch von mehrfachen Erwägungen ab, ob durch­greifende Aenderungen einzuführen sind". In erster Reihe habe die Reffe des Setters unserer Kolonial­abteilung, Geheimrats Kayser, ergeben, daß viel­faches Material des Gouvernements einer Erneuerung dringend bedarf, vor allem die Schiffe, welche von Anfang an wenig brauchbar waren und deren Reffe nach Ostafttka mit ängstlicher Spannung s. Z. ver­folgt wurde. Wie die letzte Post aus Afttka meldet, sind die von der Deutsch - ostaftikanischen Plantagen-Gefellfchaft eingefühtten chinesischen K u l i s bereits Ende Juli in Tanga ausgeschifft und in zweitägigem Marsche nach Setoa übergeführt worden, wo die ihren Gewohnheiten entsprechenden Wohnungen bereits seit längerer Zeit fertiggestellt waren. Die Kulis ttafen alle gesund und wohlbehalten ein, und bereits am 1. August begannen sie ihre Arbeit in den Tabaksfeldern, ein ereignisreicher und vielleicht für die Kolonie entscheidender Tag. Die Neger be­trachten die langbezopften Söhne Chinas mtt offen­barem Mißtrauen, indessen ist nicht zu bezweifeln daß sie von der Sorgfalt und Methotik der chinesischen Arbeit Nutzen ziehen und bessere Anleitung gewinnen werden. Wie die Engländer unsere Kulieinfuhr be- utteilen, beweist eine Notiz in derBombay-Gazette", welche schreibt:Die Deutschen beginnen einen neuen Versuch, den sie mit Nachdruck und ohne jede Aengst- lichkett durchzuführen bereit sind. Da es scheint, daß der erste in Setoa geerntete Tabak von vorzüglicher Qualität ist, so beschloß die deuffche Plantagengesell­schaft einige Hundert chinesische Kulis aus Singapore und Surnatta einzuführen, welche den dortigen Tabak­bau genau kennen. Die Thatkrast der Deuffchen steht im grellsten Gegensätze zu der Gleichgiltigkeit in der ftanzösischen Kolonialentwicklung wie man sie in Madagaskar und am Kongo beobachten kann."

Hessen -Naffau.

Marvnrg, 1. Septbr. Von der reichen Thätig- kett des verstorbenen Geh. Reg.-Rat Professor Dr. ® r e e f f, dessen Sebensabriß unser gestttges Blatt ge­bracht hat, möge das folgende Verzeichnis seiner Forschungen und Schttften Zeugnis geben. Zur Verfolgung geographischer und besonders zoologischer Studien unternahm Greeff 1868 eine Reise nach den