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! des WSchenüiche Bellagm: Kreis-Blatt für -ie Kreise Marburg und Kirchhain.

h* Druck «id «erlag: Joh.«ug. Koch, UmverfitätS-Buchdruckerei in Marburg. rtlttttrtrtfrtff Berantwortlichrr Redatteur: Christ.oh RautenhauS in Marburg

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Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Ouartal-AbonnementS-Preir bei der Expe­dition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zelle 10 Pfg., Reklamen für die Zelle 25 Pfg.

Marburg,

Donnerstag, 25. August 1892.

Anzeigen nimmt entgegen die Erpedition dieses Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in Frankfutt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moste in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L. Daube u. Co. in Frankfutt a. M., Berlin, Hannover, Patts.

XXVII. Jahrgang.

Ackkllrmgen auf die ^Obrrheskschr Jeltung^ für den Monat September werden eutgegengenommen von allen Post­anstalten, den Landbriefträgern, sowie von unserer Expedition in Marburg, Markt Rr. 21, und unserer Vertretung in Kirchhain, Herrn B. Rindt.

Der Sonntagsruhe zweiter Teil.

lieber die Verhältnisse, wie sie sich nach dem Inkrafttreten der Sonntagsruhe für das Handels­gewerbe herausgestellt haben, ist noch keine völlige Klarheit gewonnen; das neue Gesetz zählt sehr viele Freunde, aber auch sehr viele Gegner, die Ersteren wollen es unangetastet erhalten wissen, die Letzteren sähen es am liebsten so bald wie möglich wieder aufgehoben. An eine Aufhebung ist nun allerdings nicht zu denken, dafür flieht es im Reichstage eben­sowenig eine Mehrheit, wie für die Aufhebung des Alters- und Jnvalidenversicherungsgesetzes. Was sich empfiehlt, das dürfte eine Milderung der Vorschriften zu Gunsten der kleinen Geschäftsleute sein, von welchen die lautesten Klagen erschallen. Interessant wäre es, wenn diejenigen, welche geschädigt sind, sich nicht damit begnügen wollten, zu sagen, wir haben Schaden, sondern wenn sie aus ihren Büchern schwarz auf weiß den Nachweis hierüber und über die Höhe des Schadens bringen wollten. Bei der Aenderung von Gesetzen ist nur auf thatsächliches Matettal etwas zu geben, nicht aber auf allgemeine Redewendungen, die auf ihre Richtigkeit nicht zu kontrollieren sind. Denn so berechügt die Klagen vieler Personen über den Ausfall an Einnahmen hinsichtlich der Sonntags­ruhebestimmungen sein mögen, es wird doch auch solche geben, welche die Sonntagsruhe derartig als Sündenbock für geschäftliche Mißerfolge ins Treffen fuhren, daß die Angaben den Thatsachen nicht mehr entsprechen. Von Allen aber, welche heute einen lebhaften Disput über Wert oder Unwert der Sonn­tagsruhe führen, denken wohl die Wenigsten daran, daß von den neuen Vorschriften über die Sonntags­arbeit erst ein kleiner Teil in Kraft getreten ist, daß die Ausführung der Besttmmungen noch bevorfteht, wodurch auch im Handwerk und in der Industrie die Sonntagsarbeit, sofern nicht auf Grund des Gesetzes Ausnahmen zulässig sind, prinzipiell unter­sagt wird. Dieserzweite Teil der Sonntagsruhe" H vielfach total in Vergessenheit geraten und man

meint, mit dem am 1. Juli in Kraft getretenen Be­stimmungen für das Handelsgewerbe sei die ganze Frage erledigt. Dem ist nun aber nicht so, im Gegenteil wird die Sonntagsruhe noch für eine sehr große Anzahl von Handwerks- und industriellen Be­trieben Platz greifen. Wann soll das geschehen? Als Termin war früher der erste Oktober angenommen, aber nachdem nun schon die Bestimmungen für das Handelsgewerbe Klagen und Schwierigkeiten hervor- gerufcn haben, ist es wohl zweifelhaft, ob der genannte Termin eingehalten wird. Die Sonntagsruhe kann selbst­verständlich nicht auf alle Kleinigkeitskrämereien achten, die dem deutschen Charakter noch so sehr eigentümlich sind; kein Gesetz kann es Allen recht machen, stets wird der Eine rechts wollen, wenn der Andere links will. Tas Prinzip des Gesetzes ist ganz unstreitig ein gutes und um dieses guten Pttnzipes willen ist es wohl angebracht, daß Jeder nach Kräften bemüht ist, die Gesetzesausführung zu erleichtern, nicht aber sie zu erschweren. Auf der anderen Seite ist eine gesetzliche Reform sozialer und geschäftlicher Verhält­nisse indessen keine revolutionäre, Gesetz und die Ausführung des Gesetzes müssen Hand in Hand mit denen gehen, für welche das Gesetz gemacht ist. Solche Einschränkungen des geschäftlichen Betriebes, wie sie in den Sonntagsruhe-Vorschttften ganz un­bedingt liegen, erfordern eine Berücksichtigung der gesamten Zeitlage. Hätten wir ein flottes Winter- und Frühjahrsgeschäft, im Vorjahre eine gute Ernte gehabt, nun, so würde Mancher, der heute bitter klagt, wohl anders reden.

Deutsches Reich.

Aerlitt, 24. August. Die Kaiserlichen Majestäten hatten am gestrigen Nachmittage ben. Chef des Zivilkabinetts Wirkt. Geh. Rat Dr. von Lucanus, den Präsidenten des evangelischen Ober- Kirchenrats Dr. Barkhausen und den stellvertretenden Chef des Mattnekabinetts, Kapitänleutnant v. Usedom, mit Einladungen zur Tafel beehrt. Zur heutigen Mittagstafel wurde der Wirk!. Geheime Legationsral Dr. Kayser, Chef der Kolonialabteilung im Aus­wärtigen Amte befohlen. In Potsdamer Hof- frelfen wird angenommen, daß das freudige Ereignis in der Kaiserlichen Familie vor Anfang September nicht zn ermatten ist. Die Kaiserin fühlt sich sehr wohl und munter und macht täglich Spaziergänge. Der Aufenthalt der kaiserlichen Pttnzen in Norderney bezw. Wilhelmshöhe bekommt den Pttnzen sehr gut und dürfte bis Ende September währen. Mit der

Leitung des Kaiserlichen Hauptquartiers ist vorläufig der älteste dienstthuende Flügeladjutaut Oberst von Kessel beanftragt worden. Ueber die zuerst von derNat.-Ztg." erwähnte Ansprache des Kaisers am 18. August sind in ben Slottern vielfach weitere unb verschieden lautende Angaben veröffentlicht worden. Auch dieFranks. Zig." bttngt in einer Depesche aus Berlin, 22. August, eine neue Version, welche wir zum Zwecke der Vollständigkeit im Folgenden wiedergeben:Die Ansprache des Kaisers an die höheren Offiziere nach der letzten Parade wird jetzt authentisch bekannt, und es ergiebt sich, daß diese hochwichtigen Aeußerungen doch einen wesentlich anderen Sinn und daher auch eine ganz andere Be­deutung und Tragweite für die polittsche Situation haben, als man nach den bisherigen unvollkommenen Berichten annehmen konnte. Der Kaiser hat zunächst im Anschluß an die Kttttk über die Parade in sehr lebhaften, nicht mißzuverstehenden Worten sein Er­staunen ausgedrückt, daß in letzter Zeit in steigendem Maße mllitättsche Interna in die Tagespresse ge­laugten, darunter solche, die rein theoretischer Natur sind, wie über die Schießversuche mit Gewehren neuen Kalibers. Besonders mißbilligte er die Preßerzeng- nisse, die nur rein militärischen Federn entsprungen sein könnten, und welche die geplante Heeresver- mehrung sehr verschiedenfach beurteilten, insbesondere aber weitgehende organisatottsche Einschränkungen aus Ersparnisrücksichten bei einer etwaigen Einführung der zweijähttgen Dienstzeit als möglich erörtern. Derarttge Erötterungen über eine Militärvorlage, der er noch gar nicht zugestimmt habe, gehötten ins Ge­biet der Phantasie. Die zweijähttge Dienstzeit er­scheine weiten Kreisen als eine zeitgemäße Einrichtung; sie sei aber ohne Gewährung ganz besonderer Gegen- leifiungen nicht denkbar. Sollte etwa die Mehrheit des Reichstags nicht patriottsch genug sein, mit einer Vorlage, die auf der zweijähttgen Dienstzeit beruht, gleichzeitig die erwähnten notwendigen Ergänzungen derselben zu bewilligen, dann erkläre er aus­drücklich , daß ihm immer noch eine gut diszi­plinierte Armee lieber sei als ein großer Hanfe". DerNordd. Allg. Ztg." wird aus Straßburg i. E. geschtteben, daß ein dortiger Besuch des Kaisers in diesem Jahre nicht zu erwarten ist. Dasselbe Blatt schreibt weiter:Unsere Meldung, es stt von Seiten der Unterttchtsverwaltung angeregt worden, in den nächsten Etat eine größere Summe für Auf­besserung der Lage der Lehrer an Volksschulen einzuftellen, wird von einigen Blättern mit einem geradezu frappierenden Mangel an Logik in Ver­

bindung gebracht mit unserer kürzlichen Mahnung an die Lehrer, sich nicht zu Parteiagitationen in dem bekannten Massenpetitionssturme mißbrauchen zu lassen. An einer Stelle sind wir sogar der konfusen Auf­fassung begegnet, es liege in der Meldung eine Art Abbitte. Wenn ein Zusammenhang zwischen den beiden Publikationen sich überhaupt konstatteren ließe, so könnte derselbe doch nur darin bestehen, daß eS fortgesetzt zu Tage trete, wie die Fürsorge der Re­gierung für die Lehrer so rastlos sei, daß die an die Veranstaltung von Massenpetitionen gewandte Mühe von vorneherein pro nihilo ist." Wie aus Wien gemeldet wird, ist dort am Sonntag der Handels- und Zollverttag zwischen Deutschland und Serbien nebst Muster- und Markenschutzab­kommen von dem deutschen Botschafter und dem serbischen Gesandten unterzeichnet worden. Die Ver- ttäge sollen am 1. Januar 1893 in Kraft treten. Das Kttegsministettum hat nach derSchief. Ztg." an die Generalkommandos eine Verfügung:Maß­regeln gegen die Verbreitung der Cholera", erlassen, die im Großen und Ganzen in demselben Sinne gehalten ist, wie die Verfügung des Kultus­ministers vom 28. Juli d. I. über denselben Gegen­stand, im Einzelnen aber noch eingehendere Vor­schriften enthält. Die kttegsministerielle Verfügung handelt von den vorbeugenden Maßregeln gegen die Cholera und von den Maßregeln bttm bezw. nach dem Ausbruche der Cholera und giebt in drei An­hängen: 1. Desinfektionsmaßregeln bei Cholera, 2. Gesichtspunkte für die Lazarettunterbringung von Cholerakranken, '3. die kultusministerielle Belehrung über das Wesen der Cholera und das während der Cholerazttt zu beobachtende Verhalten. Eine Sansibardepesche des LondonerStandard" behauptet aus angeblich guter Quelle, daß fünf Mitglieder der deutschen Strafexpedition nach dem Kili­mandscharo ermordet worden seien. Es mag ja immerhin möglich sein, daß ein oder bet anbre Träger ober Subanese von bei beutschen Truppe in einen Hinterhalt gefallen unb getötet ist, eine irgend­wie bedeutende Schlappe kann aber der Verlust jener fünf Mitglieder" für die Expeditton nicht darstellen, die nach den letzten deutschen Nachttchten im Gegenteil einen durchaus günstigen Fortgang nimmt.

(Polnische Agitation.) Ein recht interessantes Beispiel von ben Mitteln, mit welchen polnische Agitatoren ihre Zwecke verfolgen, zuglttch einen guten Maßstab für bie Wertschätzung ihrer Klagen giebt nachstehende Uebersetzuug eines Artikels ans Nr. 58 des in Beuchen erscheinendenKatolik",

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Der Arbeit Segen.

Novelle von M- Widdern.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Es ist ganz wunderbar," sagte der Schulmeister. »Hab' immer gemeint, meine Lotte würde nach recht etwas Großem ausschauen und nun will sie nie­manden sonst, als einen Arbeiter.

Einen Arbeitet? Ja, Vater! Aber dieser Arbeiter soll dem ganzen Dorfe zeigen zu was auch er es bringen kann, wenn er fleißig und spar­sam ist."

Der Schulmeister lächelte ungläubig.

Na, laß gut fein, Kind," sagte er bann. «Jedenfalls ist der Fritz ein hetzensbraver Mensch und da Du nun partout eine Arbeiterfrau zu werben wünscht, so so so will ich nichts mehr

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siegen bie Partie einzuwenben haben. Um so weniger, als ich gehört, baß ber Inspektor sich ebenfalls an- beuoeitig zu binden beabsichtigt. Zur Bedingung mache rch mir jedoch, daß Ihr nicht ftüher in den Ehestand tretet, als bis Fritz zu der Stellung des Werkführers in der Herzfeld'fchen Fabrik gekommen. Du hast seinerzeit von einer solchen Aussicht ge­sprochen, der Bader aber erzählte mir heute, daß der alte Groß sich schon in dem nächsten Quartal Mr Ruhe setzen will."

Auch das Dorf hat seinen Klatsch unb in alle Bauernhäuser warb er getragen, als Schul­meisters Lotte bie Braut bes jungen Holzschnitzers geworben.Das hübsche, krastvölle Mädchen und der Strohwisch von einem Butsch, klang es von Mund zu Mund. Ja, man hörte nicht auf zu krätschen, bis eine neue Verlobung veröffentlicht wurde, die fast noch mehr Staunen in den Ge­mütern der schlichten Landleute weckte, als die ber

Schulmeisterstochter mit bemArbeiter." Man hatte freilich längst gemunkelt, baß sich Inspektor Berger in ber Stabt nach einer reichen Braut umschaue Niemand im ganzen Dorf aber wat auch nut auf ben Gedanken gekommen, daß ber stattliche Mann sich die unglückliche Tochter des Fabrikbesitzers Hertz- feld zur Gattin wählen würde. Das Mädchen wat nämlich arg verwachsen unb dazu pockenartig mit einem Wort: eine wahrhaft bemitleidenswerte Erscheinung, um bie sich bisher auch noch kein Mann beworben, trotzbem bie ganze Gegenb wußte, baß Fräulein Hermine bermaleinft bie reichste Erbin weit unb breit werben würbe. Sie wat ja bas einzige Äinb ihres verwitweten Vaters, ber beiläufig gesagt, bereits 70 Jahre zählte unb sich außerordentlich hinfällig zeigte.

*

Es war in ben ersten Wochen bes Januar ge­wesen, als ber Schulmeister verunglückte unb schon zu Beginn des Frühlings fühtte Fritz bie Geliebte an ben Altar. Der alte Werkfühtet Groß hatte wirklich in den letzten Tagen des März sein Amt niedergelegt, fünf Wochen vorher aber, anstelle des erkrankten Prinzipals Fritz Golden zur Nach­folge ernannt unb zwar sollte ber junge Mann am ersten April in seine neuen Funftionen treten.

Da sich Lotte indessen auch die notwendige Aus- steuer beschafft, so stand der Verbindung des Paares nichts mehr entgegen. Das Aufgebot, die Trauung erfolgte und am Morgen des 31. März betraten bie Liebenden als Neuvermählte bas kleine Haus, in welchem Fritz fein ganzes bisheriges Leben ver­bracht hatte.

Mutter Golden, bie ihrer Schwäche wegen nicht bis zum Schluß bes Hochzeitssestcs, der erst mit ber ausgehenden Sonne erfolgt war, im Schulhause ge­

blieben hatte jeden Raum des schlichten Häuschens festlich mit Tannengrün geschmückt.

Gott segne Euren Eingang, meine Kinder," sagte sie nun, als Fritz sein junges Weib über bie Schwelle führte unb bie hellen Freudenthränen rollten ihr babei über bie gefurchten Wangen

Ja, Gott segne unseren Eingang," erwiderte Lotte ebenso tiefbewegt und brückte bie Greisin an ihre Brust.Er gebe auch," flüstette sie bann, baß ich Euch immer eine gute brave Tochter sei und nie aufhöre, es Euch zu danken, baß Ihr mir einen so lieben guten Mann erzogen."

Im Vorderstübchen stanb auf bem Tisch vor ben beiben großen geschnitzten Stühlen, bie das Sopha certreten mußten unb von Ftttz in ben Feierstunden gearbeitet waren bie weitbauchige buntgeblümte Kaffeekanne. Mutter Golden hatte einen wahren Riefennapfkuchen dazu gebacken unb nun geleitete sie stolz bie Kinder zu den Ehrenplätzen, während sie selbst sich einen ter übrigen Stühle an ben Tisch rückte.

Zum erstenmal machte Lotte jetzt im eigenen Heim als junge Hausfrau bie Wirtin Sie goß ben Kaffee in bie Tassen unb schnitt ben Kuchen auf, Mutter unb Gatten bann bie Schüssel prüfen, tierenb. Unb so unbeschreiblich anmutig sah sie aus, baß Ftttz immer roieber ihren Arm faßte unb jubelnd ausrief: Lotte, Lotte, welch ein seliger Mensch bin ich doch! Aber sage mir doch einmal: träume ich auch nicht sind wir denn auch wirk­lich Mann unb Frau?"

Narr," erroiterte sie, aber der unendlich zärt­liche Blick, ber tiefes Wort begleitete, sagte bem neugebackenen Ehegemahl schon, wie ber Schimpf gemeint.

Unb während» sie bann aßen und tranken, bauten

sie frohe Zukunftspläne, malten sie mit leuchtenden Farben bie Tage, welchen sie entgegengingen. Gute brave bescheidene Menschen, bie ihr nichts weiter vom Leben wollt, als baß eure Herzen immer für einanber schlagen unb stets eine lohnende Be­schäftigung für euch findet, die auch das Sparen gestattet, denn sparen wollten sie ein kleines Ver­mögen erwerben, um sich dereinst eine gewisse Selbst­ständigkeit zu schaffen, mit ber sie, wie Lotte immer wieder sagte, ben Leuten zeigen wollten, was auch ber Arbeiter vermag zu was er es bringen kann bei Fleiß unb Geschicklichkeit.

Raum aber war hernach bas festliche Frühmahl beenbet, so begann bie junge Frau auch schon bamit, die Kästen und Truhen auszupacken, welche fie aus dem Vaterhause in das neue Heim gebracht Bald war jeder Stuhl, jeder Tisch mit derbem Linnenzeug und allerlei Wirtschastsgeräten bedeckt, für deren Erwerb das Mäbchen so lange Jahre gearbeitet. Mit leuchtenden Augen stand der Ehemann babei, während» bie Mutter in der Küche hantierte.

Unter froher Geschäftigkeit verging dann ber Tag. Abenbs kam ber Schulmeister mit Lieschen unb ben Knaben. Er brachte allerlei Ueberreste von dem Hochzeitsmahl mit

Lotte deckte den Tisch und bie kleine Gesell­schaft beging noch eine Nachfeier bes gestrigen Festes.

Fritz hatte Bier aus bem Kruge geholt unb so that man sich gütlich.

Die jungen Eheleute aber fühlten sich so stolz unb glücklich babei, daß sie gewiß mit keinem jener anderen Paare getauscht hätten, welche mit reichge­fülltem Säckel direkt vom Hochzeitsmahl fort in bie weite Welt hinausfahren, um während ber Flitterwochen die ganze Herrlichkeit ber Welt kennen zu lernen.