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Wöchmüiche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
IN-,«w Illustriertes SonntagMatt.
M 197.
Erscheint täglich außer an Werttagen nach Sonn- und Feiertagen. Ouartal-Abonnements-PretS bei der Expedition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 DL 25 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pig.
Marburg,
Dienstag, 23. August 1892.
Anzeigen nimmt entgegen die Erpedition dieses Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudols Mosse in Frankfurt a. M., Berlin, Machen u. Köln; G. L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Parisi
XXVII. Jahrgang.
Deutsches Reich.
W. Kertt«, 22. August. Unser Kaiser ließ sich am Sonnabend Mittag beim Marmorpalais -u Potsdam durch den Kommandeur des 3. Pionier- Bataillons, Major Frantz, verschiedene aus Säcken und anderem improvisiertem Material hergestellte Flöße und Kähne vorstellen, wozu eine Abteilung Pioniere des genannten Bataillons kommandiert worden war. Der Kaiser wohnte längere Zeit den Uebungen bei und nahm noch die Meldungen des Hausministers von Wedel entgegen. Zur Abendtafel waren der Fürst und die Fürstin Radziwill geladen. Am Sonntag Vormittag wohnten beide Majestäten in dem zur Kapelle hergerichteten großen Saale des Arangeriegebäudes des Marmorpalais einem vom Hofprediger Wendland aus Potsdam abgehaltenen Gottesdienste bei, an welchem auch das gesamte Dienstpersonal, welches zur Zeit im Marmorpalais thätig ist, teilnahm. — Der Prinz Leopold von Bayern haben am Sonnabend in seiner Eigenschaft als Generalinspekteur der 9. Armee- Inspektion die Brandenburger Kürassiere besichtigt. Am Montag besuchte der Prinz Jüterbog, Dienstag soll die Reise nach Stendal zur Besichtigung der dortigen Husaren erfolgen. — Erst jetzt wird Näheres über den Wortlaut des Trinkspruches bekannt, den der Kaiser am Donnerstag beim Paradediner im Neuen Palais bei Potsdam ausbrachle. Der Toast galt dem hohen Verbündeten des Monarchen, der an diesem Tage seinen Geburtstag feierte. Kaiser Wilhelm erklärte, es gereiche ihm zur größten Freude, daß der Ehrentag deS Gardckorps mit dem Geburtstage des Kaisers Franz Joseph zusammen- salle, der als leuchtendes Vorbild militärischer und Herrschertugend und edelster Pflichterfüllung hervorrage. „Das Bündnis zwischen dem Kaiser Franz Joseph und Mir ist der sicherste Hort des europäischen Friedens." Der Kaiser schloß mit einem dreifachen Hoch. In Oesterreich hat dieser Toast begreiflicherweise große Freude hervorgerufen. DaS Wiener „Fremdenbl." schreibt, in Oesterreich-Ungarn werde der Toast Kaiser Wilhelms den lebhaftesten Widerhall wecken. Der deutsche Kaiser habe ausgesprochen, was jeder Oesterreicher dankbar empfinde. Die Worte aus diesem Herrschermunde würden aber durch die Welt klingen als erneute Bekräftigung des ins Volksbewußtsein übergegangenen Friedens- und Freundschaftsbündnisses. — Es ist durchaus authentisch, daß Kaiser Wilhelm nach der großen Herbstparade auf dem Tempelhofer
Der Arbeit Segen.
Novelle von M- Widdern.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Das Nähzeug im Schoße und die Hände darüber gefaltet, lauschte Lotte auf die allmälig verhallenden Tritte des Inspektors. „Gott sei Dank," flüsterte sie dann, „um einen Schritt wenigstens bin ich meinem Ziele näher." Freilich, das Schlimmste steht mir noch bevor — die Unterredung mit dem Vater. Doch auch die wird ja überwunden werden und wenn Fritz und ich nur treu zu einander halten, so muß und wird alles gut enden "---
Lotte kannte den heftigen, Moringen Charakter ihres Vaters und hatte sich gewiß auf eine böse Scene gefaßt gemacht. Die Wut aber, in welche der alte Schulmeister geriet, als chm das Mädchen mit der ruhigsten Miene von der Welt erzählte, sie habe sich genötigt gesehen, dem Inspektor einen Korb zu geben, weil sie fest entschlosien sei, Fritz zu heiraten — hatte sie doch nicht erwartet. Der alte Mann geberdete sich wie ein Irrsinniger — er mißhandelte, beschimpfte sie und drohte ihr schließlich, sie aus dem Hause zu werfen, wenn sie nicht wenigstens jeden Gedanken an den „Arbeiter" aufgebe.
Um den Vater nicht noch mehr zu reizen, schwieg Lotte, aber sie nahm sich vor, bei einer Wiederholung der eben erlebten Scene fteiwillig aus dem Elternhause zu gehen. Fritz war, wie ge- sagt, ein ehrenhafter, ein guter Mensch und dazu auch nicht ohne allen Besitz. Seine Geschicklichkeit war längst bekannt und er hatte die bestimmte Aussicht, Werkführer in der Fabrik zu werden, in welcher er zur Zeit freilich nur als „Arbeiter" thätig war — Welches Recht besaß also der Schulmeister, die Heirat mit ihm für eine Schmach zu halten? —
Felde der Generalität gegenüber sich dahin ausgesprochen hat, er wünsche lieber ein kleineres Heer mit dreijähriger, als ein größeres Heer mit zweijähriger Dienstzeit, er werde die letztere also nicht einführen. Ob der Kaiser hinzugefügt hat, bei einer o friedlichen Weltlage, wie der heutigen, brauche man auch keine größere Armee, mag dahingestellt bleiben; recht wahrscheinlich klingt die Aeußerung nicht, im Gegenteil schmeckt sie sehr nach willkürlicher Mutmaßung. Es ist auch durchaus noch nicht feststehend, daß der Reichstag in seiner neuen Session die neue Militärvorlage für die Anfang 1894 ablaufende Scptenatsvorlage nicht erhalten wird. . Die kaiserliche Entscheidung gegen die zweijährige Dienstzeit ist nicht erst soeben, sondern schon vor längerer Zeit getroffen, den maßgebenden Kreisen also auch schon längst bekannt. Was die in der Ausarbeitung begriffene neue Militärvorlage enthält, weiß ja eben Niemand und wir haben oft genug gewarnt, gewissen sehr siegesgewiß austretenden Nachrichten Raum zu geben. Unbegründet sind auch die neuerlichen Mutmaßungen, Graf Caprivi wolle wegen der Stellungnahme des Kaisers zur zweijährigen Dienstzeit seinen Posten niederlegen. Der Graf denkt daran nicht. Mit den sensationellen Gerüchten von Bier- und Brausteuererhöhungen ist es selbsttedend nichts. — Heute vor einem Jahre wurde an der Berliner Börse der Roggen mit dem höchsten Preise von 270Mk. bezahlt, in diesem Jahre beträgt der Preis heute etwa 146 Mk. und ein weiteres Herabsinken wird erwartet. — Die „Hamb. Nachrichten" schreiben: „Der „Reichsanzeiger" versucht im nichtamtlichen Teile unsere Mitteilung über die auf Weimar geübte Pression zu dementieren. Aufgrund der uns vorliegenden schriftlichen, Ende Juli datirenden Aeuße- rungcn dabei beteiligter Personen halten wir unsere Mitteilung auftecht und die Redaktion des „Reichsanzeigers" für mangelhaft unterrichtet. — Eine amtliche Untersuchung ist wegen der letzthin bei Landwehr-Schießübungen vorgekommene Gewehrplatzungen eingeleitet worden. Das Resultat soll später bekannt gegeben werden. — In Betreff der Reise des Direktors der Kolonialabteilung im Auswärtigen Amte, des Wirkl. Geh. Legationsrats Dr. Kayser, in das ostaftikanische Schutzgebiet wird der „Schles. Ztg." berichtet: Dr. Kayser hat nach seiner Rückkehr aus Ostaftika dem Reichskanzler Bericht erstattet. In demselben, der sich im Uebrigen äußerst günstig ausspricht, wird jedoch der Zustand der deutschen Regierungs-Küstenfahrzeuge als geradezu jammervoll bezeichnet. Hier wird schnellste Abhilfe
Welches Recht besaß er, das Lebensglück seines Kindes zu vernichten? —
Lotte hatte den Vater nie wirklich geliebt — die rauhe, rücksichtslose Behandlung, die er ihrer verstorbenen Mutter — ein Engel an Geduld und Sanftmut — angedeihen ließ — entfremdete sie demselben und sie würde jetzt sofort aus seiner Nähe geschieden fein, wenn die Geschwister nicht gewesen wärm. Den armen Kindern zu lieb blieb sie; war aber doch entschlosien, nur ihre Großjährigkeit abzuwarten, um auch ohne des Vaters Einwilligung die Frau Fritz Goldens zu werden.
Eine böse, böse Zeit zog für die Familie des Schulmeisters herauf. Der alte Mann war noch finsterer und unnahbarer geworden, seit ihm die Hoffnung auf den wohlsituierten Schwiegersohn verloren gegangen und die Kinder zitterten, nur in seine Nähe zu kommen. Lotte allein fürchtete sich nicht. Sie ging ruhig und unbeirrt chres Weges. Früh des Morgens mit dem ersten Hahnenschrei war sie aus den Federn und während Lieschen die Wirtschaft besorgte, setzte sie sich an die Nähmaschine und arbeitete für Fremde oder sie bewerte die Sachen der Jungen aus. Es gab immer viel zu flicken, denn das kleine Einkommen des Vater < gestattete neue Anschaffungen nur äußerst selten. Kaum aber hatte es sechs geschlagen, so mußte sich Lotte auch schon für den Weg nach der Stadt rüsten, oder zu dem nach dem Schlöffe hinauf, wo sie wiMch eine ganze Woche hindurch der Kammerjungfer half.
Tag für Tag schaffte das junge Mädchen so und legte nach wie vor mehr denn die Hälfte des erarbeiteten Geldes in die Wirtschastskaffe. Der Rest freilich kam nach ter Stadt in die Sparkaffe zu den sonstigen kleinen Summen, vermittelst deren sie sich einst eine Aussteuer beschaffen wollte.
gefordert, wenn nicht eines Tages ein Unglück passieren oll. Ob Herr v. Soden in Ostafrika bleibt oder ob Herr v. Wißmann bezw. ein Anderer dort zu einer maßgebenden Stellung berufen erscheinen dürfte, ist einstweilen ganz ungewiß.
— Kurze Zeit vor seinem Tode hat der am Kilima - Ndscharo gefallene Kompagnieführer der deutschen Schutztruppe Freiherr von Bülow einen Brief an einen in Berlin wohnenden Offizier gerichtet, der nicht nur die Verhältnisse scharf beleuchtet, sondern vor Allem auch die kraftstrotzende, risch-mutige Natur des Gefallenen lebensvoll heraus- reten läßt. Wir geben nach einer Veröffentlichung im „Militär - Wochenblatt" folgende Stellen des Schreibens wieder. Kilima-Ndscharo-Station, den 3. Juni 1892. Sie werden es wohl, wenn dieser Brief bei Ihnen eintrifft, recht warm haben. Anders ich. Neulich an einem heißen Tage hatte ich hier 16 Grad R. zu Mittag. Als ich am 29. Februar die eine Spitze des Kilima-Ndscharo bestieg, hatte ich an einem Tage Eis und Palmen. Augenblicklich übe ich meine Kompagnie fleißig. Ich habe die erste Kompagnie. Leider habe ich nie die ganze über 200 Mann starke Kompagnie zusammen, sondern muß eben mit den Kräften, die mir zur Verfügung stehen, prügeln, so gut ich tarnt. Meine Sudanesen sind aber gute, tüchttge Soldaten. Ich bin sehr froh darüber, denn in wenig Tagen werde ich meine Kompagnie gegen den mächtigsten Häuptling des Kilima-Ndscharo führen, der mir an Zahl wohl zwanzigfach überlegen ist. Doch das ist mal so unser Los. Wir kämpfen oft da, wo nur völliger Untergang oder Sieg zu erwarten ist, und kein Hahn kräht danach. Der Häuptling Meli, der mich schon erwartet, hat vor, mich an einem äußerst unangenehmen Gebirgspaß zu überfallen. Was nicht niedergemacht wird, fällt in den Abgrund. Meine taktische Ausbildung beruht auch nur auf der Praxis und der Fall ist schwierig. Der Weg zu Meli führt eben mal durch den Paß. Aber einen alten Augustaner soll der Herr schon nicht fangen. Nebenbei hat mir Herr Meli schon sagen lassen, daß er die Absicht habe, mich zu schlachten. Meinethalben. Auch das Eigentum der Station hat er schon unter sich und seine Bundesgenossen verteilt. Meine Soldaten exerzieren und schießen recht gut, es sind brave Leute, und ich denke, ich werde mich nicht umsonst ans die guten schwarzen Kerls verlassen. Auch ein Schnellfeuergeschütz wandelt mit der Kompagnie. Die ganze Sache setzt sich ungefähr, da ein Arzt und ein Leutnant zur Zeit noch fehlen, so zusammen: Drei Züge. Zug-
Der Geliebte sah das junge Mädchen nur selten. Immer aber hatte es ein Wort des Trostes für ihn — ein Wort der Hoffnung. Fritz jedoch besaß nicht das Temperament Lottens — er vermochte es nicht, wie sie, an eine glückliche Zukunft zu denken, wo die Gegenwart doch so trübe und öde war. Bis zu dem Tage der Mündigkeit Lottens aber fehlte fast noch ein Jahr — eine Ewigkeit in den Augen des Verliebten. Dennoch reiheten sich Tag an Tag und schon waren sechs Monate vergangen seit der Stunde, in welcher wir das Liebespärchen zuerst belauscht. Der Sommer hatte längst Valet gesagt — Herbststürme waren über die Stoppelfelder dahingezogen und jetzt lag der Schnee so hoch auf den weiten Feldern, daß es aussah, als feien sie mit einem Leichentuch bedeckt.
Es war ein wahrhaft schauderhaftes Wetter, während des ganzen Tages gewesen. Der Sturm toste und doch hatte Schulmeister Michel sich zu einem Gange nach der Stadt aufgemacht. Leopold, fein ältester Sohn, war jetzt auch konfirmiert worden und sollte die Kaufmannschaft erlernen. Der Alte aber wollte den Knaben persönlich dem betreffenden Prinzipal zuführen. Da dieser den neuen Lehrburfchen gleich bei sich behielt, so mußte Herr Michel sich selbstverständlich allein auf den Rückweg machen. Es hatte inzwischen bereits stark zu dunkeln begonnen und der Sturm sich zu einem förmlichen Orkan verstärkt. Er schüttelte die Bäume am Wege und hinderte den Schulmeister am Vorwärtsschreiten. Oft mußte der alte Mann ganz die Schritte hemmen, weil er nicht die Kraft hatte, gegen die entfeffelten Elemente zu kämpfen. Und je weiter der Arme vorfchritt,. desto wütender tobte das Unwetter und Michel fühlte sich, wie ein schwankend Rohr, von demselben hin- und hergeriflen. Da plötzlich brat;
ührer, 1 Leutnant und 2 deutsche Unteroffiziere, 1 Geschütz, 1 Lazaretgehilfe und so und so viele Träger, welche das Geschütz (zerlegt), Geschützmunition, Gewehrmunition, Zelte, Kochgeschirr u. s. auf ihren werten Köpfen tragen. 1 Unteroffizier (Deutscher) und 30 Mann halten die Hauptstation Jkungu im Pare-Gebirge, 1 deutscher Feldwebel und 20 Mann halten Masstnde, dann sind Posten in Kissiwani und Manamata, einige Leute unterwegs mit Post, so daß also dem armen Kompagnieführer sehr wenig übrig bleibt, um zu fechten, lieber Mangel an Abwechselung kann ich mich nicht beklagen. Es giebt jeden Tag etwas Neues. Außer meinen Geschäften als Kompagnieführer bin ich noch stellvertretender Kaiserlicher Kommissar für das Kilima-Ndscharo- und Pare- Gebiet und habe als solcher auch genug zu thun. Dann habe ich noch in Tanga ein kleines Gut mir angeschafft, auf dem ich eine Kalkbrennerei habe. Ich lasse Baumwolle, Kokospalmen u. s. w. pflanzen. Auf dem Meere habe ich einige Fahrzeuge, welche den Verkehr zwischen meiner Insel Jambe bei Tanga und meinem Hafengrundstück vermitteln. Wenn mir einmal die ewige Sauferei zu viel wird, dann setze ich mich still auf meine Insel und treibe dort Ackerbau und Viehzucht. Wer erst, wie ich, sieben Jahre in Afrika gesessen hat, dem behagt das europäische Klima nicht mehr, der bleibt in Afrika, nota bene, wenn ihn Niemand totschlägt. Noch eins: Am 7. April sah ich das elfte Doppelnashorn dicht bei mir und kam auf Büffel zu Schuß. Und — last not least — am 10. April, 10 Uhr 45 Minuten Vormittags, sah ich den ersten Löwen in der Freiheit. Bevor ich zu Schuß kam, war das Tier im Busch. Ich ging dem Biest mit einem Sudanesen - Offizier, zwei Soldaten und einem Diener nach — die Andern hatten keine große Luft dazu —, konnte aber das Tier nicht mehr sehen. So mußte ich leider unverrichteter Sache wieder abziehen. Nur eins weiß ich jetzt, daß, wenn man einem solchen Tier plötzlich gegenübersteht, man nicht an Gefahr, sondern nur an das Erlegen des Tieres denkt. Mit Nashörnern kam ich noch später in Berührung. Unten in der Ebene, drei Stunden von hier, kann man unangenehme Begegnungen mit den Nashörnern haben, wie vor einigen Tagen einer meiner Unteroffiziere, der — nie mehr allein in der Ebene auf Jagd gehen will. Ihr Anerbieten, mir, wenn ich etwas brauche, etwas zu besorgen, ist sehr liebenswürdig von Ihnen. Ich werde, wenn ich wirklich einmal etwas nötig habe, mich an Sie wenden. Auf der Hauptstation habe ich genug — hier ist jetzt Schmalhans Küchenmeister
der Orkan vollends mit fast unerhörter Kraft los. Er schleuderte die magere Gestalt des Schulmeisters über den Weg. Mit furchtbarer Vehemenz warf er ihn gegen einen Meilenstein, so daß dem Hilflosen für Minuten die Sinne schwanden. Als er endlich wieder zu sich kam, fühlte er einen heftigen Schmerz im rechten Bein. Dennoch versuchte er, sich auszu- richten--um jeden Preis mußte er ja ‘feinen
Weg fortsetzen. Aber was 'war das? Die Füße trugen ihn ja nicht — er vermochte sie nicht auf den Boden zu fetzen, ohne Qualen zu leiden — die unbefchreibbar waren. „Gebrochen — das rechte Bein wenigstens ist gebrochen! Um Gotteswillen, was fange ich nur an?" jammerte der Verzweifelnde, indem er sich langsam wieder niedersinken ließ, mit beiden Armen den Meilenstein umspannend, um nur einen Halt zu haben.
So harrte der Verunglückte stöhnend und jammernd vor Schmerzen und in der Ungewißheit, was aus ihm werden sollte. Kein Mensch zeigte sich ja weit und breit. Minuten vergingen, so eine Stunde — da — da! Kam dort nicht eine dunkle Gestalt von der Stadt her den Landweg hinab? Richtig — und es war ein Mann — der sich da rüstig durch das Unwetter arbeitete: „Hilfe — Hilfe!" rief der Schulmeister nun mit aller ihm zu Gebot stehenden Kraft. Aber der heulende Sturm übertönte die Worte. Der einsame Wanderer horte sie nicht- Glücklicherweise aber hatte er ein gutes Auge und da er sich an das Abenddunkel gewöhnt, sah er den zusammengekauerten Mann am Boden. Bald in seiner unmittelbaren Nähe, vermochte er auch den wiederholten Hilferuf desselben zu vernehmen.
„Was ist hier geschehen?" fragte nun eine bekannte jugendliche Stimme und das bleiche Gesicht des Wanderers beugte sich über den Hingesunkenen.