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WöchenUiche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

»rad und Berte8: Joh. «ug. Koch, Universitäir-Buchdruckertt in Marburg. Verantwortlicher Redakteur: Christoph Rautenhaur in Marburg

Redaktion und Expedition Markt Hl. HVll* WVUmUßWvUll* Redaktion und Expedition: Markt 21.

J2 196.

Sricheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Quartal-AbonnementS-PreiS bei der Expe­dition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zelle 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Marburg,

Sonntag, 21. August 1892.

Anzeigen nimmt entgegen die Erpedition dieses Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in Frankfutt a. M„ Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moste in Frankfutt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L. Daube u. Co. in Frankfutt a. M., Berlin, Hannover, Paris.

XXV1L Jahrgang.

Wochenschau.

Unser Kaiser, welcher seit seiner Rückkehr aus England sich Militärbesichtigungen in Berlin und Potsdam gewidmet hatte, hat am Jahrestage der großen Entscheidungsschlacht von Gravelotte-Mctz, am 18. August, die Parade über die preußischen Garden, welche mit dem kgl. sächsischen Armeekorps in jener heißen Schlacht hervorragend beteiligt waren, abgc- nommen. Zu dem militärischen Schauspiel war auch der neuernannte Generalinspekteur, Prinz Leopold von Bayern, in Berlin eingetroffen. Der Parade voran ging eine Fahnenweihe im Berliner Schlosse. Sehr viel Aufsehen gemacht hat die Thatsache, daß der Kaiser am 16. August dem Regimentsessen der ersten Gaidedragoner „Königin von England", welches der Monarch sonst stets besucht und zudem er auch dies­mal seine Anmeldung gegeben, in letzter Stunde plötzlich sernblieb. Man glaubt allgemein, daß der Kaiser fern geblieben ist, weil die Grasen Herbert und Wilhelm Bismarck, die ä la suite des Regimentes stehen, erschienen waren.

Die Agitationsglocke sür den Plan einer deutschen Weltausstellung in Berlin, die in der Reichshaupt­stadt recht kräftig gezogen wurde, hat ausgeläutet: Auf einen Bericht des Reichskanzlers Grafen Caprivi, in welchem die ablehnende Haltung eines sehr großen Teiles der deutschen Industrie und der verbündeten Regierungen hervorgehoben wurde, hat der Kaiser ent­schieden, daß de» Projekt nicht näher getreten werden solle. Sicher wäre es am besten gewesen, von dem ganzen Projekt weniger laut zu sprechen und im Stillen kräftiger zu handeln; aber gerade das Um­gekehrte ist geschehen, und mit lauten Worten werden doch nun einmal keine Ausstellungen gemacht, dazu gehört sehr viel guter Wille und eine tüchtige Portion Goldrollen. Man spricht nun noch von einem Plan des bisherigen provisorischen Weltausstellungskomitees, eine nationale deutsche Ausstellung ins Leben zu rufen. Und dies Projekt kann gelingen, wenn die Lehren aus dem verkrachten Projekt beherzigt werden.

Von allgemeiner Politik ist nicht viel zu sagen. Viel geschrieben ist über die neue Militärvorlage, von welcher doch noch immer Memand weiß, wieviel sie kostet und wenn sie dem Reichstage zugehen wird, denn alle Angaben hierüber beruhen lediglich auf Vermutungen, viel geschrieben wird auch über die Fortführung der Steuerreform in Preußen, für welche die Grundsätze nunmehr definitiv aufgestellt sind: Es kommt die Vermögenssteuer, wohingegen die Real- steuern den Gemeindeverbänden überwiesen werden,

Der Arbeit Segen.

Novelle von M- Widdern.

(Nachdruck verboten.)

l Fortsetzung.)

Lotte war eine Natur, die selbst den Geringsten achtete, wenn er sich in seiner Nienschenwürde er­hielt. Und so empörte er sie, daß Berger, wie Lebenswürdig er auch mit seines Gleichen umging and besonders ihr und den Ihren begegnete — doch den Untergebenen gegenüber der reine Tyrann »ar. — Er achtete die Feldarbeiter, welche sich im Schweiße ihres Angesichts um das tägliche Brot Ehlen, nicht höher als die Tiere, die den Pflug zogen und äußerte sich auch nur zu ost in dieser Weise.

Hierüber war er nun auch wiederholt mit Lotten in Streit geraten und hatte das junge Mädchen spöttelnd „kleine Nihilistin" geheißen Eine solche Benennung aber brachte Lotte stets vollends w Harnisch. Was wollte sie denn weiter, als daß auch der Arbeiter geachtet werde, wenn er brav, Komm und fleißig sei? was wollte sie weiter als Menschenrechte für fie Alle, die zu den Enterbten des Glücks gehörten Freilich, sie hatte einen etwas »eiten Begriff von triefen Menschenrechten. Dennoch aber dachte sie auch nicht im Entferntesten daran, den Wunsch zu hegen, daß alle bestehenden Ver- hältniffe niedergeriffen würden.--

Es ging nicht eben unterhaltend zu an dem fanbergedeckten Tisch im Schulmeisterhause. Lotte 8°b sich mit einem Eifer ihrer Abendmahlzeit hin, als wäre sie wirklich schon dem Verhungern nahe gewesen, als fie nach Hause gekommen, Lieschen, ihre fünfzehnjährige Schwester, ein vielverfprechendes Vacksifchchen, mit schwarzen Augen und Haaren, verhielt fich ebenfalls fchweigend- Tie vier Jungen

während die bisherigen Ueberweisungen an die Kreise auf Grund des fogenannten Verwcndungsgesetzes künftig in Wegfall kommen. Die Handelsvertrags- Verhandlungen mit Rußland sind noch nicht über die ersten Vorbesprechungen hinausgekommen. Inzwischen wird Rußland das noch bestehende Roggenausfuhr­verbot aufheben. Unsere deutsche Ernte ist gegen das Vorjahr erfreulicherweise eine recht befriedigende und der Kornpreis ist infolge der großen Vorräte recht erheblich gesunken. Die Cholera hat sich vom deutschen Boden erfreulicherweise bisher noch immer fern gehalten. In Rußland beträgt die Summa der täglichen Todesfälle, wenngleich die Krankheit in manchen Orten ganz erheblich nachgelassen hat, doch noch immer drei- bis viertausend pro Tag.

Aus Deutsch-Ostafrika ist nach manchen schlechten Nachrichten wieder eine bessere eingegangen: Nach der Niederlage, welche der Freiherr von Bülow von den Moschileuten erlitten hatte, war bekanntlich die deutsche Kilimandscharo - Stafion aufgegeben. Chef Johannes von der deutschen Schutztruppe, welcher zur Wiederherstellung der Ordnung in jene Gebiete auSgerückt war, hat nun die genannte Station völlig unberührt vorgefunden und sie wieder besetzt. Ter Fall beweist denn doch wohl, daß die Moschileute durchaus nicht zu einem Vernichtungskrieg gegen alles Deutsche in jenen Gegenden entschlossen waren, und daß man sich mit ihnen wohl hätte ver­ständigen können und nicht gleich zu Wehr und Waffen zu greifen nötig hatte. Im Hinter­lande des südlichen Teiles unseres ostafrikanischen Schutzgebietes hatten die Mafiti, der bekannte räuberische Eingeborenenstamm, wieder einen Zug unternommen, mehrere Dörfer verbrannt und zwanzig Personen getötet. Die Verstärkung der Besatzungen der dortigen deuffchen Garnisonen, und damit die unserer Schutztruppe überhaupt, ist dringend erforder­lich. Der Mannschaftsstand genügt gegenwärtig nicht. Erwähnt mag hier gleich sein, daß der Araberaufstand im Kongostaat sich immer weiter auSdehnt. Am ganzen Oberkongo sind alle Stationen vernichtet, die Europäer sind ermordet, die Schwarzen als Sklaven verkauft. Mm sprach davon, Stanley solle mit der Aufgabe betraut werden, die Araber wieder zu besänftigen, aber diese Angabe ist unzu­treffend. Am meisten geht die dort eingetretene ungünstige Wendung dem Könige Leopold von Belgien zu Herzen, der für den Kongostaat aus seinen Privat­mitteln Millionen ausgegeben hat und nun sein ganzes Werk bedroht sieht.

Der Gebuttstag des Kaisers Franz Joseph ist

des Schulmeisters aber wagten es nie in Gegenwart des überstrengen Vaters ungefragt zu reden. So wurde das Gespräch von dem Hausherrn und dem Jnspettor in Fluß gehalten. Die beiden Männer verhandelten über Verhältniffe und Dinge, die für die sonstigen Tischmitglieder ohne jegliches Jntereffe waren — vielleicht auch für Herrn Anton Berger selbst. Denn während er dem Schulmeister Rede und Antwort gab, schauten seine Augen doch immer wieder zu Lotten hinüber und ein Zug von Unge­duld machte sich in seinem bartlosen Gesichte be­merkbar.

Endlich aber hatte die ganze Gesellschaft ihren Appetit gestillt. Und als der Schulmeister ein Dankgebet gesprochen, machte der Inspektor den Vor­schlag, hinaus in den Garten zu gehen. Herr Michel willigte gern darein und wenn Lotten auch durchaus nichts an der Gesellschaft Bergers gelegen war, so ging fie doch mit den beiden Männern, nachdem sie noch eine Unterredung mit Lieschen gepflogen. Seit Lotte außer dem Hause schneidern ging, mußte die Kleine ja anstelle der vor einem Jahr verstorbenen Mutter die Wirtschaft führen und dazu hatte fie ich auch heute wieder Rat bei der älteren Schwester zu holen. '

Bald saßen die drei dann bei der altftänkischen Oellampe in der dichten Jasminlaube des großen Gartens, während Lieschen Bohnen für den nächsten Tag pflückte und die Jungen auf dem Hofe fpielten Lotte, die um die Welt nicht auf eine Minute be- chäftigungslos bleiben konnte, hatte ihr Nähzeug mit ich hinausgenommen. Jetzt flog die Nadel eilfertig mrch den schweren Stoff, aus dem fie für die Frau Schulzin ein Sonntagskleid fertigen sollte.

„Bald hält' ich es vergeffen, Fräulein," sagte der Inspektor, während fein funkelndes Auge unaus-

in ganz Oesterreich unter großer Teilnahme be­gangen, von den Czechen allerdings wieder in ihrer bekannten, aber nur nicht rühmlichen Weise. Bei Jglan sind wieder außerordentlich schwere czechische Ausschreitungen gegen Deutsche vorgekommen, wobei eine ganze Anzahl von Deutschen verwundet sind, und in Prag hatte ein czechischer „Patriot" auf offener Straße mit einem Revolver auf harmlose deutsche Spaziergänger geschossen, nur, weil ihn die deutsche Sprache ärgerte. Es ist wirklich reichlich weit gekommen mit dem edlen Czechenvolk. In Italien, besonders auf der Insel Sizilien, lebt in neuster Zeit das Brigantentum recht frisch wieder auf. Verschiedene bekannte Personen sind entführt, eine derselben ist auch von den Räubern, weil kein Lösegeld gezahlt wurde, ermordet. Die Behörden haben energische Maßregeln zur Unterdrückung deS Banditentums getroffen.

Sauregurkenzeit herrscht noch in Paris und man beschäffigte sich zumeist mit dem in England nun endlich neugebildeten Kabiuet Gladstone, welches von den Pariser Journalen mit Lobsprüchen überhäuft wurde. Eine Aenderung der bisherigen auswärtigen englischen Polifik ist also in keiner Weise zu er­warten. Es wäre auch eine grenzenlose Thorheit, wenn die Engländer mit den Franzosen liebäugeln wollten, denn deren russische Bundesbrüder rücken unaufhaltsam weiter gegen Indien vor. Auf dem streitigen Pamirgebiete hat es zwischen Russen und Afghanen neue Zusammenstöße gegeben.

Der bulgarische Premierminister Stambulow hat in Konstantinopel einen Besuch gemacht, dem, wie es heißt, eine Visite des Fürsten Ferdinand in der tür­kischen Hauptstadt folgen soll, ob sich das bewahr­heitet, muß dahingestellt bleiben, jedenfalls hat aber der Sultan durch den außerordentlich herzlichen Em­pfang des leitenden bulgarischen Staatsmannes be­wiesen, daß er absolut nichts Schlimmes gegen Bul­garien beabsichtigt. Russen und Franzosen ärgern sich nicht wenig, denn die Franzosen empfinden jede „Kränkung" ihrer Freunde noch weit schlimmer, als diese selbst, aber durch allen diesen Aerger wird im Balkan nicht das Geringste erreicht werden.

Ein ganz außerordentlich gefährlicher Ausstand ist in der nordamerikanischen Stadt Buffalo ausge­brochen, wo Bahnarbeiter und Subalternbeamte der dort einmündenden zahlreichen Bahnlinien ihre Thätig- keit eingestellt haben. Die Stteikenden haben sich nicht allein darauf beschränkt, gewaltsam das Aus­laufen der Züge zu verhindern, sie haben auf die Geleise auch Dynamit gelegt und was das Schlimmste,

gesetzt an der stolzen Gestalt — dem schönen Gesicht des jungen Mädchens hingen, „bald hält' ich's ver­geffen, daß die Frau Baronin mich heute ersucht hat, Sie zu bitten, für ein paar Tage hinauf auf das Schloß zu kommen, um der Kammerjungfer bei den Vorbereitungen zu der diesjährigen Badereise zu helfen."

Lotte ließ ihre Arbeit in den Schoß sinken. In dem Hellen Gesicht mit dem energischen Ausdruck zuckte es unmutig: „Mein Gott, warum hat mir die Frau Baronin das nicht früher sagen lassen" rief sie bann. „Jetzt habe ich mich auf vier Wochen hinaus in der Stadt versagt. Frau Buchhändler Wiedenhof will auch in das Bad und ich hab' alle Hände voll zu thun, um ihre Garderobe zu moder­nisieren und zu ergänzen."

„Aber Lotte!" Der Schulmeister war bei den Worten seines Kindes zusammengefahren, als hätte der Blitz vor ihm eingeschlagen. Seine lange dünne Gestalt richtete fich drohend auf. Aus den finsteren Augen einen herrischen Blick auf das Mädchen werfend, setzte er hinzu: „Du willst Dir doch nicht erlauben, der gnädigen Patronin absagen zu lassen?"

Lotte lächelte. Furchtlos blickte fie dem Ge­strengen in das unschöne — ebenfalls bartlose Gesicht.

„In der That, Vater — ich hatte die Absicht — berat. Na, Du kennst ja bas alte Sprichwort: „Wer yierft kommt, malt zuerst!" Frau Buchhänbler Wiebenhof kam aber zuerst unb somit, —

„Unb somit — somit!" brauste Herr Michel auf unb schlug mit ber knöchernen Faust auf ben Laubentisch, daß die arme Lampe auf demselben be­denklich hin- unb herschwankte. Tann aber mäßigte er sich unb sagte in ruhigerem Tone: „Tu wirst

mehrere hundert beladene Wagen angezündet und verbrannt. Der Schaden ist enorm. Militär ist zum Schutze der Eisenbahnanlagen beordert und es hat bereits blutige Zusammenstöße gegeben.

Deutsches Reich.

W. ILerki», 20. Aug. Unser Kaiser unter­nahm am Freitag Morgen einen Spazierritt in die Umgegend von Potsdam. Nach dem Marmorpalais zurückgekehrt, hatte der Kaiser eine Konferenz mit dem Reichskanzler Grafen Caprivi und nahm hierauf die Vorttäge des Kriegsmiuisters, sowie des Chefs des Militärkabinetts und ebenso auch diejenigen des Generalinspekteurs der Fußarfillerie, Generalleutnants Sallbach, und des Generalinspekteurs des Jngeuieur- Piouierkorps und der Festungen, Generalleutnants Goltz, entgegen. — Der Kaiser wird während seines Aufenthaltes in den Reichslanden, ent­gegen früherer Absichten, doch auch Straßburg auf kurze Zeit berühren; es wird dies auf der Rückreise von Metz nach Straßburg und Stuttgart geschehen. Der Befehl zur Instandsetzung des Straßburger Kaiserpalastes ist Seitens des Oberhofmarschallamtes bereits ergangen. — Prinz Leopold von Bayern wird bis zum nächsten Dienstag in Berlin verbleiben. — Der Reichskanzler Graf Caprivi hat eine Ein­ladung des Kaisers erhalten, an einem Teil der diesjährigen Kaisermanöver, insbesondere den badischen und württembergischen, teilzunehmen. Der Reichs­kanzler wird dieser Guladuug entsprechen. — Die Ankunft des russischen Ministers des Auswärtigen, Herrn von Giers in Berlin, wird Ende kommender Woche ermattet. — Anläßlich der bevorstehenden Handelsvertragsverhandlungen mit Ruß­land sind, nach der „Weser-Ztg.", die Handelskammern zur Erstattung von Gutachten aufgefordert. — Die preußische Regierung hat nochmals den Gemttnden strengste Sparsamkeit hinsichtlich der Aufnahme von Anleihen für Luxusbedürfuissc vorgeschrieben. Solche Anleihen werden künftighin erst der strengsten Prüfung unterzogen werden. — Kreuzzeitung und Vossische Zeitung glauben bestätigen zu können, daß der Kaiser nach der großen Herbstparade auf dem Tempelhofer Felde (Siehe Depesche in gestriger Nr.) sich sehr bestimmt gegen die Einführung der zwei­jährigen Dienstzeit für die Reichsarmee ausge­sprochen hat. Das letztere Blatt meint, da der Reichskanzler Graf Caprivi nachweislich zu ben Freunden der zweijährigen Dienstzeit gehöre, so werde er wohl kaum noch lauge im Amte bleibeN, wenn doch die Frau Buchhändler nicht auf gleiche Stufe mit unserer Gnädigen auf dem Schlosse stellen?"

„Warum denn nicht, Vater? Frau Wiedenhof ist eine sehr feine Dame."

„Slweig," donnerte der Schulmeister, „schweig, sage ich Dir! Sie aber, Herr Jnsp ktor, haben wohl die Güte, der Gnädigen zu sagen, meine Tochter werbe es sich zur höchsten Ehre rechnen, ber Frau Baronin ihre Arbeitskraft zur Verfügung zu stellen. Schon morgen würde sich Sötte!" —

„Morgen? Nein Vater, das geht unter allen Umständen nicht," warf bas Mädchen hier aber ebenso entschieden ein, denn wenn ich schon Deinem Wunsche zu Liebe überhaupt auf bas Schloß gehe, so muß ich mich morgen boch vor allen Dingen noch einmal zu Frau Wiäienhof nach ber Stabt begeben, um der Dame zu sagen, wie bie Frau Patronin nach mir verlange. Die Stellung meines Vaters aber ließe es nicht zu, baß ich —*

„Die Stellung Deines Vaters," brauste ber Alte von neuem auf. — „Ich weiß schon, was Du mit biesen Worten sagen willst. Aber nimm Dich in Acht, Mäbchen, baß —*

„Herr Lehrer, um Gotteswillen, mäßigen Sie sich," mischte sich nun aber ber Inspektor in ben Streit, Fräulein Lottchen hat ja nicht baran gedacht. Sie beleidigen zu wollen "

„Aber fie soll mir nicht widersprechen!" Ich bin der Herr im Haus und meine Kinder haben mir zu gehorchen Sie dürfen keinen eigenen Willen kennen — ich leide es nicht."

Lotte zuckte die Achseln. „Und doch habe ich einen," sagte fie dann. „Ich bin Dir gehorsam, Vater, so weit es sich mit meinen Grundsätzen verträgt — weiter aber niemals — Mit breiundzwanzig Jahren ist man kein Kinb mehr, bitte vergiß bas nicht."