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Wöchenüiche Beilagen: Kreis-Blatt für die Knise Marburg und Kirchham.
6 Reaktion ^ind Expedition^Markt SH. Mustriertes Sonntagsblatt. Redaktion unb SgyebitionT Thtrft” 11. “ # *” SIRBlbur8
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Erscheint täglich außer au Werktagen nach Sonn- und Feirrtageru — Quartal-Llbonnements-PreiS bei ber Expedition 2 Mk., bei allm Postämtern 2 Mk. 26 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
Marburg,
Sonntag, 14. August 1892.
Anzeigen nimmt entgegen die Erpedition dieses Blattes, sowie hie Amwncm-Birreaur von Haasenstein u. Vogler in —, Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf XXVII.
Moste in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L. V 'l » »
Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
Wochenschau.
Unser Kaiser ist von seiner Regattareise nach England, die seiner Aacht „Meteor", trotzdem sie augenscheinlich das schnellste Fahrzeug auf der Regatta war, infolge der bestehenden sportlichen Vorschriften hoch nur einen einzigen entschiedenen Sieg gebracht hat, über Wilhelmshaven wieder nach Potsdam zurückgekehrt, wo der Monarch bis zum Beginn der Manöverreisen verweilen wird. Auch Fürst Bismarck ist wohlbehalten am Ziel seiner Reise, auf seiner hinterpommerschen Herrschaft Varzin, angekommen. Auf der Reise von seinem Stammgute Schönhausen über Berlin nach Pommern sind dem Altreichskanzler erneute Ovationen dargebracht worden, namentlic während seines anderthalbstündigen Aufenthaltes au dem Stettiner Bahnhof in Berlin. In Varzin gedenkt der Fürst bis in den Herbst hinein zu verbleiben.
Sofort nach der Heimkehr des Kaisers ist nunmehr die im preußischen Staatsministerium obschwebende Krisis zum Austrag gebracht worden. Das Rücktrittsgesuch des Ministers des Innern, Herrfurth, ist unter besonderen Gnadenbezeuguvgen des Monarchen ge- nchmigt und der Ministerpräsident Graf Eulenburg auch zum Minister des Innern ernannt worden. E> kann natürlich nicht fehlen, daß dem Ministerwechsel allerlei besondere Motive zu Grunde gelegt werden, Md daß in Zukunft noch Ueberraschungen auf dem Gebiete der inneren Politik erwartet werden, aber von Mn diesen Mutmaßungen wird sich wohl keine bewahrheiten. Der scheidende Minister selbst hat zur Begründung seines Entlassungsgesuches angeführt feine Meinungsverschiedenheit mit seinem Minister- kvllcgen wegen der Fortführung der Miquelschen Steuerreform und Gesundheitsrücksichten. Sensationelles ist also hierbei nicht herauszufinden, und auch der neue Minister Graf Eulenburg ist kein Mann, der mit Vorliebe in Sensation machte. Die neuen Steuerreformvorlagen, an deren Spitze die Vermögenssteuer steht, werden also dem Landtage in Berlin zum Herbst zugehen.
Eine überaus seltene Uebereinsftmmung herrscht m der gesamten deutschen Preffe aller Parteien bezüglich der in Aussicht stehenden Handelsvertragsverhandlungen mit Rußland, für welche die Vorkonferenzen soeben begonnen haben und zu deren Betreibung der russische Minister des Auswärtigen, Herr von Giers, Ende dieses Monats auch in Berlin einttcffen wird. Insgesamt wird von allen deutschen Zeitungen hcrvorgehoben, daß wir Rußland nicht gebrauchen, wohl aber Rußland uns, und daß wir
Fleur a n i in e e.
Novelle von M- Bernhard- sNachdruck verboten, f (Fortsetzung.)
Einmal redete Baron Thilo Lydia ftanzösisch w unter dem Vorwande, seine heutige Bestellung fei ein Geheimnis, um das niemand, als sie allein viffen dürfe. Sie antwortete korrekt und fließend «rd er bekam heraus, daß sie bis zu ihrem zwölften Ächre eine Bonne gehabt habe, dann hätten sich ihre Verhältnisse geändert; sie sei aber bestrebt Kwesen, nichts von dem Erlernten zu vergesien. Ein andermal erwähnte er eines neuen jiielge» «jenen Dichters — sie hatte Verschiedenes von Wr gelesen, aber noch nichts auf der Bühne ge- Ühen, da sie eigentlich nie ins Theater komme.
. Das von dem Baron mit vielem Feuer ausgesprochene Anerbieten einer Loge — wann immer vü> in welchem Theater Lydia wolle — lehnte sie ruhiger Entschiedenheit ab; das Geschäft schließe vor acht Uhr, an großen Geschäftstagen bliebe *? sogar noch länger offen und der Sonntag sei der ^nzige Tag zum Ausruhen für sie.
Seine Frage, ob er ihr Bücher verschaffen solle, ^urde freundlich verneint, sie sei hinreichend damit Ziehen, finde überdies wenig Zeit zur Lektüre, so «hr sie dies auch bedauere. Nun war er bestrebt, Are Wohnung zu erfahren und auf seine direkte «rage erhielt er eine ebenso direkte Antwort: oben sn Moabit. Welche Straße? O, der Name werde Mi. zehn gegen eins zu wettm, ganz fremd klingen, ^lige Kavaliere kämen ja nie in diese entlegene hegend und was hätten sie da auch wohl zu suchen? $ls der Baron dringender wurde, schlug Lydia groß- ^Uaunte Augen zu ihm auf: „Ich bitte Sie, Herr «aron, welches Interesse könnten Sie daran haben,
daher den Preis stellen können. Der Preis dar aber nicht zu niedrig gestellt werden, weil die wirtschaftliche Annäherung zwischen dem deutschen Reiche und Rußland noch lange keine polittsche Freundschaft bedeutet, vielmehr in letzterer Beziehung wohl Alles beim Alten bleiben wird. Den Franzosen ist schon das jetzige Vorkommnis recht peinlich, aber es ist doch nun einmal Thatsache, daß in wirtschaftlicher Beziehung Frankreich für Rußland recht wenig bedeutet, Deutschland indessen sehr viel, und hiernach richtet sich auch der Zar. In der Luft schwebt noch völlig die deutsche Weltausstellungsftage. Verschiedentlich wird angenommen, der Kaiser werde doch noch sein Wort zu Gunsten der Weltausstellung in die Waagschale werftn. Man wird den Lauf der Dinge eben abwarten müssen. Aus unseren Kolonieen liegen neue Dinge nicht vor, nur wieder einmal das schon häufig ausgewärmte Gerücht, der Generalgouverneur von Deutsch-Ostafrika, Freiherr von Soden, wolle seinen Posten verlassen. Dadurch, daß es diesmal heißt, der Rücktritt solle schleunigst erfolgen, wird die Meldung noch nicht glaubwürdiger. Herr von Soden hat mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln geleistet, was er konnte, und ein Schelm giebt bekanntlich mehr, als er hat. Man kann deshalb wohl mit gutem Gewissen annehmen, daß hier wieder einmal der sttlle Wunsch des Gedankens Vater, wie so häufig schon, gewesen ist.
Wenn wir in diesem Jahre im Durchschnitt auch noch nicht gerade von einer außerordentlich guten Ernte reden können, so können wir uns doch einer beftiedigenden Ernte erfreuen, die manchen Ausfall des vorigen Jahres wieder gut zu machen geeignet ist. Das ist die beste Kunde für die Landwittschaft sowohl, tote für die weiten Volkskreise, die im vorigen Herbst kennen gelernt haben, was teure Zeiten bedeuten. Ist die Ernte gut, so ist die andere Meldung nicht schlecht, nämlich die, daß uns der gefürchtete Sommergast, der im Osten, wie im Westen drohte, die Cholera, bisher nicht auf deutschen Boden gekommen ist. Die Epidemie setzt in Rußland ihren verheerenden Weg fort, sucht sich auch in Frankreich immer neue Rastpuntte aus, ist aber nicht zu uns gekommen. Die gesundheitspolizeiliche Kontrolle an beiden deutschen Grenzen, welche hier in Bettacht kommen, ist eine sorgfältige und gewissenhafte, sie hat uns den schrecklichen Würgengel bisher fern gehaltei^und wird dies hoffentlich auch in Zukunft thun.
Im englischen Parlament haben mit dieser Woche die Verhandlungen über das Mißtrauensnotum begonnen, welches das bisherige Ministerium Salisbury
meine Wohnung zu wissen?" — Und er mochte es beteuern, soviel er wollte, er habe Interesse dafür und zwar das allergrößte Interesse von der Welt .... sie schüttelte mit einem ungläubigen Lächeln ren Kopf und die Wohnung erfuhr er nicht! — Ob sie zu Hause sehr einsam lebe? O nein; sie ei bei sehr guten, alten Leuten in Pension, die hätten drei Enkelkinder bei sich, zwischen acht und fünfzehn Jahren, da sei reichlich genug Heiterkeit und frisches Leben im Hause! — War es ihr nickt ängstlich, abends den weiten Weg allein zu machen? Bewahre! Zu der Stunde, da sie das Geschäft verlasse, sei es ja noch hell und belebt in den Sttaßen und der älteste Enkelsohn ihres Hausvaters, ein junger Lehr- ing, nehme sie unterwegs stets in Empfang und bringe sie sicher nach Hause.
Einigemale hatte der Baron gewartet, bis das Geschäft geschlossen wurde und war geduldig vor dem Blumengeschäft auf und ab gegangen, entschlossen, dem jungen Mädchen, das sich ihm so geheimnisvoll entzog, auf Schritt und Tritt nachzusolgen. Aber das war vergebene Mühe: das Lokal hafte einen zweiten Ausgang nach der Charlottenstraße und es war für das junge Mädchen, wenn sie die Begleitung des Husarenoffiziers vermeiden wollte, eine Kleinigkeit, festzustellen, vor welchen Eingang er sich postiert hatte, um schleunigst durch den anderen davon zu zehen. Und da sie in der That seine Begleitung verschmähte, so mußte er seine vergeblichen Prome- naden bald aufgeben.
Mit Geschenken hatte Baron Thilo gleichfalls kein Glück. Er hatte ein entzückendes Armband gekauft, zog es eines Tages, als die Blumenwinderinnen sehr emsig beschäftigt waren und Frau Braun an der Kasse sich in ein lebhaftes Gespräch mit zwei Damen vertieft hatte, aus der Tasche mit einer
stürzen und den alten Gladstone ans Ruder helfen soll. Das geschieht denn auch, nur ist die Frage, ob Herr Gladstone lange Zeit Ministerpi äsident von Großbntanien und Irland heißen wird. Er will alle Welt beftiedigen mit der Ausführung seiner irischen Pläne: Die heute bestehende politische Verbindung zwischen England und Irland soll in keiner Weise erschüttert werden, die Iren sollen aber auch das Recht erhalten, auf ihrer Insel zu thuen und zu treiben, was sie wollen, und daß die Söhne von Grün-Irland nicht eben bescheiden sind, weiß alle Welt. An diesem heiklen Punkt werden wohl alle schönen Pläne Gladstones scheitern, und es kann leicht kommen, daß er schneller das Ministerpräsidium wieder verliett, als er es gewonnen hat. In der auswärttgen britischen Polittk ist keinesfalls ein Wechsel zu erwarten: Die Russen bringen gegen Indien vor, in Afghanisten herrscht Rebellion und Empörung, und die Zustände in diesem letzten Grenzlande zwischen Russisch-Asien und Englisch-Indien können für keine Londoner Regierung gleichgiltig sein. Gladstone möchte vielleicht Manches, denn er stellt sich in der Auswärttgen Polittk so — unschuldig an, wie ein neugeboren Kind, aber die allgemeinen Verhältnisse werden ihm schon klar machen, was er wissen muß.
Zu einer großen Columbusfeier rüstet man sich in Italien, die in Genua, der Gebuttsstadt des Amerikaentdeckers statthaben wird und an welcher der König und die Königin, sowie Kriegsschiffe fast aller europäischen Seestaaten teilnehmen werden. Die Politik liegt in Italien noch immer int Sommerschlaf und an die ausstehenden allgemeinen Neuwahlen zum Parlament denkt kein Mensch. In Oesterreich-Ungarn herrscht gänzliche polittsche Stille, auch auf der Balkanhalbinsel ist es sehr ruhig. Die bulgarische Regierung fährt rüstig mit ihren Enthüllungen über die russische „Mörder"-Polittk fort und in Petersburg thut man das Klügste, was unter diesen Umständen zu thun ist, man schweigt sich aus. In Spanien dauern die Revolten fort.
Das französische Geschwader im indischen Ozean hat den Befehl erhalten, sofort die zur madagassischen Inselgruppe gehörigen Ruhmesinseln zu annektieren.
In Afrika wird Krieg gefühtt: Im Norden schlagen sich die Truppen des Sultans von Marokko mit den aufständischen Andscheras bei Tanger herum, können aber ttotz täglicher Gefechte ihrer Gegner nicht Herr werden. An der Dahomeyküste haben die Franzosen nun endlich den Kampf mit dem eigensinnigen Könige dieses Negerreiches ausgenommen. Alle Küstenotte werden von den ftanzösischen Kanonenbooten born
verlegenen Miene, die ihm überaus drollig stand und präsentierte Fräulein Lydia das Kleinod mit der bescheiden geflüsterten Bitte, diese Kleinigkeit als ein Zeichen seiner Verehrung und Wertschätzung von ihm anzunehmen. Darauf hatte das schöne Mädchen ihn mit einem stolz-venvunderten Aufblick ihrer großen Augen gemessen und ihn, ohne die östbare Gabe weiter zu bettachten, gefragt, welches Recht er habe, ihr Geschenke anzubieten, sie sei überzeugt, in ihrem Betragen gegen ihn habe nicht )ie allergeringste Aufmunterung dazu gelegen und ie müsse sein Benehmen daher als eine gänzlich ungerechtfertigte Anmaßung zurückweisen. Das Wort „Anmaßung" hatte den Cavalier erzürnt, er gab eine heftige Antwort--darauf zuckte die reizende
Blondine nur leicht die Achseln, trat zurück, um einer »er Kranzbinderinnen etwas zuzuflüstern und ging dann in das dicht an den Laden stoßende Hinter- zimmer, dessen Thür sie fest hinter sich zuzog. Baron Hildeburg stürmte diesmal in heller Wut davon, empört über so viel Kaltsinn und Herzenshärte und chwor sich's mit allen Eiden zu, diesen unnahbaren Lisblock nie wieder zu sehen .... um zwei Tage 'pater mit der Miene eines armen Sünders vor ber ihm nun schon so wohlbekannten Marmorplatte zu tehen und eine großartige, verwickelte Blumenbestellung vom Stapel zu lassen, die ihm Gelegenheit gab, recht ange ruhig abbittend in die wundervollen blau-schwarzen Augen zu sehen, die ihn so gleichmütig musterten, »aß er sein sonst so leichtes Herz ordentlich schwer werden fühlte. Auf seine leise Frage, ob sie ihm noch böse sei, bekam er ein so seelenruhiges: „O nein, ich habe gar nicht mehr daran gedacht!" zur Introort, daß er zum erstenmale feinen bisher eigen- innig festgehaltenen Gedanken, diese eisige Gleichgiltigkeit sei nichts weiter, als eine geschickt gehand-
barbiert unb bie Dörfer ber Eingeborenen im Innern, soweit bie ftanzösischen Kolonnen biefelben erreichen können, niebergebrannt. Freilich sinb bie Schwarzen den Franzosen an Zahl weit überlegen unb können die Letzteren nicht sehr weit ins Innere vorbttngen.
Deutsches Reich.
W. erlitt, 13. August. Uns er Kaiser begab sich am Freitag ftüh vom Marmorpalais aus zu Pferbe nach bent Bornstedterfelde unb wohnte baselbst bem Brigabeexerzieren bei. Am Nachmittag fuhr ber Kaiser nach Sperlingslust bei Potsbam, um bem großen Rennen bes Berlin - Potsbamer Reitervereins beizuwohnen. Später kam Se. Majestät nach Berlin unb entsprach einer Einladung des Offizierskorps des Garbe-Füsilier-Regiments zur Tafel nach bem Kasino beSselben. Der Kaiser wirb sich nach ber Rückkehr von bett biesjährigen großen Herbstmanövern im Elsaß und in Süddeuffchland zur Feier der goldenen Hochzeit des Großherzogs und der Großherzogin von Weimar, welche am 8. Oktober ftattfinbet, nach Weimar begeben. In der Begleitung des Kaisers wird sich der Prinz Albrecht von Preußen befinden, welcher an den diesjährigen großen Herbstmanövem ebenfalls teilnehmen wird. Der Prinz, welcher sich gegentoärtig in Kamenz befindet, wird am 29. b. M. eine Reise nach Bromberg bezw. nach ber Insel Rügen antreten, während die Prinzessin in Schloß Seitenberg verbleibt. — Amsterdamer Blätter haben behauptet, der kaiserlich deutsche Gesandte im Haag, Graf Rantzau, Schwiegersohn des Fürsten Bismarck, der kürzlich seinen Urlaub angetreten hat, werde nicht mehr auf seinen Posten zurückkehren. In Berlin ist davon an informierter Stelle nichts bekannt, daß Graf Rantzau beabsichtigte, aus dem diplomatischen Dienst zu scheiden. — Der Plan zur Veranstaltung einer Weltausstellung in Berlin darf nunmehr, tote die „Kreuz- ztg." vernimmt, vorerst als aufgegeben anzusehen sein. — Der bekannte freisinnige Abg. Klotz, der lange Jahre dem Reichstage und preußischen Landtage an» gehörte, ist im Alter von 78 Jahren in Naumburg gestorben. Seines geraden und ehrlichen Charatters wegen erfreute sich Klotz bei allen Parteien größter Achtung. — Die vorbereitenden Besprechungen, welche Seitens der beteiligten Reichsämter und preußischen Ministerien in Sachen einer handelspolitischen Abmachung mit Rußland im Reichsamt des Innern gepflogen werden, find, nach der „Nat.-Ztg." am Mittwoch zu Ende gefühtt worden. — Wie man sich
labte Maske fallen ließ und zu fürchten begann, Fleur animee mache sich in allem Ernst nichts aus ihm!
Das war für einen reichen, sehr hübschen unb äbelhaft verwöhnten Husarenoffizier eine äußerst ätale Entdeckung und er grübelte alles Ernstes >arüber, wie denn so etwas überhaupt möglich sei! Was konnte das Mädchen gegen ihn haben? Er »esuchte ein paar Balle, um sich dort den Trost zu ' >oten, daß die jungen Damen und die würdigen Mütter ihm wirklich sehr huldreich entgegenkamen und daß er nur unter den Töchtern des Landes zu wählen brauche Seine gute Mutter schickte ihn eine ihr zugehörige Photographie ber berühmten Ilse von Steinau — ein allerliebstes brünettes Gesichtchen; es war Geist, es war Raffe bann und Thilo legte es mit einem Seufter beiseite; warum in aller Welt konnte er sich denn nun nicht in dieses Mädchen verlieben oder in sonst irgend ein anderes?--
Nein, es ging durchaus nicht! Seine Gedanken gingen ihren eigenen Weg und immer suchten sie Lydia — und immer sah er in seines Geistes Äug' Lydia, das süße, rosige Gesicht, wie es ihn zärtlich anlächelte und die wunderschönen Augen träumerisch enkte, um sich von ihm auf bie frischen roten Lippen Ässen zu lassen. Sie mußte so aussehen, sie mußte ö lächeln können, das wußte er ganz genau .... warum sollte es ihm nicht vergönnt fein, dies hold- elige Wunber zu erleben?
Der Winter ging hin, der Vorfrühling kam, ehnsuchtsvoller und heißer schlugen die Herzen, uhne Träume liefeen sich nicht mehr verjagen, sie kamen immer wieder und umwarben bie Seele, die unbewachte und fragten immer auf's neue mit Schmeichellaut: „Warum willst du uns verjagen? Es Hilst dir doch nichts! Wir sind da, wir lassen