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Verantwortlicher Redakteur: Christoph Rautenhaus in Marburg Redaktion und Expedition: Markr 21.
Maße. An der deutschen Grenze gegen Frankreich ind nun eben solche sanitütspolizeilichen Kontrollnaßregeln getroffen, wie gegen Rußland. Bisher ist trotz aller Sensationsgerüchte auf deutschem Boden noch kein Cholerafall konstatiert worden.
Das englische Parlament ist nunmehr zusammengetreten, und schon in einer der nächsten Sitzungen oll der Mißtrauensantrag gegen die heutige Regierung eingebracht werden, durch welchen der Kabinettswechsel vorbereitet wird. Gerade keine angenehme Nachricht für die Engländer ist es, daß die Russen sich von neuem auf dem streitigen Pannier-Plateau in Zentralasien, hart an der Grenze von Vorder- Jndien, gezeigt haben. Es giebt wohl heute keinen Engländer mehr, der da glaubt, die Russen würden Indien nicht angreifen, wenn sie es einmal mit Aussicht auf Erfolg thuen können. Man kann sich also in London darnach richten.
Die papierne Katzbalgerei zwischen Russen und Bulgaren nimmt ihren Fortgang. Die Dokumente, welche die bulgarische Regierung hat veröffentlichen lassen, und worin schlagend nachgewiesen wurde, daß die Petersburger Regierung resp. ihre amtlichen Vertreter in bett Orientstaaten den politischen Mord in Bulgarien gefördert und bezahlt haben, werden von der Newa aus im Brustton der tiefsten Ueberzeugung für gefälscht und erfunden erklärt. Das Schlimme ist nur, daß jeder denkende Mensch diesen Versicherungen keinen Glauben schenkt. In den Balkanstaaten herrschte zur Zeit völlige Ruhe, die Hinrichtung der vier politischen Verbrecher in Sofia, ob welcher Russen und Franzosen gradezu aus der Haut fahren wollten, hat durchaus heilsam gewirkt, und von den von den Gegnern Bulgaries aus dieser That angekündigten Entrüstungskundgebungen ist absolut nichts zu erkennen. Es ist hier geradeso, wie überall: Wenn in Europa Ruhe und Frieden erschüttert werden, so sind immer die Kriegsanstifter an der Seine und Newa Schuld. Wie sie es machen, ist gleichgiltig, aber Karnickel sind sie — ohne Spott — in Wahrheit immer.
aber infolge der britischen Regattabestimmungen doch nicht den Sieg gewann, ist selbstverständlich unpolitischen Charakters, hat aber eine erhöhte Bedeutung errungen durch den infolge der Neuwahlen nahe bevorstehenden Ministerwechsel. Der Kaiser hat auch eine Unterredung mit dem heutigen Ministerpräsidenten Lord Salisbury gehabt. Es gilt nirgends als zweifelhaft, daß auch die neue Regierung unter Gladstone in der auswärtigen Politik nur beim bisherigen Kurs bleiben kann, wenn England keinen Schaden leiden soll. Franzosen und Russen zeigen zu unverhüllt ihre wahren Absichten, als daß irgend ein briUschcr Minister im Ernst sich noch dem Glauben hingeben könnte, er werde mit jenen beiden Staaten und zugleich mit allen übrigen gut Freund sein können. Die Franzosen, welche die Reise des Kaisers mit großer Aufmerksamkeit verfolgten, knüpften an den bevorstehenden Ministerwechsel in London nach ihrer Art allerlei übertriebene Hoffnungen. Sie werden bald genug wieder einmal erkennen, daß sie sich, wie so häufig schon, getäuscht haben.
Und sie sehen es jetzt bei Rußland! Trotz aller der großen Reden von der französisch-russischen Bundesbrüderschaft sieht man in Petersburg angesichts der fortschreitenden Zerrüttung im Handel und Verkehr, welche durch die stets und ständig weiter um sich greifende Cholera noch verstärkt wird, nur zu gut ein, daß Frankreich dem Zarenreiche in wirtschaftlicher Beziehung gar nichts bieten, ihm gar nicht helfen kann. Es klingt wunderbar, aber es ist wahr, in Petersburg fängt man an, ernstlich zu überlegen, wie man es Wohl am besten anfängt, mit dem deutschen Reiche wieder in ein besseres nachbarliches Verhältnis zu kommen. Ohne ein erhebliches Zurückschrauben der unerträglich hoch gewordenen russischen Zölle ist das selbstredend nicht möglich. Deutschland kann warten und es wird warten. Warten werden wir auch mit der Weltausstellung. Wenngleich noch keine definitive Entscheidnng getroffen ist, so ist doch schon so viel sicher, daß recht, recht weite Kreise in der Großindustrie dem Projekte ablehnend gegenüberstehen. Vielleicht erklärt sich diese ablehnende Haltung auch mit aus der Abneigung gegen den Ausstellungsort Berlin. Es ist ja bekannt, daß die Stadt Berlin als solche viele Konkurrenten, aber nicht eben sehr viele gute Freunde hat.
Aus unseren Kolonien liegt etwas thatsächlich Neues nicht vor. Der Vormarsch der deutschen Kolonne unter dem Chef Johannes, welche im Kili- mandscharogebiet die Ordnung von neuem Herstellen soll, ist, den letzten Nachrichten aus Ostafrika zufolge.
bisher nicht auf Hindernisse gestoßen. Man hegt )as volle Vertrauen, daß der genannte, als sehr umsichtig bekannte Offizier die Ruhe in kurzer Zeit wieder Herstellen und dauernd zu erhalten wissen wird. Aus dem Hinterland von Kamerun liegt etwas Neues nicht vor; die Franzosen wollen dort allerdings verschiedene Handelsverbindungen angeknüpft haben, aber was solche papierne Verträge bedeuten, wissen wir selbst aus den Anfängen unserer Kolonialpolitik ja zur Genüge. Recht bös sieht es hingegen am Kongo ans. Zuerst ist eS zu einem Feuergefecht zwischen Kongosoldaten und Franzosen gekommen, in welchem zwei Franzosen erschossen wurden, wofür man von Paris ans im allerlebhastesten Tempo Genugthuung verlangt. Dieser Tanz hätte nun noch nicht so viel auf sich. Schlimmer steht es aber mit einem großen Aufstand der Araber am oberen Kongo. Die dortige europäische Verwaltung hat sich etwas gar zu kleinlich und kurzsichtig gezeigt, so daß die braunen Gesellen die Geduld verloren haben. Eine europäische Expedition ist von ihnen total zersprengt, wobei vier Weiße das Leben verloren haben und ein Dampfer in arabische Hände fiel.
Die vierhundertjährige Wiederkehr des Tages, an welchem Christoph Columbus mit drei schwachen Schiffen aus einem kleinen spanischen Hafen ausfuhr, um Indien zu erreichen und Amerika zu entdecken, ist in einer Anzahl spanischer Städte in entsprechender Weise gefeiert. Im Uebrigen sieht es freilich nicht recht erbaulich im Lande der Kastanien aus, die graue Not schreitet durch das gegen die früheren Jahrhunderte so unendlich heruntergekommene Land und ruft fortwährend neue Volksaufstände hervor. Es vergeht kaum ein Tag, in welchem nicht in irgend einer Stadt ein Krawall losbricht.
In Frankreich herrscht ziemlich große politische Stille, welche auch die am letzten Sonntag stattgehabten Provinzialwahlen nicht beeinträchtigen konnten. Sehr selbstgefällig schreiben die republikanischen Zeitungen von den Eroberungen ihrer Partei bei diesen Wahlen, wo allerdings die Monarchisten sehr bedenklich den Kürzeren zogen. Ein neuer großer Dynamitdiebstahl ist auch schon wieder vorgekommen, ein Zeichen, daß die Franzosen von den bisherigen anarchistischen Attentaten noch recht wenig gelernt haben. Die als Cholerine in Paris und einigen zwanzig französischen Städten bezeichnete choleraartige Krankheit ist nun endgiltig als asiatische Cholera festgestellt. Es ist auch unrichsig, daß die Epidemie abnimmt, im Gegenteil mehren sich die Krankheitsfälle, wenn auch noch nicht in besorgniserregendem
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Deutsches Reich.
W. Merlin, 6. Ang. Unser Kaiser wird heute voraussichtlich die Insel Wight wieder verlassen und die Heimreise nach Potsdam antreten. Der Aufenthalt auf dem schönen Wight ist dem Monarchen in der angenehmsten Weise verlaufen, wenn der Kaiser auch mit seiner Dacht „Meteor" bei den Regatten keine direkten Lorbeern, fonbern nur Ehrenerfolge
Wochenschau.
Die Hnnbstage wollen zu Enbe gehen, wie bie jn ihrer Art einzig bastehenbe Rnnbreise bes Fürsten Bismarck im bentschen Reiche zu Enbe gegangen ist. Währenb ber Altreichskanzler sich anschickl, in seinem hmterpommerschen Lanbsitze Varzin ber Ernte bcizu- Nvhnen, ist in Berlin bie erste Kunde von einer neuen Mnisterkrisis laut geworden. Der Minister des Innern, Herrfurth, der Schöpfer der s. Z. so hart Mstrittenen neuen preußischen Landgemeindeordnung, will von seinem Posten abtreten. Es handelt sich nicht um Meinungsverschiedenheiten im Ministerium des Innern, sondern um solche mit dem Finanz- tninister Dr. Miquel wegen ber für bie kommende Parlamentssession geplanten Weiterführung der preußischen Steuerreform. Dr. Miquel hat bas ganze Ministerium mit Ausnahme bes Herrn Herr- ftrth für sich, unb letzterer steht allein. Unbebingt brauchte aber auch wegen tiefer Differenz noch lange kein Ministerwechsel zu erfolgen, es hanbelt sich wohl nur um einen freiwilligen Wechsel, bamit ber heutige preußische Ministerpräsident Graf Eulenburg noch das Spezialreffort des Innern übernehmen kann, dem er schon früher vorgestanden hat. Aber nicht genug mit dieser Ministerkrisis, fingen die bekannten neunmalklugen Leute schon wieder an, von einer Kanzlerkrisis zu reden. Den Grund dazu hat wohl unbeabsichtigt Fürst Bismarck gegeben. Die letzte Station auf der Reise von Kissingen nach seinem Stammgut Schönhausen an der Elbe, von wo die Reise nach Varzin ging, hatte der Altreichskanzler in der thüringischen Universitätsstadt Jena genommen, woselbst ihm ein brausender Willkomm dargebracht wurde. In seinen Dankansprachen beschäftigte sich der Fürst auch hervorragend mit der Politik, und aus einigen seiner Aeußerungen ist bann bas Gerebe entstanden, der Reichskanzler Gras Caprivi wolle seinen Posten verlassen. Diese Annahme ist ganz entschieden falsch, der heutige Reichskanzler ist der denkbar beste Vertreter der zu erwartenden neuen Militärvorlage vor dem Reichstage, und darum ist auch nicht an irgend welchen Personenwechsel im ersten Reichsamt vor der Hand zu denken. Im preußischen Staatsministerium mögen, wie gesagt, die Dinge anders liegen, im Reiche sind dagegen nennenswerte Aendernngen nicht zu erwarten.
Die Reise unseres Kaisers nach der englischen Insel Wight zur Teilnahme an der dortigen großen Iachtregatta, bei welcher die von dem Monarchen selbstgeführte Dacht zwar als die erste ans Ziel kam.
Sie wollte alles wissen und glaubte ans den Briefen auch alles zu erfahren. Sie nahm einen der Briefe zur Hand und glaubte sofort bie Schriftzüge ihrer Tochter zu erkennen. Sie konnte zwar nur mit großer Anstrengung ihrer Augen bie Buchstaben entziffern, aber es ging schließlich doch, namentlich weil sie wollte. Der Bries lautete:
„Liebes Kind!
Den Gedanken an einen Besuch meinerseits auf Schloß Hoheneck mußt Du dir, so leid es mir ist, Dir dadurch weh zu thun, aus dem Sinn schlagen. Ich kann nie und nimmer auf Schloß Hoheneck fein und es ist mir leider auch unmöglich, Dir den Grund anzugeben. Er ist mit unserem Unglück so eng verwachsen, daß ich zu den mancherlei Heimlichkeiten, unter denen ich Dich groß gezogen habe und groMehen mußte, auch noch diese Heimlichkeit fügen muß. Frage mich also weiter nicht darnach und quäle mich nicht darum, wenn Du mich liebst.
Unendlich wohl hast Du meinem Herzen ge- tijan durch die Mitteilung, daß es Dir aus Schloß Hoheneck immer mehr und mehr gefällt und daß Deine Dir unerklärliche Zuneigung zur alten Gräfin von Hoheneck von Tag zu Tag wächst. Du weißt nicht, mein liebes Kind, wie unendlich glücklich Du mich dadurch magst. Denke daran, daß alles Herzliche und alle Liebe, die Du der alten Dame anthust, so gut ist, als ob Du sie mir, Deiner Mutter antijäteft. Warum ist Dir diese Liebe so unerklärlich? Sind wir nicht alle Menschen? Gehören wir nicht alle zusammen und haben die Pflicht, uns gegenseitig zu lieben?
Der kleine Wolf hat schreckliche Sehnsucht nach Dir und ich kann ihn nur beruhigen, indem ich ihm sage, daß ich schon das Christkind ge-
Erscheint täglich außer an Werdagen nach Sonn- und Feiertagen. - Ouartal-Abonncments-PreiS bei der Expedition 2 Md, bei allen Postämtern 2 Mk. 26 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 26 Pfg.
beten habe, Dich zu den Weihnachtsfeiertagen herzubringen. Wenn Du es also für einen oder zwei Tage machen kannst, so komm Deines kleinen Brüderchms halber; ich mache bann von ber Gelegenheit, mich an Dir zu freuen, Gebrauch. Wenn Du aber der Gräfin von Hoheneck nicht entbehrlich bist, ober wenn sie Dich auch nur nicht gern entbehrt, so stehen wir natürlich zurück.
Mit tausend Grüßen und Küssen Deine Mutter E. verw. Dörner "
„E" verw. Dörner. Das „E" konnte auch Emilie oder Elisabeth oder Ella oder sonstwie heißen. Mußte es denn durchaus Ermelide heißen? Wie der Erttinkende an einen Strohhalm klammerte sich Gräfin Christine an diese Hoffnung. Die langen Jahre der Einsamkeit und des Kummers waren wie Hammerschläge auf ihre Seele gefallen, hatten sie alt gemacht. Jetzt, im Alter, mit weißem Haar, halb blind, sollte sie nun plötzlich wieder verlieren, was sie soeben erst gefunden zu haben glaubte? Sollte sie wieder, ohne den Tritt eines Marschkameraden an ihrer Seite zu hören, allein dem Grabe zuwanken? Und wenn es auch ein gräflich Hoheneck'sches Grab war, es war deshalb doch so einsam, wie jedes andere!
In diesem Augenblick trat Fräulein Dörner ein. „Tante!" rief sie überrascht, aber freudig erregt, „Du bist hier und ich wußte es nicht?"
Ernst und gemessen erhob sich Gräfin Christine bei ihrem Eintritt.
„Wen stellt dies Bild dar?" fragte sie kalt
„Das ist Mama," antwortete Cäcilie rasch und freundlich, aber mit einem Anflug von Stolz.
„Deine — Ihre Mutter ?" rief Gräfin Christine, die nur noch mit größter Anstrengung den Ausbruch eines innerlichen Sturmes niederhielt.
Marburg,
Sonntag, 7. August 1892.
Die Marschkamera-e«.
Bon Waldemar Urban.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Nach einem lebenslänglichen Kampf diese neuen Prüfungen! Wie wenn böse Geister sie umringt hätten, war es der Greifin, als müsse sie mit einem kräftigen Schlag auf den weichen Scheitel des ahnungslosen Mädchens den Spuk zertrümmern, die Ehre von Hoheneck wieder her- stellen, ihrem Herzen und Gemüt wieder Ruhe verschaffen.
Dann aber kamen wieder die Stunden, in denen sie all' die kleinen Wohlthaten einer liebenden Sorgfalt empfand; sie fühlte die zarte Aufmerksamkeit, mit der das junge Mädchen, bewußt oder unbewußt, berechnend eher unwillkürlich — Gräfin Christine wußte es nicht— sie bei Tag und Nacht umgab; wie sie auf ihre kleinen Liebhabereien Acht gab, sich ihre Gewohnheiten merkte, ihre Wünsche zu erraten suchte, den Hinfälligkeiten und Gebrechlichkeiten des Alters ihre jugendlichen Glieder und Sinne mit einer Willigkeit und mit einer Engelsgeduld lieh, wie sie nnr die Liebe hat, nur die Liebe haben kann; kurz, sie hörte den Tritt ihres Marschkameraden neben sich, der sie wieder freundlich und zuversichtlich machte, die bösen Geister der Ahnungen und — Gewissensbisse zerstreute.
Endlich stand Gräfin Christine auf und ging mit festen Schritten durch mehrere Zimmer. Sie war nicht die Frau, die zwischen Furcht und Hoffnung wie ein Spielball schwankte. Sie wollte Klarheit und Gewißheit.
„Ist Fräulein Dörner im Schloß?" fragte sie einen Bedienten, dem sie begegnete.
„Zu dienen, gnädigste Gräfin, sie wird in ihrem Zimmer sein. Befehlen Sie, daß ich sie rufe?"
„Nein," sagte Gräfin Christine rasch und be» stimmt, „ich werde zu ihr gehen "
Der Diener mußte sich aber geirrt haben, das Zimmer war leer, als Gräfin Christine eintrat Mit hastigen Blicken sah sie sich um. Es war das erstemal, daß sie das Zimmer betrat, in dem sich ihre Gesellschafterin häuslich niedergelassen hatte und mit einer gewissen Neugier wollte sie nun sehen, wie das stille, tief innerliche Wesen, die etwas träumerische Herzlichkeit, die Frau Gräfin Christine an der jungen Dame so gründlich kennen und lieben gelernt, sich hier eingerichtet und geäußert habe. Auf dem kleinen, mit einer eigentümlich spielerischen Zierlichkeit hergerichteten Schreibtisch lagen eine Briefmappe, Briefe und ein angefangener Brief der Bewohnerin umher und als Gräfin Cristine näher trat, fiel ihr auch ein Moraständer auf, in dem das Bild einer Frau von etwa vierzig ober einigen vierzig Jahren sich befand. Die Züge der Frau waren kräftig entwickelt, fast hart, wurden aber durch ein mildes hingebendes, etwas schwärmerisches Augenpaar in anmutender Weise verschönt. Die Augen waren die nämlichen, wie Fräulein Dörner sie auch hatte, zwei Sterne, die in wohl- thuender Innerlichkeit leuchteten.
„Ermelide!" schrie Gräfin Christine plötzlich auf und fuhr hastig mit der Hand nachdem Herzen, das ihr zu zerspringen drohte.
Wie kam das Bild hierher? War es der Hohn gegen die gräflich Hoheneck'sche Ehre, oder war es, was sie noch mehr fürchtete, die Kindesliebe, die es so demonstrativ dort aufgestellt hatte? Oder beides? Sie faßte das Bild mit kräftiger Faust und wollte es zu Boden schleudern. Aber sie besann sich noch anders, legte es bei Seite und setzte sich an den Tisch, um die Papiere zu untersuchen, die da lagen.
Anzeigen nimmt entgegen die Erpedition dieses BlaiteS, sowie dieAnnoncen-Bureaux vonHaasenstein u.Vogler in vvttit Frankfurt a. M., Caffel, Magdeburg und Wien; Rudolf AÄVll. .sUlUgtlUg Mosse in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L.
Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain Illustriertes Sonntagsblatt.
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