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f Wöchenlliche Bellagm: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Lrvck wnb Brr log: Joh. Äug. koch, Unioerfü alK-Buchdruckerri in Marburg, kO'Attttf ftrt&hKft'H' Berantwortlicher Redakteur: Christoph Raurenhau» in Marburg

Redaktion und Expedition: Markt 81. Redaktion und Expedition: Markt 21.

M 181.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Ouartäl-AbonnernentS-PreiS bei der Expe­dition 8 Mk., bei allen Postämtern 8 Mk. 85 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 85 Pfg.

Marburg,

Donnerstag, 4. August 1892.

Anzeigen nimmt entgegen die Erpedition dieses Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moste in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.

XXVII. Jahrgang.

Die landwirtschaftliche Statistik war im deutschen Reich bis jetzt etwas hinter der­jenigen anderer Kulturstaaten zurückgeblieben. Aus­gezeichnet war sie nur durch eine gute landwirt­schaftliche Betriebsstatistik, Verteilung des Bodens nach Wirtschaftsgrößen, die bei Gelegenheit der großen Berufszählung von 1882 ausgenommen worden ist. Eine Statistik des Anbaues der Feldsrüchte war 1878, 1883 und seitdem nicht wieder zu Stande gekommen; daher entbehrte auch die jährliche Ernte­statistik der wünschenswerten Grundlagen, weil doch die Erntemengen nicht ohne zutreffende Angaben über die Anbauflächen richtig ermittelt werden können; eine Viehzählung war 1873, 1883 und bis jetzt nicht wieder vorgenommen worden. Die Bedürfnisse der Verwaltung'und der Landwirtschaft selbst, wie auch des Handels haben aber doch nun zu einer erheblichen Erweiterung und Verbesserung der land­wirtschaftlichen Statistik des Reichs geführt. In einigen der deutschen Staaten wurde auf diesem Gebiet ohnehin schon mehr geleistet, als von Rcichs- wegen verlangt war.

Zunächst wird am 1. Dezember dieses Jahres wieder eine Viehzählung veranstaltet werden, welche ihrem Umfange nach derjenigen von 1883 entsprechen wird; und es ist Anordnung getroffen, daß solche Zählungen künftig jedes zehnte Jahr wiederholt werden. Da aber die Erfahrung gezeigt hat, daß Zählungen in so langen Perioden für die Beobachtung in der Bewegung des Viehbestandes nicht genügen, so ist beschlossen worden, zwischen diese größeren Zählungen die auch die Altersklassen, das Ge­wicht und die Werte der Tiere berücksichtigen sollen kleinere einzuschieben, die in der Mitte der Zählungs­periode, also zunächst 1897, wenigstens die Stück­zahl der verschiedenen Viehgattungen feststellen.

Zweitens soll vom nächsten Jahre an eine regel­mäßige Berichterstattung über den Saatenstand, wie sie in Bayern, Sachsen, Württemberg schon seit längerer Zeit besteht, nebst vorläufigen Berichten über den Ausfall der Ernte, bald nach Beendigung derselben, eingeführt werden. Diese Berichte sollen monatliche sein, von April anfangen und im Herbst mit Schätzungen über den Ernteausfall enbigett. Sowohl der deutsche Landwirtschaftsrat als eine größere Anzahl von Handelskammern haben diese Einrichtung für das Reich lebhaft befürwortet. Es wstd sich also darum handeln, das Reich mit einem Retz von landwirtschaftlichen Vertrauensmännern, die von den landwirtschaftlichen Vereinen aufzustellen

Die MarschlraiveraLeit.

Bon Waldemar Urban.

jRachdruck verboten.)

Es war ein heißer Auausttag. Durch die alte schattige Buchenallee, die zum Schloß Hoheneck hin­führte, schritt ein junges Mädchen, das allem An- schein nach schon einen für seine etwas schwächliche Konstitution beschwerlichen Marsch hinter sich hatte tob nun froh war, endlich das epheuumwucherte, in mittelalterlicher, stark verwitterter Gothik ausge- sührte Schloß vor sich zu sehen Das kleine, zier­liche, aber etwas verschüchterte Gesichtchen war über­müdet, die Schuhe und der Saum des Kleides be- staubt, der sehr einfache Cröpehut saß etwas schief

Weit und breit war fein Mensch zu sehen, schloß und Park schienen in eine sommerliche Träu­merei, in eine ländliche Ruhe und Eintönigkeit ver­sunken zu sein, die der jungen Dame um so mehr totfiel, als sie an das tosende Treiben der benachbarten Großstadt gewöhnt war. Sie atmete unwillkürlich iies auf, als ob die leichtere, von Heudust geschwän- gkrte Lust und die tiefe Stille, die sie umgab, ihren Nerven wohlgethan hätten. Endlich trat sie durch das Hauptportal in den geräumigen, ange­nehm kühlen Burghof ein. Auch hier war niemand M sehen. Einige Hühner liefen suchend und pickend herum, die gegenüberliegende Thür, die in das Innere des Schlaffes führte, stand sperrangelweit offen, lieber derselben war ein Ritterwappen in Sandstein angebracht, das kaum noch erkennbar einen Helm zeigte, aus dem ein Kornhalm hervorwuchs. Darunter stand tief ein gegraben, aber ebenfalls sehr verwaschen und verwittert: Dum sprio, spero.

Schüchtern blieb die junge Dame stehen. Sie sürchtete, den tiefen Frieden, in dem offenbar das

sein werden, zu überziehen, und den Nachrichtendienst so zu ordnen, daß regelmäßige Monatsberichte an die Landes-Zentralstellen oder direkt an das kaiser­liche Statistische Amt gelangen, welches letztere dieselben mit Beschleunigung zu einem Gesamtbilde zu verarbeiten und zweckmäßig zu veröffentlichen hat.

Drittens soll im nächsten Jahre die Anbaustatistik wiederholt werden, um eine neue und zuverlässige Grundlage für die Erntestatistik zu schaffen. Diese Anbaustattstik soll fortan regelmäßig jedes zehnte Jahr ausgenommen werden, und damit inzwischen die Flächenangaben, welche zur Berechnung der Ernte­mengen dienen, nicht ganz veralten und somit falsch werden, soll von Jahr zu Jahr eine Revision dieser Angaben bezüglich der hauptsächlichen Früchte, auf die sich die Erntestatistik erstreckt, vorgenommen werden.

Viertens sind über die jährliche Erntestatistik neue Bestimmungen getroffen, welche abgesehen von den vorhin erwähnten vorläufigen Ernteberichten die bisherige Methode der Erhebung bestehen lassen, aber eine Vereinfachung der Aufnahmen Fortfall der Angaben über die Mengen des geernteten Strohs u. s. w. vorsehen und eine Ableitung zur Aus­führung der Erhebung geben.

Diese Verbesserungen unserer landwirtschaftlichen Statistik vermehren natürlich auch die Arbeit für dieselbe; aber die moderne Volkswirtschaft fordert die ziffermäßige Feststellung ihrer Verhältnisse und Bewegungen durch die Statistik, und diese bildet einen Bestandteil der Verwaltung, der ebenso wenig ent­behrlich ist, wie alle anderen Teile derselben.

Deutsches Reich.

Aerki«, 3. August. Das Befinden unseres Kaisers ist nach den hier eingegangenen Nach­lichten das allervorzüglichste. Auch während der letzten Reisetage hatte Allerhöchstderselbe in gewohnter Weise die laufenden Regieruugsangelegenheiten er­ledigt und die regelmäßigen Vorträge entgegenge­nommen. Dem Vernehmen nach dürfte Se. Majestät mit den Herren feiner Umgebung bereits am 6. d. Mts. aus England wieder nach dem Marmorpalais zurückkehren. Ihre Majestät die Kaiserin er­freut sich auch während ihres Aufenthalts im Marmor­palais ununterbrochen des allerbesten Wohlseins und unternahm in der letzten Zeit von dort aus bei dem besonders günstigen Wetter fast täglich Spazier­fahrten in die nächste Umgegend von Potsdam und Promenaden in den Parkanlagen in der Nähe des Marmorpalais. Das Staatsministerium

Schloß und seine Bewohner ruhten, zu stören. Die Sorge um das tägliche Brot, der Kummer um Vergangenheit und Zukunft, wie sie ihn im Herzen trug, die Unruhe und Aufregung eines täglich um seine Existenz ringenden Geschöpfes schienen ihr nicht hierher zu paffen.

Was wünschen Sie denn, mein Fräulein?" hörte sie plötzlich eine Stimme hinter sich sprechen. Sie drehte sich hastig um und sah, wie eine Frau von etwa sechzig Jahren eben aus einer Thür trat, die in den Parterreraum der Vorhalle führte.

Ich wünsche Frau Christine, Gräfin von Hoheneck zu sprechen."

Co so, die alte Gräfin wollen Sie sprechen. Vermutlich sind Sie die neue Gesellschafterin, mein Fräulein?"

Ich bin es noch nicht, aber ich hoffe es zu werden. Ich komme, um mich der Frau Gräfin vorzustellen."

So so' Nun, das ist schön von Ihnen. Aber io rasch geht das nicht, mein Kind. Treten Sie wch ein wenig hier ein. Wenn ich mich nicht täusche, find Sie den langen Weg aus der Stadt bis hierher zu Fuß gegangen."

Ja," klang es bescheiden. Die junge Dame mochte recht gut wissen, warum sie zu Fuß,ging.

Bei der Hitze! Nun, Sie müssen sich erst ein wenig abkühlen und ausruhen. So lasse ich Sie nicht zu unserer Gnädigen. Sie müssen nämlich wissen, daß unsere Gnädige sehr auf Etikette hält und wenn Sie etwas ausrichten wollen, so müssen Sie mir schon erlauben, Sie erst ein wenig herzu­richten Gott, wie Sie heiß sind, mein gutes Kind! Legen Sie nur ein wenig ab. Haben Sie Trauer?"

Die junge Dame wollte auf diese Frage etwas antworten, aber der Schmerz, die Erinnerung an

hat am Sonntag die Grundzüge der Miauel'schen Steuerreform angenommen. Dem Vernehmen nach soll nur der Minister des Innern, Herrfurth, einen entschiedenen Widerspruch dagegen erhoben und diesen an der Hand eines sorgfältig ausgearbeiteten Gut­achtens eingehend begründet haben. Da seine Be­denken bei der großen Mehrheit der Mitglieder des Staatsministeriums keine Berücksichtigung gefunden haben, so nimmt man in unterrichteten Kreisen an, daß der Rücktritt des Ministers Herrfurth eine Frage der Zeit sei. Bestätigt sich diese Annahme, dann liegt die Vermutung nahe, daß der Ministerpräsident Graf Eulenburg das schon einmal von ihm verwaltete Ministerium des Jnnem übernehmen werde. Ueber die Bedenken des Herrn Herrfurth gegen die Miquel- schen Pläne sind bei der Ungewißheit der Umrisse der Entwürfe nur Vermutungen möglich. Zu den Ereignissen am Kilimandscharo schreibt die MünchenerAllg. Zig.":Man braucht nur einen Blick in die freisinnigen Blätter zu werfen, um sich davon zu überzeugen, daß dort das gehässige Vorurteil gegen jede Kolonialpolitik Deutschlands nach jedem Mißerfolge an Boden gewinnt. Mit Hohn wird die Fordemng nach einer Verstärkung unserer Schutztruppe zurückgewiesen und alle Schuld der Tollkühnheit unserer Offiziere zugeschrieben. Demgegenüber ist doch nachdrücklich zu betonen, daß der politische Mißerfolg, das gesunkene Ansehen der deutschen Macht unter den Schwarzen das eigentlich treibende Moment war und daß Bülow erst vorging, nachdem ihm in aller Form der Krieg durch Meli erklärt worden war, und daß sämtliche den Deutschen verbündet gewesenen Häuptlinge zum Feinde überge- treten sind! Jene Schwarzen aber gehen stets mit Demjenigen, den sie für den Stärkeren halten!"Da ließ sich gut befehlen, jedem Konflikte bei Zeiten auszuweichen! Die Position war diplomatisch und militärisch verspielt und der Kampf am Kilimandscharo nur eine logische Konsequenz dessen, was sich vorher entwickelt und vorbereitet hatte. Wir wüßten nicht, was Freiherr von Bülow sonst hätte thun sollen ein Rückzug ohne Kampf wäre nur noch schlimmer in feinen moralischen Wirkungen gewesen. Verloren scheint uns aber noch nichts! Der letzte Eindruck ist bei den leichtvergessenden Eintagsmenschen jener afrikanischen Quasistaaten doch stets der stärkste, und wenn wie wir zuversichtlich hoffen jetzt energisch vorgegangen wird und ein großer Schlag den gebrochenen Respekt vor dem deutschen Namen wiederherstellt, kann diese Niederlage noch zum segens­reichen Wendepunkte unserer Kolonialpolitik werden."

einen schweren Verlust übermannte sie derart, daß sie nichts erwidern konnte. Sie zuckte nur schmerz­lich mit den Lippen und fuhr bann hastig mit dem Taschentuch nach den Augen.

Der Vater--,* klang es bann leise von

ihren Lippen.

Ach, daß Gott sich erbarme, weinen sie nicht, schönes Kind; es ist schade um Ihre schönen Augen."

Dann sah die Frau, die wohl das Amt einer Pförtnerin versah, die junge Dame aufmerksam an, als ob sie über ihr Aussehen zu erstaunen habe, und indem sie sich, wie eine Kammerfrau behend mit Bürste und Kamm über sie hermachte, konnte sie doch nicht umhin, ihr gutmütiges Bedauern mit der Frage zu unterbrechen:

Wie heißen Sie denn, mein liebes Kind?"

Cäcilie Dörner "

Dörner?" fragte die alte Frau wie erschreckt, wirklich Dörner, mein liebes Kind? Nicht etwa Dornau?"

Nein, Dörner."

Das ist aber doch sehr merkwürdig, nein so merkwürdig und ich wollte darauf schwören, daß Sie ihr ähnlich sehen und--wie alt find Sie

denn, Fräulein Dörner?"

Ich werde im Dezember achtzehn."

Achtzehn! Hm, Hm, das ist aber doch sehr merkwürdig. Und Ihr Vater war Schauspieler, nicht wahr?"

Nein. Mein Vater war Notenabschreiber. Aber er ist schon lange vor seinem Tode krank ge­wesen und konnte nichts verdienen."

Ach, daß Gott sich--das ist ja ein wahres

Golgatha. Und doch möchte ich darauf schwören, daß ich solche Augen schon--nun 'S ist gut.

Jetzt sehen Sie ja wieder schmuck und flott aus und

Hessen-Nassau.

Marvnrg, 3. Ang. Wie im Amtlichen Kreis­blatt vom 27. v. M. mitgeteilt wurde, hat der Herr Finanzminister angeordnet, daß die gemäß § 20 deS Gebäudesteuergesetzes vom 21. Mai 1861 alle 15 Jahre stattfindende Revision der Gebäudesteuer- Veranlagung in diesem Jahre stattfinden soll. In hiesiger Stadt sind die Vorbereitungen hierzu bereits getroffen und werden den Hausbesitzern die betteffenden Formulare in diesen Tagen zugehen. Da seit der letzten Aufnahme dieser Art am hiesigen Ort ein nicht unerheblicher Rückgang der Metpreise zu konstatieren fein wird, so steht zu erwarten, daß dementsprechend auch eine Ermäßigung der Gebäude­steuern, als logische Folge dieser Aufnahme, ein­treten wird.'

Marvnrg, 3. August. Heute Vormittag er­folgte an dem Neubau der Weidcuhäuserbrücke die Einfügung des Gedenksteins mit den in der gestrigen Ausgabe unseres Blattes verzeichneten Urkunden rc. Letztere wurden, in einer von Herrn Spenglermeister Werneck angefertigten und luftdicht verschlossenen Zinkkapsel verwahrt, dem Mauerwerk der Brücke ein­verleibt und zwar an der dem Mühlhofe zugekehrten Seite des ersten diesseitigen Landpfetlers. Am Schützenpfuhlbrückenbau schreiten die Arbeiten so rasch vorwärts, daß morgen die Wölbung der ge­samten Brücke vollendet sein wird.

Marvnrg, 3. August. Der hiesige Männer­gesangverein Liederverein begeht am nächsten Sonnabend, Sonntag und Montag sein 50 jähriges Stiftungsfest. Das jetzt enbgiltig aufgestellte Fest­programm istfolgenbes: Sonnabenbben6.August, Abenbs 8 Uhr, Ervffmmgskommer? im QmMinffchnr Saale. Begrüßung ber erschienenen Gäste. Sonn­tag ben 7. August, Nachmittags 3 Uhr, Aufstellung bes Festzuges in ber Bahnhofstraße. Abmarsch um 3 V2 Ufjr nach bem Festplatz, bem früheren Museums­garten vor bem Barfüßerthor. Ansprache. Vokal- unb Instrumental-Konzert. Schluß gegen 7 Uhr. Nach einftünbiger Pause Tanz. Italienische Nacht. Montag ben 8. August, Vormittags 101/2 Uhr, Frühschoppen mit Musik auf Leberers Terrasse. Von Nachmittags 3 Uhr ab Volksfest in ben Anlagen des Dammelsberges. Tanz. Wir richten an die hiesige Einwohnerschaft nun die Bitte, ihrer warmempfundenen Teilnahme an diesem Jubelfeste desLiedervereins" auch durch Aus­schmückung der Straßen und Häuser Ausdruck zu geben.

nun vorwärts mit frischem Mut. Nur nicht mehr meinen, mein Fräulein! Sie wissen, mit Thränen im Ange ist man keine gute Gesellschafterin, wenigstens nicht für jeden. Und ich wünsche Ihnen alles Gute, wahrhaftig, bloß Ihrer Augen wegen. Sie ist wohl streng und hart und hält auf Etikette, unsere alte Gnädige, aber sie ist gerecht. Sie dürfen sich auf sie verlassen. Dort hinein, mein Fräulein, gerade durch'S Thor hinein inS Schloß und die große Treppe hinauf! Dort werden Sie schon den Diener finden, der Sie zurechtweist."

Fräulein Dörner ging und hinter sich hörte sie die alte gutmütige Frau noch mehrerernale:Nein, so was, nein so was!" rufen. Was hatte sie denn? Sah sie wirklich jemandem ähnlich, der hier bekannt war?

Cäcilie stieg die breiten, außerordentlich bequemen Steinstufen der im Mittelgebäude befindlichen und wohl schon mehrere Jahrhunderte alten Treppe hin­auf. Mächttge Sandsteinverzierungen, in welche die Treppengeländer ausluden und die ebenfalls das am Hauptthor befindliche Wappen mit der sonder­baren Inschrift trugen, gaben dem Treppenbau etwas altehrwürdiges. Die Korridore, die von der Treppe aus in die verschiedenen Teile des Schlosses führten, waren so breit und altväterisch, daß man eine ganze moderne Wohnung mit all den mehr ge« zierten als zierlichen Fabrikmöbeln der Neuzeit hätte hineinsetzen können.

Verlegen blieb Fräulein Dörner wieder stehen. Sie wußte nicht, wohin sie sich zu wenden hatte. Es gefiel ihr hier so ausnehmend gut; es war alles so solid, so vertrauenerweckend, so traulich ruhig, so anheimelnd aber es war alles einsam! Auch hier war niemand zu sehen.

Sie hustete ein wenig, um sich bemerklich zu