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Lrschrnü täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Quartal-AbonnementS-PreiS bei der Expe­dition 2 Mk bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JnserttonSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 26 Pfg.

Marburg,

Sonnabend, 23. Juli 1892.

Anzeigen nimmt entgegen die Erpedition dieses Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in ,

Frankfurt a. M Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf aXVII. fcGDtQlUKl Moste in Frankfurt a. M>, Berlin, München u. Köln; G. L. v / d d

Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.

Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Druck und «erlog: Joh. Ang. Koch, Universitals.Buchdruckerei in Marburg. Verantwortlicher Redakteur: Christoph RautenhauS in Marburg

Redaktion unb Expeditton: Markt 21. wVUUiU||vVIUIl« Redaktion und Expedition: Markt 21.

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Deutsches Reich.

W. Aerlin, 22. Juli. Bezüglich der Reis en des Kaisers verlautet folgendes: Nach der großen Parade am Sedantage gedenkt der Kaiser einer Ein­ladung nach Schweden zu folgen und in Götaland einige Tage auf Elche zu jagen. Alsdann Reife nach Koblenz, wo Parade stattfindet, und zu den reichsländischen Manövern nach Metz. Von hier aus ist ein Ausflug nach der Besitzung Urville in Aussicht genommen, auf den die Besichtigung des XIV. und XIII. Armeekorps mit Besuchen in Karlsruhe und Stuttgart folgen soll. Das XIV. Korps wird bei Pforzheim vor dem Kaiser manövrieren. Von den Manöverreisen nach Potsdam zurückgekehrt, wird der Kaiser wahrscheinlich zu Anfang des Herbstes noch einen etwa achttägigen Aufenthalt in dem Jagdschlösse Rominten nehmen. Der Kaiser hat in Rücksicht aus die bevorstehende Entbindung der Kaiserin be­fohlen, daß die kirchlichen Fürbitten für eine glück­liche Entbindung der K a i s e r i n am Sonntag, den 24. d. M. ihren Anfang nehmen. Der evangelische Lber-Kirchenrat hat in dieser Beziehung die erforder­lichen Anordnungen ergehen lassen. Die Kaiserin ist aus dem Neuen Palais am Donnerstag nach dem Marmor-Palais übergesiedelt. Die kleinen kaiserlichen Prinzen sind nach Wilhelmshöhe abgereift. Die Throne dreier deutscher Königreiche werden künftig von österreichischen Erzherzoginnen ge­teilt werden. Neben den präsumtiven Thronerben in Bayern und Württemberg ist auch der voraussichtliche Thronerbe in Sachsen, Prinz Friedrich August, seit einem Jahre mit einer Erzherzogin von Oesterreich, Tochter des Großherzogs von Toskana, vermählt. DerReichsanzeiger" veröffentlicht das Gesetz betr. die Einführung der Landgemeindeord- n u n g für die sieben östlichen Provinzen der Monarchie vom 3. Juli 1891 in der Provinz Schleswig-Holstein vom 4. Juli 1892. Ob die große Militär­vorlage dem Reichstage bereits in der nächsten Tagung zugehen soll, wird erst nach der Rückkehr des Kaisers von der Nordlandsreise entschieden werden. Als sicher ist aber jetzt schon zu betrachten, daß einige Militärvorlagen von minderer Bedeutung dem Reichstage im Herbst zugehen werden. Dahin ist zunächst der in der verflossenen Tagung gänzlich unerledigt gebliebene Gesetzentwurf über ben Verrat militärischer Geheimnisse zu rechnen. Ferner befindet sich eine Vorlage über den Schutz der Militärbrief­tauben in der Ausarbeitung, die aller Voraussicht nach ebenfalls bereits im Herbst an den Bundesrat

A-ppeltes Spül.

Novelle von Friedrich Meister.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Sie haben recht," Herr Hauptmann, sagte Fräulein MehringIch wählte jene Charakter­maske aus alten Erinnerungen. Auch ich habe die Frau Piraly gekannt ich hätte aber nicht ge­raubt, daß das Original so leicht zu erkennen ge­wesen wäre."

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Ich versichere Ihnen, daß ich anfänglich die Geheimrätin leibhaftig vor mir zu sehen meinte," versetzte Amberg.Sie müffen mit derselben viel verkehrt haben."

Ich habe zwei Jahre als Gouvernante in ihrem Hause zugebracht."

Amberg machte große Augen.

Dann haben Sie wohl gar auch mich dort aus- anb eingehen sehen?" fragte er gespannt.

Gewiß, Herr Hauptmann, mehr als einmal."

Merkwürdig, daß ich mich Ihrer aus jener Zeit gar nicht erinnere, gnädiges Fräulein!"

Das ist durchaus nicht zu verwundern. Ich war dort nur die Gouvernante und wurde immer aus dem Gesichtskreis geschickt, wenn man Herren­besuche erwartete. Aber einigemal sah ich Sie doch und außerdem plauderten die jüngeren Kinder viel von Ihnen."

Bitte, beurteilen Sie meine Frage nicht falsch, gnädiges Fräulein hatten Sie mich auf dem Saturno" wiedererkannt?"

Mein Gedächtnis ist ein sehr gutes; ich wußte sogleich, wer Sie waren."

Und davon sagten Sie kein Wort!" ries der Hauptmann vorwurfsvoll.

und Reichstag gelangen wird. Daß sich der Reichs­tag in seiner bevorstehenden Tagung bereits mit der geplanten neuen Militärstrafprozeßordnung be­schäftigen wird, ist sehr unwahrscheinlich. Es ist kürzlich schon festgestellt worden, daß sich dieser Entwurf noch stark im Rückstände befindet. Der Schulbestand Preußens war im Sommer 1882 folgender: Es bestanden 253 Gymnasien, 36 Progymnasien, 90 Realgymnasien, 85 Real­progymnasien, 12 Ober-Realschulen, 17 Realschulen und 20 höhere Bürgerschulen. Im Sommer 1890 bestanden 268 Gymnasien, also 15 mehr, 46 Pro- gymnasien, also 10 mehr, 87 Realgymnasien, d. h. 3 weniger, 86 Realgymnasien, d. i. 1 mehr, 9 Ober­realschulen, also 3 weniger, 20 Realschulen, also 3 mehr, 33 höhere Bürgerschulen (im Winter 35), mithin 13 (bezw. 15) mehr als im Sommer 1892. Die Schüler­zahlen waren im Sommer 1882: Gymnasien 78126, Progymnasien 1087, Realgymnasien 26 725, Realpro­gymnasien 9428, Ober-Realschulen 4120, Realschulen 4161, höhere Bürgerschulen 4514; im Sommer 1890 betrugen die entsprechenden Zahlen: 77 811 (315 weniger), 4618 (531 mehr), 26 272 (453 weniger), 8858 (570 weniger), 4177 (57 mehr), 6940 (2779 mehr), 10 298 (5784 mehr). Mithin gab es im Sommer 1890 im Ganzen 807 Latein­schüler weniger, als im Sommer 1882, hingegen 8620 lateinlose Schüler mehr. Hierbei ist zu berück­sichtigen, daß dieselben aus dem Jahre 1890 noch nicht unter dem Einfluß der Reformkonferenz standen. Für die Textilindustrie ist Kamerun, wie dasDeutsche Kolonialblatt" schreibt, ein Absatzge­biet von zunehmender Bedeutung. Die Kameruner haben sich nicht nur seit langer Zeit schon an Kleidung gewöhnt, für welche sie größere Vorliebe an den Tag legen, als andere Negerstämme, sondern es macht sich jetzt auch bereits ein Uebergang zum Luxus be­merkbar, indem sogar Sammet und Seide vielfach an die Stelle der Baumwollstoffe treten. Wie weit das Bedürfnis nach Kleidung entwickelt ist, beweist die Thatsache, daß man selbst am oberen Mungo, Wuri und Samaga mit Hosen bekleidete Eingeborene trifft. Die jüngeren Leute tragen neuerdings mit besonderer Vorliebe neben dem hergebrachten Hüften­tuch weiße baumwollene Jacken. Die in Kamerun eingeführten Gewebe sind entweder deutschen oder englischen Ursprungs. Die Eingeborenen ziehen die deutschen Fabrikate den englischen vor, da sie weniger von der Nässe leiden und farbechter sind; trotzdem steht die Einfuhr aus Deutsch­land hinter der englischen z. Z. noch zurück.

Aber ich bitte Sie, lag denn ein Grund dazu vor?" lächelte sie.

Das nicht," versetzte er ernst. Nach einer kurzen Pause fuhr er fort:

Wenn Sie vor sieben Jahren im Piralyschen Hause waren, dann ist Ihnen sicher auch etwas über jenen Vorgang ich will sagen, jenem tra­gischen Vorgang zu Ohren gekommen, in welchem ich eine so eigentümliche Rolle spielte, nicht wahr?"

Lina antwortete durch ein stummes Neigen des Kopfes.

Wieder entstand eine längere Pause.

Sie müssen eine außerordentlich scharfe Be­obachterin der menschlichen Natur sein," begann er endlich von neuem.Ich habe die Geheimrätin seit meiner Jugend gekannt und dennoch wußte ich bis zum Tage der Katastrophe von ihrem eigent­lichen Charakter so gut wie gar nichts. Dann aller­dings fiel es mir wie Schuppen von den Augen."

Sie dürfen nicht vergessen, Herr Hauptmann, > ich die Frau täglich in ihrer intimen Häuslich­keit zu beobachten Gelegenheit hatte, wo sie sich gab, wie sie war. Als ich vorgestern nach kürzester Vorbereitung die Rolle der Gräfin Sarrazin spielen mußte, da fiel mir die Ähnlichkeit des Charakters derselben mit dem der Geheimrätin auf; ich griff nach diesem Aushilfsmittel und so brachte ich, eigent­lich unwillkürlich, diese Frauengestalt auf die Bühne. Zum zweitenmal aber spiele ich die Gräfin Sarrazin nicht, dergleichen Rollen liegen mir nicht "

Amberg durfte diesen ersten Besuch nicht allzu lange ausdehnen. Die Damen hatten außerdem auch ihre Vorberettungen zur Abreise zu treffen. Zräulein Mehring war zu einer Reihe von Gast- pielen in den vornehmeren Badeorten engagiert worben.

Hinsichtlich bet Cholera hält Geheimrat Petten- kofcr in München, bekanntlich eine Autorität in Cholerafragen, eine besonbere Vorsicht Deutschlaubs, sowie Absperrungsmaßregeln für unnötig. Aus Thorn wirb berichtet: Die Polizei entfaltet bereits eine rege Thätigkeit, um Sauberkeit unb Reinlichkeit zu schaffen. Unsere Stabt hat zwar im Allgemeinen ein gesunbes Klima; bie vielen feuchten Wohnungen schaffen jeboch zuweilen Seuchen, unb ber Typhus ist ein häufiger Gast. In anbetracht bes Umstanbes, baß bie Cholera bisher ihren Weg von Rußland nach Deutschland stets über Thom genommen hat, ist besonbere Vorsicht wohl am Platze. Aus sani­tären Grünben hat, wie weiter aus Thom gemelbet Wirb, ber preußische Minister des Jnnem bie Auf­nahme aus Rußlaub auswandember Jubeu unter­sagt. Nach einer im Reichsmarineamt aufgestellten Berechnung besteht bie kaiserlich beutsche Marine gegenwärtig aus 15 Panzerschiffen, 17 Panzerfahrzeugen, 3 Kreuzerfregatten, 9 Kreuzer­korvetten, 6 Kreuzern, 3 Kanonenbooten, 8 Avisos, 9 Schulschiffen und 8 Fahrzeugen zu anbern Zwecken mit zusammen 219123 Tonnemaumiuhalt. Im Bau befinben sich 16 Kriegsschiffe, darunter 4 große Schlacht­schiffe von je 10000 Touneninhalt. Diese Schiffe werden sämtlich auf deutschen Werften hergestellt, und zwar in Kiel, Hamburg, Wilhelmshaven, Bremen, Stettin und Danzig. Das deutsche Marinepersonal besteht gegenwärtig aus 972 Offizieren unb 17 290 Mannschaften.

Bei ben meisten Schiedsgerichten in Unfallsachen wirb bie Praxis gehaubhabt, baß von einer Belehrung ber Berufungskläger über bas Rechts­mittel bes Rekurses abgesehen wirb. Demgegenüber hat neuerbings bas Reichs-Versichemugsamt in meh­reren an bie Schiebsgerichtsvorsitzenben gerichteten Schreiben barauf hingewiesen, baß Fälle vorkommm können, in denen es ausnahmsweise nicht nur zulässig sei, sonbem offenbar auch ber Absicht des Gesetzes entspreche, daß ein abgewiesener Berufungskläger auf bie Möglichkeit, das Schiedsgerichtsurteil im Rekurswege anzufechten, ausdrücklich von dem Vor­sitzenden hingewieseu werde. Insbesondere liegt hierzu bann Anlaß vor, wenn eine versicherte Person zwar einen Betriebsunfall unstreitig erlitten hat, aber unter Umstänben verunglückt ist, bie es zweifelhaft lassen, welche von zwei ober gar noch mehreren Berufs­genossenschaften für bie Folgen des Unfalles auf­kommen muß. Wenn in einem solchen Falle bie Entschäbigung abgelehnt wirb unb auch die ange­rufenen Schiedsgerichte, weil sie diejenige Bemfs-

Die Sommerhitze wirb auch Sie wohl bald aus Berlin treiben, nicht wahr, Herr Hauptmann ?" fragte Fräulein Winkler.

Die Hitze wohl kaum," lächelte Amberg.Daran habe ich mich in Afrika einigermaßen gewöhnt. Aber ich gehe übermorgen auf ärztlichen Befehl nach Elbersberg in die Wasserkur; der Doktor schwört, daß ich als neuer Mensch von dort wiederkehren würde"

Fräulein Winkler blickte ihre Nichte an.

Geht Frau Delacy, Deine Freundin, nicht auch nach Elbersberg?" fragte sie.

Jawohl, Tantchen," lautete die Antwort.

Ich hoffe, daß die Kur Ihnen heilsam sein möge," fuhr die würdige kleine Dame fort.Wasser thut zuweilen Wunder."

Eines Wunders bedarf es bei mir gerade nicht," versetzte Arnberg lächelnd.Wenn ich nur einen Teil meiner alten Kraft und Frische Wiedergewinne, bann will ich gern zufrieden sein."

Er wendete sich um. Lina hatte ihre strahlenden Augen mit einem Ausdruck auf ihn gerichtet, den er noch nie darin wahrgenommen. Jetzt schlug sie dieselben schnell nieder; eine Purpurglut stieg in ihren Wangen auf; sie erhob sich schnell und ging aus dem Zimmer. Durch Ambergs Adern aber schien sich ein Feuerstrom zu ergießen.

Die Tante kam eilig zu ihm heran.

Wir kommen im August auch nach Thüringen", flüsterte sie eifrig.Unweit Erfurt ist die Villa Viktoria, wo Lina sich von jeher mit Vorliebe für die Ferien einzumieten pflegt. Wmn Sie also bann noch in Elbersberg find..."

Linas Wiedereintritt unterbrach sie; der Hart­mann aber hätte bie gute alte Tante in seiner Freude umarmen können.

genossenschaft, für welche sie errichtet sind, nicht für haftpflichtig erachten, die Berufung zurückweifen, so empfiehlt es sich, daß die Vorsitzenden der Schieds­gerichte bei der Zustellung bes Urteils ben Berufungs­kläger schriftlich darüber belehren, wie er die Nach­prüfung des Urteils in der Rekursinstanz herbeizu­führen vermöge. Indem auf diese Weise auf bie endgültige Lösung des Streites in der höchsten In­stanz fördernd hingewirkt wird, ist zugleich im Sinne des Gesetzes nach Möglichkeit Vorsorge gegen das sozialpolittsch unerwünschte Ergebnis getroffen, daß der zweifellos entschädigungsberechtigte Verletzte ober die zweifellos entschädigungsberechtigten Hinterbliebenen eines Getöteten lediglich in Folge des Streites um die Passivlegifimatton unentschädigt bleiben. Vor­aussetzung der Belehrung über ben Rekurs ist selbst­verständlich, daß die Zulässigkeit des Rechtsmittels nicht für offensichtlich ausgeschlossen zu erachten ist.

Kaimover, 21. Juli. Dem Archivar erster Klasse Dr. ph.il. Georg Jrmer hierselbst (früher in Marburg) ist das Ritterkreuz des Königlich schwedischen Nordstern-Ordens verliehen worden.

Presben, 22. Juli. Die allgemeine lutherische Konferenz soll in diesem Jahre vom 20. bis zum 23. September in Dresden tagen. Diese Konferenz findet seit dem Jahre 1868 wiederkehrend statt, um die Glieder der verschiedenen lutherischen Kirchen­gebiete Deutschlands in freier Vereinigung durch brüderlichen Austausch ihrer Meinungen zur Pflege ihrer Gemeinschaft und zur Verständigung über ihre gemeinsamen Interessen einander zu nähern. Die Bekenntnisse der lutherischen Kirche bilden die Norm für ihre öffentlich stattfindenden Verhandlungen. Zur aktiven Teilnahme ist jeder Lutheraner berechtigt, der sich ihren Bestimmungen unterwirft. Daß die Kon­ferenz einem von vielen tief gefühlten Bedürfnisse entgegenkommt, beweist die zahlreiche Teilnahme an ihren bisherigen Vereinigungen in Hannover, Leipzig, Nürnberg, Schwerin, Hamburg und wieder in Han­nover. Es ist deshalb zu erwarten, daß auch die siebente allgemeine lutherische Konferenz viele Glaubens­genossen aus den verschiedenen Kirchengebieten in Dresden tiereinigen wirb.

Kissinger», 21. Juli. An ber Fahrt nach Kissingen am nächsten Sonntag beteiligen sich 4000 Personen ans Baden, Hessen und der Pfalz. Die Beförderung erfolgt in fünf Extrazügen, die von Mamcheim, Karlsruhe, Pforzheim, Heidelberg und Darmstadt abgehen.

Die Verabschiedung zwischen ihm und Fräulein Mehring hatte etwas Gezwungenes, fast Beklommenes.

War jener Blick bie Ursache davon?

IX.

Elbersberg ist ein romantischer, rings von Wald- bergen umgebener Ort. Eigentliche Kranke sind dort nicht anzutreffen, dafür aber um so mehr Müßiggänger, junge und alte, Männlein und Weib­lein. Das Bad steht in dem Ruf, durch feine wunderwirkenden Wasser zahlreiche Verlobungen und Ehen zuwege gebracht zu haben, ein Umstand, der feine Beliebtheit nicht verringert hat.

Amberg und Dornbusch hatten sich bald in dem eleganten, hotelartigen Sanatorium des Oberarztes Dr. Avenarius häuslich eingerichtet. Dornbusch fand unter den Kurgästen einige Bekannte, dem Haupt­mann aber waren die Leute sämtlich fremd.

Am Abend des zweiten Tages promenierte der Letztere in den Parkanlagen in der Nähe des Ein­gangsportals. Der Bahnzug aus der Hauptstadt war vor einer Viertelstunde eingetroffen und hatte einige neue Gäste gebracht, die jetzt angefahren kamen. Amberg stand still, um die Scene des Aussteigens zu beobachten. Plötzlich zuckte er zusammen, sein Herz begann mächtig zu klopfen und es überkam ihn wie ein Schwindel. Er hatte unter den Damen, die an ihm vorüberrauschten, Asta Piraly erkannt....

Die Baronin von Tattenbach ist hier," sagte er am nächsten Morgen beim Frühstück zu seinem Freunde.Gestern Abend angekommen."

Robert Dornbusch legte Messer und Gabel auf den Tisch nieder und starrte seinen Genossen an.

^Hm," versetzte er bann trocken.Woher weißt Du das?"

Heinrich erzählte.

So. Bist Du ihr vielleicht zufällig in Berlin