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Wöchenüiche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
fgtut «nd Verlag: Iol- Lug Rod>ÄT” *" **-» ZllusMertes Sonntagsblatt. Redaktion und ^xpeditton : Markt 21. ®
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Lricheint täglich autze: au Werktag« nach Sonn- und Feiertag«. — Ouartal-AbonnrmentS-Preis bei der Expedition 2 Mk., bei all« Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JnsertionSgebühr für die geipaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
Marburg,
Sonnabend, 16. Juli 1892.
Anzeigen nimmt mtgegm die Erpedition dieses Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moste in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
XXVII. Jahrgang.
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Der junge Mann saß wie betäubt. Ihm war, ft habe man ihn in einen Abgrund gestoßen, ftn Tiefe gar nicht ermeffen werden konnte. Das er nimmermehr erwartet — das nicht. Sein ^särn wirbelte . . . Das konnte doch nur ein
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Deutsches Reich.
W. Aerlin, 15. Juli. Unser Kaiser ist gf seiner Nordlandsfahrt von Lyngen in Skaarö ^getroffen. Von dort aus gedenkt der Kaiser an igorb eines Walfischfahrers zu gehen, um einer Jagd gf Walfische beizuwohnen. Das Befinden des Monarchen ist andauernd das allervortrefflichste. Auch Mend der letztvergangenen Reisetage erledigte derselbe jg gewohnter Weise an Bord der Jacht „Kaiseradler" & laufenden Regierungsangelegenheiten und nahm Lorträge entgegen. — Im Neuen Palais wurde am Donnerstag der Geburtstag des dritten Sohnes des Merpaares, des Prinzen Adalbert, geboren 1884, festlich begangen. Schon in früher Morgen- ßnnde hatten die Mitglieder der kaiserlichen Familie Wd die Anverwandten, welche z. Z. im Neuen Palais M Besuch verweilen, dem jugendlichen Prinzen ihre Glückwünsche abgestattet. Die Kapelle des 1. Garde- ngiments z. F. brachte eine solenne Morgenmusik bar. In Berlin sowohl als in Potsdam hatten die kaiserlichen und prinzlichen Palais Flaggenschmuck «gelegt Heute Freitag erfolgt die Abreise der ttiserlichen Prinzen nach Wilhelmshöhe. — General- Lousul von Eckardt befindet sich, wie der „Soff. Ztg." mitgeteilt wird, in Berlin, um die Preßleitung des Auswärttgen Amtes während der Lommerurlaubszeit zu übernehmen. Herr v. Eckardt ist der Verfasser der Schrift „Berlin-Wien-Rom", velche vor etwa zwei Monaten in der gesamten Presse eifrig besprochen und vielfach als eine im Einverständnisse oder doch im Sinne des Grafen Caprivi unternommene Rechtfertigung des neuen Kurses bezeichnet wurde. — Die Reichsregierung schweigt zu allen erneuten Angriffen, welche in den „Hamb. Nachr." des Fürsten Bismarck gegen den Grafen Caprivi erhoben werden. Es wird gesagt, nach der Rückkehr des Kaisers sollten erneute Publikationen gegen den Altteichskanzler im amtlichen Blatte erfolgen. Indessen liegt hier nur eine Mutmaßung vor, und noch dazu eine unrichtige. — Einer Pariser Meldung zufolge wird der französische Generalkonsul Jacquot infolge seines Leipziger nächtlichen Abenteuers zur Dispositton gestellt werden. — Die „Deutsche Warte" bringt mehrere Gutachten über die Weltausstellung. Professor Schmoller ist dagegen, Reuleaux sehr dafür; derselbe verspricht einen großen Erfolg der Ausstellung.
— Zum Xantener Mordprozesse schreibt die Berl. „Tägl. Rundschau" (Zeitung für unparteiische Politik und Unterhaltungsblatt für die Gebildeten
Doppeltes Spiel.
Novelle von Friedrich Meister
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
»Hören Sie zu, Herr Leutnant!" fuhr die Witwe sttt, ihn mit ihren dunklen Augen unverwandt an- chluend. „Kurze Zeit nachdem ich Ihres Vaters Haus verlassen hatte, ging er auf Reisen und blieb *®9e Jahre außer Landes. Er war ein reicher Aanu und konnte sich das gestatten. Inzwischen Arde unsere Scheidung ausgesprochen und er ver- hestatete sich aus's neue. Das ist an sich ja durch- nichts Absonderliches, aber hören Sie weiter. M Vater heiratete Ihre Mutter, ehe er dazu ge- Httch berechtigt war, das heißt, ehe der Scheidungs- fteß sein Ende erlangt hatte. In zwei Worten ft — Ihres Vaters zweite Ehe war vor dem ^sttz ungiltig."
Frau Blooker erhob sich und ging ans Fenster, ft wollte Amberg Gelegenheit geben, sich von ft schrecklichen Schlage zu erholen, den sie in
Selbstverteidigung ihm zu versetzen gezwungen totfen war.
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Frau Blooker kam vom Fenster zurück.
i. »Es thut mir herzlich leid, daß Sie mich zu Eröffnung gezwungen haben," sagte sie, sich niederlassend „Ein Trost aber bleibt Men — die Sache ist nach wie. vor ein Weunnis — vorher wußten nur Zwei darum, wissen es Drei. Das ist der ganze Un
aller Stände) u. a. folgendes: „Der Ausgang des Xantener Prozesses giebt der Presse reichen Stoff zu allerlei Erörterungen. Auf antisemittscher Seite werden der Prozeßführung durch die Justizbehörde schwere Versäumnisse zur Last gelegt, auf philo- semitischer wird ein Hallelujah darüber angestimmt, daß wieder einmal die makellose Tugendhafttgkeit des verlästerten Judentums ans Licht gekommen sei. Wäre dieser Jubel weniger laut, es wäre besser für das Judentum. Die leidenschaftlichen Uebertreibungen der Anttsemiten führen ja alle verständigen Leute auf das richttge Maß zurück, und sie würden nie und nimmer eine so große Verbreitung gefunden, eine so nachhaltige Wirkung ausgeübt haben, wenn nicht die Juden und ihre übereifrigen Verteidiger durch ihre maßlos parteiische Kampfesart den Widerspruch selbst solcher Kreise wachgerufen hätten, die dem wüsten Treiben des spezifischen Anttsemittsmus kühl bis ans Herz gegenüber stehen. Niemand machte für die anttsemittschen Apostel soviel Reklame, als die judenfreundliche Presse, nichts führte dem Anttsemittsmus so kräfttge Nahrung zu, als die nervösen Bemühungen eben dieser Presse, selbst die leiseste Kritik an den Juden als ein unerhörtes Beginnen hinzu- stellen. Man muß über diese thörichte Methode umsomehr staunen, da die Juden doch Leute sind, die sonst sehr klug äußere Umstände zu ihrem Vorteil auszunutzen verstehen. Hier aber fallen sie immer wieder in denselben Fehler zurück. Sehr bezeichnend ist nach dieser Richtung, wie wir schon hervorhoben, die verschiedenartige Behandlung, welche die Fälle Baare und Löwe in der philosemitischen Presse erfuhren. In beiden Fällen spielten Verleumdungen eine große Rolle, aber int Fall Baare war man schnell fertig mit dem Wort: wo Ranch ist, da ist nicht nur Feuer, sondern sogar sehr viel Feuer. In dem Falle Löwe dagegen sahen die Juden und deren professionsmäßige Verteidiger von vornherein nur das Vaterland in Gefahr und betrachteten es als eine selbstverständliche, ausgemachte Sache, daß hier der Rauch unmöglich durch ein Feuer verursacht sein könne. Eine ähnliche Komödie wird jetzt aus Anlaß des Xantener Prozesses aufgeführt."
(Das vorstehend Gesagte dürste auch für unsere Gegend viel zutteffendes enthalten. Seit etwa Jahresfrist werden von der hiesigen Ottsgruppe des „Vereins zur Abwehr des Anttsemittsmus" Versammlungen in großer Anzahl und an fast allen Orten des Kreises Marburg und darüber hinaus veranstaltet, welche der Bekämpfung des Antisemitismus dienen sollen. Diese Versammlungen nehmen zwar in der Regel
terschied. Die Welt erfährt auch jetzt noch nichts davon."
Amberg hörte nichts. Er tappte noch immer in dem Wirrwarr seiner Gedanken umher. Endlich dämmette ihm ein Hoffnungsstrahl.
„Wenn's auch wahr wäre, was Sie da sagten," begann er, „so hat mein Vater doch zweifellos seine Verbindung mit meiner Mutter noch nachträglich legalisieren lassen und zwar sobald als die Gelegenheit sich bot "
„Dann hätte er die tausend Thaler jedes Jahr für nichts und wieder nichts fortgeworfen — trauen Sie ihm das zu? Nein, Herr Leutnant, er wußte, daß mein Geheimnis des Kaufes wert war und darum kaufte er's "
Amberg versank in brütendes Schweigen. Nach einer langen Weile blickte er wieder auf.
„Ihre Mitteilung ist eine so außerordentliche," sagte er, „daß Sie sich nicht wundern dürfen, wenn ich Sie bitte, mir die Beweise für die Wahrheit derselben anzugeben."
„Daran soll's nicht fehlen," entgegnete die Witwe. „Das einfachste wäre, wenn Sie zum Amtmann Bredow sendeten, Ihrem Nachbar aus Diepensee. Er ist die Persönlichkeit, die bisher außer mir noch allein um das Geheimnis Ihres Vaters wußte. Schreiben Sie ihm, oder noch besser, suchen Sie ihn persönlich auf. Er wird Ihnen bestätigen, was Sie soeben von mir gehört haben."
IV.
„Der Amtmann Bredow ist zufällig in nächster Nähe," sagte Amberg, die Glocke ertönen lassend.
Fünf Minuten darauf erschien der alte Herr im Zimmer mit einem erwartungsvollen Lächeln auf dem roten, jovialen Gesicht. Die Witwe erhob sich bei seinem Anblick unwillkürlich aus ihrem Sessel
einen sehr erregten Verlauf, werden aber von der Gesamtheit der Bevölkerung schon lange und aus mehr als einem Grunde vollständig ignorirt. Vorkommnisse aber und turbulente Szenen wie sie in den beiden letzten dieser Versammlungen (Caldern und Ellnhanscn) zutage traten (in ersterem Otte wurden die Herren Philosemiten mit Hilfe der Schuljugend zum Dorfe hinausgesteinigt) dürften doch endlich ein» mal zu dem Bedenken Veranlassung geben, ob es im Hinblick auf die Erfolglosigkeit nicht rätlich erscheint, von der Veranstaltung derarttger, die Leidenschaften des Volkes zwecklos aufstachelnder Versammlungen in Zukunft abzustehen. Die Red.)
. —ZnrFrage derUmgestaltung der Grundsteuer liegt folgende, anscheinend als halbamtliche Kundgebung zu betrachtende Auseinandersetzung in den „Berl. Pol. Nachr." vor: Wenn die Gmndsteuer demnächst den Charatter als Staatssteuer verlieren und demgemäß, stt es in unver- ändetter, fei es in veränderter, den öttlichen Verhältnissen mehr angepaßter Gestalt, ausschließlich kommunalen Zwecken dienstbar gemacht werden soll, so werden naturgemäß die Gutsbezirke, welche so gut Träger kommunaler Lasten sind, wie die Ottsge- mttnden von der Maßregel nicht auszuschließen sein. Wenn dagegen insbesondere auch die Entschädigung angefühtt wird, welche bei der Grundsteuerregulierung die Besitzer grundsteuerfttter oder doch bevorzugter Güter erhalten haben, so wird diesem Bedenken bezüglich derjenigen Güter, welche seit der Aufhebung des Grundsteuerprivilegs den Besitzer nicht gewechselt haben, und insbesondere bezüglich aller früher pttvi- legierten Fideikommißgüter unschwer dadurch Rechnung zu tragen fein, daß die Rückzahlung der feiner Zeit ausgezahlten Entschädigungskapitalien gesetzlich vor- geschtteben wird. In der Form einer Amorttsatious- rente unter Vermittelung der Rentenbanken wird sich die Sache sehr leicht abwickeln lassen. Verwickelter liegt die Sache bezüglich solcher Güter, welche inzwischen durch Kauf oder Erbgang in andere Hände übergegangen sind. Dafür, auch in diesem Falle die Rückzahlung des Entschädigungskapitals zu fordern, spricht neben dem allgemeinen politischen Gesichtspunkte der vollen Entschädigung des Staates für die bei der Grundsteuerregulicrung gebrachten Opfer der Umstand, daß die Erwerber solcher in der Ermäßigung des Kauf- oder Annahmepreises um den kapitalisierten Betrag der Steuererhöhung einen Ausgleich für die Rückzahlung des Entschädigungskapitals besitzen. Auf der anderen Seite kommt in bettacht, daß die Erwerber solcher ftüher pttvilegietter Güter sich rechtlich
und eine tiefe Röte überzog ihr Gesicht. Der Amtmann musterte sie erstaunt
„Frau Blooker!" rief er dann. „Sie hier?"
Er blieb wie angewurzelt stehen.
„Ja," entgegnete sie, „ich bin hier. Ich kam notgedrungen und nur ungern. Seit einem Jahre habe ich meine Rente nicht mehr erhalten und so werden Sie begreifen . .
Der Amtmann richtete einen fragenden Blick auf seinen jungen Gastfreund. Noch begriff er nicht, weshalb derselbe ihn hatte rufen lassen.
„Die Dame hat mir erzählt, daß mein Vater ihr während der letzten zehn Jahre feines Lebens jährlich eine Summe von tausend Thalern als Unterstützung ausgeworfen habe," begann Amberg. „Können Sie mir sagen, Herr Bredow, ob sich dies so verhält?"
.Jawohl," nickte der Amtmann, „das verhält sich so "
„Und diese Unterstützung wurde gewährt, um damit das Schweigen der Dame hinsichtlich eines gewissen Familiengeheimnisses zu erkaufen — bin ich recht unterrichtet?"
Der alte Herr bejahte.
„Ist das Geheimnis Ihnen bekannt?"
„Ja. Ich war Ihres seligen Vater ältester Freund."
„Wie ging es denn zu, daß ich, meines Vaters einziger Sohn, davon bis heute nicht die geringste Ahnung hatte?"
„Sie sagen bis heute," entgegnete der Amtmann erschrocken. „Man hat Ihnen doch nicht etwa ....?"
„Diese Dame hat mir das Wesentlichste der Sache mitgeteilt. Nun möchte ich Sie um die Einzelheiten bitten."
und thatsächlich genau in derselben Sage befinden, wie alle übrigen Grundbesitzer und es daher als eine ungerechte Belastung empfinden müssen, wenn von ihnen die Rückerstattung eines Kapitals verlangt wird, das nicht sie, sondern ihre Vorbesitzer erhalten haben. Der letzteren Erwägung dürste das größere Gewicht beigemessen und sie daher zur Grundlage für die weitere gesetzgeberische Behandlung gewählt werten.
— Bezüglich der Sozialdemokratie äußett der Jahresbericht des Aeltesten-Kollegiums der Berliner Kaufmannschaft: „Zum erstenmale seit längerer Zeit blicken wir auf ein volles Kalenderjahr zurück, in dem die sozialdemokratische Bewegung sich frei von Ausnahmebestimmungen entwickeln konnte, und wir thun dies ohne Bedauern. Die Ziele der Partei, ihr Umfang, die verschiedenen geistigen Strömungen in ihr, sind aus dem Dunkel ins Helle Tageslicht gerückt worden. Die freie Diskussion darüber ist eröffnet, und sie hat sich für alle ruhig Urteilenden nicht zu Gunsten des neuen Evangeliums gewandt. Verschiedene sozialdemottattsche Schriften/ vor allem auch das Parteiorgan und das offizielle Parteigrogramm, konnten sich an die Oeffenilichkeit wagen; sie haben klar dargethan, wie die Stätte der sozialdemottattschen Lehre lediglich in der Kritik der von unserer Wittschastsverfaffung nun einmal untrennbaren Hätten besteht, wie sie aber völlig außer Stande ist, diese Verfassung durch eine andere zu ersetzen, der man nicht sofort noch viel größere Hätten nachweifen könnte, und die nicht der Einwand träfe, daß sie, indem sie die „planmäßige Produktton" an die Stelle der freien Konkurrenz setzt, zugleich den fräftigften Sporn des Einzelnen zu Wirtschaftlicher Thättgkeit beseitigt. So wird die fottgesetzte freie Diskussion dazu beitragen, daß die Vorschläge der Sozialdemottatte von der Haudarbeiterklaffe sowohl, wie von den mit ihnen vielfach sympathisierenden neutralen Gesellschaftskreisen der sog. liberalen Berufe u. f. w. nicht mehr nur mit dem Gefühl aufgefaßt und empfohlen, fonbern auch mit dem Verstände geprüft werten. Und das wird die beste Verteidigung der bestehenden Ordnung geben".
Jena, 14. Juli. Nach einer nach Jena gelangten Mitteilung des Professors Schwenninger ist es jetzt wahrscheinlich geworden, daß Fürst Bismarck auf seiner Rückreise von Kissingen nach Friedrichsruhe dorthin kommt. Er dürste in diesem Falle im Gasthofe zum Bären Wohnung nehmen, in welchem einst auch Luther abgestiegen War.
Lübeck, 14. Juli. Der König und die Königin von Dänematt trafen heute Vormittag hier ein und
„Konnten Sie ihm das nicht ersparen?" fuhr der alte Herr grimmig auffahrend die Professorin an.
„Ich schwöre Ihnen, Herr Amtmann," rief diese erregt, „daß kein Wort über meine Lippen gekommen märe, wenn der Leutnant Amberg mich nicht mit aller Gewalt dazu gedrängt hätte! Ich konnte mir nicht anders helfen! Fragen Sie ihn selber, wenn Sie mir nicht glauben wollen?"
„Die Frau Blooker hat recht," sagte Amberg.
-„Ich habe ihr die Mitteilung abgerungen "
Der Amtmann schlug die Hände zusammen und blickte ratlos und mit dem Ausdruck schmerzvollsten Bedauerns von der einen zum andern.
„Das ist ja ein großes Unglück!" rief er klagend. „Mein armer junger Freund...!"
„Nicht doch," versetzte Heinrich Amberg langsam. Er versuchte seine Fassung zu bewahren, aber man hörte ihm den inneren Kampf an. „Nicht doch; die Wahrheit muß an den Tag.... Der Wahrheit allezeit die Ehre, so bitter sie auch sein mag... Die Eröffnung hat mich erschüttert.... Ich werde die Folgen davon bis an mein Lebensende spüren.... Es sind aber da noch einige Punkte, über welche ich Aufklärung erbitten möchte. Haben Sie die Güte, gnädige Frau, mich mit dem Herrn Amtmann eine kurze Zeit allein zu lassen "
Er ging zur Thür, rief die Pastorin herbei und erteilte derselben die Anweisung, der Fremden Dame im Nebenzimmer eine Erfrischung vorzusetzen. Dann geleitete er die Frau Blooker hinaus und drehte hinter ihr den Schlüssel um.
Der Amtmann, der inzwischen hastig auf» und abgelaufen war, kam jetzt herbei und drückte dem jungen Manne teilnahmsvoll und ergriffen die Hand.
„Wer hätte das venken können...." begann er. „Lassen Sie, Herr Bredow, lassen Sie," wehrte