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Wöchentliche Bellagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Druck xi» »erleg: Joy. Bug. Koch, UniverfitätS-Buchdruckerei in Marburg. Verantwortlicher Redakteur: Christoph Rautenhau« in Marbura

Redaktion und Expedition: Markt 21. V il llllly v4l»l4* Redaktion und Expedition: Markt 21.

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Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Ouartal-AbonnementS-PreiS bei der Expe­dition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 26 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 26 Pfg.

Marburg,

Freitag, 15. Juli 1892.

Anzeigen nimmt entgegen die Erpedition dieses Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in ,

Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf XXVII.

Moste in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G.L. *0)0 ö

Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Parisi

Deutsches Reich.

W. Werkin, 14. Juli. Unser Kaiser ist seiner Nordlandreise in Karlsö ein getroffen und hat einen Ausflug in die Umgebung unternommen. Kon dort geht die Reise voraussichtlich nach Skarörs, ®o der Monarch einen Walfischfänger der norwegischen Walfischfang-Komagnie besteigen und an Bord desselben einer Jagd beiwohnen wird. Der Kaiser dürfte voraussichtlich erst Anfang August wieder nach Potsdam zurückkehren und auch dann nur einige Tage dort bleiben. Es folgen dann militärische Reisen aller -rt. Wie bekannt, ist zur Prüfung und Beant­wortung der folgenden beide, Fragen:1. Welches find die Ursachen der in neuerer Zeit vorgekommenen Ueberschwemmungen; hat namentlich das System, welches bei der Regulierung und Kanali­sierung der preußischen Flüsse bisher befolgt ist, zur Steigerung der Hochwassergefahr und der in neuerer Zeit beträchtlich gesteigerten Ueber- schwemmungsschäden beigetrageu, und welche Aende- inngen dieses Systems sind bejahendenfalls zu empfehlen? 2. Welche anderweiten Maßregeln können mgeweudet werden, um für die Zukunft der Hoch­wassergefahr und den Ueberschwemmungsschäden soweit wie möglich vorzubeugen?" ein besonderer Ausschuß eingesetzt worden, der unlängst seine Thäfigkeit be­gonnen hat. Selbstverständlich kann der Ausschuß in die Prüfung von Beschwerden nicht eintreten, welche mit den ihm überwiesenen Fragen keine Berührung haben. Dagegen wird er neben der allgemeinen Prüfung und Beantwortung dieser Fragen auch die gewissenhafte und sorgfältige Prüfung von besonderen Fällen und Beschwerden sich angelegen fein lassen, in denen eine nachteilige Einwirkung der bei der Regulierung und Kanalisierung der preußischen Flüsse bisher angewandten Gmndsätze auf Vermehrung der Hochwassergefahren und Ueberschwemmungsschäden be­hauptet sund durch Beibringung der erforderlichen Unterlagen nachgewiesen werden kann. Eine Reform des Unterrichts an den Mittel­schulen in Preußen ist, wie verlautet, in Vorbereitung begriffen. Der preußische Handelsminister v. Berlepsch hm an die Großindustriellen eine Rundfrage über ihre Be- telligung an der Berliner Weltausstellung gerichtet. 3m Auftrage des Unterrichtsministers haben die Provinzialschulkollegien den höheren Unterrichts­anstalten einen Fragebogen zugestellt, welcher deren gesamten Turnbetrieb zum Gegenstände hat. Der Hauptinhalt der Fragen ist, nach derVoss. Ztg.", folgender: Zahl der Schüler im laufenden Sommer«

Doppeltes Spiel.

Novelle von Friedrich Meister.

»Nachdruck verboten) (Fortsetzung.)

Herr Leutnant Amberg, nicht wahr?" sagte die Fremde, während Heinrich zögernd die dargereichte Hand berührte.Gewiß, Sie sind's," fuhr sie leb. hast fort,ein Irrtum ist nicht möglich. Der ganze $ater, Zug für Zug! Nur die Augen nicht, die haben Sie von Ihrer Mutter. Aber verzeihen Sie, ich habe mich Ihnen nach nicht vorgestellt."

Damit ließ sie feine Hand los

Heinrich Amberg verneigte sich leicht.

Darf ich bitten, Platz zu nehmen," sagte er.

Die Fremde mochte ungefähr fünfzig Jahre zählen; sie trug ein schwarzes Seidenkleid und einen Ä«r und über mit Schmelzperlen besetzten schwarzen Umhang. Ihre Züge hatten nichts Feines, allein erkannte aus denselben, daß sie früher eine auffallende Schönheit gewesen fein mußte.

Mein Name ist Blooker," sagte sieIch bin »ik Witwe des Profesiors der Musik, Anton Blooker." , Der Name war Amberg unbekannt. Er ver­geigte sich noch einmal und schaute dann die Dame Wg wartend an.

Aber ist's denn möglich?" rief diese jetzt er« wunt aus.Sie wissen wirklich noch nicht, wer ah bin? Hat man Ihnen denn gar nichts gesagt?"

Ich bedauere, gnädige Frau, gestehen zu müsien, ich nicht weiß, worauf Sie hinzudeuten belieben," Regnete er.

Das ist schade. Ich hatte gehofft, unange- uchme Auseinandersetzungen vermeiden zu können; aber das sollte nicht sein, wie ich sehe.-. . . Nun, Wenfalls wird Ihnen bekannt sein, daß Ihr Vater ^imal verheiratet gewesen ist."

Halbjahr, Teilnahme am Turnunterricht, wie viel Schüler vorn Turnen dispensiert sind, und zwar: auf Grund eines ärztlichen Zeugnisses und aus an­deren besonderen Gründen; wie viel von den Teil­nehmern von einzelnen Hebungen befreit find. Wie viel getrennt zu unterrichtende Turnabteilungen an der Anstalt bestehen, wie stark dieselben sind und an welchen Schulklassen. Ferner ob Riegenturnen unter Vorturnern eingerichtet ist und für welche Turnab­teilungen; aus welchen Klassen die Vorturner ge­nommen werden und ob dieselben besondere Vor­turnerstunden erhalten. Wie viel Turnstunden ins­gesamt wöchentlich erteilt werden und ob jeder Schüler nach Vorschrift der Lehrpläne wöchentlich drei Stunden erhält. Wie viel Lehrer den Turnunterricht erteilen, ob Lehrer der Anstalt (mit akademischer, mit semi­naristischer Vorbildung) ober andere dem Lehrer­kollegium nicht angehörige Turnlehrer. Ob Turn­unterricht im Freien stattfinden kann, ob auf dem Schulhof, einem Platz bei den Schulgebäuden ober auf einem entfernt liegenben Turnplatz. Wie es mit bem Winterturnen steht, ob eine Turnhalle vor­handen, ob sie als zur Anstalt gehörig anzusehen ist, in der Nähe des Schulgebäudes liegt, ob sie auch von anderen Schulen benutzt wird. Fragen nach der Größe der Turnhalle, ihrer Heiz- und Erlenchtbarkeit, ihrer Ausstattung mit Turngeräten. Ferner Fragen nach den Jugendspielen, ihrer Beauffichtigung, der Be­teiligung der Schüler an denselben. Auch auf den Schwimmunterricht erstrecken sich die Fragen. Die verschiedenen Sperrgelderkommissionen in Preußen haben ihre meist sehr schwierigen und zeitraubenden Arbeiten nunmehr sämtlich beendet und die von ihnen aufgestellten Nachweisungen der ge­nehmigten Forderungen der einzelnen Diözesen den Oberpräsidenten zugehen lassen. Diese muff en die Aufstellungen dem Finanzminister einsenden, der eine Nachprüfung der sämtlichen Zahlen und eine end- giltige Feststellung derselben vorzunehmen hat. Auch diese Arbeiten sind bereits im vollen Gange, so daß die Zahlungsanweisungen noch im Laufe dieses Vierteljahres zu erwarten sind. Es bestätigt sich übrigens, daß infolge der durch das Gesetz vorge­schriebenen sofortigen Verteilung des ganzen Sperr- geldersonds eine vollständige Verzettelung btt 16 Millionen Mark eintreten wirb. Wie aus Kissingen verlautet, wirb Fürst Bismarck von bort Mch Friebrichsrnhe bireft zurückkehren unb vorläufig keiner weiteren Einlabung zum Besuch beutscher Stabte entsprechen. Gegenüber ben fortwährenden Behaup­tungen in denHamburger Nachr.", dem Fürsten

Heinrich Amberg errötete.

Ich bin nicht in der Sage, die Kenntnis dieser Thatsache in Abrede stellen zu können," erwiderte er.

Sie wissen dann wohl auch, daß er von seiner ersten Frau geschieden war?"

Amberg nickte bejahend.

Diese erKe Frau bin ich."

Sie sprach diese Worte ganz ruhig und ge- chäftsmäßig, dabei dem jungen Manne fest in die Augen sehend.

Sie sind . . . ." rief dieser in Verwirrung.

Jawohl. Ich bin die Frau Professorin Blooker, Ihres Vaters geschiedene erste Frau. Hier auf Birkenfelde habe ich gewohnt. Ich kenne jeden Winkel im Haufe und draußen jeden Baum. Nach vier Jahren kam Blooker, der Maust,den ich schon geliebt hatte, ehe ich Ihren Vater noch kannte . . . Des Herzens Stimme ist mächtiger als Alles, Herr Leutnant; ich folgte Blooker. Ihr Vater reichte die Scheidungsklage ein, wir wurden getrennt und Blooker heiratete mich. Jetzt aber ist auch er schon feit zehn Jahren tot Gott hab ihn selig!"

Amberg saß beinahe mit offenem Munde Er wußte nicht, was er sagen sollte.

Dir Witwe des seligen Blooker schaute ihn eine Weile an, dann nahm sie wieder das Wort.'

Ich weiß ungefähr, was Sie jetzt denken, Herr Leutnant," sagte sie.Sie denken: Was die Frau mir da erzählt, mag ja wahr fein, aber was geht )ie Geschichte mich an? Weswegen kommt sie hier- ;er und kramt Dinge aus, die lange vor meiner Geburt passiert find und die mich nicht im geringsten interessieren können? Haben Sie nur einen leinen Augenblick Geduld, Sie sollen alles erfahren."

Sie zog ihr Taschentuch hervor, wischte sich die Lippen und fuhr bann fort:

Bismarck fei die Audienz beim Kaiser Franz Josep , in Wien von Berlin aus vertagt, wird nochmals auf das Bestimmteste versichert, daß dies nicht der Fall gewesen. Kaiser Franz Joseph hat persönlich die Verweigerung der Audienz ausgesprochen, geradeso wie die österreichische Regierung selbständig die Auf­lösung der Studentenverbindungen verfügte, welche sich beim Empfange des Fürsten Bismarck in Wien hervorragend beteiligt hatten. In Deutsch- Ost a f r i k a wird, wie derVoss. Ztg." mitgeteilt wird, hinsichtlich der Verwaltung es bei der heutigen Leitung desselben durch einen Gouverneur bleiben. An eine Rückkehr zum militärischen Ausnahmezustand, wie sie unter Major von Wißmann bestand, wird nicht gedacht. Reformen im Einzelnen werden erst mach der Rückkehr des Legationsrats Dr. Kayser nach Berlin beraten und beschlossen werden. Leutnant Dr. Stuhlmann, der Begleiter Emin Paschas auf seinem letzten weiten Zuge, ist in Bagamojo an der ostafrikanischen Küste angekommen. Die Expedition des Hauptmanns Ramsay in das Hinterland von Kamerun hat wegen schwerer Erkrankung des genannten Offiziers aufgegeben werden müssen. Der neue deutsche KreuzerSee­adler" soll nach seiner bevorstehenden Indienst­stellung zur westafrikanischen Station auf 18 Monate gehen. Wir meldeten bereits, daß Hauptmann Ramsay von der Janndestafion nach Kamerun zurnckgekehrt sei. Damit ist, wie derPost" mit­geteilt wird, wieder eine deutsche Expedition als gescheitert anzusehen. Chef Ramsay, welcher von der ostafrikanischen Schutztruppe nach Westafrika ge­schickt wurde, übernahm Ende 1891 die Expedition des gefallenen Hauptmanns von Gravenreuth. Schon damals wurden gegen die von Gravenreuth ange­worbenen Leute, wegen deren Anwerbung in Dahomey die Franzosen gegen die deutsche Verwaltung den Vorwurf des Sklavenhandels erhoben, vielfache Be­schwerden laut. Sie toaren weder als Soldaten noch als Träger brauchbar. Es waren im Ganzen 386 Schwarze mit 158 Weibern, davon waren 300 in Weidah (Dahomeyküste), 100 in Togo, die übrigen in Akkra angeworben. Ein Teil dieser Leute mußte sofort ausgeschieden werden, sie wurden teils yim Bau der Station Jdia am Salmaga verwendet, teils in die neuerrichtete Polizeitruppe gesteckt. Ehe Chef Ramsay seinen Zug nach dem Innern antrat, ergänzte er seine Karawane noch mit brauchbareren Elementen; doch bildeten die Leute von der Sklaven­küste immer noch den Hauptstock. Schließlich mußte die Umkehr erfolgen.

Seit Blookers Tode, also seit zehn Jahren, habe ich von Ihrem Vater eine jährliche Unter­stützung von tausend Thalern erhalten, die mir vierteljährlich ausgezahlt wurde. Diese Unterstützung aber ist feit Ihres Vaters Ableben ausgeblieben und ft» bin ich heute hergekommen, um mit Ihnen Rücksprache zu nehmen, denn ich kann das Geld nicht länger entbehren. Ich habe Ihre Heimkehr aus Ihrer Garnison abgewartet, weil dies eine Sache ist, Hie persönlich und unter vier Augen abgemacht werden muß."

Amberg war so erstaunt, daß er noch immer keine Worte finden konnte. Die Keckheit dieser Frau überstieg seine Fassungskraft, lieber die Sache etber wunderte er sich nicht sonderlich. Vater und Sohn hatten einander nur wenig kennen gelernt, >a letzterer schon von klein auf Erziehung und Interricht in der Stadt erhalten hatte; dann kam ;as Kadettenhaus und schließlich der Dienst in der Armee und so waren die Privatangelegenheiten des Verstorbenen ihm fast gänzlich unbekannt geblieben.

Tausend Thaler jährlich ist eine Rente, die nicht leicht jemand zugebilligt wird," sagte er endlich Mein Vater muß ganz besondere Gründe dafür gehabt haben."

Die hatte er, Herr Leutnant. Die zwingendsten Gründe, das kann ich Ihnen versichern. Es blieb ihm einfach nichts anderes übrig."

So! Vielleicht verhält es sich so, wie Sie agen, Frau Professorin. Ich habe darüber kein Irteit. Mein Vater wird gewußt haben, weshalb er so handelte; feine Beweggründe aber können doch ür mich nicht mehr bindend fein wenigstens nicht in derselben Ausdehnung "

Da irren Sie, Herr Leutnant. Ihres Vaters Gründe behalten auch bei Ihnen ihre alte Kraft."

(Zur Bismarckfehde.) Bemerkenswerte Mitteilungen zu der leidigen Bismarckfehde bringt die MünchenerAllg. Ztg.", die gleich derKrzztg." bestätigt, daß zur Zeit des Zarenbesuches in Kiel Annäherungsversuche zwischen Berliu und Friedrichsruh im Werk waren. Das Blatt schreibt:Auch uns ist bekannt, daß damals Gelegenheit genommen worden ist, den Kaiser auf die Unmöglichkeit der Fortdauer des jetzigen Zustandes aufmerksam zu machen, sowie darauf, daß es sich dringend empfehle, im eigensten Interesse des Königshauses und der Monarchie, den Fürsten nicht etwa unversöhnt aus dem Leben scheiden zu lassen. Hätte man damals ahnen können, daß die Reise des Fürsten Bismarck sich zu einem solchen Triumphzuge gestalten würde, wie es der Fall gewesen, so würde man vielleicht den weiteren Hinweis hinzugefügt haben, daß es sich im Interesse der Krone empfehlen möchte, die trennende Kluft vor Beginn jener Reise zu schließen.^. Die Hochzeitsfeier bot dazu einen durchaus ge­eigneten Anlaß und die äußeren Schritte ließen sich in einer Weise ordnen, daß weder dem Kaiser noch dem Fürsten Bismarckdas erste Entgegenkommen" auferlegt zu werden brauchte. Wir wissen au8 bester nicht Bismarckfcher Quelle daß der Kaiser sich jenem Gedanken gegenüber durchaus nicht ablehnend verhielt, indeß auch keinen Auftrag in der angedeuteten Richtung erteilte, wohl ausschließlich aus Rücksicht auf den Grafen Caprivi, der als ent­schiedener Gegner jeder Annäherung bekannt ist, und zwar wie dies auch aus dem Erlasse vom 9. Juni deutlich genug hervorgeht, weil er die Wiederkehr eines Einflusses des Fürsten Bismarck und damit die Beschleunigung seines eigenen Rücktritts be­fürchtet. Wir glauben nicht fehl zu gehen, wenn wir auf das Bestimmteste aussprechen, daß Fürst Bismarck an dem Rücktritt seines Nachfolgers nicht das allergeringste Interesse hat, und daß seine Kritiken nicht den Zweck haben, den Grafen Caprivi zu Fall zu bringen, sondern teils durch die Selbst­verteidigung und Notwehr, teils durch das Interesse am Reich diktiert sind, welches Fürst Bismarck durch eine Reihe von Mißgriffen der jetzigen Politik ge­schädigt glaubt."

Kamrover, 14. Juli. In die Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes soll Archivar Dr. Jrmer in Hannover (früher in Marburg) berufen worden fein. Dr. Inner gehört zu den Kolonialpolifikern, welche jahrelang für die Idee in Wort und Schrift thätig gewesen sind und ist der zweite Vorsitzende der Ab­teilung der deutschen Kolonialgesellschaft in Hannover.

Sie überraschen mich, Frau Professorin." Das glaube ich gern."

Außerdem machen Sie mich neugierig. Wollen Sie die Güte haben, mich aufzuklären?"

Die Witwe zögerte einige Augenblicke.

Wenn ich Ihnen raten dürste, Herr Leutnant," ägte sie dann ernst und eindringlich,so bestehen Sie nicht auf diesem Verlangen. Um Ihres Glückes, um Ihrer Ruhe, um des Friedens Ihrer Zukunft willen bitte ich Sie, keine weitere Aufklärung zu ordern. Sie werden Ihren Vater genugsam ge» annt haben, um zu wissen, daß er nicht der Mann war, der ohne Not tausend Thaler von seinem jährlichen Einkommen weggab; die Veranlassung dazu muß also doch wohl eine zwingende gewesen ein. Achten Sie fein Geständnis und suchen Sie nicht eine Sache aufzudecken, die er absichtlich vor Ihnen verborgen gehalten hat; seien Sie überzeugt, daß Sie ganz in seinem Sinne handeln, wenn Sie mir die Rente weiter zahlen. Der Tod überraschte ihn unverhofft, sonst hätte er mir dieselbe ganz ohne Zweifel testamentarisch gesichert, schon ans Rücksicht für Sie, seinen einzigen Sohn."

Amberg sagte sich, daß das Ansinnen der Frau einen gewichtigen Hintergrund haben müsse. Es war sehr möglich, daß hier ein Geheimnis vor lag, )as der Verstorbene auch feinem Sohne gern für immer verborgen hätte. Allein ein jährlicher Ver- ust von tausend Thalern war ihm, als angehendem Ehemann, auch nicht gleichgiltig; jedenfalls wollte er wissen, weshalb er denselben erleiden sollte. Die Frau Blooker hatte ihm noch nicht ben leisesten Beweis ihrer Berechtigung zu dieser Unterstützung geliefert; sollte er so ohne weiteres ihrem bloßen Worte Glauben schenken?

Ich glaube annehmen zu dürfen," entgegnete