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öchentltche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

6 UMh »rmf Knb Berlaa: Job. Aua. Koch. UniversiiätS-Buchdruckerei in Marburg. rtAÄft Jrtff Verantwortlicher Redakteur: Christoph RautenhauS in Marburg

Redaktion und Expedition: Markt 21. ivWWj-lUtl'l-VV VVlUim^VVlUH« Redaktion und Expedition: Markt 21.

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20 $f.

2 Rk.

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Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagem Ouartal-Abonnements-PreiS bei der Expe­dition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 26 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Marburg, Mittwoch, 13. Juli 1892.

Anzeigen nimmt entgegen die Erpcdition dieses Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. SOI., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moste in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, PariS:

XXVII. Jahrgang.

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__ J Wilhelmshaven antreten. Der zum Nachfolger I des Herrn von Schlözer als königlich preußischer

Gesandter beim Vatikan bestimmte bisherige kaiserliche

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Herzog von Iork wird seinen kaiserlichen Vetter am 3. August an Bord desMelarnpuS" bewirten. Wahrscheinlich wird Kaiser Wilhelm am 5. August dem Herzog von Connaught in Portsmouth einen

Besuch abstatten. Der Monarch dürfte am Sonn­abend, 6. August, die Rückreise von Cowes nach

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Deutsches Reich.

W. Aerki«, 11. Juli. Von der Kaiser- irise berichtet der Reichsanzeiger:Seine Majestät ter Kaiser und König begaben sich am Sonnabend Mittag zur Inspizierung an Bord S. M. Panzer­fahrzeugSiegfried", gingen, gefolgt von S. M. AachtKaiseradler", nach Reinn auf Moskenäsö in See, schifften Sich dort wieder auf die Jacht über und setzten nach Empfang der Post die Reise uach Bodö fort, wo Abends 7 Uhr geankert wurde. Am Sonntag Morgen hielten Se. Majestät den Gottesdienst ab und unternahmen dann eine Partte zur Besichttgung des Saltenström. Abends 11 Uhr ^folgte die Weiterreise nach Tromsö, wo die Ankunft Montag Nachmittag in Aussicht genommen war. Wes war in bestem Wohlsein". Londoner

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lublikmnH Meldungen zufolge wird Kaiser Wilhelm in den m meinen- Cowes Roads am 1. August erwartet. Der Kaiser r Tbälio-' kommt nicht als Gast der Königin, sondern will iima toi nur den Regattas des kgl. Jacht-Geschwaders bei-

14 wohnen. Bei der Wettfahrt um den Pokal der Königin wird er selbst denMeteor" befehligen. Im vorigen Jahre wurde der Kaiser zum vollzähligen Mitglied des kgl. Jacht-Geschwaders erwählt. Er beabsichtigt, das Festmahl des Klubs, welches am 2. August im Schloß in West Cowes stattfindet, durch seine Gegenwart zu ehren. Am Tage der Ankunft wird er bei der Königin speisen. Der

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;er.

Gesandter in Bern, Wirk!. Geh. Rat Otto von Bülow, war lange vorttagender Rat im Aus­wärtigen Amt, dann Gesandter in Stuttgart. Nach dem Tode des vieljährigen Gesandten in Bern, des Herrn v. Röder, wurde er am 25. Oktober 1882 dessen Nachfolger und hat somit fast zehn Jahre das Deutsche Reich in der Schweiz vertreten. Auf den Reisen des verstorbenen Kaisers Wilhelm I. pflegte Herr v. Bülow denselben als Vertreter des diplo­matischen Dienstes zu begleiten, vor Allem auch während der Badeaufenthalte des Monarchen in Gastein, Ems, Baden-Baden fungierte der bisherige Gesandte in Bem fast stets als Vertreter des Aus-

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1895

Doppeltes Spiel.

Novelle von Friedrich Meister.

(Nachdruck verboten.)

I.

Ein milder, freundlicher Frühlingsnachmittag lag über der märkischen Ebene, über den grünen Saat- seldem, den saftigen Wiesen, den Gehölzgruppen hier und da, den blitzenden Wafferläufen und den zerstreut liegenden Dörfern mit ihren in das Himmelsblau empordeutenden Kirchturmspitzen

Aus dem Bahnsteig der kleinen Eisenbahnstation Brunau war seit einer Viertelstunde ein stattlicher Herr von etwa fünfundzwanzig Jahren, augenschein­lich ein Offizier in Zivilkleidung, geduldig auf- und abgeschritten, ab und zu einen Blick auf die Bahn- hvssnhr werfend und auch stehen bleibend und die Strecke hinabschauend. Ein Lächeln stillen Glückes umspielte feine bärtigen Lippen und der ganze Aus­druck feines männlich schönen Antlitzes gab zu er« kennen, daß er sich innerlich und äußerlich so recht wohl und behaglich fühlte und daß er mit seinem irdischen Lose völlig zuftieden sei.

Und das war kein Wunder.

Leutnant Heinrich Amberg konnte, wie er hier Sing und stand, für einen ganz besonders bevor- rugten Sterblichen gelten. Vor Jahresfrist war er durch den Tod feines Vaters in den Besitz eines ausgedehnten und ertragreichen Gutes gekommen, drffen Ziegeleien und Brennereien ihm allein ein jährliches Einkommen von ungefähr dreißigtausend Mark sicherten. Und heute, an diesem sonnigen Nachmittag, erwartete er die beiden Wesen, die ihm die liebsten auf Erden waren die reizende Asta Piraly, seit acht Tagen seine verlobte Braut, und Robert Dornbusch, seinen ältesten und vertrautesten Freund.

wärtigen Amtes im Gefolge des Kaisers. Der preußische Staatsanzeiger veröffentlicht folgenden kaiserlichen Erlaß:Nachdem der durch Meinen Erlaß vom 29. Dezember 1890 zur Vorbereitung der Reform des höheren Unterrichtswesens eingesetzte Ausschuß seine Aufgaben in der Schluß­sitzung vom 1. d. M. zu Ende geführt hat, will Ich die Auflösung desselben hiermit verfügen. Ich ver­mag dies nicht zu thun, ohne der hingehenden Treue zu gedenken, mit welcher der Ausschuß selbst wie jedes einzelne Mitglied desselben bei der Durch­führung meiner Intentionen auf diesem Gebiet in ernster und anstrengender Arbeit thätig gewesen ist und wesentlich zur Erreichung des angestrebten Zieles beigetragen hat. Ich beauftrage Sie, dem Ausschuß Meine volle Anerkennung und Meinen wärmsten Dank auszusprechen. Berlin, den 18. Juni 1892. Wilhem R. An den Minister der geistlichen ic. Angelegenheiten." Nachdem der Bundesrat am Donnerstag im Reichsamt des Innern noch zu einer Plenarsitzung zufammengetteten war, hat er eine Sommerpause in seinen Beratungen eintteten lassen, welche, wie es heißt, bis zum September andauert. Die größte Mehrzahl der Bevollmächtigen hat bereits in den letzten Tagen Berlin verlassen, um nach ihrer Heimat, bezw. einem Badeort, sich zu begeben. Der Vorsitzende, Staatsminister v. Bötticher, wird jedoch, dem Vernehmen nach, erst Ende dieses Monats Berlin verlassen und sich zur Kur nach Karlsbad begeben. Das Schicksal der in der vorigen Session des Reichstages unerledigt gelassenen Gesetzent­würfe ist keineswegs so ungewiß, wie von einigen Setten behauptet wird. Das Trunksuchtsgesetz z. B. darf als ganz sicher aufgegeben betrachtet werden. Die erneute Inangriffnahme des Gesetzes dürfte nicht erfolgen. Dagegen wird die geplante Novelle zum Strafgesetzbuch, welche das Zuhälterwesen ic. betrifft, ganz sicher zu erneuter Verhandlung dem Bundesrate und zwar, wie es heißt, in wesentlich veränderter Form wieder zugehen. »

Leipzig, 11. Juli. Der französische General­konsul in Leipzig, welcher sich in einem Safe so flegelhaft betragen hatte, ist noch nicht ab-, sondern zunächst nur nach Berlin berufen, um eine Untersuchung vor dem Botschafter Herbette zu bestehen. Zugleich ist ein Mitglied der stanzösischen Botschaft nach Leipzig entsandt, um dort nähere Aufnahmen zu veranlassen.

München, 11. Juli. Das bayerische Eisenbahn­bataillon wird, wie aus München gemeldet wird, zu gemeinsamen Uebungen mit der preußischen Eisen­bahnbrigade nach der Lüneburger Haide abgehen.

Kisfingen, 11. Juli. Am Sonntag langten in Kissingen über 600 Württemberger, Herren und Damen aus Heilbronn, Stuttgart und Ulm, meist )er deutschen Partei angehörig, an. Um 2 Uhr 'and bei der oberen Saline eine Huldigung für den Fürsten Bismarck statt. Der Fürst, von stürmischen Hochs begrüßt, erwiderte die verschiedenen Ansprachen dahin, daß ihm die erneuten Huldigungen bewiesen, daß die Mehrheit seiner Landsleute mit den Angriffen auf ihn nicht einverstanden sei. Er dankte den Frauen für ihr Erscheinen; das zeige, daß die Einheitsidee tief dngebrungen sei. Wenn wir einig blieben, bildeten wir einen harten schweren Klotz in­mitten Europas, den Niemand anfasse, ohne sich die Finger zu zerquetschen. Friedenserhaltung sei unsere erste Pflicht, deren Erfüllung auch nach Osten hin möglich sei, wenn die Diplomatte geschickt sei. Der Fürst brachte ein Hoch auf den König von Württem­berg, sein Heer und seine Reichstteue aus. Nach der Rede entstand ein kolossaler Jubel; stürmische Ovattoneu wurden dem Fürsten wiederholt dargebracht. Abends kehrten die Teilnehmer in ihre Heimat zurück. In verschiedenen Blätter ist behauptet worden, daß die bayerische Staatsbahnverwaltung den Zug, mit dem Fürst Bismarck fuhr, aus eigener Munifizenz zur Verfügung gestellt hätte. Dies ist nach dem Hamb. Korr." thatsächlich unrichttg. Der Zug ist von Verehrern des Fürsten gestellt worden.

Ausland.

Hekerreich. DasWiener Tagebl." versichert: In hiesigen informierten Kreisen erblickt man in der Veröffentlichung der Note des Reichskanzlers an den Wiener Botschafter Prinzen Reuß inbetteff der Jnsttukttouen für den Aufenthalt des Fürsten Bis­marck in Wien einen Wink an den Prinzen Reuß, seinen Abschied zu nehmen. Man erwartet, daß der Prinz Reuß diesen Wink verstehen werde, da seine Stellung als Vertteter des Kaisers Wilhelm am Wiener Hofe eine unhaltbare geworden sei. Man beschuldigt den Prinzen und insbesondere die Prin­zessin Reuß, daß sie nicht im Sinne jener Instruk­tionen gehandelt haben, wenn auch der Wortlaut derselben befolgt wurde." Die Statthalterei von Nieder-Oesterreich hat 16 studentische Verbindungen, sämtlich demWaidhofener Verbände wehrhafter Studenten" angehörig, aufgelöst und deren Schriften und Bücher beschlagnahmt, weil sie über ihren Wir­kungskreis hinaus polittsche Zwecke verfolgten. Diese Verbindungen sind deutsch-national.

Hessen-Nassau.

Maröurg, 12. Juli. (Erlaß des Königl. Preußischen Ministeriums der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegen- jeiteu, betreffend den Leihverkehr zwischen >en Universitäts-Bibliotheken zu Göt­tingen und Marburg.) § 1. Zwischen den Universitäts-Bibliotheken zu Götttngen und Marburg indet ein regelmäßiger Leihverkehr statt. § 2. Dieser Verkehr ist in der Art zu gestalten, daß die Bestell- cheine in der Regel an jedem Dienstag und nach Bedürfnis auch am Freitag von der entleihenden Bibliothek abgesandt und spätestens am Tage nach ihrem Eingänge von der verleihenden Bibliothek erledigt werden. § 3. Diejenigen Bestellscheine, auf welche eine Uebersendung von Büchern erfolgt, gelten nach Abstempelung derselben mit dem Tagesstempel der verleihenden Bibliothek als Empfangsscheine. Die übrigen werden mit den nötigen Vermerken versehen zurückgesandt. § '4. Die Entleihungsfrist beträgt ausschließlich der Hin- und Rücksendung, wenn der Vorsteher der verleihenden Bibliothek für den einzelnen Fall nichts anderes besttmmt, drei Wochen, für Zeit­schriften und Sammelbände eine Woche. Die Rück­sendung erfolgt mit der nächsten auf den Fälligkeits­termin folgenden Sendung. Die verleihende Bibliothek hat jedoch das Recht, in dringenden Fällen jederzeit die soforttge Rücksendung, unter Uebernahme der Kosten ihrerseits, zu verlangen. Die für Lehrzwecke der eigenen Universität unentbehrliche Litteratur ist von der Versendung ausgeschloffen. § 5. Die ent­leihende Bibliothek hastet für rechtzeitige und unbe­schädigte Rücklieferung der entliehenen Bücher. Im übrigen stellt sie dieselben nach Maßgabe ihres eigenen Reglements zur Benutzung. § 6. Die Hin- und Rücksendung der Bücher erfolgt auf dem Postwege oder als Eilgut, je nachdem es im einzelnen Falle am zweckmäßigsten erscheint. § 7. Die Eilgutsendungen geschehen unter angemessener Wertversicherung. Bei Postsendungen findet eine Wertdeklaration nur in den Fällen statt, in welchen entweder die verleihende oder die entleihende Bibliothek dies aus besonderen Gründen für erforderlich erachtet. § 8. Briefsendungen im Leihverkehr werden frankiert. Alle anderen Sendungen erfolgen unfrankiert. Postpackete unter 5 kg find alsportopflichtige Dienstsache" zu bezeichnen. § 9. lieber die aus dem Leihverkehr entstehenden Kosten wie über die Zahl der versandten Bände (Buchbinder­bände) wird an jeder Bibliothek besonders Buch ge­führt. Ende September und Ende März jeden Jahres

Die Freude dieses doppelten Wiedersehens schwellte Ambergs warmsühlendes Herz und erfüllte seine ehrliche, unverdorbene, harmlose Natur mit einem süßen Rausch. Noch brachte er der ganzen Welt ein unbedingtes Vertrauen entgegen, noch war ihm die bittere Erfahrung erspart geblieben, daß die größte Mehrzahl seiner Mitmenschen ganz anders dachte und fühlte als er, daß Eigennutz und Selbst­sucht fast ganz allein die Triebfedern des Thuns waren, das rings um ihn her vorging.

Der erste der beiden Züge, die er erwartete, lief jetzt in die Station ein. Kaurn war derselbe zum Stehen gekommen, als auch schon ein junger, schlanker Mann leichtfüßig aus einem der Wagen sprang und auf Leutnant Amberg zueilte, der ihm erfreut die Hand entgegenstreckte.

Willkommen, Robert!"

Der Würfel ist also gefallen und Du hast Dich verlobt!" rief der Ankömmling lebhaft und ohne weitere Vorrede.Mußte es denn fein?"

Es mußte sein, mein alter Junge," entgegnete Amberg lachendJst's doch das Los, das früher oder später uns alle ereilt. Aber gratulierst Du mir denn gar nicht?"

Wozu denn? Soll ich einem Menschen gratu­lieren, der seinen Kopf in die Schlinge gesteckt hat und dem man demnächst die Leiter unter den Füßen wegziehen wird? Das kannst Du doch nicht ver­langen, Heinz!"

Du bist und bleibstunverbefferlich! Aberwarte nur, auch Deine Stunde wird schlagen und dann wirst Du erkennen, was für ein abscheulicher alter Heide Du bisher gewesen bist."

Höre, Heinz, ehe diese Stunde kommt, bist Du längst ein weißköpfiger Urgroßvater geworden!"

Das wollen wir nicht mit solcher Bestimmtheit

behaupten,denn jede Schuld rächt sich auf Erden," wie Du weißt. Zunächst aber muß ich Dich bitten, alle Dir zur Verfügung stehende Geduld auszu­wenden und mit mir noch eine halbe Stunde hier auf dem Bahnhof zu verziehen. Ich erwarte näm­lich meine Schwiegermama, die Frau Geheimrat Piraly und meine Braut Asta, die mit dem Zuge um 4 Uhr 15 Minuten eintreffen."

Asta!" wiederholte Dornbusch langsam.Das ist einer von den gezierten Namen, die man in Romanen lieft. Wenn das Mädchen"

Spare Deine Weisheit," unterbrach ihn Amberg, indem er seinen Arm in den Roberts legte.Asta ist das liebenswürdigste, entzückendste und beste Ge- schöpschen unter der Sonne "

Selbstverständlich, alter Freund, selbstverständ­lich!" lachte Dornbusch.Aber nun laß hören, wir die Sache sich angesponnen hat "

Robert Dornbusch war das Haupt der Firma Dornbusch und Sohn," einer großen Maschinen­fabrik und Eisengießerei in Berlin Er und Am­berg waren bereits Schulfreunde gewesen unb liefe Freundschaft hatte sich, trotz ihrer ganz verschieden­artigen Charakteranlagen während der späteren Jahre immer inniger gestaltet, denn beiden gemeinsam war eine echte, unerschütterliche Ehrenhaftigkeit. Das Fundament der gegenseitigen Anhänglichkeit war das festeste: gegenseitige Hochachtung: die Thatfache aber, daß Amberg die Welt nur in rosenfarbenem Lichte sah, während Dornbuschs Pincenez unter gewissen Umständen besonders wenn es sich um moralische Schwäche anderer handelte die vergrößernden Eigenschaften eines Brennglases annahm, verlieh ihrem Verkehr eine pikante Würze, die demselben sonst gefehlt haben würde.

Tu willst wiffeu, wie die Sache sich ange­

sponnen hat," sagte Amberg, mit dem Freunde lang­sam den Bahnsteig hinabschreitend.So höre. Ich kenne Asta seit meinem zwölften Jahre und da sie sieben Jahre jünger ist als ich, so kannst Du Dir denken, was für ein winziges Dingelchen sie damals noch gewesen ist. Wie Du weißt, befand 'ich mich während meines Berliner Schulbesuches bei dem emeritierten Prediger Marsch in Pension. Na, der Geheimrat Piraly wohnte im Nachbarhause und da ich den inzwischen längst verstorbenen Sohn desselben im Laufe der Jahre oft besuchte, so machte sich die Bekanntschaft mit dessen Schwester Asta ganz von selbst. Vor fünf Jahren trat ich in die Armee ein; ich machte bei Piralys meinen Ab­schiedsbesuch und bei dieser Gelegenheit erhielt ich von Asta den erften Kuß. Damals war sie aller­dings noch ein kleines Schulmädel von dreizehn Jahren."

Aus Kindern ober werden Leute und aus Schulmädeln Bräute," lächelte Robert.Es thut mir nur leid, daß es gerade Dich treffen mußte."

Abwarten, bis Du sie gesehen hast," entgeg­nete Amberg, den Arm des Freundes in seinem Entzücken an sich drückend.Dann wirst Du anders reden."

Und der Vater? Bekleidet er noch irgend eine amtliche Stellung?"

Der Regierungsrat Piraly ist tot. Er war wohl an zwanzig Jahre älter als feine Frau und bereits pensioniert, als ich die Familie kennen lernte. Ich glaube nicht, daß er Frau und Tochter in sonderlich glänzenden Verhältnissen zurückgelaffen hat. Du weißt ja, wie es in solchen Fällen zu gehen pflegt."

Ich weiß. Nun, auf Vermögen brauchst Du ja nicht zu sehen. Willst Du aber als Ehemann