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al- Wöchentliche Beilagen: Kreis Blatt für die Kreise Marburg und Krchhain.
Tn: cf ul Verlag: Joh. Äug. ftod>, UmversitätS-Buchdruckerei in Marburg. AÄfllrt'H Beranlwvrtttcher Redakteur: Christoph RautenhauS in Mardma
Redaktion and Expedition: Markt 81. •xJM'W'J-H'IIkVW-Sk VRedaktion und Expedition: Markt 21.
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Srichcint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Ouartal-Bbonnementd-Preis bei der Expedition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
Marburg,
Sonnabend, 2. Juli 1892.
Anzeigen nimmt entgegen die Erpedition dieses Blattes, iowie die Annoncen-Bnreanx von Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moste in Frankfutt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
XXVII. Jahrgang.
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Deutsches Reich.
W. Aerki«, 1. Juli. Die Nordlandreise unseres Kaisers, welche derselbe von Kiel aus angetreten hat, geht zunächst nach Drontheim. Der kaiserlichen Jacht „Seeadler" giebt das Panzerschiff „Siegfried" das Geleit. Von Drontheim geht die Fahrt nach den Lofoten. — Die Kaiserin begab sich gestern Abend um 9 */2 Uhr nach Potsdam, um ihre Schwester, die Herzogin Friedrich Ferdinand von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücks- burg, bei deren Ankunft zu empfangen und nach dem Neuen Palais zu geleiten. — Das Denkmalkomitee für die K als erin Augusta beschloß in seiner heutigen Sitzung, eine auf fünf Künstler beschränkte Konkurrenz auszuschreiben. Bei den Entwürfen sind als Hintergrund des Denkmals gärtnerische Anlagen vorzusehen. Das Ergebnis der Sammlungen beträgt 141000 Mk. — Ter Bundesrat trat heute zu einer Plenarsitzung zusammen. Wie es heißt, befand sich auf der Tagesordnung unter anderm der Entwurf von Bestimmungen für die Viehzählung, sowie ein Abänderungsautrag, betreffend das Bahnpolizei- reglcment. Vorher tagten der Ausschuß für Justizwesen und die vereinigten Ausschüsse für das Land- Heer und die Festungen und für Eisenbahnen, Post und Telegraphen. Der Bundesrat wird in den nächsten Tagen, voraussichtlich am 8. nächsten Monats, in den Beratungen eine längere Pause eintreten lassen, so daß sich die Mitglieder in die Sommerferien begeben können. Die Sitzungen werden dann im September wieder ausgenommen. — Ueber die Reise des Kultusministers Dr. Bosse durch die Provinz Posen wird von dort berichtet, daß die Jnspizicnmg einer Anzahl Volksschulen in durchaus polnischen Landesteilen zur Feststellung vortrefflicher Ergebnisse des demscheu Unterrichtssystems geführt hat; polnische Kinder in solchen Landesteilen haben Vorzügliches im Deutschen geleistet. — In Posen empfing der Kultusminister eine polnische Deputation, welche eine Denkschrift über die Bedürfnisse der polnischen Bevölkerung überreichte. Dem „K. P." zufolge hätte der Minister erwidert, daß er in der wohlwollendsten Absicht nach Posen gekommen sei, um sich persönlich zu informieren und die Mittel ausfindig zu machen, dem Staatsministerium eine bezügliche Vorlage zu unterbreiten. — Um Mißverständnissen oder allarmierenden Schlüssen vorzubeugen, zu denen die Meldung wegen getroffener Cholera-Abwehrmaßregeln führen könnte, kann darauf hingewiesen werden, daß ein
Grund zur Beunruhigung weder im gegcnwärfigen Augenblick, noch in absehbarer Zeit vorliegt, weil zwischen unseren Grenzen und dem Choleraschauplatz nicht nur gewalfige räumliche Entfernungen liegen, sondern auch eine Tendenz der Seuche, in der Richtung auf Mitteleuropa vorzurücken, durchaus nicht erkennbar ist. Uebrigens brauchen die in Rede stehenden sanitären Maßregeln keineswegs erst neu ins Werk gesetzt zu werden, sondern sind von langer Hand, und zwar derart angeordnet und vorbereitet, um, wenn ihre Voraussetzungen aktuell werden sollten, sofort in vollem Umfange in Kraft treten zu können. Die Gefahr einer unbemerkten Einschleppung und Ausbreitung des Seuchenkeimes auf deutschem Boden erscheint daher al? völlig ausgeschlossen. — Die in der Artilleriewerkstatt zu Spandau hergestellten tragbaren Zelte für Mannschaften gelangen bei den diesjährigen Kaisermanövern zum ersten Mal in größerem Umfange zur Anwendung. Das Zelt besteht aus einer Zeltbahn, einer Zelt- oder Hals- leine, einem dreiteiligen Zeltstock, drei hölzernen Pflöcken (Heringe genannt) und zwei Hülsen mit je einer Halteschraube. Die Zeltbahn ist aus braunem, wasserdichtem Baumwollenstoff gefertigt und bildet ein Quadrat von 165 Zentimeter Seitenlänge. Die Zeltbahn kann auch Verwendung als Regenmantel oder als Decke erhalten. Die Fußtruppen tragen die Zeltausrüstungen unter der Tornistcrklappe, bei Kavallerie und Artillerie werden sie in besonderen Säcken weitergeführt. — Die Schaffung eines Festungsbaupersonalsist nach dem „Milit. Wochenbl." mit dem Beginn des laufenden Etatsjahres zum Abschluß gelangt. Dieses Personal ergänzt sich aus Unteroffizieren der Pionierbataillone, welche 6 Jahre gedient haben müssen (davon 3 Jahre als Pionierunteroffiziere); ihre Ausbildung erhalten sie auf der am 1. Oktober 1888 errichteten Festungsbauschule zu Berlin, nachdem fie bei der Truppe eine Vorprüfung behufs Zulassung zu dieser Schule abgelegt haben. — Eine Mitteilung des Kolonialamtes aus Deutsch-Ostafrika. Einem Privatbriefe des Geheimrats Kayser, der vom 6. Juni aus Dar- es-Salaam datiert ist, entnimmt die „V. Z.", daß cs ihm mit seiner Gesundheit bis jetzt sehr gut gegangen sei. Geh. Rat Kayser beabsichtigte, die verschiedenen Außenplätze zu besuchen und schließlich die Plantage Lewa der deutsch-ostafrikanischen Plantagengesellschaft und die Plantage Kikokon der deutsch-ostafrikanischen Gesellschaft zu besichtigen. Anfang Juli will Geh. Rat Kayser dann wiederum auf dem „Kaiser", auf dem er auch von Neapel abgegangen ist, die Rück-
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Im Kann der Töne.
Roman von F Fothergill. Autorisierte deutsche Uebertragung.
(Nachdruck verboten.!
(Fortsetzung.)
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Ich fing endlich an, nervös zu werden und dachte rben daran sortzugehen, als von einem anstoßenden Zimmer her Töne an mein Ohr schlugen, die meine Aufmerksamkeit erregten. Drinnen begann jemand Sioline zu spielen und zwar mit einer ungewöhnlichen Fertigkeit, einer außerordentlichen Vollendung und Feinheit. Es war so lieblich, daß es mir Thränen in die Augen lockte. Es lag in diesen Tönen etwas, das mir bekannt vorkam; mein Herz klopfte und einem plötzlichen Antriebe folgend, eilte ich vorwärts, schlug den Vorhang zurück und trat i in das Zimmer, aus dem die Töne kamen.
I Mitten in dem leeren Raume, dessen große Auster auf das düstere Plateau und die schreckliche Ngur des Läufers am Ende der Allee sahen, stand tot Kind — ein Knabe mit einer Violine: es war Siegmund, Eugens Sohn!
Er war gewachsen, die feine Kleidung hob seine üttte, schlanke Figur. Sein schönes, lockiges schwarzes Haar war etwas kürzer geschnitten, aber das melancholische, junge Gesicht, das sich mir zuwandte und tiefen, seelenvollen Augen mit dem offenen, storlichen Blick und dem frühzeitigen Ernste waren dieselben geblieben.
Einen Augenblick standen wir Beide bewegungs- «S. fast ohne zu atmen; dann aber warf er seine Violine bei Seite, stieß einen leisen Freudenschrei und sprang mit den Worten: „Das Fräulein, das Fräulein von zu Hause!' aus mich zu.
Vom Kopf bis zu den Füßen zitternd stand er vor
*1 und nun bemerkte ich, daß er älter und trauriger
aussah, als früher. Ungestüm drückte ich ihn an's Herz und bedeckte ihn mit Küssen. Er ließ es ruhig geschehen und schlang seine Arme um meinen Hals, egte das Gesicht auf meine Schulter, sah mich dann mit den großen, bittenden Augen an und fragte: „Hast Du meinen Vater gesehen?"
„Ja, Siegmund, ich habe ihn vorgestern gesehen."
„Hast Du auch mit ihm gesprochen?"
„Ja, ich habe lange mit ihm gesprochen."
„Wie sah er aus?"
„Wie immer — brav, wahr und edel."
„Nicht wahr?" sagte der Knabe, wobei seine Augen schimmerten.
„Ich weiß ganz genau, wie er aussieht. Ich warte, bis ich groß bin, um wieder zu ihm zu gehen."
„Magst Du mich leiden, Siegmund?"
„Ja; sehr."
„Könntest Du mich wohl lieben? Darf ich diejenigen lieben, die Du liebst?"
„Meinst Du ihn?" fragte er gerade heraus
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„Ich . . weiß nicht."
„Jp meine: ob ich um ihn besorgt sein und versuchen soll, ihn glücklich zu machen, bis Du wieder zu ihm kommst? Dann werden wir alle zusammen glücklich sein."
Er sah mich zweifelnd an. '
„Siegmund, ich werde die Frau Deines Vaters werden, aber nicht eher vollständig glücklich sein, ns Du bei uns bist."
Er bemühte sich, das Gehörte zu fassen; ich wartete beklommen und war überzeugt, daß ich ihn gewinnen könnte, wenn ich Zeit und Gelegenheit I ätte; aber ich fürchtete das Resultat dieser plötzlichen Mitteilung der dann folgenden Trennung. Ich
reise nach Europa antreten. — Aus Deutsch-Ostafrika berichtet Eugen Wolff (!): Der Vormarsch des Chefs Johannes nach dem Mlimandscharo stößt auf Schwierigkeiten; es ist zu einem Konflikt mit dem Häuptling Simbodja von Masinde gekommen. Letzterer nimmt eine feindliche Haltung an und verweigert die Stellung von Trägern. Chef Johannes kann infolge dessen nicht weiter vorwärts marschieren. Die Kilimand- scharostation ist aufgegeben. — Inwieweit sich diese Nachrichten bestättgen, bleibt abzuwarten.
— Die Sontagsruhe im Handelsgewerbe. Die „Deutsche Tabakszeitung" schreibt: „Als die Berliner Zigarrenhändler, denen sich sehr schnell zahlreiche Kollegen aus allen Gegenden Deutschlands anschlossen, im vorigen Jahre auf Anregung des Vorsitzenden des Vereins deutscher Tabakfabrikanten und -Händler, des Herrn A. Deter - Berlin, sich an den Bundesrat wandten, um demselben die große Schädigung zu schildern, welche ihren Geschäften durch die Einführung der Sonntagsruhe drohte, da gipfelte ihr Petitum, welches gleiches Recht für Alle fordert, in erster Reihe darin, der Bundesrat möge eine Anordnung dahin treffen:
„daß der Verkauf von Tabak und Zigarrell an Sonn- und Festtagen in den Stunden, während welcher die Zigarren - Verkaufsgeschäfte geschlossen sein müssen, allen anderen Personen verboten ist" und erst in zweiter Reihe, wenn dieser Wunsch nicht erfüllt werden könne, stellten sie das Petitum:
„der Hohe Bundesrat des Deutschen Reiches möge dahin wirken, daß in dem Gesetz, welches die Sonntagsruhe einführt, eine Bestimmung eingefügt werde, dahingehend, daß der Tabak und die Zigarren, sowie alle anderen Tabakfabrikate in bezug auf die Verkaufsfreiheit an Sonn- und Festtagen dem Bier, Branntwein und anderen Konsumtibilien gleichgestellt werde".
Wir können nun jetzt, nachdem die Verordnung über die Einführung der Sonntagsruhe erschienen ist, zu unserer Genngthunng mitteilen, daß der erste Teil des Petitums erfüllt worden ist, soweit sich dies überhaupt thun ließ. Restaurateure, Schankwirte und bergt dürfen in den Stunden, in denen für alle anderen Geschäfte die Sonntagsruhe gilt, gleichfalls keinen Handel treiben, d. h. sie dürfen ihren Gästen wohl Gegenstände zum Verzehren (resp. in unserem Falle znm Verrauchen) in ihrem Lokale verkaufen, aber nicht zum Mitnehmen. Ein Restaurateur darf also einem Gast eine Zigarre verkaufen, hat aber darauf zu achten, daß er dieselbe noch im Lokal an= zündet; verkauft er ihm mehrere Stück auf einmal,
schlang meinen Arm um seine Schulter und sagte, neben ihm nieberfnieenb: „Du mußt sagen, daß Du Dich darüber freust, sonst machst Du mich unglücklich. Du mußt mich ebenso lieben wie ihn! Sieh mich an und sage, ob Du mir vertrauen willst, bis wir alle zusammen sind; denn ich bin fest überzeugt, daß wir eines Tages vereinigt sein werden."
Er zögerte noch einen Augenblick, sagte aber endlich mit der ihm eigenen Ruhe: „Wenn er es so bestimmt hat, so muß es ja recht fein. Wird er aber Deinetwegen mich nicht vergessen?"
Damit brach feine Kindernatur durch das, was ihr gleichsam aufgepfropft war; feine Lippen zuckten und die dunklen Augen füllten sich mit Thränen. Armes Kind' So verlassen und unglücklich mitten n all dieser Pracht! Ich fühlte mich innig zu ihm hingezogen
„Dich vergessen, Siegmund? Dein Vater kann überhaupt nicht vergessen."
„Ich wollte, ich wäre erst groß," war alles, was er sagte
„Wohnst Du hier, Siegmund?" fragte ich ,3a"
„Bist Du mit dem Herrn Grafen verwandt?" „Ja, Gras von Rothenfels ist mein Onkel." „Behandeln sie Dich freundlich?" fragte ich lästernd, denn fein Ernst und feine große Traurig- eit machten mich besorgt und ich dachte mit Zittern daran, daß ich seinem Vater berichten mußte, in welchem Zustande ich ihn gefunden hatte.
„O ja!" antwortete er „Sie sind sehr freundlich." „Was fängst Du den ganzen Tag an?"
„Ich habe bei Herrn Nahrath Unterricht, reite mit Onkel Bruno und . . ■ und . . o! ich thue, was mir gefällt. Onkel Bruno sagt, daß ich später
so würde der Verdacht vorliegen, daß der Gast die Zigarren, oder doch eine Anzahl derselben mitnehmen will und der Wirt würde sich durch solchen Verkauf strafbar machen. — Wir meinen, daß die Petenten mit diesem Erfolg zufrieden sein können."
Karlsbad, 30. Juni. In Karlsbad wo gegenwärtig die Kaiserin Elisabeth von Oesterreich zur Kur weilt, wird für die nächste Woche ein zweiter fürstlicher Gast erwartet, nämlich die Exkaiserin Engenie von Frankreich.
Leipzig, 30. Juni." Der Hierselbst tagende deutsche Aerztetag hat darauf erneut aufmerksam gemacht, daß im Durchschnitt im Deutschen Reiche weit mehr Aerzte vorhanden sind, als gebraucht werden. Das Studium der Medizin ist weniger bemittelten jungen Leuten also nicht gerade zu empfehlen.
Hessen-Nassau.
Marburg, 1. Juli. Zu außerordentlichen Professoren der philosophischen Fakultät der hiesigen Universität sind von dem Minister der geistlichen :c. Angelegenheiten vom 1. Oktober d. I. ab die Herren Privatdozenten Dr. Wilhelm Schulze zu Greifswald und Dr. Peter Jensen zu Rupprechtsau (Straßburg) ernannt worden.
Marburg, 1. Juli. Dem kaiserlichen Botschafter in Madrid Freiherrn von Stumm ist das Großkreuz des Herzoglich braunschweigischen Ordens Hcinrich's des Löwen verliehen worden.
Marburg, 1. Juli. Gegenüber der von einer hiesigen Zeitung gebrachten Mitteilung über eine von Seiten der katholischen Gemeinde auf Herausgabe der Elisabethkirche erhobene Klage find wir in der Lage den genauen Sachverhalt unfern Lesern mitteilen zu können. Allerdings hat Herr Rechtsanwalt Handschuh hier für die hiesige katholische Gemeinde eine Klage gegen den Königlich Preußischen Staat, Abteilung für Kultusverwaltung erhoben. Die Klage ist auf Anerkennung des Rechts der katholischen Gemeinde gerichtet, in dem Chor der Elisabethkirchc und seinen Ncbenräumen Gottesdienst abhalten zu können und stützt sich auf eine Dccisiou des König Jeröme von Westfalen aus dem Jahre 1811. Mit dieser Klage aber hat es folgende Bewanduis: Bei Gelegenheit der durch das Gesetz vom 28. Mai 1885 betreffend die Ergänzung des Gesetzes vom 29. Mai 1873 über das Grundbuchweseu in dem Bezirk des Appellatiousgerichts Cassel angeordneten Grundbuch- regulicrung hat das hiesige Kgl. Amtsgericht auf All
eine Universität in Deutschland, oder wo ich sonst will, besuchen soll."
„Hast Du keine Freunde?"
„Ich bin am meisten bei Brunken, der mir manchmal von Papa erzählt. Er kannte ihn, als erst so alt war, wie ich jetzt bin "
„So? . . . O, das wußte ich nicht "
„Aber sie wollen mir nicht sagen, warum mein Vater nie hierher kommt und warum sie nie von ihm sprechen," fuhr er fort, indem feine Augen ruhelos durch die Baumreihen irrten.
„Jedenfalls ist es nicht wegen etwas Unrechtem," agte ich, „denn er thut nichts, als was gut und recht ist."
„O, natürlich! Aber ich kann keinen Grund >afür finden, so viel ich auch darüber nachdenke," agte er und legte feine Hand müde auf den Kopf. „Als ich einmal bei einem großen Diner von ihm Prach, wurde Tante Hildegard ganz bleich und 2nkel Bruno rief mich zu sich und sagte zu mir. o daß es außer mir niemand hören konnte: „Laß mich jenen Namen nie wieder hören!" und dabei ähen feine Augen ganz wild aus. Ich mag hier nicht fein," fügte er traurig hinzu. „Ich möchte wieder nach Düsseldorf zu meinem Vater, Friedhelm und Karl Linders. „Ich denke immer an sie."
„Friedhelm und Dein Vater sind jetzt nicht mehr dort, lieber Siegmund," sagte ich
„Nicht? Wo sind sie denn?" \
„Ich weiß nicht," war ich gezwungen zu sagen. „Sie haben den Krieg mitgemacht und wohnen, glaube ich, jetzt in Berlin; aber ich weiß es nicht gewiß."
Diese Ungewißheit schien ihn sehr zu bekümmern und er hätte noch mehr gesagt, wenn nicht der Eintritt Brunkens ihn daran verhindert hätte, der nicht