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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

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Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Quartal-AbonnementS-Preis bei der Expe­dition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. (extt. Bestellgeld). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zelle 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 26 Pfg.

Marburg,

Mittwoch, 29. Ium 1892.

Anzeigen nimmt entgegen die Erpedition dieses Blattes, iowie die Aunoncen-Bureaux von Haasenstcin u. Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Mofle in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.

XXV1L Jahrgang.

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20 Pf ) 2 M.' 18 M ! Mk.

10 big (3984 steife.

Wer von den bisherigen und neu ein» tretenden auswärtigen Abonnenten dieOberhessische Zeitung" mit ihren Bei­

blättern am 1. Juli pünktlich erhalten will, muß jetzt sofort bei der Post bestellen, da sonst ein pünktliches Eintreffen der ersten Rümmer nicht möglich ist.

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Schiffstaufe in Stettin.

Unser Kaiser traf am Montag Vormittag 103/4 Uhr an Bord der kaiserlichen JachtHohenzollern" in Bredow ein, legte gegenüber der Werft desVulkan" au und verblieb zunächst an Bord. Um 12 Uhr Mittags begab sich der Kaiser mit der Dampfbarkasse zur Landungsbrücke desVulkan", wo sich der kimmandierende General Frhr. v. d. Goltz, Vize- Admiral Hollmann, General v. Hahuke, der Kom­mandant des Hauptquartiers, Generalleutnant von

Namen und Deiner Flagge Ehre bringen und einge­denk bleiben des Großen Kurfürsten, der zuerst Uns auf den Seeweg wies, eingedenk Meiner großen Ahnen, die, teils in stiller Friedensarbeit, teils in hartem Kampfe den Ruhm und die Größe Unseres Vater­landes zu wahren und zu mehren wußten. Ich taufe DichHohenzollern!" Darauf besichtigte der Kaiser die Werft und kam um l1/. Uhr an Bord zurück. Nachmittags trat der Monarch auf der nunmehr Kaiseradler" zu nennenden Jacht die Rückreise nach Kiel an, von wo aus heute, Dienstag, die Nord­landsreise angetreten wird.

Gegen die Aeußerungen

des Fürsten Bismarck über die deutsche Reichs­regierung richtet sich ein ersichtlich aus dem Reichs- kanzleramt stammender Artikel derNordd. Allg. Ztg.", der sehr schweres Geschütz auffährt. In dem Artikel heißt es:Man hätte erwarten dürfen, daß, wenn man die deutsche Regierung vor dem In- und

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^öht btt anwesend waren. Der Stapellauf des neuen Avisos

St. ging glücklich von statten. Der Kaiser vollzog

Molkerei bringen, das sei Deine Aufgabe.

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Schmuck als zum Gefecht mögest Du Deine leichte

Artillerie

schlechte den Namen gab. Verbunden ist damit für Mein Vaterland Jahrhunderte lange Arbeit, ein Zu­sammenwirken mst dem Volk, Leben und Arbeiten

:i sott- csentliche tes und schwache, dürftige. >ns von verkauft.

M elbe ist tem von Wonnen, s hohen ür Con-

Wittich, der Oberpräsident der Provinz Pommern, v. Puttkamer, sowie der gesamte Aufsichtsrat und das Direktorium desVulkans" zur Begrüßung

für das Volk und im Streit und Kampf einherzu- fchreilen vor dem Volk. Das ist der Inbegriff des

den Taufakt mit folgender Rede:Du -stehst jetzt bereit, in Dein neues Element abzugleiten, Du sollst in die Reihe der kaiserlichen Kriegsschiffe eingereiht werden, dazu besttmmt, unsere Landesflagge zu tragen. Dein schlanker Bau, Dein leichtes Gefüge, welches nicht drohende Pforten und schwere Türme zur Abwehr zeigt, wie sie die Schiffe Meiner Kriegs­marine zum Kampfe gegen den Feind bei sich führen, zeigt Uns an, daß Du dem Friedenswerk geweiht bist. Leicht über die Meere dahinzufliegen, ver­mittelnd von Land zu Land, den Arbeitsamen Ruhe und Erholung zu gönnen, den kaiserlichen Kindern und der hohen Mutter des Landes Freude zu

tragen. Nun gilt es. Dir einen Namen zu geben. Du sollst den Namen führen, den jene hohe, weit in den Himmel ragende Burg führt, die, fern im schönen Schwabenland gelegen, Unserem Ge-

Kaffel.

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amtliche z^mens, den Du tragen sollst. Mögest Du Deinem ie Preis- ,

Auslande als unfähig und pflichtvergessen denunziert, man wenigstens den Versuch machte, Thatsachen dafür anzuführen. Nähme die gegenwärtige Regierung über­haupt perfönliche Motive zur Richtschnur ihrer Hand­lungen, so würde sie sehr gern eine Veröffentlichung der Akten des Auswärttgen Amtes veranlassen, um die gegen sie gerichteten, in Dunkel gehüllten An­griffe in Helles Licht zu fetzen und dem In- und Auslande einen von Stimmungen unabhängigen, au: positiven Unterlagen gegründeten Vergleich zwischen sonst und jetzt zu ermöglichen. Eine solche Ver­öffentlichung verbietet sich indessen u. A. durch die Rücksicht auf die davon berührten Personen und Re­gierungen des Zluslandes. Mit gutem Grunde ist seither an dem Satze, daß die meisten Einzelheiten der auswärtigen Politik nicht eher vor das Forum der Oeffentlichkeit gezogen werden sollten, als bis sie der Geschichte verfallen sind, sowohl seitens der Re­gierungen, als auch seitens unserer parlamentarischen Körperschaften festgehalten worden. Dem Urteile der Geschichte aber sieht die gegenwärtige Regierung mit der Ueberzeugung ruhig entgegen, daß ihre Hand­lungsweise deren Kritik nicht zu scheuen haben wird. Vielleicht wird ihr dann auch die Anerkennung werden, daß, wenn sie jetzt manchen Angriff schweigend über sich hat ergehen lassen, dem nicht ihre Scheu vor einer öffentlichen Auseinandersetzung, sondern ihre Auffassung von dem, was das Interesse des Reiches fordet, zu Grunde lag." Gegen heftige Angriffe derWestd. Allg. Ztg." auf den Reichskanzler Grafen

und zu Gefl. :r Preis Hause,

Im Kann der Töne.

Roman von 8 Fothergill. Autorisierte deutsche Uebertragung.

(Nachdruck verboten.)

Speise- (3540 id ald.

(Fortsetzung.)

Rasch erhob ich mich und trat zur Seite. Es entstand eine kurze Pause. Unter uns rauschte der Strom und die Sturmvögel schaffen kreischend an ans vorüber.

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Da zog er mich an seine Brust und gab mir einen langen, zärtlichen Kuß.O, gönnen Sie mir nur diesen einen Augenblick, Map; lassen Sie mich glauben, daß ich mich an Ihre edlen, mitfühlenden Worte halten kann: dann werde ich wieder Herr über mich sein.

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Ohne diesen Wink zu beachten, ergriff ich seinen Arm und sagte, ihm gerade in's Auge sehend: Aber verstehen Sie wohl, der Mann meiner Liebe darf nicht mein Diener sein; ich dulde keinen schwachen Zaum. Sie müssen mich mit starker §anb sichren, sonst empöre ich mich Sie müssen der Herr sein und mir den Weg zeigen, denn ich kenne ihn nicht. Ich weiß nicht, ob Sie sich dessen bewußt find, was Sie unternommen haben "

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Inhalt.

Sie sind aufgeregt, liebe May. Ihre Hoch­herzigkeit und Ihr weibliches Mitgefühl reißen Sie fort. Sie bedenken nicht, was Sie sagen und werden es morgen bereuen."

Das zu sagen, ist nicht hübsch von Ihnen und Ihrer nicht würdig," fuhr ich fortWährend sechszehn Monaten habe ich darüber nachgedacht und bin immer nur zu dem einen Resultat gekommen: ich liebe Eugen Olivier und wäre glücklich gewesen >benn er mich geliebt hätte und wenn er mir je seine Liebe gestehen sollte, so wird mich nichts in

der Welt dazu bewegen, durch Feigheit unser Glück zu zerstören.

Es ist unmöglich, May," nahm er nach einer Pause ruhig das Wort.Ich wollte, Sie hätten mich nie gesehen

Es liegt bei Ihnen, es möglich zu machen."

Wie hier, wo ich niemand kannte, meine Sünde mich auffand, so wird sie mich wieder auffinden.

Wenn Sie bann meine Gattin wären, May, sagte Olivier, so würde man mit Fingern auf sie zeigen, als auf die Genossin eines Mannes, der auf die schwärzeste Weise seine Ehre befleckt hat. Ich muß und will mein Schicksal allein tragen."

Sie sollen es nicht allein tragen," entgegnete ich, denn der Gedanke, daß ich ihm, dem Unglück­lichen, vor der Welt Gebrandmarkten beistehen konnte, gab meinem Herzen Kraft ...

Hören Sie, May," fagte er,Ihre Pflicht ist, nach Hause zu gehen und mich zu vergessen. Es wird ein Anderer kommen, der in Ihnen das liebenswürdigste und teuerste Wesen der Welt findet "

Eugen! Eugen!" rief ich.Wie können Sie so etwas sagen! Wenn Sie mich liebten, würden Sie bei dem Gedanken, daß ich einem anderen Manne angehören könnte, nicht so kühl bleiben "

-Vielleicht würde ich es nicht, wenn ich der Thatfache gegenüberstände," entgegnete er.Nein, ich wäre sicherlich nicht dazu im Stande.Doch es ist keine Thatsache; darum sage ich: verlassen Sie mich!"

Eugen," begann ich mit erzwungener Ruhe, ich liebe nicht oberflächlich und nicht zweimal ' Keine Liebe zu Ihnen ist kein bloßer Wahn. Ich habe mich mit aller Kraft dagegen gesträubt; ober ie hat gegen meinen Willen in meinem Herzen

Caprivi in Form angeblicher Aeußerungen Fürst Bis­marcks protestiert lebhaft dieRat. Ztg." Das nationalliberale Blatt erinnert an die dem Fürsten Fürsten dargebrachten Huldigungen, verurteilt aber eine solcheHetzerei" auf das Schlimmste..

Deutsches Reich.

W. Berlin, 28. Juni. Dem Präsidium des preußischen Abgeordnetenhauses ist folgendes königliche Handschreiben zugegangen:Die Mir aus Anlaß der Verlobung Meiner Schwester, der Prinzessin Margarethe von Preußen, königliche Hoheit, von Ihnen im Namen des Hauses der Abgeordneten dargebrachten Glückwünsche habe Ich gern entgegengenommen. Empfangen Sie Meinen wärmsten Dank für diese Aufmerksamkeit! Neues Palais, den 24. Juni 1892. gez. Wilhelm." Wie dieNat.-Ztg." hört, ist Geh. Rat v. Könen nunmehr zum Präsidenten des Patentamts ernannt worden. DieWestdeutsche Allg. Ztg." in Köln teilt Aeußerungen des Fürsten Bismarck über seinen Nachfolger mit. Darnach hätte der frühere Reichskanzler s. Z. lediglich im Hinblick au den baldigen Tod des Kaisers Friedrich geraten, in diesem Falle einen schneidigen General an die Spitze des preußischen Staatsministeriums zu stellen, da für schwierige Zeiten sowohl die Polizei, wie der Kriegs- und der Justizminister nicht volle Gewähr böten. Der Kaiser habe ohne Bismarcks Wissen damals schon Caprivi von Hannover kommen lassen und mit ihm verhandelt. Wenn Windthorst be­hauptet habe, Bismarck habe Caprivi empfohlen, so habe er mit des Kaisers Kalbe gepflügt, denn er habe zu keinem Menschen von der ohne Zeugen ge­führten Unterredung mit dem Kaiser gesprochen. Leider habe er, Bismarck sich überzeugt, daß Caprivi auch bezüglich der Schneidigkeit nicht gehalten, was er, Bismarck, erwartet habe. Außerdem habe der Kaiser ihn lange, bevor er mit ihm gebrochen, in Friedrichsruhe still gesetzt, und es sei keineswegs sein Wunsch gewesen, so häufig von Berlin abwesend zu sein, wie er thatsächlich abwesend gewesen. DieNordd. Allg. Ztg." bespricht den Parteitag, den die unter Fühmng des Reichstagsabgeordneteu Böckel stehende antisemitische Volkspartei am 19. und 20. Juni in Dresden abgehalten hat. Das Blatt greift besonders heftig den Plan an, eine deutsche Mittelpartei zu gründen und einen Bruch mit dem wirtschaftlichen Liberalismus herbeizuführen. Der Arttkel schließt mit folgenden charakteristischen

Wurzel geschlagen und nun kann ich sie nicht mehr herausreißen. Können Sie so grausam fein, mich fortzuschicken, mich allein nach England zurückkehren zu taffen ? Sie werden es zu verantworten haben!" Meine Fassung war dahin und ich brach in lautes Schluchzen aus.Aber Sie werden mich nicht örtschicken!" rief ich endlich und nahm seine Hand n die meinige.

Eugen, sehen Sie mich an!" Und als seine euchtenden Augen den meinigen begegneten, fuhr ich fort:Sie haben das Verbrechen, dessen man Sie beschuldigt, nicht begangen. Nicht wahr?"

Er schwieg.

Sehen Sie mich an und sagen Sie, daß Sie es begangen haben "

Wieder keine Antwort Ich fuhr fort:Fried- ijelm Helfen behauptete immer, daß Sie es nicht gcthan hätten Aber wenn auch feine Loyalität zrößer war als die meinige, fo übertraf feine Liebe nie meinige doch nicht; denn obgleich ich fast an Ihre Schuld glaubte, liebte ich Sie doch eben fo ehr wie früher "

Das ist es gerade, was die Sache schwierig macht. Sobald Sie sehen, daß man mich verdäch­tigt, fo wird Ihr treues, ungestümes Herz Sie >azu treiben, den Beleidiger zum Schweigen zu bringen und ihm zu fagen, daß er lüge "

Diese Seite der Frage hatte ich in meinem Eifer ganz übersehen und dieser Gedanke war mir voll- iänbig neu. Ja, ich fing an, zu verstehen, welcher Irt das Leiden fei, das er erduldet, welche Prü- ungen er bestanden hatte und mein Atem stockte >ei diesem Gedanken Nun sah ich, welche Ausgabe vor mir lag. Wenn man auf ihn zeigte, fo durfte ich nicht sagen:es ist eine Lüge, er ist eben fo ehrenhaft wie ihr."

Worten:Den Satz, daß an die Stelle der wirt­schaftlichen Freiheit eine wirtschaftliche Ordnung zu treten habe, hat die Böckelsche Agitatton mit der Sozialdemokratie gemein. Auf die Frage:Welche denn?" bleiben beide die Antwort schuldig. In der frivolen Anklage auf Korruption gegen Staats­regierung und Staatsbeamte kann die Sozialdemokratie auch kaum weiter gehen als Böckel. Was bleibt also für ein Unterschied zwischen der bisherigen antisemitischen Volkspartei", die künftig alsMittel- standspartei" auftreten will, und der Sozialdemokratie? Nur der eine, daß Böckel die sozialistische Benennung Kapitalismus" inLiberalismus" umtauft, um bei konservativen Gemütern von außergewöhnlicher Naivetät den Schein einer gewissen Verwandtschaft mit ihren Bestrebungen zu retten." Die letzte Woche kann man kaum anders bezeichnen, denn als Bismarckwoche. Vor der Reise des großen Kanzlers traten alle anderen Ereignisse völlig in den Hintergrund. Daß es nicht künstliche Mache war, welche den unendlichen Jubel, der Bismarck umbrauste, erzeugt hat, sondern der Herzensdrang des deutschen Volkes, darüber sind jetzt auch den Gegnern des Fürsten mit verschwindenden Ausnahmen die Augen aufgegangen. Dagegen lauten die Urteile über die politischen Aeußerungen des Altreichskanzlers und insbesondere das Gespräch, das dieN. Fr. Presse" veröffentlichte, sehr verschieden. Vor allem wird, so schreibt dieT. R.", und zwar nicht nur in freisinnigen und klerikalen Blättern, Bismarcks Darstellung bestritten, daß der Draht zwischen Deutsch­land und Rußland erst unter dem neuen Kurs ge­rissen sei. Am 6. Februar 1888 habe Fürst Bis­mark selbst vor dem Reichstage gesagt:Wir haben versucht, das alte vertraute Verhältnis zu Rußland wiederzugewiniien; aber wir laufen Niemanden nach". Besonders scharf ist die Sprache derFreis. Ztg." (Engen Richter), die über das Gespräch unter dem TitelGreisenhafte Schwatzhaftigkeit" berichtet. Aus Bismarcks Worten spreche nur persönliche Rachsucht, er sei vonraffinierter Unwahrhaftigkeit".Vom sittlichen Standpunkt aus betrachtet", sagt die Freis. Ztg.",ist zwischen offenem Landesverrat und solcher Aufhetzung Rußlands gegen Deutschland kein großer Unterschied. Wer den Fürsten Bismarck bei solchen Reden noch für völlig zurechnungsfähig erachtet, der muß schon fast einem blödsinnigen BismarckkultuS ergeben sein, wenn er ihn dann noch zu feiern wagt. Wäre Fürst Bismarck nicht von greisenhafter Schwatzhaftigkeit befallen, fo verdiente er nach seiner Wiener Rede, von Jedem, der noch

Bangt Ihnen davor?" fragte er, nachdem ich einige Augenblicke, von meinen Gedanken über» wältigt, schweigend dagesessen hatte.

Nein, ich vergegenwärtige mir den Fall; es bangt mir vor nichts," antwortete ich mit fester Stimme.Aber soll das heißen, daß Sie mit dem Bewußtsein Ihrer Schuldlosigkeit fünf Jahre hin» durch in der Verborgenheit gleichsam wie ein Toter gelebt haben?"

Ich gehorchte damit nur dem Gebote der Pflicht und der Ehre," erwiderte er errötend

Der Pflicht," rief ich seltsam bewegt.Wenn Sie die That nicht begingen, wer that es denn? Warum schweigen Sie?"

Unsere Augen trafen sich und nie werde ich tiefen Blick vergessen, in dem alle Geduld und Liebe, aller Stolz und alle Treue einer leidvollen Vergangenheit und Zukunft sich zu konzentrieren chienen.

Das ist der Prüfstein für Sie, May: diesen Punkt kann und darf ich Ihnen nicht erklären. Niemand außer mir weiß den Sachverhalt und ich werde ihn nie jemanden erzählen, selbst Ihnen nicht, wenn Sie auch mein zweites Ich werden. Nun wissen Sie alles." Er schwieg.

Also das ist die Wahrheit?" sagte ich.Danke Ihnen, daß Sie mir alles gesagt haben. Gedacht >abe ich mir immer, daß Sie ein Held seien; jetzt weiß ich es gewiß. O, Eugen, wie liebe ich Sie darum! Seien Sie meinetwegen unbesorgt; ich habe gelernt, Geheimnisse zu bewahren und werde Ihnen !-elfen, Ihr Verhängnis zu überwinden "

Endlich hatten wir uns verstanden; zwischen uns gab es nur ein Fühlen und Wollen für das ganze künftige Leben, und in diesem Bewußtsein umschlossen sich unsere Hände und trafen sich unsere