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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

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ordnetenhaus heute, Montag, beginnen wird, Herrenhause nicht nach den Beschlüssen Abgeordnetenhauses angenommen werden wird, daß also diese beiden Vorlagen noch einmal

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Abgeordnetenhaus beschäftigen werden. Beide Gesetze sollen am 15. d. Mts. im Herrenhaus zur Beratung gelangen. Die Eheschließungen zwischen Ausländern, namentlich russischen Unterthanen und deutschen Frauen, haben vielfach dadurch Miß­stände im Gefolge, daß die Frauen gemäß § 13

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Beranttvortlicher Redakteur: Christoph Rautenhau» in Marburg Redaktion und Expedition: Markt 21.

Was betest Du?"

O, dieselben Gebete, wie früher."

Ich bete jetzt nicht inehr und fürchte mich bei­nahe, wieder anzufangen."

Gute Nacht, Adelaide," sagte ich leise und sie ließ meine Hand los An der Thür wandte ich mich noch einmal um. Das Licht der Lamp« fvl noch auf ihr Gesicht, welches denselben sonderbaren, gedrückten Ausdruck trug. Das Herz von neuer Sorge erfüllt, verließ ich sie.

Der Tag muß schon gegraut haben, als ich endlich in einen schweren, von phantastischen Träumen beunruhigten Schlaf sank. Die meisten dieser Traum­bilder verschwanden ebenso schnell, wie sie gekommen waren; eins aber hastet in meinem Gedächtnis und sieht noch heute so lebhaft vor mir. als ob ich es wirklich durchlebt hätte.

Es schien mir, als ob ich im Grafenbergerthal wie damals Schlittschuh lief und wieder gerettet würde und zwar von Eugen Olivier. Aber plötzlich veränderte sich die Szene; über die glatte Eisfläche, auf welcher der Wind schneidend daher­pfiff und die Sterne frostig glitzerten, ergoß sich eine tobende Wasserflut, der Sturm heulte, der Helle Mond veischleierte sich: alles war Finsternis und Chaos. Er rettete mich nicht dadurch, daß er mich auf Schlittschuhen an's Ufer trug, sondern indem

er sich mit mir an einem dahinschwimmendem Baum hielt, bis wir an's Ufer getrieben wurden und landeten Aber kaum hatten wir den festen Boden betreten, so war von neuem alles verändert. Ich saß an einem Frühlingsnachmittag allein auf einer Bank int Hofgarten Es war int Mai. Die Kastanien, bäume und die Akazien standen in voller Blüte und der Wohlgeruch der letzteren machten die Luft schwer Die Nachtigallen sangen. Ich saß da im Schatten eines großen Baumes und blickte auf den Rhein, welcher fast dicht vor meinen Füßen vorüberfloß. Es schien mir, als ob ich eine große, nie vorher empfundene Traurigkeit überstanden hätte, als ob mir eine schwere Last vom Herzen genommen wäre, von deren Druck ich mich itoch nicht sofort erholen konnte und deren Rückwirkung selbst jetzt im Sonnen­schein, wo ich doch fühlte, daß iv durchaus keinen Grund zu Sorge und Kummer hatte, mich unglück­lich stimmte. Wie ich so da saß, kam jemand und setzte sich neben mich, ohne ein Wort zu sprechen Ich wandte mich nicht um, ihn anzusehcn; aber so­bald ich empfand, daß er an meiner Seite war, schwand die Traurigkeit immer mehr, bis mein Herz so voll Freude war, daß die Thränen sich mir in's Auge drängten. Da legte er seine Hand auf die meinige und ich sah ihn an Es war Eugen Trauer sprach aus seinem Gesicht und den Augen; aber ich wußte, daß er mich liebte, wenn er auch weiter nichts sagte, als nur das eine Wort:Bergieb! woraus ich ihm antwortete:Kannst Du vergeben!"

Ich wußte aber, daß meine Frage auf etwas viel tieferes sich bezog, als auf jene alberne Episode im Theater, wo ich ihn verleugnet hatte. Er nickte; ich fing an zu meinen und verbarg mein Gesicht in die Hände; aber es waren Thränen hoher Freude und mein Herz hatte noch nie einen so vollen und

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traurig. Es durchfuhr mich wie ein Schrecken vor einem drohenden Unglück.

Bist Du krank, Adelaide?" rief ich.

Nein Gute Nacht, liebe Map. Schlaf' wohl!' Dabei beugte sie sich zu mir und gab mir zu meinem Erstaunen einen leichten Kuß Dann fragte sie, meine Hand noch in der ihrigen haltend:Betest

ganzen Frieden empfunden. Da löste er meine Hände vom Gesicht, zog mich an sich, küßte mich und sagte:Mein Lieb!" unb als ich den Druck seiner Lippen auf den meinen fühlte ja, wirklich fühlte, während die Vögel ihre Frühlingslieder zwitscherten, das Wasser die Sonnenstrahlen wieder- spiegelte, die Akazien dufteten, da erwachte ich und sah mich einem grauen Februar-Morgen gegenüber.

Der Regen schlug gegen die Fenster, mein Kopf schmerzte und das Herz that mir weh. Ich wußte, daß ich wachte, daß der Frühling, die Akazien, die Nachtigallen, vor allem, daß die Lieke nur ein Traum gewesen war; und mit der Erinnerung an den vergangenen Abend kam mir auch das Bewußt­sein des neuen Tages und seines Lebens wieder.

Da ich nicht mehr schlafen konnte, so stand ich auf und betrachtete durch das Fenster den fallenden Regen, die aufgeweichte Straße, die traurig kahlen Bäume, den oben Exerzierplatz, welcher jetzt mit Schlamm und halb ausgethautem Eis bedeckt war unb bie lange, einförmige Front der Kaserne wahrlich, kein heiterer Anblick!

Als ich bie Treppe hinunterging, begegnete mir Sir Peter im schweren Reiseüberrock in ber Halle; ein Wagen stanb vor ber Thür unb fein Diener trug Gepäck unb Decken in denselben. Ich blieb verwurtdert stehen. Sir Peter sah mich an und lächelte mit dem zweideutigen Wohlwollen, welches er mir zu gewähren pflegte.

Es thut mir sehr leid, auf Ihre angenehme Gesellschaft verzichten zu müssen, Miß Wedderburn; aber Geschäfte rufen mich gebieterisch nach England. Ich bin wenigstens sicher, daß meine Frau mit solch einer Gesellschafterin nicht unglücklich zurückbleiben kann."

Sie gehen nach England?"

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Ouartal-Adonnements-Preis bei der Expe­dition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 26 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jm'ertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 26 Pfg.

noch, Map?

-Ja."

waltung an bie Stabtgemeinde; 4. Zuschuß für die Verwaltung des Elisabeth-Hauses; 5. Bericht über die Bohrarbeiten in Wehrda.

MarVurg, 13. Juni. Der preußische Kultus­minister hat die Direktoren der Lehrerseminare veranlaßt, die mit dem Seminaristen bezw. deren Eltern abgeschlossenen Kontrakte abzuändern, die jeder in das Seminar aufgenommene Zögling zu unter­zeichnen hat, sofern er nicht Schulgeld zahlen und auf jegliche Unterstützung verzichten will. Bisher war auf Grund dieses Kontraktes ber ins Amt tretenbe Lehrer verpflichtet, brei Jahre ber Regierung zur Verfügung zu stehen, d. h. bie ihm zuerst über­tragene Stelle brei Jahre zu verwalten. Der Minister hat nun bestimmt, daß diese Zeit auf fünf Jahre verlängert werde. Die Verfügung hat rückwirkende Kraft und muß in die Kontrakte der die Seminare jetzt besuchenden Zöglinge nachträglich aufgenommen werden.

Warvnrg, 13. Juni. Aus Anlaß eines Spezial­falles hat der preußische Minister des Innern ent­schieden, daß die Einschränkung des Drehorgel­spiels auf einzelne Stunden an bestimmt bezeichneten Tagen unter Verbot des Einsammelns von Geldbei­trägen in den Häusern nicht gerechtferttgt sei. "

Marvnrg, 13. Juni. In der hiesigen Turn­halle fand gestern die Bezirksvorturnerstunde des 1. Bezirks des Gaues Hessen statt. An derselben beteiligten sich die Vorturner der Turnvereine zu Amöneburg, Biedenkopf, Frankenberg, Gemünden, Laasphe, Rauschenberg, sowie die Marburger Vereine Turnverein" unbTurngemeinde." Die Hebungen wurden unter Leitung des Bezirksturnwarts Heuser- Marburg ausgeführt und bestanden hauptsächlich in dem für das Grünberger Gauturnfest (3. Juli) fest­gesetzten Pflichtübungen. Hieran anschließend fand bann am Nachmittag im Turnergarten das Sommer- Antnrnen des hiesigenTurnvereins" statt, welchem bie fremden Turner, dem sich noch eine Abordnung des Turnvereins Kirchhain zugesellte, beiwohnten. Das am Nachmittag veranstaltete Schau­turnen umfaßte Freiübungen und Geräteturnen, wobei man wieder sehr schöne turnerische Leistungen zu sehen bekam, welche von dem zahlreich anwesenden Publikum mit Beifall belohnt wurden. Ein am Abend impro­visiertes Tänzchen bildete den Schluß.

Warvorg, 13. Juni, lieber den Stand der Saaten in unserer Umgebung wird durchweg nur gutes berichtet. Als ein Zeichen des prächtig hohen KornstandeS wurde uns heute morgen ein 2,10 Meter langer Kornhalm überbracht.

heischt aber sehr große Schonung, weshalb der Fürst seine Rückreise aus dem Süden mit großen Zwischen­pausen vornehmen muß. Mit Rücksicht auf diesen Umstand wird von größeren Hoffestlichkeiten während des Aufenthalts des Großherzogs in Potsdam ab­gesehen. Auch der König von Rumänien hat alle Empfangsfeierlichkeiten bei seinem bevorstehenden Aufenthalte am Potsdamer Hofe verbeten. Sein Aufenthalt, welcher lediglich Besprechungen wegen der Verlobung des Kronprinzen Ferdinand von Rumänien betrifft, wird höchstens 1 bis 2 Tage währen. Erwähnt mag gleich sein, daß die Hochzeit des rumänischen Kronprinzen im Laufe des Monats November, in welchem die junge Braut ihr 17. Lebens- tahr vollendet haben wird, stattfinden wird, lieber den Ort, wo die Trauung vollzogen werden soll, ist bisher nichts besttmmt. Zum portugiesischen Staatsbankerott schreibt dieNordd. Allg. Ztg." wie folgt: Bei den Fiuanzverhandlungeu mit der Lissaboner Regierung fei auf die portugiesischen Finanzen und das Nationalgefühl die weitestgehende Rücksicht genommen worden, und daher war die Erwartung gerechtfertigt, daß der mühselig zu Stande gebrachte Vergleich das Verhältnis Portugals zu den auswärtigen Gläubigern endgiltig geregelt habe. Um so größer sei nun das Befremden, daß die portugiesische Regierung plötzlich ganz einseitig den Gläubigern eine Abfindung zudiksieren wolle, wodurch die Zinszahlung auf ein Drittel herabgesetzt wurde. Nicht nur un­mittelbar beteiligte Kreise verurteilen ein derartiges Vorgehen aufs Lebhafteste; allenthalben giebt sich in der Presse Erstaunen und Entrüstung kund. Inwie­weit die Regierungen auswärtiger Staaten ver­anlaßt sein sollten, zu dem einseitigen Vorgehen des portugiesischen Ministeriums, bas ben früher angestrebten Ausgleich einfach bei Seite schiebt, Stellung zu nehmen, sei vorerst abzuwarten. Als sicher wirb von derKöln. Ztg." angenommen, daß sowohl das Gesetz über die Anstellung von Militäranwärtern im Kommunaldienst, wie das Tertiärbahngesetz, dessen zweite Lesung das Abge-

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I«r Karr« -er Töne.

Roman von F Fothergill.

Autorisierte deutsche Uebertragung.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Lady Le Marchant's Wagen hatte schon lange auf uns gewartet. Es war Thauwetter eingetreten und der nieberriefelnbe Regen eröffnete keine ange­nehme Aussicht für die Karnevals-Vergnügungen am Montag und Dienstag. Der Abschied zwischen Adelaide unb Forli war kurz; sie wünschten sich, ohne ein­ander die Hand zu gebe», eine gute Nacht unb er wandte sich ab, um eine Droschke zu suchen, ehe wir noch alle unseren Wagen bestiegen hatten.

Adelaide sprach wätzreud der Heimfahrt kein Wort. Ich lehnte mich zurück, schloß die Augen und ließ die Ereignisse des Abends noch einmal an mir vorüberziehen.

Eugen'S Freund hatte verächtlich über bas heim­tückische Flüstern gelacht. Ich konnte bas nicht so ohne weiteres; immerfort klangen mir mit ber Walzer-Melodie die Worte in den Ohren:Er ist nicht rechtschaffen unb ehrenhaft, sondern mrsteckt sich aus Scham unb Schande. Fragen Sie ihn, ob er noch an den 2« >. April vor 5 Jahren denkt'

Der Wagen hielt und ein schläfriger Bedient r ließ uns ein. Als wir bie Treppe hinausgegangen 'waren, zog Adelaide mich mit in ihr Zimmer.

Einen Augenblick, May! Hast Du Dich amüsiert?"

Hm . . . nun . . » ja und ndn. Unb Du, Adelaide?"

Ich amüsiere mich jetzt nie mehr," antwortete sie;baran gewöhne ich mich nun schon."

Sie faltete ihre mit Juwelen geschmückten Hände, und bas Licht ber Lampe, welches auf ihr Gesicht fiel, zeigte baffelbe verhärmt unb unaussprechlich

Hessen-Nassau.

Marvurg, 13. Juni. Tagesordnung für die öffentliche Sitzung des Bürgerausschusses am 15. Juni 1892, Nachmittags 5 Uhr, im Rathaussaal: 1. Tauschvertrag über mehrere Grundflächen an der Haspel- und Wilhelmsstraße; 2. Vertrag über Ab­tretung von Grundflächen an der Marburg-Moischter Landstraße; 3. Uebernahme der Ortspolizei - Ver-

Ziffer 5 des Bundesgesetzes vom 1. Juni 1870 über die Erwerbung und den Verlust der Bnndes- und Sraatsangehörigkeit die deutsche Staatsange­hörigkeit verlieren, oft schon nach kurzer Zeit mit ihren Kindern als lässige Ausländer ausgewiesen werden, und in dem fremden Lande, dessen Sprache sie nicht kennen, dem Elend entgegen gehen. Um der Gefahr zu begegnen, daß die einen Ausländer heiratenden deutschen Frauen aus Unwissenheit in eine solche Lage geraten, sind die Standesbeamten mit Anweisung dahin versehen worden, bei Ehe­schließungen deutscher Frauen mit Ausländem die Bräute auf den durch ihre Verehelichung einttetenden Verlust ihrer Staatsangehörigkeit und die damit verbundenen Folgen aufmerksam zu machen. Eine Anzahl Antisemiten Berlins und anderer Städte Norddeutschlands hat einen Parteitag zum 26. Juni nach Berlin einbemfen, einige Tage vorher wird die sogenannte ansisemisische Volkspartei einen be­sonderen Parteitag in Dresden abhalten und gleich- zeilig machen die Leiter der ebenfalls ansisemisischen deutschsozialen Partei bekannt, daß sie mit beiden Parteitagen nichts zu thun haben, sondern in nächster Zeit eine eigene Vertrauensmännerbesprechung ab­halten werden. Zur Verhaftung des Rektors A h l w a r d t in Berlin wird jetzt der Inhalt eines Beschlusses des Landgerichts I. in Berlin vom 22. Mai veröffentlicht, worin dieses die Verhängung der Untersuchungshaft .gegen den Angeschuldigtcn ablehnt, da kein Grund vorliege. Das Kammer­gericht, als höhere Instanz, hat dann die Verhaftung beschlossen. Der vom Kammergericht gefaßte Haft­beschluß tragt die Ueberschrift:Beschluß in der Strafsache wider den Rektor Ahlwardt in Berlin wegen Beleidigung !" Die öffentliche Verhandlung soll thunlichst beschleunigt werden. Aus dem Hinterlande von Kamerun kommt die Nachricht, baß ber französische Forscher Mixon, der von Jola aus südöstlich vorgedrnngen war, sich am 4. April in Komera mit dem bekannten französischen Reisenden Brazza vereinigt hat.

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Anzeigen nimmt entgegen die Erpedition dieses Blattes, iowie die Amwncen-Bnreaux von Haasenstein u. Vogler m wttii rv t Frankfurt a. M Casiel, Magdeburg und Wien; Rudolf AÄVU. - tÖÖTQfltlÜ, Moste in Frankfurt a. M Berlin, München u. Köln; G. L.

Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.

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Deutsches Reich.

W. Berlin 13. Juni. Unser Kaiser hat in den letzten Tagen Kavalleriebesichtigungen in Potsdam und Berlin abgehalten. Am Sonnabend waren das erste und zweite Dragonerregiment an der Reihe, die auf dem Tempclhofer Felde bei Berlin sehr scharf vorgenommen wurden. An der Spitze des zweiten Garde-Dragoner-Regimentes ritt der Kaiser zur Kaserne des letzteren und nahm dort das Mittags­mahl ein. Abends erfolgte die Rückkehr nach Potsdam, nachdem da Kaiser noch im Berliner Schlosse die Vorträge lies Militär- und Zivilkabinetts gehört hatte. Atzl Sonntag Vormittag besuchten die Majestäten den Gottesdienst in der Friedenskirche und unternahmen Nachmittags einen Ausflug. Heute Montag kommt der Kaiser zur Besichtigung der Garde - Kürassiere wieder nach Berlin und wird Nachmittags dem Armee-Jagdrennen in Hoppegarten beiwohnen. Nach der Rückkehr von dort begrüßt der Kaiser den iu Berlin cintreffenden König Oskar von Schweden und begiebt sich mit demselben sofort nach Potsdam. Dem Vernehmen nach dürfte der Kaiser bereits am 24. d. M. Potsdam verlassen und sich zunächst zti mehrtägigem Aufenthalte nach stiel begeben, um daselbst Flottenbesichtigungen abzu­halten. Am 28. oder 30. Juni tritt der Monarch voraussichtlich seine Nordlandsreise an. Die Begleitung des Kaisers auf derselben wird nach den bisherigen Bestimmungen aus folgenden Herrn be­stehen: Oberst und Flügeladjutant v. Lippe als Stellvertreter des Chefs des Militärkabinetts von Hahnke, der Chef des Marinekabinetts Kapitän z. S. Frhr. v. Senden-Bibran, die Flügeladjutanten von Kessel, v. Scholl, v. Jacobi und der Haus- und Hofmarschall v. Lyncker. Als Vertreter des Aus­wärtigen Amts wird Geh. Leg.-Rat v. Kiderlen- Wächter den Kaiser begleiten. Die übrige Reisege­sellschaft besteht aus dem Grafen v. Schlitz, genannt v. Görtz, Direktor ber Kunstschule in Weimar, Grafen zu Eulenburg, preußischem Gesandten in München, dem Premierleutnant im Garde-Kürassier-Regiment v. Hülsen, dem Marinemaler Saltzmann und für den späteren Teil dem Dr. Güßfeldt, welcher sich bereits am 3. d. M. nach Norwegen vorausbe­geben hat und den Kaiser in Bodoe erwarten wird. Am Kaiserhofe sieht man mit besonderer Teilnahme dem in den nächsten Tagen bevorstehenden Besuch des Großherzogs von Mecklenburg - Schwerin ent­gegen. Der Gesundheitszustand des Großherzogs ist in erfreulich fortschreitender Besserung begriffen, er-

Marburg,

Dienstag, 14. Juni 1892.

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