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Retmktion 9unb l^pedition^ Markt 21. JlluMertes Sonntagsblatt. Redaktion und Expeditton: Markr 21.
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Marburg,
Sonntag, 12. Juni 1892.
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Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Parisi
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Wochenschau.
Tas Pfingstfest liegt hinter uns, mit raschen Schritten steuern wir nun dem Sommer zu, der, allem Anschein nach, in diesem Jahre eine rechte Ruhepause für alles politische Leben und Treiben werden wird. Das Pfingstfest verlies still; die Ereignisse, welche sich an seine Tage knüpften, die Begegnung zwischen dem deutschen und dem russischen Kaiser in Kiel, das französische National-Turnfest in Nancy und der bei dieser Gelegenheit stattgehabte Besuch des Präsideuteu Carnot durch den Großfürsten Konstantin von Rußland, einen Vetter des Zaren, waren mehr interessant, als wichtig, und ihre Bedeutung besteht in der Hauptsache darin, daß alles so bleibt, wie cs bisher gewesen. Die Völker brauchen keinen nahen Krieg zu befürchten. Der republikanische Pudel wedelt pflichtgemäß mit dem Schweife, wenn der Zar-Selbstherrscher winkt. Das ist der Humor in der heutigen europäischen Lage.
Während im deutschen Reich der Kieler Entrcvue mit kühlem Gleichmut zugeschaut wurde, sind die Franzosen ob der Nancyer Ereignisse rein aus dem Häuschen geraten und strahlen jetzt vor Glück. Die czechischen und andere Festgäste haben cs zwar nicht an einigen, dem französischen Ohre lieblich klingenden Revauchereden fehlen lassen, aber darauf hat man weniger geachtet, alle Aufmerksamkeit konzentrierte sich auf den plötzlichen, gar nicht programmgemäßen Besuch des russischen Großfürsten Konstantin, der von der Bevölkerung mit ungeheurem Jubel empfangen ist. Die Pariser Journale sagen übereinstimmend,
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Weiter sah man in dem Saal Bauern und Bäuerinnen jedes Bolksstammes; Türken, Finnen und Indianer, sogar ein Karl der Große — es war ein Gewimmel, welches das Auge blendete «nd ermüdete
Währeno ich die Maskerade betrachtete, ließ ich die Gruppe in meiner Nähe nicht aus den Angen. Sie trennte sich, Lady Le Marchant nahm den Arm, welchen Forli ihr bot und beide ging, n die Stufen hinunter, Miß Wedderburn und den jungen Sekretär allein zurücklaffend; ich stand dicht bei ihnen; noch jwei andere Masken, beide in Dominos, hielten sich m der Nähe auf. Die eine trug einen weißen Domino mit einer scharlachfarbenen Rosette auf der Brust; die andere, dicht in einen schwarzen Domino gehüllt, sah den beiden Abgehenden lange nach, sti g dann die Orchestertrepp^ hinunter und folgte ihnen.
„Lasten Sie sich durch mich nicht abbalten, Mr. Arkwright," hörte ich Miß Wedderburn sagen. „Sie wollen gern tanzen, gehen Sie und amüsieren Sie sich "
„Ich kann Sie doch nicht allein lasten, Miß Tcdverburn "
„C doch, das können Sie. Ich bleibe hier, ich wache mir nichts aus dem Tanzen und will nur : laschen. Sie werden mich hier wieder finden, wenn Sie zurückkommen."
Er gab endlich ihrem wiedetholten Drängen wich und Ling, um in der Menge unten Vergnügen Ä suchen
Jetzt war Miß Wedderburn allein. Sie wandte
Im Kann -er Töne.
Roman von F Fothergill.
Autorisierte deutsche Ucbertragung.
(Nachdruck verboten.] (Fortsetzung.)
-Jahr» (243) V
Kaiser Alexander habe seinen 'Vetter gesandt, um zu betonen, daß er trotz der Fahrt zum deutschen Kaiser nach Kiel nach wie vor am „Bündnis" mit Frankreich festhalte. Lassen wir den Leuten die Freude.
Unter herzlicher Anteilnahme der Nation hat Kaiser Franz Josef von Oesterreich in Budapest das fünfundzwanzigjährige Jubiläum seiner ungarischen Königskrönung begangen. In der ungarischen Hauptstadt war zu Ehren dieser Festlichkeiten, welchen zu allgemeinem Bedauern die kränkelnde Kaiserin Elisabeth scrngeblieben war, ein bis dahin dort nicht gesehener Glanz entwickelt, und die Bevölkerung zeigte eine derartige innige Anhänglichkeit, daß der Kaiser auf das Tiefste bewegt war und dieser Stimmung in seinem herzlichen Danke Ausdruck gab. Keinerlei Mißton hat die schöne Feier getrübt. Einige Verstimmung herrscht in allen deutschen Kreisen Oesterreichs wegen des herausfordernden und deutschfeindlichen Auftretens der tschechischen Turner, welche den Einladungen der Franzosen nach Nancy zu deu dortigen Festen gefolgt waren. Dem Verein der Turner steht eine entsprechende Rektifizierung für die Diskreditierung Oesterreich - Ungarns im Auslände bevor.
In Rom hat in der Deputiertcnkammer der Kampf um das von der Regierung geforderte provisorische Budget begonnen, welches in den Kreisen der Volksvertreter auf mancherlei Widerspruch stößt. Die Regierung rechnet indessen aus die Bewilligung, wenn auch nur mit geringer Mehrheit. Falls diese Rechnung trügen sollte, wird sofort die Auflösung des Parlamentes ausgesprochen werden. Im Hinblick auf diese verwickelten Verhältnisse hat auch das italienische Königspaar, welches ursprünglich gleich nach Pfingsten in Berlin resp. Potsdam eintreffcn wollte, die Reise vertagt. Auch in England stehen die Neuwahlen zum Parlament sehr nahe bevor.
Keine angenehme Pfingstfreude ist den Gläubigern des Königreiches Portugal, von welchen sich bekanntlich auch in Deutschland recht viele befinden, bereitet worden. Die Versuche, einen Ausgleich zwischen dem in argen Geldnöten befindlichen Staate und seinen Gläubigern herbcizuführen, sind gescheitert, und Portugal wird deshalb vor der Hand nur den dritten Teil der Zinsen bezahlen. Die hincingefallenen zahlreichen kleinen Kapitalisten können sich aber bei den Banken bedanken, welche sie aufs Glatteis führten.
Im Orient sieht es überall still aus. In Rumänien herrscht Helle Freude über die letzter Tage in Potsdam vollzogene Verlobung des Kronprinzen Ferdinand mit der Prinzessin Marie von Wales,
sich um und als ihre Augen durch die Maske hindurch den meinigen begegneten, durchzitterte es mich Eine so günstige Gelegenheit hatte ich nie erhofft und ich sagte mir. daß ich ein großer Narr wäre, wenn ich sie entschlüpfen ließe. Aber wie beginnen? Ich sah sie an. Schön war sie, sehr schön, diese junge Engländerin mit dem wundervollen Gemisch von Feuer und Sanftmut, wodurch sie mir von Anfang an als eine der reizendsten Frauen, die ich je gesehen, erschienen war.
Während ich noch unbeholfen und unentschloffen dastand, winkte sie mir, mich ihr zu nähern. Im nächsten Augenblick war ich an ihrer Seite und vei beugte mich schweigend.
„S.e sind Herr Helfen, nicht wahr?" fragte sie. „Ja," sagte ich und entfernte meine Maske.
„Woran erkannten Sie mich?"
„An Ihrer Figur und Haltung. Tanzen Sie nicht?" „Ich? — o nein!"
„Ich auch nicht. Ich war nie weniger zum Tanzen oder zu einer Maskerade aufgelegt." Dann fügte sie zögernd hinzu: „Sind Sie heute Abend allein?"
„Ja, Eugen wollte nicht mitkommen " „Komm! -er überhaupt nicht hierher?" „Nein."
„Das wundert mich."
„Ich versuchte ihn zum Mitgehen zu bereiten," sagte ich entschuldigend, „aber es gelang mir nicht Er sagte, er. wolle zu Hause ein wenig mit sich ielbst sprechen "
„Sol" erwiderte sie, wobei ihr die Röte in's Gesicht stieg, wie ich an der Färbung ihrer Stirn oberhalb der Matzke bemerkte
„Seit Siegmund uns verlassen hat, kümmert er ich um nichts mehr," fuhr ich fort.
die eine Enkelin der Königin von England und eine Nichte des russischen Kaisers ist. Der Letztere soll nicht gerade erbaut von dieser Verbindung gewesen sein. Fürst Ferdinand von Bttlgarien reist in Europa umher, wie es scheint, um sich auch eine Frau zu suchen. Das Geschäft scheint ihm aber immer noch recht sauer zu werden. In Griechenland wird nach der Ende dieser Woche erwarteten Rückkehr des Königs Georg die Neubildung der Regierung erfolgen und der bei den letzten Wahlen siegreiche Parteiführer Trikupis an die Spitze des Staatsministeriums gestellt werden.
Nicht blos in Geldsachen hört für bekanntlich die Gemütlichkeit auf, sondern auch bei Wahlkandidaturen, das zeigt sich jetzt in deu Vereinigten Staaten von Nordamerika, welche in diesem Herbst einen neuen Präsidenten zu wählen haben werden. Der zeitige Präsident, General Harrison, hat selbstredend die allergrößte Lust, sein Amt weiter zu führen, und will sich deshalb auch als Kandidat der republikanischen Partei von Neuem aufstellen lassen. Unter Harrison sind aber allerlei Geschichten vorgekommen, die sehr nach Protektious- und Schürzeuwirtschaft sprechen, und ein sehr starker Teil der rcpublikamfchcu Partei hat deshalb Harrison satt. Diese Strömung hat sich der chrzeige Minister des Auswärtigen Blaine zu Nutze gemacht und er hat durch geschickte Anhänger die Vertrauensmänner der republikanischen Partei dermaßen bearbeiten lassen, daß er jetzt ' die besten Chancen hat, Wahlkandidat der Republikaner zu werden. Das hat dem Präsidenten Harrison ganz mächtig gewurmt und das Verhältnis zwischen Präsident und Minister hat sich infolgedessen so unleidlich gestaltet, daß Herr Blaine seinen Ministerposten nicdcr- gelegt hat. In der südamerikanischen Republik Venezuela tobt ein erbitterter Bürgerkrieg, welcher dem vorjährigen in Chile an Heftigkeit wenig nachzugeben scheint. Ter Ausgang scheint der gleiche, wie dort, werden zu wollen, denn nach den letzten Meldungen haben die Truppen des Präsidenten eine schwere Niederlage von den Ausstänidischeu erlitten.
Deutsches Reich.
W. Werkin, 11. Juni. Unser Kaiser begab sich am Freitag ftüh von Potsdam zu Pferde nach dem Bornstedter Felde und besichftgte daselbst das Leib - Gardehusareurcgimcnt und das Regiment der Gardes du Korps. Der Trnppeubesichtigung wohnten die in Berlin und Potsdam anwesenden königlichen Prinzen und zahlreiche andere Fürstlich-
„Siegmund — war das der liebe kleine Knabe?" „Ganz recht."
„Erzählen Sie mir von ihm. Sein Vater war wohl ganz verliebt in ihn?*
„Ich glaube nicht, daß je ein Mann fein Kind so geliebt hat. Nur die Not — die bitterste Not hat sie getrennt."
„Wieso — die Not? Sie meinen doch nicht Armut?" fragte sie erschrocken
„O nein! Moralische Notwendigkeit. Den Grund kenne ich nicht und habe nie darnach gefragt. Aber ich weiß, es war für ihn ein Todesstoß."
„Ah!" sagte sie und entfernte mit einer hastigen Bewegung ihre Maske, als ob sie unter derselben ersticken müßte. Dann sah sie mir mit ihren schönen klaren Augen in's Gesicht.
„Wer konnte ihn zwingen, sich von seinem eigenen Kinde zu trenntn ?" fragte sie.
„Das weiß ich i icht, mein Fräulein. Ich weiß nur, daß ein Schatten meines Freundes Leben verdunkelt und verbittert — daß er nicht nur das tbun kamt, was er wünscht, sondern gezwungen ist. das zu thun, was er scheut — diese Trennung war eines von diesen verhaßten Dingen."
Sie sah mich einige Augenblicke forschend an und sagte dann schnell: „Ich interessiere mich für alles dies; aber ich sollte mich wohl nicht darnach erkundigen: denn . . . denn ... ich glaube nicht, daß ihm das gefaffen würde. Er ... er ... ich glaube, er kann mich nicht leiben und Sie thun wohl am besten, wenn Sie mir nichts weiter erzählen."
„Er mag Sie nickt leiden?" wiederholte ick. „O doch!"
„Nein, nein," entgegnete sich mit einem schwachen Lächeln, welches einen Augenblick mit einem schmerz-
kciten, viele Offiziere, sowie die am Berliner Hofe beglaubigten Militärbevollmächtigten und Militär- attachees bei. Nachdem die Exerzitien ihr Ende erreicht, nahm nach dem Vorbeimarsch der Kaiser einige militärische Meldungen entgegen und begab sich daraus nach Potsdam, woselbst der Monarch einer Einladung des Offizier-Korps des Leib-Garde- Husaren - Regiments zur Tafel nach dem Kasino desselben entsprach. Heute, Sonnabend, gedenkt der Kaiser nach Berlin zu kommen, auf dem Tcmpclhofer Felde das 1. und 2. Garde- Dragonerregiment zu besichtigen. — Eine Reise des Königs von Rumänien nach Potsdam steht nach einer Meldung des „Hamb. Korr." aus Bukarest unmittelbar bevor. — Der König Oskar von Schweden wird, soweit bis jetzt bekannt, zum Besuch der kaiserlichen Majestäten am Montag, den 13. d. M., abends auf dem Anhalter Bahnhof in Berlin eintreffcn und sich sosort nach Potsdam begeben, wo er im Neuen Palais Wohnung nehmen wird. Dem Vernehmen nach dürste der Besuch nur von kurzer Dauer jein. Größere Empfangsfeierlichkeiten dürsten auf Wunsch des Königs von Schweden nicht stattfmdcnT— Aus derselben wohlunterrichteten Quelle, der unsere neuliche Meldung zur Frage der Aussöhnung zwischen Berlin und Friedrichsruh entstammte, erhält die „Tügl. R." nachstehende Mitteilung: „Wir haben in einer Notiz, die von der Presse vielfach besprochen worden ist, vor Kurzem darauf hingewiesen, wie die Nachrichten über eine persönliche Annäherung des Fürsten Bismarck an den Kaiser mehr und mehr eine-greifbare Gestalt annehmen. Wir haben zugleich angedeutet, daß hierzu die unumgängliche Voraussetzung ein erster Schritt des Fürsten sein müßte. Aus Hamburg wird uns nunmehr von unterrichteter Seite gemeldet, daß nach Mitteilung einer während der Kaisertage in Kiel zugegen gewesenen Persönlichkeit Fürst Bismarck zu einem solchen Schritte bereit sei. Derselbe würde noch vor der Reise zu der Vermählung seines Sohnes nach Wien eine Audienz bei Sr. Majestät dem Kaiser erbitten, in welcher er über die Vorgänge der letzten Jahre, welche einer Aufklärung bedürfftg erscheinen könnten, befriedigenden Aufschluß zu geben hofft." — Die „Köln. Ztg." schreibt: „Die Franzosen fühlen sich geschmeichelt und geehrt durch den Besuch, den ein in der Nähe weilender jugendlicher russischer Großfürst, ein Vetter des Zaren, dem Präsidenten Carnot abgestattet hat, obwohl der Besuch incognito und noch dazu nur knapp eine Viertelstunde stattgefunden hat. Nur das eine wollen wir
lichen Ausdruck kämpfte und dann verschwand. „Ich war einmal recht grob gegen ihn, hätte aber nicht gedacht, daß er solch' ein ungroßmütiger Mann wäre — hätten Sie das gedacht?"
„Er ist nicht ungroßmütig, sondern im Gegenteil zu großmütig."
„Das thut nichts," sagte sie, eine Bewegung niederkämpfend. „Das macht keinen Unterschied. Aber es schmerzt mich, von jemandem, welcher erst so freundlich gegen mich war, so mißverstanden und in der Art behandelt zu werden. Er war einmal sehr freundlich gegen mich "
„Mein Fräulein," entgegnete ich eifrig, wenn auch verlegen, „ich weiß das nicht zu erklären; v- ist für mich ein ebenso großes Geheimnis wie für Sie. Ich weiß nichts von feiner Vergangenheit, was er gewesen ist oder gethan hat, — ober wer er ist — davon aber bin ich überzeugt, daß er das nicht ist, was er zu fein scheint Ob er nun Eugen Olivier genannt wird, ober sich selbst so nennt, gewiß hat man ihn einst unter einem anderen Namen gekannt in einer Welt, welche von der, worin er jetzt lebt, ganz verschieden ist. Ich weiß weiter nichts; aber bas weiß ich, daß ich an ihn glaube. Ich habe länger als brei Jahre mit ihm zusammen gelebt: er ist rechtlich und ehrenhaft bis zum phantastischen und ritterlichen. Nie hat er etwas falsches ui b unehrenhaftes gethan "
Ihre Augen blickten auf den Boden und ihre Dangen brannten.
Ein verächtliches, höhnisches Lachen an meiner rechten Seite ließ mich aufschen. Jene Dame in weißem Domino und schwarzer Maske mit roter Rosette auf der Brust stand da, an den Fuß der Orgel gelehnt; aber es waren noch andere Gestalten in der Nähe, von denen das Lasten herrühren kennte