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Wöchentttche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
9?ebaftion 8unb «^pedition^Markt 21. Illustriertes Sonntagsblatt. Redaktion und Expedition: Markt 21. 8
Jto 134.
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Quartal-AbonnementS-Preis bei der Expedition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 26 Psg. (exK. Bestellgeld). JnscrtionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psg., Reklamen für die Zeile 25 Psg.
Marburg,
Freitag, 10. Juni 1892.
Anzeigen nimmt entgegen die Erpedition dieses Blattes, sowie die Annoncen-Burcaux von Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Casiel, Magdeburg und Wien; Rudolf Mosse in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
XXVII. Jahrgang.
Kaiser Alexander von Rußland ist deutscher Admiral, das ist das Hauptergebnis der Saiserbegegnung in Kiel, welches doch zu bedeuten scheint, daß die frühere persönliche Freundschaft zwischen unserem Kaiser und dem russischen Selbstherrscher wiederhergestellt ist. Da große politische Folgen nicht zu erwarten waren, so muß diese persönliche Freundschaft den Nationen als eine um so wertvollere Friedensbürgschaft erscheinen. Daß große politische Dinge zu verhandeln, überhaupt nicht in der Absicht lag, wird schon durch die Thatsache bewiesen, daß Alexander III. nicht von seinem Minister des Auswärtigen begleitet und auch der Reichskanzler Graf Caprivi fern geblieben war. Die beiden Kaiser haben also nur ihre persönlichen Anschauungen ausgetauscht. Infolge der übermäßig strengen, für Kiel bis heute noch nie dagewescnen Abspcrrungsmaßregeln hat das große Publikum von dem russischen Gaste blutwenig gesehen. Sofort nach der unter den üblichen Ehren erfolgten Einfahrt in den Hafen und der herzlichen Begrüßung beider Monarchen, frühstückten diese im Schlosse, besuchten Nachmittags die Bauten des Nordostseekanals, für welche der Zar ein großes Jntereffe zeigte, dann war Galatafel und Abends fand bei festlich erleuchtetem Hafen die Abreise statt. Damit hatte der Besuch sein Ende erreicht. Die wenigen Personen, welche den intimen Verkehr der beiden Kaiser beobachtet haben, versichern, die Monarchen hätten sehr ungezwungen und herzlich miteinander verkehrt^ ihr Verhalten sei so gewesen, als wenn sich gute Freunde nach längerer Trennung Wiedersehen. Bei dem Galadiner im Schlosse verkündete Kaiser Wilhelm die Ernennung des Zaren zum Admiral der deutschen Flotte mit den folgenden Worten: „Ich trinke auf das Wohl Sr. Majestät des Kaisers von Rußland, des Admirals ä la suite der deutschen Flotte." Der Zar erwiderte mit einigen herzlichen Dankworten. Versichert wird auch, daß der sonst sehr stille Großfürst-Thronfolger Nikolaus von Rußland, welcher seinen Vaber begleitete, sich während der Begegnung recht aufgeweckt zeigte. Auch sind verschiedene Orden verliehen. Alles in Allem genommen, man kann also nach der kurzen Kieler Kaiserbegegnung wohl hoffen, daß keine Verschlechterung in den allgemeinen europäischen Verhältnissen ein treten wird. Die Franzosen werden also wohl auf ihren Revanchekrieg, den der Zar zu einem siegreichen gestalten soll, noch etwas länger, als einige Jahre warten können.
Im Aarr« -er Töne.
Roman von F Fothergill.
Autorisierte deutsche Uebertragung.
(Nachdruck verboten.j (Fortsetzung.)
Der Hauptgrund, weßhalb ich mich in diese Gesellschaft mischte, war der, daß ich es nicht über's Herz bringen konnte, Adelaide allein zu lassen; ich wußte, daß es für sie ein, wenn auch geringer, Trost war, mich um sich zu haben.
Eines Morgens saß ich in Adelaidens Zimmer, mit ihr plaudernd; es war gegen 111/2 Uhr, als Sir Peter hereintrat und sich erkundigte, was wir thäten.
„Wir sehen uns Kostüme an," sagte ich, von einigen farbigen Illustrationen aussehend, da Adelaide keine Antwort gab.
„Kostüme? Was für Kostüme?"
.Für den Maskenball," antwortete ich, meine Zuflucht in der Kürze der Antwort suchend.
„Ah!" — Es trat eine Pause ein, bis er sich plötzlich an Adelaide wandte: „Um welchen Ball handelt es sich Mylady?"
„Um den Karnevalsball," kam es fast unhörbar zwischen ihren zusammengepreßten Lippen hervor, wobei sie das Bu v schloß und, daffelbe wegschiebend, in ihren Stuhl sich zurücklehnte
„Und es würde Ihne» Vergnüge» machen, hin- zugehen?"
„Nein," sagte sie und streichelte mit ihrer langen weißen Hand, an welcher mehrere Ringe blitzten, ihren Schoßhund, wobei sie beständig vermied, ihn «mzusehen. Sie wünschte allerdings den Ball zu besuchen, wußte aber,, daß er sie, wenn sie diesen Wunsch zu erkennen gab, wahrscheinlich daran Hinbern würde. Trotz ihrer kurzen Antwort sah sie
Emin Pascha ist gestorben.
_ Aus Ostafrika kommt die erschütternde Kunde, daß unser Landsmann Emin Pascha (Dr. Schnitzer) auf dem Heimwege von seinem letzten Znge zur Küste gestorben ist. Eine schwere Erkrankung war neulich schon gemeldet, nun hat der Tod dem selbstlosen Wirken des erfahrenen Mannes, der zu den besten der heute lebenden Afrikakenncr gehörte, ein Ziel gesetzt. Sein Begleiter Dr. Stuhlmann ist, wie dem „Berl. Tgbl." telegraphiert wird, auf dem Wege nach der deutschen Station Mpuapua. Emin Pascha's Leben ist schon oft geschildert und bekannt. Dr. Schnitzer, ursprünglich Arzt, gelangte früh in den Orient und trat 1875 in den Dienst des bekannten englischen Generals und späteren Generalgouverneurs des Sudan, Gordon, der ihn 1878 zum Gouverneur der ägyptischen Aequatorialprovinzen ernannte. Zehn Jahre wirkte Emm hier erfolgreich zur Hebung seiner Provinz und wußte dort' auch allen Angriffen der Mahdisten Stand zu halten. Für seine Ausdauer wurde er zum Pascha ernannt. Er hat während seiner langen Amtszeit die inner- aftikanischen Verhältnisse auf das Genauste studiert, nur seine Bescheidenheit hinderte ihn, den Platz zu beanspruchen, den er verlangen konnte. Seine „Befreiung wider Willen" durch den Reklamemann Stanley ist bekannt. In Bagamojo angelangt, stürzte Emin vom Dache des Stationshauses und wochenlanger treuer Pflege bedurfte es, bis er wiederhergestellt war. Major von Wißmanu, damals noch Reichskommissar in Bagamojo, gewann Emin für den deutschen Dienst: er sollte in Tabora und am Viktoria-See Stationen errichten. Der Pascha ging aber, aüs heute noch nicht völlig aufgeklärten Gründen, aus dem deutschen Schutzgebiet heraus und schied damit aus dem Reichsdienst. Widrige Umstände zwangen ihn zum Rückwege, und auf diesem ist er gestorben, bis zuletzt für die Afrikaforschung, Kultur und Zivilisation thätig, ob wohl ein schweres Augenleiden ihn schon lange behinderte. Er hinterläßt eine Tochter, die sich in Bagamojo in deutscher Familie befindet. Stanley hat Emin Pascha bekanntlich einen Phantasten genannt; Emin war ein Idealist, der unermüdlich int allgemeinen wissenschaftlichen und kulturellen Interesse thätig war, nie an eigene Bereicherung dachte, und den seine Bescheidenheit von allen Reklamestücken fernhielt. Er hat für Wissenschaft und Zivilisafiou Großes geleistet, darum wird sein Name unter den Afrika- forschem auch hoch obenan stehen.
vorher, was ihr am meisten Mißbehagen verursachte: eine Unterhaltung mit Sir Peter, welcher sich zwischen uns setzte und die Bilder zu sehen wünschte. Ich konnte in seiner Gegenwart nie eine gewisse Zurückhaltung ablegen, was ihm aber eher zu gefallen und zu schmeicheln schien, als daß er es übel nahm.
„Wann ist der Karneval und wann wird dies Narrenstück aufgeführt?" fragte er.
„Der Karneval beginnt in diesem Jahr am 26. Februar und der Ball ist am 27.", sagte ich mich aus Thatsachen und Zahlen beschränkend.
„Und wie kommt man dahin? Bezahlt man?"
„Ja. Aber man muß die Karten von einem Mitgliede des Klubs Malkasten bekommen, der das Arrangement trifft; es ist ein Künstlerball "
„Hm! Ha! Und als was wollen Sie hingehen, Adelaide?" wandte er sich plötzlich an diese.
„Ich sage Ihnen, ich habe nicht daran gedacht, hinzugehen. Herr v. Forli hat uns die Bilder geschickt und wir besahen sie eben nur."
Sir Peter durchblätterte das Buch und sah sich die Kostüme an — die Jungsrau von Orleans, Kleopatra, Picarde, Maria Stuart, Schneekönigin rc. „Nun, ich finde darunter nichts, was ich trage» möchte, wenn ich eine Frau wäre," sagte er, das Buch schließend. „Im Februar, sagten Sie?"
„Ja, antwortete ich, da Adelaide schwieg.
„Gut, es ist jetzt Mitte Januar. Sehen Sie sich also nach etwas um; aber nehmen Sie nichts aus diesen Büchern, sondern zeigen Sie diesen bettel- hasten Schmierern, wie Engländerinnen dergleichen machen *
„Wollen Sie mir damit zu verstehen geben, daß Sie wünschen, daß wir den Ball besuchen?" fragte Adelaide in eisigem Tone.
Der neunte deutsche Lehrertag
in Halle hat int Hinblick auf den Gegenstand der Tagesordnung „Die allgemeine Volksschule in Rücksicht aus die soziale Frage" folgende Beschlüsse gefaßt: 1. Die Schule kann au der Lösung der sozialen Frage dadurch Mitarbeiten, daß sie, soweit es die ihr zu Gebote stehenden Mittel gestatten, alle Glieder der Nation zu möglichst vollkommener Entwicklung ihrer körperlichen, geistigen und sittlichen Kräfte im nationalen Sinn und Geist bringt und eine Jugend erzieht, die frei ist von Standesvorurteilen und erfüllt ist von edlem Gemeinsinn und echter Vaterlandsliebe. 2. Die pädagogischen Vorbedingungen einer so gearteten Schul- erziehung können am Vollkommensten erfüllt werden durch eine Schulorganisation, durch welche die Angehörigen aller Stände nach Möglichkeit zusammengeführt werden, und für den llebertrittt aus den niederen Stufen in die höheren durch den organischen Zusammenhang aller Schulanstalten Sorge getragen wird. 3. Aus diesen Gründen erhebt der neunte deutsche Lehrertag folgende Forderungen: 1. a) Staat und Gemeinde sollen für die gemeinsamen Bildungsbedürfnisse auch nur gemeinsame. Allen in gleicher Weise zugängliche Bildungsanstalten errichten, b) Insbesondere soll für den allen Kindern notwendigen Elementarunterricht nur eine Art von öffentlichen Schulen vorhanden fein, und sollen daneben auf Kosten des Staates oder der Gemeinde besondere Vorschulen für höhere Lehranstalten, Mittel- und höhere Mädchenschulen nicht errichtet noch organisch damit verbunden werden. Die bestehenden Vorschulen sind aufznheben. 2. Auf diesem gemeinsamen Unterbau, der „allgemeinen Volksschule" bauen sich auf: a) die Bürgerschule (niebern) und deren Fortsetzung, die Fortbildungsschule; b) die höhere Bürgerschule (Mittel-, Real- und höhere Mädchenschule); c) die höheren Lehranstalten (Ober-Realschule, Gymnasium u. f. w.). 3. Die vorhandenen Einrichtungen, welche begabten ärmeren Kindern den Besuch der höheren Lehranstalten ermöglichen (Befreiung von Schulgeld, foftenfreie Alumnate u. s. w.), bedürfen einer weiteren Ausdehnung und werden der öffentlichen und privaten Fürsorge empfohlen. Die Annahme dieser Beschlüsse erfolgte mit Stimmenmehrheit.
Deutsches Reich.
W. Berlin, 9. Juni. Unser Kaiser hat seinen Aufenthalt in Mel bis zum Donnerstag verlängert, da der Monarch am Mittwoch einer größeren
„Ja, das will ich!" antwortete Sir Peter, beinahe schreiend. Adelaide konnte ihn trotz der Peitsche und des Zügels, mit denen er sie behandelte, reizen und aufbringen und zwar durch nichts so sehr, als wenn sie sich stellte, als ob sie feine großsprecherischen Anspielungen und die zweifelhafte Majestät der Befehle, die et manchmal gab, nichts verstehe. „Ich meine, Sie gehen und Ihre kleine Schwester hier und Arkwright auch Ob ich mitgehen werde, weiß ich noch nicht. Jetzt will ich ausreiten. Guten Morgen!"
In diesem Augenblicke wurde Forli angemeldet. Sir Peter begrüßte ihn grinsend mit übertriebener Leutseligkeit, welche v. Forli mit stillem Spott erwiderte Sir Peter fügte hinzu: „Diese beiden Damen sind in Verlegenheit, was sie zum Karnevalsball anziehen sollen Vielleicht können Sie sie mit Ihrem Rate unterstützen."
Damit ging er und mir war, als ob ein schnuppernder Wolf das Zimmer verlassen hätte
Forli kam, um mir Unterricht zu geben, den ich jetzt in der Regel im Hause meiner Schwester und in ihrer Gegenwart hatte. Nach demselben pflegte er sich noch eine halbe Stunde mit uns beiden oder einer von uns zu unterhalten. Er war zu meiner Freude ein Intimus des Hauses geworden und nichts schien ohne ihn vollständig zu sein; jeder Gesellschaft und jedem Abende, wo er nicht bei uns war, fehlte etwas. An den meisten der Abende, wo er uns nicht besuchte, gingen wir dorthin, wo er war, entweder in's Konzert, in eine Probe, in s Theater oder in eine der fashionablen Vorlesungen, die während der Saison stattfanden.
Man konnte kaum sagen, daß Forli ein häu- figerer Besucher im Hause war, als verschiedene andere Herren; aber er hatte von Ansang an
Uebung der im Reichskriegshafcn der Ostsee versammelten Schiffe beizuwohnen wünschte. Am Vormittag ging der Kaiser an Bord des Panzerschiffes „Bayern" mit der gesamten Flottille in See. Abends soll die Rückkehr erfolgen. An dem Seemanöver nahmen int Ganzen 26 deutsche Schiffe Teil. Der Kaiser nahm, wie weiter berichtet wird, eine sehr eingehende Besichtigung vor und gab dann persönlich die Kommandos für die Gefechtsbewegungen der Flotttlle. — Die Ankunft des italienischen Königspaares in Berlin wird, wie aus Rom jetzt offiziell gemeldet wird, erfolgen, sobald über das Schicksal der Deputtertenkammer die Entscheidung gefallen, die Auflösung derselben also ausgesprochen wird. Das kann schon in wenigen Tagen geschehen, ebensogut aber auch noch zwei Wochen in Anspruch nehmen. — Ein kurzer Besuch des Königs Oskar von Schweden in Berlin und Potsdam wird Mitte des Monats erwartet. Der König ist bekanntlich Pathe des kleinen Prinzen Oskar von Preußen. — Das neu errichtete Langenbeckhaus in Berlin hat am Mittwoch seine feierliche Weihe erhalten. Im Auftrage des Kaisers und der Kaiserin waren der Prinz und die Prinzessin Leopold von Preußen erschienen. — Wie die „Post" mitteilt, sollen die Eisenbahn trupp en der Reichsarmee von einer Brigade nach und nach auf eine Division gebracht werden. Weiter soll die Schöpfung eines Lehr-Regimentes der Feld-Arttllerie geplant sein. — Da erfahmngsmäßig bei den Eisenbahnzügen mit dem Bruche der als Hauptverbindung und der Wagen dienenden Schraubenkuppeluug in den meisten Fällen gleichzeitig auch ein Zerreißen der Notketten erfolgte und hierdurch die Trennung des Zuges herbeigeführt wurde, so ist nach und nach die große Mehrzahl der deutschen Eisenbahnverwaltungen zur Anwendung der sogenannten Normal - Sicherheitskuppelung übergegangen, die auf Grund der im Jahre 1877 bei Cassel angestellten Versuche vereinbart wurde. Bei der Normal-Kuppelung ist außer der durch eine Schraubenkuppelung gebildeten Hauptverbindung eine zweite, aus einem Haken und einem Bügel bestehende Verbindungsvorrichtung ebenfalls an der durchgehenden Zugstange angebracht, und diese Anordnung hat sich als ein wirksames Mittel zur Verhinderung von Zugtrennungen erwiesen. — Rektor Ahlwardt läßt durch den Verlag der Druckerei Glöß in Dresden erklären, daß er nicht wegen Betruges , wie in einem großen Teile der Presse behauptet wurde, sondern wegen Beleidigung der Herren Isidor Löwe und Oberstleutnant a. D. Kühne ver-
Adelaide gegenüber eine andere Haltung angenommen. Einige dieser Herren waren sterblich in die schöne Engländerin verliebt, ober behaupteten wenigstens es zu fein, und hulbigten ihr in jeber Weise, wenn es auch nicht mehr als Galanterie war? Mit Forli war dies nie der Fall, sondern er zeigte im Verkehr mit ihr einen Ernst und eine Tiefe, worüber ich mich freute- Hinsichtlich jener anderen Männer hatte ich nie die leiseste Befürchtung gehegt; mochte sie sich immerhin mit ihnen amüsieren, es war doch nur Zeitvertreib und sie verachtete sie wahrscheinlich.
Aber Forli war von ganz anderem Stoffe. Gleich anfangs war mir der Gedanke gekommen, daß hier vielleicht Gefahr vorliege, ich sah aber mit aufrichtigem Dankgesühl, baß, als seine Besuche mit ber Zeit immer häufiger wurden und eine größere Vertraulichkeit zwischen ihnen sich entwickelte, kein Zeichen, kein Blick darauf hindeutete, daß ihr Verhältnis einen anderen Charakter als den der Bekanntschaft, des Wohlwollens, der Hochschätzung und Freundschaft hatte. Forli hatte sie von vornherein niemals wie eine gewöhnliche Frau behandelt, sondern mit dem stillschweigenden Verständnis, daß hinter allem, was sie that und sprach, etwas verborgen läge-
Die Unterrichtsstunden waren mir ein Genuß. Er hatte angefangen, mir neben dem Gesangs- Unterricht jetzt auch Musikunterricht zu geben.
Nach dem Unterricht übte ich noch eine Stunde, während er mit Adelaide sich unterhielt und als sie durch Besuche abgerufen wurde, ging er.
Später fand ich Adelaide inmitten eines Kreises von Offizieren, Malern, Musikern — denn Forli war nicht der einzige seiner Kunst, welcher ihrem Zuge folgte. Aber nein, er folgte nicht; er stand bei Seite und beobachtete ihr Gefolge. Jemandem