Wöchmüiche Bellagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchham.
#9 Redaktion 9«nb Expedition^Markt 21. Illustriertes Sonntagsblatt. Redaktion und Expeditton: Markt 21. 3Rat6u 6
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Marburg,
Donnerstag, 9. Juni 1892.
Anzeigen nimmt entgegen die Erpcdition dieses Blattes, sowie die Aimoncen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in ,
Frankfutt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudols aXVII. ft (101(1(111(1. Moste in Franksutt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L. ö °
Daube u. Co. in Franksutt a. M., Berlin, Hannover, Patts.
W Die „Obersttsstsche Jritttttg“ wird unseren Abonnenten auf Wunsch auch aus die Reise und in die Bäder und Sommer-
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fuschen zugesandt gegen den Betrag von 50 Pfennig die Woche fürs Inland, 65 Pfg. fürs Ausland. Ueberweisungen durch die Post müssen bei derjenigen Postanstalt bewirkt werden, bei welcher die Bestellung erfolgt ist.
Die Zweikaiserbegegnung.
Die Zweikaiserbegegnung in Kiel ist streng ,programmgemäß" verlaufen. Unser Kaiser, der am Monlag Abend mit seinem Gefolge von Potsdam im Rcichskriegshafen an gekommen war, fuhr am
Dienstag Vormittag 9 Uhr an Bord der Aacht
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„Hohenzollern", gefolgt vom Aviso „Wacht", der russischen Kaiscryacht „Polarstern" nach Fricdrichsort entgegen, welches die russische Flottille, zu der noch
stige ‘ungen.
die Mcht „Zarewna" gehörte, kurz vor zehn Uhr passierte. Alle Schiffe, die im Hafen vor Anker lagen, paradierten und setzten alsdann die russische
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Flagge in Großtop. Unter dem donnernden Salut der Flotte liefen um 10 ‘/^ Uhr die Schiffe der beiden kaiserlichen Flottillen im Kieler Hafen ein, in welchem im ganzen 25 deutsche Kriegsschiffe vor Anker lagen. Für die Ankunft des Zaren waren Absperrungsmaßregeln getroffen, wie sie die Stadt Kiel noch nicht gesehen hat. Alle Slraßenzüge, welche zum Schlosse
führten, wurden auf weite Entfernungen hin durch
ht42.44 Infanterie und Marine besetzt gehalten. Die Einfahrt
UI*9 der kaiserlichen Schiffe in den Hafen erfolgte bei
16.
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wolkenlosem Himmel und bot einen großartigen Anblick. Die fünfundzwanzig deutschen Kriegsschiffe paradierten im reichsten Flaggcnschmncke, brausende yurrahrufe erklangen, als die russische Mcht „Polar- ßern", welche im Vortop die deutsche Kriegsflagge führte, passierte. Auf den deutschen Schiffen wurde die russische Nationalhymne, auf den russischen das „Heil Dir im Sicgerkranz" gespielt. Der „Polarstern" ging dem Schlosse gegenüber zwischen den deutschen Schiffen „Hohenzollern" und „Beowulf"
dar Anker. Der Kaiser von Rußland begab sich
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um 103/4 Uhr an Bord der „Hohenzollern", um dem deutschen Herrscher einen Besuch abzustatten. Kaiser Alexander verweilte dort zwanzig Minuten. Nach 11 Uhr erwiderte der deutsche Kaiser den Besuch auf dem „Polarstern". Bei dem Besuch auf der
Am Karr« -er Töne.
Roman von F Fothergill.
Autorisierte deutsche Uebertragung.
sNachdruck verboten-! (Fortsetzung.)
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zeuge, helfe, reger,
Als wir von unserer Wohnung nach dem Konzert- Hause gingen, sahen wir einen großen, eleganten Dagen vor demselben halten. Zwei Damen stiegen <ms in Begleitung eines jungen Mannes, der zur reite stand, um sie vorüber zu lasien. Als wir ®it ihnen den Korridor betraten, kam auch Forli. Eine der Damen war May Wedderburn, welche in ihrem schwarzen Anzüge und dem Schmucke ihres glänzenden, kastanienbraunen Haares meinen Augen und, wie ich fühlte, noch einem Paar anderer wunderbar lieblich erschien Die andere war eine Frau, deren bleiches, schönes Gesicht einige Aehnlichkeit mit dem unserer schönen Sängerin zeigte; aber sie sah verschieden von ihr: kälter, vornehmer und strenger
Die Damen versperrten uns den Weg, so baß wir einige Augenblicke stehen bleiben mußten 3n diesem Augenblick kam Forli, gab Miß Wedoer burn die Hand und fragte lächelnd, ob sie gut bei Stimme sei.
Sie antwortete in gebrochenem Deutsch, wie ich es nie reizender gehört hatte und wandte sich bann an die Dame: „Adelaide, darf ich Dir Herrn
Forli vorstellen — Lady Le Marchant."
Als Forli die stattliche Verneigung der Lady m*t einer tiefen Verbeugung erwiderte, bemerkte ich einen Blick warmer Bewunderung in seinen Augen, brr aber sofort wieder einer konventionellen Aus- bruckslosigkeit Platz machte. Diese Szene hatte so .,*<■1 Interessantes für mich, daß ich stundenlang Mte dastehen und sie beobachten können; denn die drahtende Schönheit und da» stolze Wesen der eng-
„Hohenzollern" begrüßte Kaiser Wilhelm seinen russischen Gast an der Steuerbordtreppe; beide Monarchen umarmten und küßten sich drei Mal. Kaiser Alexander trug die Uniform des Alexander- Regimentes , der deutsche Kaiser die Uniform seines russischen Regimentes; gegen 12 Uhr fuhren beide Majestäten auf dem blauen Kaiserboote nach der Barbaroffa - Brücke, wo eine Ehrenwache aufgestellt war. Nach dem Abschreiten derselben begaben sich beide Kaiser durch den Garten im leb- hasten Gespräche nach dem Schlosse, wo die Vorstellung des Gesolges erfolgte und dann das Frühstück eingenommen wurde. Die sehr strengen Absperrungsmaßregeln, für welche gar kein triftiger Grund in dem ruhigen Kiel vorhanden ist und die nur den russischen Wünschen entsprechen, haben die Bevölkerung bedeutend verstimmt. Die deutschen Admirale von der Goltz und Knorr sind zum Ehrendienst beim Zaren kommandiert, welcher auch eine Unterredung mit dem anwesenden Staatssekretär int Reichsamt des Auswärtigen, dem Freiherrn von Marschall, hatte, während der deutsche Kaiser mit dem russischen Botschafter Grafen Schuwalow eine längere Unterredung pflog. Am Nachmittag fand eine Ausfahrt der beiden Monarchen in die Umgegend von Kiel statt, wobei die Mündung des Nordostseekanals besichtigt wurde. Nach der Rückkehr fand Abends um 7 Uhr eine große Galatafel statt, zu welcher alle anwesenden Personen von Rang eingeladen waren. Der Kaiser, der sehr frohgemut aussah, trank auf die Wohlfahrt seines hohen Gastes. Kaiser Alexander sah meist recht ernst aus. Bei dem Ausfluge am Nachmittage wurden auch verschiedene Schiffe des deutschen Geschwaders besucht, welche Uebungen vornahmen. Die Abreise des Kaisers Alexander, resp. seine Rückreise nach Kopenhagen, ist für heute Mittwoch anberaumt, doch ist auch eine Aendernng der Dispositionen nicht ausgeschlossen. Am Abend war der Hafen erleuchtet. Das Publikum steht im Allgemeinen dem hohen Besuch ziemlich kühl gegenüber.
Deutsches Reich.
W. Derlitt, 8. Juni. Die Reise des italienischen Königspaarcs nach Potsdam ist abermals aufgeschoben. Wie die „Post" hört, ist ein bestimmter Termin für die Reise des italienischen Königspaares nach Potsdam noch nicht festgestellt. Thatsache ist es, daß man weder auf der Berliner italienischen Botschaft, noch bei Hofe etwas be-
lischen Lady öffneten vor meinem geistigen Auge eine ganze große, unbekannte Welt Romane und Dichtungen mit ihren Helden, die vor Liebe sterben oder sich gegenseitig töten, erschienen mir nicht länger lächerlich; denn ein Lächeln oder ein warmer Blick von diesem eisig schönen Gesichte mußte etwas Unvergeßliches sein
Mit einem Stirnrunzeln drängte Eugen ganz gegen seine gewöhnliche Höflichkeit vorwärts. Ich sah eine plötzliche Röte Miß Wedderbnrns schönes Gesicht überziehen, als ihr Auge seinem starren Blicke begegnete.
Das Konzert war für Miß Wedderburn ein Erfolg und wenn Forli Wiederholungen zugelaffen )ätte, so wäre wenigsens ein Gesang da capo ver- angt worden. Forli widmete seine Zeit in den Pausen ihr oder ihrer Schwester.
Roch ein Ereignis, welches bald nach dem Konzerte stattfand, muß ich zur Charakteristik der Personen dieser Erzählung hier erwähnen. Forli war seit langer Zeit bei seinem Orchester ziemlich unpopulär gewesen und hatte mit Eugen, der im Gegensatz zu ihm der allgemeine Günstling war, in 'titlet Feindschaft gestanden. Es kam zu einer Krisis. Die Musiker schickten eine Deputation an Eugen, um ihm zu sagen, wenn er die Führerschaft übernehmen wolle, würden sie streiken und nur ihn als Dirigenten annehmen. Dies war eine Gelegenheit, um sich auszuzeichnen. Aber er lehnte die Ehre mit wenigen Worten ab, sprach davon, daß wir alle so freundlich gegen ihn gewesen wären, „feit meiner Ankunft, wo Friedhelm Helfen hier mir jede Hilfe und Unterstützung, soweit es in seiner Macht stand, angedeihen ließ und bewies, wie gut sein Name zu seinen Handlungen paßte. Und so begann," schloß er, „eine Freundschaft, die, möge
stimmles über diesen Zeitpunkt weiß, während für das Eintreffen des Königspaares von Schweden der 15. oder 16. Juni feststehen soll. — Ter Unter- Staatssekretär im Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten, Wirkliche Geheime Ober-Regiernngs-Rat Dr. von Weyrauch, ist nach der Provinz Hessen-Nassau abgereift. — Es ist bei dem letzten Schrippenfest in Potsdam nicht unbemerkt geblieben, daß nach der Parade plötzlich von Berlin der russische Botschafter Graf Schuwaloff auf dem Festplatze erschien, den Reichskanzler Grafen Caprivi zu erreichen suchte und mit ihm eine längere Unterredung hatte, worauf der Reichskanzler den Botschafter an den Kaiser wies. Der Kaiser nahm den Botschafter an und nahm aus dessen Händen ein Schreiben entgegen. Der Botschafter war in Zivil und nahm kurz darauf feinen Rückweg nach Berlin. —. Die Mahnung des preußischen Finanzministers, die Genehmigung neuer städtischer Anleihen erst nach genauester Prüfung der Dringlichkeit der Verwendungsart nachzusuchen und sich überhaupt größerer Zurückhaltung in der Kontrahierung von Anleihen zu befleißigen, scheint schon gute Früchte zu tragen. Wie aus Naumburg berichtet wird, hat die dortige Stadt- verordneten-Versammlung den Magistratsantrag betreffs Aufnahme einer Anleihe von 1700 000 Mk. abgelehnt. — Zu den gerichtlichen Vorgängen im Proz eß Po lke schreibt die freikonservative „Post": „Jedenfalls ist die Sache durchaus angethan, den Justizminister zu einer eingehenden Untersuchung über die Technik des Strafverfahrens zu veranlassen. Und zwar um so mehr, als der Gang anderer Strafprozesse, des Bochumer Schienenprozesses, des Xantener Knabenmords, gleichfalls äußerlich den Eindruck eines Fehlers in der juristisch - technischen Behandlung macht. Wir zweifeln nicht, daß es des Hinweises der Presse auf diese Dinge nicht bedurft hat, um die Aufmerksamkeit des verantwortlichen Chefs der Justizverwaltung auf sie zu lenken und der dankenswerten Anweisung zur Beschleunigung der Voruntersuchungen andere zur Beseitigung vorhandener Mängel geeignete Schlitte folgen zu lassen."
— (N e u p h i l o l o g e n t a g.) Der fünfte allgemeine deutsche Neuphilologentag ist heute Hierselbst int Oberlichtsaale des Rathauses feierlich eröffnet worden. Der Kongreß ist zahlreich besucht; aus Paris ist Professor Rovsselot, aus Genf Prof. B. Bouvier erschienen. Von Universitätslehrern waren ferner anwesend Kölbnitz-Breslan, Varnhagen- Erlangen, Stengel und V i e t o r - Marburg, Kosch-
der Himmel geben, dauern soll, bis der Tot uns trennt und noch darüber hinaus." Nachdem er noch gesagt hatte, daß er möglicherweise in kurzem Düffeldorf verlassen werde, fuhr er fort: „Endlich kann ich Ihr Führer nicht fein, weil ich überhaupt niemandes Führer sein will — wenigstens nicht mehr, als ich jetzt bin," fügte er mit schwachem Lächeln hinzu. Ich paffe nicht zu einem Führer, dazu habe ich kein Talent ..."
„Doch!" riefen ein halbes Dutzend Stimmen.
„Nein, durchaus nicht Ich will in meiner gegenwärtigen Stellung bleiben — nicht niedriger stehen, wenn ich es verhindern kann, aber auch durchaus nicht höher. Ich habe gute Gründe, dies für meine Pflicht zu halten."
Tann ermahnte er sie so eindringlich, bei Forli zu bleiben, daß ich ganz erstaunt war. Er sagte ihnen, daß Forli einst Schumann, Raff oder Rubinstein an die Seite gestellt werden würde und daß man bann diejenigen, welche ihn jetzt verstießen, als unwiffend und vorurteilsvoll bezeichnen müsse.
_ Er hatte für Forli das Feld behauptet. Dieser besuchte ihn kurz daraus, sobald er den Vorgang erfahren hatte, entschulvigte sich wegen seines früheren Vorurteils und bat um feine Freundschaft für die Zukunft Oliviers Antwort befremdete mich. „Ich freue mich," sagte er, daß Sie wissen, daß ich Ihr Genie verehre und Ihnen Gutes wünsche und das Anerbieten Ihrer Freundschaft ehrt mich Ich acceptiere es — bis Sie einen Grund finden, es zurückzuziehen." „
„Sie stellen ein ziemlich ferne» Ereignis in Ausficht," entgegnete Forli.
„Vielleicht — vielleicht auch nicht," antwortete Eugen mit eigentümlicher Betonung. „Ich freue mich wenigstens über dies Zeichen Ihrer Großmut
witz-Greifswald und von Professoren der Berliner Universität der Dekan Prof. Diels und die Professoren Zupitza, Tobler, Wätzoldt, Rödiger u. A. Als Vertreter des Kultus-Ministeriums erschienen der Wirkliche Geheime Ober-Regierungs-Rat Dr. Stander und dieGeheimenOber-Regierungs-RäteDi.Wehrenpfennig und Dr. Höpfner, für das Proviuzial-Schulkollegium der Geheime Regierungs-Rat Dr. Klix, für die Stadt die beiden Schulräte Fürstenau und Bertram. Prof. Zupitza eröffnete die Verhandlungen mit einer begrüßenden Ansprache, in der er zugleich die Ziele des Kongresses in prägnanten Zügen barlegte. Im Namen ber Regierung bewillkommnete der Wirkliche Geheime Ober - Regierungs - Rat Dr. Stander den Kongreß, indem er zugleich der Forderung gedachte, welche die Schule von den Bestrebungen des Kongresses erwarte. Im Namen des Kongresses dankte Prof. Zupitza der Stadt Berlin vor allem auch für die Errichtung von Reisestipendien für Neuphilologen. Die wissenschaftliche Tagesordnung der ersten Sitzung enthielt Vorträge des Professors I. Schmidt über englischen Humor, des Dr. Sachs aus Brandenburg über.-bie Döeadents und des Prof. Varnhagen-Erlangen über eine der Erlanger Bibliothek gehörige Sammlung von alten Drucken italienischer Novellen in Versen. Se. Majestät der Kaiser hat dem Kongreß 2000 Mk. bewilligt. Diese Allerhöchste Beihilfe hat die Möglichkeit geboten, eine Festschrift herauszugeben.
Vosen, 7. Juni. Bei dem Jubiläum des Lemberger Turnvereins wurden besonders die polnischen Turner aus Berlin, Posen, Westpreußen ganz besonders ausgezeichnet. Chrzanowski aus Posen erklärte, daß die preußischen Polen ihre galizischen Brüder beneiden; aber auch in den Polen Preußens lebe das Nationalbewußtsein fort, und es werde alles zu dessen Stärkung gethan.
Kalke a. d. S., 7. Juni. Der neunte deutsche Lehrertag wurde heute im Festsaale der Kaisersäle durch den Lehrer Clausnitzer (Berlin) mit einem dreifachen Hoch auf den Kaiser eröffnet. Anwesend sind etwa 2000 Lehrer und Lehrerinnen aus allen Teilen Deutschlands. Die Vertreter der städtischen Behörden und viele Professoren der Universität in Halle wohnen den Verhandlungen bei. Auf Vorschlag des Lehrers Clausnitzer wurde beschlossen, ein Telegramm an den Kaiser abzusenden. Dasselbe hatte folgenden Wortlaut: „Ew. kaiserlichen Majestät als oberstem Kriegsherrn des Reichs und oberstem Schutzherrn auch der Schule, spricht der hier versammelte deutsche Lehrertag, zu welchem 7100 deutsche Volksschullehrer Vertreter gesandt haben, die alleruitterthänigste Versicherung
Unsere Wege sind verschieden und meine Freunde stehen auf gleicher Hohe mit den Ihren ..."
„Entschuldigen Sie; jeder wahre Künstler muß ein Freund jedes andern wahren Künstlers sein. Wir kennen keinen Unterschied von Rang und Stand."
Eugen verbeugte sich mit einem Lächeln und Forli konnte ihn nicht bewegen, sich bestimmter auszudrücken. So schieden sie. Als ich lange nachher die Wahrheit erfuhr, erkannte ich, welche Bitterkeit, Scham und Trauer und welch' verhaltenen Kummer Eugen empfunden haben mußte, als er indirekt, aber bestimmt das zurückwies, was er so gern gethan hätte: einem Manne in hoher Stellung und mit geachtetem Namen die Hand zu schütteln, ihm in's Gesicht zu sehen und zu sagen: „Ich nehme Ihre Freundschaft an und Sie brauchen sich der meinen nicht zu schämen."
Er schlug den Antrag und damit alle anderen Vorteile, die derselbe ihm eröffnete, aus. Er schien vor jedem Vorwärtskommen einen förmlichen Abscheu zu empfinden. Er lehnte sogar ab, in verschiedenen Konzerten in Düsseldorf und der Nachbarschaft Soli zu übernehmen. Als ich ihm einmal sagte, er solle streben Vermögen zu erwerben, um Siegmund wieder zu sich nehmen zu können, sagte er: „Wenn ich alles Geld hätte, das in Deutschland ist, es würde uns nur noch weiter scheiden.
Ich habe von der Leere geschwiegen, die Sieg» mund's Abwesenheit in unserem Leben zurückließ, weil eine Beschreibung davon überhaupt unmöglich ist. Von Tag zu Tag wurde die Wunde fühlbarer und schmerzlicher. Man kann nicht den ganzen Tag arbeiten, und in unseren Mußestunden empfanden wir nur zu gut, daß er fort — wirklich fort war.