Wöchentliche Beilagen: Kreis Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
tkruck und Lerlag: Joh. «ug. Kvck, UniverfitätS-Buchdruckerei in Marburg. ^|TBcrantwortllcher Redakeur: Christoph RautenhauS in Marburg Redaktion und Expedition: Marti 21. %)WW|4*Redaktion und Expedition: Markt 21.
Jo 129.
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Marburg,
Freitag, 3. Juni 1892.
Anzeigen nimmt entgegen die Erpcdition dieses Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstem u. Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moste in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
XXVII. Jahrgang.
Deutsches Reich.
W. sSerfin, 2. Juni. Vor den kaiserlichen Majestäten und den holländischen Gästen hat am Mittwoch im Lustgarten zu Potsdam die Parade der donigcn Garnison stattgesunden. Der Kaiser hatte zu derselben die Uniform der Gardes du Corps angelegt. In der Front befand sich auch der junge Kronprinz Wilhelm, der mit strammem Schritt vor- beidcfilierle. Der kleinen Königin von Holland mußte seine Erscheinung besonders gefallen haben, denn sic klatschte mehreremale in die Hände. Mittags war große Paradetafel, abends nach einem Ausfluge Familicntafel beim Prinzen Leopold, der sich Theater anschlicßen sollte. Donnerstag Vormittag reißen die beiden niederländischen Königinnen zum Besuch der Königin von Schweden nach Honnef. — Unser Kaiser reist am Freitag zur Vermählung des Fürsten Ra- dolin nach Groß-Glogau in Schlesien, von wo am nächsten Tage die Rückkehr erfolgt. Am Pfingst- dienstag findet die Begegnung mit dem Kaiser Alexander in Kiel statt, Ende Juni wird die diesjährige Nordlandreise angetretcn werden. — Unser Kaiser hatte am Mittwoch in Potsdani eine längere Unterredung mit dem Reichskanzler Grafen Caprivi. Wie es heißt, ist in derselben auch die Ahlwardtsche Angelegenheit zur Sprache gekommen. — Der „Reichsanzeiger* veröffentlicht ein Verzeichnis der Mitglieder des Landescisenbahnrates. Zum Vorsitzenden wurde der Direktor im Arbeitsministerium Brefcld, als Stellvertreter der Direktor im Arbcitsniinistcrium Fleck für die Dauer von 3 Jahren ernannt. — Aus Anlaß der großen Frühjahrsparaden vor dem Kaiser in Berlin und Potsdam schreibt die „Post": Die große Frühjahrsparade ist für einen bedeutenden Teil der Bevölkerung der Reichshaupt- stadt ein Fest. Alle Schichten der Bürgerschaft haben ihre Freude an den schmucken Truppen. Sicht doch die Familie ihren Sohn, ihren Bruder als Teilnehmer an dem glänzenden Schauspiele. Dank der allgemeinen Wehrpflicht kann und darf die Armee keine Kaste, kein Staat im Staate sein. Im Frieden wie im Kriege schließen sich unzählige Fäden um Volk und Heer. Der Bürger ist stolz darauf, den Ehrendienst unter der Fahne zu erfüllen. Aber darum verlangt auch die Nation, daß der Soldat nicht aufhöre, sich als Bürger zu fühlen und als Bürger behandelt zu werden." — Die Erörterungen über das Leichenbegängnis des Oberbürgermeisters v. F o r ck e n b e ck in Berlin wollen nicht verstummen. Zuerst bot die Versagung des kirchlichen Begräbnisses durch die katholische Gcist-
Im Kan« -er Töne.
Roman von F Fothergill.
Autorisierte deutsche Uebertragung.
(Nachdruck verboten. ] (Fortsetzung.)
Was ich mir vornehme, führe ich stets aus, sagte Herr v. Forli. Ich sage das nicht, um mich zu rühmen, sondern einfach, um Ihnen eine Eigentümlichkeit meines Temperaments anzuführen. Ich nahm mir vor, mich emporzuschwingen und habe mein Ziel erreicht"
„Nun?" fragte ich begierig, „und was ist das Ende? Sind Sie zufrieden?"
„Ich bewundere Ihre schnelle und leichteFassungs- gabe," sagte er lächelnd. „Allerdings schätze ich in gewisser Weise die Stellung, welche ich einnehme — das heißt, ich verkenne nicht die Vorteile und den Einfluß, welchen sie mir gewährt. Aber jenes tief innere Glück, das weder Stellung und äußere Verhältnisse uns gewähren können — jenes Gefühl, dem der Dichter in „Faust" sagt:
„Ich hatte nichts und doch genug!"
ist mir gänzlich unbekannt. Denn ich frage mich: wozu arbeite ich?"
„Gerade wie ich," konnte ich mich nicht enthalten, zu bemerken.
„Von allem, was ich empfunden habe, Fräulein Map, komnrt das Gefühl, welches ich durch Sie kennen gelernt habe, dein Glück am nächsten. Wissen Sie wohl, daß Sie ein Wesen sind, welches dazu geschaffen ist, Anderen Freude zu machen?"
„Nein, das wußte ich in der Thal nicht "
„Es ist trotzdem 'wahr. Ich möchte gern die Versicherung aus Ihrem Munde hören, daß Sie «uh al» Freund betrachten— wenn Sie es auf- richtig sagen können."
lichkeit Anlaß zur Kritik, und jetzt kommt noch der Umstand hinzu, daß nicht ein einziges Mtglied der Zentrumspartci der Feier beiwohnte, während sonst alle politischen Parteien vertreten waren. Auch Fürst Bismarck hat dem Bürgermeister Zelle ein kurzes Kondolenzschreiben übermittelt, worin er seine aufrichtige Teilnahme ausspricht. Zur Sache selbst ist in der „Köln. Ztg." noch Folgendes zu lesen: „Von dem Oberbürgermeister v. Forckenbeck hat die römisch- katholische Parochie, welcher er nach der Konfession rechtlich angehörte, erhebliche Kirchensteuern bis zu seinem Tode eingefordert und bezogen. Aber einen Gegendienst, die Beteiligung der Geistlichen an der Beerdigung, versagte sie ihm. Das ist nicht vornehm, doch kanonisch. Der Papst ist nach hente geltender Lehre in der römischen Kirche Eigentümer allen kirchlichen Vermögens, aber auch der Herr aller Getauften. Hätte Forckenbeck vor dem Amtsrichter für konfessionslos sich erklärt, so wäre er steuerfrei gewesen." — Die Hoffnungen, welche auf das Zustandekommen eines Ausgleichs der Regierung des halb bankerotten Portugal mit den fremden Staatsgläubigern gesetzt wurden, sind wieder einmal gescheitert. Das in Paris unterzeichnete Uebereinkommen ist von dem Ministerpräsidenten in Lissabon nicht genehmigt. Besonders viel scheint dieser Herr den Gläubigern seines Landes, unter welchen sich auch zahlreiche kleine deutsche Kapitalisten befinden, also nicht gewähren zu wollen. — Emin Pascha ist, wie das „DeutscheKolonialblatt" auf Grund von Berichten des I)r. Stuhlmanu mitteilt, auf seiner letzten Expedition ungefähr bis zum dritten Grad nördlicher Breite vorgedrungen und in der Landschaft Momfu im September v. I. durch die Weigerung der Träger, weiter zu marschieren, zur Umkehr gezwungen worden. Erst auf dem Rückmarsch brach die eigentliche Katastrophe herein, die Pocken wüteten unter den Mitgliedern der Expedition, und Emin selbst erblindete nahezu ganz. Von Wadelai war Emin etwa noch 40 geographische Meilen entfernt.
Hessen-Nassau.
Maröurg, 2. Juni. Die Landgemcindc- ordnung für Hessen-Nassau ist frühestens in zwei Jahren zu erwarten. Aus eine Interpellation in der Kommunalkommission des Herrenhauses erwiderte Minister Herrfurth u. a. folgendes: Er sei der Frage einer Ausdehnung der Landgemeindeordnung auf die Provinz Hannover noch nicht näher getreten. Zunächst seien die Hohenzollernschcu Lande und die Provinz Hessen-Nassau in Aussicht
„Gewiß, Herr v. Forli, ich halte Sie für meinen besten Freund und ich möchte um nichts Ihre Achtung verlieren," konnte ich ehrlich versichern.
Es war mittlerweile dunkel geworden und die Frau, welche am Eingang an der Kasse saß, kündigte uns an, daß sie die Thüren schließen müsse Wir erhoben uns daher und gingen. Auf der Straße waren die Laternen bereits angezündet und die Leute gingen auf und ab.
Forli führte mich bis zu meiner Hausthür und verabschiedete sich mit den Worten: „Gute Nacht, liebes Fräulein! Besten Dank für Ihre Gesellschaft heute Nachmittag"
Bei meinen Nachbarn drüben brannte jeden Abend im Wohnzimmer ein Licht; aber die Rou- leaur waren herabgelassen und nur durch eine kleine Oeffnung bemerkte ich einen dünnen Lichtstrahl.
III.
Ter Christabend mit seinem reizenden kleinen Familienfeste war vorüber und der Weihnachtsmorgen kam. Ich erinnerte mich — so erzählt uns jetzt wieder Friedhelms Tagebuch — noch sehr gut dieses grauen, ich möchte sagen, neutralen Tages, dessen äußere Monotonie das, was uns bewegte, noch um so fühlbarer macht
An d esem Morgen kam der Briefträger, sonst ein seltener Gast bei uns. Siegmund öffnete die Thür, nahm den Brief und brachte ihn seinem Vater.
Es war ein großer, viereckiger, .schwerer Brief, mit einem Siegel verschlossen — ein regelrechter Schicksalsbrief, wie sie in Romanen vorkommen
Eugen Olivier hielt ihn in der Ha»ü> und er« »ieberte die Liebkosungen seines Kindes nicht, das die Arme um feinen Ar« schlang und auf seinen Schoß zu klettern Versuchte, was et ruhig geschehen ließ.
genommen. Die Ausführung dieses Planes würde noch eine Arbeit von mindestens zwei Jahren erfordern.
Marvnrg, 2. Juni. Am 1. Pfiugstfciertage ruht die Landbriefbestellung gänzlich.
Marburg, 2. Juni. (Theater.) Von kompetenter Seite geht uns der Wortlaut der einleitenden Bemerkungen zu, mit denen die für die projektierten Theater-Vorstellungen am hiesigen Platze zirkulierende Liste versehen ist. Wir teilen denselben unseren Lesern um so lieber mit, als er einerseits eine willkommene Ergänzung unserer ersten diesbezüglichen Notiz bildet und andererseits geeignet erscheint, das Interesse der Bewohnerschaft Marburgs an dem bevorstehenden Kunstgenuß in höherem Maße anzurcgen, als dies bei früheren Gelegenheiten der Fall war.
„In der Zeit vom 15. bis 24. Juni werden im Saalbau sieben Theater-Vorstellungen auf einer neuen, von dem Dekorationsmaler des Frankfurter Opernhauses würdig hergerichteten Bühne stattfinden. Mit gütiger Genehmigung und unter Protektion des Herrn Intendanten von Gilsa werden die Mitglieder des Königl. Theaters zu Cassel zwei Ensemble- Gastspiele geben. An den übrigen Abenden werden Berliner. Künstler gastieren. Zur Aufführung werden gelangen: „Die Geschwister" (Goethe), „Der zerbrochene Krug" (Kleist), „Minna von Barnhelm" (Lessing), „Die beiden Leonoren" (Lindau), „Wilde Jagd" (Fulda), „Durchs Ohr" (Jordan), „Die Schulreitcrin" (Pohl), „ Unter vier Augen" (Fulda), „ Die Schwäbin" (Castelli), „Feuer in der Mädchenschule" (Förster), „Emilia Galotti" (Lessing). Das Abonnement für die sieben Vorstellungen beträgt 17 Mk. 50 Pfg. Für die Herrn Studierenden soll der Preis des Abonnements auf 7 Mk. ermäßigt werden. Ein Billet für die einzelnen Vorstellungen kostet 4 Mk. Durch die Zeitungen wird regelmäßig bekannt gemacht werden, wo die Plätze belegt und die Billets in Empfang genommen werden können. Die Vorstellungen sollen nur den Anfang zu einer wirksamen Besserung der gegenwärtigen trostlosen Zustände bilden. Es gilt jetzt die Freundlichkeit, mit der uns namentlich Herr von Gilsa entgegenkommt, durch lebhafte Teilnahme zu würdigen. Unter der Voraussetzung, daß das Interesse ein entschieden reges ist, haben sich sowohl Herr von Gilsa wie die Leiter anderer hervorragender Bühnen bereit erklärt, uns auch im Winter - Semester mit guten Ausführungen zu versehen. Sollte die Hitze nicht zu groß sein, so werden Anfangs Juli die Mitglieder
„Laß mich den Brief öffnen." rief Siegmund.
„Nein, mein Kind!" antwortete Eugen in scharfem schmerzlichem Tone. „Laß das!' /
Siegmund wich überrascht etwas zlirück und ein Schatten flog über fein junges Gesichtchen Wenn fein Vater Nein sagte, so war die Sache damit ab- gethan; aber dieser pflegte sonst nicht so mit ihm zu sprechen, sah nie so eingefallen um die Augen herum aus und starrte vor allen Dingen nie auf feinen Sohn mit einem solchen Blicke
Eugen, der nie etwas aufzuschieben pflegte, legte den Brief bei Seite und schlug vor, zu frühstücken Aber auch, nachdem wir gefrühstückt hatten, wurde der Brief nicht geöffnet. Er nahm seine Geige und spielte. Es schien mir, daß er sich nicht entschließen konnte, den Brief zu öffnen. Es mußte ihn daher große Ueberwindung kosten, als er ihn endlich aufnahm und — damit in fein Zimmer ging, dessen Thür er hinter sich schloß.
Ich lag auf dem Sopha ausgestreckt und hielt ein Buch in der Hand. An Lesen war aber nicht zu denken, denn meine ganze Aufmerksamkeit richtete sich auf Siegmund
Derselbe stand für einen Augenblick da und blickte regungslos auf die Thür, als ob er erwartete, daß sie sich offnen und eine geliebte Hand ihm hineinwinken würde. Aber sie blieb erbarmungslos geschlossen ■ Nachdem er, einem unwillkürlichen Antriebe folgend, einen Schritt gegen die Thür gemacht hatte, ging er ans Fenster und sah schweigend, ohne eine Bewegung zu machen, hinaus. Ich konnte die Augen nicht von chm wenden. Er horchte mit fieberhafter Anstrengung auf das kleinste Geräusch, aus die schwächste Bewegung in dem Zimmer, von welchem er ausgeschlossen war. Ich wagte nicht, mit ihm z» sprechen. @6 drängte sich mir die Bor
des von Ludwig Barney geleiteten Berliner Theaters unter Führung von Ludwig Stahl vier weitere Gastspiele geben."
Die Casseler Hofbühne wird am 15. Juni den Reigen mit folgenden 3 Einaktern eröffnen: „Die Geschwister" (Goethe), „Der zerbrochene Krug" (Kleist), „In Zivil" (Sabelburg).
Warvurg, 2. Juni. Der „Verein für Simmeuthaler Rindviehzucht" hatte gestern seine Mitglieder im Ruthschen Gasthause in Fron- Hausen zu einer Sitzung versammelt. Dieselbe wurde von dem Vorsitzenden des Vereins, Herrn Direktor Dr. Hesse geleitet, welcher zunächst auf die vor kurzem von dem genannten Verein in Marburg veranstaltete schone Ausstellung von Simmenthaler Rassenvieh hinwies und den Wunsch aussprach, daß der Verein cs bei diesem ersten Erfolge nicht bewenden lassen, sondern rastlos vorwärts streben möge, um bei einer späteren Ausstellung noch besseres leisten zu können. In Erledigung der Tagesordnung wurde sodann 1. Herr Bürgermeister a. D. Ruth-Bellnhausen, anstelle des ans dem Verein ausgeschiedenen Mitgliedes Grebc- Niedcrweimar als Schriftführer, 2. als weiteres Vorstandsmitglied Herr Bürgermeister Scherer-Dagoberts- Haufen gewählt, und 3. beschlossen, demnächst eine zweite Körung und Zeichnung des Vereinsviehes vorzunehmen und die einzelnen Mitglieder von der Ankunft der Kommission zeitig vorher in Kenntnis zu setzen. Zu Punkt 4 erstattete Herr Lehrer Kuhnert die Rechnung der stattgehabten Prämienschau, welche eine Einnahme von 140,30 Mark, eine Ausgabe von 137,85 Mark aufwies und mit einem Ueberschnß von 2,45 Mark abschloß. Zum Schluß erfolgte die Auszahlung der den Mitgliedern in einer Gesamthöhe von 395 Mk. zuerkannten Prämien.
Marvnrg, 2. Juni. (Das Lahndampfer- projekt.) Jnbezug auf die projektierte Schnellbootfahrt zwischen Marburg und Wehrda wird uns mitgeteilt, daß das Unternehmen diesen Sommer nicht mehr zur Ausführung kommen wird. Für die in Aussicht genommenen Boote verlangt die Regierung je 3, zusammen also 6 Mann Bedienung, und würde schon dadurch der Betrieb zu kostspielig. Während der Bentühungen um Boote mit ciufachcrem billigerem Betriebssystem ist der Inhaber der unternehmenden Firma von einem schweren Unfall betroffen, der ihm für einige Monate jede Thätigkeit, speziell die für den Zweck beabsichtigten Reifen verbietet, durch diese unerwarteten Zwischenfälle ist so viel Zeit verloren gegangen, daß die Ausführung in diesem Sommer nicht mehr möglich ist. Wenn also eine Hinaus
ahnung eines kommenden Verlustes und Unglückes auf und drückte schwer auf mein Gemüt
Drinnen im Zimmer herrschte die größte Stille, welche so lange währte, daß es anfing, unheimlich zu werden. Siegmund's kleine Gestalt stand immer noch sprach- und regungslos am Fenster. Endlich wandte er sich um und ging mit einem Gesicht, aus dem jede Spur von Farbe verschwunden war, langsam auf die geschlossene Thür zu.
„Siegmund!" rief ich in vernehmbarem Flüsterton. „Komm' her, mein Kind! Bleibe hier bei mir."
„Ich muß hineingehen!" antwortete er. Dann öffnete er, ohne anzuklopsen leife die Thür, ging hinein und schloß dieselbe wieder hinter sich. Was drinnen vorging, weiß ich nicht. Ich vernahm nur ein kurzes, unartikuliertes Murmeln und dann wieder dieselbe tiefe Stille wie vorher.
Einige Augenblicke blieb ich noch liegen, dann verließ ich aus Rücksicht für meine Freunde das Haus und durchstreifte, da ich nichts besonderes zu thun hatte, den Hofgarten. Dann wanderte ich durch die Stadt und als ich die Königs-Allee hinunterging, fiel mir das rege Leben vor einem großen, imposanten Hause auf, welches lange verschlossen und unbewohnt gewesen war. Ein nur kurze Zeit vorn Glück begünstigter Bankier hatte es gebaut und drei Monate darin gewohnt; nachdem er aber nach hereingebrochenem Bankerott eines Morgens durch Selbstmord geendet, wurde das Haus verschlossen und erfreute, sich seither keines guten Rufes, obgleich es das schönste Gebäude indem fashionabelsten Stadtteile war Es lag in einem reizenden schattigen Garten, zu dem ein großer Thorweg führte. Ich blieb stehen, um den Arbeitern zuzusehen, welche die Läden öffneten und die Decken von den Möbeln nahmen. In der Halle waren Dienstmädchen mit