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Reaktion ^und Expedition^Markt 21."6urg- Illustriertes Sonntagsblatt. Redaktion und Expedition: Markt 21 9

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Marburg, Donnerstag, 19. Mai 1892.

Anzeigen nimmt entgegen die Erpedition dieses Blattes, sowie die Annoncen-Bnrcaux von Haasenstein u. Vogler in t

Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf XXVII. IahraaNÜ Mosse in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L. x> > u D

Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.

Gesetz, betr. die Unterstützung von Familien der zu Fliedens­übungen einberufcnen Mannschaften.

Vom 10. Mai 1892.

Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, König von Preußen re.

verordnen im Namen des Reichs, nach erfolgter Zustimmung des Bundesrats und des Reichstags, was folgt:

§ L

Die Familien der aus der Reserve, Landwehr oder Seewehr zu Friedensübungen einberufenen Mannschaften erhalten auf Verlangen aus öffentlichen Mitteln Unterstützungen. Das Gleiche gilt bezüglich der Faniilicn der aus der Ersatzrcscrve für die zweite »der dritte Uebung einberufenen Mannschaften.

Vorstehendes findet nicht Anwendung, wenn der Uebungspflichtige zu denjenigen Reichs-, Staats- oder Kommunalbeamten, welchen zufolge § 66 Absatz 2 des Reichs-Militärgesetzes vom 2. Mai 1874 (Reichs- Gcsetzbl. S. 45) in der Zeit der Einberufung zum Militärdienste ihr persönliches Diensteinkommen ge­wahrt ist, gehört.

Der Anspruch aus Unterstützung ist bei der Ge­meindebehörde desjenigen Orts anznbringen, an welchem der Unterstützungsberechtigte zur Zeit des Beginns des Untcrstützungsanspruchs seinen gewöhnlichen Auf­enthaltsort hat, und erlischt, wenn solches nicht binnen vier Wochen nach Beendigung der Uebung geschieht.

Die Gewährung der Unterstützungen richtet sich, soweit nachfolgend nicht Besonderes bestimmt ist, nach den Vorschriften des Gesetzes, betreffend die Unterstützung von Familien in den Dienst eingetre- tencr Mannschaften, vom 28. Februar 1888 (Reichs- Gesetzbl. S. 59.)

§ 2.

Die täglichen Unterstützungen sollen betragen: a. für die Ehefrau dreißig Prozent des ortsüb­lichen Tagelohns für erwachsene männliche Ar­beiter am Aufenthaltsorte des Einberufenen, b. für jede der sonst unterstützungsberechtigten Per­sonen zehn Prozent des ortsüblichen Tagelohns für erwachsene männliche Arbeiter am Aufent­haltsort des Einberufenen

mit der Maßgabe, daß der Gesamtbetrag der Unter­stützung sechzig Prozent des Beftages des ortsüblichen Tagelohns nicht übersteigt.

§ 3.

Die gezahlten Unterstützungen werden aus Reichs­

mitteln erstattet. Die Erstattung hat vor Ablau des Etatsjahres zu crsolgen, in welchem die Zahlung stattgesunden hat.

§ 4.

Die nach Maßgabe dieses Gesetzes gewährten Unterstützungen können nicht verpfändet, noch an Dritte abgetreten werden, unterliegen auch keiner Art von Zwangsvollstreckung.

§ 5.

Dieses Gesetz tritt mit dem 1. Juli 1892 in Kraft.

§ 6.

Unterstützungen nach Maßgabe dieses Gesetzes werden auch rücksichtlich solcher Friedensübungen ge­währt, welche ganz oder teilweise in der Zeit vom 1. April 1892 bis zum 1. Juli 1892 stattgefunden haben.

Ist die Friedensübung vor dem Inkrafttreten des Gesetzes beendigt, so beginnt die vierwöchige Frist für die Anbringung des Ünterstützungsanspruchs mit dem 1. Juli 1892.

Urkundlich unter Unserer Höchsteigenhändigen Unter­schrift und beigedrucktcm Kaiserlichen Jnsiegel.

Gegeben Spandau, den 10. Mai 1892.

(L. 8.) Wilhelm.

von Boctticher.

Deutsches Reich.

W. Merlin, 18. Mai. Von den Kaiser­tagen in Danzig wird weiter berichtet: Am Dienstag Vormittag besichtigte der Kaiser zunächst nochmals die Arbeiten auf der Schichauschen Werft und begab sich dann zur Parade der Garnison, an welcher eine Brigade Infanterie, das erste Leib- husaren-Regiment und die in Danzig garnisonierenden Abteilungen des Feld - Artillerie - Regimentes Nr. 36 teilnahmen. Zweimaliger Vorbeimarsch sand statt. Der Kaiser sprach seine volle Zufriedenheit mit den militärischen Leistungen aus und verlieh aus dem Paradefelde zahlreiche Orden und Auszeichnungen, darunter dem kommandierenden General Lentze den Roten Adlerorden 1. Klasse. Unter jubelnden Zu­rufen der Bevölkerung ritt der Kaiser an der Spitze der Fahnenkompagnie zur Stadt zurück und nahm das Frühstück bei dem General Lentze ein. Nach demselben kehrte Se. Majestät mit seinem Gefolge an Bord seiner JachtHohenzollem" zurück und wohnte mit seiner Umgebung am späteren Nachmittage dem Stapellaufe des Kreuzerfahrzeuges E. bei. Abends war im Oberpräsidium größere Festtafel. Heute

Im Kann -er Töne.

Roman von F. Fothergill.

Autorisierte deutsche Uebertragung.

(Nachdruck verboten.s (Fortsetzung.)

Olivier sah Helfen mit einem schnellen Blick an, in dem ein Gemisch von Dankbarkeit und Vergnügen sich aussprach, während Frau Schmidt weiter er­klärte, daß sie nur an Herren vermiete, da Damen, Kinder und Kindermädchen ihr zu viel zu thun «achten.

Sie werden weder mit einer Dame, noch mit einem Kindermädchen zu thun haben," entgegnete er. »Ich pflege das Kind selbst; Sie werden gar nicht merken, daß es im Hause ist "

Aber Ihre Frau" begann sie.

Ich bin mit meinem kleinen Knaben allein," erwiderte er höflich, aber, wie es mir schien, mit unterdrücktem Unwillen.

So!" sagte die Frau, ihn neugierig musternd, so daß es mich heiß überlies. Er aber sah sie ruhig und ohne eine Miene zu verziehen, an.

Nun," sagte sie nach einer Pause,ich muß doch wohl darnach sehen; es ist das erste Kind, das ich unter solchen Umständen in mein Haus aus­nehme und ich thue es nur Herrn Helfen zuliebe"

Ich war auf's Höchste erstaunt, denn ich hatte dis dahin noch nicht gewußt, daß ich in so hoher Achtung bei ihr stand. Olivier warf mir lächelnd einen Blick zu, als wir nach dem ersten Stocke gingm. Die Frau öffnete eine Thür und sagte, die beiden Zimmer müßten zusammen bleiben. Olivier schüttelte den Kopf.

Ich brauche keine zwei Zimmer," sagte er, «oder, ich glaube vielmehr, daß ich mir das nicht leisten kann. Was fordern Sie?"

Sie nannte ihm die Miete.

Wenn es so viel wäre," sagte er einen kleineren Betrag nennend,so wurde es gehen."

Rein!" antwortete die Frau kurz,dafür kann ich's njcht thun. Unsereiner muß doch auch leben"

Schnell erwog ich im Geiste meine Verhältnisse und Einnahmen und sagte dann:Nun, wir können es ja einrichten. Machen Sie das kleinere Zimmer zur Kammer und das große zum Wohnzimmer und wenn ich dann mit hineinziehe, kommt es auf den Betrag hinaus, den Sie zahlen wollen."

Das Gesicht der Frau klärte sich auf.Ja, das läßt sich hören. Wenn Herr Helfen damit ein­verstanden ist, soll es mir recht sein "

O. Sie können sich meinetwegen keine Extra- Ausgaben auferlegen," sagte Olivier.

Ich kann es erschwingen," sagte ich.Ich tebe ganz allein und wenn Sie gegen meine Ge­sellschaft nichts einzuwenden haben, so kaffen Sie es uns versuchen. Wir werden auch im Orchester Nachbarn sein "

Ich fürchte nur, das Arrangement verursacht Ihnen Unbequemlichkeiten," begann er.

Ohne einen ferneren Einwand zu dulden, zog ich ihn in das große Zimmer.

Dort," sagte ich, Olivier an,'s Fenster ziehend und nach drüben deutend,dort ist der Schauplatz Ihrer künftigen Thätigkeit, die städtische Tonhalle."

So!" sagte er, den Blick von der dunklen Straße wieder dem kärglich möblierten Zimmer zu­wendend.Es sieht hier ziemlich trüb aus!"

Wir werden dem Zimmer bald ein anderes Aussehen geben," entgegnete ich und wir machten uns gleich daran, das Zimmer bewohnbar zu machen. Während er dann fein zurückgelassenes Gepäck vom Bahnhof holte, stahl ich mich in mein Zimmer, um

Mittwoch gedenkt der Kaiser an Bord des Regierungs­dampfersGotthilf Hagen" die Regulierungsarbeiten in der Weichselmündnng in Augenschein zu nehmen und dann stromauf nach Dirschau zu fahren, von wo die Eisenbahnfahrt nach Marienburg zur Besichtigung des dortigen Ordensschlosses angetreten wird. Von Marienburg begiebt der Kaiser sich zur Jagd nach Schlobitten.Graf Herbert Bismarck" ist die Ueberschrift eines Artikels in dem Organ des Fürsten Bismarck, in welchem es heißt:Anläßlich der Verlobung des Grafen Herbert Bismarck sind in der Presse verschiedene Erfindungen in Umlauf gesetzt, deren Inhalt seiner übereinstimmenden Fassung nach auf Einheit des Ursprungs schließen läßt und die Unwahrheit verbreitet, als ob feit dem Austritt des Grafen Herbert aus dem Staatsministerium der Wiedereintritt von ihm oder seinem Vater jemals ge­wünscht oder auch nur für möglich gehalten worden wäre. Wie eine mit den politischen Verhältnissen vertrante Leitung den Nonsens drucken kann, Gra" Herbert Bismarck habe einen Botschafterpostenge­fordert", ist vollkommen unbegreiflich. Allen Ein­geweihten sind die Gründe bekannt, welche den Grafen Bismarck Ende März 1890 bestimmten, znrückzu- treten, und die Versuche, welche stattfanden, um ihn zum Verbleiben im Amte zu bewegen; es ist aber auch von allen wohl Informierten verstanden worden, weshalb er dauernd ablehnte, zu bleiben. Daß nun der Gras nachträglich von dem ftreberhaften Ehrgeize erfaßt fein sollte, auf dem Posten eines Agenten der heutigen Leitung des Auswärtigen Amtes ein Voll­strecker der Instruktionen desselben zu werden, das zu glauben, verrät Anschauungen von Leuten, die mit der Denkungsart unabhängiger und ehrliebender Männer nicht hinreichend vertraut sind, um ein Urteil darüber zu haben. Die Versuche, auch seinem Vater Unterhandlungen über diese Frage zuzumuten, können wir unbeachtet lassen." Zum Wechsel im Kommando der deutschen Manöverflotte wird aus Kiel geschrieben: Der Wechsel im Kommando der Manöverflotte ist um so weniger unbeachtet geblieben, als auch das Flaggschiff Baden", welches vor einiger Zeit bei Langeland auf Grund geriet, gleichzeitig feinen Kommandanten gewechselt hat. Vizeadmiral Deinhard, der bisherige Chef der Flotte, hat einen längeren Urlaub erhalten und Kiel bereits verlassen. In gut unterrichteten Kreisen ist man der Ansicht, daß es in Wahrheit Gesundheitsrücksichten sind, welche den Rücktritt des Vizeadmirals Deinhard von dem Kommando der Flotte veranlaßt haben; es darf auch nicht außer

nach meinem neuen Schatze zu sehen, der noch fried­lich und ruhig weiter schlief. Wir waren ganz in unsere Ausstattungsarbeit vertieft, als ich gelegent­lich nach meiner Uhr sah.

In fünf Minuten sieben!" rief ich bestürzt und eilte von Olivier gefolgt, in mein Zimmer. Das Kind war wach und ich fühlte mich schuldig, als es mich mit großen, milden Augen unbeweglich ansah. Ich sprach die Besürchtung aus, daß ich es geweckt hätte.

O, nein! Es ist schon eine zeitlang wach," sagte Olivier. Als das Kind ihn erblickte, streckte es die Arme nach ihm aus.

Na, kleiner Taugenichts!" sagte er, es auf« nehmend und küssend.Du mußt hier bleiben, bis ich wiederkomme. Willst Du auch so lange artig fein?

Das Kind sah traurig aus und antwortete auf eine Weise, indem es feine beiden Arme um den Hals des großen Mannes schlang, sein Gesicht einen Augenblick an das seine preßte und ihn dann wieder loslics, wobei es keinen Laut von sich gab. Ein mir ganz neues, eigentümliches Gefühl überkam mich; ich wandte mich rasch ab und wunderte mich, daß meine Augen sich verschleierten. Ich hatte noch nie solche Gäste gehabt.

Aus dem Flur trafen wir Frau Schmidt.

Wo gehen die Herren hin?" fragte sie.

An die Arbeit, Frau Schmidt," antwortete Olivier, höflich den Hut lüftend, was sie zu ent­waffnen sch en.

Aber das Kind?" fragte sie.

Machen Sie sich darum keine Sorge."

Schläft es?"

In diesem Augenblick nicht; es befindet sich aber recht wohl "

Acht gelassen werden, daß er auch im Winter das Manövergeschwader befehligt hat. Es steht zu hoffen, daß Vizeadmiral Deinhard noch lange Zeit im aktiven Dienst verbleibt, er ist Seemann mit Leib und Seele und von allen Flottenführern Deutschlands wohl derjenige, welcher die meiste Erfahrung als Chef eines großen Geschwaders gesammelt hat. Sein Nachfolger, Vizeadmftal Schröder, der bisherige Chef der Marinestation der Nordsee, hat im Jahre 1890/91 das Uebungsgeschwader kommandiert, welches im Sommer 1890 mit dein Manövergeschwader vereinigt, an den kombinierten Manöver» bei Alsen teilnahm. Die Wahlprüfungskommission des preußischen Abgeordnetenhauses hat am Dienstag ihren früheren Beschluß bestätigt und die Wahl des Abg. Stadtrat Grimm (nationalliberal), Vertreters für 11. Wiesbaden, Stadtkreis Frankfurt a. M., welche zu abermaliger Prüfung vom Plenum an die Kommission zurückverwiesen war, wiederum mit 8 gegen 4 Stimmen für ungiftig erklärt. Aus Ostafrika wird demBerk. Tgbl." gemeldet: Der Oberhäuptling der Wahehe wird am 20. d. M. nach Dar-cs-Salaam abreisen, um unter der Ver­mittlung des Bischofs Monseigneur de Courmont mit den Deutschen Frieden zu schließen. Morgen, Donnerstag, kommt Stokes mit einer Elfenbein­karawane von 300 Waniamwesi in Saadani an.

Ausland.'

Griechenland. Das Ergebnis der griechischen Wahlen ist eine vollständige Niederlage von Delyannis. Nach den bis jetzt bekannten 207 Wahlergebnissen sind den Triknpisten 160 Sitze, der Regierungspartei 5 und die übrigen der Opposition zugefallen. König Georg kann somit als Sieger über Delyannis seine Reise nach Kopenhagen zur Feier der goldenen Hoch­zeit seiner Eltern antreten. Die nächste Folge der Wahlen wird die baldige Berufung des Herrn Tri- knpis zur Regierung sein, denn wenn es nach dem Könige gegangen wäre, hätte derselbe schon sofort nach der Entlassung des Herrn Delyannis die Zügel der Regierung ergriffen. An eine Besserung des griechischen Parteiwesens ist auch jetzt nicht zu denken. Die Wahlen find und bleiben der Kampf um die Staatskrippe, die alle Anhänger des Siegers vom Minister bis zum Straßenwärter herab füttern muß. Wieviel lobte und Verwundete der edle Wettlauf diesmal gekostet hat, ist noch nicht zu übersehen; ein paar Dutzend sind es aber sicherlich.

Sie warf uns einen langen Blick zu und ich zog Olivier hinaus.Kommen Sie, kommen Sie!" rief ich.Sie hält Sie sonst eine halbe Stunde auf und es ist Zeit."

Wir schritten eilend, ohne zu sprechen, durch die Straßen; cs war fünf Minuten nach der Zeit, als wir ins Orchester traten. Die. Ouvertüre hatte schon begonnen.

Obgleich jemand, der in der Ouvertüre zum Tannhäuser mitwirkt, gewiß nicht viel Zeit hat, seine Kollegen zu beachten, so sah ich doch die vielen neugierigen und erstaunten Blicke, welche aus unser neues Mitglied geworfen wurden. Er aber nahm gar keine Notiz davon, weil er sie augenscheinlich mrchaus nicht bemerkte und frei von Selbstgefällig­keit war.

Als der erste Akt der Oper vorüber war, mußte ich ihn mit seinen neuen Kameraden bekannt machen. Er stellte sich dem Direktor vor und dann zogen wir uns in ein kleines Zimmer neben dem Orchester zurück.

Ein Hundewetter heute!" sagte einer, sich chüttelnd.Haben Sie heute eine weite Reise ge- nacht?" fragte er Olivier, um die Unterhaltung zu icginnen.

Ich komme nur von Köln."

Wohnen Sie da?"

Nein "

Sind Sie ein Freund Helfen'-?" fuhr der Mann fort.

Ich glaube vielmehr, er hat sich mir als Freund lewiesen," entgegnete Olivier lächelnd.

Haben Sie schon eine Wohnung gefunden?"

Ja."

So!" sagte der Frager ziemlich verwirrt. Ich erinnere mich noch ganz genau der Szene. Unge-