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scheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und

--/» iiA Feiertagen. Ouartal-Abonnements-Preis bei der Expe- dition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnserttonsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Mosie in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.

Marburg,

Mittwoch, 11. Mai 1882

XXVII. Jahrgang.

Der deutsche Reichsanzeiger über die Löweschen Gewehre.

In der neuesten Nummer des amtlichen Reichs- anzcigers finden sich folgende Zeilen:

Zu den in der Ahlwardtschen BroschüreNeue Enthüllungen Judenflinten" enthaltenen Angaben, welche geeignet sind, ganz falsche Vorstellungen über die Beschaffenheit eines großen Teils unserer Jnfanterie- dewaffnung zu erzeugen, und zu den über diese Broschüre in mehreren Zeitungen staltgchabten Besprechungen wird Nachstehendes veröffentlicht:

1) Die Kommanditgesellschaft auf Aktien (Ludwig Löwe, Berlin) war kontraktlich verpflichtet, das Material zu dem Hauptteil des Gewehrs dem Lauf von der Königlichen Gcwehrfabrik Spandau in Form von Laufstäben zu beziehen. Die der Firma gelieferten Laufstäbe sind identisch mit den seitens der drei Königlichen Gewehrfabriken verarbeiteten. Da von der Beschaffenheit des Laufmate;ials wesentlich die Kriegsbrauchbarkeit der Waffe abhängt, so liegt in dem vorerwähnten Umstande eine Sicherheit für die Leistungstüchtigkeit der Löweschen Gewehre; auch haben sich bis jetzt nach etwa 1 */2 jährigem truppen­mäßigen Gebrauch dieser Waffen besondere Mängel nicht bemerkbar gemacht. Während der ganzen Dauer der Fabrikation dieser Gewehre haben ferner Kontroll­beschüsse seitens der Gewehr - Prüfungs - Kommission stattgefunden, und haben sich bei diesen Beschüssen keinerlei Anstände ergeben.

2) Die Firma Löwe war durch Kontrakt ver­pflichtet, bis ult. Januar 1892 die letzten Waffen der ihr übertragenen Lieferung von 425 000 Gewehren abzugeben, nicht, wie in der Broschüre gesagt ist, am 1. Januar 1892. Mitte Januar d. I. sind die letzten Gewehre der genannten Fabrik abgenommen worden.

3) Der Firma Löwe ist nicht ein Gcwehrpreis von 58 Mk. gezahlt worden, wie die Broschüre be­hauptet, sondern ein erheblich niedrigerer. Unter Zugrundelegung des Gewehrpreises in den König­lichen Fabriken kann die Firma Löwe etwa 2 bis 4 Mk. an jedem Gewehr verdient haben, nicht 30 Mk., wie der Verfasser der Broschüre behauptet.

4) Gegen die Angcschuldigten, soweit sie der Militärgerichtsbarkeit unterstellt sind, ist gerichtliche Untersuchung eingelcitet.

5) Dem Staatsanwalt ist von der Sache Mit­teilung zugegangen mit dem Anheimgeben, seinerseits die erforderlichen Schritte zu thun.

Deutsches Reich.

W. Aerlin, 10. Mai. Am Montag früh kani der Kaiser von Potsdam nach Berlin und begab sich zu Pferde nach dem Tempelhofer Felde, um die Bataillone des 3. Garderegiments z. F. im Beisein einer zahlreichen Generalität und vieler anderer höherer Offiziere, sowie der Militärbevoll- ntächtigten zu besichtigen. Hierauf folgte der Monarch einer Einladung zur Tafel nach der Kaserne des genannten Regiments. Später begab sich der Kaiser nach dem Schlosse und reiste Nachmittags nach Hohen-Finow. Dort hielt Se. Majestät bei dem Landrat v. Bcthmann-Hollweg Pürschjagden ab und kehrte Abends nach Berlin zurück. Heute, Dienstag, wird der Kaiser in Spandau Militärbesichtigungen abhalten. Nach einer Berechnung derMil. Ztg." zählte die preußische Armee am 1. April d. Js. 15 732 Offiziere dcsBeu rlaubten st andes, nämlich 7507 Reserve- und 8225 Landwehroffiziere. Schwamm drüber! So heißt es jetzt von den sensationellen Plänen über die Umgestaltung der Umgebung des a l t e n K ö n i g s s ch l o s s e s in Berlin. Das Nationaldenkmal für Kaiser Wilhelm I., welches man bis 1897 zu vollenden hofft, kommt definitiv auf den Platz der heutigen Schloßfreiheit. Im Uebrigen heißt es vorläufig wenigstens Rührmichnichtan!" Die Löwe'sche Gewehrfabrik in Berlin hat gegen den Rektor Ahlwardt wegen seiner bekannten FlugschriftJudenflinten" Strasantraggestellt. (Eine Kundgebung des deutschen Reichsanzeigers" zu der vielbesprochenen Ange­legenheit bringen wir an anderer Stelle.) Aus dem südlichen Teile des Ka m erun gebie ts sind insofern wenig befriedigende Nachrichten eingetroffen, da die von Ches Ramfay gcführrc Expedition, welche früher von Gravenreuth befehligt wurde und erst nach längerem Aufenthalt an der Küste in das Innere vordrang, wegen des schlechten Trägcr- materials nicht vorwärts kommt. Aus Ostafrika wird demBerl. Tgbl." gemeldet, daß Dr. Peters zur Stärkung seiner angegriffenen Gesundheit einen Ausflug nach Notel macht.

(Wackere Patrioten!) Unsere deutschen Sozialdemokraten haben wieder einmal ein Stück ge­liefert, zu dem sich entsprechenden Falles ihre fran­zösischen Genossen niemals erniedrigen würden. Bei der Maifeier in Bingen haben sie folgendes schmäh­liche Schreiben nach Paris losgelassen:

Die Sozialdemokraten von Bingen und Rüdes- heim glaubten, den internationalen Arbeiterfeiertag

Im Van« der Töne.

Roman von F. Fothergill.

Autorisierte deutsche Uebertragung.

(Nachdruck verboten.j (Fortsetzung.)

Alle Musiker schienen Helfen gern zu haben besonders ein Cellist. Er mußte ihm viel scherz­haftes erzählen, denn er lachte, während er mit ihm sprach, wobei er ab und zu sein loses, volles Haar aus dem hübschen Gesicht zurückwarf. Helfen hörte leicht lächelnd zu, stimmte dabei seine Violine und ließ manchmal seinen ruhigen Blick auf ihm ruhen Die Musiker stimmten jetzt alle ihre Instrumente. Meine Erwartung war aufs höchste gespannt.

Als ich wieder umherblickte, sagte Vincent lächelnd:Miß Wedderburn, Sie haben mich s: on dreimal mit ihrem Hut in's Gesicht gestoßen."

Es war, nebenbei gesagt, derselbe braune Hut, den ich an jenem Tage in Köln getragen hatte.

O, bann bitte ich um Verzeihung," sagte ich, gleichfalls lachend, und wandte mich wieder der Bühne zu.Die Sitze sind zu eng . . ."

Ich wollte noch mehr sagen, aber die Worte kamen mir nicht über die Lippen. Als ich über das Orchester hinweg nach der Bühne sehen wollte, siel mein Blick auf einen leeren Stuhl, der jeden­falls dem Führer der ersten Geigen gehörte Auf dem nächsten saß Friedhelm Helfen. Alle übrigen Plätze waren besetzt und der Dirigent blickte an­scheinend ungeduldig nach dem leeren Stuhle. Durch eine Thür links am Orchester trat jetzt ein Mann d-r, diesem zunickend, jenen anlächelnd, einen anderen auf die Schulter klopfend, auf den leeren Stuhl zuging. Dort angekommen,' legte er feine Hand Helsen auf die Schulter, beugte sich über ihn und

sprach mit ihm, während er Platz nahm. Er ließ die Hand auf der Schulter desselben ruhen und man sah es den beiden Männern an, daß sie Freunde waren. Ich saß still und bewegungslos da, ohne zu atmen es war mir, als ob mich ein Zauber empfinge und ich glaubte, wenn ich die Augen öffnete, würde ich aus einem Traume erwachen müffen. Nach einem ernst geführten Gespräche mit Helfen erhob der neue Ankömmling den Kops, nahm seine Geige an die Schulter und ließ seine Augen achtlos über die erste Reihe des Parquels gleiten. Es war Eugen Olivier.

Er sah in diesem Augenblick stattlicher, edler unb ritterlicher aus, als meine schwärmerischen Träume ihn je gemalt hatten: es lag etwas in ihm, was ihn über die große Masie erhob. Mein Gefühl überwältigte mich, so daß ich für den Augenblick unfähig war, zu denken und zu über­egen. Es war mir, als ob jeder das, was in mir vorging, sehen müßte. Bis jetzt wußte noch keiner, was vorgefallen war; aber ich fürchtete, alle würden es nun erfahren

Ich that das feigste und erbärmlichste, was unter fiesen Umständen möglich war und man mag daraus chließen, wohin meine Einfalt und Dummheit mich sichren konnten. Ich sah, wie der Blick dieser selt­samen, glänzenden Augen, deren Macht ich kannte, immer mehr auf mich zukam; in einer Sekunde mußten sie auf mir haften. Ich fühlte, daß ich bleich wurde. Jetzt sah er Vincent an und nickte ihm zu und jetzt ruhte sein Blick auf mir nur eine Zehntel-Sekunde! Er erkannte mich; ich las es in seinen Augen und in seinem Gesichte. Ich be­merkte, daß er sich verbeugen wollte. Das Blut choß mir in's Gesicht, der Kopf schwindelte mir, mein Herz preßte sich zusammen. Ich blickte auf

am besten dadurch begehen zu können, daß sie hier am Fuße des Niederwald - Monuments Protest er­heben gegen die Pflege des Völkerhasses, die das edelste Gefühl des Menschen, die Nächstenliebe syste­matisch untergraben würde, wenn nicht die Arbeiter­klasse diesem Treiben ein energisches Halt zuriefe. Heute am 1. Mai soll durch die von Chauvinismus verpestete Luft der Niederwalbgegend ein gesunber Hauch freiheitlicher Nächstenliebe wehen, unb am selben Orte, wo ber sogenannte Patriotismus ber beutschen Denker" unzählige Male Orgien gefeiert hat, bekunben wir, baß bas arbeitenbe Volk diesseit unb jenseit ber Vogesen einig ist trotz aller Verhetzung. Hier, wo bie deutschen Mordpatrioten ihrNieder mit Frankreich" brüllten, rufen wir den Proletariern jenseit der Vogesen unfern aufrichtigen Brubergruß zu.

Wenn es Leute giebt, bie angesichts des Nieder­walddenkmals so vaterlandslos denken können, braucht man sich nicht allzusehr zu wundern, daß es auch schon solche gegeben hat, die an jener weihevollen Stätte Minen angelegt haben. Ihre Namen ver­zeichnet pietätsvoll der sozialdemokratische Kalender desVorwärts", obwohl bekanntlich die Sozial­demokratie mit den Anarchisten nichts zu schaffen hat.

Hessen-Nassau.

Warkurg, 10. Mai. Die Steiger-, Retter- unb Hydrantenzüge derFreiwilligen Feuerwehr" hielten gestern abend eine Uebung auf dem Kämpf­rasen ab. Sämtliche Züge führten zunächst Einzel­übungen am Steigerturm, mit der Schieb- unb Baum­leiter, sowie an ben Hydranten im südlichen Stadtteil aus, worauf zum Schluß ein Signal- unb Mann­schafts-Exerzieren stattfanb.

Warburg, 10. Mai. Wir machen bie Leser unseres Blattes auch an bieser Stelle auf bie im heutigen Kreisblatt Nr. 39 enthaltene Polizeiverord­nung der köngl. Regierung in Cassel zum Feld- unb Forstpolizeigesetze vom 1. April 1880 aufmerksam.

Warburg, 10. Mai. Eine Monbfinsternis zu beobachten, bietet sich bei günstiger Witterung in der Nacht vom 11. zum 12. Mai Gelegenheit. Da die Mondfinsternisse, im Gegensätze zu den Sonnen­finsternissen, welche immer nur für ein eng begrenztes Stück der Erdoberfläche sichtbar werden, eine reale Erscheinung sind, so sind bie Mondfinsternisse gleich­zeitig überall auf der Erbe sichtbar, wo sich ber Mond über dem Horizont befindet. Die Finsternis beginnt, b. h. ber östliche Teil bes Vollmonbes beginnt in

den Erdschatten zu tauchen um 10 Uhr 4 Minuten mittL Zeit Berlin. Die Mitte der Finsternis findet statt um 11 Uhr 47 Mm. mittl. Zeit Berlin; das Ende um 1 Uhr 30 Min. den 12. Mai. Sichtbar ist die Finsternis in Europa, in der westlichen Hälfte Asiens, in Afrika, in Südamerika unb im atlantischen unb silbischen Ocean. Die Finsternis ist keine totale, ber Rechnung nach bleibt ein schmaler Streifen am unteren Monbranbe auch um bie Mitte ber Finsternis sichtbar; möglicher Weise wird diese Sichel aber sehr schmal, weil die wechselnde Beschaffenheit der Erd­atmosphäre zuweilen eine Vergrößerung des Schatten- kegels der Erde herbeiführt; es ist aber nicht zu erwarten, daß die Finsternis dadurch zu einer totalen werden wird. Am anziehendsten wird sich bie Beobachtung des Voranschreitens des Erdschattens auf dem voll erleuchteten Monde nach Beginn der Finsternis gestalten. Dieser Teil der Erscheinung fällt noch in bequeme Abendstunden.

Warburg, 10. Mai. (Frachtbegünstigung für Ausstellungen.) Gemäß Kundmachung 2 des Deutschen Eisenbahnverkehrsverbandes wird für nach­bezeichnete Ausstellungen eine Frachtbegünstigung ge­währt : 1. für bie in ber Zeit vom 7. Mai bis zum 9. Oktober b. I. in Wien ftattfinbenbe Internationale Musik- unb Theaterausstellung auf sämtlichen preußischen Staatsbahnen, ben bayerischen unb öster­reichischen Staatsbahnen unb auf ben Strecken ber österreichisch - ungarischen Staatseisenbahngesellschaft; 2. für bie vom 5. -7. Juni b. I. in Winsen a. b. Lnhe ftattfinbenbe Geflügelausstellung auf ben Strecken ber königlichen Eisenbahndirektionen Hannover, Altona, Magdeburg unb Köln (rechtsrh.); 3. für bie vom 13. bis zum 15. Juni b. I. in Breslau ftattfinbenbe Maschinenausstellnng auf sämtlichen Staatsbahnen; 4. für bie vom 16. bis zum 20. Juni b. I. in Königsberg i. Pr. ftattfinbenbe Wanderausstellung von Tieren, landwirtschaftlichen Maschinen, Erzeug­nissen u. f; w. auf den preußischen, badischen, württembergischen und bayerischen Staatsbahnen, her Main-Neckarbahn unb ber sächsischen Staatsbahu. Die Rückseudungsfrist beträgt bei ber Ausstellung in Winsen 14 Tage, bei ben übrigen Ausstellungen 4 Wochen.

Warburg, 10. Mai. (Nene Molkereien.) Tie Errichtung von Genossenschaftsmolkereien mit Dampfbetrieb ist beschlossen in Gubensberg, Nbr.- Anla, Walburg im biesseitigen Regierungsbezirke unb bie maschinelle Einrichtung dieser Anlagen ber Firma Bergner unb vom Stein in Frankfurt a. M., Filiale des Bergsborfer Eisenwerks, in Auftrag ge­

ben Theaterzettel in meinem Schoße, starrte auf bie deutschen Buchstaben, auf bie Namen der Spieler unb ihrer Rollen: König Heinrich Elsa Lohengrin ... Ich las den Zettel wieder und wieder, während es mir in den Ohren summte unb mein Herz klopfte, ich glaubte, alle Leute im Theater sehen mich an.

Hören Sie, Miß Webderburn, das Vorspiel!" flüsterte mir Vincent eifrig zu als bie ersten, lang- gezogenen Töne ber Geigen vernehmbar wurden.

Ich erhob endlich mein Gesicht unb sah nach ber Stelle hin, wo er saß. Diesmal begegneten sich unsere Augen voll. Ich weiß nicht, was ich em­pfand, als er mich jetzt so fremd ansah, als ob ich eine Holzpuppe in einem Schaufenster gewesen wäre. Sah er vielleicht hinter mich? Nein, sein Auge traf direkt das meine; aber kein Zeichen, kein Zuckeu mit Mund oder Augenlidern bezeugte ein Erkennen. Ich hörte nichts mehr. Wenn er spielte und von der Musik in Anspruch genommen wurde, be­obachtete ich ihn verstohlen; wenn er nicht spielte, heftete ich meine Augen unverwandt auf ben Theaterzettel.

Ich wußte nicht, ob ich mich mehr Über meine Treulosigkeit einem Freunde gegenüber unglücklich mhlen oder mehr über bie Entdeckung erschrecken sollte, daß ber Mann, mit dem ich einen ganzen Nachmittag verbracht hatte, in ber festen Ueber- zeugung, baß er bent Aeußeren und dem Inneren nach meinesgleichen und ein Gentleman wäre, daß ber Mann, von dem ich so oft geträumt, an ben ich noch häufiger gedacht hatte ein berufsmäßiger Musiker, Mitglied einer deutschen Musikkapelle war, die im Theater einer Provinzialstadt öffentlich spielte.

Wenn ich jetzt an meine erbärmlichen und pedan­tischen Gewiffensskrupel von damals denke, treten

mir die Thrünen in bie Augen, halb vor Scham unb halb vor Freude! ...

In meinem Heimatsorte, dessen Bevölkerung aus Predigerwitwen, aus Töchtern verstorbener See- Offiziere und meistenteils aus vornehmen alten Damen bestand, sah die Armee und auch die Kirche sogar etwas von oben herab auf die Aerzte und Jurinen als notwendige, aber weniger auserlesene Faktoren des großen Ganzen der Nation. Medi­ziner und Juristen blickten ihrerseits auf den Handels­stand herab und die größeren Kaufleute trugen wieder die Nase höher als die Krämer und Detaillisten.

Alle aber Geistliche, Militärs, Juristen Mediziner, Großisten und Detaillisten zeigten mit Fingern auf Künstler, Musiker, Sitteraten und dergleichen. Mit dieser Klasse hatten wir keine Ge­meinschaft, wir konnten mit Ihnen nichts gemein haben, denn sie standen so ganz außerhalb unseres Lebens, daß wir kaum einmal an ihre Existenz dachten. Wir lasen von wundervollen Musikwerken und wünschten sie zu hören als Gemälde, als Kom­positionen aber glaube ich nicht, daß uns je in den Sinn kam, daß ein Mann, in dessen Adern warmes Leben pulsierte, der sühlte, hoffte, fürchtete und dachte, das Gemälde gemalt hätte, und baß wir ihn in feinem Gemälde sahen Es fiel uns nie ein, daß ein vielleicht noch größeres und lebendigeres Bewußt­sein jene Kompositionen schuf, welche Thränen in unsere Augen lockten, so oft wir sie spielen hörten. Für uns waren die Musiker nur Leute, bie spielen konnten: der eine blies eine Messingtrompete, der andere eine Holzflöte; der eine strich mit dem Fiedel­bogen auf den feinen Saiten einer kleinen Geige, »er andere auf den dicken Saiten einer großen.

Ich war 17 Jahre alt und batte keine eigene Meinung, sondern beurteilte alles nach den Grund-