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Wöchenüiche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marvurg und Kirchhain.
Redaktion ^und ^pcdirion^ Maitt 21. ”,,fa,a Illustriertes Sonntagsblatt. Redaktion und Expedition: Markt 21. ” 3Rat6ur
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Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Ouartal-Abonnements-Preis bei der Expedition 2 SDtf., bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
Marburg,
Mittwoch, 20. April 1892.
Anzeigen nimmt entgegen die Erpedition dieses Blattes, sowie die Aunoncen-Bureaux von Haasenstcin u. Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Masse in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Parisi
XXVD. Jahrgang.
d
Die neue Militärvorlage.
Von offiziöser Seite wird mehrfach bestätigt, daß die Regierung für die nächste Zeit eine erhebliche Verstärkung der Armee „entsprechend dem Anwachsen der Bevölkerung Deutschlands und der Vermehrung anderer europäischer Heere" beabsichtigt. Während aber das eine offiziöse Organ behauptet, daß die betr. Vorschläge noch keine bestimmte Gestalt angenommen hätten, läßt sich die „A. R.-C." von unterrichteter Seite schreiben: „Die Friedcns- präsenzstärke des deutschen Heeres an Mannschaften ist bekanntlich durch Gesetz vom 11. März 1887 bis zum 31. März 1894 auf 468409 Mann festgesetzt, in welcher Zahl die Einjährig - Freiwilligen nicht einbegriffen sind. Vom 1. April 1894 ab muß die Friedenspräsenzstärke aufs Neue festgestellt werden. Die bezügliche umfangreiche und nach allen Seiten hin gründlich zu erwägende Vorlage beschäftigt gegenwärtig schon die Militär-Verwaltnng, ohne daß bis jetzt etwas Bestimmtes aus diesen Beratungen hervorgegangen ist. Nach Feststellung des zu Fordernden und erzielter Einigung mit den Militär- verwaltungen der größeren Bundesstaaten wird dann die Zustimmung des Kaisers und die Genehmigung zur Vorlage an den Bundesrat eingeholt werden. Was nun die Hauptforderung der in Aussicht stehenden Vorlage anbetrifft, so ist ja schon regierungsseitig im Reichstage, und zwar durch den Reichskanzler am 27. November v. Js., erklärt worden, daß man daran denken müsse, unser Uebergcwicht über unsere Nachbarn durch die jährlich steigende männliche Bevölkerungsziffer praktisch auszunützen, d. h. die Zahl der zum Heeresdienst Auszuhebenden zu vermehren. Dies soll, wie man uns mitteilt, auch die Absicht der Militärverwaltung sein und durch die zu erwartende Vorlage bezweckt werden. Sämtliche Kadres sollen vermehrt werden, man spricht von etwa 45 000 bis 50 000 Mann, doch wird die endgiltige Entscheidung nicht vor dem Januar 1893 getroffen werden". Das genannte offiziöse Organ fügt dann folgende hochbedeutsame Benierkung hinzu: „Wenn von der Reichsvertretung eine Bewilligung so einschneidender Natur verlangt wird, so muß notgedrungen eine Gegenleistung gemacht werden, die in Einführung der zweijährigen Dienstzeit bestehen wird, ein Zugeständnis, zu welchen, man sich, in Anbetracht des heutigen Bildungsgrades der Nation, an zuständiger Stelle im Prinzip entschlossen hat."
per Frl-rvebel.
B Humoiistische Novelle von Heinrich Zschokke.
(Fortsetzung.)
„Nein, Herr Wilmson, ich leide nichts mehr Ich habe eine gütige Herrschaft gefunden"
„Ach, die gütigste Herrschaft ist eine Herrschaft! Sie sollten frei sein. O, meine Liebe, ich bin fteilich jetzt noch Soldat, — aber mein Vater ist reich, ich bin reich, haben Sie Vertrauen zu mir Ich bin gewiß nicht von dem Schlage, wie der elende Kammerdiener; — ich biete Ihnen ..."
„Für alle Anerbietungen danke ich Ihnen, Herr Wilmson. Sie sind sehr gütig. Aber ich bin nur frei, so lange ich niemandem Verpflichtungen schuldig bin. Und daß ich Sie nicht für einen Mann halten solle, wie jenen elenden Menschen, nein, das hätten Sie nicht nötig gehabt, zu bitten. Er ist mein bösester Feind. Ich kenne ihn "
„O, daß Sie mich auch kennen würden! Vielleicht ..."
„Wache heraus!" schrie die Schildwache. Ein General ritt über den Platz. Die Soldaten eilten aus der Wachtstube hervor. Der Feldwebel verbeugte sich flüchtig gegen das artige Kammermädchen und sprang zu seinen Leuten in Reih' und Glied Als der General vorbeigeritten war, hatte sich die schöne Clementine vom Platze verloren.
Träumend ging der Feldwebel auf und ab — Die unerwartete Erscheinung hatte sein Inneres verwandelt Er wiederholte sich ihre Worte und Erzählungen. Die Bewegungen ihres Gemüts, während des Plauderns hatten sie noch schöner gemacht, als er sie in Magdeburg gefunden. Er trat wieder auf dieselbe Stelle, wo sie vor ihm gestanden hatte. Ein Schauer drang von dem geweihten Boden
Deutsches Reich.
W. Merlin, 19. April. Der Kaiser trifft, wie verlautet, am 25. d. Mts. zur Jagd beim Grafen Görtz in Schlitz ein. — Wie im Vorjahre, hat der Kaiser auch in diesem Jahre seiner Zuneigung für das siegreich aus der letzten Wettruder- sahrt hervorgegangene Oxford in einer Drahtmeldung an Professor Max Müller Ausdruck verliehen. Der kaiserliche Glückwunsch war bis auf deu letzten Satz in deutscher Sprache gehalten und hatte nach den englischen Blättern etwa den folgenden Wortlaut: „Auf Grund meiner alten steten Freundschaft für das schöne Oxford und seine tapferen Söhne bitte ich Sie wiederum, der Bootmannschaft, welche die Wettfahrt gewann, meine herzlichsten Glückwünsche darzubringen. Ein so begeisterter Liebhaber des Wassersports, wie ich, muß sich stets aufs Neue freuen, wenn junge Leute ihre Kraft in so vernünftiger Weise gebrauchen und pflegen." (Dann in englischer Sprache): „Es war von Anfang bis zu Ende wohlgethan. Wilhelm, I. und R. Berlin." — Aus Berlin läßt sich die natlib. „Rhein. Wests. Ztg." folgendes schreiben, das wohl noch der Bestätigung bedarf: „Als der König von Sachsen unlängst mit einem hervorragenden Mitgliede der deutschen Kolonialbewegung sprach, äußerte er seine Befriedigung darüber, daß sich so viele deutsche Männer dieser Bewegung angcschlossen hätten und opferwillig für dieselbe eingetreten seien, ohne Rücksicht darauf, ob und wie weit ihnen dafür von oben her Gunst oder Abgunst zu teil werden dürfte. Einer der Hauptfehler unserer Zeit scheine ihm darin zu liegen, daß viel zu viel bei jeder Gelegenheit nach oben gesehen und von dort eine Parole erwartet werde. „Oben" bedürfe man auch des Rates und sei dankbar für jedes Entgegenbringen eines solchen." — Die „Berl. Börs. Ztg." will wissen, daß auch die letzte Nachricht über das Ergebnis der neuen Einkommensteuer in Preußen nicht zutreffend ge wesen sei. Das Mehrerträgnis reiche erheblich über 50 Mllionen hinaus. Eine Bestätigung dieser Nachricht von anderer Seite bleibt abzuwarten. — Durch die amtlichen Blätter wird das unter dem 10. d. Mts. Allerhöchst vollzogene Gesetz betr. die Aufhebung der Beschlagnahme des Vermögens des Königs Georg publiziert. — Auch die nationalliberale Fraktion des Abgeordnetenhauses hatte dem Fürsten Bismarck zum 1. April einen Glückwunsch übersandt. Der Fürst hat hierauf, der „Nat.-Ztg." zufolge, unter dem
durch seine Fersen empor. Potsdam, welches ihm bisher wie ein Kerker erschienen war, hatte sich in ein Feenreich, und der Befehl des Königs, der ihn zum Soldaten gemacht hatte, in eine göttliche Fügung verwandelt. Er segnete den Monarchen, er segnete fein Los und dachte nicht mehr daran, Potsdam zu verlaffen. Auch die Hölle würde ihm in Clementinens Nähe reizend geworden sein.
Sobald er von der Wache abgelöst worden war, durchstrich er alle Gegenden der Stadt, Neustadt, Friedrichsstadt und Bodengraft. Das Unglück aber hatte gewollt, daß er nicht nach der Wohnung des Mädchens gefragt hatte. Er suchte bis zur dunklen Nacht, und fand sie nirgends wieder. Doch war er überglücklich. Co sand ihn Krabb am Abende desselben Tages.
8.
Leuardo sah her, Blondine sah hm;
Sie trugen im Herzen wohl liebenden Sinn
Ballade von Bürger.
Man wird nicht daran zweifeln, daß der junge Feldwebel auch folgenden Morgens seine Nach- orschungen fortgesetzt habe.
Die Residenz Potsdam ist nichts weniger als von außerordentlicher Größe, und noch weniger von außerordentlicher Volksmenge. Man weiß aber aus allen Romanen, daß Liebende, die sich suchen, einander finden, und müßten sie auch Weltteile durchkreuzen. Daher ist es nichts erstaunliches, daß Fritz Wilmson, nachdem er seine Entdeckungsreisen kaum drei Stunden lang sortgesetzt hatte, sein Ziel erreichte. Im mittleren Stock eines großen Hauses 'tand Clementine am Fenster, und zwar etwas vor- geneigt, als suche sie auch ihn zu erkennen. Ihm ward als schlügen Flammen über ihm zusammen
4. d. Mts. aus Friedrichsruhe z. H. des Herrn v. Benda wie folgt geantwortet: „Euer Hochwohlgeboren bitte ich für die ehrenden Worte, welche die Herren Ihrer Fraktion mir zum Geburtstag gewidmet haben, den Ausdruck meines verbindlichsten Dankes und meiner auftichttgen Wünsche für die fernere Entwickelung der Partei entgegennehmen zu wollen, die seit nunmehr 25 Jahren auf die innere Gestaltung unseres Vaterlandes einen so gewichtigen, zumeist segensreichen Einfluß geübt hat. v. Bismarck." —, Die neue „Wachtpatron e", welche eine geringere Durchschlagskraft und eine andere Kugel haben soll, wird auswärtigen Blättern zufolge von der Militärverwaltung für den Postendienst in der That ein geführt werden. Die Patrone werde bereits hergcstellt. — Es bestätigt sich, daß die Regierung dem Landtage einen Gesetzentwurf über die Gleichstellung der Lehrer an den höheren städtischen und staatlichen Lehranstalten vorlegen wird. Die Vorarbeiten sind im Kultusministerium beendigt und die Einbringung ist sofort nach dm Ferien zu erwarteü. Es verlautet übrigens mit ziemlicher Gewißheit, daß damit die Einbringung von Gesetzvorlagen für diese Tagung des Landtages noch nicht erschöpft sein möchte. — Seit einiger Zeit waren in Deutschland Agenten für eine angeblich in London bestehende „Unionglascompany" thätig, welche eine Anzahl deutscher Glashütten^ anfkanfen und zu einem Ringe vereinigen wollten. Ursprünglich war, wie „Der Consecttonär" erfährt, der 1. Januar als Termin für Inkrafttreten des geplanten Ringes bestimmt worden, da aber angeblich die „Vorarbeiten" zu genanntem Zeitpunkte noch nicht beendigt waren, hat man sich von London aus eine weitere Frist bis zum 1. Juli ausbedungen. — Aus unfern Kolonien bringt das neueste „D. Kolonialbl." günstige Nachrichten. Ans der Station Muanza am Viktoriasee meldet Feldwebel Hofmann u. A.: Es genügt jetzt mein neuer Name „Bwana Mküli", wie mich weit und breit die Eingeborenen nennen, um böse Leute von Uebergriffeu abzuhalten. Die Karawanenstraße von Usongo bis hierher ist jetzt vollständig sicher; falls Angriffe auf Karawanen vorkommen, wie die auf die französischen Missionäre, so sind sie durch Führer und Träger provoziert. In Uganda ist der Krieg ausgebrochen und das Leben der französischen Missionare sehr gefährdet. Dieselben bauen jetzt eine Zufluchtsstatton auf unserem Gebiet, südlich des Kagera. Der Bau der Station ist in wenigen Tagen als beendet anzusehen. Der Boden
Sobald er aber näher kam, um fein Haupt vor der Angebeteten in ehrfurchtsvollem Gruße zu entblößen, schien sie ihn nicht mehr zu bemerken, sondern trat zurück, schloß nicht nur das Fenster, sondern zog sogar die weißen Vorhänge vor.
Das überfiel ihn mit Frost und Kälte, wie wenn sich Schneewolken plötzlich über eine blühende Frühlings weit ausleeren. Er kehrte finster in seine Zelle heim, kämpfte lange mit sich und ward endlich Sieger. Er schämte sich seiner Leidenschaft für eine Unbekannte, die sein reines Wohlwollen verschmähte und beschloß, mit Ernst an feine Flucht zu denken. Er sprach mit Krabb. Tag und Stunde wurden verabredet. Krabb sollte nach Berlin, einen Neisewagen kaufen, als vornehmer Kaufmann mit Postpferden durch Potsdam eilen und ihn, als Be- rienten gekleidet, zur nächtlichen Stunde vor dem Thore ausnehmen und entsühren.
Krabb kam folgenden Tage» noch einmal zu Wilmson, um vorläufig Abschied zu nehmen. Krabb trat frohen Mutes in's Zimmer, während sein junger Herr im Fenster lag und in die stille Straße hinab äh. Krabb grüßte und lärmte vergebens. Der Feldwebel sah sich nicht um, denn die Straße ent» ang kam Clementine; sie bemerkte ihn oben am Fenster, erkannte ihn, lächelte mit verschämter Freundlichkeit einen Augenblick empor, grüßte sogar, ging vorüber, und schon ziemlich entfernt, wandte le noch einmal das Köpfchen und blickte nach ihm. Zritz war außer sich. Aller Schnee schmolz, und >er warme Frühling mit den gebeugten, aber unzerknickten Blüten ging wieder in ihm auf.
Als Krabb endlich Gewalt brauchte, um seine Gegenwart bemerkbar zu machen, drehte sich der junge Herr zu ihm mit glühenden Wangen und lammenden Blicken. Lange verstand er nicht, was
und das Klima ist wohl für jede Anpflanzung gut. Bei meiner 25 Mann starken Besatzung ist der Gesundheitszustand der beste. Der Viehstand besteht aus 1 Esel, 1200 Stück Kleinvieh und 60 Hühnern. — Anfang vorigen Monats sind in Bagamoyo auf Befehl des Gouverneurs 39 Sklavenmädchen im Alter von 8 bis 16 Jahren in Freiheit gesetzt worden, welche erwiesenermaßen von Beludschen im Innern angekauft und znrn Weiterverkauf nach der Küste gebracht worden waren. Die Mädchen sind den einzelnen Missionen, und zwar 20 der katholischen Mission in Bagamoyo, 9 der katholischen Benediktus- Mission und 10 der evangelischen Mission in Dar- es-Salam zur Erziehung übergeben worden.
— (Z u m Verkehrswese n.) In beit Zeitungen war vor kurzem von bevorstehenden Verhandlungen zwischen deutschen und ausländischen, insbesondere österreichisch-ungarischen, schweizerischen u. s. w. Eisenbahnverwaltungen zwecks Herstellung übereinstimmender Tarifschemas und gleichmäßiger Tarife die Rede. Diese Notizen beruhen augenscheinlich auf Irrtümern und Verwechselungen. Wie der „R. A." mitteilt, haben zwischen der deutschen und der österreichisch-ungarischen Regierung lediglich Verhandlungen über eine gleichmäßige Gestaltung der innerstaatlichen Betriebsreglements stattgefunden, welche bereits im November v. I. abgeschlossen sind, sodaß der für Deutschland festgestellte Entwurf schon dem Bundesrat vorliegt. Die Aenderung des Betriebsreglementsbedingt auch eine Abänderung der zugehörigen Zusatzbestimmungen, über deren möglichst gleichmäßige Gestaltung zwischen den beteiligten deutschen und österreichisch - ungarischen Eisenbahn - Verwaltungen noch beraten wird. Ebenso müssen die allgemeinen Bestimmungen der internationalen Tarifverbände, welchen z. Z. das Betriebsreglement des Vereins der deutschen Eisenbahn-Verwaltungen zu Grunde liegt, aus Anlaß der in Aussicht genommenen Einführung des Berner Uebereinkornmens über den internationalen Eisenbahnfrachtverkehr umgearbeitet werden, und die beteiligten Bahnen sind, soweit bekannt, mit den Vorarbeiten hierzu gleichfalls beschäftigt. Endlich sind noch verschiedene an dem mitteleuropäischen Eisenbahnverkehr beteiligte Verwaltungen zur Bildung eines Zentralausschusses für allgemeine Angelegenheiten in den deutsch- (bezw. belgisch-niederländisch-) österreichisch-ungarischen Verkehren zusammengetteten, wesentlich in der Absicht, zur Vereinfachung des Geschäftsganges eine gemeinsame Erörterung der den verschiedenen Verbänden gemeinschaftlichen Fragen von einiger Bedeutung eintreten zu lassen. Da ei»
Krabb wollte, und zuletzt gab er den einfachen Bescheid: „Wir bleiben, ich reife nicht. Ich werde Potsdam nicht verlassen und wenn ich wüßte, daß die Stadt in wenigen Stunden von einem Erdbeben verschlungen würde, ich ließe mich mit verschlingen."
Der Invalide glich nun selber einem Erdbeben, das alles zu zerschmettern Miene macht. Er fluchte und tobte, gleich einem Besessenen, im Zimmer umher, während Fritz im Fenster lag, in die Straße niedersah und die Steine suchte, welche Clementinens Füße _berüf)rt und geheiligt haben konnten. Es blieb dabei. Krabb also mußte wieder in Potsdam sorthausen.
Wilmson erneuerte nun seine Entdeckungsreisen vor dem wohlbekannten Hause, ohne glücklicher zu fein. Die Fenster waren geschlossen. Besser ge- lang's ihm in der Garnisonkirche. Er erblickte die Schöne, aber sie bemerkte ihn nicht in ihrer sonntäglichen Andacht. Er folgte ihr auf dem Fuß, als sie mit einem ältlichen Frauenzimmer aus der Kirche ging; er grüßte. Sie errötete, aber dankte ihm nicht einmal, sondern wandte sich gleichgültig zu der alten Begleiterin. Er fand sie denselben Tag wieder auf einem öffentlichen Spaziergange, faßte Mut und trat mit höflichem Verneigen an ihre Seite. „O, wie glücklich bin ich endlich ..." stammelte er. Aber ihr Gesicht, plötzlich finster und mit dem Ausdruck der Verwunderung über eine Frechheit ohne Gleichen, endete schnell fein Entzücken. „Was wollen Sie von mir?" sagte sie. „Ich kenne Sie nicht! Was haben Sie mit mir zu schaffen? Sie haben Ich ohne Zweifel jur unrechten Person verirrt " Damit wandte sie sich stolz von ihm weg und einigen Frauenzimmern ihrer Bekanntschaft zu, die in der Nähe wandelten.
Der arme Feldwebel stand eine Weile steif und