MechM Mttiifl
WöchenMche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain, liebaftwn 8unb Expedition^Markt 21. Illustriertes Sonntagsblatt. Redaktion und Expedition: Markt 21.
Jls. 9V.
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Ouartal-Abonnements-PreiS bei der Expedition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
Marburg,
Freitag, 15. April 1892.
Anzeigen nimmt entgegen die Erpedition dieses Blattes, sowie die Aunoncen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Mosse in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
XXVII. Jahrgang.
Ostern.
Ostern ist da, der Frühling ist gekommen! Wie brausender Jubellaut klingt die frohe Kunde in diesem Jahre durchs deutsche Vaterland, durch alle schönen Gauen des Reichs. Schon oft wurde das Osterfest, der Frühling herbeigesehnt, zur Erlösung der schwer bedrängten Erde aus des Winters strenger Haft, schon oft schauten Millionen Augen zum Himmel und baten Millionen um Wendung der schlimmsten Zeit des Jahres, die Not, Sorge, Entbehrung und Krankheit leider immer für viele unserer Mitmenschen im Gefolge hat. Diesmal ist der Winter uns gnädig gewesen, seine Herrschaft ist keine allzu strenge gewesen, schon seit mehreren Wochen sind Wege und Ströme frei von Schnee und Eis, und des Verkehrs flüchtiger Fuß wandelt zu Wasser und zu Lande ungehemmt seine Bahnen. Aber doch ist der Frühling herbeigesehnt, und mit ihm die schönere, freudigere Zeit des Jahres, in welcher die Gedanken ftohbeschwingt der Zukunft heitere Seiten abgewinnen und unter Hellem Sonnenlicht so manches ganz anders erscheint, wie in den trüben Tagen des Winters, in welchem graue Wolken nur zu häufig die Lichtspenderin des Tages — und auch des gebens verhüllen. Ein schönes, frohes, reichgescgnctes Osterfest wünschen wir uns Alle, denn war der Winter mild, so war hart, recht hart doch die Zeit. Der alte deutsche Gott hat seine treue Hand noch gnädig über unser Vaterland gehalten, wir sind vor dem schlimmsten Elend, vor dem Hunger in unverhüllter, grauser Gestalt verschont geblieben, vor dem entsetzlichen Loos, von welchem in unserem Nachbarlande so viele Millionen betroffen sind. Aber beschwerlich war der Zeit Gestaltung, hart der Kampf um die zum Leben erforderlichen Existenzmittel, erschwert die Lebenshaltung. Da gab es zu beweisen, ob unser Volk auch Emst und Entschlossenheit besitzt für ernste Zeit. Wenn der Nordsturnl über eine kernfeste Eiche dahinbraust und vergebens versucht, sie zu rütteln oder gar zu knicken, dann fliegen wohl Blätter, dann sausen auch wohl Reiser vom starken Stamm davon. So auch bei uns! In der kritischen Lage hat es auch an einzelnen bedenklichen Symptomen nicht gefehlt, aber sie haben in keiner Weise vermocht, einen nachhaltigen Eindruck auf das ganze Volk hervorzurufen. Das deutsche Volk hat eine harte Zeit gut überstanden, und es kann stolz darauf sein. Daraus spricht noch eine tiefe Erkenntnis der Dinge, ein hohes Pflichtgefühl, und besitzen diese Pflichttreue nicht Alle, so kann doch die Entartung eines Teils
Der Feldwebel.
Humoristische Novelle von Heinrich Zschokke.
(Fortsetzung.)
Es war der Invalide Krabb, der dem jungen Wilmson die Hand reichte und ihn noch eine Strecke begleiten wollte. Fritz drückte den Alten heftig an die Brust. Er konnte vor Wehmut nicht sprechen Thränen stürzten aus seinen Augen
„Kreuzbataillon!" schrie Krabb, und wollte mannhaft scheinen, den Schmerz verbeißen, der ihm die Brust zusammenzog, und die Thränen wegschütteln, die ihm in den grauen Schnurrbart fielen. „Was ist denn das? Ich glaube gar, Sie flennen wie ein altes Weib, Fritz. Schämen Sie sich, Herr! Hol's der Teufel, ich habe nichts mehr mit Ihnen zu thun! Ein Soldat muß nicht heulen.
Krabb wollte noch mehr zu Fritzens Ermutigung sagen, aber seine Stimme brach. Er brachte kein Wort mehr über die bebenden Lippen, drückte dem jungen Wilmson die Hand und ging weinend und sluchend über die Brücke zurück in die Stadt, indem rr zwischenein für sich sang:
Ade, ade, ade!
Ja, scheiden und Meiden thut weh'!
Sobald der junge Wilmson die Türme von Magdeburg aus den Augen verloren hatte, beruhigte sich sein Jstneres. Er sah in die Zukunft hinaus, sah im fernen Hintergründe seine Erlösung, seine Flucht, die freien, schönen Ufer des Bodensee's und das Landgut der Schwester seines Vaters. Zwar das rechtlose, gewaltthätige Verfahren, durch welches rr binnen vierundzwanzig Stunden aus der Mitte aller seiner Freuden und seiner Freunde hinweg in einen Haufen roher ober lüderlicher oder unglücklicher Menschen geworfen war, empörte noch von
nicht das Ganze unheilbar machen. Eine Wendung der schweren Tage wird zum Osterfest, zuni Frühling erhofft. Das deutsche Volk ist im harten Winter sich selbst treu geblieben, mag es auch im besseren Frühling sich treu bleiben und Treue bewahren dem, dem Treue es schuldig!
So grüßen wir Ostern, und in ihm auch das hohe Fest der christlichen Kirche, der größten Trägerin von Kultur und Sitte, die es jemals gegeben. Wären die Lehren der christlichen Kirche dem vollen Inhalt nach erfüllt, dann wäre auch in Wahrheit Frieden auf Erden. Es ist das nicht der Fall und wird es nicht sein, weil wir eben Menschen mit allen Mängeln und Fehlern sind. Ist es aber einer Lehre der Liebe unmöglich, Alle zu versöhnen, wie sollte die Erreichung dieses Zieles einer Lehre des Hasses möglich sein? Stehen wir fest darum in Zukunft für und für in deutschem Glauben, deutschen Worten und Thaten, dann werden wir am schnellsten vorwärts können. Das deutsche Volk kann viel, kann alles, wenn es einig ist. Es war im großen Nationalkrieg einig, mag es einig werden zur Abwehr aller Gefahren des Innern. Fest nach Außen, treu im Innern! Das ist unser Osterwunsch.
Deutsches Reich.
W. Merlin, 14. April. Mittwoch Vormittag unternahmen der Kaiser und die Kaiserin wieder eine gemeinsame Spazierfahrt. Auf dem Rückweg hörte der Kaiser den Vortrag des Staatssekretärs des Auswärtigen Amtes, Frhrn. v. Marschall in dessen Wohnung. Im Schlosse arbeitete dann Se. Majestät mit dem Chef des Zivilkabincts. — Nach der „N. A. Ztg." werden die Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften heute, am Gründonnerstage, vormittags, wie bisher alljährlich an diesem Tage, zur Abendmahlsfeier in der Kapelle des königlichen Palais Unter den Linden vereint sein. — Auch die „Kreuzztg." meldet aus Petersburg, daß die kaiserliche Familie am 22. Mai nach Kopenhagen abzureisen gedenkt. Ein Besuch in Berlin werde ernstlich erwogen, jedoch mache die Etikettenfrage Schwierigkeiten, da die Zarin nicht den ersten Besuch in Berlin machen könne. — Zu den neuen Militär- Forderungen bringt die „Post" einige Andeutungen über die Richtung, in welcher diese Forderungen sich bewegen würden. Danach sollen alle Batterien auf den hohen Etat gebracht werden. Weiter wird eine Vermehrung der Fußartillerie angekündigt mit dem Bemerken, daß auch die Frage entschieden werden
Zeit zu Zeit seine Galle; aber er zerstreute sich, wie er konnte, und zum erstenmale fühlte er die Weisheit und ihr Glück in Ausübung der Lebensregeln seines Vaters: Sei Dein eigner Meister und Du bist Meister in der Welt!
6.
Der Mensch denkt, Gott lenkt!
Die Rekruten machten nur kleine Tagereisen. Nachdem sie in Potsdam eingezogen und gemustert waren, wurden _ sie verschiedenen Regimentern einverleibt. Wilmson kam unter die Garde zu Fuß. ®r fügte sich geduldig in alles; erlernte die puppenhafte Stellung, die Handgriffe mit dem Gewehr, Links- und Rechtsschwenken schnell; ward in die blanke Uniforn eingekleidet und versah bald den Dienst gleich andern. Wie wenig er sich auch Mühe darum gab, so gewann er in doch kurzer Zeit die Aufmerksamkeit und Gunst der Hauptleute. Er war ohne Widerrede der schönste Mann im ganzen Regimente, wenn auch nicht der längste. Sein Ton, sein Anstand, feine feinen Sitten verrieten bald, daß er aus gutem Hause fei. Man unterschied ihn von den Andern. Seine mannigfachen Kenntnisse blieben nicht unbemerkt. Die Hauptleute benutzten ihn. Er mußte bei vielen Schreibereim und Rechnungen helfen Er trug unter der groben Soldatenuniform das feinste Linnen. Er machte große Ausgaben, bald seinen Kameraden einen frohen Tag zu chaffen, bald Notleidenden Trost zu bringen, denen mit Geld zu helfen war. Dies alles erwarb ihm eine Achtung unter den Obern, wie sie sonst Sollten nicht zuteil wird. Er empfing sogar Erlaubnis, ein eignes Zimmer zu bewohnen; und damit war unter diesen Verhältnissen fein höchster
müsse, ob nicht eine organisatorische Zuteilung einer angemessenen Anzahl von Gespannen und Transport- fahrzengen an die Fußartillerie einzutreten hat, da es in der Absicht liegt, den Feldarmeen im nächsten Kriege behufs Ausführung gewaltsamer oder abgekürzter Angriffe auf befestigte Punkte aller Gattungen kleine mobile, mit der Feldtruppe operierende Belagerungstrains zuzuteilen. — Durch Beschluß des Koloniallotterieausschusses sind nunmehr die Abmachungen des Kommerzienrats Langen und Majors v. Wißmann bezüglich der Ueberführung des Wißmann-Dampfers zunächst nach dem Nyassa und von dort event. nach dem Tanganyka gutgeheißen worden. Es wird zwecks Ersparung der bedeutenden Transportkosten nicht der Ueberlandweg gewählt, sondern der Dampfer wird den Sambesi hinaufgeschleppt werden. Von Quilimane aus führt ein Seitenarm in den Sambesi, dessen linker Nebenfluß, der Schire, bis zu den Murchisonfällen schiffbar ist. Dort muß ein Ueberlandweg gemacht werden, um wieder den Schire bei Matope zu treffen, auf dem darauf das südliche Ende des Nyassa erreicht wird.
Kamvurg, 14. April. Für den bedeutenden Erfolg, welchen die beiden großen deutschen Postdampferlinien, der Norddeutsche Lloyd in Bremen und die Hamburg-Amerikanische Packetfahrt - Aktiengesellschaft im transatlanffschen Verkehr während der letzten zehn Jahre erzielten, spricht die Thatsache, daß diese Gesellschaften während des genannten Zeitraums zusammen 1246508 Reisende nach Amerika beförderten. Die vier größten englischen Dampfergesellschaften, die White Star-, Cunard-, Jmmau und ®uion, brachten es während derselben Zeit auf eine Totalsumme von zusammen 1255859 Fahrgäste.
Ausland.
Wrafikie«. Nach den letzten Nachrichten aus Brasilien steht das Land wieder vor einem Staatsstreiche. Der Vizepräsident General Floriano Peixoto kann sich anscheinend nicht anschließen, die Macht einem Nachfolger zu übergeben. Wie sein Vorgänger Deodoro da Fonseca eine monarchistische Verschwörung erfand, die ihm das Verbleiben im Amte ermöglichte und die Diktatur eintrug, so erfand Peixoto eine deodoristische Verschwörung, die ihm gestattet, alle seine Gegner, namentlich viele Offiziere, verhaften zu lassen. Inzwischen regen sich auch wieder die Absonderungsgelüste in den einzelnen Staaten: Das an Boliva und Paraguay grenzende Matto Grosso (1380 000 Quadrat-Kilom., aber nur 80 000 Einw.) hat sich für unabhängig erklärt.
Wunsch gewährt. Er richtete sich niedlich, aber einfach ein. Man wußte wohl, er sei wider seinen Willen und auf des Königs unmittelbaren Befehl unter die Soldaten gebracht. Viele andere beim Regimente waren auf ähnliche Weise dahin geraten. Aber feiner schien mit seinem neuen Stande schneller versöhnt zu sein. Er selbst äußerte bei jedem Anlaß Zufriedenheit und erklärte, daß er entschlossen wäre, lebenslänglich Soldat zu bleiben, und wenn fein Vater für den Loskauf Tonnen Goldes böte.
Dies alles war List. Er erreichte feinen Zweck, Vertrauen zu gewinnen. Man gestattete ihm vorzugsweise große Freiheiten. Selten machte er von ihnen Gebrauch, Mißbrauch nie. Der Oberst des Regiments nannte ihn nicht nur seinen Sohn, sondern behandelte ihn mit einer Freundlichkeit und Achtung, deren sich selbst wenige Offiziere zu rühmen hatten. Wilmson mußte oft bei ihm im Hause fein und Schreiberdienste verrichten; zwar nicht an seiner Tafel, doch aber mit seinen Hausleuten speisen. Durch die Gunst des Obersten rückte Wilmson, besonders da der König sich selber eines Tages nach ihm erkundigt hatte und seine Beförderung wünschte, schon int ersten Vierteljahre zum Feldwebel.
Indessen unterhielt er mit seinem Vater fleißigen Briefwechsel, aus welchem er immer hellere Hoffnungen seiner nahen Erlösung hervorschimmern sah. Vater Wilmson in Magdeburg verkaufte fort und ort seine gesamten Warenvorräte; und konnte es richt ohne Nachteil geschehen, ließ er sie in Nieder- agen außerhalb der preußischen Grenze bringen. Er zog nach und nach alle ausstehenden Gelder ein, zuweilen nicht ohne baren Verlust, unter dem Vorwande, daß er durch auswärtige Bankerotte in seinen Vermögensumständen zurückgekommen sei. Man hielt ihn zwar für den ehrlichsten Mann von der Welt,
Hessen-Nassau.
H. Marburg, 14. April. Mehrfacher Aeiiße- rungen verschiedener Juteresseitten zufolge scheint noch eine genaue Kenntnis des neuen Lehrplans der Realschule dahier und zwar insbesondere bezüglich des fakultativen Lateinischen hier und da zu mangeln. Die neue Realschule ist allerdings lateinlos, indessen ist nach dem Organisationsplane die Möglichkeit geschaffen, daß Schüler, welche auf das Lateinische Wert legen, von Unter - Tertia an dieses erlernen können. Da voraussichtlich die Anzahl dieser Schüler nicht groß sein wird, so sind sie bei den schon erlangten Kenntnissen im Französischen und Englischen in mehreren Jahren soweit gefördert, daß sie den an sie int Lateinischen gestellten Forderungen genügen, um Apotheker zu werden, oder um in die Ober-Sekunda eines Realgymnasiums einzutreten und hier nach Absolvierung dieser Klasse die Berechtigung zum Studium der Zahnheil- und Tjer- arzneikunde sich zu erwerben. Bei der Entwickelung der Realschule zur Oberrealschule können die Schüler, welche den fakultativen Lateinnnterricht in den oberen Klassen fortsetzen, auch die hieran geknüpften obengenannten Berechtigungen, sowie diejenigen zum Studium der neueren Sprachen erlangen. Hiernach wird eine Verminderung in den Berechtigungen der Anstalt gegen ftüher nicht eintreten. Im Gegenteil gewährt die neue Organisation sowohl eine geeignete Vorbereitung für das Geschäftsleben, als auch zum Eintritt in die meisten Zweige des Staatsdienstes und zu den Gewerben, für welche ein Studium borge» schrieben ist.
Marburg, 14. April. Hinsichtlich der Auszahlung von Geldbeträgen, die auf Grund richterlicherEutscheidung zur Abwendung derZwangsvollstreckung oder im Zwangsvollstreckungs- oder Arrestverfahren behufs Sicherheitsleistung bei den Hinterlegungsstellen hinterlegt sind, wird von der Mehrzahl der Gerichte der Grundsqtz befolgt, daß es Sache der Partei sei, nach Wegfall der Veranlassung zur Hinterlegung die Auszahlung bei der Hinterlegungsstelle gemäß § 32 der Hintcrlcgungsordnung nachzusuchen, während andere Gerichte auf Antrag der Partei entweder einen die Auszahlung anordnenden Beschluß erlassen, oder die Hinterlegungsstelle direkt um Auszahlung an die Partei ersuchen. Ein Spezialfall, in dem die Hinterlegungsstelle die Auszahlung eines der- artigcn hinterlegten Geldbetrages ablehnte, obwohl der Hinterleger einen die Auszahlung anordnenden
aber fein kaufmännischer Kredit ging dabei unter. Und eben das wollte er, um zuletzt auch nur fein Letztes, seine liegenden Besitzungen in Magdeburg, ohne Andern Verdacht zu erregen, in Geld um- wandeln zu können.
Als ihm dies gelungen, schrieb er seinem Sohne: „In vierzehn Tagen verlasse ich Magdeburg und eile zum Bodensee. Man glaubt hier, ich begebe mich in die Niederlande zurück. Dort erwarte ich Dich bei meiner Schwester; ich erwarte Dich unter Seelenangst, denn Du hast ein schweres Werk vor Dir. Triff Deine Anstalten zur Flucht mit Vorsicht. An Geld fehlt es Dir nicht, und verlangst Du noch mehr, so send' ich es Dir auf der Stelle. Heute reist, weil Du es wünschest, Krabb zu Dir, um beim Befreiungswerke Dein Gehülse zu fein. Der alte Mann ist närrisch vor Freuden. Du bringst ihn mit Dir zum Bodensee. Er soll und will seine alten Tage bei mir beschließen. Damit weniger auf Dich und ihn Argwohn falle, und ihr Beide in Euerm Einverständnisse desto freier handeln könnet, vermeidet, öffentlich beisammen zu erscheinen. Ich habe ihn genugsam mit Geld versorgt."
Der Feldwebel zu Potsdam hatte wirklich schon ne Entwürfe zur Flucht vollkommen in's Reine ge» tracht. Aber zu ihrer sicheren Vollziehung war er eines treuen Mannes bedürftig, den er in Potsdam nicht finden konnte. Darum verlangte er den treuen Krabb zu sich. Diesen wollte er, als reichen Kaufmann gekleidet, nach Berlin senden, von dort mit Extrapost nach Potsdam kommen, bann sich von ihm aufnehmen lassen in den Wagen und so über die preußische Grenze nach Sachsen fliehen.
Krabb kam wirklich an. Der Alte meinte Freudenthränen, als er in der Dämmerung eines Abends zum jungen Wilmson in's Zimmer trat