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Wöchmtliche Bellagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UmversUäls-Buchdruckerei in Marburg. Bcrantworllicher Redakteur: Christoph RautenhauS in Marbur

Redaktion und Expedrrion: Markt !1. HjW-W'J-l-VI-V WvJ? vU * Redaktion und Expedition: Markt 21

Jt£ 87

Erscheint täglich außer an Werttagen nach Sonn- und Feiertagen. Ouartal-AbonnenientS-Preis bei der Expe­dition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Marburg,

Dienstag, 12. April 1892.

Anzeigen nimmt entgegen die Erpedition dieses Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Masse in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. ß; Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.

XXVH Jahrgang.

Deutsches Reich.

W. Merlin, 11. April. In Potsdam fand SonnabendNachmittag 5Uhr die feierliche Grund­steinlegung für die Kaserne der Leibschwadron der Gardes du Corps statt. Der Grundsteinlegung wohnten bei der Kaiser, Prinz Friedrich Leopold, der Kriegsminister, sämtliche direkte Vorgesetzte des Regiments, sämtliche Kommandeure der Garnison, die Offiziere und eine Deputation vom 1. Garde- Regiment. Der Kaiser richtete an das Regiment eine Ansprache, in welcher er an die bewährten Grundsätze des Gehorsams und der Treue erinnerte und auf das Wort aus der Zeit Friedrich des Großen chinmies: Es ist nie eine Schlacht verloren zu geben, .in der nicht das Regiment der Gardes du Corps attakiert har." Hierauf vollzog der Kaiser die drei Hammerschläge. Alsdann fand Parademarsch des Regiments unter Führung des Obersten jd. Vissing statt. Nach Beendigung der Feier begab sich der Kaiser zur Teilnahme am Fest­mahl nach dem Offizierkafino. Der Kaiser wird >am 30. d. Mts. auf dem Krupp'schen Schießplätze bei Meppeu eintreffen, um größeren Schießversuchen Legen Panzerplatten beizuwohnen. Prinz Heinrich ist am Sonnabend in Wilhelmshaven an Bord des PanzerfahrzeugsBeowulf" in See gegangen und wird dem Vernehmen nach der Insel Helgoland einen Besuch abstatten. Am 6. April fand im großen Saal des Reichsbankgcbäudes die Eröffnung der Kommission für die Untersuchung der Börsenverhälitnisse statt. Der Staatssekretär des Innern, Staats - Minister Dr. von Boetticher begrüßte zunächst die Versammlung und gedachte sodann der Gründe, welche zur Berufung der Kom­mission geführt haben. Der Staatssekretär erwähnte, daß Se. Majestät bei1 Kaiser und König durch Erlaß an das Staars-Ministerium die Untersuchung der zu Tage getretenen Mißstände angeordnet habe, worauf beschlossen worden sei, zunächst sachkundige Personen über alle in Frage kommenden Punkte sich äußern zu lassen. So sei der Gedanke der Enquete ent­standen. Der Präsident des Reichsbank-Direktoriums Dr. Koch übernahm die Leitung der Verhandlungen; er führte aus, daß die Börse eine für das gesammie Wirtschaftsleben notwendige Einrichtung sei, die aller­dings auch große Mißstände und Gefahren in sich berge, und zwar seien diese Schattenseiten nicht erst jetzt urid nicht in Deutschland allein hervorgetreten, sondern inter­national und zum Teil wenigstens seit Jahren bemerktund bekämpft. WennauchdieAufgabederKommissionsichals

eine sehr schwierige erweise, so könne man doch hoffen, daß bei allseitiger treuer Arbeit auch posifive Resultate zu erzielen sein würden. Für die konservative Partei sind krifische Tage gekommen. Dem Wunsche eines ihrer hervorragendsten Führer nachreinlicher Scheidung" der zwiespältigen Elemente, für die es eine Linie der Vereinigung nicht mehr gebe, ist der Anfang der Erfüllung auf dem Fuße gefolgt. Herr v. Helldorff-Bedra hat sich infolge der Begründung, die er seiner Scheidungsklage gegeben hatte, genötigt gesehen, aus der konservativen Fraktion des preußischen Herrenhauses und, was ungleich bedeutsamer ist, aus dem Zentralwahlverein der Partei, zu dessen Vorstand er gehörte, auszutreten. Jener Vorstand bildet die eigentliche Parteileitung, er entscheidet über alle Fragen der Organisation und Agitation bei den Wahlen zum Reichstag und zum preußischen Abgeordnetenhause. Wegen der am 25. Februar d. I. und an den folgenden Tagen in Berlin vorgekommenen Straßen- Exzesse sind eine Reihe von Personen zur gericht­lichen Untersuchung gezogen worden. Von diesen Personen wurden die am geringsten Belasteten, 66 an der Zahl, dem Amtsgericht I hierselbst gemäß § 211 der Strafprozeßordnung zu sofortiger Abur­teilung vorgeführt. Die Aburteilung erfolgte gegen­über 48 Vorgeführten bereits am ersten Werktage nach der That. Gegen die übrigen, welche die ihnen zur Last gelegten Handlungen bestritten und dadurch eine umständlichere Beweisaufnahme notwendig machten, ist inzwischen von dem Schöffengericht des Amtsgerichts I hier ebenfalls auf Strafe erkannt worden. Das gleiche gilt von acht anderen Schuldigen, hinsichtlich deren die Untersuchung nach den bestehenden Vorschriften von vornherein bei dem Schöffengericht anhängig gemacht worden war. Gegen 21 schwerer beschuldigte Teilnehmer an den Exzessen ist am 19. März d. I. von der Strafkammer II des Land­gerichts I hier und gegen die drei am schwersten Be­lasteten am 25. desselben Monats von dem Schwur­gericht hier das Urteil gesprochen worden. Die Strafen lauten, abgesehen von den wegen gering­fügiger Uebertretungen verhängten, auf mehrwöchige Haft bis zu vier Jahren Zuchthaus. Insbesondere sind gegen die von der Strafkammer abgeurteilten 21 Delinquenten insgesamt 28 Jahre li Monate und gegen einen nachträglich noch Abgeurteilten 3 Jahre 6 Atonale Gefängnis festgesetzt worden, sodaß auf jeden der Mstraften durchschnittlich fast 1 ]/2 Jahr Gefängnis kommt. Gegen die drei von dem Schwur­gericht bestraften Uebelthäter sind vier Jahre Zucht­haus, beziehungsweise 3 Jahre Gefängnis, beziehungs­

weise 2 Jahre Gefängnis erkannt worden. Die meisten der Verurteilten haben sich bei dem Richter­spruch beruhigt und verbüßen gegenwärtig ihre Strafe oder haben sie bereits verbüßt. Einige wenige Untersuchungen der gedachten Art befinden sich aus besonderen Gründen noch in der Schwebe.

Ausland.

Sraukreich. So entsetzt man in Frankreich in den Abgrund blickt, den die Schandthaten Ravachols enthüllen, es blieb bisher wenigstens ein Trost: das Ungeheuer ist gar kein Franzose, sondern ein echter rechterPrussien"; daher seine vandalischen Neigungen! Mit wahrer Herzensfteude haben die Blätter ans dem Standesregister mitgeteilt, daß Ravachol der in nachträglicher Ehe anerkannte Sohn des Johann Adam Koningstein (nicht Königstein) sei. Wenn sie aber hinzufügten, daß Vater Koningstein aus Aachen stamme, so ist das, wie sich jetzt zeigt, falsch: Koningstein war vielmehr Niederländer. Der in Heerlen (holländische Provinz Limburg) erscheinende Limburger Koerier" stellt fest, daß Koningstein aus Heerlerheiden in der genannten Provinz stamme. Mit demPrussien" ist es also leider nichts. Der Prozeß gegen Ravachol ist nun auf den 25. April festgesetzt. Der Generalprokurator Quesnap de Beaurepaire wird die Anklage vertreten. Tie Kirchenskandale in Frankreich dauern noch an. Zu den Fällen in Paris und Nancy gesellen sich weitere in Marseille, Beauvais und Roanne. Auch in diesen Städten störten Radikale und Sozialisten die Predigten, stimmten die schändlichsten Lieder an und zerschlugen, was sie konnten. In Roanne wurde ein Geistlicher durch einen Stockhieb verwundet. Die Ruhestörer suchen allem Anschein nach durch planmäßige Störungen in den Krchen Zustände herbeizuführen, die zur Schließung der Kirchen führen sollen. Dagegen erhebt sich jetzt doch ein starker Widerstand auch bei solchen Parteien, die der Geistlichkeit wenig günstig sind. So sehr diese bedauern, daß die Geist­lichkeit nichr überall hinreichenden Takt zeige, so wollen sie doch nicht, daß die Kirchen in einer Weise gemißbrauchl werden, die den Vorwurf der religiösen Verfolgung berechtigt erscheinen läßt. Das bisherige Verhalten der Regierung, die grundsätzlich ein Ein­greifen der Polizei ablehnt, stößt auch außerhalb der Rechten auf Mißbilligung.

Hrieut. Wie demReut. Bur." aus Kairo gemeldet wird, empfing der Kehdive eine Depesche des Sultans, welche ihm die Verwaltung der Halb­

Drr Feldwebel.

Humoristische Novelle von Heinrich Zschokke.

(Fortsetzung.)

O Bruder, ist es Dir möglich, fliehe mit mir, da es noch Zeit ist, diese Nacht noch. Es ist nicht gut in der Nähe des Löwen wehrlos leben!"

Herr Wilmson schüttelte lächelnd den Kopf und sagte beruhigend zu ihr:Juliane, was auch der Kommandant oder der König von mir wolle, es wird nichts Ehrloses und nichts Ungerechtes sein Ich bin mir keiner Schuld bewußt Wäre ich schuldig oder nur verdächtig, so würde mir keine Einladung zum Kommandanten geworden sein, son­dern ich wäre verhaftet worden. Ich glaube aber nicht an die Ehre und das Glück, welches Krabb meinem Hause weiffagt. Ich bin mir keiner be- sonderm Verdienste bewußt, die ich um den Staat hätte, und wohl noch weniger hat sie Fritz. Das Außerordentliche, was die Zukunft für uns hat, bringt sie uns immer unvermutet; aber was wir im voraus von ihr fürchten oder hoffen, ist nie so groß, als wir erwarten."

Gebe Gott," seufzte Frau von Moos,daß Du nicht das Unvermutete empfängst. Ich fürchte mich nicht vor den Menschen, aber vor denen, die weniger als Menschen sind,-,-oder mehr als Mxnschen sein wollen."

Vater Wilmson strich der Schwester lächelnd über das Gesicht.Weg mit den Sorgen!" sagte er. Du bist noch immer, wie vor zwanzig Jahren, die kummervolle Juliane! Laßt uns in's Haus treten, es wird kühl. Wir nehmen noch ein Schlaftrünkchen. Fritz, fort in den Keller; eine Flasche Malvasier!"

4.

Ms er das hörte, tief er aus Mit bitterlichen Zähren: Mein Beispiel soll die ganze Welt Bedacht und Klugheit lehren.

Alte Ballade von Eschenburg.

Des andern Morgens war alles im Wilson'schen Hause früh in Bewegung, um die Vorbereitungen zum Abschiedsfeste zu machen, welches Herr Wilmson seiner Schwester gab. Dieser Ehrenmann, sonst schlicht und recht in allen Dingen, pflegte in seiner Haushaltung Sparsamkeit zu üben, welche fast an Knauserei grenzte. Aber bei außerordentlichen An­lässen wußte er seines Aufwandes fast kein Maß und Ziel Da wurden die köstlichsten Leckerbissen um jeden Preis herbeigeschafst; die teuersten Weine sollten in Strömen fließen; die stets geschlossenen Prachtzimmer seines Hauses wurden geöffnet, und- statt des blinden Zinns auf den Tischen glänzten silberne Teller und Schüsseln, und den Boden be­deckten morgenländische Teppiche. Nahe an fünfzig Personen seiner Bekanntschaft waren heute zum Äbschiedsschmause eingeladen. Zwei Musikchöre sollten abwechselnd in entfernten Nebenzimmern während des Gastmahls das Ohr der Gäste ergötzen. Ringsum au den Wänden prangten und dufteten in geschmack­vollen Porzellanvasen malerisch geordnete Blumen. Er selbst ging von Zimmer zu Zimmer umher, nachzuschauen, ob sein Wille gehörig vollzogen werde Es war ihm nichts zu prächtig, nichts zu teuer. Während des Essens sollten sich seine Schwester und sein Fritz still entfernen und verschwinden, ohne Lebewohl. So wollte er's Denngroßem Schmerz," sagte er,hilft große Zerstreuung am besten ab Das Gemüt wird im Gleichgewicht er­halten. Ich kenne mich, ich bin zu weich; darum thu' ich Fürsorge. Ich halte es mit Till Eulen­

spiegel: ernsten Sinn, wenn alles glückt, leichten Sinn, wenn's übel geht."

Als Frau von Moos bei ihm zum Frühstück erschien, konnte sie sich nicht erwehren, ihm weinend um den Hals zu fallen.Bruder, ich jammere nicht wegen unserer Trennung," sagte sie,aber die Einladung zum Kommandanten, glaube mir's, es steht Dir und uns allen Unheil bevor."

Er lachte.

Ich hatte diese Nacht einen fürchterlichen Traum. Ich sah meinen verstorbenen Mann. Ich wunderte mich, ihn noch lebend zu sehen. Man stirbt nicht, sagte er, wenn man von der Erde geht. Bis Du zu mir kommst, besuch' ich Dich zuweilen, wie ich schon oft gethan habe. Jetzt begleite mich in meine Wohnung. Wo wohnst Du? fragte ich. Er zeigte auf eine uralte Kirche. Wir traten hinein Wir gingen mit schallenden Tritten durch ein Toten- gewolbe. Links und rechts Rechen von Särgen Er legte sich in einen leeren Sarg. Der dort, sagte er, und zeigte aus einen anderen leeren, ist für Dich, wenn Du kommst. Die dort schlafen gut, fuhr er fort und zeigte zu seiner Rechten. Ich blickte hin und erblickte Dich, Anton, in dem einen und Fritz in dem andern Sarge. Mich überfiel ein Schauer. Hättest Du sie nur gewarnt, sie wären noch nicht hier, sagte mein Mann. Ich habe sie ja gewarnt! sagte ich, und Thränen verdunkelten meinen Blick, so daß ich die Särge nicht sah. sondern es floß ein milchweißer Schaum darüber Und alles lösete sich in dem Schimmer auf, der von oben her aus unendlichen Fernen strahlte; und ich fühlte mich in einer wunderbaren Lust selbst nicht mehr, )enn ich ruhte und schwebte selber wie ein Glanz im Glanze. Das kommt daher, sagte, doch nicht mit menschlicher Stimme, ein Heller Strahl, der

insel Sinai zugesteht. Der durch den Text des Firmans geschaffene Zwischenfall wird danach als erledigt betrachtet. Der Tag der Verlesung des Firmans ist indessen noch nicht festgesetzt.

Hessen-Nassau.

Marburg, 11. April. Zur Feier des 25jährigcn Bestehens des Realpro­gymnasiums war am Sonnabend Abend von den ehemaligen Schülern dieser Anstalt auf Freidhofs Terrasse ein Fest-Kommers veranstalt worden. An demselben beteiligten sich etwa 150 vorhinnige Schüler aus hiesiger Stadt und deren nächster Umgebung, auch war das Kuratorium sowie das Lehrerkollegium des Realprogynmasiums vertreten, letzteres leider nicht vollzählig, da die Herren Dute, Bohmel und Schür­mann am Erscheinen verhindert waren. Der Verlauf des Kommerses war ein äußerst animierter. Die Reihe der zahlreichen Reden wurde durch Herrn C. H. Hering mit einem Kaiserhoch eröffnet. Weitere Toaste ernsten und heiteren Inhalts schlossen sich demselben an. Es toasteten u. a. Herr H. Eichel­berg auf den langjährigen Direktor der Anstalt, Herr H. Klee auf das Lehrerkollegium, Herr Landge­richtsrat Gleim im Namen des Kuratoriums auf das fernere Blühen und Gedeihen der Anstalt, Herr Gg. Schott auf das Vaterland, Herr E. G. Spör- hase auf Herrn Direktor Dr. Hempfing. Letzterer dankte in längerer Rede und gab der Hoffnung Ausdruck, daß das zwischen der Schule -und den alten Schülern derselben herrschende schöne Verhältnis auch ferner bestehen und den Lehrern und Leitern der Anstalt die zur Erreichung des Lehrziels erfor­derliche Unterstützung der Bürgerschaft niemals fehlen möge. Von den übrigen Toasten heben wir noch denjenigen des Herrn W. Römheld hervor, welcher durch einen, mit kernigem Humor und Marburger Lokalwitzen gewürzten Rückblick auf seine Schuljahre einen großen Heiterkeitserfolg erzielte. Der übrige Teil des Kommerses wurde durch Konzertstücke der hiesigen Stadtkapelle, sowie durch den Gesang patrio­tischer Fest- und Kneiplieder ausgefüllt. Der ge­samte, in dankbarer Verehrung und Anhänglichkeit an die genannte Schulanstalt und ihre Lehrer ver­anstaltete Kommers nahm, wie schon oben erwähnt, einen schonen Verlauf und erst spät in der Nacht trennten sich die Teilnehmer an demselben mit dem Bewußtsein, in fröhlicher Jugenderinnerung mit Lehrern und Schulkameraden einige recht vergnügte Stunden verlebt zu haben.

mich durchdrang aber es war das Wesen meines Gatten das kommt daher, weil Du bei mir bist. Und Dein gewesener Bruder Anton und sein gewesener Sohn Fritz sind auch da. Wie, rief ich, alles gestorben ? Darüber erwachte ich; aber ich horte mich wachend noch das Wort gestorben rufen, und es war finster um mich, und es hallte meine Stimme von den Wänden zurück, daß es mich mit Entsetzen durchschauerte. Indem schlug die Turm­uhr der St. Johanniskirche Mitternacht. Ich lag im kalten Angstschweiße. Erst gegen Morgen ent- schlumerte ich."

Herr Wilmson sagte:So geht's, wenn man wohlgemeinten Rat verachtet. Warnte ich dich nicht geftem Abend, nichts von den Neunaugen zu essen? Sie machen mir jedesmal Unverdaulichkeit und un­ruhigen Schlaf. Und dergleichen Träume können einem ganzen Tage die widerlichste Farbe geben."

Da brachte Fritz einen Brief, den eine fremde Dienstmagd ihm für seinen Vater gegeben. Herr Wilmson öffnete und fand keine Unterschrift, son­dern nur die wenigen Zeilen:Ein guter Freund ermahnt Herrn Wilmson, nach Empfang dieses in's Bett zu gehen, und für einige Tage todkrank zu werden oder zu scheinen. Erwähnter guter Freund weiß aus sicherem Munde, daß Herr Wilmson dem Könige allzu gut gefallen hat. Sapienti sat."

Anfangs stutzte Herr Wilmson beim Lesen dieser rätselhaften Zeilen; die Handschrift war ihm unbe­kannt. Dann sah er lächelnd, mit argwöhnischer Schalkheit seine Schwester an, zerdrückte das Papier in seiner Hand und steckte es ein.

Nun erzählte Fritz von seinem gestrigen Aben­teuer, von der Schonen im Trauerkleide, ihrem ge­raubten Schnupftuche und Meerschaumkopf und dem Zeisig mit dem glänzenden Hutknopfe. Herrn Wilmson