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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Druck uud «erlag: Joh. «lug. Soch, UniverfitStS-Buchdruckerei in Marburg. AÄfsfrttf Verantwortlicher Redakteur: Christoph RautenhauS in Marbur

Redaktion und Expedition: Markt 21. »V Redaktion und Expedition: Markt 21.

M 86

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Ouartal-Abonnements-Preis bei der Expe­dition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 2S Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Marburg,

Sonntag, 10. April 1892.

Anzeigen nimmt entgegen die Erpedition dieses Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moste in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. & Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris:

XXVII. Jahrgang.

KesteüttNgeu für das mit dem 1. April begonnene 2. Quartal der „OberhesstskhtU )eitnug" werden von allen Postanstalten, Landbriefträgern und von unserer Expedition, Marburg, Markt 21 (in Kirchhain bei Herrn B. Rindt) noch fortwährend entgegenge­nommen und die bereits erschienenen Nummern nachgeliefert.

Wochenschau.

Das Ereignis der Woche auf parlamentarischem Gebiete war die Vertagung der Verhandlung des Abgeordnetenhauses über den Nachtragsetat betr. das Gehalt des neuen Ministerpräsidenten Grafen Eulenburg. Die Konservativen hatten die Absicht, diesen Posten als „künftig wegfallend" zu bezeichnen, und da auch die Freisinnigen gewillt waren, die kürzlich stattgefundene Erklärung des Ministerpräsi­denten zu beantworten, so war eine größere poli­tische Debatte vorauszusehen, die sicher mehrere Tage gedauert haben würde. Es würde dabei auch wohl manches Wort gefallen sein, das keineswegs geeignet gewesen wäre, den Kitt zu verstärken, mit dem das neue Kabinett zusammengehalten wird, namentlich hätte der Reichskanzler Graf Caprivi, der ohnehin nur auf den ganz besonderen Wunsch des Kaisers im Amt geblieben ist, vielleicht Anlaß zu einer Ver­stimmung über die Lösung der jüngsten Krisis ge­funden. Da zudem die Sendboten das Bedürfnis hatten, baldmöglichst in die Osterferien zu gehen, so hatte der Seniorenconvent beschlossen, im Namen aller Parteien die Absetzung der Beratung des Nachtragsetats von der Tagesordnung zu beantragen. Das Haus beschloß denn auch in diesem Sinuc, zur großen Ueberraschung der ungemein zahlreich auf der Tribüne anwesenden Zuhörer und selbst einer großen Zahl von Abgeordneten, welche eine „große Sitzung" erwartet hatten. Das Herrenhaus hat bereits am Mittwoch die Osterferien angetreten, nachdem es das Gesetz über die Aufhebung der Be­schlagnahme des Vermögens des Königs Georg nach warmer Empfehlung durch die hannoverschen Grafen Münster und Knyphausen einstimmig angenom­men hatte.

Unser Kaiser kommt, nachdem er frisch gestärkt aus der Schorfhaide zurückgekehrt ist, in gewohnter regelmäßiger Weise seinen Regierungs - und Re­präsentationspflichten nach. An fürstlichem Besuch

war in dieser Woche das großherzogliche Paar von Mecklenburg-Strelitz für einen Tag in Berlin. Das herrliche Frühlingswetter benützten übrigens auch die kaiserlichen Majestäten fleißig zu Ausfahrten. So unternahmen regelmäßig an jedem Morgen bereits vor 9 Uhr der Kaiser und die Kaiserin eine Wagen­fahrt in den Tiergarten, stets herzlich begrüßt von dem namentlich unter den Linden zahlreich vertretenen Publikum, das sich besonders über das frische, gesunde Aussehen beider Majestäten freute.

Während in Deutschland auf dem Gebiet der innern und äußern Politik mehr und mehr Ruhe eingettetcn ist, namentlich seit die parlamentarischen Körperschaften sich vertagt haben, ist im Auslande diese Osterruhe noch nicht eingetreten. Namentlich waren es die Dynamit-Attentate, welche bis in die letzten Tage in ununterbrochener Reihenfolge bald ans Frankreich, bald aus Belgien, bald aus Spanien gemeldet wurden, glücklicherweise ohne daß in allen Fällen bedeutender Schaden, namentlich kein Verlust an Menschenleben zu verzeichnen ist. In Frankreich hat der Attentäter Ravachol, nachdem er eingesehen, daß er ein verlorener Mann, ein vollständiges Ge­ständnis abgelegt, auch dabei versucht, durch allerlei prahlerische und pathetische Redensarten sich den Anschein zu geben, als ob er als Mättyrer für eine Sache, und nicht als gemeiner Verbrecher, der er ist, in den Tod ginge. Auch die in letzter Zeit wiederholt vorgckommencn tumultuarischen Szenen in verschiedenen Kirchen, in denen Geistliche über die soziale Frage sprachen, machen der französischen Re­gierung viel zu schaffen. Sie ist übrigens entschlossen, die Kirchen, in denen unvorsichttgerweise der Anlaß zu solchen Szenen gegeben wird, zu schließen. Dann machen die Kolonien den Franzosen noch große Sorgen. Der König von Dahomey, bekanntlich einer der mächtigeren mttcr den afrikanischen Herrschern, hat die ftanzösische Besitzung Porto-Novo ange­griffen, und wenn auch viele Franzosen keineswegs erbaut find von den großen Ausgaben, die so schlecht rentierende Kolonien erfordern, so leidet es doch das französische „Prestige" nicht, daß man die Frechheit des schwarzen Herrschers hingehen läßt, und so wird denn die an ihm zu nehmende Revanche noch viel Geld kosten.

Geld — ja, das ist es auch, was sogar fertig gebracht, daß das Verhältnis Frankreichs zu Rußland kühler geworden sein soll und die Russen veranlaßt hat, in wirtschaftlicher Beziehung sich Deutschland zu nähern. Wir wissen zwar in Deutschland, was das zu bedeuten hat: Rußland sitzt eben so sehr in

Der Feldwebel.

Humoristische Novelle von Heinrich Zschokke.

(Fortsetzung.)

„Mir ward so grauerlich und wunderlich, sagte Kradb, als käme der Herrgott selber. Gelt, Fritz- chen, gelt, das war ein Anblick!"

Der junge Wilmfon errötete etwas verlegen, und wußte nicht, was er antworten sollte; denn er konnte doch nicht sagen, daß ihn der schöne Nacken eines Mädchens hatte vergeffen lasten, nach einem König zu schauen.

Frau von Moos dagegen, die selten Antwort schuldig blieb, erwiederte: „Laßt's Euch meinetwillen nicht leid sein, Krabb! Ich schätze nicht Pracht und Glanz und Herrlichkeit an den Großen dieser Erde, sondern nur, wenn sie mit hoher Weisheit strenge Gerechtigkeit und jede Tugend ausüben"

Krabb stand bei diesen Worten etwas verblüfft und sagte so höflich er konnte: „Ja, das klingt nun wohl, wie wahr; aber wahrhaftig, ein König ist doch kein Mensch wie unsereins, sondern ..."

„Ein heiliger Engel?" fiel Frau von Moos ein.

„Nicht doch, sondern, ich wollte sagen, ein leib­hafter und sichtbarer Statthalter Gottes auf Erden."

„Das ist Lästerung! Gott ist allgegenwärtig, darum bedarf er nirgends eines Statthalters."

„Aber er ist König von Gottes Gnaden!"

„Und Ihr seid eben so gewiß Invalide von Gottes Gnaden, der ohne Gottes Gnade bei des Königs Gnade verhungert sein würde, nachdem Ihr Euch in seinem Dienst zum Krüppel schießen ließet "

„Nun, wer weiß, Frau von Moos, ob's den König nicht reut, daß er mich so lange vergaß. Es ist noch nicht ausgemacht, ob er seine gnädigen Blicke auf Herrn Wilmfon oder auf meinen Stehfuß warf. Lasten Sie sich die Teufelsgeschichte erzählen." —

Und nun erzählte Krabb vom König, vom kugel­festen alten Dtsfauer und vom Kommandanten.

„Jst's wahr, Bruder, was der Alte da erzählt?" fragte die Frau von Moos mit ängstlicher Stimme

„Vollkommen!" erwiederte Herr Wilmfon. „Doch macht Krabb des Wesens zu viel daraus. Ich bin überzeugt, wir beschäftigten die Aufmerksamkeit des Monarchen sehr flüchtig. Die Sache ist ohne Be­deutung."

„Gebe es der Himmel!" rief die Frau von Moos. „Aber ohne Liebe für strenge Gerechtigkeit oder Wahrheit und Tugend ist schon jede Bewegung des Mächtigen, der über Wohl und Wehe von Millionen entscheidet, bedeutsam; nicht selten ist schon manches unschuldige Leben, Eigentum und Ehre geopfert worden, wie ich felbst die schmerzlichste Er­fahrung machen mußte; o, nur die Erinnerung daran erfüllt mich mit Schrecken."

„Mühmchen," sagte der junge Wilmfon, „Sie urteilen etwas zu strenge. Könige unserer Zeit sind keine Barbaren, wie vor Alters. Sie find Christen und gebildet genug, um Zufriedenheit im Glück ihrer Unterthanen, wie Väter im Glück ihrer Kinder zu finden."

Frau von Moos lächelte schmerzlich: „Könige sind sie. Ich habe die Erfahrung,'die blutige, ge­macht! Ein Wink, und mein schuldloser Gatte ward hingeopfert! — Väter sollten, könnten sie fein! Aber ein Vater hat über sich das Gesetz Gottes, die bürgerliche Obrigkeit, und mehr als alles, ihn binden die Bande der Natur an seine Kinder . . Fritz, in den Jahren, da Du geboren wurdest, ließ ein König meinen unglücklichen Mann ergreifen, fortschleppen und im Kerker sterben oder hinrichten Und mein Manu war schuldlos. Der König selbst verhörte ihn, der König in Person verdammte ihn,

der Geldklemme, und auch in Frankreich will man ihm nichts mehr pumpen, daß es, der Not gehorchend, nicht dem eignen Triebe, sich Deutschland zu nähern versucht, um bei ihm wieder eine Anleihe aufzunehmen. Es wird das jedoch, ttotz der Bereitwilligkeit einzelner Leute in Berlin, vorerst kaum möglich sein. Mit Entrüstung wird vom deutschen Volke die Zumutung zurückgewiesen werden, mit deutschem (Selbe die Truppen zu unterhalten und die Kanonen zu be­zahlen, die immer zahlreicher an der Ostgrenze aus­gestellt werden. Ob Rußland solche Garantteen geben kann und will, daß man in Deutschland von dem gegenwärtig innezuhaltenden Standpunkt abgeht, muß dahingestellt bleiben.

Recht niedlich sieht es einmal wieder in den südamerikanischen Republiken aus. Nachdem eine Verschwörung in Argenttnien mit genauer Not recht­zeitig entdeckt und der Ausbruch größerer Unruhen durch die Verhaftung der Hauptverschwörer vereitelt ist, kommt die Nachricht, daß in Venezuela eine Revolution ausgebrochen ist. Aus Caracas ist die Nachricht sogar eingegangen, daß die Regiemngs- truppen unter dem General Rodriguez von den Auf­ständischen unter Crespo geschlagen seien. Gegen den Palast des Präsidenten Dr. Palacio in Caracas ist ein Dynamitattentat verübt worden. Dazu kommt die Meldung, daß auch in Peru neue Unruhen vor der Thür stehen. In der That eine nette Empfehlung für die republikanische Staatsform. Wenn irgend ein unzufriedener Staatsmann oder General Lust nach dem Präsidentenposten empfindet, flugs setzt er einen kleinen Bürgerkrieg in Scene, bei dem die friedlichen Bewohner mit Leben und Eigentum seinen Ehrgeiz fördern müssen.

Im Orient sind ebenfalls einige Sachen von Wichtigkeit passiert. Der Sultan hat den bulgarischen Vertreter besonders ausgezeichnet, was die Russen einigermaßen verschnupft hat. Daun hat man in Konstantinopel den Mörder des ehemaligen bulgari­schen Geschäftsträgers Dr. Vulkovic, einen gewissen Merdjan, festgenommen, und der russische Botschafter Nelidow wird angesichts der Entrüstung, welche seiner Zeit die Auslieferung Schischmanows erregte, dies­mal wohl kaum versuchen, das Werkzeug russischer Politik auf diplomatischem Wege zu retten. Daß man übrigens in dem genannten Merdjan wohl den wirklichen Mörder Vulkovics, aber nicht deu intellek­tuellen Urheber dieses polittscheu Mordes gefunden hat, darüber herrscht fein Zweifel. Bedauerliche Vorgänge haben sich in Port Said ereignet. Es hatte sich das Gerücht verbreitet, daß ein Jude ein

und doch war Dein Oheim schuldlos. Es war bloße Uebereilung, bloße Verwechselung der Namen und Personen, die das Unglück brachte. Man er­fuhr den Irrtum zu spät, und der Statthalter gött­licher Gerechtigkeit und Allmacht konnte die er­würgte Unschuld nicht wieder in's Leben zurückrufen. Nun denn, und dieser König, der mir das Glück meines Lebens vernichtete, ist ein noch heut' viel bewunderter Held. Soll ich ihn preisen? O, ver­zeiht es mir, wenn ich vor den Gewaltigen auf Erden zittere! Mag vielleicht mein gerechter Schmerz und Argwohn guten Fürsten Unrecht thun — ver­zeih tnir’s Gott! Ich fürchte den, der ungebunden und gewaltig ist."

„Mühmchen, Sie reden vom Schwedenkönig, Karl dem Zwölften. Wir aber freuen uns des wackeren Friedrich Wilhelm. Er mag seine Fehler haben, er mag ..."

„O, mein Kind, es muß niemand auf Erden ungebundenen Willen und ungebundene Macht haben, oder er besitze zugleich die göttliche Heiligkeit. Denke Dir eine Gott^it mit Launen und Leidenschaften, und Du hast . . ."

„Alle Teufel!" schrie der Invalide. „Das wird mir fast zu kraus. Laßt mir meinen König in Ehren! Er meint's gut, immer gut, beleidigt kein Kind und ist ein Soldat dazu, wie keiner in der Welt. Haben Sie denn, Frau von Moos, in Ihrem Lande feinen Herrn?"

„Nein, außer Gott, keinen "

„Tas ist etwas kurios. Den haben wir hier bei uns auch. Aber der Herrgott kommt doch bei Ihnen nicht in Person auf den Berg Sinai, wie vor Zeiten, und giebt Gesetze."

„Nein, die Bürger vereinigen sich zu dem, was

vierjähriges Chnstenmädcheu an sich gelockt und in seinem Hanse verborgen habe, um es zu rituellen Zwecken zu töten. Die aufgeregte Volksmenge zog nun vor das Haus des Juden, Carmona mit Namen, hörte nicht auf die Versicherungen seiner Unschuld, sondern mißhandelte den Mann so, daß er zwei Tage nachher gestorben ist.

Deutsches Reich.

W. Merlin, 9. April. Am Freitag Morgen unternahm der Kaiser wieder eine Spazierfahrt. Auf dem Rückwege hörte der Monarch den Vorttag des Staatssekretärs Frhrn. v. Marschall. Sodann fuhr Se. Majestät nach der Kunstakademie und ge­währte daselbst dem Porttätenmaler Professor Anton v. Werner eine längere Sitzung. Später begaben sich der Kaiser und die Kaiserin gemeinsam nach Potsdam, und statteten der Prinzessin Friedrich Leopold zur Geburtstagsfeier ihre Glückwünsche persönlich ab. Am Abend kehrten die kaiserlichen Majestäten nach Berlin zurück. — Der Besuch der Königin Wilhelmine uud der Königin- Regentin von Holland wftd, wie nunmehr feststeht, am 15. Mai in Berlin erwartet. Die Königinnen werden als Gäste des Kaiserpaares im Schlosse Wohnung nehmen. — Die Großfürstin Sergius von Rußland ist auf der Reise von Darmstadt am Donnerstag Abend in Berlin auf dem Bahnhof Friedrichsstraße eingetroffen und Dom Kaiser, der Kaiserin Friedrich und der Prinzessin Mar­garethe in Empfang genommen worden. — lieber eine bevorstehende Heeresverstärkung schreibt die „Poft": Der Reichskanzler Graf Caprivi bereitete in der bekannten Reichstagssitzung vom 27. November v. Js. das Haus auf einen Gesetzentwurf vor, welcher möglicherweise im nächsten Winter zur Vorlage kommen sollte und als dessen Zweck die Ausnutzung der steigenden Bevölkerungsziffer des Reichs zur Stärkung der Wehrkraft hingestellt wurde. Man irrt wohl nicht, wenn man annimmt, daß die Vorarbeiten für die dadurch bedingte Heercsver- ftärfung bereits im erheblichen Fortschreiten sich be­finden und die Einbringung des Gesetzentwurfs mit dem Reichshaushaltsetat für 1893/94, also im nächsten Herbst, sicher bevorsteht. — Die Absicht, einen An­trag auf Erlaß eines Schuldotationsgesetzes einzubringen, wird zur Ausführung gelangen und möglicherweise zur Folge haben, daß die Regierung, falls sie es nicht schon bei der Debatte über den Nach­tragsetat zu thun vorzieht, sich über ihre Stellungnahme

bei ihnen gelten soll, und wählen Obrigkeiten, die darüber wachen, daß alles danach geht."

„Zum Kuckuck, das muß eine Hottentottenwirt- fchast sein!"

„Keineswegs. Alles geht in Ordnung."

„Also starke Garnisonen, die das Volk in Zucht halten?"

„Gar keine Soldaten. Man schickt einen Webel mit Mantel und Stab, und alles gehorcht."

„Wunderlich ; aber mir gefällt's nicht. Ein Land ohne Soldaten ist wie eine Stadt ohne Häuser, wie ein Wald ohne Bäume Das verstand unser König besser. Er jagte die hundert Kammerherren seines Vaters zum Henker und sparte sich den Bissen vom Munde ab und füttert dafür jetzt eine Armee von fünfzigtausend Mann, die prächtigste auf Gottes weitem Erdboden. — Und wie nun geht's, Frau von Moos, mit Dero Erlaubnis, wenn der Krieg ausbricht und die feindlichen Heerscharen gegen Ihr kurioses Land ziehen, mit Kavallerie, Infanterie, Artillerie, Freipartie, mit Schiffbrücken, Kanonen, Haubitzen, Bombenkesseln? — Schickt man bann etwa dem Feinde einen Webel mit Mantel und Stab entgegen?"

„Guter Krabb, um Haus und Hof, Weib und Kind, Gut und Ehre zu beschützen, ist bei uns alles Soldat, was Gewehr tragen kann, und schlägt tapferer drein, als der Mietling, wie Ihr das leicht begreifen möget; kommen fünfzigtausend Feinde, rücken ihnen hunderttausend Landes-Verteidiger entgegen. So macht man's dort."

„Nun denn, meinethalben. Nichts für ungut. Die Leute bei Ihnen dort sind doch nur Halbwilde, merk' ich. Ich danke Gott, daß er mich zum preu­ßischen Unterthan machte. Hier haben wir doch alle Sonntage Parade auf dem Neuen Markt Blitz und