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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Matt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Druck und «erlag: Joh. Äug. Koch, UmversiiätS-Buchdruckerei in Marburg. rtrtÄFlfrtH Verantwortlicher Redakteur: Christoph RautenhauS in Marburg
Redaktion und Expedition: Markt 21. Redaktion und Expedition: Markt 21.
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Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Quartal-Abonnements-Preis bei der Expedition 2 Ml., bei allen Postämtern L Mk. 25 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
Marburg,
Donnerstag, 7. April 1892.
Anzeigen nimmt entgegen die Erpedition dieses Blattes, sowie die Aunoncen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M:, Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moste in Frankfurt a. M„ Berlin, München u. Köln; G. L. Daube u. To. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
XXVII. Jahrgang.
Keftellrmgen für das mit dem 1. April begonnene 2. Quartal der „Oberhtsfischeu Zeitung" werden von allen Postanstalten, Landbriefträgern und von unserer Expedition, Marburg, Markt 21 (in Kirchhain bei Herrn B. Rindt) noch fortwährend entgegengenommen und die bereits erschienenen Nummern nachgeliefert.
Die Sonntagsruhe.
(Nachdruck wird gerichtlich verfolgt.)
Zu den wichtigsten Gesetzen, welche von dem gegenwärtigen „langen Reichstage" fertig gestellt worden sind, gehört das Gesetz über die Abänderung der Gewerbeordnung durch neue Bestimmungen über den Arbeiterschutz. Diese sogenannte „Gewerbenovelle" oder „Arbeirerschutzgesetz" ist zwar soeben, am 1. April 1892, in Kraft getreten. Ausgenommen hiervon sind aber einstweilen die Bestimmungen über die Sonntagsruhe, weil ihre Durchführung noch zu viele Vorbereitungen und Einzelbestimmungen erfordert.
Bei anderen Gesetzen bilder die Regel die Hauptsache und die Ausnahme die Nebensache. Hier ist es fast umgekehrt. Die Regel, daß am Sonntag Ruhe herrschen solle, würde Jeder leicht zugcben, wenn er nur wüßte, in welcher Weise die Ausnahmen gestaltet werden. Sollen bei Einführung einer strengeren Sonntagsruhe Handel und Gewerbe nicht leiden, so werden auf absehbare Zeit hinaus noch viele Ausnahmen notwendig sein. Andrerseits werden auch vielfach Verschärfungen der Sonntagsruhe verlangt. Und dies nicht blos von Arbeitern, sondern auch von Unternehmern. Wo die Sonntagsruhe für ein Gewerbe vorgeschriebeu ist, da hat manchmal ein verwandtes Gewerbe ein Interesse daran, mit diesem gleichgestellt zu werden. Denn die Aehnlichkeit des Gewerbebetriebes läßt das Verlangen der Arbeiter, am Sonntag geschont zu werden, oft als billige Forderung erscheinen, und mancher Unternehmer wäre bereit, dieselbe zu bewilligen, wenn er nur wüßte, daß seine ganze Konkurrenz es ebenfalls bewilligen muß.
Daher rührt es sich gegenwärtig, wo von den Behörden die Ausnahmebestimmungen vorbereitet werden, in allen Gewerben. In den einen ist man bestrebt, Erleichterungen der Sonntagsruhe durchzusetzen, in manchen andern aber möchte man dieselbe allgemeiner durchgeführt scheu.
(Nachdruck verboten.)
In -er Bären-Apolhekr.
Original-Roman von Marie Widdern.
(Schluß.)
Leopold Gröll erwiderte auf diesen freundlich gemachten Vorschlag kein weiteres Wort. Aber eine heiße Röte glitt wie ein Schatten über sein Gesicht, und die Hände des jungen Mannes faßten unwillkürlich nach dem Kopf. —
Eine Stunde später lag Leopold Gröll erneuert im heftigen Fieber. Ein Rückfall war eingetreten, und der schnell herbeigerufene Arzt fürchtete das Schlimmste. Als der Kranke in seinen Phantasien jetzt aber nur von Gertrud sprach, als jedes Wort, das über seine Lippen kam, verriet, mit welcher Sehnsucht seine arme gemarterte Seele nach dem geliebten Mädchen verlangte, eilte Frau Gröll in höchster Erregung zu Martha Trautenjahn, um mit dieser zu beraten, was zu thun wäre-
„Wir wollen das gute Kind allein hierüber entscheiden lassen," meinte die Apothekerin. Die Hand der verzweifelten Mutter fassend, setzte sie hinzu: „Schreiben Sie an unser Trudchen, teilen Sie ihr mit, in welcher neuen Gefahr Leopold schwebt und wie sehnsüchtig seine Seele nach dem Anblicke der Geliebten auch verlangt hat, als ihm die Erinnerung an all' die traurigen Vorfälle der vergangenen Tage kam. Ich zweifle keinen Augenblick, daß Gertrud sofort dann an das Krankenbett des Teuren eilt."
Martha Trautenjahn mußte ihre künftige Schwägerin sehr genau kennen. Denn wirklich zögerte das junge Mädchen keine Minute, nach Z zurückzukehren, nachdem es durch Madame von dem neuen Unglück benachrichtigt worden, das das Haus
Da tauchen nun eine Reihe von Fragen auf. Welches sind die Bestimmungen des neuen Gesetzes, welches sind die Ausnahmen, die zugelassen sind, welches die Behörden, an die man sich zu wenden hat?
lieber alle diese Fragen herrscht Unklarheit. In Tausenden von Exemplaren ist die Gewerbenovelle im Lande verbreitet. Alle Bäcker-, Schneider-, Schlächterzeitungen, die größeren und selbst die kleineren Fachblätter haben die Paragraphen über die Sonntagsruhe abgedruckt, und doch vermögen mir die wenigsten ihrer Leser in den Bestimmungen sich zurechtzufinden. Unsere neueren Gesetze sind leider nicht in einer Sprache abgefaßt, welche dem gemeinen Manne leicht zugänglich ist. Wir glauben daher unseren Lesern einen Dienst zu erweisen, wenn wir in der heusigen Nummer ihnen in leicht verständlicher Sprache das Hauptsächlichste aus den Bestimmungen des neuen Gesetzes über die Sonntagsruhe in leicht verständlicher Sprache vorznführen beginnen.
Deutsches Reich.
W. Verkitt, 6. April. Am Dienstag Morgen unternahmen der Kaiser und die K a i s e r i n wieder eine gemeinsame Spazierfahrt. Im Schlosse arbeitete der Kaiser mit dem Chef des Militär- kabinets und empfing darauf den kommandierenden General des III. Armeekorps, General von Versen, sowie den General der Kavallerie, Grafen Friedrich Brandenburg, welcher die Orden seines verstorbenen Bruders, des Generals der Kavallerie Grafen Wilhelm Brandenburg in die Hände des Monarchen zurücklegte. Später nahm der Monarch die persönlichen Meldungen des kommandierenden Generals des 15. Armeekorps Generallieutenants v. Blume und darauf noch zahlreicher anderer höheren Militärs entgegen, und hatte am Nachmittage den Präsidenten der Hauptverwaltung der Staatsschulden und den Wirkl. Geh. Rat Richter empfangen. — Die KaiserinFriedrich wird am nächsten Montag Vormittag mit der Prinzessin Margarethe Berlin verlassen und sich zunächst nach Bonn begeben, um am nächsten Tage zur Geburtstagsfeier der Prinzessin Viktoria, Gemahlin des Prinzen Adolf von Schaumburg-Lippe, daselbst anwesend zu sein. Von Bonn aus gedenkt sich die Kaiserin zum Besuch nach Darmstadt und hierauf zu längerem Aufenthalt nach Hamburg zu begeben. — Die große Frühjahrsparade der Berliner Garde findet in diesem Jahre erst am 30. Mai statt, die der Potsdamer Garnison am 31. Mai. — Im
Gröll betroffen. Es war aber geradezu merkwürdig, wie sich der Zustand des Patienten sofort zum Besseren wandte, nachdem Gertrud zum erstenmale die kleine kühle Hand auf die Stirn des Geliebten gelegt. Von Stunde an schritt Leopold auch von neuem der Reconvalescenz entgegen. Mit wenigen Worten hatten sich die Liebenden dann verständigt — der Bitte um Verzeihung folgte ein zärtlicher Händedruck des braven Mädchens und viele — viele Stunden des reinsten Glückes. . .
Als Horst dann auch aus Italien zurückkehrte — ein kräftiger, blühender Mann — um feine Martha zum Altar zu führen, reichten sich auch die beiden Männer die Hand zur vollsten Versöhnung Ein Tag vor dem Polterabend in der Bärenapotheke, deren Leiter Horst von neuem wurde, feierten Gertrud und Leopold ihre Verlobung. Uebrigens wurde ihnen zu derselben eine merkwürdige Überraschung zuteil. Es langte nämlich aus einer entfernten Stadt ein Brief des entlassenen Hausdieners der Bärenapotheke an, welchem eine befremdliche Einlage beigegeben.
Der junge Mensch bekannte nun endlich auch, daß Hans Gröll nie jene Worte gesprochen, die er, Friedrich, in alle Welt hinausgeschrieen. Im Gegenteil habe der Provisor noch sterbeyd gesagt, daß Gilden in keiner Beziehung zu seinem freiwilligen Tode stände. Dazu verpflichtete der Aermste den Hausdiener auch noch, einen Brief zu besorgen, den er auf dem Tisch finden würde. Dieser enthielt die volle Aufklärung der Motive zu seiner That. In dem Wunsch aber, sich an Horst Gilden zu rächen, unterschlug er — Friedrich — das Schreiben. Nun aber plage ihn die Reue über die häßliche That und er sende den Brief an seine Adresse.
Das Schreiben des Sterbenden jedoch faßte die
Reichsanzeiger wird das Gesetz bett, die Feststellung des preußischen Reichshaushalts-Etats für 1892/93 veröffentlicht. Der Etat stellt sich in Einnahme und Ausgabe auf 1851115 697 Mark. Von den Ausgaben sind 180 690 535 fortdauernde und 46 425162 einmalige und außerordentliche. — Auf Befehl des Kaisers ist eine Kommission von Kavallerieoffizieren zusammengetteten, um sich der Umarbeitung des Exerzierreglements für die Kavallerie zu unterziehen. Den Vorsitz führt der Inspektor der 2. Kavallerie-Jnspektton, Generalleutnant v. Rosenberg. Die Aenderungen, welche dem Vernehmen nach bereits vom 1. Mai ab inkraft treten sollen, wurden voraussichtlich meistenteils Vereinfachungen in beu Formen der kavalleristischen Taktik be- tteffen. — Der neuernannte Staatssekretär des Reichsjustizamtes Eduard Hanauer ist ein geborener Bayer und befand sich früher im bayerischen Jnstizdienste. Er ist, wie wir den „M. N. N." entnehmen, im Jahre 1829 in Bayreuth geboren und katholischer Konfession. Nachdem er die juristische Staatsprüfung im Jahre 1852 bestanden, wurde er zum funktionierenden Staatsprokurator - Substitut am Bezirksgericht Frankenthal 1854 ernannt. Im Jahre 1857 wurde er Assessor am Bezirksgerichte in Landau, 1859 Landrichter in Dahn, 1861 Bezirksrichter in Landau, 1866 zweiter Staatsprokurator am Appellationsgerichte der Pfalz, 1867 erster Staatsprokurator am Appellationsgcrichte der Pfalz, 1870 vierter Staatsanwalt am Oberappellationsgerichte in München, 1872 dritter Staatsanwalt am Oberappellationsgerichte in München. Durch kaiserliche Entschließung am 2. März 1875 wurde Hanauer zum Geheimen Oberregierungsrat und Vortragenden Rate im Reichskanzleramte, durch eine weitere kaiserliche Entschließung vom Anfänge des Jahres 1877 zum Direktor in dem neuerrichteten Reichsjustizamte ernannt. Am 27. Dezember 1886 erhielt Hanauer den Titel eines Wirkl. Geheimenrats mit dem Prädikat Excellenz. Sein Nachfolger, Ministerialdirektor im Reichsjustizamte, der bisherige älteste vottragende Rat, Geh. Oberregierungsrat Gutbrod, ist ein württembergischer Jurist, der wie Herr Hanauer, dem Reichsjustizamte seil dessen Begründung im Jahre 1877 angehött. — Im Reichstage hatte bekanntlich die Regierung gegen den Gesetzentwurf betreffend die Unterstützung von Familien der zu Friedensübungen einberufenen Mannschaften in der Fassung, wie er vom Hause beschlossen wurde, Widerspruch erhoben. Jetzt stellt ein Artikel der „N. A. Z." in Aussicht, daß die Zustimmung des Bundesrats zu der vom
ausführliche Wiederholung alles dessen in sich, was der Detektiv erzählt hatte. Außerdem enthielt es auch an Leopold die Bitte, Fräulein Gertrud Gilden zweihundert Thaler einzuhändigen, welche sie ihm zu jener Reise geliehen.---
Damit war denn also auch das thatsächlich letzte Wort der Aufklärung in der geheimnisvollen Ge- fchichte gefunden. —
lieber die alten traurigen Erfahrungen hinweg konnten unsere beiden Paare nun zu Glück und Frieden schreiten. Zu dem Verlobungsfeste Leopolds und Gertruds, sowie zu der Hochzeit Martha's mit Horst war auch Herr und Frau Gorderoff, sowie der Richter, geladen.
Tante Minchen fehlte selbstverständlich ebenfalls nicht. Seit ihr die Reue des alten Barons bekannt geworden, hatte sie auch alle frühere Abneigung gegen die Kinder desselben vergessen.
So wurde denn der Friede in jeder Richtung hin gesichert und noch manches Jahr konnte sich die liebe brave Allerweltstante des Glückes ihrer beiden Pflegetöchter und Derer erfreuen, welche zu ihnen gehörten.
Per Feldwebel.*)
Humoristische Novelle von Heinrich Zschokke.
1.
Und überall, all überall. Auf Wegen und auf Stegen Zog Jung und Alt dem Jubelschall Der Kommenden entgegen.
Bürger's Leonore.
Der zweite in der Reihe der preußischen Könige, Friedrich Wilhelm L, war von Potsdam nach
*) Auf uns mehrfach zu erkennen gegebenen Wunsch werden wir für die Folge zeüweise die eine oder andere gute ältere Novelle zum Abdruck bringen.
Reichstage beschlossenen Fassung in sichere Aussicht genommen werden darf. — Wie dem „Kurycr Pozn." aus Berlin gemeldet wird, überbrachte am Sonnabend ein Adjutant des Kaisers dem Reichstagsabgeordneten v. Koscielski ein Kaiserliches Handschreiben, in welchem ihm und der polnischen Reichstagsfraktion der Dank für ihr Eintteten zu Gunsten der Regierungsvorschläge zum Marineetat ausgesprochen wird. Gleichzcittg erhielt Herr von Koscielski ein großes, die Kaiserliche Jacht „Hohen- zollern" darstellendes Bild mit der eigenhändigen Unterschrift Sr. Majestät zum Geschenk. — Anläßlich seines Geburtsfestes erzählte F ü r st Bismarck, wie die „Hamb. Nachr." schreiben, seinen Gästen unter Anderem vom Kaiser Friedrich und rühmte ihn als den liebenswürdigsten Menschen, der ihm jemals begegnet. Mchts sei unrichtiger, als die vielfach verbreitete Meinung, daß seine Beziehungen zu diesem Monarchen keine besonders gute gewesenseien. Im Gegenteil, Kaiser Friedrich sei mit seinen Vorschlägen stets einverstanden gewesen, er selbstzu keiner Zeit so unumschränkt, wie damals. Rührend seien die Bemühungen dieses Herrschers gewesen, in seinerfchwereu Krankheit keine Höflichkeitsbezeugung außer Acht zu lassen. Er habe es sich niemals nehmen lassen, ihn trotz der Schwäche bis zur Thür zu geleiten. Der Fürst fei dann hinter dem Kaiser gegangen in steter Erwartung, daß dieser zusammenbrechen werde, noch bevor er die Thür erreicht, und der Kranke habe sich dann eben noch mit Mühe am Thürknopf halten können.
— Unter dem Titel „Volkskraft und Wehrkraft" bringen die „Hamb. Nachr." einen Artikel, der auf die Verschiebungen aufmerksam macht, welche sich in dem Verhältnisse der beiden Kräfte zu einander vollziehen. Die Volkskraft nimmt nämlich, soweit sie in der Wehrkraft militärisch nutzbar gemacht werden soll, notorisch ab, nicht allein quantitattv sondern auch qualitativ und zwar dadurch, daß die ländliche Bevölkerung numerisch zurückgeht, während die städtische namentlich in den Jndufttie- und Handelszentren zunimmt. Die Zunahme findet aber nicht allein aus sich selbst heraus statt, sondern hauptsächlich auf Kosten der Landbevölkerung, welche von den Städten angezogen und aufgesaugt wird. Aber gerade aus der ländlichen Volkskraft zieht nicht allein physisch, sondern auch moralisch die Wehrkraft ihre besten und zuverlässigsten Bestandteile, so daß mit der Abnahme der ersteren auch eine solche der letzteren stattfindet. Es ist berechnet worden, daß durchschnittlich bei der rein ländlichen Bevölkerung 90 v. H. der vorgestellten
Magdeburg gekommen, um im Vorbeigehen auch die neuen Schanzen, Bollwerke und Wälle zu besichtigen, deren Anlage er befohlen hatte. — Als den Tag nach seiner Ankunst ruchbar ward, er werde, von der gesamten, glänzenden Feldherrnschast begleitet, zu Pferde von der Neustadt in die Altstadt hinein- kommen und den Zug durch die ganze Länge der Stadt zum Schlosse oder sogenannten Prinzenhause am Domplatz machen, war bald nach der Mittagsstunde alles, ihn zu sehen, in Bewegung, was irgend Werkstätte, Laden, Schreibstube, Putzzimmer, Küche, Keller u. s. w. verlassen konnte. Denn einen König, und dazu noch ihren eigenen König, mit leiblichen Augen zu sehen ober wiederzusehen, war für die Magdeburger kein geringes Fest. Jeder bildete sich auf die Ehre nicht wenig ein, und ward noch Jahr und Tag nachher um einen Zoll größer, wenn er davon sprechen oder wohl gar Nebenumstände erzählen konnte, die er beim Anblick des Königs wahrgenommen; zum Beispiel, wie derselbe nachdenkend gewesen sei, oder mit wem er eben gesprochen, ober wie er ausgespuckt, ober wie er beim Grüßen an den Hut gegriffen habe. Damals galt ein Monarch noch für ein Wesen höherer Natur, für einen Erbstatthalter des ewigen Schicksals, für eine Nationalgottheit in wirklicher Menschengestalt. Noch wagte niemand, die Göttlichkeit eines gekrönten Hauptes zu bezweifeln, als etwa der Kammerdiener, Edelknabe, Leibhusar, Hofmedicus, oder wer sonst mit den menschlichen Schwachheiten der Potentaten in unmittelbare Berührung geraten war.
Wie Bäche und Nebenflüsse ihre unruhigen Wellen in das weite Wogengebrause eines Hauptstroms ergießen, so spieen jetzt die engen, zahlreichen Seitengassen ihre Bevölkerung, bald zu einzelnen Schwärmen, bald zu langen Zügen, in die belebte