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Wöchenüiche Bettagm: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Illustriertes Sonntagsblatt..

M 77

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Quartal-Abonnemcnts-Preis bei der Expe­dition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnserrionsgcbühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Marburg,

Donnerstag, 31. März 1892.

Anzeigen nimmt entgegen die Eipedition dieses Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein u. Bögler in ,

Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf XXVI'. ^aMllaNa.

Moye in Frankfurt a. M Berlin, München u. Köln; G. L. M > 3 ö

Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.

Deutsches Reich.

W. Merlin, 30. März. Am Dienstag Vor­mittag unternahmen die k a i s e r l i ch c n M a j e st ä t e n wieder eine gemeinsame Spazierfahrt. Im Schlosse ließ sich der Kaiser Vortrag vom Staatssekretär v. Bötticher halten, arbeitete mit dem Chef des Militärkabinets und nahm militärische Meldungen entgegen. Die Kaiserin erteilte dem preußischen Ministerpräsidenten Grasen Eulenburg die nachgesuchle Audienz. Was die weiteren Veränderungen im preußischen Staatsministerium betrifft, von denen gestern verlautete, wird von unterrichteter Seite mitgeteilt, daß die Frage, nach welcher ein Wechsel in der Vizepräsidentschaft des Staats- ministeriums und des Staatssekretariats des Reichs- amks des Innern bevorstände, infolge Aussprache zwischen den Grafen Caprivi und Eulenburg und Herrn von Boetticher cndgiltig dahin entschieden ist, daß Herr von Boetticher im Amte verbleibt. Da­gegen ist der Rücktritt des Landwirtschaftsministers von Heyden als sicher anzunehincn und gilt, dem Vernehmen nach, nach wie vor Herr von Klitzing als sein Nachfolger. Graf Eulenburg übernimmt vor der Hand kein Portefeuille. Zum Staatssekretär des Reichsjuftizanits ist, wie derKöln. Ztg." berichtet wird, der langjährige Direktor des Reichsjustizamts Hanauer bestimmt. Wie regierungsseitig in einer Sitzung der Herrenhauskommission zur Beratung des Staatshaushaltsetats erklärt wurde, ist die Staats­regierung bereit, dem mehrfach ausgesprochenen Wunsche, daß die Z e n s i t e n mit unter 3000 Mark Einkommen ihre sämtlichen Steuern als Staats-, Kommunal-, Kirchen- und Schulsteuern, an einer Stelle und nicht, wie es häufig vorkommt, an vier Stellen zu zahlen hätten, nachzukommen. Eine ein­heitliche Regelung der Steuerzahlung kann jedoch nur durch eine anderweite Regelung des Kassenwescns erreicht werden, die vorläufig noch nicht durchführbar ist. Bei Beratung des Einkommenstenergcsetzes ist eine Neuordnung der gesamten Erhebungsweise der Einkommensteuer übrigens bereits in Aussicht gestellt. Nach der amtlichen Uebersicht waren die Reli­gionsbekenntnisse in der preußischen Bevölkerung im Jahre 1890 in folgenden Verhältnisziffern vertreten. Von den 29 955 281 Bewohnern gehörten 19 230 376 der evangelischen, 10 251447 der römisch-katholischen Kirche an; die jüdische Religion zählte 372 058 Angehörige. Ferner befanden sich in Preußen 23969 Baptisten, 13833 Mennoniten, 16 081 Apostolische (Irving), 4514

(Nachdruck verbaler )

In Lrr Bären-Apolhekk.

Original-Roman von Marie Widdern.

(Forts,tzua^.)

Schon an demselben Abend schlich ich mich dem Mädchen nach, welches sich nach seinen Gemächern begab, um für das Souper Toilette zu machen. Der Baron hatte Mathilden eine ganze Ausstattung der kostbarsten Sachen kommen laffen und sie durfte nur unter Sammet und Atlas wählen.

Um Gotteswillen bat ich die Kleine nun, mir eine heimliche Unterredung zu bewilligenIhre ganze Zukunft," sagte ich,hänge davon ab, daß sie mich anhöre." Sie sah mich einen Moment starr an, dann erwiderte sie:

Ich werde nach dem Abendessen Kopfschmerzen vorschützen und mich sofort zurückziehen. Wir finden uns in der Bibliothek, welche von meinem Wohn­zimmer unbemerkt zu erreichen ist."

Werde pünktlich zur Stelle sein, Fräulein und wenn es darauf ankommt die ganze Nacht auf Sie warten."

Und dann dann?" fragte der Richter, als Johannes Groll hier, nur um Atem zu schöpfen, innehielt

Der Fabrikant seufzte:Wir trafen uns auch wirklich an dem verabredeten Ort," so begann er dann wieder,und ich hatte thatsächlich den Mut, Mathilden die Binde von den Augen zu reißen. Wenn auch so schonend, als möglich, sagte ich ihr doch, daß der Baron nur sein Spiel mit ihr treibe nicht für die Dauer einer Minute daran gedacht habe, sie zur Baronin von Wahlburg zu machen Auch von der Komteffe Ruch Sparwalden sprach ich der Braut meines Herrn, für welche bereits die

Herrenhuter, 3232 Methodisten und Quäker, 2175 Angehörige der englischen und 929 der schottischen Hochkirche, 136" Griechisch-Katholische Deutsch- Katholische. Die Dissidenten zählten 20 273, die Freireligiösen 7304. Sonstige Christen sind 3039, Bekenner anderer Religionen 328 ausgeführt. Bei 2871 Personen war die Angabe des Bekenntnisses unbestimmt, 1492 haben überhaupt kein Bekenntnis angegeben. Der 6. Gemeindetag des deutsch-israelitischen Gemeinde-Bundes,, welcher gestern hier unter zahlreicher Beteiligung von Delegierten aus ganz Deutschland slattfand, nahm mit großer Mehrheir folgende Resolution an:Der Gemeindetag erklärt die Einführung des jüdischen Religions-Unterrichtes als Unterrichtsgegenstand in den Lehrplan der öffent­lichen Schulen für eine unerläßliche Forderung und beauftragt den Ausschuß: die Frage, in welcher Weise dieser Anspruch wirksam zu verfolgen ist, zu prüfen und über das Ergebnis dem nächsten Ge- meindetage zu berichten." Emin Pascha ist, neueren Nachrichten ans Ostafrika zufolge, in seiner früheren ägypttschen Provinz angekommen und hat sich nach Dufil^ und Kiri begeben, um seine dort sitzmdcn rebellischen ehemaligen Offiziere, die ihm auch jetzt noch feindlich gesinnt sind, zu bestrafen. Zwischen Labore und Kerefi, auf der Hütte des Weges zwischen Dufile und Kiri, soll es zu einem Entschcidungsgefecht gekommen sein, das mit der völligen Niederlage der Rebellen- endigte. Weiter heißt es, daß Emin vier der gefangenen Rebellen­offiziere standrechtlich hat erschießen lassen. Einige der Rebellen haben sich nach Redjaf zurückgezogen, und Emin soll nun im Begriff sein, diesen befestigten Ort anzugreifen und zu unterwerfen. Seine Macht garantiere auch hier den Erfolg.

Der Groß Herzog von Baden und der Fall des preußischen Volksschulgesetzes. In der Nationalzeitung" lesen wir:In einem großen Teile der deutschen Presse ist verbreitet worden, daß die Bedenken, welche der Kaiser gegen die Durch­führung des Volksschulgesetzentwurfcs mit alleiniger Hilfe des Zentrums und des äußersten Flügels der konservativen Partei gehegt hat, u. a. zurückzuführen seien auf einen sehr umfangreichen Brief, der vom Großherzog von Baden an den Kaiser gerichtet worden ist. Wir erhalten jetzt aus zuverlässiger Quelle die Versicherung, daß seit dem Januar, wo der Großherzog von Baden zum Besuch am Berliner Hofe verweilte, ein schriftlicher Verkehr zwischen dem Kaiser und dem Großherzog, seinem Oheim, über­haupt nicht stattgefunden hat. Selbstverständlich

HochzZtägewänder angesertigt würden. Ja, ich unter­ließ auch nicht, dem Mädchen zu offenbaren, wer in Wahrheit die Person sei, in der es bisher die Tante des geliebten Mannes geachtet. Und schließlich gestand ich ihr auch noch, zu welcher verächtlichen Rolle sie für die Zukunft bestimmt sei

Ihnen zu schildern, in welcher Weise Mathilde meine Erzählung aufnahm, ist mir unmöglich. Aber nie, nie werde ich vergessen, wie das unglückliche Geschöpf mir dem armen Diener zu Füßen fiel und mich anflehte, Erbarmen mit ihm zu haben und es so schnell wie möglich aus dem Schlosse zu entfernen Immer wieder jammerte die Bedauerns­werte dazwischen, indem sie ihre Hände rang:

O, mein Gott, mein Gott und wozu hat man mich gemacht ? Was bleibt mir jetzt noch weiter Übrig, als der Tod'"

Das tiefe Mitleid, welches ich für das arme Wesen empfand, gab mir Beredsamkeit Ich wußte die Aermste aufzurichten und ihr Mut einzusprechen Auch für ihre Flucht wollte ich sorgen, wenn ich auch nicht im Stande war, sie selbst aus dem Schlosse zu geleiten Ich war Soldat, Herr Kreisrichter, und durfte meinen Herrn nicht ohne dessen Er­laubnis verlassen"

Ich verstehe! Aber auf welche Weise schafften Sie dann die Unglückliche fort ?" fragte der Richter

Ich bat den alten Schäfer auf der Besitzung, einen Wagen aus der nächsten Ortschaft zu besorgen. In diesem fuhr Mathilde nach einer kleinen Stadt, zehn Meilen von dem Gute entfernt Dort nahm ie in einem Hotel Logis, in dem sie das Weitere ibwarten wollte. Auf meinen Rat hatte die arme hilflose Person sich nämlich brieflich an ihre Pflege­mutter gewandt und ihr das ganze Elend, in welches re geraten, offenbart. Dieser Bries erreichte das

war es eine thörichtc Fabel, wenn sogar erzählt wurde, daß der Großherzog in der Zwischenzeit einen Tag inkognito in Berlin gewesen sei. Es bedarf keiner so abenteuerlichen Erklärung für den Entschluß des Kaisers, da er von Anfang an seine Bedenken gegen den Volksschulgesetzentwurf nicht verhehlt hatte. Als die Aeußerung dieser Bedenken nicht die Wirkung hatte, daß ein ernstlicher Versuch zur Verständigung der Parteien unternommen wurde, sah der Kaiser sich genötigt, seine Abneigung, das Gesetz lediglich vom Zentrum und von der äußersten Rechten zu empfangen, erneut Ausdruck zu geben, was die bekannten Wirkungen hatte." Auch diese Mitteilungen haben aber eine Lücke. Graf Caprim und Graf Zedlitz kannten doch den Kaiser sehr genau und würden sicher sich gehület haben, so für das Gesetz einzutreten, wie geschehen, wenn sie auch nur eine blasse Ahnung von diesem Ausgange gehabt hätten. Da muß doch noch etwas anderes mitge­spielt haben.

Die letzte große Freude, die dem greifen, nun verstorbenen Konstantin von Alvensleben bereitet worden ist, war am 13. Januar 1892 das nachstehende Telegramm des Kaisers:General der Infanterie K. v. Alvensleben, Berlin. Der heutige Tag ruft in Mir die Erinnerung an den für das 3. Armeekorps bedcurungsvollen Abschluß einer Zeit großer kriegerischer Erfolge wach an den Ent­scheidungstag von Le Mans. Ich habe daher be­schlossen, Ihnen und damit Ihrem früher» braven Korps eine Auszeichnung zu verleihen, von der Ich überzeugt bin, daß sie zugleich im Sinne Meines in Gott ruhenden Herrn Großvaters erfolgt. Ich ver­leihe Ihnen hiermit Meinen hohen Orden vom Schwarzen Adler. Wilhelm R." Bei dem jüngsten Kapitelfeste konnte leider der nunmehr verstorbene General v. Alvensleben wegen Altersschwäche schon nicht erscheinen, sodaß er überhaupt nicht Mitglied des Ordenskapitels geworden ist. Er stand bis zuletzt ä I. s. des Leib-Greuadier-Regiments König Friedrich Wilhelm III. (1. Brandenburgisches) Nr. 8. Von den kommandierenden Generälen des deutschen Heeres im Kriege 1870/71 leben zur Zeit noch folgende vier: der Graf v. Bose, bis 1880 Chef des 11. Korps, jetzt Chef des Infanterie-Regiments Nr. 31, v. Schachtmeyer, Führer des 11. Korps während der Verwundung Boses, Chef des Füselier- Regiments Nr. 34, und Prinz Georg von Sachsen, der noch heute wie damals das 12. Korps führt, sowie Graf v. Kirchbach, bis 1880 Chef des 5. Korps, jetzt Chef des Infanterie-Regiments Nr. 46 während

alternde Fräulein aber auf dem Krankenbette, auf das es die Handlungsweise des geliebten Pflege­kindes geworfen. Dennoch blieb Mathilde nicht ihrem Schicksal überlassen. Aktuar Roseinaiin, der Freund ihrer Kinderjahre, der gute brave Mensch, der sie geliebt hatte, so lange sie denken konnte, überwand jedes Zorngefühl gegen die, welche, so innig behütet doch zu straucheln vermocht hatte, und holte sie

Heim," setzte der Richter hinzu.

Ja, heim, zu der guten, engelsguten alten Jungfer, die jedermann, der es hören wollte, erzählt hatte, daß ihr Mathildchen plötzlich zu einer Ver­wandten gereift sei, die sie in schwerer Krankheit pflegen müßte."

..Und dann, auf welche Weise verliefen die nächsten Tage des armen Opfers?" rief der Richter.

Ja, lieber Herr, wie sich das Wiedersehen zwischen Pflegemutter und Pflegetochter gestaltet, weiß ich nicht Es vergingen überhaupt Jahre, ehe ich wieder von Mathilden hörte: Ich hatte längst die Residenz verlassen und lebte bereits als ver­heirateter Mann hier in Z, als ich durch einen Zufall den Namen jenes Aktuars nennen hörte, welcher sich seiner Zeit so barmherzig der armen Mathilde angenommen. Wie ich aber Erkundigungen nach dem Braven einzvg, kam ich dahinter, daß Rvseiuann damals die Großherzigkeit noch weiter getrieben. Zu meinem grenzenlosen Erstaunen er­fuhr ich, wie er Mathilden, wenige Wochen, nachdem ich ihr zur Flucht aus den unwürdigen Verhält­nissen im Schlosse verhülfen, an den Altar geführt Noch vor der Hochzeit hatte er sich freilich hierher nach Z. versetzen lassen, wohin auch Fräulein Werner alsbald übersiedelte.

Es war eine Musterehe, die die so Vermählten

von den damaligen Oberbefehlshabern nur noch der ftöntg von Sachsen und von den Chefs des Slabes der ^Armeekominandos noch alle außer zweien (v. Sperling und v. Krenski), nämlich die Generäle Graf Wartensleben, von Stiehle, von Stosch und v. Leszczynski, diese alle zur Disposition, und der jetzige Generalfeldmarschall Graf von Blumenthal, Inspekteur der vierten Armee-Inspektion, leben. Von den sämtlichen Divisionsführern des jüngsten Krieges sind nur noch zwei in aktivem Dienst: Prinz Albrecht von Preußen, der Inspekteur der ersten Armee- Inspektion, und Generaloberst v. Pape, der Ober­befehlshaber in den Marken. Auch der greife General der Infanterie z. D. v. Pritzelwitz ist am Samstag Morgen nach längerem Leiden im 80. Lebensjahre zu Potsdam gestorben. Er hat von 1830 bis 1853 dem Kaiser Franz-, von 1853 bis 1857 dem Kaiser Alexander-Grenadier-Regiment an­gehört, war von 1860 bis 1864 Chef der Be­kleidungsangelegenheiten im Kriegsministerium, machte den Feldzug 1866 als Kommandeur des 3. Garde- Grenadier-Regiments Königin Elisabeth, den fran­zösischen Feldzug als Kommandeur der 2. Infanterie- Division mit, wurde bald nach dem Feldzug Kom­mandeur der 28. Division, war von 1875 bis 1880 Gouverneur von Mainz und trat am 3. Februar 1880 als General der Infanterie in den Ruhestand, in dem er wenige Monate daraus sein fünfzigjähriges Dienstjubiläum feierte.

Kisfinge«, 29. März. Fürst Bismarck wurde heute zu vierwöchigem Aufenthalte hier angemeldet.

Darmstadt, 30. März. Das Regierungsblatt für Hessen veröffentlicht einen Erlaß, in welchem der Großherzog Ernst Ludwig seinen Dank für die zahl­reichen Beileidskundgebungen ausspricht, die ihm nicht nur aus Hessen, sondern ans ganz Deutsch­land, ja aus fernen Weltteilen zugegangen waren. Tiefbewegt sagt der junge Herrscher Allen, welche in diesen Tagen schwerer Heimsuchung Anteil an dem Geschick des Herrscherhauses genommen hatten, innigsten Dank:Ich bitte Gott, daß es mir be- schieden sein möge, mein geliebtes Volk auf den, unter meines Vaters Regierung innegehaltenen Wegen in stetiger und gesegneter Entwickelung weiter zu führen." Nach derFrankf. Zig." äußerte der Großherzog gelegentlich des Empfanges einer Ab­ordnung inbezug auf den preußischen Schulgesetz­entwurf, daß die Bestrebungen der Schule darauf gerichtet fein müßten, das die Konfession und Stände von einander Trennende soviel als möglich zu be- seittgen oder wenigstens zu mildern, vor Allem aber

führten. Mathilde sah in ihrem Gatten fast ein höheres Wesen, sie konnte es ihm nie vergessen, daß er sie dem herbsten Geschick, welches einem weib­lichen Wesen werden kann, entrissen hatte, und auch ihrem Töchterchen ein treuer Vater geworden war! Leid.r starb der edle Mensch nur zu früh. Als Mathilde ihm bald darauf in's Jenseits folgte, nahm Fräulein Werner das verwaiste Töchterchen derselben zu sich Sie hat das liebliche Kind auf das Treff­lichste erzogen, in treuer Pietät vor den verstorbenen Eltern. Wie Sie wissen, hat Fräulein Wilhelmines Pflegetochter dann den Besitzer der Bärenapotheke, Trautenjahn, geheiratet. Noch bis zur Stunde hat Martha Trautenjahn keine Ahnung davon, in welchem Verhältnis sie thatsächlich zu dem Gatten ihrer Mutter gestanden, in dem sie immer den leiblichen Vater geliebt hatte"

Es war still geworden in dem Salon des Richters, für Minuten still. Endlich jedoch legte Herr von Wahlburg jun. die Hand auf den Arm des Fabrikanten:Und hat sich mein Vater damals gar nicht weiter um die Arme, von ihm Jrrege- eitete gekümmert? Folgte er nicht ihren weiteren Schritten, dem ferneren Schicksal der Unglücklichen?"

Nein, Herr Baron! An dem Morgen, an welchem Ihr Herr Vater von der Flucht Mathildens erfahren, rief er mich wieder zu sich:Das Mädel wußte das Rechte zu beschließen," sagte er mir,es ist auf und davon. Hat mir da freilich einen chmählich geharnischten Brief hinterlaffen, und ich glaube, dieser Mathilde Naumann gegenüber darf >4 s nicht wagen, Geldunterstützungen und dergleichen anzubieten. Aufrichtig gestanden," setzte er dann binju,tijut mir die dumme Geschichte eigentlich eid wünschte, daß ich Mathilde nie gesehen hätte. Aber geschehene Dinge sind nun doch einmal nicht