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Wöchenüiche BeUagen: Kreis-Blatt für -ie Kreise Marburg und Mrchhain.
$rU 9 Redaktion 9und Expedition^ Markt ^1. - Illustriertes SonntaOblatt. Redaktion und Expedition: Mark 21." in Marburg.
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Ericheinl täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Quartal-Abonnements-Preis bei der Expedition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. (ejfl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
Marburg,
Mittwoch, 30. März 1892.
Anzeigen nimmt entgegen die Erpedition dieses Blattes, !0wie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Masse in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L. Daube u. Co. in Frankfutt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
XXVII. Jahrgang.
Ein Wort zur Zeit.
Es wird jetzt int Rate der Familien darüber verhandelt »nd definitiv beschlossen, was die heran- gcwachscnen Söhne nach dem Verlassen der Schulbank werden sollen, wo sie für den Lebensberu ausgebildet werden sollen. Wenn cs die erste und größte Hauptsache ist, daß die jungen Leute zu solchen Männern herangcbildet werden, die etwas Tüchtiges verstehen, so ist darüber auch nicht zu vergessen, gerade heute am allerwenigsten, daß mit der Ausbildung der Handfertigkeit auch die Ausbildung von Geist und Charakter Hand in Hand gehen soll. Nicht nur tüchtige Arbeiter sollen herangezogen werden, sondern auch tüchtige Menschen. Die Eltern haben allen Anlaß, diesem Punkte die genauste Aufmerksamkeit zuzuwendcn, wenn sie sich selbst nicht für ihre alten Tage viel Kummer und Sorge .bereiten, ihre Kinder, auf welche sie so hohe Hoffnungen gesetzt, unglücklich sehen wollen. Es sind nur er't wenige Monate in diesem Jahre ins Land gegangen, aber sie haben erneute Beweise dafür, daß die Roheit eine weit verbreitete ansteckende Krankheit ist, in nur zu großer Zahl gebracht. Das gilt nicht blos von den großen Städten, wo ja bei den bekannten Straßenkrawallen gerade junge Burschen sich hervorgethan haben, es gilt für alle Gemeinden im deutschen Reiche gleichmäßig. Die Verführung unerfahrener jugendlicher Gemüter ist leicht, sehr leicht; noch leichter ist das Fortgleiten auf abschüssiger Bahn, wenn dieselbe erst einmal betreten ist. lind es fehlt ja nirgends an nichtsnutzigen Patronen, welche noch für jeden Mangel an Charakter, für jedes Laster eine Entschuldigung oder Erklärung haben und jungen Leuten den Kopf gänzlich verdrehen, jeden vernünftigen Gedanken töten, der etwa darin noch vorhanden ist. Alle die wirklich etwas wissen und wirklich etwas können, haben von solchen ihren schweren Aerger, die menschliche Gesellschaft hat ihre Last von jugendlichen Miffethätern, das Vaterland von solchen fragwürdigen Söhnen nur geringen Nutzen. Aber größeren, viel größeren Schaden, als Arbeitgeber, Arbeitskollegen, Gesellschaft und Vaterland haben diese Personen selbst, die ein vcrkomnlencs und freudloses Leben führen, den Ihrigen nur Grant und Sorge bereiten. Diese Individuen giebt es nicht in einem Stande, cs giebt sie in allen; das Leben bietet dafür die zahlreichsten Beispiele. Roheit des Charakters kann sich sehr verschieden äußern, aber die Folgeu werden doch stets die gleichen unheilvollen sein. Jeder, der junge Leute in einem
sNachdruck oetboten.]
In -er Bären-Apotheke.
Original-Roman von Marie Widdern.
(Fousctzna..)
Seine bestrickende Persönlichkeit, sein gewandtes weltmännisches Benehmen, und besonders die Beteuerungen ewiger Liebe bezauberten die einfache Kleinstädterin so vollständig, daß sie keinen anderen Willen kannte, als den seinen, niemandem sonst glaubte, als ihm. Wie er sie zum erstenmale auf» sorderte, ihn in dem nahen Wäldchen zum trauten Stelldichein zu erwarten, hatte sie wohl errötend gemeint: „Das schicke sich nicht, und was würde Tante Minchcn sagen?" Bald aber wagte sie keinen Eittwand mehr. Gleich einem Gott stand der stattliche, hochgeborene Offizier vor ihrer Seele, wie ein Wesen ganz anderer Art als die Männer, welche sie bis jetzt kennen gelernt hatte Natürlich rechnete sie zu diesen auch den Gerichtsaktuar, und sie konnte es nicht begreifen, wie sie noch vor so kurzer Zeit Gefallen an der Unterhaltung desselben finden konnte.
lieber alledem verging die Zeit Die Angelegenheiten Ihres Herrn Vaters waren geordnet, und eines Morgens befahl er mir, seine Sachen zu packen, denn bei Anbruch der Nacht würden wir mit Extrapost die Stadt verlaffen.
„Vorerst freilich, um einen kleinen Abstecher nach G. zu machen," sagte der Baron gleichgilkig „Mir gilt es, die ererbten Liegenschaften kennen zu lernen "
Natürlich besorgte ich alles, wie mein Herr es mir besohlen. Wir verließen auch richtig am Spätabend das Städtchen, zu meiner inneren Ge- nugthuung übrigens, dachte ich doch, daß nun die
Handwerk, Gewerbe oder sonst einer Verrichtung zu erziehen hat, der weiß, was ein tüchttger Arbeiter nicht blos, sondern was auch ein tüchttger Mensch wert ist, und wird gern die Hand bieten, durch straffe, aber gerechte Zucht seinen Zögling zu einem soliden Menschen zu machen, dem man Vertrauen schenken kann, der sich und puderen nützt. Aber die Eltern, die es ja oft genug nur zu gut mit ihren Kindern meinen und bereit wahres Bestes verkennen, oder aber die von vornherein auf großen Gcld- vcrdienst scheu, sind hier oft schwere Hindernisse und schaden ihren Kindern mehr, als sie ihnen nützen. Gerade die Jahre nach der Schule sind gefährlich für Tausende, weil sie sich selbständig wähnen und meinen, allein schon das Beste zu wissen, während sic doch gar nichts wissen und erst recht der leitenden Hand durch den Irrgarten des Lebens bedürfen. Ein gutes Fundament, welches in diesen Jahren gelegt wird, nützt für das ganze Leben, wer in diesen Jahren znm Fleiß, zur Wahrheit und zur Einfachheit angehalten wird, empfängt damit ein Kapital fürs ganze Leben, dessen Zinsen nicht ausbleiben.
Deutsches Reich.
W. Berlin, 29. März. Am »Montag Morgen unternahmen die kaiserlichen M a j e st ä t e n eine gemeinsame Spazierfahrt. Auf der Rückkehr hörte der Kaiser einen Vortrag des Staatssekretärs Frhrn. o. Marschall. Im Schlosse arbeitete der Kaiser mit dem Chef des Zivilkabinetts, dem Staatssekretär des Reichsmarineamtes, dem Chef des Marinekabinetts und dem Ministerpräsidenten Grafen Eulenburg. — Dem Vernehmen nach werden am Mittwoch die am Berliner Hofe akkredierten Botschafter bei dem Kaiser im dortigen Schlosse zu einem gemeinsamen Diner vereint sein. — Der Kaiser hat den neuen Großherzog von Hessen znm Obersten ä la suite des 1. Garderegiments z. F. ernannt. — Wie den „Hamb. Nachr." aus Christtania geschrieben wird, soll es bestimmt sein, daß Kaiser Wilhelm gegen den 9. Juli an Bord der „Hohenzollcru" im Hafen Bodö in Nordland eintreffen wird, um von dort nach der Walfängerstatiou der Herren Giäver in Skaarö aözureiscn. Hier steigt der Monarch an Bord eines der Fangschiffe, um auf den Walfang zu gehen. — Der Präsident des preußischen Staatsministeriums erschien am Montag in seinem neuen Amte zum erstenmale int Berliner Abgcordnetenhause. Daß Graf Eulenburg vor der Tagesordnung
Liebelei mit Mathilde Naumann ihr Ende erreicht hätte. Aber wie betroffen fühlte ich mich, als die Extrapost kurz hinter der Stadt vor einem Häuschen hielt, das von einer alten Wäscherin bewohnt wurde Gleich daraus öffnete sich auch die Thür desselben Fräulein Mathilde trat heraus Eine Reisetasche in der Hand eilte sie auf unseren Wagen zu. Der Baron war aus der Postchaise gesprungen und ihr entgegengeeilt: „Mein Lieb, mein süßes Sieb, lüfterte er zärtlich, seinen Arm um den Leib des »Mädchens schlingend. „So hat Dein Herz doch b:n rechten Weg gefunden?"
Sie weinte: „O, Gott, aber es wurde mir ja o schwer, die Tante ohne Abschied zu verlaffen," erwiderte sie, „ich mußte immerfort daran denken, daß Du sie vielleicht doch das häßliche Mißtrauen gegen vornehme Herren vergessen gemacht haben würdest, wenn Du ihr gesagt hätten: Du wollest mich zu Deinem Weibe machen"
„•Rein, nein, Kind," flüsterte der Baron, „Fräulein Minchen haßt meinen Stand und meine Geburt viel zu sehr, um —"
Weiter verstand ich nichts. Das Paar bestieg jetzt den Wagen und fort ging cs nun — in die weite — weite Welt hinein.
Ich saß auf dem Bock neben dem Postillon Der war ein srischgemuter, junger Mensch. Da er 'chon viel gesehen, konnte er auch ganz interessant rzählen. Aber ich hatte keine Lust, ihn anzuhören. Mir war die Brust wie zugeschnürt. J v mußte immerfort an das arme bethörtc Geschöpf denken, das hinter mir im Wagen saß und ahnungslos feinem Verderben entgegenfuhr Was hätte ich im Augenblick nicht darum gegeben, die unschuldige Taube den Krallen des Habichts zu entreißen. Aber daran war ja gar nicht zu denken.
das Wort nehmen würde, war vorher bekannt geworden und infolge dessen die Tribünen dicht gefüllt. Der Ministerpräsident war bereits vor Beginn der Sitzung an seinem Platz, auf demselben Sessel, den vordem Fürst Bismarck und später Graf Caprivi eingenommen. Graf Eulenburg wurde von zahlreichen Abgeordneten aller Parteien begrüßt, es gab ein fortwährendes Händeschütteln. Der Graf ist als Oberpräsident nur wenig gealtert, seine Stimme klingt noch eben so hell und klar wie im Jahre 1881, und in seinen Bewegungen zeigt er noch die frühere Elastizität und Frische. — In parlamentarischen Kreisen trat am Montag mit großer Be- stimmtheit die Nachricht auf, daß noch weitere Veränderungen innerhalb des preußischen Staatsministeriums bevorstehen. Wie gemeldet wird, tritt Herr v. Bötticher von seinen Aemtern als Vizepräsident des Staatsministerinms und Staatssekretär des Reichsamts des Innern zurück, um das Obcrpräsidium der Provinz Hessen-Nassau zu übernehmen. Für die Stellung des Vizepräsidenten des Staatsministerinms soll Finanzminister Miquel designiert sein, welcher am Sonntag vom Kaiser empfangen wurde. Weiter heißt es, daß der Land- wirtschaftsminister v. Heyden zurücktreten und daß der Ministerpräsident das landwirtschaftliche Portefeuille übernehmen werden Herr v. Heyden, der ans der konfervattven Landlagsfraktion hervorgegangeu ist, stand von allen Mitgliedern des Ministeriums dem Grafen Zedlitz am nächsten. — Die Rcichstags- kommission für die Beratung des Gesetzentwurfs betr. die Bestrafung des Sklavenhandels hat am Montag ihre Arbeiten wieder aufgenommen und den Gesetzentwurf genehmigt. Dem preußischen Abge- ordnetenhausc ist die schon angekündigte Sekundärbahnvorlage zugegangen. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht verschiedene kleinere Verordnungen des Bundesrats. — Die Abiturienten der preußischen Gymnasien wenden sich, wie eine von Professor Dr. Gemß in der „Deutschen Schul-Post" veröffentlichte Zusammenstellung ergiebt, in den letzten Jahren immer häufiger Berufsarten zu, welche nicht den Besuch einer Hochschule erfordern. Der Prozentsatz der Nichtstudierenden unter den Abiturienten stellte sich 1884/85 auf 13 Proz., 1888-89 auf 21 Proz. und 1890/91 auf 27 Prozent. Trotz des Wachsens der Bevölkerung ist eine Verringerung der Studierenden und eine Zunahme der Nichl- tudierenden zu beobachten, und zwar ist die Zahl der Letzteren gegen 1885 um das Doppelte gestiegen. — Ein dem Fürsten Bismarck zugeschriebener Arttkel
Wir waren die ganze Nacht unterwegs. Nur das Gespann hatten wir wiederholt gewechselt Vielleicht um neun Uhr des nächsten Morgens erreichten wir endlich aber doch die ländliche Besitzung, die der Baron gcerlt hatte. Es war ein sehr ein» ames Stückchen Erde, auf dem wir alsbald Rast machen sollten Ein altes, halbverfallenes Schloß ag vor uns Es schien ganz dazu angethan, dem ündigen.Spiel zum Schauplatz zu dienen, das der Baron sich ausgedacht hatte. Als unser Wagen vor dem ruinenhasten Portal dieses epheuumrankten Nestes hielt, trat plötzlich eine ältere, aufgeputzte Dame auf die Freitreppe und streckte den 'ankommenden Herrschaften die Hände entgegen
Ich wollte meinen Augen nicht trauen. Dann aber hatte ich das Gefühl, als sollte ich mich auf ne herausstaffierte Person werfen, um sie davon ab» tchalten, durch ihre Berührung das junge, unschuldige Mädchen zu entweihen, Herr von Wahlburg, denn dieses Weib gehörte in — Aber weshalb Ihnen erklären, was Sie erraten werden, wenn ich Ihnen sage: Madame Jeanette Frederici hielt ängere Zeit hindurch ihre eleganten Salons in der Residenz für die vornehme Herrenwelt.
Da ihre Salons jedoch polizeilich aufgehoben waren, des gewerbsniäßigcn Spiels wegen, welches darin betrieben war, hatte sie auch Zeit, sofort zu erscheinen, als der Baron sie nach diesem weltabgeschiedenen Winkel rief Zum erstenmal wurde :tn raffinierten Weibe nun ein reines sittiges - Rädchen anvertraut. Ihr Herr Vater hatte die mchlerische Alte, der die Manieren der vollendeten Weltdame eigen, Mathilden als feine Tante vor- jestellt. „Er sei gezwungen gewesen," so sagte er Minn in dem Tone der Wahrheit zu Madame Frederici, „er sei gezwungen gewesen, die liebe
der „Hamburger Nachr." spricht sich über den neuen Ministerpräsidenten Grafen Eulenburg wie folgt ans: „Nach den Antecedentten des Grafen Eulenburg ist zu vermuten, daß er den Liberalen näher steht, als Graf Caprivi. Bei den hervorragendsten Vorkommnissen seines früheren Ministeriums hat er sich auf der liberalen Seite des Konseils, wenn man sic so nennen kann, befunden. Er hat nach dem Nobiling- schen Attentate gegen die Auflösung des Reichstages sentiert, über welche Frage damals im Ministerrate seitens des Kronprinzen als Stellvertreter seines verhinderten Vaters die Entscheidung getroffen wurde. Im zweiten Falle, der das Ausscheiden des Grafen zur Folge hatte, war sein Standpunkt auch der liberalere. Der Ministerpräsident (Fürst Bismarck) hatte an dem Königlichen Rechte der Beaufsichtigung der Landräte und Gemeinden festgchalten, Graf Eulenburg sie gewählten Vertretern übertragen wollen. Wir lassen die Richttgkeit der einen ober anderen Ansicht hier unerörtert, jedenfalls geht daraus hervor, daß der Konservatismus des Grafen Eulenburg nicht bis zu der Linie reicht, die damals Fürst Bismarck vertreten hat, und man kann von dem neuen Ministerpräsidenten wie früher einen moderierenden Einfluß auf den Konservatismus erwarten." —In der deutsch-ostafrikanischen Schutztruppe vollzieht sich gegenwärtig eine Wandlung, welche ihr einen anderen Charakter giebt. Sic verwandelt sich allmählich aus einer militärischen Macht in eine Polizeitruppe, wie sie in den englischen Kolonien vorhanden sind. Daß sie dabei nicht von kriegerischen Zügen frei bleiben wird, beweisen die Erfahrungen in den britischen Kolonien, namentlich in neuerer Zeit.
Aschum, 28. März. Wie in der letzten Stadtverordnetensitzung mitgeteilt worden ist, bringen diejenigen Steuerklassen, welche früher als Einkommensteuer bezeichnet wurden, nach der neuen Veranlagung 179110 Mk. gegen 88146 Mk. oder 103,5 Proz. mehr ein. Die Leistungen der früheren Klassensteuerpflichtigen sind von 75133 Mk. auf 109 257 oder um 45 Proz. gestiegen.
AordHauseu, 27. März. Die Gesanttziffcr der Staatssteuer nach der Selbsteinschätzung beträgt hier 241000 Mk. gegen 212 000 Mk. im Vorjahr. Die Mehreinnahme in der Kommunalsteuer (jetzt 200 Prvz.) werden durch die neue Einschätzung immerhin so bedeutend, daß eine Herabsetzung des Kommunalzuschlags um 25 Proz. stattfindet. Von den 15 Millionären unserer Stadt hat der höchste sein Jahreseinkommen auf 160 000 Mk. eingeschätzt.
Kleine heimlicher Weise ihrem gewohnten Kreise zu entziehen, da die Pflegemutter Mathildens jeden höher gestellten Mann verabscheue" Mit rührender Zärtlichkeit nahm die Pseudotante auch das holder- rotenbe Kind an ihr Herz und meine Augen zählten die Judasküsse, welche sie auf die reine Stirn Mathildens drückte. Ich hätte aufschreien mögen und doch wagte der arme Offiziersbursche kein warnendes Wort, hatte ihn doch ein drohender Blick seines Herrn getroffen. Nachher ließ mich der Baron noch zum Ueberfluß nach seinem Zimmer kommen Dort verpflichtete er mich zu strengster Discretton. Schweigen und wieder schweigen über alles, was ich ah und hörte, sollte von nun an meine Parole sein.
Und ich schwieg auch Schwieg, als ich vernahm, in welcher überlegenen Weise Jeanette Frederici die Begriffe Mathildens von Sitte und Unsitte zu verwirren suchte, wie sie das fromme Kind feinem Gott untreu machen wollte und es zu lehren begann, die Satzungen seiner Kirche als eitel Menschenwerk zu verachten.
Ich schwieg auch noch länger. Dann aber begann bas Gewissen allgewaltig in mir zu werben — strenger als jebe Disziplin gebot es mir, ber Sünde entgegenzuarbeiten. Und als ich vernahm, wie Mathilde trotz aller auf sie verwandten Irrlehren, immer wieder von ihrer in naher Aussicht tehenden Vermählung mit dem Baron sprach, be- chloß ich, dem bedauernswerten jungen Wesen reinen Wein etnzuschenken. Nur wenige Tage trennten mich noch von der Stunde, in der mein Herr mit mir die Rückreise antreten wollte — Mathilde in »er Gesellschaft Madame Fredericis zurücklassend, ch hatte also keine Zeit zu verlieren und verlor ie auch nicht.
(Fortsetzung folgt.)