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trat, ab, und bleibt nur als Dtinister des Auswärtigen Mitglied der preußischen Regierung. Als Reichskanzler behält Graf Caprivi infolge wieder
Anzeigen nimmt entgegen die Erpedition dieses Blattes, wwte die Aunonccn-Bureaux von Haasenstein n. Vogler m ,
Frankfurt a. M., Casiel, Magdeburg und Wien; Rudolf UYU. 5cfll)r(UItt(I Moste in Franffurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L. v 7 3 8
Daube n. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
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SSebafttcn 8unb E^vedition Markt Illustriertes Sonntagsblatt. Berantworllicher^Redakteur: Ch^ristoph Rautenhaus in Marburg.
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Die Berliner Ministerkrisis
ist prinzipiell zu Ende: Der Reichskanzler Graf Caprivi giebt seinen Posten als preußischer Ministerpräsident, in welcher Eigenschaft er mit aller Energie für das jetzt bei Seite gestellte Volksschulgesetz ein-
jNachdeuck Deiboler ]
In der Bären-Apothrkk. eriginal-Soman von Marie Widdern.
M- (Fortsetzung.)
Es war das eine Heidenarbeit, der wir uns unterzogen, eine um so gewaltigere, als es unzählige Familien gab, deren Wappen bis auf geringfügige Abweichungen zum Verwechseln demjenigen glichen, dessen Besitzer ich namhaft gemacht wünschte.
Endlich — endlich sahen wir uns aber doch »m Ziel. In der Abteilung für österreichische Adelsgeschlechter fanden wir s.t-ließlich wirklich noch Mnz zuletzt auch das Abzeichen, mit welchem das Etui geschmückt Schon rieb ich mir freudig die Hände, als Thomas plötzlich mit den Füßen stampfte: »Unseliger ZuM," brummte er Und die Hand °uf das Buch fallen lassend, setze er hinzu: „So »eh doch, das Wappen haben wir freilich, aber die Stelle Änter demselben, dort wo der Name derer gestanden, tolche es zu führen berechtigt sind, ist abgerissen "
Mir stieg das Blut vor Zorn über diesen neuen Fehlschlags in die S. läsen Da aber klärte sich die Wolke auf der Stirn meines alten Freundes doch wieder auf. @r legte mir die Rechte auf die Schulter tob sagte beschwichtigend: „Doch darum nicht den Mut finken lassen, mein Im ge Ich weiß ja jetzt wenigstens, daß die betreffende Adelsfamilie österreichischen Ursprungs ist. Ein glückliches Ungefähr wer fügt es, daß ich gerade unter allerlei Antiqui- toen neulich, auch ein uraltes Werk über österreichische Adelsfamilien angekauft. Hoffentlich führt tos das zum Ziel. Sollte ich mich aber auch in Mer Vermutung irren, so haben wir ja hier in «st Residenz noch Institute, in denen Tu das Gewünschte erfahren kannst."
holten Ersuchens des Kaisers sein Amt. Der Kultusminister Graf Zedlitz-Trützschler tritt definitiv zurück. Unterrichtete Kreise glauben allerdings nicht, daß die Trennung zwischen den Posten des Reichskanzlers und des preußischen Ministerpräsidenten, die auch unter dem Fürsten Bismarck zwar stattfand, aber doch nur kurze Zeit währte, sich lange aufrecht erhalten lassen wird. Möglicherweise übernimmt Gra: Caprivi in Jahresfrist wieder beide Posten, oder es kommt auch anders. Als künftiger preußischer Ministerpräsident wird am meisten jetzt Herr von Bötticher, der zeitige Vizepräsident genannt, während Dr. Miquel Vizepräsident werden würde. Als künftiger Kultusminister gilt der Staatssekretär im Reichs - Justizamt Dr. Bosse. Eine bedeutende Wendung in der inneren Politik ist trotz des Fortfalles des Schulgesetzes nicht zu erwarten.
Es ist nicht ohne Interesse, die Liste der Kandidaten zu mustern, welche — in den Blättern — als Aspiranten für die erledigten Ministerportefeuilles bereits genannt wurden. Für das Kultusministerium wurden genannt: Graf Botho zu Eulenburg, Ober- präsident von Hessen-Nassau; v. Bennigsen, Oberpräsident von Hannover; v. Nasse, Oberpräsident der Rheinprovinz; und v. Puttkamer, Obcrpräsidcnt von Pommern; ferner aus anderen hohen Aeiutern: Wirklicher Geheimer Rat Dr. v. Lucanus, Chef des Zivilkabiuetts; v. Weyrauch, Untcrstaatssekretär im Kultusministerium; Dr. Kügler, Ministerialdirektor; Bosse, Staatssekretär des Reichs - Jnstizamtes; Hcrrfurth, Minister des Innern, und Graf Hatzfcldt, Botschafter in London; ferner von Parlamentariern: Frhr. v. Manteuffel und Herr v. Rauchhaupt. Noch nicht ganz so zahlreich sind die für den Posten des Reichskanzlers resp. des Ministerpräsidenten genannten Namen; hierfür sind zu verzeichnen: von Bennigsen und Graf Hatzfeldt, die schon oben genannt wurden; ferner der kommandierende General des Gardekorps Freiherr v. Mecrscheidt - Hüllessem und der des 9. Armeekorps Graf Waldersee, der Kommandant, des kaiserlichen Hauptquartiers General- lnttnant v. Wittich, ferner Fürst Radolin und Fürst Stolberg, endlich der Herr Finanzminister Dr. Miquel. An» der Zahl und Vielgestaltigkeit dieser Namen ist ivohl am besten aus die Unsicherheit der in den Blättern mit denselben in Zusammenhang gebrachten Kombinationen zu schließen.
Auch den zweiten Folianten schleppte der alte Mann herbei. Wieder ging es nun an das Luchen. Es war fast die gleiche, mühevolle Arbeit. Diesmal al er führte sie jedoch wirklich zum Ziel
„Sie erfuhren den Namen der Fremden? ' unterbrach Johannes Gröll in atemloser Spannung den Redefluß des Detektivs.
„Ich erfuhr den Namen!" erwiderte der Riese mit seinem behäbigsten Lächeln.
„So nennen Sie ihn uns doch!" rief jetzt auch Madame.
Dennoch zögerte der Detektiv mit seiner Antwort. „Sie werden sehr überrascht fein, meine Herrschaften" — meinte er bann, „vielleicht noch erstaunter, betroffener, als ich selbst es war, trotzdem auch ich von meinem Stuhl in die Höhe fuhr und aufgeregt rief —"
»Was riefen Sie?" fragte das Gröll'sche Ehe- taar wie aus einem Munde.
»Nun, einmal muß es ja doch gesagt fein erwiderte Werthstein. Dann legte er feine Hand auf den Arm des Fabrikanten und sagte langsam:
»Der Name, welcher auf dem Wappen» stand das identisch mit dem war, welches das Kammetui der fremden Dame zeigte, lautete — von Wahlburg !*
»Von Wahlburg!" schrie Frau Gröll. Der Fabrikant aber wiederholte nur mit zitternden Lippen den Namen des Mannes, welchem er einst gedient.
Einige Minuten herrschte nun peinigendes Schweigen in dem luxuriösen Gemach. Dann atmete Herr Johannes tief auf, und zu dem Detektiv hin- ehend, sagte er: „Fahren Sie in Ihrem Bericht ort, Herr. Nun Sie den Namen der Dame wußten, mit der Hans auf dem S—er Bahnhof promenierte, was thaten Sie da?"
Deutsches Reich.
\V. Aerkiu. 23. März. Der Kaiser gedenkt, wie verlautet, bei dem gegenwärtigen schönen Frühlingswetter noch einige Tage zu seiner Erholung au : Jagdschloß Hubertusstock zu verbleiben. Auch während seines Aufenthalts daselbst erledigt Se. Majestät in gewohnter Weise die laufenden Regierungsangelegen- hciteu. — Die Kaiserin empfing am Dienstag Vormittag den Besuch des Prinzen Heinrich nach dessen Rückkehr von Jagdschloß Hubertusstock. Später wohnte die Kaiserin der Grundsteinlegung zur Heilandskirche in Moabit bei Berlin bei. Am Nachmittage war die kaiserliche Familie zur Tafel im Schlosse vereint. — Zu den Resultaten der neuen Steuereinschätzung bringt der preußische Staatsanzeiger folgende Mitteilung: Bei dem allgemeinen Interesse, welches den Ergebnissen der neuen Einkommensteuerveranlagung entgegengebracht wird, sind wir in den Stand gesetzt, die vorläufige Mitteilung zu machen, daß nach den erst in den letzten Tagen eingegangenen vorläufigen Anzeigen das Gesamtergebnis der Veranlagung sich voraussichtlich günstiger gestalten wird, als im Finanzministerium bisher angenommen werden konnte. Die preußische Staatsbahnvcrwaltung soll nunmehr ihre Geneigtheit ausgesprochen haben, ev. im nächsten Jahre die Einheitszeit im äußern Dienste einzuführen. — Durch den neuen preußischen Eisenbahn e t a t sind eine große Anzahl. neuer Stellen für fast alle Beamtenzweige vorgesehen. Den Hoffnungen der Beteiligten ist aber schnell ein Dämpfer aufgesetzt. Der Eisenbahnminister hat die Direktionen zur Erwägung aufgefordert, ob nicht angesichts des allgemeinen Verkehrsrückgangs ein Teil der Stellen unbesetzt bleiben könne. — Der frühere Kultusminister p. Goßler hatte, der „Schles. Ztg." zufolge, dem Kaiser eine Denkschrift gegen das Zedlitzsche Volksschulgesetz eingereicht. — Im Kaisersaal des Frankfurter Römers und in Schöneberg bei Berlin sind am 22. März Denkinäler Kaiser Wilhelms I. feierlich enthüllt. — Mit der neuesten Post aus Deutsch-Ostafrika find mehrere Nachrichten von wesentlicher Bedeutung eingelaufen. Die erste ist, daß der Vertreter Wißmamis in Ostafrika, de la Fremaire, der zugleich der Vetter desselben ist, aus den deutsch-oftaftikanischen Kolonieen auf Anordnung des Gouverneurs, Frhrn. v. Soden, ausgcwiesen ist. Herr de la Fremaire weilte vorher in Sansibar uud wurde dort wegen mehrfacher Ruhestörungen von den Engländern in eine Strafe von mehreren hundert
Werthstein strich sich mit der breiten Hand über Jen dünnen Scheitel: „Ich nahm sofort von meinem Freunde Abschied und begab mich nach einem nahe- iegenben Restaurant, um mich dort durch den Wohnungsanzeiger darüber zu informieren, ob es außer dem Generalmajor von Wahlburg, dem Vater des an unserem Kreisgericht angestellten Richters, noch eine andere Persönlichkeit in der Hauptstadt gebe, die den gleichen Namen führte. Ich fand aber nur b n Generalmajor außer Dienst Baron Alfred von Wahlburg verzeichnet unb natürlich neben bem Namen bie genaue Abresse Ohne mich auch nur einen Augenblick zu besinnen, machte ich mich nun auf, um jene vornehme Straße zu erreichen, in bet der alte Edelmann wohnt. Es war ein ziemlich weiter Weg, ben ich zurückzulegen hatte. Der Tag war außerdem unerträglich heiß, unb so konnte ich nicht umhin, unterwegs noch einmal eine kleine Erfrischung zu mir zu nehmen Es war ein Restaurant besseren Genres, in bas ich alsbald trat, um mir eine Flasche Selterswasser nebst einem Glase Rotwein geben zu lassen. Weil keine weiteren Gäste in dem Lokal, konnte ich ungestört eine Unterhaltung mit bem Oberkellner anknüpfen Da es bem Mann aber ganz angenehm schien, auch in ber sonst so langweiligen Mußestunde geistig angeregt zu werben, dehnte ich das Gespräch weiter aus. Ich brachte es dann geschickt auf das Thema des residenzlichen Adels unb sprach im sp ziellen auf die Familie Dahlburg."
„Ah, die Wahlburg's!' rief ab.r jetzt der ge- prächige Kellner. „Eine großartige Familie, auf Ehre! Der alte Herr General — Edelmann vom Scheitel bis zur Sohle! — Freilich zur Zeit ist er wohl etwas gebrochen über ben plötzlichen Tod feiner jüngsten Tochter. — Apropos, dieses Fräulein Natalie
Rupien genommen. Er hat dann auf dein Festlande seine „Umtriebe" — so wenigstens schreibt man von dort — fortgesetzt, was den Gouverneur schon im Interesse seiner Stellung veranlassen mußte, ihn auszuweisen. Nach Nachrichten aus Tango ist dort der Reichskommissar Dr. Peters, der sich von seinem Malariaanfall wieder erholt hat, eingetroffeu, nachdem er vorher die Plantage Lewa besucht hatte. In Tanga traf er mit dem Gouverneur Frhrn. von Soden zusammen, der sich auf feinen Bericht hin entschlossen hat, die bei Tanga belegeneu Plantagen zu besuchen. — Im Uebrigen hat sich herausgestellt, daß der Sieg des seither verstorbenen Hauptmanns Krenzler über die Wadigos nicht gerade sehr groß war. — Gegen den Rektor A h l w a r d t har die Schuldeputation in Berlin beschlossen, eine neue Verleumdungsklage einleiten zu lassen. Ahlwardt hat nach seiner Verurteilung in öffentlicher Ver- sanimlung wiedernni die schwersten willkürlichsten Verleumdungen gegen die Schuldeputation, insbesondere gegen den Vorsitzenden derselben, Stadtrat Schreiner, ausgesprochen.
— Der Reichstag wird, wie bekannt, spätestens in der nächsten Woche geschlossen werden. Anders stehen die Dinge im preußischen Landtage. Hat auch der Landtag, da das Volksschulgesetz nicht mehr in Betracht kommt, im Abgeordnetenhause wenigstens die Hauptthätigkeit beendet, so ist es doch ausgc- geschlossen, daß auch die Landtagssessiou vor dem Osterfeste sollte geschlossen werden können. Das Herrenhaus kann unmöglich das ihm selbst, wie das vom Abgeordnetenhause überwiesene gesetzgeberische Material noch vor dem Osterfest erledigen, während eine Reihe von Vorlagen zweiten Ranges, darunter die umfangreichen Entwürfe aus dem Eisenbahn- Ministerium noch durchzuberaten sind. Außerdem soll auch das Finanzministerium noch Vorlagen cinzu- bringen beabsichtigen, welche ohne die eben eingetretene Wendung im Vollsschulgesetz wahrscheinlich vertagt worden wären. — Dem Bundesrate ist noch der Entwurf eines Gesetzes betreffend die Vergütung des Kakaozolles bei der Ausfuhr von Kakaowaaren zugegangen. Dieser Entwurf, sowie eine ganze Anzahl von anderen Vorlagen wird des nahen Sessionschlusses wegen nicht mehr erledigt werden können im Reichstage.
Iiriedrichsruhe, 22. März. Wie ans Genna telegraphisch gemeldet wird, ist der Arzt des Fürsten Bismarck, Prof. Dr. Schweninger, in Nervi eiuge- troffen, wie verlautet, um das Klima uud die Lage des Orts für einen eventuellen Aufenthalt des Fürsten
von Wahlburg hätten Sie kennen sollen: Ich sage Ihnen, eine Schönheit ersten Ranges! So ein Weib — das —'Er küß'e sich bezeichnend die Fingerspitzen.
„Die junge Gnädige war mir durchaus nicht unbekannt," log ich da und log ich noch weiter, als ich hinzusetzte, indem ich mich geheimnisvoll an bas Ohr des Oberkellners neigte: „Hab' aber ganz merkwürdige Dinge munkeln hören — so etwas, als wenn das Fräulein eine Liebschaft gehabt, von der der gestrenge Herr Vater absolut nichts wissen wollte."
„Also Sie hörten auch davon?" erwiderte der Kellner. „Nun, daß ich es Ihnen nur sage: die ganze Stadt ist solchen Gerüchtes voll. Aber Frau Fama erzählt auch noch ganz andere Dinge: wie das Fräulein io jäh aus dem Leben geschieden, nachdem sich die Nachricht überall hin verbreitet, der alte General beabsichtige, sie dem Fürsten Stam- wlow zur Gemahlin zu geben, hieß es allgemein: das schöne Mädchen hätte Gift genommen. Sicheres ierüber erfuhr aber keine Seele Die Familie der Toten wies ja mit Entrüstung jede Verdachtsäußerung zurück Die einzige aber, welche außer den Wahlburg's die Wahrheit einzugestehen vermocht hätte, ich meine die schon etwas angejahrte Zofe der Verstorbenen, ist ihrer Herrschaft so treu ergeben, daß sie schon aus Liebe, aus Pietät für die Heimgegangene schweigt."
„Sie können sich denken," fuhr der Detektiv nach einer kurzen Pause fort, „mit welcher atem- ose» Spannung ich den Worten des Oberkellners gelauscht Nun er schwieg, ging ich schnell mit mir iU Rate, welche Schritte ich nach dieser Mitteilung reiter zu thun habe. Als ich mit mir hierüber ar geworden, beteuerte ich in lebhafter Weise, wie