Wöchentliche Beilagen: Kreis Matt für -ie Kreise Marburg und Kirchhain.
Redaktion ^und Expedition / 'Markt i\. Illustriertes Sonntagsblatt. Rcdallion und ^Expkditio«: Markt 21. J
Jti 61
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Quartal-Abonnements-Preis bei der Expedition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. sexkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
Marburg,
Sonnabend, 12. März 1892.
Anzeigen nimmt entgegen die Erpedirion dieses Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Caffel, Magdeburg und Wien; Rudolf Masse in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. £'. Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
XXVII. Jahrgang.
Staatsanleihe bemerkt der „Rcichsanzeiger", daß der sehr erfreuliche Erfolg erkennen läßt, daß cs sich bei dem Reichtum an flottierendeni Geld
Deutsches Reich.
W. Aerli«, 11. März. Der „Rcichsanz." teilt mit: Se. Majestät der Kaiser und König sind durch eine leichte Erkältung genötigt, das Bett zu hüten, und haben daher am Donnerstag keine Bornäge entgegcngenommen. — Der Bundesrat hielt am Donnerstag seine übliche Plenarsitzung ab. Angenommen wurde ein Gesetzentwurf betr. die Erhöhung der Mittel für die Weltausstellung in Chicago und das neue Checkgesetz. — lieber die Ber- handlungen der preußischen Staatsregiernng mit dem' Herzog von Cumberland wird den Berliner Zeitungen noch folgendes mitgeteilt: Die Verhandlungen wurden vom Bevollmächtigten des Herzogs und der königlichen Staatsregierung geführt. Es ist ein Abschluß derselben erfolgt, der beide Teile befriedigt und von dem man hofft, daß auch der Herzog damit einverstanden sein werde. Die Basis bildet die Aufhebung des Beschlagnahmegesetzes. Danach wird der Welfenfonds aber nicht an den Herzog ausgeliefert, derselbe bleibt vielmehr nach wie vor in der Verwaltung der preußischen Regierung. Dagegen werden die Zinsen des Fonds dem Herzog ansgeliefert. — In seiner Donnerstagssitznng beriet der Landwirtschaftsrat über Maßnahmen gegen Mißbräuche der Spekulationen im Getreidehandel, und nahm verschiedene Anträge an. Darauf wurden die Verhandlungen geschlossen. — Die Budget- k o m m i s s i o n des preußischen Abgeordnetenhauses bewilligte am Donnerstag gegen 5 Stimmen die im Etat geforderte Summe von 300 000 Mk. als erste Rate für den Dombau, nachdem der Kultusminister Graf Zedlitz die Erklärung abgegeben hatte, daß die vom Landtag geforderten 10 Millionen als Beihilfe zu den Kosten angesehen und weitere Anforderungen an den Landtag nicht gemacht werden sollen. — Der Ausschuß der p reußischeu Aerz tekammern ist in dieser Woche in Berlin zusammengetreten, um sich mit dem vom Kultusminister Grafen Zedlitz eingeforderten Gutachten über die von manchen Aerzlekreiscn angestrcbte Erweiterung der Disziplinar- befugnisse der Aerztekammern zu beschäftigen. Mit allen gegen eine Stimme wurde der Beschluß gefaßt, die Erweiterung der Disziplinarbefugnisse als notwendig anzucrkennen. Damit ist indessen noch nicht gesagt, daß die Aerztekamniern nun auch die Einführung von ehrengerichtlichen Institutionen, wie sie für die Rechtsanwälte bestehen, befürworten werden. — Neber die Regelung der 340 Millionen Mark dreiprozentiger Reichs- und preußischer
sNachdruck vei boten ]
In der Bärrn-Apothtke.
Original-Roman von Marie Widdern.
(Foiisetzung.)
Jedes Gerechtigkeitsgefühl war gänzlich aus seiner Brust gewichen. Was er empfand, war nur Empörung, das Verlangen, Rache üben zu dürfen für den doppelten Schmerz, der ibn bis in die Grundfesten des Seins erschütterte Und so, halb um den Verstand gekommen, mit heftigem, nie gekanntem Schmerz im Hirn, war Leopold vor den Verwalter getreten, ehe er das Totenbett des Bruders aufsuchte. Horst Gilden hatte ihm nack- alter Gewohnheit die Hand zum Gruß entgegengestreckt — auf d n Lippen ein Wort aufrichtiger Teilnahme. Aber mit wilder Geberde stieß der Fabrikantensohn die Rechte des Verwalters zurück Gleich darauf schrillte auch durch das Empfangszimmer des stellvertretend, n Chefs bis hinein in die Osfizin der wilde Ruf:
„Bube, der Du das junge Blut in den Tod gejagt hast! '
Horst Gilden war unwillkürlich einen Schritt vor dem Ankläger zurückgetreten, bleich bis in die Stirn hinauf -Seine Lippen öffneten sich wie zu einem Wort der Vertheidigung Aber ihm sch en die Sprache verloren gegangen zu sein. Denn nur wie unverständliches Lallen drang es aus dem Munde des Tiefbeleidigten So stand er da — mit weit offenen Augen: es war, als wenn auch f ine Blicke die unerhörten Beschuldigungen aufnahmen, welche Leopold in rascher Folge dem Entsetzten in das Gesicht schleuderte. Doch als der Halbwahnsinnige es dann auch wagte, den Verwalter an die Brust zu fassen und dabei mit fast
nicht nur um große Beträge handelt, die bei beut Darniederliegen von Handel und Industrie keine Verwendung finden, sondern daß au ihm neben neuen Ersparnissen erkennbar auch solche Geldmassen Anteil haben, die aus der Realisierung zweifelhafter oder solcher ausländischer Zinspapiere herrühren, deren Verzinsung gänzlich oder zmn Teil eingestellt ist.
— In der Volksschulgesetzkommission des Hauses der Abgeordneten wurde am Mittwoch der dritte Abschnitt der Vorlage beraten. Er beginnt mit § 51, welcher lautet: „Die Verwaltung der äußeren Angelegenheiten der Volksschule steht der Gemeinde (Gutsbezirk, Schulverband) zu und erfolgt nach den Vorschriften der Gemeindeverfassungsgesetze, in Schulverbänden, vorbehaltlich der besonderen Bestimmungen dieses Gesetzes, nach den für kommunale nachbarliche Verbände gegebenen Vorschriften." Nachdem in der vorigen Sitzung der Kommission der Prinzipalantrag der fteikonservativen, nationalliberalen und freisinnigen Partei auf Ueber- weisung des ganzen dritten, die Verwaltung der Volksschulaugelegenheiten betreffenden Abschnittes an eine Subkommission abgelehnt worden war, haben die drei Parteien sich über eine Reihe von einzelnen Abänderungsanträgen verständigt. Zunächst beantragen sie, in § 51 hinter dem Worte „erfolgt" einzufügen: „vorbehaltlich der besonderen Bestimmungen dieses Gesetzes" in Gemeinden nach den Vorschriften der Gemeindeverfassungsgesetze u. s. w. Staats-Minister Graf Zedlitz hielt es verfassungsmäßig für zulässig, den Gemeiitdeorganen auch die Verwaltung pon inneren Schulangelegenheiten zu übertragen. Diese Uebertragung könne sich aber nur auf Personen beziehen und jederzeit zurückge- nomiiien werden. Auch die Abgg. Dr. Brüel (Zentr.), Rintelen (Zentr.) und Graf zu Limburg - Stimm (kons.) traten für den Antrag ein, welcher alsdann einstimmig angenommen wurde. Die §§ 52 und 53 (Schnlausschuß, welcher für eine eventuelle Unter- verteilung der Schullasten zu wählen ist) wurden mit geringen, im wesentlichen redaktionellen Abänderungen nach den Vorschlägen der drei Parteien genehmigt. Die §§ 54 bis 58 (Aufsicht über die Verwaltung der äußeren Angelegenheiten der Volksschule wird unter Oberleitung des Unterrichts-Ministers von den Regierungs-Präsidenten und den Landrüten, für den Stadtkreis Berlin von dem Provinzial- Schnlkollegium geübt) passierten ohne wesentliche
erstickter Stimme knirschte: „Und nun komm zu Deinem Opfer, Mörder!" da gewann die Gewalt Horst's nun endlich wieder Leben und Bewegung Von neuem im Stande, über seine Stimme zu gebieten, rief er jetzt, während er mit jähem Ruck die Hände des Angreifers von sich abschüttelte:
„Nun aber genug, junger Mann, oder ich bin gezwungen. Sie auf eine Weise zur Besinnung zu bringen, die Ihnen doch nicht konvenieren würde. Im übrigen aber lassen Sie sich ein für allemal sagen, daß ich mich vollständig sündlos in der betreffenden Angelegenheit fühle. Jeder andere Chef würde noch viel energischer gegen einen Untergebenen vorgegangen fein, der sich erlaubte, nicht blos ohne jede Entschuldigung feinen Urlaub zu überschreiten, sondern heimkehrend auch in einer Weise sich zu benehmen, deren Nonchalance wahrhaft unerhört erschien. Ich
„Lügner, der Sie sind! unterbrach Leopold hier die Rede des Verwalters und von neuem faßte er in das weiße Chemisett Horst Gildens. Wieder aber schüttelte sich dieser die Hand des Mannes ab, den der tiefe Seelenschmerz, vielleicht auch das Unwohlsein, mit dem er heimgekehrl war, jede Körperkraft geraubt zu haben schien Um aber der widerlichen Scene ein Ende zu machen, ohne erst die Hilfe der beiden jungen Leute in Anspruch zu nehmen, die in der Offizin nur seines Rufes harrten, schob Herr Horst jetzt den Fabrikantensohn vollends bei Seite und verließ mit raschen Schritten las Gemach, dessen Thür er von Außen verschloß.
Wohlbedacht ließ er damit dem Rasenden nur >en Ausgang durch den Verkaufsraum der Apotheke, in welchem sich zum Glück gerade jetzt auch die Stimme Herrn Johanne^ Grölls hören liefe. Der
Debatte nach der Regierungsvorlage. § 59 lautet: „Der Regierungspräsident (Provinzial-Schulkollegium in Berlin) kann sich zur Durchführung seiner Anordnungen der einfachen und verstärkten Kreis- (Stadt-) Schulbehörden bedienen, dieselben mit Anweisung versehen, auch ihnen innerhalb ihres Geschäftskreises einzelne Angelegenheiten zur selbständigen Erledigung übertragen. Abs. 2. Gegen die Anordnungen derselben findet, vorbehaltlich der besonderen Bestimmungen dieses Gesetzes, die Beschwerde an den Regierungs-Präsidenten statt." Die drei Parteien beantragten, den Abs. 1 deS § 59 folgendermaßen zu fassen: „Der Regierungs-Präsident (Provinzial- Schulkollegium in Berlin) kann sich außer den Landräten und Schulaufsichtsbeamten zur Durchführung seiner Anordnungen der einfachen und verstärkten Kreis- (Stadt-) Schulbehörde bedienen, dieselben in solchen Angelegenheiten, welche ihnen nicht zur selbständigen Erledigung überwiesen worden sind, mit Anweisung versehen, auch ihnen einzelne zu seinem Geschäftskreise gehörige Angelegenheiten zur selbständigen Erledigung übertragen." Die Konser- vafiveu beantragten dagegen, den Abs. 2 des § 59 zu streichen und folgenden § 59 a einzufügen: „Gegen die Anordnungen der verstärkten Kreis- ^Stadt-) Schulbehörde findet, vorbehaltlich der besonderen Bestimmungen dieses Gesetzes, die Beschwerde an den Regierungs-Präsidenten statt." Abg. Hansen (freifonf.) begründete den ersten Antrag, welcher bezwecke, den Interessen der Gemeinden Schutz zu bieten und letztere vor allzu großer Belastung zu bewahren. Er bat auch um Annahme des Antrages der Konservativen. Staats - Minister Graf Zedlitz erklärte sich mit dem ersten Anträge einverstanden, wenn zugleich der zweite angenommen werde. Darauf wurden beide Anträge angenommen. — Die Kommission vertagte sich darauf bis Freitag Vormittag 10 Uhr.
— (Zeitungsstimmen.) Die „Hamburger Nachrichten" bringen folgenden, dem dürften von Bismarck zugeschriebenen Artikel „zur inneren Lage": „Die Konservativen würden doch gut thun, ihr Verhältnis zum Zentrum etwas schärfer als bisher ins Auge zu fassen. Die an und für sich parlamentarisch schwerwiegende Macht des Zentrums wird int preußischen Abgeordnetenhause zur Majorität, wenn die evangelischen Konservativen in ihrer Gesamtheit dem Zentrum beitreten. Sollte auf diese Weise ein dualistisches Bündnis zwischen Zentrum, Polen und Konservativen zur parlamentarischen Herrschaft gelangen, so würden die Konservativen in
unglückliche Vater war ebenfalls gekommen, uni die Leiche des Selbstmörders zu sehen. Vielleicht auch weil ihn der zerfahrene Blick, mit welchem Leopold das Comptoir verlassen, um nach der Bärenapotheke zu eilen, ängstlich gemacht hatte. Welche Berechtigung diese Furcht gehabt, hatten ihm die Gehilfen in der Officin bestätigt, sobald Herr Johannes Gröll den Verkaufsraum übertreten Noch mehr aber sah er sich in seiner schlimmsten Vermutung bestärkt, als Leopold jetzt mit wildrollenden Augen in die Officin stürzte, aber bei dem Anblick seines Vaters stutzend stehen blieb.
Wie tief elend sich nun auch Herr Gröll sen. gerade an dem Platze fühlte, von dem fein jüngster Sohn direkt in den Tod gegangen, raffte er nun doch feine ganze männliche Kraft zusammen, um durch ein ruhiges, würdevolles Benehmen Leopold daran zu erinnern, daß es dem vernunftbegabten Wesen zukomme, gegen seine elem ntaren Empfindungen anzukämpfen. Bei der tiefen Hochachtung indeß, die Leopold vor seinem einfachen, aber ehrlichen und klar denkenden Vater empfand, erreichte Herr Johannes auch mit wenigen Worten seinen Zweck. Wenigstens beruhigte sich der junge Mann äußerlich und zeigte ein maßvolleres Benehmen. Innerlich beherrschte ihn jedoch nach wie vor der wildeste Schmerz, ein Gefühl, das ihn fast zu ersticken drohte. Und als sich hernach der tiefgebeugte Vater von Güldenhold nach dem Sterbezimmer geleiten ließ, er aber hinter den Beiden die Treppen -inaufstieg, preßte er immer wieder die Hände auf die fieberisch zuckenden Schläfen Dabei krallte sich gleichsam der Gedanke in sein Herz: „Ich muß den Bruder rächen!" Schon jetzt stand es fest in der Seele Leopolds, daß er den Verwalter zum Zweikampf fordern, mit der Waffe in der Hand da
dieser Kombination zweifellos der schwächere Bundesgenosse sein. Das Zentrum ist ihnen an Energie, an Gewandtheit, an Weltstellung, an Hilfsmitteln, vor allem aber an geschlossener Einheit so überlegen, daß in dem weiteren gemeinschaftlichen Kurse beider Fahrzeuge das Zentrumsschiff dasjenige des evangelisch-konservativen Bundesgenossen unbedingt ins Schlepptau nehmen, oder seine Bewegung durch Begünstigung der radikalen Seiten des Parlaments neutralisieren würde. Zu letzteren kann das Zentrum jederzeit nach Belieben abschweuken, wie die bekannten Vorgänge in den achtziger Jahren bei Wahlen wie bei Abstimmungen erwiesen haben. Für die Alt- konservaüven ist diese Möglichkeit absolut ausgeschlossen. Wenn die Tripelallianz des Zentrums, der Polen und Konservativen in sich selbständige Beschlüsse fassen müßte, so wäre kaum mit Sicherheit anzunehmen, daß die Konservativen auf das Ergebnis, d. h. auf das Zentrum, eben so viel Einfluß üben würden, tote die Polen. Mit diesen, den Welfen, Elsässern und Dänen zusammen wird die Macht des Zentrums immer schwerer ins Gewicht fallen, als die der konservativen Partei auf allen denjenigen Gebieten, welche die Basis der letzteren überhaupt bilden. Partei gegen Partei betrachtet ist das Zentrum mit den Bundesgenossen, die es hat und die es haben kann, wenn es will, parlamentarisch mächtiger als die konservative Fraftion. Letztere steht ihm gegenüber in einer Art von Rheinbunds-Verhältnis, wenn man es vom preußischen Standpunkte beurteilt. Die Konservativen können dem Zentrum Gefolgschaft leisten, wie die Rheinbundstaaten Napoleon; sie können dadurch, parteipartikularistisch betrachtet, vorübergehend mächtiger werden, aber nur auf Kosten der Gesamtinteressen Preußens und des Deutschen Reiches. Wenn ein Bund der Altkonservativen mit den Zentrumselementen das Schulgesetz irn preußischen Landtage per majora durchdrückt, so fragen wir uns, welches die weiteren Konsequenzen sein werden, in deren Richtung dieser Sieg der Koalition wahrscheinlich, vielleicht notwendig, verfolgt werden wird. Die Zufriedenheit aller anderen Elemente wird nicht wachsen und man wird sich genötigt sehen, die Unzufriedenheit auf den gemeinsam betretenen Wegen gemeinsam weiter zu bekämpfen, wobei der tertius gaudens immer nur die wirtschaftlich und politisch radikalen Parteien sein würden: die roten und die blauen Republikaner. Man braucht im Hinblicke auf solche Eventualitäten an auswärtige Verwickelungen gar nicht zu denken; schon die heimischen würden schwer genug werden und zu Ergebnissen führen,
Vergeltung üben wollte, wo der Vater seltsamer Weise nicht einmal einen Vorwurf wußte
Wenige Minuten später knieten Vater und Bruder bann, von Güldenhold allein gelassen, an dem Totenlager des Selbstmörders Jetzt verliefe jedoch auch den Fabrikanten die mühsam erzwungene Fassung wieder Er brach in Thränen aus und der Weheruf entrang sich seinen Lippen: „O Gott, hab' ich mich darum so rastlos gemüht und nur an das Wohl meiner Familie gedacht, damit mir int Herbste des Lebens noch diese fürchterliche Erfahrung werde?"
Während sich der Kopf des Unglücklichen dann über den Rand des Bettes neigte, auf dem die Leiche Hans Grölls lag, hatte sich der Oberkörper Leopolds jäh in die Höhe gerichtet. Wie zum Schwur hob er die Rechte, indessen seine Lippen ein Gelübde hauchten. Freilich tauchte in demselben Augenblick, wie Versöhnung heischend, Gertruds liebliches Bild vor dem Rachgierigen auf. Aber mit der ganzen Kraft eines Geistes, der so zu sagen aus allen Fugen gerissen, kämpfte der junge Mann gegen die Versuchung: um Gertruds willen auch dem Verwalter zu verzeihen.
Fast eine Viertelstunde hindurch hatten die beiden Männer — der niedergedrückte Vater und der erkrankende leidenschaftlich trauernde Bruder — an dem Sterbebette gekniet Dann erhob sich der alte Herr zuerst „Wir müssen uns fassen, mein Sohn', sagte er leise und legte die Rechte auf die Schulter seines Aeltesten.
„Noch stellt der Tote Anforderungen an uns, welche erfüllt werden müssen — und das so pietätvoll als möglich. Vor allem aber laß' uns Sorge dafür tragen, daß die letzten Reste des Aermsten nach Hause geschafft werden. Nicht von hier aus