öchentliche BeUagen: Kreis Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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Verantwortlicher Redakteur: Christoph Rauteuhaus in Marburg. Redaktion und Expedition: Markt 21.
Redaktion^und Expedition^ Markt 2L 8 Illustriertes Sonntagsblatt.
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Marburg, Sonntag, 6. März 1892.
Anzeigen nimmt entgegen die Erpedition dieses Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Mosse in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
XXVH. Jahrgang.
Wochenschau.
Was in anderen Staaten schon lange der Fall gewesen, ist nun auch einmal dem deutschen Reiche bcschcert worden: in der Reichshauptstadt ist es zu Straßcnkrawallen und Demonstrationen von angeblich Arbeitslosen gekommen. Wie die Art derselben zum Glück war, erhält aus der Thatsache, daß heute diese Vorfälle in Berlin selbst in der Hauptsache schon wieder vergessen sind. Man soll aber solche Erscheinungen nicht ganz leicht nehmen, am allerwenigsten in unserer heutigen Zeit, wo schon so unendlich viel Zündstoff aufgespcichert ist. Daß in den großen Städten des deutschen Reiches viel Elend infolge der unbesonnenen Einwanderung von Arbeitskräften herrscht, die gar nicht gebraucht werden, ist klar, und daß verzweifelte Leute leicht sich auch zu wirklich ernsten Ausschreitungen hinreißen lassen, ist schon häufig dagewesen. Die Reichsregierung und der Reichstag werden gut thun, darau zu denken, wie sich der Wiederkehr solcher unliebsamen Szenen nicht blos am besten vorbeugen läßt, sondern wie auch das Uebel an der Wurzel zu treffen ist. Darin, daß die in Berlin vergekommenen groben Ausschreitungen ausschließlich dem Straßenpöbel zuzuschreiben sind, von welchem auch ein honnetter Arbeiter nichts wissen will, herrscht erfreulicherweise llebereinstimmung. Es hat auch nur eines wirklich energischen Vorgehens der Beamten der Sicherheitspolizei bedurft, um deni Janhagel die Lust zu weiteren Exzessen zu nehinen. Die Behörden haben die Ruhe bewahrt, welche dem ganzen Trubel angemessen war; für die Kaltblütigkeit des Kaisers spricht es, daß er trotz der Anwesenheit des Janhagels gemächlich seinen Spazierritt unternahm und die zeitweise ihn umgebenden Massen des Mob mit kühlem Blut betrachtete. Wie im Reichsanzeiger mitgeteilt ist, sind dem Herrscher aus diesem Anlaß auch aus Arbeiterkreisen Zuschriften zugegangen. Kleinere Demonstrationen haben auch in anderen deutschen Großstädten stattgefunden, doch ist nirgends irgend welche Ruhestörung vorgekommen. Diese Episode der Straßenkrawalle scheint somit hoffentlich für absehbare Zeit überwunden zu sein.
Im Reichstage sah es in der letzten Woche recht traurig aus. Der Besuch des Parlamentes durch die Herren Volksvertreter war so schwach, daß fast Sitzung für Sitzung wegen Beschlußunfähigkeit abgebrochen werden mußte. Anders waren die Dinge selbst nicht bei dem wichtigen Mariueetat, für welchen der Reichskanzler Graf Caprivi selbst eintrat, bei
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In der Mren-Apotheke.
Original-Roman von Marie Widdern.
(Fortsetzung)
Während er so eifrig beschäftigt war, schlich sich die Alte plötzlich hinter den Ladentisch, und dicht an Horst Gilden herantretend, raunte sie ihm zu:
„Baron Wahlburg ist eben bei Frau Trautenjahn gewesen. Sie ahnen, weshalb — wissen ab.r jedenfalls noch nicht, daß er einen Korb erhalten hat."
Die schwarzen glänzenden Augen des alten Fräuleins blickten mit undefinierbarem Ausdruck in das Gesicht des'Verwalters. Und als sie bemerkte, daß es jäh aufleuchtete in den ernsten Zügen des Mannes, nickte sie mit dem Kopf. Ihre Lippen aber hauchten, für jedes Ohr unverständlich: „So — so wäre es mir recht! So — so wäre es gut "
Der Verwalter hatte inzwischen das Pulver für den kranken Hund gemischt und schüttete es jetzt in eine Schachtel, die er dann, nachdem er sie in ein Papier geschlagen, dem alten Fräulein überreichte. Dabei aber faßte er zugleich die kleine Rechte Tante Minchens und sagte: „Dank — Fräulein — vielen Dank!"
In den tausend Fältchen des gelben Gesichts der Alten zuckte es. Aber kein Wort kam mehr über die blutlosen Lippen. Sie nickte nur noch einmal mit dem Kopf, steckte die Pulverschachtel irt die Tasche und verließ dann in dem gleichen festen Schritte, mit welchem sie die Offizin der Apotheke betreten, diese auch wieder.
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Im Hause des Fabrikbesitzers Groll herrschte die denkbar unbehaglichste Stimmung; infolge der nichi- »rklärlichcn Abreise des jüngsten Sohnes war es zu
welchem aber doch von den Forderungen ein halbes Dutzend Millionen gekürzt wurden. Der Präsident des Reichstages und mit ihm Redner aller Parteien haben diesen schwachen Besuch des Reichsparlamentes lebhaft beklagt, geholfen aber haben diese Klagen bis zur Stunde nicht das Mindeste. Eine Aen- derung in dieser Beziehung erscheint in der That recht dringend gewünscht. Mit Ausnahme des Marineetats widmete sich der Reichtag kleinen Gesetzen und Anträgen; definitiv beschlossen ist wegen des Besuches in zu geringem Umfange wenig. Mau hat bisher gehofft, zu Ostern mit den Sitzungen zu Ende zu kommen, aber wenn es so weiter geht, wie bisher, dann wird daraus nichts, zumal das Arbeitspensum noch immer mehr anwächst. Im preußischen Abgeordnetenhause wurde die Etatsberatung fortgesetzt. Auch dort war es sehr sttll, die Hauptaufmerksamkeit konzenttiert sich noch immer auf das Volksschulgesetz. Es ist in diesen Tagen behauptet, der Kaiser wünsche selbst eine Abänderung der Vorlage im Sinne der zahlreichen Eingaben, aber alle diese Angaben sind durch den „Reichsanzeiger" rundweg für unwahr erklärt worden. Es besteht auch wohl nirgends ein Zweifel, daß der Entwurf im Wesentlichen nach der Regierungsvorlage zum Gesetz erhoben werden wird. Fürst Bismarck hat definitiv erklären lassen, er werde der Beratung des Volksschulgesetzes im Herrenhause, dessen Mitglied er ist, nicht beiwohnen.
Aus unseren Kolonieen sind neue Meldungen von Bedeutung nicht eingegangen. Der Bericht des Reichskommissars Dr. Peters aus dem Kilimandscharo- Gebiet in Ostafrika, er habe dort wertvolle Salpeterlager gefunden, ist durch die erfolgte Untersuchung des eingesandten Materials durch Sachverständige leider nicht bestätigt. Immerhin wird sich ja in den von Dr. Peters verwalteten fruchtbaren Gebieten noch am ehesten etwas machen lassen. Mit dem Major von Wißmann sollen wegen des Transportes seines Dampfers zum Viktoria-See nun bestimmte Abmachungen getroffen sein; in welcher Richtung sich dieselben im Einzelnen bewegen, ist noch nicht bekannt.
Ein Wachsen der Hungersnot wird nicht blos aus Rußland, sondern auch aus verschiedenen ungarischen Bezirken gemeldet, wo cs in der That recht betrübend aussieht. In Budapest beschäftigt man sich bereits eingehend mit dem Notstände, auch Kaiser Franz Joseph will dorthin reisen. In Wien ist die Zahl der Arbeitslosen eine recht große, auch dort werden umfassende Maßnahmen vorbereitet. .Etwas
unruhiger, als bisher, sah es in der letzten Woche auf der Balkanhalbinsel aus, Die Ermordung des bulgarischen Gesandten Vulkowirsch in Konstantinopel, eines sehr gescheiten und tüchtigen Mannes, durch einen russischen Agenten hat recht viel böses Blut gemacht, aber an seinen Folgen gerade das Gegenteil von dem erzielt, was die Bulgarien feindliche Partei erreichen wollte. Viele Personen, die bisher der Regierung des Fürsten Ferdinand Mühl gegenüberstanden, haben dieser sich zugewendet, weil sie der fortwährenden politischen Verbrechen wegen sich schämen, einer Partei anzugehören, der mit Recht solche Verbrechen in die Schuhe geschoben werden. In Griechenland hat der König Georgios einen bisher dort noch nie dagewesenen Staatsstteich vollzogen: er hat das Ministerium Delyannis, welches auf dem besten Wege war, Griechenland dem Staatsbankerott in die Arme zu treiben, Knall und Fall entlassen, obwohl es in der Volksvertretung noch eine feste Mehrheit hatte. Der Versuch, Lärm in Athen anzufangen, ist durch die Energie des dortigen Truppenbefehlshabers entschieden verhindert worden. Ungemütlich sieht es auch in Belgrad aus. Die dortige Regierung hat sich total verrannt, und weiß auch mit ihren eigenen Anhängern nicht mehr aus- zukomnien. Dort wird es wohl nur allzubald einen allgemeinen Zusammenbruch geben. Die Leute in Belgrad haben in der That noch nicht regieren gelernt.
Frankreich hat sein neues Ministerium; fteilich ist es auch darnach. Die Zeitungen in Paris raten herum, wie lange sich der neue Ministerpräsident Loubet ani Ruder wird halten können. Manche Blätter raten auf einige Wochen, andere auf mehrere Monate. Viel zu geben ist auf diese Prophezeiungen nun allerdings nicht, denn cs ist in Paris schon recht häufig ganz anders gekommen, als man dachte und hinter dem bisher unbekannten Loubet kann am Ende ein größerer Staatsmanu stecken, als man denkt. Die Hauptgefahr für das Kabinett liegt darin, daß man den bisherigen, sehr gewandten, sehr klugen und energischen Minister des Innern Constans aus dem hohen Rate entfernte. Dieser eine Mann, der mit seinem Einfluß, der sich von der Unterdrückung des BoulangiSmus herschreibt, selbst dem Präsidenten Carnot unbequem wird, wiegt hundertundfünfzig gewöhnliche Abgeordnete auf. Der Präsident des neuen Kabinetts hat sein Programm vor der Kammer verlesen und es werden darüber sofort umfangreiche Erörterungen erwartet. Neue Dynamitverschwörungen sind in Paris und dann in
einer sehr heftigen Scene zwischen den Gatten gekommen. Während dann aber Madame andauernd auf dem Sopha lag und über die Nervenschmerzen klagte, ging der Fabrikant selbst mit finster gefalteter Stirn umher und vermied jede Gelegenheit zu einem erneuerten „tete ä tete“ mit seiner Gemahlin So waren zehn Tage vergangen, da hatte Herr Johannes Gröll in seinem Komptoir den Besuch des Verwalters der Bärenapotheke empfangen. Horst Gilden fühlte fich verpflichtet, den alten Herren mit dem Umstande b kanut zu machen, daß der Provisor den Urlaub überschritten, welchen er ihm bewilligt hatte — überschritten noch dazu, ohne mit einem schriftlichen Wort diese Rücksichtslosigkeit zu entschuldigen. Wenn Horst aber gehofft hatte, Herr Gröll sen. würde bei dieser Gelegenheit irgend welche Vermutung über den Aufenthalt des Sohnes ausspret en, so war er im Irrtum gewesen.
Johannes Gröll hatte ja auch absolut keine Ahnung davon, wohin sein Jüngster gereist sein könne. Im übrigen überhäufte er den Verwalter aber noch mit den heftigsten Vorwürfen, daß er den jungen leichtsinnigen Menschen überhaupt schon beurlaubt hatte, nachdem derselbe doch sozusagen kaum warm in der Bärenapotheke geworden.
Nun war Horst Gilden im Großen und Ganzen keineswegs der Mann, welcher sich irgend welche Vorschriften machen ließ. Auch dem Fabrikanten gegenüber drängte sich ihm deshalb ein heftiges Wort aus die Zunge. Er unterdrückte es aber wieder, ehe es ihm über die Lippen gekommen Tauchte )od> jäh das süße Gesichtchen der Schwester vor seinem Geistesblicke auf. Die sanften Mädchenaugen schienen ihn flehend an die abhängige Stellung zu erinnern, welche Gertrud gerade im Hause Deffen einnahm, von dem sich Horst soeben energisch jeden
Vorwurf, jede Vorschrift verbitten wollte. Aus Rück sicht für die Schwester that der stolze Mann fich denn auch wirklich so viel Gewalt an, um ohne jedwede Zurechtweisung von Johannes Gröll zu scheiden.
Auf beut Flur, in den der Verwalter nach Vcrlaffen des Koinptoirs getreten, traf er übrigens auch noch mit Gertrud zusammen, die gerade aus den Gemächern Madames kam, um die gewohnte Stunde der Freiheit zu genießen. Das junge Mädchen sah heute merkwürdig unglücklich und gedrückt aus. Die roten Ränder um seine Augen zeugten von vergosicnen Thränen. Als Gertrud des Bruders ansichtig wurde, glitt es jedoch plötzlich wie lichter Sonnenschein über die eben noch so schmerzvollen Züge:
„Horst, lieber Horst, Du hier?" rief sie, indem sie auf den Vertvalter zuflog und ihre Arme zärtlich um seinen Hals schlang. „Oh, wie schön, daß ich Dich getroffen, mein Bruder! Denn nun mußt Du auch noch auf ein halbes Stündchen zu mir eintreten Ich habe gerade Zeit, Horst, und dazu recht das Bedürfnis, mit einem so gemütvollen Menschen, wie Du es bist, zu plaudern. Bei den letzten Worten hatte sie auch bereits die Thür der ärmlichen Behausung geöffnet, welche sie heute schon vor Tagesanbruch aufgeräumt hatte. Indem sie den Verwalter, der bisher nur einen „guten Morgen" für sie gehabt, dann nach dem alten Kanapee im Wohnzimmer führte, fitzte sie noch hinzu: „Da laß Dich nieder, Bruder! Hernach jedoch sage mir, womit ich mir die Falten auf Deiner Stirn erklären soll, und was Dir den Ausdruck des Zornes um Deinen Mund gelegt?"
Horst atmete tief auf. Nun setzte er seinen Hut auf den Sophatisch und die liebliche Schwester zu sich niederziehend, erwiderte er endlich:
der spanischen Fabrikstadt Barzelona entdeckt. Man will den Dynamitbolden recht sehr energisch zu Leibe gehen.
Der englischen Industrie, sowie dem gesamten wirtschaftlichen Leben des Jnselreiches winkt eine angenehme Aussicht: Die sämtlichen Kohlengrubenarbeiter Großbritanniens, etwa eine halbe Million Menschen, wollen zu Ende der kommenden Woche die Arbeit einstellen. Die Gefahr wird ziemlich ernst genommen und die Kohlenpreise in London steigen bereits tagtäglich. Umfangreiche Vorsichtsmaßregeln sind angeordnet.
Deutsches Reich.
W. Berlin, 5. März. Am Donnerstag Abend wohnte unser Kaiser einem Diner im Offizier-Kasino des 3. Garde-Ulanen-Regiments in Potsdam bei. Am Freitag Vormittag unternahm der Kaiser eine Spazierfahrt nach dem Thiergarten. Nach dem Schlosse zurückgekehrt, arbeitete Se. Majestät längere Zeit allein und erledigte Regierungsangelegenheiten. — Der Großherzog und die Großherzogin von Baden werdem zum Sterbetage Kaiser Wilhelms I. (9. März) in Berlin eintreffen und im Niederländischen Palais Wohnung nehmen. — Die angebliche Rücktrittsangelegenheit des Finanzministers Dr. Miquel ist nun als völlig geregelt anzusehen, der Mnister denkt nicht mehr daran, auf seinen Posten zu verzichten. Auf dem letzten Herrenabend im Berliner Schlosse, welchem Dr. Miquel beiwohnte, zeichnete der Kaiser ihn in ganz besonderer Weise aus. Die Unterhaltung war übrigens hauptsächlich Kolonial-Angelegenheiten gewidmet. — Der preußische Landwirtschaftsmiuister v. Heyden über die Lage der Landwirtschaft. Auf einem Bankett in Greifswald hielt der Minister von Heyden eine Rede, erkannte die noch immer für die Landwirtschaft bestehenden schwierigen Verhältnisse an und verwies die Landwirte zur Begegnung derselben auf die Selbsthilfe und auf die genossenschaftliche Thätigkeit, wie sie sich auch in der Greifswalder Versicherungsgesellschaft so glänzend bewährt habe; vor Allem aber möchten die Landwirte durch Sparsamkeit, Vermeidung unnötigen Aufwandes, sowie durch größere Enthaltsamkeit an ihrem Teile zur Besserung der Verhältnisse beitragen und zugleich ihren Untergebenen und Arbeitern dadurch ein gutes Beispiel geben. — Dem Vernehmen nach bereitet der preußische Minister der geistlichen Angelegenheiten einen Gesetzentwurf vor, wonach die Gemeinden verpflichtet werden, zur
„Ich habe mich über den Gatten Deiner Prinzipalin geärgert, Trudchen. Der Mann erlaubte sich, mir Vorwürfe darüber zu niachen, daß ich seinem Sohne den gewünschten Urlaub bewilligte."
Gertrud streichelte sanft die bärtigen Wangen des Bruders: „Zürne dem alten Herrn deshalb nicht, Horst", flüsterte sie, „denn nur die momentane Sorge und Aufregung machen ihn ungerecht. Sonst ist der Fabrikant ja die Rücksicht und Güte selbst; dazu mir zu allen Zeiten ein väterlicher Freund, dessen ich zur Zeit in diesem Hause nur zu sehr bedarf."
Es war zum ersten Male, daß Gertrud eine Andeutung machte, wie diese — ein Wort aussprach, welches den Bruder ahnen ließ, auch sie empfände die Geißeln des weißen Sklaventhums. Um so betroffener blickte der Verwalter jetzt in das schmerzzuckende Gesichtchen:
„Gertrud, Du bist unglücklich, fühlst Dich gedrückt unter diesen Menschen, denen nur der jäh erworbene Reichthum zu einer besseren gesellschaftlichen Stellung verhalf!" rief er denn auch und setzte fast noch in einem Atem hinzu: ..Mein Gott, nun bemerke ich auch erst die Thränenspuren um Deine Augen! Hat man Dich beleidigt, Kind? Wagte es Madame etwa, das alte Wort an Dir zu bewahrheiten, daß der Mensch etwa Hammer ist ober Ambos — entweder schlägt od.r geschlagen wird? — Doch warum läßt Du mich auf Deine Antwort warten? Weshalb gestehst Du mir nicht sofort die volle Wahrheit, damit ich vor Frau Gröll treten kann, um ihr zu sagen, daß ich Dich keine Minute länger unter ihrer Dienstbarkeit lasse — ich, der ich nicht blos Dein Bruder bin, sondern Dir auch vor zwei Jahren zum Vormund gegeben wurde " Horst Gilden unterbrach sich, sein Blick hat zufällig vas Fenster gestreift, an welchen eben mit raschen