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Wöchentliche Bellagen: Kreis Blatt für die Kreise Marburg und Kirchham.

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Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Quartal-Abonnements-Preis bei der Expe­dition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 26 Pfg.

Marburg,

Freitag, 4. März 1892.

Anzeigen nimmt entgegen die Erpedition dieses Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Müsse in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.

XXVII. Jahrgang.

I und ange- rg mit genden

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, Mär), rtrag bei Bickell: »erkevet besov-

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Deutsches Reich.

W. Serkin, 3. März. Zur letzten Rede des Kaisers giebt dieNorbd. Allg. Ztg." an hervor­ragender Stelle folgende Worte wieder:Das schöne Recht des Fürsten, seinen Getreuen, so viel a kann, Vertrauen einzuflößen, verbietet keine Ver­fassung. Trüge sich Kaiser Wilhelm II. wirklich mit selbstherrlichen Neigungen, so würde er nicht die Fürstentugend besitzen, die ihm in der That nach guten Zeugnissen eigen ist, daß er ehrlichen, mann­haften, sachlichen Widerspmch ohne Verdruß und ohne nachträgliche Rancune hinnimmt. Freilich folgt «r trotzdem meist seinen eigenen Eingebungen; aber das kann ein Vorzug, das kann ein Fehler fein, her Erfolg entscheidet. Auch ist es wahr, daß der Enkel viel häufiger mit seiner Person öffentlich hervortritt, als der Großvater in seiner gemessenen Erhabenheit, und daß er seine Worte nicht immer

lIKTfin auf die Wirkung nach Außen, auf die im Tages- streit wirkenden Parteigeister, einrichtet. Sein

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jugendlich thatkräftiges Temperament paßt sich schwerer in das konstitutionelle Schema ein. Aber daß er nach Verkürzung der verfassungsmäßigen Rechte der Volksvertretung, nachZnrückschraubung der Kultur" in eineversinkende Zeitrichtung" trachtete, ist eine aus parteilichen Tageseindrücken hergenommene Erfindung, die wieder nur der Be­unruhigung Vorschub leistet." In einem Artikel

tb in btt gegen den Befähigungsnachweis für Handwerker

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Flehend erhob sie jetzt die Hände zu dem greifen

Gesicht mit dem Ausdruck unendlicher Herzensgüte

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an Mit Msgebreiteten Armen eilte sie denn auch

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echten Arm ein winziges schneeweißes Hündchen

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immer ein braves Weib gewesen, welches nicht einmal mit seinen Gedanken gegen die eheliche Treue gesündigt hat. Und wenn ich jetzt, erst jetzt"

Mama", rief in diesem Augenblick eine jauchzende

'«tu zvvikii vtg juuyui y.uu vm quuMama, Tante Minchen ist mit mir gekommen! O, sieh nur,

darauf und tief ihm in die treuen Augen sehend, die so gütig über ihre Zufriedenheit gewacht, flüsterte sie:Gott ist mein Zeuge, Robert, daß ich Dir

hielt, während fein linker eine altfränkisch ausstaffierte Person nach sich zog

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Ueberzeugung etwas bewilligt, wovon sie glaubt, daß es dem Handwerk selbst zum Schaden gereicht, so bleibt zu hoffen, daß nach Beseitigung der Legende, ie Regierung habe ein kaltes Herz für die Hand­erker, diese sich um so mehr veranlaßt fühlen, das ute zu suchen und zu erftreben, welches auch hier heblich näher liegt, als bis dahin vielfach geglaubt orben ist." DerReichsanzeiger" veröffentlicht Igenbe Kundgebung:DieVoss. Ztg." thält folgendes:In einem Versuche, die kaiser- che Rede gegen die Nörgeler in harmloser Weise deuten und ihr jede Beziehung zu dem Volks­chulgesetzentwurf abzusprecheu, hatte dieKöln. Ztg."

erft:Wenn es wahr ist, daß der Kaiser die änner, welche die Schulvorlage befehden, am iebften auszeichnen möchte, so gehört der Zedlitz'sche Entwurf nicht zu diesem Kurs." Zu diesen Worten lebt dieB. B. Ztg." folgende Erläuterung: Ein

^azu.Tante Minchen sagte, es sei das jüngste von Amis Hundekinderchen. Und weißt Du, der Storch hat ihr fünf solcher kleinen Geschöpfe gebracht rines immer niedlicher, als das andere Tante Minchen ließ nun vom Tischler ein Zelt machen

fNachdruck verboten,j

In der Bsrrn-Apotheke.

Vrigiral-Roman von Marie Widdern.

(Foitsrtzuug.)

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w ihrem reizenden Knaben entgHen, welcher aus dem

achandluv und zu Gunsten von Handwerkerkammern sagt das- [142; selbe Blatt:Kann unmöglich verlangt werden, m gerncte baß die Staatsregierung dem Handwerk gegen ihre

841/2 84 Kinderstimme in das Gemach hinein und setzte damit 1O61/41A den Worten der jungen Frau ein Ziel.Mama, 987/8 9* jQnte Minchen ist mit mir gekommen! O, sieh nur, 841/1 !0» X)a5 sie mir geschenkt hat!"

sl Frau Martha Trautenjahn hatte sich rasch nach 1®* der Thür zum Nebenzimmer gewendet, während die flohen Worte ertönten. Das Gesicht der Wittwe

94 nahm dabei einen unendlich glückstrahlenden Ausdruck

iMi/,4® Person nach sich zog,

3611/1Jetzt überließ er aber die greise Dame ihrem 1051* 1® Schicksal und zu der Mutter eilend, hob er dar 9?'* 90 Hündchen frohlockend empor mit den Worten:Ist ioi '* 101 er nicht wunderhübsch, Mama?" rief der Kleine

während der Zeit der Krankheit des Kaisers Friedrich vielgenannter deutscher Arzt, der gegenwärsig in Halle lebt, hat die Adresse der bärtigen Professoren gegen bas Schulgesetz mit unterschrieben. Kürzlich weilte der Arzt in Berlin und wurde vorn Kaiser empfangen. Zu diesem hat der Monarch sich, wie sofort nach der Audienz beglaubigt mitgeteilt wurde, in höchst anerkennenden Worten über den Inhalt der Eingabe der Hallenser Professoren ausgesprochen und ver­sichert, daß fie seine Sympathie in so hohem Grade besitzen, daß er ihre Beweggründe so vollkommen zu würdigen wisse, daß er geneigt wäre, sie insgesamt auszuzeichnen. Man kann sich denken, welche weit­gehenden Folgerungen an diese Aeußerung in ge­lehrten Kreisen geknüpft werden." Diese Mitteilung entbehrt sowohl was die angeblichen Thaffachen, als was die ihnen unterstellte Voraussetzung angeht, jeder Begründung." Es ist schwer zn verstehen, wie Jemand so etwas glauben konnte. Wie die Börs.-Ztg." behauptet, wäre die konservative Partei nunmehr enffchloffen, den Abschnitt des Schul­gesetzes über denPrivatunterricht" zu stteichen. Dieser Abschnitt würde also mit den Stimmen der Konservattven, Freikonservattven, Nationalliberalen und etwa der Hälfte der Freisinnigen abgelehnt werden. Die Gruppe Richter ist bekanntlich für Unterrichtsfreiheit." Gegen die nattonal- liberaleKölnische Ztg." ist wegen einer Kritik der letzten Rede des Kaisers die Anklage wegen Majestätsbeleidigung gestellt worden. Der große Generalstab in Berlin erwirbt sich ein hervorragendes Verdienst durch die Herausgabe der militärischen Werke des Generalfeldmarschalls Grafen Moltke. Soeben ist der erste Band er­schienen, der Moltke's militärische Korrespondenz über den Krieg von 1864 enthält. Er bietet 146 bisher unbekannten Urkunden von Moltke's persönlicher Thätigkeit als Chef des Generalstabes der Armee während des deutsch-dänischen Krieges. Das Werk ist in erster Linie für die Armee berechnet, wird aber auch in den weitesten Kreisen unseres Vaterlandes das lebhafteste Interesse in Anspruch nehmen. Denn es gewährt einen ebenso vollständigen, wie tiefen Einblick in die Leitung und Entwicklung der damaligen kriegerischen Ereignisse und giebt von Neuem deutliche Kunde von Moltkes großem Feldherrugenie. Ganz besonderes Interesse gewähren namentlich die Denk- schttft vom 6. Dezember 1862 nebst Operations­entwurf, zu dem Prinz Fttedrich Karl von Preußen eingehende Bemerkungen gemacht hat, die Berichte über Sendung zur Militärkonferenz in Frankfutt

am Main im November 1863, dann vor Allem die Erörterungen über eine Landung auf Alfen und auf Fünen, die ein ganz neues Licht auf diese Frage werfen. Der Reichskanzler Graf Caprivi hat, wie Berliner Zeitungen mitteilen, zu feinem Geburts­tage in üoriger Woche vom Kaiser ein kostbares Liqueurserviee und ein ebensolches Blumenarrangement als Geschenk erhalten. Finanzminister Dr. Miquel, welcher an der Influenza erkrankt war, gebentt seine Amtsgeschäste in diesen Tagen wieder aufzunehmen. Major von W i ß m a n n, welcher von seiner Erholungsreise nach Oberägypten jetzt wieder in Kairo angekommen ist, gedenkt dort noch einige Zeit zu verweilen. Mit dem Dampfer-Komitee finden jetzt erneute Besprechungen wegen Ausführung des Pro­jektes statt. Zu der Nachricht, daß Dr. Peters in Ostafrika zwischen dem Kilirnanbscharo und dem Vulkan Donjo Ngai am sogenannten Natronsee große Salpeterlager entdeckt habe, schreibt dieVoss. Ztg.":Die von Dr. Peters eingesanbten Proben wurden hier von fachmännischer Seite einer gewissen­haften Untersuchung unterzogen, die jedoch, wie wir erfahren, ergeben hat, daß nicht Salpeter, sonbern gewöhnliches Natton vorliege. Das Vorkommen von Natron aber am Kilimandscharo ist seit Langem bekannt und schon der Reisende Ehlers brachte bereits int Jahre 1889 Proben von solchem mit nach Berlin, das, nach späteren genauen Angaben von den Dschaggas stammte, welche es ihrerseits von den Massais erhalten hatten. Diese aber hatten es aus der Ebene des Kilimandscharo geholt. In Westaftika bildet Natron, worauf bereits Staudinger hinweist, einen bedeutenden Handelsartikel; Händler aus Bornu schaffen es durch den Niger, von wo aus es dann weiter westwärts verhandelt wird. Bei den gegen- wärttgen ungenügenden Verbindungsverhältnissen aber dürfte sich ein Versuch der Ausfuhr des Natton vor der Hand noch ziemlich aussichtslos erweisen."

Kannover, 2. März. Am Mittwoch begab sich neuerdings ein Trupp von 200 Arbeitslosen zum Stadtdirektor und bat durch eine Deputation um Arbeitsanweis. Nachdem dieselbe die Zusage erlangt hatte, daß von feiten der städtischen Behörde mög­lichst bald eine Arbeitszuteilung erfolgen solle, ging der Trupp mit einem Hoch auf den Stadtdirektor auseinander. Unruhen sind nicht vorgekommen.

München, 2. März. Der bayerische Archiv­direktor, Geheimrat v. Löher, ist gestorben. (Franz von Löher, Gelehtter und vielseitiger Schriftsteller, war 1818 zu Paderborn geboren. Derselbe hatte die Rechte, Geschichte und Naturwiffenschaften studiert.

Darüber hängt ein graues Leinentuch, das sie mit rotem Band eingefaßt. Es sieht zu hübsch aus, Mama! Ach, und Du solltest nur fühlen, was Tante Minchen für weiche Bettchen geschüttet hat! In denen liegt nun Ami mit ihren Hundekinderchen, die feit gestern sehen gelernt haben. Aber schau selbst, Mama, wie groß der Kleine hier feine Augen aufmacht!"

Dar Gesicht des winzigen Burschen strahlte, während er fo sprach; und als Frau Martha nun gar das Seibenspitzchen von seinem Arm nahm, um in die blanken Augen des drolligen Geschöpfs zu sehen, erreichte die Freude des Knaben ihren Höhe­punkt. Wie ein Kreisel drehte er sich im Zimmer herum. Dann aber blieb er wieder vor der Mutter stehen und sagte ernsthaft:Gelt, Mamachen, nun schenkst Du mir aber auch einen Korb und legst ebenfalls ein paar weiche Bettstücke hinein. Mein Hündchen muß doch ein genau so bequemes Lager haben, als feine Brüder und Schwestern."

Bereitwilligst versprach Frau Martha, die Wünsche ihres Einzigen zu erfüllen oder richtiger, erfüllen zu laffen, denn sie verwies den Kleinen an das Stubenmädchen, das ihm Korb und Federkiffen ver­abfolgen sollte.So, Fränzchen, und nun mach' auch, daß Du Deinem Tier eine Heimat schaffst", sagte fie bann.Sieh nur, wie müde das Hündchen ist und mit den Augen zwinkert " Damit reichte die junge Frau auch das Hündchen wieder zu Franz hinab und wandte sich nun an die alte Dame, die zu begrüßen sie bisher keine Zeit gesunden. Während der Knabe nun, fein lebendes Eigentum kosend, aus dem Zimmer lief, faßte Frau Martha freundlich die Hand Tante MinchenS und zog sie in das Innere des Gemachs hinein:Sie haben sich ja so lange nicht bei mir sehen lassen, liebe Tante, sagte sie hernach, indem sie dem greifen Persönchen, dessen

kleines Gesicht tausend Fältchen zeigte, die vorsint- fluttge Mantille abnahm und ihr dann auch freundlich die Hutbänder löste.Uebrigens war es schon meine Absicht, mich heute im Lause des Nachmittags nach Ihrem Befinden zu erfunöigen, denn ich fürchtete ernstlich, daß Sie erkrankt seien. Doch nun setzen Sie sich, meine Liebe. Ich werde sofort klingeln, damit man Ihnen eine kleine Erfrischung heraufbringt."

Mit sanfter Gewalt hatte Frau Trautenjahn die Alte in die Sophaecke gedrückt. Eben wollte sie auch nach der Klingel greifen, welche vor ihr auf dem Tisch stand, als Fräulein Minchen sie daran hinderte.

Laß nur, laß nur, Marthachen, sagte sie, es verlangt mich nicht nach Speise und Trank; hab' ja erst vor einer Viertelstunde meinen Vormittags- cacao getrunken Uebrigens, um aufrichtig gegen Dich zu fein, hätte ich mich um diese Zeit auch nicht aus dem Bau gemacht, wenn Fränzchen nicht ge­kommen und", die kleine, im schwarzen Baum­wollhandschuh steckende Rechte der Hochbetagten zupfte nervös an der Troddelwenn Fränzchen nicht gekommen", wiederholte sie bann,unb mir erzählt hatte, er habe Herrn Herbert von Wahlburg getroffen, welcher ebenimBegriffgeroesen, in Dein Haus zugehen."

Martha Trautenjahn blickte verwunbert zu ber Alten hinüber:Ich begreife Sie nicht, Tante Minchen", sagte sie bann langsam.

In den taufenb Fältchen bes verwitterten Frauen- gesichts zuckte es. Man sah es ber Greisin an, sie war tief erregt. Unb doch öffnete sie gerade jetzt ihren buntgestrickten Beutel und nahm ein Gestricke daraus hervor, dessen Kleinheit Marthen staunen gemacht haben würde, wenn fie nicht gewußt hätte, Tante Minchen beschäfttgte sich schon Jahr und Tag damit, für die armen, namenlosen Kinder des Findel-

1846 Amerika bereist und nach feiner Rückkehr in Paderborn dieWestfälische Zeitung" begründet.

1849 trat er in die preußische Kammer ein, wo er sich zur gemäßigten Linken hielt. 1853 habilitierte er sich in Göttingen und siedelte 1855 an die Uni­versität München über. Er gehörte zur näheren Umgebung des Königs Max. 1865 wurde er Di­rektor des bayerischen Reichsarchivs.)

-Leipzig, 2. März. Auf den Wiesen vor dem Frankfurter Thor in Leipzig versammelten sich am Mittwoch Morgen gegen Tausend Beschäftigungslose, welche beabsichtigten, nach der Stadt zu ziehen. Ein- tretenbeS Schneewetter unb gütliches Zureden von der Polizei zerstreuten indessen die Masse.

Ausland.

Griecheakanb. König Georg von Griechenland hat eine Art Staatsstreich verübt: Er hat den kopf­losen Premierminister Delyannis, der auf dem besten Wege war, das Land einem allgemeinen Bankerott durch seine Finanzwittschaft zuzntteiben, seines Amtes enthoben, obwohl Delyannis noch über eine ge­schlossene Kammermehrheit verfügte. Versuche, De- monftrationen zugunsten des entlassenen Kabinets zu veranstalten, sind kurzer Hand unterdrückt. Die Kammer ist zur Vornahme von allgemeinen Neu­wahlen aufgelöst. Der energische Schritt des Königs, der in Griechenland bisher ohne Beispiel ist, macht großes Aufsehen, aber vortrefflichen Eindruck.

Hessen-Nassau.

Warvnrg, 3. März. Aus Anlaß ber Feier seines 25 jährigen Jubiläums als Leiter ber medi­zinischen Uuiversitäts - Klinik brachten die 3 hiesigen KorpsTeutonia",Hasso Nasiovia" unbGuest- phalia" am gestrigen Abend dem Direktor des ge­nannten Instituts, Herrn Geh. Mebizinal-Rat Pro­fessor Dr. Mann kopff einen solennen Fackelzug. Derselbe nahm um 6 Uhr an ber oberen Ketzerbach Aufstellung, um sich von bort unter Vorantritt eines Musikkorps burch bie Elisabethsttaße nach ber in ber Bahnhofstraße gelegenen Wohnung bes Jubilars zu begeben. Hier angelangt hielt der 1. Chargierte der Hasso-Nassovia, Herr stud. med. Honsell folgende Ansprache:Hochzuverehrender Herr Geheimrat! Am 9. März dieses Jahres blicken sie als Professor und Leiter der medizinischen Klinik auf eine 25jäh- rige Thätigkeit voll Mühe und Arbeit aber auch voll Segens und der schönsten Erfolge zurück. Da wir

Hausens Strümpfe zu stricken. Während die Alte nun auch die Handschuhe von den dünnen gelben Fingern streifte und dann begann, die Nadeln zu rühren, nickte sie mehrere Male mit dem kleinen Kopf, auf dem das schneeweiße Haar nach einer Mode geordnet war, bie zu ber Zeit geherrscht, als bie Achtzigjährige ein junges Mädchen gewesen.

Ja, ja , sagte sie jetzt,Du begreifst mich nicht, Kind, und es ist dies auch gar nicht nötig, wenn ich nur weiß, was ich wissen muß."

Und was ists, das Sie wissen müssen?" fragte die junge Frau.

Die Alte ließ für eine kurze Weile das kleine Gestrick in den Schooß sinken. Dann faßte sie plötzlich den Arm Frau Marthens und sagte leise: Was wollte Herr Herbert von Wahlburg bei bei der Tochter Deiner Mutter weshalb kam er zu Dir, Martha Trautenjahn?"

Die junge Frau fühlte sich fast unheimlich be­wegt von der Art und Weife der Alten, trotzdem sie doch an ihre Sonderbarkeiten gewöhnt fein mußte. So lange sie zu denken vermochte, kannte sie Tante Minchen ja, und so lange sie denken konnte, hatte sie fie nur als Greisin gesehen. Tante Minchen, oder richtiger Fräulein Werner, war bie Busen- freunbin von Marthas Großmutter gewesen unb als solche ihrer Mutter aufrichtig zugethan. Sie hatte biefe vererbte Liebe auch auf greifbare Weise be­wiesen, beim als bie Tochter ber heißgeliebten Freunbin nur zu früh zur Waise geworben, nahm sie biefe zu sich unb teilte bas Wenige mit ihr, was fie besaß. Dabei gab sie bem geliebten Kinde eine Erziehung, rote sie eine Grafentochter nicht besser erhalten konnte. In der gleichen Weise nahm die brave Seele sich nach Jahren bann auch Marthas an, auch ihr ersetzte sie bie Mutter, als ber Tob ebenfalls bas Leben