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Truck und Berlag: Jvh. Aug. Koch, UniversilBuchdruckerei in Marburg. Redaktio» und Expeditione Markt!?I.

Berantwortlicher Redakteur: Christoph RauteuhauS in Marburg. Redaktion und Expedition: Markt 21.

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Wöchenütche Bellagen: Kreis-Blatt für dir Kreise Marburg und Kirchhain.

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Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Quartal-Abonnements-Preis bei der Expe­dition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Marburg, Dienstag, 1. März 1892.

Anzeigen nimmt entgegen die Erpedition dieses Blattes, sowie die Annoncen-Bureanx von Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moffe in Frankfutt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L. Dauben.Co.inFrankfutta.M., Berlin, Hannover, Patt».

XXIII. Jahrgang.

Bestellungen auf die Gkerhtss. Leitung für den Monat März werden von den Kaiserlichen Postanstalten, den Posthülfsstellen, Briefträgern, Herrn B Rindt in Kirchhain und unserer Expedition (Marburg, Markt 21) entgegengenommen.

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finden weiteste Verbreitung.

Die Exped. derOberhess. Zeitg.

Die Krawalle in Berlin.

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Die Straßen-Unruhen, welche am Donnerstag Mittag in Berlin nach einer Versammlung brod- loser Arbeiter ihren Anfang genommen haben, haben bis Ende der Woche, wenn auch in abgeschwächterer Form, fortgedauert. * Von ' Tag zu Tag hat sich deutlicher und deutlicher herausgestellt, daß die große Mehrzahl der Demonsttanten arbeitslose Burschen unter zwanzig Jahren, die bei jedem Lärm dabei sein müssen, Zuhälter, Sttolche und Pennbrüder und auch Verbrecher waren, kurzum Mitglieder des un­verfälschtesten Berliner Gesindels und Rowdytums. Selbst die Schuljugend schien die Sache schon als einen ungeheuren Jux zu betrachten, denn am Sonn­abend haben sich thatsächlich zahlreiche Bengel von 1214 Jahren unter denArbeitslosen" befunden. Die Arbeitslosen haben wohl den Anfang gemacht, der Mob hat dann die Fortsetzung übernommen und ist namentlich bei den Plünderungen und Raubszenen in Thätigkeit getreten. Wenn von einer organisierten und geplanten Bewegung geschrieben wird, so ist das wohl nicht wörtlich aufzufassen. Die Nachrichten über solche Krakehlereien laufen in Berlin mit Windes­

eile um, und haben sich erst em Dutzend Radau-

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brüder zusammengefunden, dann kommen die übrigen von selbst. Am Donnerstag, wo die Polizei ur­sprünglich nicht auf derartige Zwischenfälle vorbe­reitet war, hat man so rechten Mordsskandal machen können, und da ist denn unter den Massen die Parole «usgegeben: Morgen weiter! AnFührern" fehlt es dieser Sötte von Menschen ja nie; leider haben sich

diese Kerle möglichst im Hintergrund gehalten und sich weislich vor den Säbeln der Schutzleute bet Zeiten in Sicherheit gebracht. Leicht möglich ist es, daß die anarchistischen Konventtkel, die neuerdings wieder in Berlin aufgetaucht sind, Oel ins Feuer gegossen haben und den Banden geheime Weisungen erteilt haben. Die Sozialdemokratte bestteitet öffent­lich wenigstens alle Mitschuld und fordert ihre An­hänger zur Ruhe und zum Fernhalten von diesen Scenen auf. Thatsache ist aber, daß nicht wenige der Radau-Lümmel sich als sozialdemokratische Wott- führer gezeigt und mit den Phrasen um sich ge­worfen haben, die sie in irgend einer Versammlung aufschnappten. Weite Kreise des Berliner Publikums, des besseren selbst, haben bei den Krawallen gerade kein würdiges Benehmen beobachtet. Am Freitag und Sonnabend zogen die Menschen nach den Linden, als gelte es einem sensationellen Schauspielstück bei­zuwohnen, und wenn dann die Schutzleute mit blanker Klinge dem Gesindel zu Leibe gingen, dann war das Amüsement vollständig. Daß mancher dieserRe- voluttonsbummler", wie dieselben schon genannt werden, einen Säbelhieb abbekommen hat, ist gar nicht so sehr zu beklagen.

In den Krawallberichten sind zahlreiche lieber« treibungen immer noch zu finden. Von Wittlich schweren Verletzungen ist keine Rede, wenn auch ver­schiedenen Exzedenten ein ganz annehmbarer Aderlaß zuteil geworden ist. Es ist auch unttchttg, wenn ge- schneben ist, mehrere Polizeibeamten seien mit Messern gestochen; es find nur einige wenige Beamte durch Steinwürfe und Stockhiebe verletzt.

Der Gesamtschaden wird nicht über 18 000 Mk. betragen. Die Dinge sahen im ersten Moment viel gefährlicher aus, als sie wittlich waren. Es sind wohl Maaren und Wettgegenstände gestohlen, aber manches Vermißte hat sich hinterher wieder aufge­funden, da die Tumultuanten alles kunterbunt durch­einander geworfen hatten. Die Skandalszene, welche Donnerstag Abend im Cften sich ereignet, haben, Dank der späteren umsichttgen polizeilichen Maßregeln, in diesem Maßstabe feine Wiederholung gefunden, und der Umstand, daß vom Freitag ab etwas kräftiger mit den Säbeln dreingeschlagen wurde, hat nicht minder wohlthuend gewirkt.

Seit den am Freitag gemachten Erfahrungen hat beim Pöbel gerade kein Verlangen mehr bestanden, mit den Klingen der Polizisten Bekanntschaft zu machen. Man gab schleunigst Fersengeld, sobald die Sache ernsthaft wurde. Die Banden glaubten am besten gesichett zu sein, wenn sie ihre Wittsamkeit

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Nur ein schmaler Gang trennte Gertrud von ken Redenden. Ohne sich Mühe zu geben, vermochte btt» junge Mädchen auf diese Weise deutlich Wort für Wort von dem zu verstehen, wa» da drüben ge­sprochen wurde. So hotte sie, wie Han» in den

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In der Bürrn-Apotheke.

Nrigir.al-Roma» von Marie Widder».

(Fottsetzu»?.)

Ja, Gertrud, ich liebe diesen leichtfettigen jungen Mann au» Grund meiner Seele. So faßte es mich denn auch beinahe wie Groll, als mir der Vater schrieb, er habe Deinen Bruder ersucht, ein nnnach sichtiger Vorgesetzter zu sein. Zugleich empfand ich aber auch etwas wie quälendes Anstgefühl bei dieser Mitteilung. Denn ich kenne Hans, und ich kenne auch Deinen Bruder. Das ernste, unnahbare Wesen .des Letzteren muß den leichtsinnigen jungen Mann so wie so schon abstoßen. wie viel mehr noch wenn er weiß, der Vater hat ihn gleich einem Schul­knaben unter die Oberhoheit Horst Gilbens gestellt, ti ahnt nun freilich nicht, daß dieser Vorgesetzte zugleich sein künftiger Schwager ist, ebenso wenig wie Dein Bruder selbst Kenntnis davon hat, daß Du Dich ohne nur seine Erlaubnis einzuholen, mit dem Sohne Deiner Prinzipalin verlobt hast Uebttgens"

Hier hob Gettrud plötzlich den Blick von den i Zeilen des Geliebten. Heftiges Reden war an ihr Ohr gedrungen. Und als sie erschrocken den Kopf nach der Thür wandte, unterschied sie genau Die Stimme des Fabrikanten von der seines jüngsten Sohnes. Die beiden Herren befanden sich im Kornptoir Johannes Grolls, welches ebenfalls in dem kleinen Hause lag, das die Zimmer der Gesellschafterin einschloß.

Tönen der höchsten Aufregung rief:Aber ich wieder­hole Dir, Vater, ich muß diese zweihundert Thaler haben und zwar innerhalb dreier Stunden."

So gilt es wohl wieder, eine sogenannte Ehren­schuld zu tilgen, die Du im Spiel gemacht?" brauste Herr Gröll senior auf.

Und wenn es so wäre?"

~Und wenn es so wäre?!" wiederholte die Stimme des alten Herrn. Und wenn es so wäre?! Nun, bann sei es Dir hiermit gesagt, baß ich keinen Pfennig mehr dazu hergebe, um Dich derartigen Verlegenheiten zu entreißen. Ich erklärte Dir das schon bei Deiner Heimkehr und ging dann noch weiter, indem ich hinzusetzte: Wenn Du noch ein einzizes Mal hazardiertest, würde ich meine Hand_ vollständig von Dir abziehen. Trotzdem kommst Du mir heute wieder mit solchem Anliegen. *

Weil ich mir nicht anders zu helfen weiß", grollte der junge Mann.Vater sei nicht kleinlich und gieb mir das Geld "

Nimmermehr!"

Vater!'

Nimmermehr, sage ich Dir Ungeratener, Verschwender der Du bist."

Vater!"

Das Wort klang fast drohend. Dennoch wieder­holte der ältere Mann mit fester, markiger Stimme: Ja einen Ungeratenen, einen Verschwender heiße ich Dich und nun geh', geh' zu Deiner Mutter. Sie wußte ja stets die leichtsinnigen Streiche ihres Verzugs zu beschönigen. Vielleicht kann sie Dir auch heute helfen."

Gleich darauf öffnete sich die Thür drüben und wurde schnell wieder in bad Schloß geworfen. Einen Moment noch, und (Bertrnb sah die elegant gekleidete Gestalt de» künftigen Schwager» an ihrem

auf ein ganz anderes Gebiet verlegten, und so ging der Lärm im Norden, im Bezirk des Rosenthaler Thores, los. Auch dott wurden eine ganze Anzahl von Scheiben eingeschlagen, der Erfolg der Ver­suche zu plündern, war aber nicht sehr bedeutend. Die Schutzmannschaft erschien zu schnell und die Säbel pfiffen, daß es nur eine Art hatte. Hier war es auch, wo verschiedene handfeste Arbeiter sich einen grünen Burschen langten, der sich als sozial­demokratischer Apostel aufspielen wollte und ihn jämmerlich durchprügelten. Während am ersten Tage der Unruhen 22 Personen verhaftet waren, wurde am Freitag, nach amtlichem Ausweis, die fast dreifache Zahl, nämlich 60 festgenommen.

Am Sonnabend brach der Krawall zuerst im Lustgarten, gegenüber dem Schlosse, aus. An diesem ganzen Tage stellte die liebe Schuljugend ein be­sonders starkes Kontingent zu den Skandalmachern. Zum Glück hat es auch für fie Maulschellen prima Qualität in größter Zahl gegeben. Der Lärm brach los, als ein Schutzmann einen Schreier festnehmen wollte. Der Beamte, ein berittener Schutzmann, wurde vom Mob vom Pferde gerissen, erhielt aber sofort Beistand, und nun sausten die Hiebe etwas sehr derb. Eine ganze Anzahl Rowdy's hatte tüchttge Wunden erhalten. Der Nachmittag war ziemlich mhig. Als der Kaiser und die Mitglieder seines Hauses die gewöhnlichen Spazierfahrten unter­nahmen, trat auch nicht die leiseste Störung ein. Bitt Einbruch der Dunkelheit schienen die Elemente, welche es auf Exzesse in unmittelbarer Nähe des Schlosses abgesehen hatten, zu der Einsicht zu ge­langen, daß dott für sie nichts mehr zu erreichen sei. Eine ftqtte Abteilung berittener Schutzleute hatte am Dome Aufstellung genommen und be­reitete allen Zusammenrottungen ein sofortiges Ende. Ein Teil der Tumultuanten versuchte sich auf dem nahen Schinckelplatz festzusetzen, wurde aber sofott durch sausende Hiebe belehtt, daß es mit dem Spaß nunmehr zu Ende sei. Auch bei der Werderschen Kirche kam es zu einem heftigen Zusammenstoß, bei welchem den Tumultuanten die Köpfe gehörig blutig geschlagen wurden. Um diese Zett zog sich die Hauptmasse der Sanbcn nach dem Norden zurück, nach dem Haackschen Markt und Der Rosenthaler Straße, und hier kam es im Lauf des Abends zu einer langen, nur durch kurze Zwischenräume unter­brochenen Reihe von Konflikten zwischen Polizei und Pöbel. Es hagelte Säbelhiebe und zahlreiche Per­sonen wurden verletzt. Wer nicht machte, daß er davon kam, mußte gründlich daran glauben. So

Fenster vorübergehen. Das wirklich auffallend schöne Gesicht de» jungen Mannes war totenbleich. Es lag eine Verzweiflung darauf, deren sie den leicht- Mnigen jungen Mann nicht für fähig gehalten Sie war aufgestanden und fah ihm nach. Er wandte sich nach einer schmalen Hinterthür des Vorderhauses, durch die man in die Gemächer Frau Grölls gelangte. So wollte er wirklich bei der Mutter Hilfe suchen? Vergeblich, denn sie war ja nicht zu Hause, kehrte auch erst zum Mittagesien von ihrer Ausfahrt zurück, und da» war um 4 Uhr Gertrud wußte das ganz genau. Wenn der junge Mensch nun in feiner Verzweiflung etwas that, was er nicht thun sollte? Etwas, das schändend vielleicht auf die ganze Familie fiel, und Leopold, der brave, edle Leopold, der trotz Allem und Allem mit so großer Zärtlichkeit an seinem jüngsten Bruder hing, bis ins innerste Herz betrübt würde?!

Das junge Mädchen fuhr sich mit beiden Händen an die Stirn. Dann eilte es schnell entschlossen an eine Kommode und nahin ein Büchelchen heraus, >as es in die Tasche steckte. Eine Minute später 'tand Gertrud selbst außerhalb ihres Stübchens, eilte nit beflügelten Schritten über den Hof und befand ich kurze Zeit darauf in den Wohnräumen der Herrin des Hauses. Sie kam noch zu rechter Zeit. Der Provisor befand sich noch in den Gemächern einer,Mutter, trotzdem ihm die Mädchen gesagt, die znädige Frau wäre ausgefahren. Mit über der Brust verschränkten Armen stand er an einem Fenster und nette auf die Straße hinaus. Er rührte sich auch nicht, als die Thür de« Gemache» geöffnet wurde und die leichten Schritte des Mädchens über den Teppich schwebten, der den Fußboden deckte. Erst al» die weiche Stimme Gertruds flüsterte:

Herr Gröll, ich habe Ihnen etwa» zu sagen!"

wurden die Ruhestörer und die Neugierigen, die sich ihnen angcschlossen hatten, bis zu dem Rosen­thaler Thore getrieben, soweit sie nicht in den Querstraßen Zuflucht gesucht hatten. Die­jenigen von den versprengten Exzedenten, denen die Kampflust noch nicht benommen war, gaben jetzt kleine Gastspiele in den anliegenden Straßen. Die Polizei verfolgte sie aber fortwährend mit blanker Waffe und so entstand in dieser ganzen Gegend eine richtige Treibjagd. Es fehlte auch nicht an Frauen, die schreiend in den Häusern Schutz suchten, wenn die Polizei ihnen nahe kam. Gegen 10 Uhr gab es nochmals einen scharfen Zusammenstoß auf dem Haackschen Markt. Nun hatte aber auch die Polizei die Geduld verloren, es wurde nicht mehr mit flacher Klinge geschlagen, blutüberftrömt liefen die Kerle davon und in wenigen Minuten war Alles' frei. Dann trat allmählich Ruhe ein.

Für den Sonntag waren umfangreiche Maßregeln gettoffen, besonders auch an der Weichbildgrenze, um den Zuzug rauflustigen Gesindels aus den Vor­orten zu verhindern. Die gesamte Schutzmannschaft war zusammengehalten. Beim Aufziehen der Schloß­wache, welche das Kaiser Franz - Regiment stellte, zogen vom Süden her wieder große Menschenhaufen den Linden zu, zerteilten sich aber unterwegs in Folge der polizeilichen Maßregeln ohne Weiteres. Am späteren Nachmittage herrschte auf den Straßen ein außerordentlich reges Leben und Treiben, doch wurde die Ruhe in keiner Weise gestört. Abends gab es betriebene kleinere Reibungen, doch sind, soweit bisher bekannt, emftere Zusammenstöße nicht erfolgt. Wenn gemeldet wurde, es seien Truppen zum Einschreiten bereit gehalten, so beruht das auf einem Irrtum. Wirklich erkisthaster Widerstand ist der Polizei nirgends geleistet, die Feigheit entspricht ja auch dem Charakter dieses Gesindels. Großen Eindruck hat die Ruhe des Kaisers gemacht, der per­sönlich befohlen hat, alles unnötige Blutvergießen zu vermeiden. Die Sache dürste nun in der Haupt­sache zu Ende sein.

Deutsches Reich.

W. Werkin, 29. Febr. Unser Kaiser hatte am Sonnabend eine längere Unterredung mit dem Reichskanzler Grafen Caprivi und erledigte dann die laufenden Regierungsgeschäfte. Am Nachmittag unter­nahm der Monarch in gewohnter Weise feine Spazier­fahrt. Abends war größere Tafel im Schlosse zur Feier der Wiedettehr des Hochzeitstages der Majestäten.

Sie mir?" fragte er, und fast klang es wie Verachtung von den Lippen de» jungen Mannes.

Gertrud errötete bis zur Stirn hinauf. Aber sie bezwang sich gewaltsam.Denken Sie in diesem Augenblick nicht daran, daß ich die bezahlte Gesell­schafterin Ihrer Mutter bin", sagte fie nun,sondern sehen Sie in mir auch die Schwester des Mannes"

Hans unterbrach sie. Er machte eine viel­sagende Handbewegung.Lassen Sie Ihren Herrn Bruder aus dem Spiel, Fräulein', erwiderte er wieder in jenem hochwürdigen Tone, den da» junge Mädchen-schon so ost verletzt und sie jetzt noch tiefer kränkte denn früher. Einen Moment drängte es sie denn auch fast dazu, ihm kurz angebunden den Rücken zu kehren. Dann aber fiel ihr wieder der Geliebte ein und die Verzweiflung desselben, wenn der Bruder sich zu einem Schritt hinreißen lassen sollte, welcher vernichtend in seine ganze Zukunft fiel.

Leopolds wegen! klang es denn auch in der Seele des Mädchens, das dem schönen, eleganten Mann am Fenster nie etwas Anderes gewesen, als die oberste Dienerim im elterlichen Hause.

Ich habe durch einen Zufall das Gespräch mit angehott, welches Sie soeben mit Ihrem Vater ge» sühtt, Herr Gröll", sagte Gertrud nun mit leiser, vibrirender Stimme. Ohne den zornig auszuckenden Blick zu beachten, welcher sie aus dem Auge des Provisors traf, setzte sie hinzu:und vernahm so, daß Sie unter allen Umständen in einem Zeittaum von wenigen Stunden eine Summe von zweihundert Thalern gebrauchen. Ihre Frau Mutter würde Ihnen dieses Geld gewiß nicht vorenthalten. Da ie aber leider nicht zu Hause ist, so so", sie enkte verlegen den blonden Kopf; faßte sich dann aber wieder und stieß mit Anstrengung hervor:So wollte ich Ihnen mein Sparkaffenbuch anbieten