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Wöchenüiche Bellagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marvurg und Kirchhain.
Druck uiib Verlag: Ivb. Bug. Koch, Umversiläi«.Buchdruckerei in Marburg. /SsgMi-H-fA Verantwortlicher Redakteur: Christoph RautenhauS in Marburg.
Redaktion und Expedition: Markt St. j* V Iv V1X5? wvIUhUUVU^UII» Redaktion und Expedition: Mark 21.
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Erscheint täglich außer an Wcrkagen nach Sonn- und Feiertagen. — Quartal-Abonnements-Preis bei der Expedition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
Marburg,
Freitag, 29. Januar 1892.
Anzeigen nimmt entgegen die Erpedition dieses Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Masse in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
XXVII. Jahrgang.
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Bestellungen auf die DßerM. Zeitung für die Monate
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»erden von den Kaiserlichen Postanstalten, den Posthülfsstellen, Briefträgern, Herrn B Rindt in Kirchhain und unserer Expedition (Marburg, Markt 21) entgegengenommen.
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Kaisers Geburtstag.
Der Geburtstag unseres Kaisers ist auch in diesem Jahre im ganzen deutschen Vaterlande in üblicher Weise begangen. Zahlreiche Berichte von Nah und Fern bezeugen das zur Genüge. Den Mittelpunkt der Feier bildete natürlich wieder Berlin, wo selbst eine durch das Thauwetter und erneuten Schneefall hervorgerufene wenig angenehme Beschaffenheit der Straßen eine sehr starke Menschenansammlung nicht zu hindern vermochte. Unter den Anden und in den benachbarten Straßen wogte es nur so von Menschen. Die Häuser waren im
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Zentrum der Stadt sehr reich mit Fahnen geschmückt, in den meisten Schaufenstern warm Büsten des Kaisers und der Kaiserin in entsprechender Umgebung zu schauen. Die Feier selbst wurde mit einem Choral am Morgen eingeleitet, welche zur Zeit der Reveille vom Trompeterkorps des Garde-Kürassier-Regimentes von der Kuppel der Schloßkapelle herab geblasen wurde. Um 8 Uhr fand, wie am Neujahrstage, ein großes Wecken statt: die Musikkapellen von drei Infanterie-Regimentern marschierten unter schmettern- btn Weisen vom Schlosse zum Brandenburger Thor und zurück. Der Kaiser selbst hatte schon von 7 bis 8 Uhr gearbeitet und nahm dann die Glückwünsche seiner Gemahlin und Söhne entgegen. Zu Fuß und nur von einem Adjutanten begleitet, ging der Monarch dann in das Palais zu seiner leicht erkrankten Mutter Md empfing dort deren GratulaUon. Vormittags nm 10 Uhr statteten die anwesenden fürstlichen
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Novelle von H. Rene.
(Forffetzung.)
„Armes, verblendetes Weib," murmelte sie „Ich glaube du fändest die Ruhe, wenn ich deinem Sarge folgte, dir eine handvoll Erde in das offene 6rab würfe. Einsam senkt man dich hinab, aber
Bettlerin soll man dich nicht bestatten; das ist die allerletzte Pflicht, die ich dem Andenken des besten Vaters schulde "
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Hastig kramte sie im Schreibttsch. Als das Cparkästchen endlich vor ihr stand, faßte sie nach bem Herzen Als ob zum zweiten Mal ihr darin ttwas zerrissen, war ihr zu Mut. Wie viel selige Hoffnungen knüpften sich an den kleinen Schatz und welch traurigem Zweck diente er jetzt!
Einen Augenblick starrte sie vor sich hin, dann schüttete sie den klingenden Inhalt auf die Platte und überzählte ihn flüchtig. „Es wird wohl reichen," Musterte sie, „und was fehlt, stundet gewiß der steundliche Pfarrer, nach und nach erarbeite ich es hnn schon."
Doktor Walter, der unbemerkt eingetreten, blickte chr über die Schulter. „Also auch hinübergegangen in das unbekannte Land, die arme Johanna," sagte mitleidig. „Welch ein frisches, rotbäckiges Kind « war, als wir alle noch gemeinsam über den «ergrücken zur Dorfschule wanderten. .Laß mal iehen. Richtig, gestern ist sie gestorben, wenn ich urorgen mit dem Frühzuge abdamzffe, kann ich ihr noch die letzte Ehre erweisen "
„Sie, Sie wollten wirklich?"
„Natürlich, ich bin das der Vergangenheit schuldig. *ie ost haben wir Nachbarskinder zusammen gehungert
Herrschaften, der König Albert von Sachsen, der König und die Königin von Württemberg, der Großherzog von Baden, sowie die Prinzen und Prinzessinnen Sr. Majestät ihre Geburtstagsbesuche ab, worauf in der Schloßkapelle feierlicher Gottesdienst und alsdann große Gratulationscour im Weißen Saale stattfand. Die Anfahrt der Fürstlichkeiten in den bekannten glänzenden Galawagen hatte inzwischen die schaulusttge Menschenmenge auf der Straße ganz beträchtlich vermehrt. Bei der Gratulationscour zeichnete der Kaiser besonders den Reichskanzler und Herrn von Bötticher aus, denen auch die Könige von Sachsen und Württemberg später herzlich die Hand schüttelten. Während im Schlosse sich die Gratulationscour abspielte, waren unten im Lustgarten das 3. Bataillon des Elisabeth-Regimentes und das Garde-Jäger-Bataillon eingerückt und hatten im offenen Karree, Front nach dem Schlosse, Paradeaufstellung zum Empfang ihrer neuen Fahnen genommen. Sobald die am Wasser ansmarschierte Leibbatterie des 1. Garde-Feld-Artillerie-Regiments den Königsschuß von 101 Schuß gefeuert hatte, erschien der Kaiser in der großen Generalsuniform mit angezogenem grauen Mantel, auf dem am Halse die Dekoratton des Ordens - Großmeisters vom Johanniterorden sichtbar war, begleitet vom Prinzen Albrecht, den Prinzen Friedrich Leopold und seinem Generaladjutanten. Bei seinem Erscheinen präsentterten die Truppen, deren Front er sodann abschritt, jeder Abteilung „Guten Morgen" zurufend. Inzwischen waren die beiden Fahnen aus dem Schlosse gebracht, vor welchen der Kaiser Aufstellung nahm und sie dann mit einer Ansprache, in welcher er die Truppen aufforderte, auch in Zukunft ihres guten Rufes eingedenk zu sein, den Bataillonen übergab. Der kommandierende General des Gardekorps, General der Infanterie Frhr. v. Meerscheidt-Hüllessem, dankte dem Kaiser für die Huld der Verleihung und brachte ein dreimaliges von den Truppen begeistert aufgenommenes Hoch auf den obersten Kriegsherrn aus, welches von den Mustkkorps mit der Nattonal- hymne begleitet wurde. Den Beschluß bildete ein Parademarsch, den die Bataillone, mit den neuen Fahnen vorauf, in Kompagnieftonten ausführten. Zum Parademarsch war auch die Leibbatterie befohlen, welche in Batteriefront defilierte. Die kaiserlichen Prinzen sahen dem Schauspiel von den Fenstern des Schlosses aus zu. Bald nach 12 /» Uhr erschien der Kaiser im Zeughause, wo die Parole: „Es lebe Se. Majestät der Kaiser und König!" ausgegeben wurde. Die befohlene Absperrung wurde
und gefroren, wenn es in den Hütten an Arbeit fehlte und der harte Gebirgswinter nicht enden wollte. Und dann, Heide, Kind, habe ich noch eine andere Reise vor. Ich fahre nicht gar zu weit um, die neue Gebirgsbahn hat prächtigen Anschluß. Ich will, ich kann nicht anders, ich muß nach Guttenau."
„Nach Guttenau?" Bis in die Lippen erblaßt, wie entgeistert starrte sie ihn an.
Er nickte. „Man ruft mich, und ich wäre ein Barbar, wollte ich mein Ohr verschließen. Der Amtsgerichtsrat Winkler, in der Jugend mir fast so teuer wie dein Vater, liegt hoffnungslos darnieder. Ein altes, nie gesühntes Unrecht, wie er schreibt, läßt ihn nicht ruhig sterben, bevop er meine Hand gedrückt."
„Und was haben Sie zu vergeben? Was hat man Ihnen angethan?'
Der alte Doktor putzte seine Brillengläser. „Er schnappte mir die Braut fort, und die Verzweiflung trieb mich über den Ozean. Jetzt, nach zwanzig Jahren, sehe ich die Sache mit kälterem Blute an. Sie war das schönste Mädchen Breslaus, ich ein häßlicher Knirps, auf den sie noch mehrere Jahre warten sollte. Natürlich warf sie ihre Netze nach dem jungen Kreisrichter, der sofort heiraten konnte. Daß er sich darin fing, finde ich heute nicht mehr so verdammenswert; die Leidenschaft verblendete ihn. Nicht wahr, ich muß zu ihm?"
„Wer wendete sich jemals umsonst an Ihr Herz!" sagte sie gerührt.
Sie fragte nicht weiter, sie trug ihm nichts auf. Sie wußte, daß er, so stolz wie sie. selbst, das, was ihr fast ans Leben gegangen, auf ewig totschweigen würde.
mit großer Strenge durchgcführt, und es entstand in Folge derselben an der Schloßfreiheit ein derar- tigeS Gedränge, daß es zu recht ungemütlichen Szenen kam. Um 1 Uhr war Frühstückstafel im Schlosse, um fünf Uhr Familientafel. Abends wohnte der Hof der Galavorstellung im Opernhause bei. — Wirklich effektvoll war die abendliche Jlluminatton, für welche Tausende von elektrischen Glühlichten im Stadtzentrum verwendet waren. Der Andrang der Bevölkerung war sehr stark, und die bei solchen Gelegenheiten in Berlin stets üblichen leidigen „Drängel- Szenen" blieben auch diesmal nicht aus. — Der Kaiser hat seine Freude über die so überaus starke Beteiligung der Bevölkerung an der Geburtstagsfeier ausgesprochen. — Die fürstlichen Gäste verlassen zum großen Teil noch am Mittwoch Abend wieder Berlin.
Deutsches Reich.
W. Aerkin, 28. Januar. Die Kaiserin Friedrich leidet an einem leichten Erkältungszustand und konnte deshalb an den Feierlichkeiten des Geburtstages des Kaisers nicht teilnehmen, da dieselbe genötigt ist, das Zimmer zu hüten. — Fürst Radolin, unter Kaiser Friedrich Oberhofmarschall und jetzt Oberst Truchseß, erhielt den Roten Adlerorden erster Klasse. — Der Präsident des Reichstages, Herr v. Lewetzow, ist zum Wirklichen Geheimen Rat mit dem Prädikat Excellenz ernannt worden. — Der preußische Kultusminister Graf Zedlitz hat den Roten Adlerorden (. Klasse erhalten. — Der Reichstag, sowie die beiden Häuser des preußischen Landtages waren am Mittwoch Nachmittag zur Feier des Geburtstages des Kaisers zu Festbanketten vereint. Der Reichskanzler, sowie die preußischen Minister und die Staatssekretäre des Reiches hatten die Beamten ihres Ressorts um sich vereint. — Für die Reichs- und die preußischen Staatsanleihen bestand bisher hinsichtlich der Zinszahlung ein abweichendes Verfahren insofern, als die Zinsscheine zu den preußischen Staatsschuldverschreibungen schon mehrere Tage vor dem Fälligkeitstermin, die Zinsscheine der Reichsanleihe dagegen erst von dem Fälligkeitstage an zur Einlösung gelangten. Diese Verschiedenheit ist nunmehr beseitigt. Nach einer neuerdings getroffenen Anordnung wird die Einlösung der Zinsscheine der Reichsanleihe bis auf Weiteres bereits mit dem 21. des dem Fälligkeitstermine voraufgehenden Monats beginnen. — Der deutsche „Reichsanzeiger" veröffentlicht die Bekanntmachung des Reichskanzlers
IX.
Ueberall in Guttenau erzählte man, daß die schöne Marte Winkler sich am Sterbebett des Vaters verlobt, und leise fügte Han hinzu, daß der Assessor eigentlich keine ernsten Absichten gehabt, nur sozusagen überrumpelt worden sei.
Ja, die Sternwirtin flüsterte sogar den Nachbarinnen zu, daß ihr seit der Verlobung ihr Miets- mann gar nicht mehr so recht gefalle. Halbe Nächte wandere er oben ruhelos umher und in Berlin habe er wegen der Marte, dem Teufelsmädchen, eine Braut sitzen lassen müssen. Früher seien immer Briefe gekommen, eine Schrift wie gestochen, und nach dem letzten habe er sich eingeschloffen und laut gestöhnt; das sei das böse Gewissen; Jean, der Kellner, dessen verlassener Schatz in das Wasser hineingewollt, habe es gerade so gemacht. Ab r bei dem Mannsvolk dauere so etwas nicht lange, das sehe man ja auch hier. Erst mit dem Kopf durch die Wand und dann jeden Abend bei der neuen Liebsten.
So leicht, wie man glaubte, konnte Wolf es doch nicht verwinden. Als ob man die Thür des goldenen Himmelssaals vor ihm zugeschlagen, um ihn draußen in ewiger Nacht zu lassen, war ihm zu Mut. „Du bist frei Wolf, ganz frei." Wie mit Flammenschrist standen diese Worte überall vor seinen Augen. Ob sie jene unselige Briefverwechselung für Absicht ihn so niedrigen Handelns für fähig gehalten? Ihr Stolz ist größer wie ihre Liebe, tröstete er sich, ungehört verurteilte sie mich. Wenn nur ihre sichere Hand bei den sechs Worten nicht so gezittert hätte, wenn nicht halbverwischte Thränen- spuren aus dem Papier zurückgeblieben wären!
Er sprang auf, das Zimmer war ihm zu eng,
bett, die Entwertung der Marken der Jnvaliditäts- und Altersversicherung. Es ist jetzt zulässig, die Entwertung durch Hineinschreiben des Datums vorzunehmen. — Nach einer kaiserlichen Kabinettsordre vom 7. Januar d. Js. haben die Offiziere von jetzt ab zum Parade- und Kirchenanzuge mit angezogenem Paletot an Stelle der Epauletts die Achselstücke anzulegen. Ferner sollen fortan die Reserve-Dragoner- und Reserve - Ulanen- Regimenter die Bekleidung und Ausrüstung der Linienregimenter, von welchen dieselben eingekleidet werden, ohne Nummern bezw. Namenszüge auf den Schulterklappen und Epauletten, mit dem Landwehr- tteuz an der Kopfbedeckung, tragen. — < Petitionen von Jnnungsverbänden in Berlin, bett, die Regelung der Gefängnisarbeit, waren durch Beschluß des preußischen Abgeordnetenhauses unter Anerkennung der Bemühungen der Staatsregierung, die Beeinttächtigung des freien Gewerbebetriebes durch die Gefängnisarbeit nach Möglichkeit zu verhüten, der Staatsregierung zur Erwägung überwiesen. Dazu wird bemerkt: „Die Besttebuug, eine Beeinträchtigung des freien Gewerbes durch die Gefängnisarbeit thuulichst zu verhüten, sind fortgesetzt worden; insbesondere ist darauf Bedacht genommen worden, die Arbeit der Gefangenen für den eigenen Bedarf mehr nutzbar zu machen, sowie Lieferungen für Reichs- und andere Staatsbehörden zu erhalten. Namentlich im Geschäftsverkehr mit den Eisenbahn- Verwaltungen sind erfreuliche Ergebnisse erzielt, und auch die Bestellungen von Militärbehörden haben zugenommen."
— Kenntlich gemacht als von der konservativen Fraktion des AbgeordueteuhaiiM ausgehend, schreibt zum Dolksschul-Gesetzentwurf die „Kons. Korresp.": „Die konservative Fraktion des Abgeordnetenhauses hat sich dem Volksschul-Gesetzentwurfe gegenüber dahin schlüssig gemacht, daß sie der Vorlage im Prinzip zustimmt, sich aber Verbesserungen im Einzelnen vorbehält. Die Wahrung des konfessionellen Charakters der Volksschulen sowohl wie der Lehrerausbildung ist mit Genugthuung als die Erfüllung einer alten konservativen Forderung anerkannt worden. In den Bestimmungen, nach denen die Leitung des Religionsunterrichts in die Hände der betteffenden Religionsgesellschaften gelegt ist, erblickt die konservative Fraktion keineswegs ein Hinausgehen über die in der Verfassung gegebenen Direktiven; sie faßt aber nach wie vor die Volksschule als Staatsinstitut auf und wird es nicht zugeben, daß an der Staatsaufsicht über die Unter®
der Kopf schmerzte zum Zerspringen, die Akten mit den banalen Jnjurienklagen widerten ihn an, nur Martes leichtes Geplauder dünkte ihm erträglich.
Die Art, mit der sie jede Tiefe im Gespräch umging, jede lästige Pflicht des täglichen Daseins anderen zuzuschieben verstand, war bewundernswert. „Eine fröhliche Lebenskünstlerin," nannte sie der kranke Vater, dem sie gewöhnlich nur flüchtig „guten Morgen" sagte.
„Tante Marie versteht es viel besser dich zu pflegen, bei ihr bist du vortrefflich aufgehoben, Papa," meinte sie dann. „Siehe, ich müßte doch erst anfangen zu lernen, würde vieles verkehrt machen und dir wenig nützen."
Der Rat lächelte trübe. Genau so hatte früher sein Weib gesprochen, wenn sie die kleinen, hilflosen Kinder verlassen, um irgend einem nichtigen Vergnügen nachzujagen.
Wolf sah alles, wußte alles, doch ihre junge, taufrische Schönheit hatte seine Sinne gefangen genommen, ihm schmeichelte es, das reizendste Mädchen, das er je gesehen, fein Eigen zu nennen. Im Stillen feierte er ihre Triumphe stolz mit. redete gewaltsam in eine Liebe hinein, von der sein Herz nichts wußte
Und dann die Freude, mit der der sterbende Mann ihn als Sohn willkommen hieß, die Zuversicht, mit welcher er die Sorge für feine verlassenen Kinder ihm empfahl. Man vertraute ihm also noch, hielt ihn hier nicht für den schwachen, wortbrüchigen Menschen, wie er gefürchtet.
Seit einer Woche war er der Verlobte Marter, die gleich am ersten Abend nach Leipzig geschrieben, um sich triumphierend dort abzumelden.
„Nun brauche ich nicht länger das abscheuliche Sächseln zu hören," lachte sie händeklatschend.