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Wöchenlliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchham.

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Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Ouartal-Abonnemcnts-Preis bei der Expe- difion 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Psg. exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Marburg,

Sonnabend, 16. Januar 1892.

Anzeigen nimmt entgegen die Erpedition dieses Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Stoffe in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M Berlin, Hannover, Parisi

XXVII Jahrgang.

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Die Thronrede zur Eröffnung des preußischen Landtages '

hat folgenden Wortlaut:

Erlauchte, edle und geehrte Herren von beiden Häusern des Landtages!

Seine Majestät der Kaiser und König haben mich mit der Eröffnung des Landtages der Monarchie zu beauftragen geruht.

Die Lage der Staatsfinanzen hat sich im Laufe dieses Etatsjahres weniger günstig gestaltet. Während die Rechnung für 1890 91 noch mit einem ansehn­lichen, auf bewilligte Anleihen verrechneten Uebcrschusse abschlicßt, ist es nicht ausgeschlossen, daß infolge der Steigerung der Ausgaben, namentlich bei den Staatseisenbahnen, sich im laufenden Jahre ein jenen Ucberschuß übersteigender Fehlbetrag Heraus­stellen wird

Bei Aufstellung des Ihnen unverzüglich zugehenden Etats hat demgemäß auf allen Gebieten der Staats­verwaltung eine besondere Sparsamkeit geübt werden müssen. Namentlich hat zum Bedauern der Staats- rcgicnmg die als notwendig anerkannte Aufbesserung der Besoldungen der unmittelbaren Staatsbeamten in diesem Jahre noch nicht in der wünschenswerten Mise weitergeführt werden können. 9lur zu der allseitig für besonders dringlich erachteten Verbesserung der äußeren Lage der Lehrer an ben höheren Schulen Md Seminarien sind schon jetzt die erforderlichen Beträge in den Etat eingestellt.

Das System des Aufrückens der Beamten nach Altersstufen ist bei den Unterbeamten bereits in dem diesjährigen Etat zur Ausführung gebracht und soll im nächstjährigen Etat in Anschluß an die Ver­mehrung der etatsmäßigen Stellen auf weitere Beamtenklassen ausgedehnt werden.

Der Entwurf des in dem Einkommensteuer- Gesetze vom 24. Juni 1891 vorbehaltenen Gesetzes wegen Gewährung einer Entschädigung für die Auf­hebung der den Häuptern und Mitgliedern der Familien vormals unmittelbarer deutscher Reichsstände zustehenden Befreiung von ordentlichen Personal- steuern, sowie der Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Revcnüen des beschlagnahmten Vermögens des vormaligen Königs von Hannover, wird Ihrer Be- schlußnahme unterbreitet werden.

Der von dem Landtage wiederholt gestellte Antrag auf gesetzliche Feststellung der Grundsätze für die Veranschlagung, Führung und Kontrolle des Staats­haushaltes hat die Staatsregierung veranlaßt, erneut

(Nachdruck verboten./!

Abendsonne.

Novelle von H. Rene.

(Fortsetzung.)

Wie die meisten eleganten Lebemänner hatte er eine gewiffe Abneigung gegen einsam dastehende Frauenzimmer, die sich durch geistige Arbeit mühsam z» ernähren suchten. Einmal war irrtümlich ein Paket Bücher bei ihm abgegeben worden. Er hatke «men Blick hineingeworfen. Lauter gelehrtes Zeug! Prr! Ein Blaustrumpf!

Heute, im Vorübergehen, schenkte er ihr den vsien eingehenden Blick. Eigentlich war sie gar Nt häßlich, auch nicht einmal verblüht, nur müde #ib abgespannt sah sie aus. Aber welche aus­drucksvollen, blauen Augen sie hatte, die reinen Kornblumen! Schade, daß sie ihn nur flüchtig ««gesehen.

Er blieb stehen bis ihr dunkles Schleierhütchen Pnter der Thür verschwand. Ob sie es auch so hlt und unwohnlich bei sich fand? Sicherlich «uguste und Frau Pieseke pflegten ihre Mieter nicht "hrch Pünktlichkeit und Sauberkeit zu verwöhnen. $ne Art Schadenfreude erfaßte ihn bei dem Ge- Mken, daß die stille Nachbarin nun auch einen W ungemütlichen Abend vor sich habe. Zu gönnen es ihr eigentlich. Warum übersetzte sie auch langweiligen Bücher aus dem Englischen und kmanzösischen, anstatt ...

Doch wie wurde ihm plötzlich! Brauste das D«r in schauerlicher Brandung ihm heulend in «n Ohren? Erstarrten die Füße ihm nicht langsam H* Eis, während die Zähne vor Kälte auseinander- Mugen. Er raffte sich noch einmal auf. Es war p höchste Zeit, daß er in irgend einem Lokal ein

an die Aufstellung einer e solchen Gesetzesvorlage heranzutreten, jedoch sind die Arbeiten noch nicht zuw Abschluß gelangt.

Anknüpfend an die im vorigen Jahre versuchte gesetzliche Regelung des Volksschulwesens wird wiederum der Entwurf eines Volksschulgesetzes vorgelegt werden; derselbe isi bestimmt, die einschlagenden Vorschriften der Verfassungsurkunde zur vollen Aus­gestaltung zu bringen. In Verbindung damit ist die Aufhebung der Regierungs-Abteilungen für Kirchen- und Schulwesen und die Uebertragung ihrer Geschäfte auf die Regierungs-Präsidenten durch eine Novelle zum Gesetz über die Organisation der allgemeinen Landesverwaltung beabsichtigt.

Um den Kirchengcmeinschaften die als notwendig erkannte Beseitigung der Stolgebühren für Taufen und Trauungen in einfacher Form zu ermöglichen, ist die Gewährung staatlicher Beihilfen in Aussicht genommen und find die erforderlichen Mittel in den Etat eingestellt. Mit den Verttetungen der evange­lischen Landeskirchen der älteren Provinzen und der Provinz Schleswig-Holstein konnte bereits bei ihrem verfassungsmäßigen Zusammentteten eine kirchenge­setzliche Regelung der Verwendung vereinbart werden, deren staatsgesetzliche Sanktionierung Sie demnächst beschäftigen wird. Auch andere, äußere Verhältnisse der evangelischen, wie der katholischen Kirche be- tteffende Vorlagen werden Ihnen zur verfassungs­mäßigen Beschlußfassung zugehen.

Der in der ersten Session der gegenwärfigen Legislaturperiode nicht zur Verabschiedung gelangte Entwurf eines die Kosten der Königlichen Polizei­verwaltungen in Stadtgemeinden neu regelnden Ge­setzes wird mit einigen Abänderungen Ihnen wiederum zur Beschlußnahme vorgelegt werden. Im Anschluß an dieses Gesetz wird die Ueberttagung der Ver­waltung der verschiedenen Zweige der Wohlfahrts­polizei in jenen Städten an die Gemeindebehörden in die Wege geleitet werden.

Die Rechtsverhältnisse derjenigm Eisenbahnen, auf welche das Gesetz vom 3. November 1838 nicht Anwendung findet, sind teils nicht völlig sicher, teils nicht so zweckmäßig geordnet, wie dies im Interesse kräfttger Entwickelung dieses wichtigen Verkehrszweiges erwünscht ist; dun in dieser Be­ziehung hervorgetretenen Bedürfnisse soll eine Vorlage Abhilfe schaffen, welche Ihnen demnächst zugehen wird.

Auch in diesem Jahre werden Ihnen auf dem Gebiete des ^Eisenbahnwesens Vorschläge gemacht werden, welche durch die Herstellung neuer Schienen­verbindungen und durch sonstige Bahnausführungen

Glas heißen Punsch bestellte. Das vertrieb den Frost, weckte wohl wieder die Lebensgeister.

Er machte sich auf den Weg, taumelnd tastete er sich hinab. Feurige Blitze zuckten vor seinen Augen und überall an den Wänden grinsten ihm greuliche Teufelsfratzen entgegen. Unten, im Vorsaal, dicht an der Portierloge verließ ihn die Besinnuna, noch einmal griff er mit den Händen haltlos in die Luft, dann brach er bewußtlos zusammen

II

Fräulein Adelheid Bertram hatte bei ihrer grün« umschleierten Studierlampe eben das erste Kapitel des ins Deutsche zu übertragenden englischen Romans in Angriff genommen, als es ängstlich an ihre Thür klopfte und ohne das Herein abzuwartkn sich das verstörte Gesicht der Portiersfrau im Rahmen zeigte.Entschuldigen Sie, Fräulein, ein Unglück ist geschehen," stammelte sie.Mein Mann fand in der Dämmerung, quer vor der Hausthür, einen Herrn wie tot daliegen. Auf unser Geschrei kamen noch andere hinzu, und als Geheimrats Jette ihyi mit ihrer Küchenlampe ins Gesicht leuchtete, erkannten wir Madam Piesekes Zimmerherrn, der, wenn er den Hausschlüffel vergessen, meinem Mann des Nachts manch gutes Trinkgeld schon gegeben. Auch heute dachten wir, er habe wohl des Guten zu viel gethan. Da hat nun mein Mann die Tischler­gesellen aus der Werkstatt im Hofe gerufen und ihn heraufgebracht. Ein Rausch muß es aber nicht sein, da liegen sie still wie ein gefällter Baum, ich kenne das bei meinem Alten am Sonntag. Wohl eine Stunde ist es her, daß wir ihn auf sein Bett gelegt, und nun rast er, spricht allerlei dummes Zeug und die Augen brennen ihm wie glühende Kohlen im Kopf."

Und ist niemand bei ihm?"

und Beschaffungen die Erweiterung, Vervollständigung und bessere Ausrüstung des Staatseisenbahnnetzes bezwecken.

Die stettge Zunahme der Geschäfte bei den Ge­richten der Stadt Berlin hat die Notwendigkeit er­geben, die Führung der Dienstaufsicht bei diesen Gerichten durch besondere Vorschriften zu regeln. Eine entsprechende Gesetzesvorlage wird Ihnen zugehen.

Durch die Novelle zur Reichs - Gewerbeordnung vom 1. Juli 1891 ist das seitherige Maß des ge­setzlichen Arbeiterschutzes wesentlich erweitert worden. Die auf die Sicherung der Sonntagsruhe der Arbeiter, sowie auf die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter und erwachsener Arbeiterinnen bezüglichen Besfimmungen der Novelle finden auch auf den Bergbau unmittelbar Anwendung. Bei anderen durch das Reichsgesetz neu geordneten Gegenständen aber hat die Rücksicht auf die Eigentümlichkeiten des berg­baulichen Bettiebes es zweckmäßig erscheinen lassen, die landesgesetzliche Regelung vorzubehalten. Eine entsprechende Gesetzesvorlage wird dem Landtage alsbald zugehen.

Meine Herren, indem ich Sie im Auftrage Seiner Majestät begrüßte, lade ich Sie ein, Ihre Arbeiten wieder aufzunehmen, und spreche im Namen der Staatsregierung die Hoffnung aus, daß Ihre Verhandlungen auch in der bevorstehenden Session unter Gottes Segen zum Wohle des Landes ge­reichen werden. *

Auf Befehl Seiner Majestät des Kaisers und Königs erkläre ich den Landtag der Monarchie für eröffnet.

Der Tod des künftigen englischen Thronfolgers.

Der älteste Sohn des Prinzen von Wales, also ein Vetter des deutschen Kaisers, ist am Donnerstag ftüh an der Influenza gestorben. Prinz Albert Viktor, He^og von Clarence und Avondabe war am 8. Januar 1864 in Frogmore-Lodge bei Windsor geboren. Im englischen Heere begleitete er die Charge eines Majors im 10. Husaren-RegimentPrince of Wales's Own Royal", ferner war er Ehrenoberst mehrerer anderer englischen Regimenter. In der deutschen Armee stand er ü la suite des Husaren­regiments Fürst Blücher von Wahlstatt Nr. 5. Erst am 6. Dezember v. I. hatte sich er, wie s. Z. be­richtet, mit der Prinzessin Mary von Teck verlobt, und für die auf Ende Februar festgesetzte Ver­mählung wurden bereits am Hofe und in allen

Wer sollte wohl dort sein? Madame Pieseke ist in Moabit zur Taufe bei ihrer verheirateten Tochter und hat Juste zum Helfen mitgenommen Vor der Nacht kommt wohl niemand zurück."

Da werde ich sehen, was zu thun ist."

Das habe ich mir gedacht, Fräulein sind gar nicht zimperlich. Als ich neulich den schlimmen Fuß hatte und keine Katze, geschweige ein Mensch nach mir fragte, sind Sie gekommen und haben mir die gute Salbe selbst aufgelegt, daß es mir bald besser wurde."

Aber Frau Krüger, das ist doch nur Menschen­pflicht. Wie sähe es denn auf der Welt aus, wenn einer den anderen zu Grunde gehen ließe, ohne zu helfen. Zeigen Sie mir getrost Ihren Kranken."

Adelheids Fuß stockte unwillkürlich auf der Schwelle, als ihr die kalte, verdorbene Luft wie aus einem Grabe entgegenwehte, doch sie bezwang sich und trat mutig vor. Beim Schein der qualmenden Flurlampe, die Frau Krüger auf einen Tisch gestellt, unterschied sie nur undeutlich die Gegenstände, erkannte aber bald das Bett, in dessen zerwühlten Kissen ein blonder Kopf ruhelos sich hin und herwarf.

Ich will aufstehen", rief der Kranke.Excellenz mit der goldenen Brille und der alte Kunde von Muselmann erwarten mich zum Skat. Warum habt Ihr mir denn den Mühlstein auf den Kopf gelegt? Nun wird noch gar das Bett ang^ündet. Ich verbrenne ja, laßt mich hinaus!"

Adelheid legte ihre kühle Hand auf'die glühende Stirn.Kaltes Wasser, Frau Krüger!" befahl sie leise.Und dann muß Ihr Mann zum Doktor, ich lasse den Sanitätsrat Walter, den alten guten Herrn, der Ihnen ja auch die Heilsalbe gegeben, Sie wissen ja, recht sehr bitten, gleich zu kommen; es schiene mir Gefahr vorhanden "

Kreisen der Bevölkerung festliche Veranstaltungen vorbereitet. Der Todesfall hat in England allge­meine und tiefe Trauer hervorgerufen; die Eltern des Prinzen erhielten von Nah und Fern zahlreiche Beweise der Teilnahme. In London und andern englischen Städten wurden vielfache Trauerkund- gebungcn veranstaltet. Die Königin ist durch den Tod des jungen Prinzen auf das Tiefste erschüttert; Besfimmungen bezüglich der Beisetzung werden in den nächsten Tagen getroffen werden. Der Prinz galt als sehr fleißiger und strebsamer junger Mann.

Deutsches Reich.

W. Werkin, 15. Jan. Unser Kaiser, welcher am Mittwoch Abend zur Teilnahme an den Hof­jagden in Bückeburg eingetroffen und festlich empfangen war, wird seinen Besuch, infolge des Ablebens feines Vetters, des Herzogs von Clarence, voraussichtlich abkürzen. Der Kaiser und Prinz Adolph zu Schaumburg-Lippe begaben sich Donnerstag Vor­mittag zur Jagd auf Hirsche am Bückeberge. Bei der Abfahrt wurde Sr. Majestät von den auf dem Schloßplatz und dem Schloßwall versammelten Land­leuten, die ihre Nafionalfiacht angelegt hatten, leb­haft begrüßt. In den Dorfgemeinden, welche der Kaiser passierte, waren Ehrenpforten errichtet, an welchen Landleute und die Schulen Aufstellung ge­nommen hatten.' Der Fürst zu Schaumburg-Lippe war durch Unwohlsein verhindert, an der Jagd teil­zunehmen. Nach der Rückkehr von der Jagd fand im Schloß zu Bückeburg ein Diner statt. Heute wird der Kaiser wieder in Berlin eintteffen. In­folge des Trauerfalles werden auch wohl die Berliner Hoffestlichkeiten eine Einschränkung erfahren. Der Kammerherr Dr. von Behr-Schmoldow, Mit­glied des Herrenhauses in Berlin und Vorsitzender des deutschen Fischerei-Vereins, ist im Alter von 70 Jahren gestorben. Der Heimgegangene stand zahlreichen gemeinnützigen Unternehmungen nahe. Das neue Volksschulgesetz ist am Donnerstag dem preußischen Abgeordnetenhause zugegangen. Es enthält neun Abschnitte mit 194 Paragraphen. Der erste Abschnitt bezieht sich auf die Ausgabe und Einfichtung der öffentlichen Volksschule und reicht von den §§ 1 bis 26 incl. Der zweite Abschnitt (Träger der Rechtsverhältnisse der öffentlichen Volks­schule) umfaßt die §§ 27 bis 50 incl. Der dritte Abschnitt handelt von der Verwaltung der Volksschul- angelegenheiten und den Schulbehörden und enthält die §§ 51 bis 74 incl. Der vierte Abschnitt be-

Als die Frau gegangen, öffnete Adelheid weit die Fenster, trug ihr eigene mildleuchtende Lampe herbei und machte sich daran, die erste kühlende Kompresse um die Stirn des Kranken zu legen.

Verständnislos blickten dessen Augen sie an, während die heißen, trockenen Lippen unaufhörlich wirres Zeug flüsterten.Jean, einen Grog, aber einen steifen!" hörte sie ihn rufen.Nein, lieber eine Portion Eis aus Rosas schönen Händen, die Höllenglut muß gelöscht werden, und dann will ich mit Neumann fahren 1 Ach, Unsinn! Welch an­ständiger, moderner Mensch lebt denn heutzutage noch in Luckenwalde? Es ist gar nicht wahr, daß ich in Schwiebus geboren wurde. Berlin, die tolle Sirene, muß meine Vaterstadt sein Eine Lüge, daß ich das Examen glücklich bestanden. Für Thienell sind alle diese zärtlichen Mutterküsse bestimmt. Wer widerspricht mir? Wer ist überhaupt hier? Ich verlange ja gar nicht, daß man mich beglückwünscht " Voll leisen Mitgefühls blickte Adelheid in das schöne, leichtsinnige Gesicht, das, in dunkle Fieberröte getaucht, vor ihr lag. Mühsam atmend hob sich die Brust, während die Finger unruhig hin- und hergriffen.

Wenn doch der Arzt erst käme! Und wo Frau Pieseke bleibt! Diese wußte vielleicht, ob der Kranke Angehörige besaß, die man herbeiholen könnte.

Wolf Hagen, Referendar," stand auf der kleinen Visitenkarte an seiner Stubenthür, und heute sollte er sein Staatsexamen machen, erinnerte sie sich flüchtig gehört zu haben. Doch woher und wohin? Wer fragt danach im großen Millionen-Babel! Stunden vergingen, Adelheid hatte die Fenster ge­schlossen, im Ofen ein leichtes Feuer entzündet, die Lampe so gerückt, daß sie nicht blende, und nun saß sie, die (Stirn in die Hand gestützt, am Lager