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Wöchenüiche Bellagm: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. — Illustriertes Sonntagsblatt. Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
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Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn« und Feiertagen. — Quartal-AbonnementS-Prei» bei der Expedition 2 Ml., bei allen Postämtern 2 Mk 25 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JusertionSgrbühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zelle 25 Pfg.
Marburg,
Sonntag, 22. November 1891.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte«, sowie die Annoncen-Bureauxvon Haasenstein und Bögler in Frankfurt <u M-, Lasset, Magdeburg u. Wien; Rudolf Moste in Frankfurt a. M-, Berlin, München u. Köln; E. L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M-, Berlin, Hannover, Pari«.
XXVL Jahrgang.
Bestellungen für den Monat Dezember auf die
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50 Pfz, 26 Vis. (6920
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«bst Amtlichem Kreisblatt für die kreise Marburg und Kirchhai« sowie Mstriertem So««tagsblatt werden von den Postanstalten, Landbriefträgern sowie m unserer Agentur Herr Buchbinder B. Kindt in Kirchhain und der Expedition mseres Blattes (Marburg, Markt 21) fortwährend entgegengenommen.
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ivertreter erhoben, blieben auch die Sozial-
venhandels in den deutschen Schutzgebieten wurde
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M stetzes in einiger Zeit dem Reichstage unterbreitet
? erden. In den folgenden Sitzungen wird die schon
«er Spezialkommisson zur Beratung überwiesen d dann gelangten Petitionen zur Erledigung, bei er eS gleich zu scharfen Auseinandersetzungen die bekannten unliebsamen Vorkommnisse der ien Wochen kam. Praktisch wertvoll war die »kündigung deS Vertreters der verbündeten Re- ierungen, eS solle eine Verschärfung des Wucher-
I Wochenschau.
♦| Der Reichstag hat seine Arbeiten wieder aufge- mnmen. WaS man von den ersten Sitzungen sagen fan, ist das Bedauern: ES hätte voller sein können! Za der vorigen Arbeitsperiode litt des Parlament ktamtlid) ganz außerordentlich stark unter dem shwachem Besuch und beschlußunsähige Sitzungen tonen häufiger vor, als dem Ansehen der Voiks- lmtretung gerade von Nutzen war. Hoffentlich tleibt deshalb diemal das .Schwänzen der Sitzungen"
s wf den Anfang beschränkt und gehen die Dinge
„ s .a wueucHLCitl tiyuvm, vutuui uuuj Mit 's/vjiuj- ■v imokrat-.n nicht sitzen. Sonst hielten fich diese i oaraa in solchen Fällen immer dem SitzungSsaale L 9 Df®?- Der Gesetze twurf über die Bestrafung des
»alb« hierher etwas anders herum. Zum Beginn der Verhandlungen gedachte der Präsident von Lkwetzow wch des Hinscheidens des König« Karl von Württem- irjumm un^ a[§ sich bei seinen Worten alle ar wesenden
i Frühjahr begonnenen Beratung der Abänderung deS n. rankenkvssengesetzeS scrtgesührt werden. Kommende
llig« beginnt die Etatsberatung, bei welcher als- । j um die genannten politischen und wirtschaftlichen u’ erhältniffe Deutschlands eingehend erörtert werden.
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(Nachdruck verboten.)
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Nach dem Amerikanischen von I. von Böttcher.
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(Fortsetzung.)
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'Mg, Echten, wenn sie erfahren würde, daß ihr Ver- Mtet die Vormundschaft über ein junges, hübsches Mädchen übernommen habe Eveline war schon LlCTj fßmals bei weit geringfügigerer Veranlaffung eifer» 971 iHtig gewesen, was würde sie jetzt sagen?
Echte.
- Sie kannten wohl die stolze, eifersüchtige und herrische Gemütsart Eveline Grants und fürchteten Unannehmlichkeiten, welche daraus entstehen
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• Beide wünschten dringend, 'daß die Verbindung i PftlÄ Richards mit der reichen Erbin, mit^welcher er schon Jahren verlobt war, endlich vollzogen werden
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„Er hat sie nur mitgebracht, um Eveline zu «änken und herauszufordern', seufzte Mr. Randolph, sie später am Abende mit Jessie über diese An- i^egenheit sprach. „Ich werde Dick morgen sagen, «aß er diese Thorheit nicht weiter treiben darf.
Machen darf nicht hier bleiben "
Ugl Viertes Kapitel
)’/il^ . Am nächsten Morgen wollte Richard Randolph " • A sogleich nach seiner Redaktion begeben, allein Eon wollte die Mutter nichts hören.
_ „Eveline kann jeden Augenblick kommen", sagte „Es würde sie tätlich verletzen, wenn sie Dich W zn Hause fände."
Er lächelte zwar spöttisch bei dieser Bemerkung, Nichtsdestoweniger aber blick er, und sein Herz N)te vielleicht etwas schneller schlagen, als er im
74 ioH? ^itnmtr der Ankunft des Mädchens
> /• flirte, von dem er in bitterem Zorn und Groll
Bon einer angeblich beabsichtigten Herabsetzung der Getreidezölle ist auch in dieser Woche wieder vielfach die Rede gewesen, doch haben sich die bezüglichen Angaben als nicht begründet herauSgestellt. Es bleibt dabei, daß erst mit den neuen Handelsverträgen etwaige Brränderungen im deutschen Zolltarif erfolgen sollen.
ES war Zeit, daß der Reichstag zusammentrat, denn die Erörterung über bie SBorte „suprema lex regis voluntas", die, wie nachträglich bekannt geworden, der Kaiser bet seinem letzten Besuch in München in das Fremdenbuch der bayerischen Hauptstadt eingeschrieben, drohte etwas zu umfangreich zu werden, während doch jedem Einsichtigen von vornherein klar fein mußte, daß es in Zukunft im deutschen Reiche ganz genau ebenso bletven werde, wie bisher. Nun wird diese Angelegenheit wohl etwaS in Bergrssenhlit geraten, die ein Pendant zu dem bekannten Wort des Monarchen von den „Edelsten der Nation" bildete, welches Kaiser Wilhelm hinterher selbst in seinem Armeeerlaß von Ostern 1890 richtig gestellt hat. Fürst Bitmarck ist von Varzin nach seinem Landsitze Friedrichsruhe bei Hamburg gereist, und beim Passieren von Berlin find ihm von zahlreichen Verehrern recht lebhafte Ovationen dargebracht worden. In den Reichstag wird der Altreichskanzler vorläufig noch nicht kommen, wie fich denn auch die Mitteilung al» unbegründet erwiesen hat, daß er schon einen Platz im Sitzungssaale d-s Parlaments habe belegen lassen. Die Stadtverordneten Ersatzwahlen in Berlin haben in der dritten Abteilung den Sozialdemokraten wieder mehrere Mandate gebracht. Er scheint, so führen die meisten dortigen Zeitungen aus, doch hohe Zeit zu werden, daß sich die Ordnungsparteien zu gemeinsamem Vorgehen verbinden. Die Zunahme der sozialdemokratischen Wähler kann nach dem Wachstum schon bei den letzten Reichstagswahlen selbstverständlich nicht überraschen. Von der Panik, welche infolge der bekannten Bankbrüche im Publikum eintrat, hat man sich jetzt im Allgemeinen wieder erholt. Doch macht sich die allgemeine Geschäftsflaue am ganzen Geldmarkt mit erhöhter Wucht geltend, auch die unbedingt sicheren deutschen Werte haben darunter zu leiden.
Die aus Kamerun eingelaufene Trauerkunde, von dem Tode des tapferen und bewährten Hauptmanns von Gravenreuth, der bei einer Expedition ins Innere während der Eroberung deS Ortes Buka gefallen ist, hat tiefen Eindruck hervorgerufen. Gravenreuth war trotz seiner 31 Jahre einer der besten deutschen Asrikakenner und wußte besonder«
geschieden, fest entschlossen, für immer die Fesseln abzuwerfen, in welchen sie ihn gehalten hatte.
Mrs. Randolph und Jessie hatten sich zurückgezogen, um nicht Zeugen des ersten Wiederbegegnens zu sein. Er überlegte eben die förmlichste Art, sie zu empfangen und suchte nach einigen kalten, zurückhaltenden Worten der Begrüßung — als die Thür ausflog, und eine stolze blonde Schönheit, in rauschende Seide und Spitzen gehüllt, aus der Schwelle erschien. Die lichtblauen Vergißmeinnicht-Augen voll verlangender Zärtlichkeit auf ihn geheftet, eilte sie auf ihn zu, und der grinsende Diener sah noch, ehe er die Thür wieder geschloffen, wie sie sich mit dem Aufschrei des Entzückens in die Arme seines Herrn warf:
„Oh Dick, mein Ein und mein Alles!"
Wo blieben alle seine ernsten Entschlüsse, als die weichen Arme sich um ihn schlangen und das verführerische Antlitz mit verlockendem Lächeln in das seine sah? Was konnte ein Mann anders thun, als sie wieder zu küssen und Umarmung mit Umarmung zu erroibem? »
„Oh Dick, Du wirst mir verzeihen! Ich habe mich so nach Dir gesehnt und schon lange, lange bereut!"
„Mein süßes Lieb!" rief er und die Versöhnung war geschlossen. Seine Entschlüsse waren gleich Schnee in der Sonne ihrer Liebe, ihrer Reue und Schönheit geschmolzen. Aber ein letzter Rest von Vernunft hieß ihn sagen:
„Vergiß nicht, Eveline, daß dies das letzte Mal ist, wo ich Dir verzeihe — ein neuer Bruch — und wir sind für immer geschieden."
Er hatte diese Drohung schon so oft ausgesprochen, darum lachte sie nur, den ernsten Ton, in welchem er sprach, nicht beachtend, und antwortete munter:'
mit großem Geschick Angriffe gegen die Eingeborenen zu leiten. Wohl in einem Dutzend kleinerer und größerer Gefechte, in welchen er mitunter mehrere tausend Gegner vor sich hatte, Hal er in Ostafrika kommandiert, bevor er noch Kamerun ging, und ausnahmslos hat er den Sieg davongetrogen. Er war augenscheinlich der begabteste vo» den Schülern des Majors von Wißmann und kam diesem in bet Ausführung militärischer Operationen ziemlich gleich. Im ganzen beutschen Kolonialbienst ist, mit Ausnahme bei Majors von Wißmann, heute Niemanb, ber Gravenreuth voll zu ersetzen vermöchte. Sein Tob bringt baher einen recht schweren Verlust. Gravenreuthi Expedition ist wohl trotz ihrer errungenen Erfolge zur Küste zurückgekehrt, ba es an einem geeigneten Führer zur Stunde fehlt.
In Säten haben in den Delegationen bie sehr umfangreichen Erklärungen beS Minister-Präsidenten Grasen Kalnoky über bie allgemeine politische Lage in Europa lebhafte Befriedigung hervorgerufen. Der Minister bedauerte auf das lebhafteste, daß heute eine allgemeine Abrüstung noch nicht möglich sei, daß vielmehr infolge der neuen Rüstungen immer erneute Allarmgerüchte entständen. Er betonte aber, daß nach seiner Ueberzeugung heute nichts in Europa vorhanden sei, was auf einen nahen Konflikt hindeute. Nach diesen beruhigenden Erklärungen ist ein ziemlich glatter Verlauf ber Delegation« - Verhandlungen zu erwarten. Die Leichtgläubigkeit bet Börsenleute ist Sonnabend in Wien durch geschickt erfundene SensatkonSgerüchte ausgebeutet worden. Es entstand eine entsetzliche Panik, bei welcher Millionm über Millionen verloren wurden. Erst späterhin trat eine Beruhigung ein. Auf ber Insel Sizilien hat in Palermo in Gegenwart bes italienischen KönigSpaares bie Eröffnung einer großen nationalen Ausstellung stattgesunden. König Humbert unb bie Königin Margherita sind begeistert empfangen.
Die Franzosen haben den russischen Minister von Giers, nachdem sie schon so lange geschmachtet haben, nun endlich unter sich. Man ist aber so verständig, dem alten Herrn alle überflüssigen Ovationen zu erlaffen. Er bleibt nur ein paar Tage an bet Seine unb reift bann nach Berlin. Viele Kopsschmerzen verursacht ber französischen Industrie der Ausbruch eine« neuen allgemeinen Bergarbeiterstreiks im Norden, der sehr langwierig zu werden scheint. Die französischen Bergleute waren bisher viel schlechter gestellt, als die deutschen. In Rußland werden Hungersnot unb Geldnot von Tag zu Tag schreiender.
„Zwischen uns wird kein Bruch mehr statt- finden, denn Mama Randolph sagt, daß wir unserem Brautstände endlich ein Ziel setzen müßten — da, wenn er noch länger wäre, ich darüber zur alten Jungfer würde "
„Du magst den Hochzeitstag bestimmen, Geliebte", sagte er zärtlich.
In diesem Momente traten Mrs. Randolph und Jessie in das Zimmer, man hätte fast glauben können, sie hätten gelauscht, da sie keinen gelegeneren Augenblick für ihr Erscheinen wählen konnten.
Miß Grant war durchaus nicht aus der Fassung gebracht, ihre Augen funkelten und mit siegesbewußtem Tone lief sie ihnen entgegen:
„Mama, Jessie, wir sind versöhnt, und Dick wünscht, daß ich den Tag der Hochzeit bestimme!"
„Dann thue es sogleich!" erwiderte Mrs. Randolph hocherfreut.
Richard schien etwas verstimmt und meinte kurz:
„Macht das unter einander aus. Ich muß jetzt auf die Redaktton."
„Warte einen Augenblick", rief feine Verlobte, „mein Wagen steht vor der Thür, Dick, und ich werde Dich dorthin fahren."
„Wie Du willst", erwiderte er, sich setzend, um zu warten, bis es ihr gefällig fein würde, aufzubrechen.
Plötzlich aber schien er fich auf etwas zu besinnen, und zu feinet Schwester gewendet, fragte er:
,„Jst Hazel Dale noch nicht heruntergekommen?"
„Nein. Sie war sehr müde heute morgen, so daß wir ihr das Frühstück hinaufgeschickt haben"
,Hazel?" wiederholte Eveline Grant, Richard und Jeffie überrascht ansehend.
„Ein — ein junges Mädchen, welches bei uns zum Besuch ist", stammelte Jessie errötend.
Der Finanzministet, der am Ende seiner Kunst angelangt ist, steht nicht mehr fest auf seinen Füßen, und bie Rnbelbirse fallen unaufhörlich. An« verschiedenen Gegenden werben schwere Arbetterunruhen gemeldet.
Wo ist keine Revolution?, so kann man nun bald fragen, wenn von Südamerika die Rede ist. Der Präsident Fonfeea von Brasilien telegraphiert Tag für Tag, daß alles in seinem Lande gut unb schön stehe, aber babei ist ber Bürgerkrieg ihatsächlich aus gebrochen. Von dem Staate Rio Grande do Sub anS wird ber Zentral Regierung in Rio de Janeiro ganz offen Trotz geboten, andere brasilianische Staaten sind auf dem Wege, diesem Beispiel zu folgen, und wenn auch von einer Rückberufung des vertriebenen Kaisers Dom Pedro kaum ernstlich die Rede ist, mit ber bisherigen Einigkeit ber Vereinigten Staaten von Brasilien ist eS auch zu Enbe. Recht schlimm sieht eS auch in Argentinien auS, wo in allen Staaten sich ein offener Geist bei Widerspruchs geltend macht, unb man ben Aul druck eines allgemeinen Bürgerkriege- befürchtet. In Chile, Uruguay und Paraguay läßt die innere Ordnung viel zu wünschen übrig, unb in ben zentralamerikanischen Republiken gährt es an allen Ecken unb Enden. Auch in Mexiko stehen die Dinge recht flau; die Mißwirtschaft hat einen recht hohen Grad erreicht, unb ein plötzlicher Krach ist durchaus nichts Unwahrscheinliches.
Deutsches Keich.
W. Berlin, 21. Novbr. Freitag früh 9 Uhr fand von Springe uuS ber Aufbruch zur Jagd statt. Zunächst wurde dieselbe am großen Drakenberge abgehalten unb bestand unter Benutzung ber Findermeute in einem abgestellten Jagen auf Rot-Damwild und auf Sauen. Nach einem Frühstück im Jagdzelte wurde bie Hofjagb mit einer Suche mit der Find er mente auf Sauen im Forstrevier Dierssen fortgesetzt. Nach dem Schluß ber Jagd fand im Jagdschlösse eine Mittagstafel statt, bei welcher ber Hannoversche Männergesangverein mehrere Lieber fang. Nach Aushebung ber Tafel reifte der Kaiser nach Potsdam zurück. Die Abreise erfolgte am Nachmittage zu Wagen bis zur Kaiserallee unb von dort mittels Sonderzuges die Weiterreise nach Hannover und von ba gegen 6'/, Uhr über Magdeburg direkt biS zur Wildparkstation, woselbst die Ankunft gegen 101/* Uhr stattfand. Empfang und Begleitung fanden auch auf der Rückreise von Hannover nach Potsdam auf keiner Station statt. —
„Was ist Dir, Jessie?" fragte der Bruder befremdet, und sich an Eveline wendend, fetzte er hinzu:
„Sie ist nicht eben ein Gast, Eveline, sondern von jetzt ab ein Glied unserer Familie Hazel Dale ist ein kleines Mädchen, welches auf demselben Dampfer mit mir die Ueberfahrt von Europa hierher machte. Ich bin ihr Vormund, und unser Haus wird ihr Heim sein, wenn Mama und Jessie es erlauben. Wenn nicht —" er brach plötzlich ab und schwieg.
„Ihr Vormund? Dazu bist Du doch wohl noch zu jung?" meinte Miß Grant.
„Wieso, da Du mich doch soeben zu Deinem Vormund für das ganze Leben angenommen hast?"
„Oh, das ist etwas Anderes", entgegnete sie lachend und errötend, „aber liebster Dick, erzähle mir Näheres über das kleine Mädchen, und wie es kam, daß Du zu ihrem Vormunde bestellt wurdest?"
„Ja, ja, erzähle!" rief die neugierige Jeffie, uud Mrs Randolph bemerkte gemessen:
„Da Du die Last einer solchen Verantwortlichkeit auf Dich genommen hast, ist es nicht mehr wie recht, uns die Gründe anzugcben, welche Dich dazu bestimmten."
„Gründe wären fast ein zu kalter Ausdruck dafür", sagte Richard Randoloh. „Das reinste Mitteid und Menschlichkeit bestimmten mich, die Vormundschaft über Miß Dale anzunehmen. Ihre Mutter starb während der Ueberfahrt und ließ ihre junge Tochter allein in der Welt zurück "
„Wie traurig", sagte Jessie teilnehmend.
„Sie kam aus Italien, aber ihr Geburtsland war Amerika", fuhr der junge Mann fort. „Eine schwächliche, schwindsüchtige Person, ging sie nach Italien, als Hazel noch sehr jung war, und das dortige milde Klima verlängerte ihr Leben um