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Herr v. «ollmar führte auS: „Heute ist zwetsel- lo» in erhöhtem Maße eine Warnung der Genossen vor dem Machtkitzel nötig. Bon verschiedenen Seiten, auch von Bebel, wird neuerdings mit steigender Begeisterung vorgetragen, das Ziel der endgiltigen Erreichung der sozialdemokratischen Pläne sei uner- wartet nahe gerückt, in einem Weltkriege werde die alte Gesellschaft verbluten, Bankerott, Katastrophe, großer Kladeradatsch stehe bevor, wie Bebel sagte, «dem er hinzufügte: dann machen wir reinen Tisch. TaS Prophetentum ist ja jetzt Mode, «on London aus ist sogar der Zeitpunkt genau auf 1898 festge- setzt worden. Ich weiß nicht, ob auch Tag und Tatum angegeben wird, aber ich weiß, eS giebt Leute in der sozialdemokatischeu Partei, die denken, das sei noch zu entfernt, sie meinen 1893, vielleicht
1892. Damit komme ich auf die auswärtige Politik, obgleich die Gefahr dorther heute ziemlich beseitigt ist, vielleicht unter dem Eindruck der auswärtigen Politik BebelS in der letzten Zeit. Auch «h bedauere das Unglück de» Völkerzwistes, aber wir müflen als Politiker uns mit den Thatsachen besaßen, und da ist eS zweifellos, daß Frankreich mid Rußland allein ein Jntereffe an einer Beran- berang der Weltkarte haben. An einem Bündnis
Enttäuschung und Rückschlag ist daS dicke Ende. Und endlich stehe ich nicht an, herauSzusagen: eS ist gut, daß an jene Verwirklichungen nicht zu denken ist. Was würde ein solch plötzlicher Erfolg sein? Eine Episode in der Geschichte Deutschland», eine neue Auflage der Commune mit ihren Verkehrtheiten und Rückschlägen. Gestern ist gesagt worden, man I solle nicht alles so kühl und abgeklärt verlangen: nun, gegen Fieber ist Kühle das allerbeste Mittel." ES ist unnötig, diesen Autführungen weitere» hinzu- zufügen. Ein sozialdemokratischer Abgeordneter spricht hier mit einer Schärfe über die überschwenglichen ZukunftSphantasieen seiner Parteigenossen, wie eS auch der Gegner der Sozialdemokratie nicht besser kann.
Noümars Rede in Erfurt.
Auf dem sozialdemokratischen Parteitage in Er- furt hat die große Mehrheit der Versammlung beschlossen, den bisherigen Führern weitere Folge zu leisten, auch bezüglich der künftigen Haltung der Partei alles beim Alten zu lassen. Da ist es denn von allgemeinem Interesse, die Hauptstellen der Rede be» bekannten Münchener Abg. v. Vollmar, der wiederholt schon durch seine Darlegungen von sich reden gemacht, anzusühren, um zu sehen, wie es heute in Wahrheit mit der sozialdemokratischen Partei bestellt ist.
Marburg,
Dienstag, 20. Oktober 1891.
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Handelsverträge Italiens mit Deutschland und Oesterreich unmittelbar bevor. — Der Kaiser las ia Roonnten den Bericht über de» Prozeß Heinze-in Berlin. Aufgebracht über die Verwild«rung befahl er durch den Droht dem preußischen Justizminister v. Schelling, derselbe solle »wirksame Au»kehr halten". Dieser Tage sand nun, wie die.Saale- Zeitung" meldet, in Berlin ein Ministerrat statt, zu welchem auch der Polizeipräsident von Berlin v. Richthofen, Graf Pückler, der Leiter der Kriminalpolizei, und der Kommandierende de« Gardekmp» Trnnal v. Meerscheidt-Hülleflen, zugezogen waren, dasselbe Blatt berichtet, daß gegen den antisemitischen Schriftsteller Karl Paasch, der in einem Briefe an den Reichskanzler den GesandtschaftSattachL Freiherr» v. Eckardstein als .Judensproß" und Abkömmling des in de» Towerdiebstahl verwickelten Jakob Stein bezeichnet hatte, Strafantrag wegen Beleidigung gestellt worden sei. Duß der Prozeß Manchä nochmals zur öffentlichen Verhandlung gelangen werde, ist heute kaum »och zu bezweifeln. Es muß bei der Beurteilung dieser Falles streng zwischen be» moralischen und l>en juristischen Gesichtspunkten unterschieden werde». Moralisch ist keiner der Angeklagte» zu entschuldigen. Der eine hat den Titelschacher bei Manch« angeregt, und der andere, Manch« selbst, hat sich zur Hebet« nähme dieses unsauberen Geschäfts herbeigelassen. Der eine wie der andere aber hat dieses Handwerk icher nicht ausschließlich in dem einen zur gericht- lichrn Feststellung gelangenden Falle, sondern öfter» getrieben und sicher auch nicht um .Gotte» Lohn" ondern um sich zu bereichern. Welches Urteil vom moralischen Standpunkte über dieses Treiben gefällt werden muß, bedarf daher nicht der nähere» Er- läuterung. — Der .Reichsanzeiger" enthält folgende Mitteilung: In der Presse ist in der letzten Zeit mehrfach dre Nachricht von Unruhen in Guatemala verbreitet gewesen. Nach einem eirg-troffene» amtlichen Telegramm ist die Ruhe daselbst nicht gestört worden. -Die „Hamb. Nachr." erklären an» Anlaß erneuter Mitteilungen einiger Zeitungen über Einzelheiten des Rücktrittes des Fürsten Bis- marck, es sei nicht ausgeschlossen, daß demnächst dos Abschiedsgesuch de, Fürsten und auch sonstige Aktenstücke in d-eser Angelegenheit veröffentlicht
Am besten wäre es schon, die c» - - 2”? ^"ich einmal ruhen zu laffe». — Professor Robert Koch wftd, wie eS nach der " t'1C+ in nächster Zeit seine vierte Mit-
W. Berlin, 19. OK. Der Kaiser und die «Kaiserin sind am Sonnabend Abend au» Jagd- I schloß Hubertusstock in der Schorfhaide im besten I Wohlbefinden wieder in Potsdam eingetroffen. Am I Sonntag, dem Geburtstage Kaiser Friedrich», wohnten «beide Majestäten dem Gottesdienste in der Friedens- Ikirche, sowie der folgenden Einweihung des Mauso- I kums des Kaisers Friedrich bei. Den Rest des Tage» verbrachten beide Majestäten in stiller Zurückgezogenheit. — Die vor kurzem verbreitete Meldung, der Kaiser und die Kaiserin würden demnächst dem Fürsten Stollberg in Wernigerode einen Besuch abstatten, wird jetzt als unbegründet bezeichnet. — Die „Münch. Neueste Nachr." verzeichnen al» Gerücht au» Offizier»- kreisen, daß auch in Bayern ein Rekrutenbataillon zur Erprobung der zweijährige» Dienstzeit gebildet wurde. Die „Post" bestätigt, daß au mofr die schroff ablehnende Haltung gegen- aurojiuoc ra dem Verlangen nach zwe-iahrrger Dienstzeit werden würden, mcht mehr bestehe. In der Thal ist gegen bie I kibioe Sache Muff de» Generals v. BoguSlawSki, welche btefeI ^feiwr OT01 Reform dringend befürwortet, auS militärischen I Kreurita"" fieifit tn q,-. r,
« t (Nachdruck verboten.) «Herr Baron", erklärte der junge Offizier in schroffem
Attf -er Schattenseite. I mir nur ganz ergebenst erlauben,
Roma» von Georg HScker. 1en Älterem Manne den Rat zu erteilen, Ihr
(Fortsetzung.) I weniger dem GestchtSauSdrvcke auderer
tt die Ungeschicklichkeit erkauute, welche er begangen I Der innae Man» cinrr mth n.6 ,
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Sozialdemokraten wissen den Gendarmen zu finden- süch^werd!' eine »
vin» eS ihnen von Vorteil ist. Meine Münchener förh ' % -^.^^Estellte Sache
e^gegen die Expedition d. Blattes, n ^^^"^^a°?k °on H°aseustein und «ogler
M Jahrgang.
a-M-, Berlin, Hannover, Paris.
8ucb $£ebeI ifi s'hr verkehrt vorge-1kommen, wovon die Mehrzahl nicht, träume Wober ? man fortwährend die Unabwend-1weiß es denn Bebel? kBebel ruft- Weil ick h,n,r,
MWMMMW ZZMWWWMI? ooß eine etwa vorübergehende Niederlage völlig ausgeschlossen sei, so lebhaft ich den Steg auch erhoffe. Frankreich hätte die Kosten zu bezahlen; ich aber sage, da- alte Wort von Karl Marx im Jahre 1870 mn{j noch heute gelten. Die Hüfe der Kosacken anzurufen oder zu dulde», würde un8 jeder Sympathie berauben. Auch von de» weiteren Phantosiee» trifft eher da» Gegentell zu. Insbesondere ist nicht zu verkennen, daß eine großartige Anspannung des nationalen Gedankens dann unabwendbar, aber uns nicht förderlich ist. Dabei machte man mir den Borwurf, ich hätte geraten, alle Militärforderungen rm Reichstage zu bewilligen. Gerade im Gegenteil. Dazu haben gerade die Anderen, denen der nächste Weltkieg richt schnell genug kommen tonn, allen «rund. Bebel kann doch nicht Leute mit Pappstielen I gegen Rußland ausrüsten. So viel steht fest, ich stehe diesem Kriege weniger leichten Herzens gegenüber. Auf die Gefahr hin, wieder als Regierungs-I mann angeklagt zu werden, sage ich, daß ich ftoh >in, daß allem Anschein nach die Regierung auch« nicht so leichten Herzens ist. Man sagt vielleicht: ,te auswärtige Politik wird in den Kabinetten ge-1 "ach*, e* ist egal, was die Sozialdemokratie sagt.« Genossen, das ist nicht wahr. Wenn Bebel fort unb fort sagt, der Krieg ist der Freiheitsbringer, I der Erlöser, bann popularisiert er ihn und nicht nur
*öie*“*R-rwr,»ntKirchhain.- ---------Illustriertes Sonntagsblatt. »»->. 3,6. tog.