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Wöchentliche Bellagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. — Illustriertes Sonntagsblatt. Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
M 227.
erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. — Ouartal-AbonnementS-Prei» bei der Expedition 2 ML, bei allen Postämtern 2 ML 25 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JusertionSgebühr für die gespaltene Zeil« 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
Marburg,
Sonntag, 27. September 1891.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte-, sovne die Aunonceu-Bureaurvon Haasensteiu und Bögler «Frankfurt a.M-, Cassel, Magdeburg ».Wien; Rudolf Moste in Frankfurt a. M-, Berlin, München u. Köln; ®. L. Daube u. Eoin Frankfurt a- M., Berlin, Hannover, Paris.
XXVI Jahrgang.
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Ceikneümern an der Feier des 25 jährigen dSeftehens des heffifchen lägerBataiffons Nr. 11.
hr Jäger flink, ihr Jäger frei, Am Ehrentage eilt herbei Als hochwillkomm'ne Gäste; Im Blondgelock, im grauen Haar, Herbei, wer „elfter Jäger" war Zum frohen Jubelfeste!
Doch was die „Alten" mehr gethan, Gehört ja der Geschichte^) an, Da könnt Jhr's weiter lesen;
Nur eins soll nicht vergeffen fein Bei Frankfurt^) sagt ein Denkmalstein, Daß sie da mitgewefen.
Am alten Stamm ein junger Zweig, An Blüten und an Früchten reich Das sind die „elften Jäger";
Denn Sechszehnhundertdreißig schon
Ein „hessisch Jägerbataillon"
War Eures Stammes Träger.
Das schon im siebenjähr'gen Kriegs) Mithalf zu manchem schönen Sieg Als „hessische Brigade".
Teils gingen sie, teils ritten sie, Doch vorwärs nur und rückwärts nie Und stramm wie zur Parade.
Dann später als „Feldjägercorps" Sie drangen unaufhaltsam vor Bei Washingtons, der Feste. Da führte sie Kniphavsm an Kniphansen hieß das Fort fortan - Das war zum Schluß das Beste.
Nun aber kommt an Euch die Reih' Zu reden ftisch, zu reden frei, — Das soll Euch Niemand wehren. Des „großen Krieges" fei gedacht, Der Euch des Ruhmes viel gebracht Und Auszeichnung und Ehren.
Bei Weißenburg und dann bei Wörths) — Wer hat von schönerm Sieg gehört? — Da durstet Ihr nicht fehlen.
Der schönste Lohn ward Euch zu Teil, Ihr kämpftet dort zu Deutschlands Heil, Man konnte auf Euch zählen.
Bei Sedan auch und vor Paris Das Bataillon die Stirne wies Dem trotzigkühnen Feinde.
Und ach, noch manches Opfer fiel, Bis wir erreicht das schöne Ziel, Das uns als Deutsche einte.
Doch als der Krieg vorüber war, Da durfte unsre Heldenschaar Den Siegeseinzug halten.
Paris, die stolze Seinestadt, Die „Elster" auch gesehen hat — Gerechtigkeit muß walten.
Und bricht der Sturm von neuem los, Der Feinde Heer naht stark und groß — Wir werden auf Euch zählen! 4 Rust Euch der junge Kaiser dann, Dann kämpft Ihr mutig Mann an Mann, Da wird kein „Elster" fehlen.
Dann komme, was da kommen mag Doch heut', an Eurem Ehrentag, Ganz Marburg soll sich freuen.
Eß soll der junge grüne Zweig, An Siegen und an Ehren reich, Fortblühen und gedeihen!
H. H.
1) Stamentlich that sich die „hessische Jäger-Brigade" hervor in dem Gefechte bei Sondershausen a. di Fulda, unter dem Oberbefehl des Herzogs von Braunschweig, sowie bei der Erstürmung von Osnabrück, wo die Jäger 2 Kanonen eroberten, die sie später von dem Obcrfeldherrn zur Erinnerung an ihre Tapferkeit zum Geschenk erhielten.
2) Bei Flatbush und Fort Washington in Amerika kämpften die Jäger mit anderen Hessen als englische Soldtruppen gegen die für ihre Unabhängigkeit kämpfenden Colonien.
3) Sie kämpften im Kriege Preußens und Oesterreichs 1792 gegen Frankreich in der Champagne und am Rhein; 1793 gegen Frankreich in englischem Solde in Brabant und in Holland; 1814—1815 in Frankreich bei der Belagerung von Luxemburg; bei Thioiwille und Metz; besonders auch am 29. Juni 1815 bei der Erstürmung von Charleville; bei der Einnahme von Rheims, bei der Belagerung und Erstürmung von Mezieres, bei der Erstürmung von Medy-Bas und der Belagerung von Givet.
4) Ende 1792 nahm das „Feldjägercorps" rühmlichen Anteil an der Erstürmung von Frankfurt a/M. unter den Augen Friedrich Wilhelm Uli von Preußen, welcher zur Erinnerung an diese glänzende Waffenthat der hessischen Tapferkeit vor Frankfurt ein Denkmal errichten ließ.
5) Hier empfing das „Hess. Jägerbataillon Nr. 11" seine Feuertaufe. Siehe Näheres in: I. Döring: „Friedens- und Kriegserinnerungen 1869—1871. — Marburg, Elwertsche Verlagsbuchhandlung 1891; Unfern verehrten Gästen wird bei ihrer Jubelfeier dieses Schristchen eines Wackern Kameraden gewiß eine willkommene Erinnerung an eine große Zeit sein und machen wir noch besonders auf dasselbe aufmerksam. (Siehe auch Inserat.)
(Nachdruck verboten.)
Auf -er Schatten feite.
Roman von Georg Höcker.
(Fortsetzung.)
„Du kennst sie, @eita, beuu Du bist sie selbst!" „Oh bitte, lassen Sie mich", rief Gerta in höchst« jungfräulicher Verwirrung und suchte die Hände frei zu machen, „Sie tänschen sich, Sie" —
Doch Thelfeu hielt die Widerstrebende mit innigen Drucke fest.
„Nein, ich täusche mich nicht", sagte er leise, „denn es ist mir heute abend voll nud ganz klar geworden, daß tch Dich liebe, wie ich noch niemals ttne Menschen- fiele geliebt habe auf der Welt nud wie ich nimmer werde wieder lieben können. So sage mir, (Berta kannst Da mich wieder lieben, willst Tu mein süßes riuziggeliebtes W-ib fein?"
Der Mond schien so mystisch bestrickend, nud ir dem Herzen des jungen Mädchens tönten die Lockung» seines stlberneu Strahles wieder. Sie war sich »ich: bewußt, was vorgegaugen war den Abend, wak Theisen zu ihr gesprochen hatte, aber fie wußte urplötzlich, daß fie den Manu liebte, der vor ihr stand daß fie ihn längst geliebt hatte. Die Werbung d-r Barons war wie ein lösendes Wort in ihre Seile gedrungen und ihrer selbst nicht mächtig, sank fie ar die Brust des stattlichen Mannes und hauchte: ,6oi$ Dein 1*
Da jauchzte der Baron hell auf und umschlang evg die Errungene. Was fie daun noch miteinanbei geflüstert haben, hat der Mond nicht mehr mti anhören können, denn neidische Bollen waren zwischu «hu und die Liebenden getreten.
Bald tnbeffen hatten fie die vor dem Thor« «egende Wohnung SertaS erreicht und blieben noch «uru Augenblick vor dem Haurthore stehen. ,8lft
darf ich morgen kommen und bei Deinem Vater nm DiS anhalten?' fragte der Baron.
Gerta antwortete ihm mit ganz leiser Stimme. Aber die Antwort des Mädchens wußte doch nach Wunsch ausgefallen fein, denn Thelfeu lief nochmals freudig: „Also morgen f
Dann machte er Miene, als ob er fich entfernet wollte. Aber er blieb nochmals stehen und sagte mi! einschmeichelnder Stimme: .Aber mein Gntvachlkvß Liebste?" Und auch diesem Wunsche entsprach (Berte wohl, denn der Baron beugte fich über fie. Dau» schloß Gerta dos Hans auf. Von oben berab tönt' Vater Hausmanns Stimme: „Gerta, bist Du'S?' Und das Mädchen gab Artwort. Sie trennte fick mit innigem Händedruck von dem Baron und tia: in das Haus ein, während Theisen mit nochmaligen Guiuachtgruß schnellen Schrittes davon ging.
Gerta blieb noch einen Augenblick stehen, ans die Schritte des fich Entfernenden lauschend» die in bei stillen Straße wiederhollten, dann stieg fie cnfclid die Treppe hinauf, an deren.oberen Absatz schor Vater HoiSmaun mit dem Lichte stand nud ih: freudig mit der Havd zuninkie. Dos junge Mädchen umschlang lebhaft ihren Vater, lachte und küßte ihr wiederholt und fing dann plötzlich an zu meinen.
„Um GotteSwillen, was ist Dir, Herzenskind', sagte Vater Hausmann besorgt, „hat fich etwas Un. gewöhnlicher ereignet?*
Gerta nahm ihren Vater bei der Hand und zop ihn in das Wohnzimmer hinein. — „Komm', sagt fie, „ich muß Dir etwas Wichtiges anvertrauen.'
Vater Hausmann setzte fich in feinem Sorger- feffel zurecht, in welchem er vorhin, feine Dochte erwartend, faust eiugeuickt war nud sah Gerta voll Erwartung an. DaS junge Mädchen hatte iuzwifcher den wärmenden Pelz abgelegt nud den Wiuterhni aus deu Lisch gelegt. Dann ging fie eiuigemale in
Zimmer auf und nieder und blieb endlich vor ihrem Vater stehen. Dieser sah ihr Gebühren mit immer steigender Verwunderung. Endlich konnte er eS in. dessen nicht mehr auShalten, er rückte ungeduldig an seinem HauskSppchen hin und her und sagte: „Aber li-beS Sind, Du machst mich ja ganz koufts mti Deinem Gebahreu. So etwas hat fich ja noch nie ereignet; ich werde ganz ängstlich am Ende."
Gerta hatte fich vor ihrem Vater auf die Shtiei niedergelassen nud ihren Arm um seinen Nacken legend, lehnte fie ihr Köpfchen innig an feine Brust. »Ach Väterchen', unterbrach fie endlich das drückende Stillschweigen, „kaum weiß ich selbst, tote mir'S zn Mute ist, so froh und leicht, und doch toieber so ernfi und feierlich, ich möchte lachen und mich innig doä wieder nach Herzenslust ausweiuev.'
„Mein (Bott, Dn sprichst ja ganz seltsam', rief Baier Hausmann beunruhigt, „so sage das Schreck liche nur gleich heraus, denu so etwas wird es dock schließlich fein, damit ich mir nicht noch mehr Augp mache.'
„Nein, Du sollst Dir keine Angst machen, HeizenS- väterchen', jauckzte Gerta «ns, „cS ist mit einen Worte gesagt, Baron Theisen hat heute abend mr meine Hand ungehalten und ich habe ihm zugesagt."
„Dn hast Dich verlobt?' sragte HauSmann, starr vor Staunen, „ja fteilich, dar hätte ich nicht er, wartet. Aber Kind, tote hast Du nur das über bat Herz bringen können? Kannst Dn denn Deiner alten Vater verlassen?* Die Stimme beS Manne» brach ob.
»Nicht verlassen, Väterchen', schmeichelte Gerta „fonbern wir bleiben immer beieinanber. Und banr denke ich ja noch lange nicht auS Heiraten, daS Hai noch eine gute Welle Zett.'
Hausmann lächelle wehmütig. „So ist cl doch endlich gekommen', sagte er leise, „mal ich so lange
gefürchtet habe. Ja, ja, daS Weib soll Vater und Mutter verlaffen, um dem gewählten Mauue anzn- gehören. Freilich, iS ist ja ganz richtig und liegt in der Natur der Sache. Aber Du mußt mir Zeit taffen, nm mich an den Gedanken zu gewöhnen; jetzt ist mir die Nachricht zn schnell und unerwartet ge. kommen, wie ein Blitz ans heiterem Himmel und ich vermag mich nicht so recht in die Sache hineinzu- denken.'
„Dn guter Vater', sagte Berta innig und preßte die Hand des Alten an ihre Lippen.
Hausmann umschlang seine Tochter und zog sie mit fünfter Gewalt auf feinen Schooß. — „Sag' mir tut Eines*, versetzte er mit sanfter Stimme, „hast Dn den fremden Mann auch recht von Herzen Heb und töuschst Du dich nicht in Deinen Gefühlen? Liebst Du ihn wirklich, voll und gang?*
„Wie meine Seele", hauchte (Berta und sah dem Vater klar ins Auge.
„Dann ist es recht, mein Sind", sagte dieser und lächelte trüb, „bann wirst du. wie ich hoffe, glücklich werden; denn dafür kenne ich Dich, an einen Unwürdigen würdest Dn dein Herz nie verschetikeu. Aber eS ist nnr Eines, (Berta, was zu denken giebL"
Das junge Mädchen sah seinen Vater fragend an.
„Steh', die Liebe ist eine zarte Pflanze", fuhr HauSmann fort, „und will behutsam dehaudelt fein. Verpflanze ich fie deshalb von einem Herzen zum andern, so muß ich darauf achten, ob sie auch wieder in gleiches Erdreich kommt, denn das ist die Haupt- fache. Wenn dies nicht der Fall ist, daun ftnft fie welk in Bälde da» Köpfchen und stirbt hin: der gedeihliche Boden hat ihr gefehlt, der einzig fie hätte erhalten und ihr Stärke und Kraft zu noch schönerem Sprießen und Blühen geben können, und dumm will es mir nicht gefallen, daß dein AuSerwähller so ein stolzer Baron ist, der gar vornehm auf unsere