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den Verlauf derselbe» zeitweilig eingriff, folgte eine lange Kritik nördlich Felchta, der Kaiser nach 2 Uhr in die festlich gr> Stadt Mühlhausen, mit großem Jubel
und in Attdann von wo schmückte
empfangen, einzog. Im Ganzen war er über 6V, Stunden im Sattel geblieben.
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Hinter der Kavallerie marschierten die Armee» korps, jede in mehreren Kolonnen geteilt. Sie sollten möglichst viel Terrain nach vorn zu gewinnen suchen. Natürlich wurden alle Vorsichtsmaßregel» wie in Krieg-zeite» getroffen, und die Truppen wußten überdies am Ende jedes Marschtages ohne Vorher» serdung von Quartiermachern für sich Unterkunft in Dörfern rc. beschaffe».
Bo» den Marschkolonnen der Infanterie und Artillerie war heute nicht viel zu bemerken. Sie marschierten in zu großen Zwischenräumen von einander, als daß man sie auch nur teilweise hätte beobachten können.
Anders die beiden Kavalleriedivisionen. Dieselben manövrierte» schon von früh morgen gegen einander und zwar meist südlich von Mühlhausen. Hierbei gelang es der West-Kavallerie-Divifion einen günstigen Moment, wo eine Brigade der Norddivision aus dem Walde debouchierte, dieselbe über den Haufen zu werfen und ihre Artillerie zu nehmen. Aber gleich sollte daS Bild ein anderes werde», denn den andern Brigade» der Norddivifion gelang es, die Süd- divtfion bis nach Großen-Gottern zurück zu werfe». Dort wird voraussichtlich das Manöver morgen seine Fortsetzung nehmen und auch die Infanterie miteinander in« Gefecht treten.
Der Kaiser war morgen- 7*4 Uhr hier etnge- troffrn und alsbald aufs Manöverfeld geritten, wo er die verschiedenen Manöver eingehend beobachtete
bisher aus die mählig vorüberzieheude Landschaft geschaut hatte.
Der Alte war fremde Leute »icht gewöhnt und fühlte sich deshalb unbehaglich in deren Gegenwart. Ja der kleinen Stadt, welche Gerta'S Geburtsort und bis dahiu ihr ständiger Aufenthalt gewesen war, kannte jeder die ganze Stadt und wurde von dieser gekannt. Vater HanSmaun hatte dazu noch eine AuSnahmsstelluug angenommen; denn er war vor Jahren noch längere Zett Schultheiß gewesen und deshalb von Jung und Alt in ganz besonderem Maße geehrt worden. Freilich, Aufsehen hatte eS erregt, als fein einziges Kind, die Gerta, unter die .Komödianten' gegangen war, und es gab Mele im Städtchen, welche verfichettrn, dies Vater HauSmanu nie verzeihen zn können. Aber was hatte der schon alternde Mann schließlich machen vollen, als ihn sein heißgeliebtes Kind, nach dem frühe» Tode seiner um vieles jüngere» Gattin sein einziges Kleinod, mit Thräueu in den Auges gebeten, stch der Knust widmen zn dürfe». Wen» der Pfarrer auch über de» Entschluß de» Kopf mtßbilllgeud geschüttelt, so hatte er doch zagedeu müffeu, daß et» tüchtiges Talent in Gerta stecke. Ja, er hatte hinzugesügt, daß er als Student zwar ost das Theater besucht, uiemalS jedoch mtt solcher Wärme deS Gefühls hätte deklamieren hören, wie sie Gerta besitze. Alljährlich in den Wintermonaten, kam ei» Schaufpielerttupp i» dar Städtcheu, nm darin zu .mimen', nod von dem würdigen Direktor dieser Gesellschaft, einem heruntergekommene» Schauspieler, der früher beffere Tage gesehen hatte, war Gerta in das Reich der dramatischen Knust etngeführt worden. Vater HanS- mau» hatte sich das erlaube» könne», den» für die Verhältuiffe des KleiustädtcheuS befaß er ei» respektable» Vermöge». Bald hatte Gerta vorerst als kunstbegeisterte Dilettauti» tu de» Vorstellungen mit- gewirkt, und natürlich war sie im Städtchen al» ei» Ster» er sten RaugeS gepriesen worden. Der Redakteur des Wochenblattes, welcher fei» Blatt zugleich selbst
Lailermanover vom 16—19. September Korpsmauöoer des 4. und 11. Armeekorps gegeneinander.
1. Tag — 16. September.
Dir Anlage zu den diesjährigen Kaisrrmanöver» ist eine, möglichst der Wirklichkeit im Kriege an- paffende. Daher werde» auch nur die großen llm- riffe im Voraus festgesetzt und muß alles weitere sich der zum Schluß eines ManövertageS resultierenden Gefechtslage anbequemen. Alle DiSpostttonen und die Ausführung derselben soll möglichst kriegsmäßig erfolgen.
AlS Generalidre für alle vier im Zusammenhang stehenden Uebungstage gilt die nachfolgende:
„Am 12. September ist eine im Vormarsch be- griffene Ostarmee bis Magdeburg-Halle, ein Ostkorps bis Rudolstadt - Saalfeld gekommen, während eine Westarmee sich auf dem liuken Diemel- und Weser- Ufer versammelt.'
Nach der zunächst für heute ausgegeben gewesenen Spezialidre will die oben erwähnte Ostarmee am 19. September die Linie zwischen Hannover und Nordheim erreichen. Dar zu ihr gehörende Ostkorp» (4. Armeekorps), welche» im Vormarsch auf Göt- tingen den Anschluß an den linken Flügel der Armee gewinnen will, ist am 14. September nach Erfurt gelangt.
Demgegenüber hat die Westarmee, am 13. September die Weser zwischen Höxter und Hameln überschreitend, den Vormarsch in östlicher Richtung anzutreten. Ei» WestkorpS ist an demselben Tage in der Gegend von Cassel mit dem Auftrage eingetroffen, die Vereinigung deS OstkorpS mit der Ostarmee zu verhindern.
Beide Armeekorps find kriegsmäßig formiert, d. h. sie zählen jedes drei Divisionen (zu 4 Infanterie-, 1 Kavallerie-Regiment und 1 Abteilung Artillerie) und ein Korps - Artillerie - Regiment; außerdem ist jedem Armeekorps eine selbstständige Kavallerie- Division (6 Regimenter) zugeteilt.
Für diese beiden Kavallerie-Divisionen, von der Planitz und von Kleist, begann daS kriegsmäßige Manöver bereits gestern. Sie hatten den Auftrag, gegeneinander vorzugehen und sich gegenseitig und die folgenden Infanterie-Kolonnen rc. auszukund- schasten. Bereits gestern Abend trafen sie aufeinander hier bei Bühlhausen und plänkelten gegenseitig. Heute Morgen wurden zwischen ihnen mehrfache kleine Gefechte geliefert, auf dir wir zurückkommen werden.
setzte nab druckte, hatte überschwengliche Lobeshymne» zur» Preise der .geuialeu Gerta Hausmann" geschrieben »ud damit insofern das Richtige getroffen, als Gerta wirkliches Talent besaß »ad die Schale, welche der Schanspieldirektor sie hatte darchmache» laffeu, eine methodisch richtige gewesen war.
Der Fremde, welcher eine Zeit lang die Zeitnug gelesen nad damit die Langeweile Betrieben hatte, chiea dessen müde geworden zn fein, den» er faltete jetzt die Zeitung zusammen nad schonte stch im Wage» um. Sein Blick blieb erstaunt auf Gerta haften, welche ben mächtige« Florentiner Strohhut, den sie beim AnSsteizeu anfgehabt, wieder abgesctzt nad neben ich hingelegt hatte. Der Fremde war offenbar überrascht von der seltenen Schönheit deS jungen Mädchens und feine anfangs so mißmutigen Gesichts- zöge heiterten stch plötzlich ans. Er rückte mehrere Male an feiner »rille herum und räusperte sich.
»Mit Verland', sagte er, indem er stch leicht »ach vor» Überbeugte, ,bie Herrschaften fahren wohl nach bet Residenz?'
Gerta hatte sich dem Sprechenden nur halb zu- gewendet, und der abweisende AnSdrnck ihres Gesichts chien nicht danach aagethan, als ob sie große Lnst »erspüre, ein Gespräch angekaüpft zu wiffeu. Anders »agegen Vater HanSmaun. Der alle Herr sprach rberhaapt gern nnd des lange Stillschweigen war hm deshalb nnaagenehm gewesen. Schien ihm die Person des Fremden auch »icht sympathisch gewesen i n fein, so lange derselbe schwieg, so änderte stch diese Sachlage plötzlich, als dieser anstng, ei» Gespräch z» eröffne». Deshalb ergriff er denn mit Freude» die »«gebotene Gelegenheit. — .Will'S meinen, lieber Herr', sagte Hausman», indem er stch die Hände rieb, »schnurstracks in die Residenz hinein reise» wir. Meine Tochter ist nämlich, müsse» Sie wissen, an das dorttge Hoftheater engagiert.'
»Was Sie sage»', erwiderte der fremde Herr und seine Augen hefteten sich mit lebhaftem Interesse ans da» junge Mädchen, das noch immer in seiner
Deutsches Reich.
W. Berlin, 18. Sept. Kaiser Wilhelm begab sich am Donnerstag Vormittag von Mühlhausen, wo derselbe am Tage zuvor aus dem Manövergebiet eingetroffen und festlich empfange» worden war, zu Pferde über die Ortschaften Görmar und Vollstedt nach dem Breiteberg, nahm dort Meldungen entgegen und erwartete den Anmarsch des 4. Armeekorps. Sodann ritt der Monarch in nordwestlicher Richtung nach dem Weinberg, stieg dort ab und beobachtete von der Bergspitze auS da» Zusammenstöße» des 4. und 11. Armeekorps. Das letztere hatte die Höhen östlich von Mühlhausen bis Bollstedt und nördlich bis Grabe besetzt. DaS 4.
(Nachdruck verboten.)
Auf -er Schattenseite.
Roma» von Georg Höcker.
(Fortsetzung.)
Der Postwagen hotte unnrbeffen ben grüueubeu Balb verlasse» nnb war ben Windungen bet Land- firaße gefolgt, welche zu bem Laubstädtchen führte, m welchem regelmäßig Station gemacht würbe. Der «taub wirbelte hoch aus u»b heftete sich, einem Schleier gleich, bis über die Wagenfenster; nut hm und wieder, bei einet Biegung de» Weges, zerstob n auf Augenblicke nnb bann sahen die Reisenden das Landstädtcheu vor stch liegen, wie es immer «ätzet heranrückte. Jetzt kamen schon die erste» Häuser in Sicht und bet »Schwager' setzte das Horn a», um das Städtchen zu begrüßen. Man hielt vor «m Posthause und Vater Hausman» stieg mtt seiner Tochter aus, nm die einftfinbige Pause zu benütze», sich von ben gehabten Anstrengungen zu erfrische» «ab ans die kommenden neu zu stärke».
eine St»»de flieht schnell dahttl, nnb so saßen «ater Hanswaun nnb Gerta halb Bieber in bem *«0en, heißen Kasten, bet fie zur Residenz, der nächste» Stattou, bringe» sollte. Der Postillon blies schon Mr Abfahrt, alS sich die Thür des PosthauseS noch numal öffnete nnb durch sie ein hochgewachseuer, äll- «4« Herr schritt, der geraden WegeS ans ben Wagen Wtam nnb ben Schlag öffnend, hineinstieg.
Der neue Ankömmling ließ über die Mitreisende» «w» flüchtigen Blick gleiten nnb ließ sich alsdann Mißmutig, wie eS schien, ans die leerstehende Bank »lebet.
Polternd rumpelte her Postwagen Über da» Pflaster «S Städtchens, bald dessen letzte Häuser hinter sich Meud. Vater Hausmann hatte sich schweigsam in «ie Ecke gesetzt, während Gerta ben Ankömmling erst "«tn Augenblick prüfeub und wie einen Gruß er» sartenb betrachtet, sofort dann aber unbefangen wie
vorigen Stellung verharrte. »Wenn eS nicht unbescheiden wäre, stch »ach bem Namen zu erkundigen —' »Hausmann heiße ich, verehrter Herr', sagte Vater Hausman» eilig, ehe seine Tochter in kühlem Tone da» Anfinne» ablehue» konnte, »Christoph Johann Fürchtegott HanSmaun, Gärtner von Berns, lebe jetzt von meinem Gelbe.'
»Sehr gütig', schnitt der Fremde das wortreiche VorstellnngSceremoniell ab, indem er sich leicht verneigt«, »da habe ich wohl das Vergnügen, Fräulein Hausmann vor mir zu sehe», welches der Theater- agent Fritsch an, einer Entdeckungsreise in deS Wortes verwegenster Bedeutung entdeckt hat?'
Gerta nickte leicht mit dem Kopfe, ohne indessen etwas zu äußern.
»Erlaube mir ganz ergebend, mich ebenfalls vor- zustellm'*, sagte der fremde Herr, „ich bin Dr. Moritz Ringelberg, der Theaterkrttiker der „Freien Tagespost" und Ihne» vielleicht dem Namen »ach bekannt.'
„Hatte bis jetzt nicht das Vergnüg«", sagte Gerta kühl.
„So, so, Sie find ein Zeitungsschreiber**, meinte Vater Hausmann, der de» Doktor erst eine Wette verwundert betrachtet hatte, „ich dachte, Sie wären etwas Vornehmeres.**
Ringelberg blickte betroffen auf und schaute ben vorlaute» Reimer erst eine Weile voll grimmigen Erstaunens an. Allmätzlig glättete sich indessen die gefurchte Stirn wieder und er sagte mit leisem Lächeln: „Sie scheinen eben keine besonders hohe Meinung von n»S Journalisten zu besitzen, verehrter Herr?"
,O bitte, bitte', suchte Vater HanSmaun einzu- lenlen, während Gerta zu Ringelberg gewandt, höflich eiuschaltete:
»Verzeihen Sie, Herr Doktor, aber mein Vater !ennt die Gebräuche der großen Well noch nicht, er hat ich erst fett Kurzem zum ersten Male vo» unserem kleinen Landstädtchen entfernt."
(Fortsetzimg folgt)
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Armeekorps erwartete den Angriff auf der Linie Rothebrrg-Breiteberg-Körner und mußte nach hartem Kampfe zurückgehen, während der Gegner avancierte. Um 12V» Uhr war der Schluß des Manövers. Nach einer sehr ausführlichen Kritik fuhr der Kaiser nach Mühlhausen zurück. Heute Freitag operiert» da- 4. und 11. Korps gemeinsam gegen einen markierten Feind. Damit schließen die Manöver. Am Abend reist der Kaiser von Thüringen nach Cassel, wo seine Gemahlin, sowie seine ältesten Söhne im Schlosse zu Wilhelmshöhe bereit- elnge« troffen sind. In der kommenden Woche begiebt sich der Monarch zur Jagd nach dem neuerbauten Jagdschloß Rominten in Ostpreußen. Auf der Hinreise wird kurz Stettin berührt. — Der „Reichs anzeig erbringt den Wortlaut der Rede de- Kaisers bei der Erfurter Paradetafel, worin e» heißt: „Ich freue mich, meine vollste Zufriedenheit aussprechen zu können. Die streitbaren Söhne der Altmark, Thüringens und Sachsen- in diesem Orte zu besichtigen, ist mir eine um so größere Freude, al- dieser Boden durch die Ueberlieferungen der Geschichte für unser Vaterland besonders wichtig ist. In diesem Orte hat der korsische ^Eroberer die deutschen Fürsten aufs schwerste gekränkt und unser niedergeworsene» Vaterland tief gedemüiigt. Damals keimte in der Seele meines seligen Urgroßvater- der Gedanke an den Widerstand aus- äußerste, der dann zu der sühnenden Erhebung von 1813 heranreifte.' Der Kaiser wies sodann auf die vor acht Jahren stattgehabten Manöver unter seinem Großvater hin und drückte die Hoffnung au», das Korps werde auch jetzt in Krieg und Frieden sich bewähren als eine gute, scharfe, schneidige Waffe. Der Monarch schloß mit den Worten: „Ich erhebe mein Glas auf das Wohl deS vierten Armeekorps und seines Führers, sie lebe» hoch!" — Der Reichskanzler von Caprivi, welcher demnächst der Jubiläumsfeier seine- Regimentes in Osnabrück beiwohnen wird, hat einen ihm für seine Anwesenheit daselbst angebotenen Fackelzug abgelchnt, wird aber den Kommers der ehemaligen Regiments-Mitglieder besuchen. — Der „Reichsanzeiger" meldet amtlich: Nachdem Seine Majestät der Kaiser die Anerkennung der provisorischen Regierung des Freistaat- Chile zu genehmigen geruht haben, ist dieselbe durch den kaiserlichen Gesandten in Santiago Frhrn. v. Gutschmid am 7. Sept, ausgesprochen worden. — In den letzten Tagen ist mit einer gewissen Absichtlichkeit verbreitet worden, Fürst Bismarck werde nicht in den Reichstag kommen, weil er es nicht für
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