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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg «nd Kirchhain.

Illustriertes Sonntagsblatt.

Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

M 216.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Soun, und Feiertagen. Quartal-Abonnements-Preir bei der Expe­dition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk 25 Pfg. <«xkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespalten« Zeil« 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Marburg,

Dienstag, 15. September 1891.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Vogler in Frankfurt a.M-, Eaffel, Magdeburg u.Men; Rudolf Stoffe in Frankfurt a. M-, Berlin, München u. Köln; G. L. Daube u. Co- in Frankfurt a. M-, Berlin, Hannover, Paris.

XXVI. Jahrgang.

Bestellungen auf die

Himhkss. Zeitung nebst Amtliche«! Kreisblatt Kr die Kreise Marburg und Kirchhai« sowie IlUrstriertem So««tagsblatt werden von allen Postanstalten, Landbriefträgern und der Expedition unseres Blattes (Marburg, Markt 21) fortwährend entgegengenommen.

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Die diesjährige« Manöver.

Die Armeen der europäischen Großstaate», wie sie vor dem letzleo Kriege bestanden, waren ja recht großartig, wollen aber blutwenig besagen zu dem heutige» Stande der Heere. Frankreich oder Deutsch­land allein stellen heute mehr Truppen ins Feld, als im letzten Kriege beide Staate» zusammen, und der künftige Krieg wird also rin ganz anderes Gesicht haben, al» da» unL schon so großartig erscheinende Ringen von 1870/71. Das Schwerste im nächsten Kriege wird die Beherrschung der Truppen sein. Es spricht sich leicht aus, eine Million Soldaten in» Feld zu führen, ober e» wird selten daran ge­dacht, mit wie unendlichen Schwierigkeiten die Führung dieser Million verbunden ist. Der beste Oberfeld- Herr wird im nächsten Völkerkriege nichts auSrichten können, wenn er nicht über ganz ausgezeichnete Unter- feldherren verfügt. Besonder» im Moment der Schlacht wird die Armee nicht so sehr auf de» Höchstkommandiereude» angewiesen sein, al» vielmehr auf die Unterführer, denn werden von einer Seite auch nur 30 000 Mann in» Gefecht geführt, so hat die detaillierte Ueberficht schon ein Ende, der Ober- besehlshaber kann nur die allgemeinen Anordnungen geben und muß es im übrigen seinen Untergebenen überlasten, im richtigen Augenblick das Rechte zu chun. Im Hinblick auf die Riesenarmeen im nächsten Kriege wird nun schon beim Krieg im Frieden, den Manöver», eine wesentlich höhere Truppenzahl, als bisher, vereinigt. Im vorigen Jahre machte Rußland damit den Anfang, e» operierten in Vollhynien an 90 000 Mann aller Waffengattungen gegen einander, und zu Oberbefehlshabern der beiden Korps waren die anerkannt besten russische» Generale, Gurko in Warschau und Dragomirow in Kiew, ansersehen. Der eingebildete Gurkow erklärte alles für glänzend, dasselbe that auch der Höchstkommandierende Groß-

sNachdruck verboten.s

Ei« wunderlicher Freier.

- Bon H. F.

(Fortsetzung.)

Die Partie erlitt dm« diese« Zwischenfall nur eine kurze Störung. Camilla war mtt dem Schrecken davougekowmen und der Archivrat konnte sich vor tznmor und Schnurren, dir ihm, wenn er wollte, zu Gebot standen, nicht leffrn. Auch die Mutter Camilla» erholte fich bald wieder uud ging aus deo Don, den ihr Vater auschlug, tu bereitwilliger Weise ein.

Der Sffeffor blieb sich in seine« Betragen gleich, tot daß er von Zeit zu Zett, an» Srtigkett eine» Witz deS alten Beifall schenkte. Camilla verhielt fich still und wurde uur rot und erregt, venu sie glaubte, der Blick ihre» Retters was auch oft genug geschah ruhe aus ihr. Dieser junge Mann «achte feine eigenen Betrachtungen, er konnte fich leicht denken, daß das schöne stille Mädchen besonder» jetzt ihm geneigter wäre, wie dem hölzernen Assessor, und daß eS ihm ein leichtes fein würde, diesen anSznbeißen; aber die Ettern Camillas hatten ihre Hoffnungen auf diese» gesetzt und konnte «S auch bei dem ruhige» und geduldige» Temperament derselben »ud de» überaus ehrenwerten Eigenschaften des AffestorS nicht anSbleiben, daß es eine leidlich glückliche Ehe geben würde, wogegen er weder im Stande war, ihre» Elter» ans ihren Lerlegenhetten in helfen, noch die geficherten Mittel befaß, einen eigenen Hausstand zn gründe». Auch mnßtt er bei leisem rasch zufahrendeu Wesen befürchte», daS zarte, sanfte Gesäß bei der erste» Gelegenhett mtt ranher Hand z» zertrümmern.

Er beschloß daher, obgleich nugern, aas die Mit- «erbang zn verzichte« nab dea Assessor damtt er fich erkläre ans seiner Rahe avsznrüttela. Er «et nämlich von der zarte» Schönheit and Sanft, toll Camillas schon bei der Znsamweakvaft ha Tier-

such Nikolau« Alexauviowitsch, aber auf des letzteren Urteil ist absolut nicht» zu geben, da et zwei Wochen nach Manöverschluß geisteskrank wurde. Hingegen sprach General Dragomirow, bet zwar ein großer Freund der Flasche, ober sonst ein au-gezeicyneter General ist, e» offen au», daß man nun erst wisse, woran eS in Rußland bisher noch gefehlt habe, und dann folgte ei» geharnischte» Donnerwetter für die Unterbefehlshaber, welche nach ihrem eigenen Kopfe, aber nicht »ach dem Gedanken ihre» Feldherr» ge­handelt hatten. So stand e» schon bei 90 000 Man» im Frieden. Dem russischen Borgange find in diesem Jahre nun Oesterreich-Ungar» und Frank­reich gefolgt. Bei dm soeben stattgehabteu großen österreichische» Manöver» int Waldviertel vor de» Kaisern Franz Joseph unb Wilhelm waren 70 000 Mann vereint, und den Adler schießen nun die Franzosen ab, die 120 000 Mann ins Feld stellen werden. Die ftanzöfischen Manöver werden inso­fern noch besondere» Jntereffe haben, als diese ganze gewaliige Truppenmaffe von dem General Saussier, der für den Kriegsfall Generalisfimu» der französischen Armee sei» soll, gegen einen markierten Feind ge­führt werden wird. Deutscherseits ist man bei der alten Einrichiung, daß zu den Kaisermanövern zwe Armeekorps zusammengezogen werden, geblieben, wir find also gegen Rußland, Oesterreich. Ungarn und Frankreich recht bescheiden geblieben.

Deutsches Deich.

Berlin, 14. Sept. Eine ungünstige Nach­richt kommt ans dem südlichen Teil von Deutsch- Ostafrika. Der Chef in der deutschen Schutztruppe von Zalewski hat einen Strafzug gegen den wilden und tapferen Räuberstamm der Wahl he unternommen, aber, wie es scheint, nicht in der gehörige» Stärke, denn die Wahehe verfüge» über Tausende von gut bewaffneten Kriegern. In einem sehr blutigen Zu­sammenstoß scheint die deutsche Truppe von dem übermächtigen Feinde zurückgedrängt zu jein, mehrere deutsche und eine große Anzahl schwarzer Soldatm ollen gefallen fein. Die Leutnants von Zitzewitz und öuschow, sowie Unteroffizier Tiedemann find tot, die Wilden haben auch mehrere Gefangene gemacht. Weitere Nachrichten melden folgendes: Bei Henza and ein Gefecht der Expedition Zalewski gegen die WaheheS statt. Es sind angeblich 9 Deutsche und viele Schwarze von der Schutzttuppe gefallen. Als tot bezeichnet toerben die Leutnants Zitzewitz und Buschow, sowie der Unteroffizier Tiedemann. Die

garte» nicht ganz »»gerührt geblieben «ab brohte dieser Funke nach dem Vorfall mtt bem wütende» Zier in Helle Flaunnen anSznbrecheu; er sah aber aoch zur rechte» Zett ein, baß et nicht bet Man» für ein so zart besaitetes Gemüt sei« würbe. Er wollte bähet keine »»erfüllbaren Hoffnange« in bem Setzen beS Mädchens erregen.

Die einfachste Folge an» diesen Etwägnagea war »aber, den Assessor anS feiner Uneatschlofsenheit zn »ringen, »ab so halb als möglich mtt Camilla za verbinben, bas .wie* wollte et fich noch nähet überlege». Doch fcho» an einem bet nächsten Tage erhiett er bie Gelegenhett, feine» Operativ»». Plan, bet jwterbeffen gereift war, ins Werk ,» fetze». Als er oämlich den erste» Besuch aus bem Bvbenhos wachte, kam auch zvt gewohnte» Ltuvbe bet GerichtS- Affessot do» Steinberg, setzte sich Camilla gegenüber nnb sah ohne mehr als bas nöttgste zn sprechen, eine Stunde laug bem Spiel ihrer wundervolle» Hände und Finget zu. Daun wollte et fich ebenso wie er gekommen wieder entfernen. Herr Lucas schloß fich ihm ober an, unb so fchlenberteu fie bet nahen Kreisstabt zn.

Unterwegs lenkte letzterer bie Unterhaltung auf die FamUie Ster» nnb die Besuche, welche bet Herr Assessor täglich aus bem Gut abftattete: er meinte, baß diese Besuche für ihn recht genußreich fein müßten.

Herr von Sternberg fuhr wie aus einem Traum auf, gewann aber sogleich feinen Gleichmut wieder.

.Ich denke', erwiderte er ruhig überlegend, ,e» st so tote Sie sagen. Ich gehe mm schon über drei Iahte last jeden Tag hinan» «nd es geb während diese» Verkehr» »och kein ttüdes Wölkchen Mischen »ns eine recht brave und anständige Fmuiliel*

.Ja', verficherte sein «esellschaftet,nnb Fräulein Camilla eine seltene, verborgen blühende Blume le würde gewiß jede» Mann, bet fie zu schätzen wüßte, glücklich, machen; nur schade, daß bis jetzt >et richtige fie in ihrer Verborgenheit noch nicht ge- ftr»de» hat. Ich glaubte nnb bie ganze Um-

Nachricht an da» auswärtige Amt spricht nut von schweren Verlusten. DaSTagebl." meldet weiter au» Sansibar: Außer den Gefallene» sollen vier Deutsche von Wahele» gefangen genommen worden sein. Die Namen dieser sowie die Gefallenen sind noch nicht authensisch bekannt. Leutnant Schmidt kehrte von der Expedition gegen die Mafitis resultat»- los zurück. Aus Rom wird telegraphiert: In vatikanischen Kreisen herrscht große Freude über den Besuch de» Reichskanzlers von Caprivi bet dem päpstlichen Nunttu» in München, Mons. Agliardi. Dieser Besuch wird alS ein Beweis der Achtung und Sympathie angesehen; wie versichert wird, sei besonder» die Haltung de» Vatikan» gegenüber der gegenwärtigen Grnppirnng der Mächte besprochen worden unb der Reichskanzler habe die Versicherung erhalten, daß der Vatikan sich ganz neutral verhält. Von bet Schwerfälligkeit de» jetzigen Berwalturgs- apparate» der Berufsgenossenschaften giebt der Geschäftrbericht der Schlefisch-Posener Baugewerb»- genoffenjchaft Zeugnis. Bei 50 000 Nummer» des Geschäftsjoutnal» (13518 Eingängen und 36 442 Ausgänge») ist nur in 458 neuen Fällen eine Ent­schädigung festgesetzt. Selbst unter Hinzurechnung der au» Borjahren übernommenen 1549 Entschä­digungen ergiebt fich auf jede entschädigte Person eine Aufwand von etwa 25 Schreibe» im Laufe eines Geschäst»jahrr», und den gezahlten Entschä­digungen im Betrage von 268 000 Mark steht ein Aufwand von nahezu 71000 Mark gegenüber. Am nächste» Dienstag tritt, derM. A. Z." zufolge, in München die ReichSschulkommifsion zusammen. Die Beratungen derselben werden 34 Tage in Anspruch nehmen und ist deren Zweck die Feststellung derjenigen Privatlehranstalten, welche aufgrund ihre» Lehrpläne» zur Ausstellung von Be­rechtigungsscheinen für den Einjährig - Freiwilligen­dienst ermächtigt w.rden sollen. Den Vorsitz führt Geheimrat vr. Weymann von Berlin; als bayerisches Mitglied fungiert dabei Graf Dr. v. Christ, seit dem Ableben deS Profeffor» Dr. d. Giesebrecht. Die Sitzungen finden im Kultu»ministerium statt. Der bekannte Führer de» Orient-Expeßzuges, welch letz­terer von Alhanas und seiner Räuberbande bei Tscher- ießköi überfallen worden war, Herr Freudiger in Konstantinopel, hat von Kaiser Wühelm als Aner­kennung für fein aufopferndes Benehmen bei der Befreiung der deutschen Gefangenen eine goldene Uhr erhalten, die mit dem in Brillanten ausgeführten deutschen Reichsadler geschmückt ist. Da» wertvolle Geschenk wurde Herrn Freudiger durch einen Sek-

gegenb glaubt eS mtt mir daß fie verlobt sei eS ist aber nicht an bem.*

.Nicht an bem!' wiederholte bet Assessor für fich, alS wen» ihn bie Sache gar nichts angtnge. Nach einer Welle zeigte aber fein Gesicht ein erwachendes Jntereffe.

,3a, nicht an beml* nahm Herr Lucas, al» et ah, daß e» i» ihm arbetiete, wieder das Wort, .alle Belt hält fie für verlobt; fie aber weiß nichts davon, st bas nicht bart? Um fo härter ist eS aber, als durch diese Annahme jeder redliche Bewerbet deren eS gewiß viele geben würde abgeschreckt wttb.'

.Wer soll denn aber* ließ fich bet Assessor lebebnt nnb schüchtern vernehmenihr Bräutigam ein ich habe «och nichts baten gehört!'

«Ich aber, nnb Sie, Sie mein Freund sollen es ein* fuhr fein Genosse ärgerlich als wenn er eine» verstockten Sünder vor fich hätte heraus.

Der Afleffot sah den Sprecher mit seinen ehrlichen n wahrer HerzeuSgÜte schimmernde» Augen groß an, bann schien er fich die Sache reiflich zu Überlegen nnb meinte in feiner ruhigen gefitzten Weise: baß er wohl mit einem Schein von Recht für den Verlobten be» Fräuleins angesehen werben könne, e» sei aber thatsächlich nicht so. DaS Verhältnis wäre ihm ein o liebes unb angenehmes, nnb habet ein so harmloses gewesen, baß er nicht bar au gedacht habe, eS könnte n solchen Unterstellungen Anlaß geben.

«Zu was sollte eS denn Anlaß geben?* fragte ein Begleiter etwas gereizt, weil er glaubte, her gute ?err von Steinberg habe habet nur an fein eigene» Sergnflgen gebucht.Wenn ein fo vornehmer junger Nanu, tote Sie, brei Jahre jeben Tag zu einer kamllie hinaus geht, bie eine Tochter wie Fräulein iamilla hat, fo bars ba» Publikum wohl auf bie Vermutung kommen, daß es bieftrmegen geschehe onst würde fie schon längst »erheiratet fehl!*

AIS Herr Lucas fo herausgeplatzt war, sah ihn ein Gefährte mit ungeheucheltem Erstaunen, ba» halb in ehre angenehme Empfindung überging, an bann

ietär der deutsche» Botschaft in Konstantinopel in feierlicher Weise namens des Kaiser» überreicht.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Kaller Franz Joseph ist au» dem Manövergebiet von Galgccz in Bistriz an» gekommen und festlich empfangen worden. An der kafferlichen Tafel am Freitag brachte der Gastgeber aus Anlaß deS Namenstages be» Zaren dessen Ge­sundheit au». In den böhmischen Städten, welche Kaiser Franz Joseph demnächst zu besuchen gedenkt, werden bereits festliche Vorbereitungen für den Empfang getroffen.

Frankreich. Infolge der fich in Paris wieder breit machende» deutschfeindlichrn Hetzereien ist die erste Aufführung von WagnerSLohengrin" an der Pariser Oper bis zum Mittwoch nächster Woche verschoben, unb ob fie dann stattfindet, mag der Himmel wissen. Die Furcht vor dem Pariser Janhagel ist nun einmal bei den dortigen Behörden so groß, daß sie sich nicht» getrauen. Ein Skandal, welcher vor der Oper am Freitag Abend verursacht wurde, ist von der Polizei ohne Schwierigkeiten unterdrückt. Al» offizieller Grund für die Ber- schiebuug der Lohengrin-Aufführung wird da» am Montag stattfindende Begräbvi» de» früheren Prä­sidenten Gkövy hingestellt, welches auf Staatskosten erfolgt. Der Verstorbene, der bekanntlich stet» sehr sparsam gelebt, hinterläßt ein Vermögen von 10 Millionen Frks. AuS Anlaß be» Namenstages des Czaren haben am Freitag in verschiedenen fran­zösischen Städten BolkSdemonstrationen stattgefunden. Em gelesene» Pariser Blatt erzählt feinen Lesern, die deutschen Offiziere, welche an dem letzten Manöver am Mittwoch teügenommen (eS sind die beiden MilitärattascheeS der Botschaft gemeint), wäre», al» die herbeigeströmte Landbevölkerung dem mit dem Leutnant Carnot au» dem Gelände in da» Quartier zurückkehrenden russischen Militärbevollmächtigten enthusiastisch zugejubelt und Vive la Bussie! Vive Carnot! zugerufen hätte, .bis über die Ohren rot geworven." Ja, ja!

Vom Laiserbklmh in Lasset.

Wie bereits mitgetellt wurden Ihre Majestäten bei dem am Freitag Abend vorn Kommunallandtage veranstalteten Festmahl von dem Vorsitzenden deS Landes-AuSfchuffeS, Vize-Marschall der Althessische» Ritterschaft, Kammerherr von der MalSburg mit

versank er einige Miauten in tiefes Nachdenken. Plötzlich heiterte» fich seine biedere» Züge auf, unb er fragte mit her ehrlichsten Offenherzigkeit: ob ihn ienu wohl Fräulein Camilla zu ihrem Mann unb hre Eltern zu ihrem Schwiegersohn auuehmen würben.

.Ob sie e» würben?* gab her Gefragte in »eiligem Eifer zurück .gewiß würbe» sie e» da» darf ich wohl sage», wen» ich auch weher sie noch ihre Elter» beShalb gefragt habe. Dies ber« teht fich ganz von selbst; be»» sonst würben bie etzteren wohl ein Mittel gefnnben haben, Sie zur Einstellung Ihrer Besuche zu veravlaffe». Sie waren >aS unzweifelhaft ber Zukunft nnb bem LebeuSglück hreS SiudeS schuldig und Sie, mein geehrter Freund ber Sie da» Glück, i» ber Nähe des lieben nnb gebnlbigen Mädchen» zu fein, Über brei Jahre genossen, hätten keine Ursache gehabt, fich barflber zu beklage». Keine verständigen Ellern würden diese Besuche so lange Zett in ber ein Mädchen nicht finger wird zugelassen habe», wen» fie »icht in >er Person nnb bem Charakter be» Besucher» eine Bürgschaft für bie ernstlichen Absichten ans ihre Tochter gesehen hätte».*

Diese Rebe hatte bie gehoffte Wirkung. Herr bon Steinberg sah erst seinen Begleiter betreffe» an, bann ging er mehrere Minuten still vor stch hin. @S arbeitete wie Hefe in ihm, ber zwar an scharfe» Renten gewöhnt war, aber dem praktischen Leben zu fern taub. Endlich war er zu einem Entschluß gekommen.

«Sie haben recht', mein verehrter Freund denn so darf ich Eie wohl nennen Sie haben recht! Nach gewöhnlichen Weltbegriffen mußte e» fo ein; ich durfte gegen bie Familie Stern nicht so landein, wie ich e» that ich stand bem Glück be» Fräuleins im Weg, unb machte selbst keine Anstalten, e» wen« e» überhaupt in meiner Macht lag z» begründe». Ich habe ohne es zn bedenke», ober zv wolle« selbstsüchtig gehandelt, unb fühle eS itzt bentlich, baß ich ihrer überhaupt nicht würdig bin.*

(Fortsetzung folgt)