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Wöchmlliche Bellagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. Illustriertes Sonntagsblatt. Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Äug. Koch.

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Wochmschim.

Der Manöver-Verlauf beherrscht gegenwärtig die polillsche Tage».Diskussion, nachdem sich herauSge- stellt hat, daß die in London gehegten Befürchtungen wegen einer russisch-türkischen Verschwörung gegen Alt-England weit übertrieben waren. Tie brilischen Journale hatten sich sogar zu Alarm-Rufen an den mitteleuropäischen Friedens-Dreibund ausgeschwungen, doch ja darüber zu wachen, daß In Stambul nicht» geschehe, was den Frieden Europas bedrohe. All­seitig ist aber anerkannt, daß e» hiermit gute Wnle hat. Der Sultan steckt in großer Geldnot und Hot darum auf die Mahnungen Rußlands wegen der rückständigen Kriegskosten einige Konzessionen an den Zaren gewacht; aber darüber in Sorgen zu verfallen, liegt kein Grund vor. Wenn die Engländer fürchten, Rußland könnte sich am Mittelmeere festsetzen und den für England» Existenz maßgebenden direkten Seeweg nach Indien bedrohe», so braucht sich des­halb der Dreibund so lange kein Bein auszureißen, als England nicht in aller Form diesem Bunde angehört. Vor einigen Monaten erklärten viele Londoner Zeitungen triumphierend, Großbritannien habe e» nicht nötig, einem Bunde beizutreten. Heute rufen dieselben Blätter schon nach der Hilfe des Dreibundes und sie werden eS in Zukunft wohl »och besser lerne». Rußland setzt seine Minir-Arbett in Konstantinopel ununterbrochen fort, Frankreich appor­tiert dazu auf einen Wink des Zaren und das wird den Dünkel so vieler Briten, von dem erfreulicher­weise die heutige Londoner Regierung völlig sreizu- sprechen ist, doch etwas vermindern.

In der hohe» Politik herrscht Schweigen, und die militärischen Uebungen tu den verschiedenen Großstaaten nehmen darum das erste Interesse tn An­spruch. Die österreichischen Manöver bet Schwarzenau, zu welchen 70000 Mann zusawmrngezogen waren, haben mit dieser Woche ihr Ende erreicht und bet Ihrem Abschluß sind vor den versammelten Generale» und Stabsoffizieren zwischen dem Kaiser Franz Joseph und dem deutschen Kaiser warme Worte auSgetauscht, welche die treue Waffenbrüderschaft der Ärmeren der beiden verbündeten Staaten auf» Neue betone». Ja österreichischen Zeitungen find diese Ansprachen al» Antwort auf die Franzosen-Demonstrationrn in Rußland und auf die Ruffen-Ovationeu in Frankreich vielfach aufgefaßt worden, aber eine solche Antwort ist wohl kaum beabfichtigt gewesen und sie war recht unnötig. Aus den Worten der beiden Kaiser klingt als Grundinhalt höchstens der Kernspruch heraus:

(Nachdruck Derboten.]

Lm wttrr-erlicher Freier.

Bon H. F.

(Fortsetzung.)

Auch ein gezähmter Damhirsch, »Haus' genannt, sand sich öfters mit seinem Harem ein und gab dem Gesamtbild einen besonderen Reiz. Gewöhnlich war der Förster bei dem Besuch de» Herrn LocaS im Walde abwesend, vnrde aber von feinet Frau, einer sehr artigen Dame, würdig vertreten. Saum hatte « seine» Besuch, bei dem er nicht versehlle, vom Hosbäcker frische Lrödcheu mitzuuehmeu, einige Mal wiederholt, als die Försterin schon den Saffee vor. berettet hatte, und mit einer Zierlichkeit darreichte, die nichts zu wünschen übrig ließ. Sie setzte fich auch wohl mtt einer Arbeit zu ihm uud machte ihn vit den vornehmen Familien von B. uud Umgegend bekannt, wobei fie mitunter etwas scharf raSholle; aber doch im ganzen glimpflich verfuhr.

Auf diese Art ward er auch bei der Familie Stern auf dem Bubeuhof, wo die Försterin einige Jahre als Wirtschafterin fungierte, eiugeführt, waS ihn umsomehr interessierte, alS der Srchivrat BromtuS der Schwiegervater deS Herr» Stern war. Sie wußte diese Leute nicht genug zu loben, und Fräulein Camilla war ein wahrer Engel an Schönhett und Mter Jungfräulichkeit. Sie hob nameMlich ihre Geduld dem närrischen Freier gegenüber hervor, und dieser kam lange nicht so gut weg, obgleich er der «sie und redlichste Mensch unter der Sonne war. Gr war nach ihrer Ansicht uuverantwottlich, ein arme» Mädchen so lange auf eine Erklärung warten »>d ihre Ettern zugleich in bangen Zweifeln zu «ffen. Herr LucaS war durch diese Erzählung ordentlich neugierig, die vekanutschaft dieser Engel» v>d seine» Quälgeister, de» Assessors von Steinberg, W machen. Während solcher Unterhaltung mußte d« gute Fran den zudringlichen Han» öfter mtt dem Ritt gehaltenen Besen abwehren, denn dieser ent»

Bonge machen gilt nicht!', und damit können wir völlig zufrieden sein. Au» dem österreichischen Manöverterrain hat fich der Kaiser nach München begeben. In der bayerische» Hauptstadt haben vor der Ankunft des Monarchen allerlei dunkle Ehren­männer versucht, noch dunklere Nachrichten zu ver­breiten. Man stellte fich i» den sogenannten patriotischen' Kreisen an, als wolle derMalrfiz- preuß' den armen Bayern mit Haut und Haaren zum Frühstück verspeisen. Daran denkt kein Mensch, Boyern hat so große Sonderrechte, wie kein anderer Bundetstaat im Deutschen Reiche und wird dieselben auch ganz gewiß behalten in aller Zukunft. DaS einfache und gewinnende Aufttrten de» Kaisers in München hat auch sofort die im Umlauf gewesenen Klatschereien beseitigt. Am Mittwoch fand brr München die große Parade statt, Donnerrtag und Freitag find die Feldmanöver gefolgt. Daran schließen fich nun die preußischen Manöver, zu deren Abhaltung der Kaiser sich vorerst »ach Caffel begiebt. DeS Ferneren dentt der Monarch auch noch den militärischen Uebungen im Königreich Sachsen beizuwohne».

Die größte Aufmerksamkeit ziehen die ftavzösische» Manöver auf sich, zu welchen 120 000 Mann zu­sammengezogen find. Die Vorbereitungen für diese» militärische Schauspiel sind außerordentlich umfang­reiche, und r» wäre also mehr, als wunderbar, wenn nun nicht alle» klappte. Jndeffen kommen doch verschiedene recht possierlich« Sachen vor, die be­weisen, daß man r» sich immer noch bequem genug macht. Bon dem Oberbefehlshaber, dem General Saussier, und seinem Generalstablchef Miribel sind dir Zeitungen durchaus nicht so sehr erbaut, hingegen soll fich der Führer beS Ostkorp», Marqui» Galliset, gut bewährt haben, und fast noch mehr der KorpS- kommandrur Jsmont.

I» der inneren deutschen Polittk sah e» still au». Im ganzen beifällig begrüßt ist die jetzt er­folgte Aufhebung deS Verbotes der Einfuhr von amerikanischem Schweinefleisch, die aber »och keine direkten Wirkungen haben wird, den» in Nord- Amerika find noch keine Ausfuhr-Vorräte vorhanden. Einig« Zeit wird also Wohl vergehen, bis umfang­reichere Transporte eingehe». Die Getreidepreise sind langsam weiter gesunken, eine Vergrößerung des Brotes ist aber noch nicht so recht zu konstatieren. Immerhin bleiben die Preise für die Jahreszeit noch recht hoch.

Au» Paris kommt die Kunde vom Tode eine» Mannes, deffen LebenSlauf beweist, daß auch heute noch der Satz gilt, daß Niemand vor seinem Tode

glücklich zu preisen ist. Auf feinem stillen Landsitze Movt-sous-Vaudrey ist im Alter von 84 Jahren Jule» Grsvy, von 1879 bi» 1887 Präsident der französischen Republik, gestorben. Grövy, der von HauS aus Jurist war, erfreute sich wegen seine- makellosen Lebenswandel», seiner gemäßigten, fried­lichen Anschauungen auch im deutschen Reiche einer sehr hohe» Achtung. Nach dem letzten Kriege wurde er zum ersten Präsidenten der französischen BolkS- verttetung gewählt und behielt dies Amt mit kurzen Unterbrechungen auch bis zum Jahre 1887. Als der damalige Präsident von Frankreich, der Marschall Mac Mahon, zurücktreten mußte, wurde Gröoy zu seinem Nachfolger gewühlt. Er lebte sehr zurückge­zogen, auch machte ihn seine etwas zu weitgehende Sparsamkeit zum Zielpunkte zahlreicher Spötteleien, aber im ganzen erfreute er sich doch eines großen Ansehens und wußte namentlich zu der Zeit, als Boulanger einen Krieg mtt dem deutschen Reiche vom Zaune brechen wollte, mit Erfolg seinen Ein­fluß geltend zu machen.

Der Bürgerkrieg i» Chile ist allerdings zu Ende, aber e» giebt doch noch eine recht kitzliche Frage zu ordnen. Der Präsident Balmaceda, der feit der Schlacht bei Valparaiso unsichtbar geworden ist, hatte während des Bürgerkrieges eigenmächtig Papiergeld im Betrage von 27 Millionen Dollars drucken und zwangsweise verbreiten lasten. Die siegreiche Kongreß- Partei hat nun keine Neigung, diese Schuld anzu­erkennen, aber es wird wohl kaum etwa- anderes schließlich Übrig bleiben. Eine Entwertung diese» Papiergeldes würde der ganzen Bevölkerung außer- ordenttich große Verluste bringen. Für die be­vorstehende Präsidentenwahl in den Vereinigten Staaten von Nordamerika hat die republikanische Partei den heutigen Minister de» Auswärtigen, Blaine, al» Kan­didaten aufgrstellt, während die Demokraten den früheren Präsidenten Clevrland auf den Schild er­heben.

Aus den übrigen Staaten liegt ftgend etwas von Belang nicht vor,- hier unb da haben einige kleine Streiks zu balb unterbrückte» Krawallen Anlaß ge­geben, aber irgenb eine bedeutsame Thatsache ist in keiner Weise zu konstatiere». Die Sauregurkenzeit, bie int regenreichen Sommer nicht zum Regiment gelangen konnte, schwingt heute mit unbestrittener Allmacht ihr Szepter.

Deutsches Reich.

Berlin, 12. August. Die Kaisermanöver

in Bayern haben am Freitag ihr Enbe erreicht. Bon den Mitgliedern de» bayerischen Königshauses hatte fich der Kaiser schon am Donner»tag verab­schiedet und konnte infolge besten sofort nach dem Schluß der Freiiag»manöver bie Weiterreise nach Cassel zu den Hebungen be» hessischen Armeekorps angetreten. Der Aufbruch zum Manöverfelde er­folgte am Freitag Morgen schon um 6 Uhr, beibe bayerische KorpS manöverierten an bleiern Tage ver­eint gegen einen markierte» Feind Es handelte fich für bie Korp» habet um baS Zurückwerfen eine» hinter einer langgestreckten, von dem Rothbach durch­zogenen Niederung stehenden Feinde». Der recht« Flügel (2. Armeekorps) hielt den Gegner durch Feuergefecht fern, bi» der linke Flügel (1. Armee- korp») heran war, dann erfolgte ein umfassender Angriff beider Korps auf den Feind. Die Ausdauer der Truppen, unter ausgezeichneter Anführung, war hervorragend. Der Kaiser war des Lobes voll und ritt mit dem Prinzregenten nach dem Abbruch beff Gefechtes die Fronten ab, die Truppen huldvoll be­grüßend. Gegen 11 Uhr reiste dann der Kaiser nach herzlichem Abschiede von dem Prinz-Regenten Luitpold von Röhrmoos nach Caste! ab; der Reichs­kanzler von Caprivi und der Feldmarschall Graf Blumenthal kehtten von München direkt nach Berlin zurück. Am Freitag Abend Ist der Kaiser wohlbe­halten in Castel angekommen, wo die Kaiserin schon am Abend zuvor eingetroffen war. AuS Hofkreisen verlautet, daß der Kaiser von dem Empfange, den ihm der Hof, wie die Bevölkerung in München bereitet haben, überaus angenehm be­rührt worden fei. Die Leistungen der bayerischm Truppen hätte« in hohem Grade befriedigt und alle Erwartungen übertroffen. Ein Gegenbesuch be» Prinzregenten am Berliner Hofe in nicht allzuferoer Zeit sei in sichere Aussicht gestellt. Am 19. d. M., ubenbl, wird der Kaiser im Neuen Palai» bei Pot»dam erwartet unb, wie e» heißt, würde er schon am 20. September abend» zu den Jagden nach Ostpreußen fich begeben. Die dritte Abteilung deS deutschen Juristentage» tu Köln hat sich mtt 97 gegen 86 Stimmen gegen den Erlaß eine» Gesetze» zur Bekämpfung der Trunksucht ausge- sprochen. Dem am 1. September eingesührten allgemeinen AuSnahmetorif für Getteide, Hülsenftüchte und Mühlenfabrikate (einschließlich Kleie) find außer den früher genannten Bahnen ferner betgetreten: die Main-Neckar, Forge-Vegesacker, Hoyaer, NeuhaldenSlebener, Warstein - Lippstadter und Osterwieck - Waster»lebener Eisenbahn (letztere

blödete fich nicht, »ach den lecker» stischeu Brödche» zu verlange», während Herr LocaS ihn unb feine Senosfinnen mit Schwarzbrot) fütterte, daS nach ber Meinung ber Försterin wehr als gut genug für sie war.

Bei Gelegenheit eines solchen Frühstücks, bim die Försterin beistand, hielt plötzlich ein Wagen vor dem Parkthor, und eS stiegen zwei Damen aus demselben, welche die Frau ihm in der Geschwindigkeit als Fran und Fräulein Ster» bezeichnete und davon eilte, um den willkommenen Besuch zu empfangen. SIS nun die Dame» näher tarnen, sah Herr LocaS, daß die Fran von Camilla nicht zu viel gesagt hatte. SS lag über dieser uutadelhasteu Gestatt eine so himmlische Ruhe und ihr Geficht war so schön und ebenmäßig gebildet, daß er unwillkürlich von ihrem Blick geftffeU wurde. Die Damen gingen, nachdem sie ein tätige* brachteS Körbchen seine» JohaltS, welcher au» mehreren Papier Päckchen bestand, entleert hatten, die wahrschein­lich daS Material zu einem Frühstück geben sollten, mit der Försterin in daS Foisthau». Saum sahen dieses HaoS und die beinigen, als sie fich blitzschnell an den Tisch machten, und ohne daß eS Herr LucaS verhinderu konnte, sämtliche Päckchen mit dem Papier verschlangen. Sie flohen bann vor dem mtt bem Besen herbeigeeilte» Herrn tn den nahen Wald und als nun die Eigentümerinnen wieder kamen und ihren Proviant verschwunden sahen, nmrtn fie anfangs in Verlegenheit, biS ihnen der junge Manu, welcher fich geziemend bei ihnen et»führte, dieses Verschwinden erklärte. Die Mutter mußte nun herzlich lachen, Über der Tochter Geficht glitt aber kaum ein hellerer Strahl, obschon sie innerlich Über den Raub nicht betrübt war, sondern ihn den Hirschen gern gönnte.

Der Verlust war an» den Vorräten be» Forst« Haufe» leicht ersetzt, unb während bie Damen ihren Saffet tranken, suchte sie Herr LucaS nach Kräften zu unterhalte». Liefe» Bestrebe» trag ihm eine Ein- laduog »och bem Bubeuhof ein, vorauf sie sich wieder io ihre» Sagen begaben unb nach B. zu Later und Großvater fuhren.

Einige Tage nach diesem Besuch lud der Archtvrat unfern jungen Naturforscher zu einem Spaziergang nach einem etwa eine Stunde entfernten, geschichtlich merkwürdigen Klostergut de» Fürsten ein, wo eine schöne gothische Kirche mll viele» merkwürdige» Grab, mäleru z» sehe« war. Sie sollte» daselbst mit der Famllie Ster» nnb bem Assessor vo» Steinberg zusawmeotreffeu. Herr Luca» wollte wegen ber fürchterliche» Hitze» die nm bie Mittagszeit herrschte, wo bie Zusammenkunft statt stade» sollte, Eiu- wevbnnge» erhebe» , aber der alte Herr; lachte ihn au», und suchte ihn durch das Versprechen, ihm unterwegs eine alte, sehr rührende Geschichte zu erzähle» wa» ihm den» auch gelang auf andere Gedanken zu bringen. Die Geschichte war denn auch so all und rührend, daß ber junge Natur, forscher bie Hitze gern ertrug, unb sie fich nnbetmertt bei bereu Beendigung tn ber Nähe tbeS Guts, im Schatten eines kühlen BucheuhochwalbeS befände», tn bem anch der Hirt mtt feinen Rinder» eine Mittag», zvflocht gesucht hatte.

In diesem luftigen Wald, der an daS Gut grenzte, kamen ihnen Camilla, ihre Mutter und ber Assessor entgegen. Das Fräulein war fehl geschmackvoll ge. Heibet, hatte aber unglücklicherweise einen roten Sommershawl angelegt, welche Farbe bekanutttch fast febe» Stier wütend macht. Raum hatte der bei ber Rinberherbe befindliche den roten Lappen bemerkt, so sprang er wütend aus nnb stürzte auf da» arme Kind lo». Sie bemerkte aber die Absicht des Tiere» und machte sich wahrscheinlich in ber Erwartung, bei ihrem Großvater unb seinem Begleiter besseren Schutz zu finde» vo» ihrer Begleitung lo» und lief diesen entgegen. Vergebens rief ber frage Mara, während er selbst bem Tier entgegenlief, vor allem bie rote Fahne wegznwerfeu, den» ber Stier hatte sie eher en eicht al» er.

Gleich bei bem erste» Anprall fiel Camilla um; nun wollte er zum zweite», verderblichere» Stoß rarhole» und da» arme Kind, wo eS verloren

gewesen wäre, auf die Hörner nehmen, al» der junge Naturforscher feinen mächtigen mineralogischen Hammer schwingend, bas Tier erreichte nnb ihm einen so wuchtigen Schlag auf bie Stirn beibrachte, baß eS betäubt zusammenstürzte. Nun kam auch ber Hirt, welcher geschlafen hatte, aus das Geschrei mll seinem Stock herzugelaufen und trieb ben ergrimmten Ge­sellen nach ber Heerbe zurück.

Camilla lag in Ohnmacht ba, ihre Mutter und ber Assessor standen hilflos da, starr nnb steif vom Schrecken; nur ber Archivrat hatte feine Geistesgegen­wart bewahrt unb kam nun herbei, um den jungen Mann wegen feiner mutigen That zu beglückwünschen. Auch bie Mutter kam nun heran, rat fich mll ihrem Kind zu beschäftigen unb eS aus seinem Zustaub zurückzubriugeu, wa» ihr auch alsbald gelang. Nur der unentschlossen« überraschte Assessor verhielt fi- ganz unthätig unb überlegte anscheinend, was ran für ihn zu thra sei. Endlich setzte er sich in Be­wegung und beglückwünschte gleichfalls in feierlicher Weise Herrn Lucas, indem er habet freimütig be­merkte, daß ihm leider durch eine verfehlte Erziehung die Eigenschaft abgehe, in solchen Fälle» rasch »ud sicher zu handel».

Er wisse a»ch nicht einmal, ba er »och nie in bem Fall wie heute gewesen sei, ob ihm Überhaupt ber Mut dazu gegeben.

Dieses offene Bekenntnis seiner Schwäche gab ihm in ben Augen beS jungen Mannes bie Achtung wieder zurück, welche er kurz zuvor durch sein Be­ttage», welche» letzterer für Feighell hielt, verwirkt 'satte.

E» läßt fich denke», daß »ach diesem Borgrag bie Einladung nach dem Bubeuhof mll doppelter Herzlichkell wiederholl uud vo» einem flehenden Blick Camillas begleitet wurde. Eie mochte hierbei Ver­gleiche zwischen ihm und ihrem Verehrer anstelle», die »icht z» Graste» de» letzter» artSfallr» konnte», wer« er anch sonst ein noch so redlicher, ehrenwerter Man« gewesen wäre. (Fortsetzung folgt)